Beim RECLAM-Verlag ist Oliver Kobold seit langem der Mey-Kenner, gibt es doch schon die Büchlein „100 Seiten“ und „Ich wollte wie Orpheus singen“ zu dem kultigen deutschen Liedermacher und Chansonnier. Reinhard Mey ist seit Jahrzehnten ein Phänomen – und dem Autor ist es erneut gelungen, das in Worte zu fassen.
Mey erhielt 1967 nach einem Auftritt beim Knokke-Festival in Belgien einen ersten Plattenvertrag – jedoch zuerst in Frankreich, kurz darauf dann auch in Deutschland. Noch im gleichen Jahr veröffentlichte er sein Debütalbum „Ich wollte wie Orpheus singen“. 1968 wurde er als erster ausländischer Sänger in Frankreich mit dem „Prix International de la Chanson francaise“ ausgezeichnet. Es dauerte hierzulande noch eine Weile, ehe ihm mit dem Lied „Der Mörder war immer der Gärtner“ (1971) der große Durchbruch gelang.
Mit dem Erfolgstitel und dem Album „Ich bin aus jenem Holze“ war Mey beim großen Publikum angekommen. Die nachfolgende LP „Mein Achtel Lorbeerblatt“ erreichte Platz 1 der deutschen Charts. In den 1970er Jahren gelangen dem Künstler zahlreiche weitere Erfolgs-LPs, darunter „Wie vor Jahr und Tag“ mit dem großen Hit „Über den Wolken“ und dem feinsinnigen Titelsong, einem der schönsten Liebeslieder in deutscher Sprache.
Reinhard Mey ist Poet, Lyriker, Kritiker am Zeitgeist, Songwriter, Geschichtsschreiber, Nostalgiker. Seine Lieder handeln von den Tücken des Alltags, von Leuchtfeuern und Schicksalsschlägen, von den Verheerungen des Krieges. Meys Karriere ist ohne Beispiel: ein Dichter, der dem französischen Chanson in Deutschland eine Heimat gegeben hat; ein Spötter, Tröster und Menschenfreund, dessen Zeilen längst Kulturgut geworden sind. Seit über 60 Jahren handeln Meys Lieder von der Liebe, der Hoffnung und der Schönheit des Alltags. Er ist dabei immer wiedererkennbar geblieben. In seinem Werk, seiner Haltung, seiner Menschenfreundlichkeit.
Oliver Kobold erzählt mit Wärme, unterhaltsam und berührend von Reinhard Mey und seinen Liedern, die so vielen Menschen zu treuen Begleitern geworden sind. Er schlägt dabei den Bogen von Meys frühen Chansons bis zu den Nr.-1-Alben der Gegenwart, bleibt aber nicht immer in der chronologischen Reihenfolge, sondern ordnet seine Kapitel nach Themen wie z.B. den Zeiten auf Burg Waldeck, den großen Balladen oder den pazifistischen Liedern. So entsteht ein akribisches Porträt, das in die Tiefe geht, das eine 60jährige Karriere anschaulich und spannend beschreibt, das Songs analysiert und einordnet, das uns dem Menschen Reinhard Mey näher kommen lässt.
Als Hardcover mit Farbfotos ist daraus eine wundervolle Hommage an den fast 84jährigen Reinhard Mey geworden, der gerade erst wieder ein wundervolles Album veröffentlicht hat und irgendwann auch hoffentlich wieder auf Tour gehen wird.










