„Himmelerdenblau“ – Romy Hausmanns neuer Thriller als Roman und Hörbuch

Gefühlt erreichen mich im Moment hauptsächlich Romane, bei denen Kinder verschwinden, deren Schicksal Jahrzehnte später durch neue Erkenntnisse aufgeklärt werden soll. Da kann einem echt angst und bange werden, vor allem wenn man selbst Kinder hat. Doch natürlich erhöht es den Spannungsfaktor ungemein. Außerdem führen die unterschiedlichen Zeitebenen, die ein solcher Plot bieten kann, zu starken Darstellungen, bei denen die Leser*innen den Ermittelnden oft eine Nasenlänge voraus sind.

Romy Hausmann hat sich für „Himmelerdenblau“ ein ganz besonderes Setting ausgedacht: Denn Theo, der Vater der vor zwanzig Jahren verschwundenen Julie, leidet an fortschreitender Demenz und will unbedingt den Verbleib seiner Tochter aufklären, bevor ihn der letzte Erinnerungsfunke verlässt. Unterstützt wird er dabei von der Podcasterin Liv, die mit ihrem Partner einen erfolgreichen Tru-Crime-Podcast betreibt.

Die 44jährige Autorin ist in Thüringen aufgewachsen und mit ihren Eltern nach Westdeutschland geflohen. Nach einigen Jahren als Fernsehjournalisten avancierte sie mit ihrem Thrillerdebüt „Liebes Kind“ zu einer der erfolgreichsten Autorinnen in Deutschland. Dieser Roman, in dem es ebenfalls um mysteriöse Entführungsfälle geht, wurde erfolgreich von Netflix verfilmt, erhielt 2024 einen internationalen Emmy Award und puschte die Gesamtauflage des Buches auf 1,2 Millionen Exemplare in dreißig Ländern.

Romy versteht es auch in „Himmelerdenblau“, ihre Leserschaft von Beginn an zu fesseln. Die Story wird in kurzen Kapiteln aus der Sicht wechselnder Protagonist*innen erzählt. Dabei passt sie die Erzählweise genial an die Figuren an, so leidet Theo unter Wortfindungsstörungen, verwendet falsche Begriffe und zeigt sich in seinen Monologen äußerst verwirrt. Liv hingegen wird in ihrer intensiven Recherche-Arbeit beschrieben und auch der zugrundeliegende Podcast im Wortlaut wiedergegeben.

Klappentext: Seit dem 7. September 2003 ist Julie Novak verschwunden. Die Familie ist daran zerbrochen. Nur ihr Vater Theo hört nicht auf, nach ihr zu suchen. Als sich Julies Verschwinden zum zwanzigsten Mal jährt, nimmt die Podcasterin Liv Kontakt zu Theo auf. Sie sei auf eine neue Spur gestoßen. Doch wenn er die Wahrheit erfahren will, muss er sich beeilen, bevor seine fortschreitende Demenz alles mit Dunkelheit überzieht. Wer zum Teufel hat ihm seine Tochter genommen? Warum hat Julies Ex-Freund Daniel das Schlafzimmer seiner verstorbenen Mutter so sorgfältig verschlossen? Und gibt es etwas Grausameres als die Ungewissheit über das Schicksal des eigenen Kindes?

Hinweise und Verdachtsmomente gibt es viele. Auch die Entführte selbst und der Hauptverdächtige kommen zu Wort. Die komplette Story ist sehr raffiniert konstruiert. Manchmal droht man als Leser*in den Überblick zu verlieren, doch dann gibt es wieder schlüssige Auflösungen, die den Spannungsbogen noch verschärfen. Was am Ende wirklich passiert ist, wird selbst findige Krimifans überraschen.

Ich habe übrigens parallel zum Roman das Hörbuch gehört – hochkarätig besetzt mit Felix von Manteuffel, Anna Maria Mühe, Leslie Malton, Uve Teschner, Florian Gregorzyk und Romy Hausmann selbst. Ein intensives Erlebnis, das dem integrierten Podcast-Geschehen noch mehr Geltung verschafft. Sehr empfehlenswert!