Traumpartner oder Killer?
Und wieder ein neuer Roman von Freia McFadden, die momentan durch die Verfilmung ihres Werks „The Housemaid“ (deutsch: „Wenn sie wüsste“) in aller Munde ist. Die US-amerikanische Thrillerautorin und praktizierende Ärztin versteht es wie kaum eine andere Schriftstellerin, alltägliche Themen mit einem feinen Gespür für Spannung und zwischenmenschliche Zwischentöne zu verbinden. Ihre Geschichten wirken zunächst leichtfüßig, entfalten aber schnell eine überraschende Tiefe, die Leser*innen fest ins Geschehen hineinzieht. Gerade diese Mischung aus Humor, emotionaler Ehrlichkeit und geschickter Dramaturgie macht ihre Werke zu besonderen Leseerlebnissen.
Das aktuelle Werk trägt den Titel „Der Freund“ und ist ohne Vorkenntnis anderer Romane zu lesen, da es sich um einen ihrer Einzelromane mit ganz neuen Protagonist*innen handelt. Die Figuren werden gekonnt eingeführt und man kann sich als Leser schnell in die Psyche der handelnden Personen einfühlen, wobei man in einer zweiten Zeitebene auch die Vergangenheit miterlebt.
Zur Story: Sydney Shaw hatte immer Pech mit ihren Dates. Bis sie Tom traf. Tom scheint perfekt: Er ist charmant, attraktiv und arbeitet als Arzt in einem Krankenhaus. Dann erschüttert der brutale Mord an einer Frau die Stadt. Die Polizei tippt auf einen Serientäter, der sich mit seinen Opfern zu einem Date verabredet, bevor er zuschlägt. Sydney sollte sich sicher fühlen. Schließlich hat sie Tom. Warum hat sie nur das Gefühl, dass mit ihm etwas nicht stimmt? Jemand beobachtet sie auf Schritt und Tritt. Sie muss der Wahrheit schnell auf die Spur kommen – sonst könnte sie das nächste Opfer sein…
McFadden schreibt sehr flüssig und hat ein Händchen dazu, ihre Leser bei der Stange zu halten. Auch wenn die zweite Zeitebene hinzukommt, wird das Geschehen doch recht gradlinig beschrieben und man bekommt aus der Vergangenheit notwendige Infos, die die Gegenwart greifbar machen und erklären.
Was den Roman ausmacht, sind die vielschichtigen Personen, denen man im Verlauf begegnet und die immer wieder einen recht mysteriösen Touch haben (wobei die Naivität von Sydney zu Beginn recht nervig sein kann). Und natürlich gibt es am Ende eine überraschende Wendung. Das kann man bereits ahnen, wenn man Romane der Autorin kennt, doch vielleicht hat sie uns auch auf eine falsche Fährte gelockt und der Twist liegt ganz woanders, als erwartet.
