BROILERS am 29.8.2026 auf der Festwiese am Bostalsee – Fotogalerie
Die BROILERS waren am 29.8.2026 auf der Festwiese am Bostalsee. Seht hier unsere Fotos, Credit: Dietmar Schmitt
Die BROILERS waren am 29.8.2026 auf der Festwiese am Bostalsee. Seht hier unsere Fotos, Credit: Dietmar Schmitt
Nachdem im Saarland bis vor kurzen das Strandbad am Losheimer See zum Open-Air-Gelände für diverse Picknickkonzerte umgewandelt wurde, ist jetzt der nicht weit davon entfernte Bostalsee an der Reihe. Seit 6. September steht dort eine riesige Bühne. So groß, dass man von jedem der aufgestellten Strandkörbe einen perfekten Blick auf das Konzertgeschehen hat. Im Gegensatz zu den Picknickdecken sitzt man hier in trauter Zweisamkeit ziemlich abgeschottet vom restlichen Publikum. Zumindest hat dieses Konzept den Vorteil, dass man auch bei kaltem und nassem Wetter noch recht geschützt in seiner kleinen Insel ist. Essen und Getränke werden direkt an den Platz gebracht – sehr gemütlich also.
Beim Konzert von Max Giesinger spielte aber das Wetter mit. Als er pünktlich um 20 Uhr mit „Auf das was da noch kommt“ startete, konnte man die letzten Sonnenstrahlen genießen. Max ist auf Akustik-Tour und kommt mit ungewöhnlicher Besetzung: Steel Guitar, Cello, Trompete und Posaune ergänzen die Stammband. So kann er seine Songs in schöne filigrane Arrangements packen. Man kennt das schon von der Akustikversion des (noch) aktuellen Albums „Die Reise“, das ursprünglich 2018 erschienen ist und dann 2020 als neue Version mit akustischer Ausrichtung ziemlich verändert wurde. Zum Guten, wie ich finde.
Weiter ging es mit „Legenden“ und dazu zelebrierte Max ein ausgiebiges Bad in der Menge. Zwar mit Corona-Abstand, aber doch relativ hautnah. Sehr sympathisch und bodenständig präsentierte er sich. So ist man das seit Jahren gewohnt. Weiter ging es mit „Die Reise“, was Max zum Anlass nahm, in Erinnerungen zu schwelgen: Vor zehn Jahren war er schon mal am Bostalsee, beim Seefest. Viel weniger Zuschauer, aber schon mit dem Erfolg von „The Voice of Germany“ im Rücken.
Da passte auch der Song „Für dich“ – ganz aus der Anfangszeit. Die Band präsentierte ihn in der Version von Ilse DeLange, so wie diese das Stück bei „Sing meinen Song“ zum Country-Ohrwurm umfunktioniert hatte. Die akustische Instrumentierung gab dieser Neuversion den letzten Schliff.
Mit „Der letzte Tag“ und „Deine Zweifel“ folgten zwei neue Tracks, die auf dem in Kürze erscheinenden vierten Album vertreten sein werden. Jetzt saß der Sänger ganz allein am Piano. Auch den Hit „Wenn sie tanzt“ startete er balladesk, führte ihn aber schnell in eine große Version mit Bläsern über.
Das musikalische Geschehen wurde durch ein Weltreise-Medley aufgelockert: Max und die Band nahmen die Zuschauer mit drei Coverversionen mit nach Kuba („Despacito“), in die USA („Englishman in New York“) und nach Griechenland („Griechischer Wein“). Nach dieser ausgelassenen Schlagerstimmung wurde es zum Ende des Konzerts aber wieder ruhiger: Den neuen Song „In meinen Gedanken“ widmete Max der Oma. Das nächste Album scheint sehr persönlich zu werden. „Zuhause“ und „Rucksack“ schlossen das Konzert nach 90 Minuten vorerst ab.
Im Zugabenblock machte Max sich Gitarre spielend wieder auf den Weg von der hohen Bühne rein ins Publikum. Zunächst gab es „Wonderwall“ instrumental, dann auf Wunsch einer Zuschauerin „Wicked Game“ (im Original von Chris Isaak), das Max mit Bravour meisterte und in eine Kurzversion von „Nie besser als jetzt“ überführte. Als auch noch jemand nach den Stones rief, spielte er „Angie“ an. Für seine Fans macht Max wirklich alles möglich.
