Jubiläum im Hause Titania Medien: Sherlock Holmes – Hörspiel Folge 50

Egal ob Benedict Cumberbatch, Johnny Lee Miller (in “Elementary”) oder Jeremy Brett in den 80er Jahren – Verfilmungen um den legendären Detektiv und seinen Partner Dr. Watson erfreuen sich seit Jahrzehnten höchster Beliebtheit. Selbst die Netflix-Generation hat mit Millie Bobbie Brown als Holmes’ kleine Schwester Enola ihre eigene Heldin, womit der Hype um die Figuren von Arthur Conan Doyle locker in die nächste Generation gerettet wird.

In dieser Auflistung machen auch diverse Hörspielreihen keine Ausnahmen und erfreuen sich höchster Beliebtheit. Bei Titania Medien erscheinen “Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs” und erleben mit Folge 50 gerade ein Jubiläum. Autor Marc Gruppe lehnt sich in seinen neuen Geschichten an die Figuren von Doyle an und lässt sie in der Originalzeit Ende des 19. Jahrhunderts spielen. Wie er selbst dazu sagt: „Ich habe die Figuren und Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle komplett verinnerlicht. Als kleiner Junge schon begeisterten mich die Sherlock Holmes-Hörspiele. Daraufhin habe ich mir dann nach und nach alle Bände der Sherlock Holmes-Reihe vom Taschengeld gekauft. Seitdem habe ich diese doyleschen Charaktere und Konstellationen im Kopf, und sie sind die Grundlage von allem. Trotzdem sind die Figuren natürlich auch Gruppe-Figuren und gleichzeitig die Figuren der Schauspieler, die sie sprechen.“

Marcs Geschichten sind nicht nur überaus unterhaltsam, sondern tatsächlich auch lehrreich. Historisch verbürgte Ereignisse sind geschickt in die Kriminalfälle eingefügt, und so tummeln sich zahlreiche illustre Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, wie etwa Bram Stoker oder Geisterjäger Harry Price in den Geschichten. Die Jubiläumsfolge 50 “Ludwig II. – Der Tod im Würmsee” ist bereits die zweite Produktion, die sich um den Sisi-Mythos und die Wittelsbacher dreht.

Interessant ist der Einstieg in die Geschichte, der erklärt, warum es diese neuen Hörspiele gibt: nämlich weil es geheime Fälle sind, die ursprünglich nicht offen gelegt werden durften. Wir steigen also direkt ein ins Jahr 1886, denn Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn wendet sich persönlich an Holmes und Watson, um ihren Vetter Ludwig II. von Bayern vor der Entmündigung zu retten. Grade am Würmsee angekommen, um den König in Sicherheit zu bringen, erfahren die beiden schon vom Tod ihrer Majestät.

Die eigentliche Verbrecherjagd enthält kaum Action. Vielmehr erhalten die Protagonisten ihre Informationen durch eine lange Erzählung des Arztes Dr. Müller, der die Paranoia des Königs beschreibt und das Geschehen aus seiner Sicht nacherzählt. Natürlich kommt Sherlock der Wahrheit auf die Schliche, aber ich will nichts weiter verraten.

Etwas eintönig ist es schon, dass sich die Ermittlungsarbeit ganz auf genannte Berichterstattung beschränkt. Die Aneinanderreihung von Namen, Handlungen und Beweggründen ist schon sehr ermüdend. Auflockernd sind auf jeden Fall die Einwürfe anderer  Figuren. Dabei gibt es recht viel Abwechslung und gute Sprecher*innen. Nur in die Sprachmelodie von Detlef Bierstedt als Dr. Watson, der zugleich als Erzähler fungiert, musste ich mich erst reinhören. Eine musikalische Untermalung erfolgt in dezenten Klängen mit Musik von Richard Wagner.

Fazit: Idee und historischer Hintergrund gefallen mir gut, die Umsetzung könnte aber schmissiger sein – mit mehr echter Handlung und häufigeren Dialogen.