Dass Bülent Ceylan mehr kann als „nur“ den Spaßmacher und Komiker auf der Bühne zu spielen, hat er spätestens im Jahr 2019 bei der Show „The Masked Singer“ bewiesen, wo er in der Maske als „Engel“ den dritten Platz belegte. Dort hatte er Stücke von Marilyn Manson, Metallica und Rage Against The Machine krass gut interpretiert. Kenner hatten ihn schnell auf dem Schirm, den Bülents Metal-Karriere begann schon Jahre zuvor mit seinem Comedyprogramm „Haardrock“, einem Auftritt mit der Band KORN beim Rocco del Sclacko und dem Erscheinen auf weiteren Festivals wie Wacken und Summer Breeze.
Der Weg zum Metal- und Hardrockalbum „Ich liebe Menschen“ (2024) war also gar nicht weit. Und das neue Werk „B.L.N.T.“ erscheint jetzt gar beim renommierten Label Napalm Records, das Freun*innen der härteren Gangart natürlich ein Begriff ist. Im Jahr 2026 klingt Bülent noch deutlich härter als beim Vorgänger. Elemente aus Neuer Deutscher Härte und viel Elektronik haben Einzug gehalten. Electric Callboy lassen grüßen.
Die ersten Songs liefern Gesellschaftskritik und sprechen sich gegen stumpfe Parolen sowie das allseits beliebte Wegschauen aus. Dann folgt „Wir haben gelebt“ als große Ballade, bevor Bülent sich für „Wolfherz“ die große Metalqueen DORO mit ins Boot nimmt. Der Kontrast beider Stimmen ist im Duett absolut wirkungsvoll.
So geht es weiter mit (zum Teil ironischen) Pathos und metallischer Lautstärke. Für „Randale und Radau“ gibt es mit Michael Rhein von In Extremo einen weiteren Gast – und klar: Ceylan kann auch im Genre des Mittelalterrocks bestehen. Nach den frustriert anmutenden Textzeilen von „Ein Hoch auf die beschissenen Zeiten“ und „Leck mich Tag“ folgt mit „Diktatürk“ eine Rückschau auf die beliebte Comedy-Figur bevor die Hymne „Am Ende gut“ zum versöhnlichen Abschluss führt.
Bülent Ceylan versucht gar nicht erst, sich zwischen Comedian und Musiker entscheiden zu müssen. Er ist beides. Manchmal funktioniert das besser, manchmal weniger gut. Nicht jeder Text besitzt die ganz große lyrische Tiefe und auch musikalisch bewegt sich das Album eher im Bereich gefälliger, moderner Metal- und Rockproduktion als in irgendwelchen experimentellen Untiefen. Dafür sind die Songs zugänglich, abwechslungsreich und vor allem ziemlich konsequent auf Ceylans Persönlichkeit zugeschnitten.
Besonders gut funktionieren für mich die Momente, in denen Humor und Musik tatsächlich miteinander verschmelzen. „Stumpf ist Trumpf“, „Lange Haare“ und „Randale und Radau“ zeigen den Comedian, während „Wir haben gelebt“, „Wolfsherz“ und „Am Ende gut“ deutlich mehr vom Menschen Bülent Ceylan erzählen. Und dann gibt es mit „Fünf vor Zwölf“, „Leck mich Tag“ und „Diktatürk“ die Songs, bei denen er seine gesellschaftliche Haltung auf den Tisch legt.
Natürlich wird ein eingefleischter Metalhead vermutlich nicht bei jedem Song sofort die Kutte aus dem Schrank holen. Dafür ist „B.L.N.T.“ schlicht zu vielseitig und stellenweise zu glatt produziert. Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Ceylan will hier kein Genre-Lehrbuch abliefern. Er will Musik machen. Seine Musik. Und die darf laut, albern, nachdenklich, politisch, kitschig, persönlich und manchmal eben auch herrlich bekloppt sein.