Überraschend interpretierte er „Über den Wolken“. Das wirkte wundervoll in dieser Spätsommeratmosphäre. Auch der große Hit „80 Millionen“ startete akustisch an der Gitarre, wurde dann aber in der Komplettversion mit Band fortgeführt. Nach zwei Stunden Konzertlänge beendete „Für immer“ den Set.
Max Giesinger hat seinen Zuschauern ein großes Konzerterlebnis beschert. Da ließ er sich auch von der Riesenbühne und der Anonymität der Strandkörbe nicht abschrecken. Auf seine ganz eigene unkomplizierte Art stellte er eine Nähe zum Publikum her, als wäre alles ganz normal. Dafür wurde er kräftig gefeiert.
Setlist – Max Giesinger, Bostalsee, 9.9.2021
Leider stand das Festival-Wochenende am Bostalsee unter keinem guten Stern. Am Samstag fand das Open Air mit Vanessa Mai statt, die dort den Abschluss ihrer Open-Air-Tour feierte, am Sonntag sollten Lena und Lukas Rieger beim „Summer Fade Out“ den Sommer ausklingen lassen. Über die Gründe ist nichts bekannt, aber beide Headliner des Sonntags sagten ihre Auftritte ab, sodass die jungen Veranstalter vor dem Super-Gau standen. Riverflow Entertainment machten aus der Not eine Tugend, besorgten Kay One und Pietro Lombardi als Ersatz – und machten kurzerhand aus beiden Konzertabenden ein einziges Festival, indem sie die Gültigkeit der Tickets jeweils auf beide Abende ausdehnten. In meinen Augen eine gute Lösung, wenn auch die Zielgruppen sich nicht unbedingt überlappten.
Ich konnte leider nur am Samstagabend zu Vanessa Mai am Start sein. Und wie es oft passiert: Manchmal hat man kein Glück, manchmal kommt auch noch Pech dazu. Es hatte den ganzen Tag geregnet und das Festivalgelände wurde zur Pfützenlandschaft. Allerdings gab es einen Lichtblick in Form eines Regenbogens, der (nomen est omen) den Titel von Vanessas aktuellem Album veranschaulichte. Das sollte doch ein gutes Zeichen sein, als der Konzertabend um 19 Uhr begann.
Den Anfang machte Daniel Ceylan, seines Zeichens Ex-Teilnehmer bei DSDS, wo er 2014 den dritten Platz belegte. Er stellte zunächst seine aktuelle Single „Glaubst du noch“ vor, die sehr an die Musik von Xavier Naidoo erinnert. Ein schöner Titel – und man merkt dem Sänger an, dass er Xavier sehr verehrt. Im Anschluss gab es dann auch Coverversionen von „Geh davon aus“ (Söhne Mannheims) und „Ich kenne nichts“ (Xavier). Daniel sang live zu einem instrumentalen Playback, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Er hat eine starke, saubere Stimme, die auch bei Deutschpop („Auf uns“) funktionierte.
Die Distanz zu Publikum und Bühne war recht groß. Leider hatten sich nur einige Hundert Zuschauer an dem kalten, windigen und regnerischen Tag an den Bostalsee gewagt. Das „Summer Fade Out“ machte seiner herbstlichen Idee alle Ehre. Schade, denn eine wirklich große Show sollte allen noch bevorstehen, die definitiv mehr Publikum verdient hatte.
Ich bin nun wahrlich kein Schlagerfan – und erst recht kein Anhänger von Dieter Bohlen – doch Vanessa Mai, die gegen 20 Uhr die Bühne betrat, hatte das Publikum von Anfang an im Griff. Gartenstühle zum Draufsitzen? Braucht keiner mehr, wenn „Mein Herz schlägt Schlager“ erklingt und aus vielen Kehlen mitgesungen wird. Man merkte Vanessa Mai an, dass sie Bock auf den Auftritt hatte, aber das Ambiente nicht stimmig war und sie sich nicht wohl fühlte. Ein langer Laufsteg, direkt daran ein VIP-Bereich mit wenigen Gästen, dahinter eine Absperrung, an der sich die übrigen Zuschauer drängelten.
