Nordische Klänge und mystische Geschichten
Ásgeir Trausti Einarsson ist ein isländischer Sänger, Songwriter und Multi-Instrumentalist, geboren 1992, der international für seine sanfte, klare Stimme und seinen atmosphärischen Mix aus Folk, Indie-Pop und elektronischen Klängen bekannt wurde. Seinen großen Durchbruch hatte er mit dem Debütalbum „Dýrð í dauðaþögn“ aus dem Jahr 2012, das in Island außergewöhnlich erfolgreich war und sich dort – gemessen an der kleinen Bevölkerung – rekordverdächtig oft verkaufte, sodass es statistisch gesehen jeder zehnte Isländer besitzen muss. Ein Jahr später erschien mit „In the Silence“ eine englischsprachige Version, die ihm auch international Aufmerksamkeit verschaffte.
Seitdem ist Ásgeir bekannt für seine atmosphärische Musik. Charakteristisch sind ruhige, melancholische Klanglandschaften, minimalistische Arrangements und ein gefühlvoller Falsettgesang, der oft mit der Weite und Stille der isländischen Natur assoziiert wird. Ein besonderer Aspekt seiner Arbeit ist, dass viele seiner isländischen Songtexte von seinem Vater, dem Dichter Einar Georg Einarsson, stammen und für die internationalen Veröffentlichungen sinngemäß ins Englische übertragen wurden. Für das neue Album trifft dies aber nicht zu. Songs und Lyrics stammen allesamt von Ásgeir – bis auf den Titelsong „Julia“, der auf einem Gedicht des Vaters beruht. Dabei geht es um die Geistergeschichte einer Selbstmörderin, die zuvor schon in „Universe Beyond“ aufgegriffen wurde.
Die Stimmung des Albums schwankt zwischen Fröhlichkeit und tiefer Melancholie. Es geht um Reue über Vergangenes, aber auch um Hoffnung für die Zukunft. Die Arrangements sind oft luftig und leicht in einem eingängigen Folkpop mit organischen Klängen. Man wird regelrecht mitgenommen auf diese emotionale Reise. Die Vocals bleiben meist im Tenorbereich, was auch gut ist. Der Falsett ist zwar Ásgeirs Markenzeichen, doch er kann auch recht nervig sein. Dezent eingesetzt liefert er wichtige Akzente.
Die verletzliche Stimme wird von einer vierköpfigen Band umspielt. Später hat man noch ein Harmonium drüber gelegt – vermutlich um den Sound kompakter zu machen. Die erzählenden Texte führen durch ein introvertiertes Album, das ich mir immer wieder anhören kann. Wundervoll getragen und berührend.
Im Herbst 26 wird Ásgeir live nach Deutschland kommen:
- 11.09. Hamburg – Mojo Club
- 12.09. Berlin – Hole 44
- 14.09. München – Technikum
- 15.09. Köln – Kulturkirche
