Meisterwerke der Klassik im LoFi-Sound

Ein HipHop-Produzent bei der Deutschen Grammophon? Mir war klar, dass dieser Release etwas ganz Besonderes sein muss. Der Produzent und Musiker aus Los Angeles hat klassische Musikaufnahmen anhand von Samples in eine spezielle Art von LoFi-HipHop verwandelt und nennt das Ergebnis „Lofi Symphony“. Einem ganzen Dutzend bekannter Melodien hat er auf diese Weise mit einem halbstündigen Album neues Leben eingehaucht.

Er startet entspannt mit „Under The Moon“, einem Remix von Claude Debussys „Clair de lune“. Alles bleibt ruhig und entspannt, ohne große Ausschweifungen. Schade, dass die meisten Tracks sehr unvermittelt ausgeblendet werden, aber das ist wohl der Länge der Originale geschuldet. Zu Beginn fand ist das allgegenwärtige Vinylknistern im Hintergrund etwas irritierend, doch dieser Kniff entwickelt durchaus einen analogen Charme.

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Beethovens „Mondscheinsonate“ gehörte schon länger zu L.Dres persönlichen Favoriten, hinzu kamen Erik Saties „Gymnopédies“ oder Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, die das Klangbild seines Albums erweiterten. Neben ruhigen, melancholischen Stücken, die sich ganz offensichtlich für eine Lo-Fi-typische Bearbeitung eigneten, wählte L.Dre auch bewusst energetische Kompositionen, um die dynamische Spannweite des Albums zu erhöhen.

Insgesamt ging es L.Dre vor allem darum, „ein paar wirklich ikonische klassische Stücke auszuwählen und ihre Geschichte neu zu erzählen, auf meine ganz eigene Weise“. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Außerdem wollte ich, dass all meine Produzenten-Freunde darüber rätseln, wie ich für diese Stücke wohl die Freigabe bekommen habe.“

Mit diesem Album ist ihm ein zeitloses Stück Musik gelungen, das zum entspannten Zuhören einlädt, ohne dabei Easy Listening zu werden. Man kann bekannte Melodien in einem spannenden Rahmen neu entdecken und sich in L.Dres Neuinterpretation hinein fallen lassen. Ein absolut gelungenes Experiment, das gerne ausgebaut werden darf.

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Künstler-Info:

Der in Los Angeles aufgewachsene L.Dre lernte als Kind verschiedene Instrumente wie Gitarre und Schlagzeug, doch in seiner Jugend dominierten Skateboarding und Hip-Hop seinen Tagesablauf. Obwohl er Musikproduktion am College studierte, wurde YouTube zu seinem wichtigsten Lehrer. Inspiriert von seinen frühen Helden, Hip-Hop-Produzenten wie J Dilla oder Kaytranada, fing er schon als Teenager an, instrumentale Produktionen auf Streamingplattformen hochzuladen. Seine ruhigen, vom klassischen Boom-Bap-Stil der 1990er-Jahre beeinflussten Beats passten zu einem Trend, der sich in entsprechenden Playlisten abzeichnete. Seine Generation nutzte Lo-Fi Beats vor allem als Hintergrundmusik, etwa zum Lernen.

Als Digital Native nutzte L.Dre von Anfang an die sozialen Medien, um seine eigene Marke aufzubauen. Auf Instagram, YouTube oder TikTok teilt er mit seinen Follower:innen sehr offen Tipps und Tricks im Umgang mit Musiksoftware und Einblicke in den Alltag und die Arbeitsweise eines Musikproduzenten. Dieser edukative Ansatz hebt L.Dre aus der Masse an gesichtslosen Lo-Fi-Produzent:innen heraus. Seine hohe Arbeitsmoral und seine entspannte, zugängliche Persönlichkeit ließen seine Kanäle und seine Community unaufhaltsam wachsen.