„Hyperlove“ verbindet die digitale Welt mit analogen Gefühlen
In Deutschland ist Mika irgendwie komplett in der Versenkung verschwunden. Was sehr schade ist, denn er macht immer noch wundervolle Musik. Doch im Radio findet er kaum noch statt. Wenn überhaupt wird der alte Schmachtfetzen „Relax“ gespielt. Und Konzerte im deutschsprachigen Raum sind ebenfalls Mangelware. Wenigstens ist er regelmäßig in der luxemburgischen Rockhal in Esch/Alzette zu erleben.
Ganz anders sieht das nämlich in Frankreich und Italien aus. Dort fährt Mika immer noch höchste Chartpositionen ein. Lange Zeit war er Coack beim beim französischen „The Voice“, in Italien fungierte er als Juror bei „X Factor“ und 2022 moderierte er gar mit zwei Kolleg*innen den ESC in Turin. Beim Thema Medienpräsenz also ganz weit vorne.
Sein sechstes Studioalbum „Que ta tête fleurisse toujours“ erschien in französischer Sprache – auch ein Statement! Ein wunderschönes Werk voll gefühlvoller Melodien. Drei Jahre später wendet sich Michael Holbrook Penniman aka Mika wieder den englischen Lyrics zu. Mit „Hyperlove“ kehrt er zum Klavier als kreativem Kompass zurück und begibt sich auf eine gewagte Neuerfindung – ein Album, das die Wärme analoger Unvollkommenheiten mit dem makellosen Puls elektronischen Pops verbindet.
Komplett am Klavier geschrieben und ausschließlich mit analogem und vintage Outboard-Equipment produziert, ist das Werk eine lebendige, atmende Landschaft voller Verletzlichkeit, Rauheit, Sehnsucht und Euphorie. So ist der Start mit dem atmosphärischen Titeltrack ein Ausrufezeichen zu Beginn. Hymnisch, eingängig, großartig! Es folgt „Modern Times“ im krachenden Discosound, und schon sind wir zurückversetzt ins letzte Jahrtausend.
Vielleicht manchmal etwas zu viel Elektronik, doch Stücke wie „Science Fiction Lover“, das melancholische „Take Your Problems With You“, der Groove von „Nicotine“ und das mitreißende „Bells“ sind einfach grandios. So gelingt die Symbiose zweier Welten, denn das Album erforscht die Spannung zwischen der digitalen Welt und der Zerbrechlichkeit menschlicher Gefühle.
Mikas Markenzeichen, der unglaubliche Stimmumfang von Bariton bis zu hohem Falsett und sein großartiges Klavierspiel, prägen natürlich auch das aktuelle Album. Wie auf den Vorgängern gelingt es ihm wieder, seine Hörer mit fröhlich-buntem Pop zu verzaubern, der an die 70er und 80er Jahre erinnert, aber gleichzeitig erfrischend neu und kreativ ist.