Vanessa weichte die Regeln selbstbewusst auf: „Der Veranstalter wird mich killen dafür und ich weiß gar nicht, ob ich das darf, aber das ist doch doof, wenn ihr so weit weg steht. Kommt alle nach vorne an die Bühne.“ Das ließen sich die Fans nicht zweimal sagen, der VIP-Bereich wurde aufgelöst und alle drängten sich um den Laufsteg, wo Vanessa ihre Publikumsnähe auch deutlich zelebrierte. Plötzlich war es ein anderes Konzert – eine große, fantastische Vanessa-Show.
Sie stand ständig in Kontakt zu den Leuten, vor allem zu Kindern und Teenies. „Sorry. Ich hab einen Magen-Darm-Virus. Mein Arzt hat gesagt, ich soll keine Autogramme geben und niemanden knuddeln. Das ist ansteckend.“ Zuviel Information für einen Konzertabend? Egal. Vanessa erzählt gern – und ich ertappe mich dabei, dass ich sie mindestens so gern reden wie singen höre. Einfach sympathisch, nah an den Fans und überaus unterhaltsam. Die Jugend bekommt eine pädagogische Ansprache zur Wichtigkeit des Schulbesuchs, die „mitgeschleppten“ Väter werden bedauert. Einer ist eigentlich Onkelz-Fan, wie er freimütig zugibt. Vanessa singt zunächst lachend „Wunder gibt es nicht nur im Himmel“ und weist selbstironisch auf den tiefgründigen Text hin, und widmet ihm dann Nenas „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“, weil das wenigstens ein bisschen rockig ist.
Unglaublich, wie unkompliziert eine Künstlerin sein kann, die gerade mit einem Nummer-1-Album im Schlagerhimmel gelandet ist. Daniela, ein Fan den Vanessa namentlich kennt, beginnt zu weinen, und die Sängerin wirft alle Vorsätze über Bord. Plötzlich wird in den ersten Reihen gedrückt und geknuddelt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Selfies, Autogramme, Entgegennahme von Geschenken – alles ist möglich. Das hätte sich nach obiger Selbstoffenbarung wohl keiner zu träumen gewagt.
Ach ja – Musik fand auch noch statt. Und das immerhin knapp 90 Minuten lang. Vanessa hatte eine respektable Band, die allerdings sehr keyboardlastig klang, was wohl Bohlens Kompositionen geschuldet ist. Die weiblichen Backing Vocals kamen als Samples vom Band, ansonsten war aber alles live. Das sah man sowohl der Liveband an, man merkte es aber auch an Vanessas unzähligen Texthängern, die sie dann gern augenzwinkernd zum Thema machte.
Es gab Cover wie Yvonne Catterfelds „Ohne dich“ und viele Tracks vom aktuellen Album „Regenbogen“, die das Publikum textsicher mitsang. Die Fans sorgten auch für Showeffekte wie Konfettiregen und Seifenblasen, beispielsweise beim abschließenden „Ich sterb für dich“. Als Zugabe sang Vanessa zum zweiten Mal die aktuelle Single „Nie wieder“ und hatte damit alles gegeben. Eine mehr als ordentliche Show – gutes Licht. Trotz des kleinen Publikums hatte man nie das Gefühl, dass das Festival stiefmütterlich bespielt wird.
Zur Konzerthälfte setzte wieder kräftiger Regen ein. Anstatt sich mit ihrem Virus unter das schützende Bühnendach zu flüchten, drehte Vanessa Mai erst recht auf, zog die Jacke aus, rannte im T-Shirt und kurzer Hose den Laufsteg hin und her und sorgte dafür, dass sie mindestens genau so nass war wie die Leute davor. Es war das vorerst letzte Konzert der Tour. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass sie mit diesem Engagement der Erkältung nicht weiter Vorschub geleistet hat. „Es war ein ganz besonders Konzert für mich“, sagte sie, und man nahm es ihr ab. Wie auch die ehrliche Aussage, dass sie damit nicht gerechnet hätte.
Bleibt den Veranstaltern von Riverflow Entertainment zu wünschen, dass sie nicht den Mut verlieren. Ort und Motto für das Festival sind passend – für das Wetter kann keiner was. Sie haben das Beste draus gemacht und Vanessa Mai hat dafür gesorgt, dass die Zuschauer begeistert nach Hause gehen konnten. Gerade bei den Kids in den ersten Reihen waren die leuchtenden Augen nicht zu übersehen.
Fotos – Xavier Naidoo & Quartett Support Sing um dein Leben