Fury In The Slaughterhouse – 25. Juli 2026 im Amphitheater Trier
Fury In The Slaughterhouse begeisterten am 25. Juli 2026 bei ihrer ausverkauften Show im Amphitheater Trier. Fotocredit: Simon Engelbert
Fury In The Slaughterhouse begeisterten am 25. Juli 2026 bei ihrer ausverkauften Show im Amphitheater Trier. Fotocredit: Simon Engelbert
Am 24. Juli 2026 brachten Versengold gemeinsam mit ihren Gästen Fiddler’s Green das Arenarund zum Kochen. Fotocredit: Simon Engelbert
Feine Sahne Fischfilet mit Frontmann Monchi in Trier: Zwischen Punkrock, Politik und purer Ekstase wurde gesungen, geschrien, gelacht und zusammengehalten. Es war laut. Es war ehrlich. Es war ein Abend für alle, die keinen Bock auf Stillstand haben. Fotocredit: Simon Engelbert
The BossHoss lieferten im Amphitheater Trier zwanzig Jahre Bandgeschichte. Mit rauem Charme, ehrlichem Sound und ihrer einzigartigen Mischung aus Rock, Country und Americana brachten Boss Burns, Hoss Power & Co. die antike Stätte zum Beben. Fotocredit: Simon Engelbert
Am 18. Juli 2026 bezauberte Katie Melua das Publikum beim Amphitheater Open Air in Trier. Hier findet ihr unsere Fotos. Credit: Simon Engelbert
Giovanni Zarrella war am 17. Juli 2026 erster Gast beim Amphitheater Open Air in Trier. Hier findet ihr Fotos von diesem Abend voller italienischer Lebensfreude. Credit: Simon Engelbert
Wie Wolfgang Niedecken ist auch sein Publikum inzwischen älter geworden. Kein Wunder also, dass die Innenfläche des kultigen Trierer Amphitheaters mit Stühlen ausgestattet war. Nur im hinteren Drittel gab es Stehplätze für die Hartgesottenen. Ja – BAP waren wieder in der Stadt. Oder besser gesagt: Niedeckens BAP. So hat der inzwischen 71jährige die Band nämlich im Jahr 2014 umbenannt, was der Tatsache Rechnung trägt, dass von den Urbesetzungen des letzten Jahrtausends nur noch der Frontmann selbst übrig ist.
Aber es ist eine fantastischen neunköpfige Band, die da in Trier am Start war. Mit Bläsersektion und „Allzweckwaffe“ Anne de Wolff wahlweise an Percussion, Violine oder Cello. Diese Besetzung gibt BAP einen ganz besonderen Drive, der über die Labels Kölschrock und Deutschrock hinausreicht. Das Publikum war zwar bunt durchmischt, doch altersmäßig eher Ü50 mit einigen Ausreißern nach unten. Zumindest konnte man vor allem die älteren Hits textsicher mitsingen.

Als Opener gab es ganz stilsicher „Hück ess sing Band in der Stadt“. Das trug der Tatsache Rechnung, dass hier viele Langzeitfans am Start waren – und auch Wolfgang Niedecken fühlt sich „zwischen Trier und Eifel“ seit Jahren zuhause. Also auch für ihn eine Art Heimspiel, das zum Glück nicht so verregnet war wie 2014er Auftritt an gleicher Stelle, den er noch gut in Erinnerung hatte. Diesmal war Sonnenschein angesagt.
Vom aktuellen Album „Alles fliesst“ gab es vor allem zu Beginn des Programms viele Songs zu hören wie „Jenau jesaat: Op Odyssee“ und „Volle Kraft voraus“, die dem Publikum nicht so geläufig waren, aber sich gut in die Setlist einpassten. Zum ersten Mal erhob sich alles von den Sitzen, als das eingekölschte The Troggs-Cover „Wahnsinn“ angestimmt wurde („do jommer och hin“) und in die Hymne „Waschsalon“ aus dem Jahr 1981 überging. Alle sangen einträchtig „wischwasch wischwasch“ und die Stimmung fand ihren ersten Höhepunkt.
