Seit einem Vierteljahrhundert halten ASP aus Frankfurt die Fahne des düsteren Gothic-Rock in Deutschland hoch. Eine Reihe herausragender Alben ist in dieser Zeit erschienen. Man denke nur an die Vertonung der sorbischen Sage um den Zauberlehrling Krabat oder an das zweiteilige „Verfallen“, die Vertonung einer Horrorgeschichte des bekannten Autors Kai Meyer.
Ganz besonders stechen aber zwei breit angelegte Konzeptwerke aus dem Backkatalog der Band heraus: Der Liederzyklus des „Schwarzen Schmetterlings“ umfasst die ersten fünf Alben der Band und gilt in seiner Gesamtheit als düsteres Meisterwerk. Zu dieser Zeit war die Musik noch sehr elektronisch geprägt – erst im Laufe der Jahrzehnte kamen stärkere Rockelemente hinzu. Und der „Fremder“-Zyklus (ab 2011) erzählt die Geschichte eines Reisenden, der viele verschiedene Realitäten und Welten besucht.
Zuletzt überraschte die Band mit dem Album „Horrors“, welches mit musikalischen Kurzgeschichten eine spannende Abwechslung zu den bisherigen verschachtelten Erzählstrukturen bot und für ein aufregendes Intermezzo sorgte, bevor sie sich im Jubiläumsjahr 2024 einer umwerfenden Neuinterpretation von ASP-Klassikern widmete, die unter dem klangvollen Namen „Returning to Haunted Places“ veröffentlicht wurde. Kürzlich erschien die EP „Mehr denn je!“, die auch der aktuellen Tour ihren Titel gibt.

Seit der rockigen Bandumbesetzung 2011 mit Sören Jordan an der Lead-Gitarre ergänzen Elemente aus Rock und Metal das Geschehen und tragen zu einem phantasievollen Gesamtwerk bei. Frontmann Asp Spreng interpretiert die Stücke gewohnt intensiv und eindrücklich – so wird das Erzählen musikalischer Geschichten zur Kunstform.
Eins steht nach Jahrzehnten des Schaffens fest: Auf der Bühne sind ASP immer ein Erlebnis – ob bei den Hallenkonzerten, als Headliner der einschlägigen Szene-Festivals oder auf großen Metal-Veranstaltungen wie dem Wacken Open Air und dem Rockharz. Das Konzert in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen war nach den Worten von Alexander „Asp“ Spreng zwar (passend zum kleinen Saarland) das kleinste Konzert auf der Tour, doch er empfand es durchaus als das lauteste. Und ich kann zustimmen: Die Stimmung war ab Beginn bis zum Ende des 150minütigen Konzerts durchgehend ganz oben mit einem feier- und singfreudigen Publikum.
ASP bauen die Konzerte der „Mehr denn je!“-Tour wie eine Zeitreise durch die eigene Geschichte auf: Zwischen frühen Klassikern, Stücken aus dem „Schwarzen Schmetterling“ und späteren Kapiteln blieb immer auch Platz für aktuelle Songs. Besonders bei „Und wir tanzten“, „Schwarzes Blut“ oder „Werben“ zeigte sich, wie tief diese Stücke im kollektiven Gedächtnis des Publikums verankert sind. Dazwischen sorgten die düster-verspielten und manchmal herrlich morbiden Stücke dafür, dass das Konzert nie in eine simple Hitparade abrutschte. Mit „Schockrock“, „Mondlicht Romantasy“ und „Mehr denn je!“ bekamen auch die neuen Stücke ihren Platz.
Überhaupt war die Stimmung weniger die eines gewöhnlichen Konzerts als die eines großen Familientreffens der Schwarzen Schmetterlinge: vertraut, textsicher und jederzeit bereit, sich gemeinsam in die düsteren Geschichten fallen zu lassen. Der Frontmann schaffte es gar, das Publikum vom nervigen Handy-Filmen abzuhalten. Und der Song „Rücken an Rücken“ war ein ganz besonderes Element, als sich sowohl der Sänger als auch das komplette Publikum den Rücken zukehrten.
Für 2027 darf man sich auf die „Wunschgegner Tour“ freuen, bei der die Fans die Setlist bestimmen dürfen. ASP freuen sich auf das Ergebnis der Abstimmung, aber sie fürchten es auch. Spannend!













