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Urheber/Fotograf: Royal Cream

The Afghan Whigs 30.09.2026 Luxor / Köln

40 Jahre The Afghan Whigs im Kölner Luxor

„Up In It“ war 1990 das musikalische Brett, mit dem die Afghan Whigs auf der sich gerade auftürmenden Grunge-Welle surften und sich innerhalb kürzester Zeit Kultstatus erarbeiteten. Greg Dulli, Rick McCollum, John Curley und Steve Earle hatten die Band Ende 1986 in Cincinnati gegründet. Wenn man die zwischenzeitlichen Trennungsjahre außer Acht lässt, feiert das Quartett in diesem Jahr also seinen 40. Geburtstag. Passend dazu erschien Ende August das zehnte Studioalbum „Soft Control“.

„Soft Control“ stellt dann auch den Schwerpunkt des heutigen Konzertes im Kölner Luxor dar. Von den am Ende gespielten 21 Songs gehen knapp ein Viertel auf sein Konto. Der Spätsommer nimmt an diesem Abend noch einmal einen kräftigen Anlauf und beschert der Domstadt schwülwarme 28 Grad. Als Anheizer haben sich die Afghan Whigs den britischen Songwriter Ed Harcourt eingeladen, dem in seiner Heimat eine grosse Karriere vorausgesagt wird. Tatsächlich weiß der 49-Jährige aus London mit seiner Ein-Mann-Performance zu überzeugen und wird nach 30 Minuten mit viel Beifall und dem Vorsatz mal in sein aktuelles Album „Orphic“ reinzuhören entlassen.

Als auch die Temperaturen im restlos ausverkauften Luxor jenseits der 28-Grad-Grenze angekommen sind, starten die beiden Gründungsmitglieder Greg Dulli (Gitarre) und John Curley (Bass) mit ihren derzeitigen Bandkollegen Rick G. Nelson (Keyboards, Violine), Christopher Thorn an der Gitarre und Bryan Lee Brown am Schlagzeug mit „Parked Outside“ in ihr Set. Gut 90 Minuten später wird jedes ihrer zehn Alben mit mindestens einem Song zu seinem Recht gekommen sein, abgesehen von einer Ausnahme. Das Debüt „Big Top Halloween“ von 1988 wird komplett vernachlässigt.

Zwischendurch erinnert Greg Dulli an frühere legendäre Auftritte im Rose Club, der gegenüber des Luxor auf der anderen Straßenseite liegt und inzwischen Veedel Club heißt. Der Rose Club bildete mit dem Luxor und dem Blue Shell viele Jahre ein unübertroffenes Bermuda-Dreieck an der Luxemburger Straße. Heute fühlt man sich zwischen scharfkantigen Gitarren, Soul- und R&B-Einflüssen und all den großen Melodien zurückversetzt in diese Zeiten, als die drei Clubs ein Paradies waren für aufstrebende Independent- und Alternativbands wie die Afghan Whigs, Nirvana, Soundgarden oder Bad Religion.

Live entfalten The Afghan Whigs ihre Wirkung ohnehin am stärksten und Köln macht da heute keine Ausnahme. Die Dynamik und emotionale Wucht, die sich von der Bühne in das proppenvolle Luxor ergießt, ist vom ersten Ton an förmlich mit den Händen zu greifen. Da wird gnadenlos getanzt, gesungen und gefeiert. Die Band selbst geniesst den wilden Ritt durch ihre musikalische Geschichte sicht- und hörbar ebenso deutlich. Sei es beim uralten „Son Of The South“ oder bei „Algiers” und “Into The Floor” aus ihrer Zwischenphase Mitte der 2000er bis hin zu „Loose Talk“ oder „The Deepest Part Of The Darkest Shadow“ vom aktuellen Album. Dabei wird deutlich, wie wenig die Afghan Whigs wie eine Band klingen, die es sich in ihrem Kultstatus bequem gemacht hat und von dort gemütlich auf ihre Vergangenheit zurückblickt.

Wo früher Wut, Rastlosigkeit und Selbstzerstörung herrschten, dominiert heute sowohl in der Musik als auch den Texten eine gewisse Gelassenheit. Greg Dulli hat sich im Laufe der Jahre die Fähigkeit zur Selbstreflexion angeeignet und setzt sich dementsprechend entspannt mit dem Älterwerden auseinander. Er folgt dabei dem weisen Ratschlag von David Bowie: „Aging is an extraordinary process where you become the person you always should have been”. The Afghan Whigs haben in Köln bewiesen, dass sie nach wie vor all das sind, was wir schon vor vier Jahrzehnten an ihnen geliebt haben.

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