Mit „Musik die nit stührt“ vom Album „Radio Pandora“ beklagte Niedecken das Easy Listening im heutigen Mainstreamradio mit Songs, die vor allem eins wollen: nicht auffallen. Zu dieser Richtung haben BAP nie gehört und werden es hoffentlich auch nie. Lovesongs Marke Niedecken richten sich an markante Frauen wie „Alexandra, nit nur do“.
Doch auch in Trier gab es einen Block von „Liebesliedern im Sitzen“, zu dem sich die filigrane Band im Halbkreis nach vorne setzte und Anne zum Cello griff. Den Anfang machte das melancholische „Jraaduss“, danach folgten Songs für den „Schutzengel“ (seine Frau Tina), nämlich „Paar Daach fröher“ und für seine Tochter Josie („Mittlerweile Josephine“). Auch den Klassiker „Jupp“ gab es zum Mitsingen mit Cello-Begleitung, doch nach einem genialen Gitarrensoli von Ulrich Rode waren die rockigen Klänge zurück.

Wie zu BAP-Konzerten üblich waren unzählige Fans des 1. FC Köln im Publikum und machten sich lauthals bemerkbar, als Wolfgang eine Lobeshymne an den FC und seinen Trainer Steffen Baumgart startete. Eine untrügliche Eigenschaft des Kölner Fußballs ist ja der stetige Wechsel von Freud und Leid. Da im Moment wieder Freude angesagt ist, konnte Niedecken dem FC und seinen Fans mit stolzer Brust „Nix wie bessher“ widmen.
Viele ältere Songs hatten den Weg in die Setlist gefunden, wie der unverwüstliche „Müsli Män“, der mit einem Blockflöten-Intro eingeleitet wurde. Doch nicht alle Texte waren eitel Sonnenschein. Im zweiten Amtsjahr von Trump hatte Niedecken das Stück „Ruhe vor’m Sturm“ als Warnung vor Populisten, Nazis und der AFD geschrieben. Und natürlich musste dies in das eindringliche „Kristallnaach“ übergehen und die umjubelte Aufforderung „Arsch huh, Zäng ussenander“.
Nach zwei Stunden war das Konzert längst zum Stehkonzert geworden und der Zugabenblock begann zu einem Zeitpunkt, wenn andere Bands die Leute schon längst heimgeschickt haben. „Wenn et bedde sich lohne däät“ hatte ursprünglich das beste BAP-Livealbum „Bess demnähx“ aus dem Jahr 1983 eingeleitet, das den Ruhmeszug der Band durch die Republik begleitete. Jetzt stand es zu Beginn eines gut 45minütigen Zugabenblocks und folgte direkt auf „Jeisterfahrer“. Zum Abschluss des ersten Blocks gab es (endlich) „Verdamp lang her“. Der zweite Block startete ruhig mit „Do kanns zaubere“, wobei die Lightshow im Amphitheater eine wundervolle Atmosphäre schuf.
Wolfgang Niedecken und seine hervorragende Band hatten ein überaus nostalgisches Konzerterlebnis abgeliefert, das aber auch die aktuellen Songs nicht vernachlässigte. Man verabschiedete sich in die dunkle Trierer Nacht und konnte nur hoffen: „Bess demnähx“.
Wolfgang Niedeckens BAP im Amphitheater Trier – unsere Fotogalerie vom 23.7.2022
Auch 2019 wird das altehrwürdige Amphitheater in Trier wieder zum Schauplatz einer sehr abwechslungsreichen Konzertreihe. Wo früher Gladiatoren auf Leben und Tod kämpften, gibt es heute die moderne Form von Brot und Spiele: Schwenker und gute Musik.
Den Anfang machte Rea Garvey, dessen Medienpräsenz nach wie vor sehr groß ist, was sich auch an der hohen Zuschauerzahl zeigte. Der Ire mit dem sympathischen Akzent war ursprünglich Frontmann der 2010 aufgelösten deutschen Band Reamonn. Inzwischen ist er als Solokünstler noch erfolgreicher als die Rockband mit dem Hit „Supergirl“. Bevor er allerdings den Set um sein aktuelles Album „Neon“ vorstellen konnte, bescherten die Veranstalter dem mit Temperaturen um die 40 Grad aufgeheizten Publikum gleich zwei Supportbands.
