Ein neuer „Messias“ kommt von den Sternen

Andreas Brandhorst gehört zu den wichtigsten deutschen SF-Schriftstellern. Er hat nicht nur viele von Terry Pratchetts Scheibenwelt-Romanen ins Deutsche übertragen, was aufgrund der Wortspiele und Sprachwitze an sich schon eine große Leistung ist, sondern auch unzählige eigene Romane und Trilogien veröffentlicht. Erst vor drei Tagen hat der fast 70jährige seinen Abschied aus dem schriftstellerischen Berufsleben verkündet – aus gesundheitlichen Gründen. Es wird ein großer Verlust für die deutsche Autorenlandschaft sein. Doch es sind noch einige Romane in der Mache. Und ganz aktuell ist mit „Messias“ ein ordentlicher Schmöker erschienen.

Zum Inhalt: Als eines Tages ein Mann ins Licht der Öffentlichkeit tritt und behauptet, die Menschheit zu erlösen, weiß niemand, wie damit umzugehen ist. Als er sogar echte Wunder zu vollbringen scheint, geraten die Regierungen und Religionen der Welt in Panik. Ist es der Messias? Woher kommt dieser Mann, der sich Simon nennt? Währenddessen steht Nathan, ein Auftragskiller, kurz vor dem Ruhestand. Bis er von einem mächtigen Konsortium einen geradezu unglaublichen Auftrag erhält: Töten Sie Gott! Doch das ist leichter gesagt als getan …

Ich kann sagen, dass mich das Buch von Beginn an gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Die Geschichte um den alternden Auftragskiller ist überaus spannend geschrieben – mit viel Action und Finesse. Darin liegt die größte Stärke des Romans. Fast schon nebenbei entwickelt sich parallel die Science-Fiction-Story um den Messias Simon und seinen Ersten Jünger Eric. Ob Simon ein göttliches Wesen oder ein Außerirdischer ist, bleibt zunächst unklar.

Viele Institutionen mischen mit, wenn es um den neuen Messias geht. Natürlich der Vatikan und andere Religionen, aber auch die Organisation namens „Eminenz“, in deren Auftrag Nathan den Wunderheiler töten soll. Dazu kommen Wissenschaftler, Astronomen, Astronauten. Ein zeitweiliges Gewirr von Protagonist*innen, für das Brandhorst zum Glück ein Personenregister am Ende des Buches mitliefert, damit man den Überblick wahren kann.

Für mich hat der Roman zum Ende hin ein wenig an Reiz verloren, als er zu sehr in die SF-Schiene abgedriftet ist, doch das war zu erwarten. Immerhin ist er als echter Pageturner geschrieben und der Wechsel zwischen den vielen Handlungsebenen hielt mich gut bei der Stange, ohne dass ich den Faden verloren hätte. Zum Glück kommt die Story auch zu einem halbwegs logischen und verständlichen Ende. Also schlussendlich ein weiterer fantastischer Roman des renommierten Autors.