Wenn die Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmt
Jan Beck ist ein Pseudonym des österreichischen Autors Johann Fischler, der seit mehr als zehn Jahren sehr erfolgreich eine Vielzahl von Romanen im Krimi-Genre veröffentlicht hat. Zuvor hatte er Rechtswissenschaften studiert und arbeitete mehrere Jahre als Jurist im Bankwesen, bevor er 2007 den Schritt in die Selbständigkeit als Blogger und Autor wagte.
Die neue DORN-Serie startete 2024 mit dem ersten Band „Dorn: Zimmer 103. Hotel der Angst“ und wird nun mit „Zimmer 203. Ruf der Toten“ fortgesetzt. Im Mittelpunkt steht der Kriminalpsychologe Simon Dorn, der sich nach persönlichen Rückschlägen aus dem Polizeidienst zurückgezogen hat und im verlassenen Hotel Dornwald in Bad Gastein lebt, wo er ungelöste Fälle sammelt und analysiert. Allein dieses Setting ist schon ziemlich cool, weil die verwaisten Zimmer dieses Hotels, die jeweils Infos zu einem ungelösten Fall enthalten, eine ganze Menge Stoff für die Fortführung der Reihe bieten.
Am Ende muss ich aber ganz ehrlich sagen, dass ich mir mehr von diesem Teil des Konzepts erwartet habe. Der Ermittler Dorn kommt irgendwie kaum auf die in Zimmer 203 gesammelten Unterlagen zurück, was ich doch sehr befremdlich finde. Gelungen ist zumindest die erneute Zusammenarbeit mit der unkonventionellen Ermittlerin Lea Wagner, da beide ein gutes Gespann abgeben.
Zur Story: Simon Dorn, nach dem Tod seiner bisherigen »Sponsorin« Karla Hofbauer finanziell am Abgrund, wird über das Internet von einer mysteriösen Klientin kontaktiert. Was als Hilferuf beginnt, entpuppt sich als Teil eines perfiden Spiels. Als sie den Kontakt abbricht, bittet Dorn Lea Wagner, bei der Klientin nach dem Rechten zu sehen. Doch die Frau ist tot – verdurstet, und dass schon mehrere Wochen zuvor. Neben der Leiche steht ein Computer, auf dem eine KI läuft, die im Namen der Toten mit Dorn kommuniziert hat. Gibt es eine Verbindung zu einem bisher ungelösten Fall?
Das Thema KI wird schon im Klappentext erwähnt, ich hoffe also, niemanden damit zu spoilern. Die Umsetzung dieses aktuellen Themas ist im Setting des Romans sehr gewagt und vielleicht etwas übertrieben dargestellt, aber man kann sich schon Gedanken darum machen, wozu selbständig denkende Computer fähig sind, wenn sie entsprechende Handlanger in ihrer Nähe haben.
Die Geschichte ist spannend und geradlinig aufgebaut. Im Prinzip geht es um zwei Fälle, da parallel zur Hauptstory Leas Bruder vor einem korrupten Polizisten fliehen muss und sich in Dorns Hotel versteckt. Zwar haben beide Handlungslinien nichts miteinander zu tun, aber sie werden jeweils gut abgeschlossen. Ein guter Thriller, dem gern noch einige spannende Fälle folgen dürfen.