Zunächst war Karo Lynn am Start. Die deutsche Songwriterin mit der tiefen Stimme stellte ihr zweites Album „Outgrow“ vor, das im nächsten Jahr erscheinen wird, und lieferte feinen Indiefolk in englischer Sprache. Komplex und tiefgründig sang die Songwriterin aus Leipzig und zog das Publikum trotz der Hitze in ihren Bann. Den Titelsong des kommenden Albums interpretierte sie im Duett mit ihrem Gitarristen. Ein feiner Auftritt von 25 Minuten Länge.
Reas Landsmann Ryan Sheridan ist selbst schon eine große Hausnummer. Seine bisherigen Studioalben waren allesamt hohe Charteinsteiger im Heimatland. Auf Tour mit Rea konnte er auch das deutsche Publikum von seinen Songwriter-Qualitäten überzeugen. Gemeinsam mit einem Schlagzeuger sorgte er für ein durchaus rockiges Spektakel und das energische Zusammenspiel der beiden Musiker war wahrlich bewundernswert. Obwohl er in Jeansjacke und mit rot-weißer Kappe recht unscheinbar aussah, agierte er wie ein Hauptact. Wir werden sicher noch mehr von ihm hören.
Rea Garvey zeigte in seinem Konzert, dass irische Musik mehr ist, als folkige Lagerfeuerromantik. Er hat die Musik seiner Heimat in den letzten Jahren konsequent in eine moderne Richtung geführt und schreckt selbst vor Computersounds nicht zurück. Zunächst aber gab es die Rocknummern „Kiss Me“, „Beautiful Life“ und „Water“. Rea kam schnell in Kontakt mit dem Publikum und zeigte Ehrfurcht vor der Kulisse, in der früher Gladiatorenkämpfe stattfanden und Löwen Menschen fraßen. Überhaupt fragte er sich, ob die Zuschauer in den Rängen damals wohl einen sicheren Stand hatten oder vielleicht auch mal in den Löwenkäfig rutschten. Das nannte er dann „ausgleichende Gerechtigkeit“.
Das Comedy-Element in den Ansagen, bei denen Rea ein besseres Deutsch zeigte als manchmal in TV-Shows, war hoch. Die Zuschauer im Amphitheater erlebten einen abwechslungsreichen Abend, der auch die Zeit mit Reamonn nicht aussparte und Klassiker wie „Through The Eyes Of A Child“ (gewidmet der 14jährigen Tochter, die neuerdings für „Fridays for future“ die Schule schwänzt) und „Tonight“ bot. Letzteres ganz allein von Garvey an der Gitarre vorgetragen – wundervoll. Auf „Supergirl“ allerdings wartete man vergebens.
Garvey präsentierte seine Hits mit der Liebe im Titel verteilt über die gesamte Setlist: „Is It Love?“, das mehrstimmig dargebotene „Oh My Love“, der abschließende Song „Wild Love“ – mit ebensolcher Liebe wurde er vom Publikum überschüttet und gab dies mit vollen Händen zurück. Der Zugabenblock begann um 22.35 Uhr und dauerte fast bis zur Deadline 23 Uhr. Im Auto angekommen durfte man sich ob der immer noch angezeigten Außentemperatur von 28 Grad verwundert die Augen reiben. Rea hat sich in Trier von seiner besten Seite gezeigt – und wer nur aus Neugier gekommen ist, durfte als Fan nach Hause gehen.
Wie geht es weiter im Amphitheater 2019?
Es war ein toller Ausklang für das diesjährige Festival im kultigen Amphitheater Trier, veranstaltet von Popp Concerts. Das Aushängeschild des deutschen Reggae himself, Tilmann Otto aka Gentleman, gab sich die Ehre.
Recht unterschiedliche Musikrichtungen gab es im Jahr 2018: Wir haben schon über Chris de Burgh und Amy Macdonald berichtet, außerdem über die „Nacht der Spielleute“ mit drei Mittelalter-Bands. Tag 4 aber sah den entspanntesten Abschluss vor, den man sich vorstellen kann.
Als Support war die Band Indianageflüster am Start, quasi Lokalmatadoren aus dem Hunsrück. Das Quintett spielte Indierock mit Rap-Einlagen. Allein das ist schon recht speziell, doch wirklich erstaunlich war der Einsatz eines Cellos, das dem bisweilen recht sphärischen Klangteppich eine ganz besondere Note verlieh. Bisher wurde eine 5-Track-EP mit dem Titel „Stille Post“ veröffentlicht. Ein Album ist noch für das laufende Jahr geplant. Der ungewöhnliche Sound ließ auf jeden Fall aufhorchen und Songs wie „Laut“ und das orientalisch angehauchte „Mariohbama“ kamen beim Publikum gut an. Nach einem 30minütigen Set und dem rap-lastigen Abschluss gab es ordentlichen Achtungsapplaus.
Der Umbau für Gentleman ging schnell vonstatten. Ungewöhnlich war aber, dass er nicht direkt selbst auf die Bühne kam, sondern das Feld zunächst für zwei soulige Songs seinen Backgroundsängerinnen überließ. Das zeigte, wie sehr sich der Künstler aus Köln-Sülz selbst zurücknehmen kann. Das zog sich durch den kompletten Abend, der immer wieder Raum für die Band und begleitende Künstler ließ: Gentleman ist ein Mann ohne Eitelkeiten.
Als international gefeierter Star der Reggae-Szene steht er auf dem Zenit seiner Karriere und ist durch seine zahlreichen Jamaikaaufenthalte und Kollaborationen mit unterschiedlichsten jamaikanischen Musikern tief verwurzelt in der Kultur der Karibikinsel. Gentleman hat in seiner über 20jährigen Bühnenkarriere schon in etlichen Ländern gespielt und manche Pionierarbeit für sein geliebtes Genre geleistet. Das wissen die Fans zu schätzen – und fast 3.000 davon feierten ihn in Trier ordentlich ab. Zu Beginn war es noch etwas träge bei den üblichen Mitmachübungen, doch die Songs von Revolution und Freiheitskämpfern zeigten Wirkung – ebenso wie der Gruß an den einsamen Ordner im Hang. Gentleman freute sich über die „unfassbar geile Location“ und vergaß auch nicht, Triers Status als älteste Stadt Deutschlands zu erwähnen: „Wann ist ne Stadt ne Stadt? Wenn die Musik anfängt!“
Die Musik von Gentleman war bisweilen schon poplastiger, als er ein „MTV unplugged“ ablieferte und bei „Sing meinen Song“ mitmischte. Die momentane Tour aber feiert die Rückkehr zu purem Reggae mit Stücken wie „Sin City“, „To The Top“, „Superior“ und „Runaway“ – immer auf die Vollen, nur ab und zu unterbrochen durch ein leises Piano oder eine Beatbox-Einlage.
Gentleman war nah am Publikum. Er suchte den Kontakt, nahm ein Bad in der Menge, lobte den Fan Sebastian aus der ersten Reihe, der auffiel, weil er auch die kompliziertesten Textzeilen mitsang. Und Gentleman war sich auch nicht für ein spontanes Duett zu schade, das dann viel besser ausfiel, als man erwartet hätte. Ganz sympathisch grüßte er seine Eltern, die an diesem Abend im Publikum waren. Und er machte fortwährend Werbung für die Organisation „Viva con Agua“, die mit mehreren Leuten vor Ort war, um leere Pfandbecher als Spenden einzusammeln und so den Bau von Trinkwasserbrunnen in armen Ländern zu ermöglichen.
Solche Gesten zeugen davon, dass Gentleman in seinem ganzen Auftreten sehr stimmig ist. Er nimmt die Menschen mit, feiert Party, hat aber auch Zeit für nachdenkliche Töne. Das Konzert in Trier war ein großartiges Ereignis und seine Musik passte perfekt zu dem Sommerabend, der von den Temperaturen nicht ganz so heiß war wie die Tage zuvor. Für das Schwitzen sorgte Gentleman mit einer energiegeladenen Performance, die alle mitriss. Ein schöner Abschluss für ein geniales Festival.
Sehr hier unsere Fotos von Amy Macdonald am 26.7.2018 in Trier
Ein starker Auftakt für das Amphitheater Open Air 2018 in Trier: Am Mittwoch gab sich Chris de Burgh die Ehre und stand ganz allein mit seiner Gitarre auf der Bühne, um dem Publikum Hits aus allen Epochen seiner langen Karriere darzubieten. Und am Donnerstag verzauberte Amy Macdonald die Zuschauer mit ihrem schottischen Akzent und herzerfrischender Bodenständigkeit.
Am 15. Oktober wird Chris de Burgh schon 70 Jahre alt. Das sah man ihm nicht an, als er mit leger geöffnetem Hemd und Windjacke die Bühne betrat. Das Auftreten ist ebenso sportlich, wie man das von dem unwesentlich älteren Reinhard Mey kennt. Und dann ein Set – solo vorgetragen allein mit Gitarre oder wahlweise am Piano. Ähnliches durfte ich eine Woche zuvor bei Ed Sheeran erleben. Der beglückt damit 80.000 vor allem jüngere Leute. Chris de Burgh muss sich mit 1.900 Zuschauern gesetzteren Alters begnügen. Aber er hat Spaß daran und das Publikum dankte ihm am Ende für viele emotionale Momente.
Es war ein Sitzkonzert – zumindest zu Beginn. Chris de Burgh zeigte sich zunächst sichtlich überwältigt vom Ambiente des römischen Amphitheaters. Eine Kultstätte für Altertumsforscher aber auch für Konzertgänger. Denn wenn Popp Concerts alljährlich zum Amphitheater Open Air rufen, wird für viele Musikrichtungen das Richtige geboten. Folk und Pop begeisterten die Zuschauer aus dem Mund von Chris de Burgh. Mangels Schlagzeug ließ er schon früh den Rhythmus vom Publikum mitklatschen. Das gelang gut.
„The Moonfleet Overture“ wurde als Intro gespielt. „Road To Freedom“ war der erste Song. Schon an dritter Stelle gab es mit „Missing You“ einen Klassiker zum Mitsingen. Zu „Waiting For The Hurricane“ ließ der Barde erstmals die Gitarre an der Seite und setzt sich ans Piano. Chris hielt guten Kontakt zum Publikum und war zum Scherzen aufgelegt. Haben die deutschen Fußballer in Russland zuviel Wodka getrunken? So lautete die Ansage zu „Moonlight And Vodka“. Dann erzählte er von einem Traum, in dem ein Römer ihm im Amphitheater ein kühles Bier bringt. Bei den herrschenden Temperaturen war er mit diesem Traum nicht allein – aber seiner ging letztlich in Erfüllung.
„A Woman’s Heart“ besang Chris als das größte Geheimnis von allen. Dann wandte er sich der aktuellen Platte „A Better World“ zu, aber nicht ohne eine Seitenhieb auf die USA, wo die Welt anscheinend verrückt geworden ist. Ein folkiges „Shipboard Romance“ durften wir hören. Dann „The Hands Of Man“ und schließlich das autobiographische „Where Would I Be“. Der akustische Set brachte mehr Folk- als Rocksongs. Das passte gut zur abendlichen Atmosphäre in Trier. Ganz romantisch und abenteuerlich kamen dann auch Stücke vom „Moonfleet“ Album hinzu – Geschichten über Schätze und Piraten, die Chris de Burgh gekonnt erzählte.
Schließlich gab es für ein jubelndes Publikum „Borderline“ und der Sänger konnte schon nach einer Konzertstunde stehende Ovationen der Zuschauer empfangen. Ob er damit gerechnet hatte? Seine Interpretation am Piano war jedenfalls so berührend und auch pathetisch, dass es die meisten nicht auf den Sitzen hielt. Um die Situation danach etwas aufzulockern, gab es einige witzige Instrumental-Cover wie „Here Comes The Sun“, „Hotel California“ und „Pretty Woman“, bevor mit „Revolution“ der Song gespielt wurde, der eigentlich als „Borderline“-Fortsetzung gedacht ist.
Hier konnte auch ich mich zuhause fühlen, der ich doch vor allem in den 80ern zu Zeiten von „The Getaway“ und „Man On The Line“ einer großer Fan des Iren war. Damals gab es noch rockigere Klänge, die spätestens mit „The Lady In Red“ dem soften Chris de Burgh wichen. Dieser Titel wurde natürlich auch gespielt. Und das als einziger im Playback mit elektronischen Klängen. Warum? Natürlich damit der alte Haudegen und Herzensbrecher einen Ausflug zu den Damen im Publikum machen und ein paar Tänzchen aufs Parkett legen konnte. Spätestens jetzt war aus dem Sitz- ein Stehkonzert geworden. Und viel (vor allem weibliches) Volk stürmte den Platz direkt vor der Bühne.
Chris de Burgh hat ein treues Publikum. Und das weiß, was es bekommt: Eine gesunde Mischung aus alten und neuen Songs. Bei den älteren Titeln wie „Sailing Away“ gibt es ein paar Schwierigkeiten in den Höhen. Das bringt Chris aber nicht davon ab, munter zwischen Brust- und Kopfstimme zu wechseln. Und er kann es sich erlauben. Die Highlights „Don’t Pay The Ferryman“ und „High On Emotion“ folgten erst kurz vor dem Zugabenblock. Und auch die Rocksongs kommen gut zur alleinigen Gitarrenbegleitung. Chapeau!
Nach 100 Minuten Konzertlänge beendeten atmosphärische Zugaben wie „Where Peaceful Waters Flow“ ein eindrucksvolles Konzert. Es waren selige Gesichter, in die man blicken konnte. Und viele sollten ja am nächsten Abend direkt wieder kommen.
Amy Macdonald zog gut 3.000 Leute, die im Schnitt auch jünger waren als am Vorabend. Zudem war es ein Stehkonzert und es gab einen Support: Die 26jährige Antje Schomaker hatte ihr Debüt „Von Helden und Halunken“ mitgebracht. Die junge Frau vom Niederrhein hörte sich mit ihren selbst geschriebenen Songs unaufgeregt und doch emotional an. Ihre bisweilen lapidar wirkende Stimme klang wie das weibliche Gegenstück zu AnnenMayKantereit. „Bis mich jemand findet“ drückte enorme Lebensfreude aus. Und der Song „Gotham“ ist einfach genial, wenn Antje zwischen tiefer Stimme und hohen Tönen switcht. „Irgendwohin“ erklang als neuer Song für die beste Freundin und „Auf und davon“ rührte zu Tränen als Stück für eine Freundin mit Depressionen. Am 17. Oktober wird Antje Schomaker mit ihrer Band im ExHaus Trier spielen. Und dafür rührte sie ordentlich die Werbetrommel. Wer ihren Gig im Amphitheater gesehen hat, ist sicher auf den Geschmack gekommen.
Als Amy Macdonald die Bühne betrat, war vom ersten Ton an Stimmung angesagt. Die Haare plötzlich blond – das war schon sehr überraschend – dazu blaue Boots. Die Schottin ist eine traumhafte Erscheinung und dabei so bodenständig, wie man als weltweit erfolgreiche Sängerin nur sein kann. Ihre in manchmal schwer verständlichem Schottisch vorgetragenen Ansagen hörten sich an, als sei man zu später Stunde an der Theke in einem schottischen Pub. Verdammt – hat das Spaß gemacht!
Und hinzu kam natürlich wundervolle Musik zu einer lauten Rockband. Dabei hatte Amy meist ebenfalls eine Gitarre in Händen. Sie begann mit dem Titelsong des aktuellen Albums „Under Stars“. Es folgten die stimmungsvollen Titel „Spark“ und „Youth Of Today“, bevor es schon an vierter Stelle den Hit „Mr. Rock And Roll“ gab. Jetzt war der Damm gebrochen und alles sang lauthals mit. Amy erklärte, es sei schon sehr heiß für jemanden aus Schottland. Bei ihnen begänne man ab 15 Grad zu schwitzen. Und jetzt weit mehr als das Doppelte. Dann amüsierte sie sich über die zahlreichen Zaungäste in den Weinbergen: „Man will dabei sein, aber nichts zahlen.“ Das kenne sie auch aus Schottland.
Zu „Slow It Down“ wollte Amy einen Zuschauerchor formieren. Doch Totenstille im Publikum. Sie machte sich ernsthaft Sorgen, ob man ihren Akzent in Trier nicht versteht. Doch dann interpretierte sie das Schweigen zugunsten des Publikums als höfliches Zuhören. Wer weiß? Zumindest klappte der Mitsing-Refrain bei „Slow It Down“ letztendlich hervorragend. Danach kam mit „4th Of July“ eine Liebeserklärung an New York.
Das Amphitheater schien auch Amy zu imponieren. „Ihr habt noch nicht gekämpft. Gut so!“ Sie freute sich über unzählige schottische Flaggen („mehr als bei mir zuhause“) und verwies auf die Fußballtrikots, die sie extra im schottischen und deutschen Design hat anfertigen lassen. „We are Scheiße together“, so hob sie die beiden Mannschaften spielerisch auf ein Level und hatte das Gelächter auf ihrer Seite. Beeindruckend und unterhaltsam.
Musikalisch bot die 30jährige Schottin einen Rundumschlag aus vier hervorragenden Alben. Und den Song „Woman Of The Word“ aus dem Soundtrack der Disney-Komödie „Patrick“, an dem sie mitgewirkt hat. Überhaupt singt Amy mit starker Stimme und großer Überzeugungskraft. Die Band ist glanzvolles Beiwerk, aber sie braucht das nicht, wie die Ballade „It’s Never Too Late“ zu Pianobegleitung eindrucksvoll bewies. Und endlich kam auch „This Is The Life“, der Über-Hit, bei dem ordentlicher Jubel ausbrach.
Nach 95 Minuten war das Konzert zu Ende und alle lauschten beseelt den hymnischen Klängen von „Let’s Start A Band“, das man gut mit „This Is The Life“ verwechseln kann. Die Schottin hat es allein gezeigt. Die Liebe zwischen Deutschland und Schottland ist ungebrochen. Daran wird auch der Brexit nichts ändern können.
Seht hier unsere Konzertfotos von Chris de Burgh beim Amphitheater Open Air in Trier am 25.7.2018! Weiter geht es am 26.7. mit Amy Macdonald. Am 27.7. folgt die „1. Trierer Nacht der Spielleute“ gestaltet von Versengold, Feuerschwanz und Saltatio Mortis. Und Gentleman sorgt am 28.7. für den entspannten Ausklang.
Am Wochenende wurde die nächste Kultstätte in Trier bespielt – und die Besetzung konnte kaum unterschiedlicher sein. Am Freitag waren die Beginner um Jan Delay mit ihren HipHop-Eskapaden zu Gast, am Samstag gab es In Extremo (Mittelalterrock vom Feinsten) und am Sonntag sollte der unzerstörbare Helge Schneider am Start sein. Wer das Amphitheater in Trier noch nicht kennt: Ein wundervolles Ambiente mit historischer Vergangenheit inmitten von Weinbergen. Als es im 2. Jahrhundert nach Christus erbaut wurde, soll es noch 18.000 Zuschauern Platz geboten haben. Damals natürlich unter sehr blutigen Voraussetzungen, wie man aus den Geschichtsbüchern weiß. Inzwischen dürfen die Hänge rundherum allerdings nicht mehr betreten werden und Zuschauer begeben sich in die Arena selbst. Bis zu 3.500 Gäste fasst das Gelände und man darf im Inneren schaurig darüber nachdenken, wie viele Menschen hier bei Tier- oder Gladiatorenkämpfen umgekommen sind.
Denn Anfang machte Rapper Bengio als Support am Freitagabend mit einer Mischung aus Rap- und Popsongs. Der 24jährige stammt aus Fulda und wurde deutschlandweit bekannt, als er auf Yvonne Catterfelds Single „Irgendwas“ in Erscheinung trat. Dieser Song folgte dann auch zum Ende des halbstündigen Sets in seiner Soloversion. Ansonsten gab es eine Mischung an getragenen HipHop-Titeln mit Pop-Einschlag – entspannt und ruhig wie man dies beispielsweise von Rapper Cro kennt. Dabei war der Sänger viel in Bewegung und nutzte die volle Breite der fast leeren Bühne. Begleitet wurde Bengio ganz klassisch von einem DJ begleitet. Kein Unbekannter, denn es war DJ Vito, der sonst vor allem mit Samy Deluxe arbeitet.
Pünktlich um 21 Uhr übernahmen die Beginner. Es wurde laut: Schiffssirenen und die Single „Ahnma“ als Selbstvorstellung. HipHop-Fans aller Generationen waren gekommen, um die Legenden Jan Philipp Eißfeldt (alias Eizi Eiz, alias Jan Delay), Dennis Lisk (alias Denyo) und Guido Weiß (alias DJ Mad) live zu erleben. Seit 2003 firmieren die HipHop-Meister aus dem hamburgischen Eimsbüttel nur noch unter Beginner. Als sie sich Anfang der 90er Jahre gründeten und mit englischsprachigem Rap begannen, hieß die Truppe noch Absolute Beginners. Das „s“ musste als erstes weichen, als man sich vermehrt der deutschen Sprache zuwandte. Drei Alben waren erschienen und bis 2003 war man auf ein Trio geschrumpft. Nach langer Pause ging es dann 2016 urplötzlich wieder los. Die Füchse sind wieder da!
DJ Mad hatte seinen Platz auf einer hohen, begehbaren Pyramide aus LCD-Bildschirmen. Begleitet wurde das Trio von zwei hübschen Tänzerinnen und die Show nahm mit abgefeierten Nummern wie „Hammerhart“ und „Rap & fette Bässe“ ihren Lauf. Nach einer Jan Delay-lastigen Coverversion von Nenas „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ betraten als Überraschungsgäste die Namensgeber des aktuellen Beginner-Albums die Bühne: Advanced Chemistry aus Heidelberg waren als Duo mit am Start und boten unter anderem ihren Hit „Fremd im eigenen Land“. Und auch die Beginner hatten mit „Meine Posse“ einen aktuellen Mitsing-Hit zu bieten. Die Stimmung im Amphitheater war gleichbleibend hoch – die Beginner hatten Trier im Sturm erobert. Zum Glück war es trocken geblieben und ein Regenguss erfolgte erst auf der Heimfahrt.
Der Samstag begann mit dem Supportact Mr. Irish Bastard. Die Folk-Punkrocker läuteten den Abend mit einem energiegeladenen Set ein. Seit 2006 gibt es die Band aus Münster schon und sie spielten inzwischen als Support von vielen herausragenden Folk- und Punk-Vorbildern. Es waren vor allem schnelle Nummern im 40minütigen Set, die zum Feiern einluden. Bis zu vier Gitarren gab es zu hören – und eine sehr dominante Flötistin. Songs wie „I Only Like You When I’m Drunk“, „Last Pint“ und „I Hope They Sell Beer In Hell“ heizten die Stimmung für In Extremo ordentlich ein.
Diese betraten dann um 20.45 Uhr die Bühne. In Extremo sind aktuell auf „Burgentour“. So nennen sie schon seit zehn Jahren ihre sommerliche Open-Air-Reise zu historischen Spielstätten. Meist sind dies die Burgen der Republik, aber gerne auch mal ein altehrwürdiges Amphitheater. Im Gegensatz zum Vortag war die Arena diesmal nur zur Hälfte gefüllt, das tat dem musikalischen Feuerwerk aber keinen Abbruch. Die sieben Spielleute legten mit der „Feuertaufe“ los und zündeten ordentlich Pyrotechnik.
Folkloristisches Saitenspiel, Dudelsäcke, eine Harfe und dazu eine formidable Rockband. Das sind die Zutaten für ein grandioses Konzert. „Vollmond“, „Störtebeker“ und „Quid pro quo“ hießen die ersten Mitsinghits. Zu „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ gab es eine beeindruckende Feuershow, die für ein Hitzegefühl bis in den letzten Reihen sorgte. Leider half es nichts, was die Wetteraussichten anging, denn es begann stetig vom Himmel zu tröpfeln. Ein Gewitter war im Anmarsch. Während „Frei zu sein“ und „Küss mich“ wurde der Regen immer stärker und erste – nur mit T-Shirts bekleidete – Fans stürmten zum Ausgang.
Kurz vor Schluss des regulären Sets wurde es zu „Sternhagelvoll“ für kurze Zeit wieder trocken, dann aber traf im Zugabenteil anscheinend der „Spielmannsfluch“ den Rest vom Amphitheater Open Air. Als ein heftiges Gewitter mit starken Blitzen auftrat, die diesmal abseits der Pyroshow ein ebenso beeindruckendes Naturschauspiel boten, mussten In Extremo ihren Auftritt leider kurz vor Schluss (ca. 22.20 Uhr) abbrechen und der Veranstalter gar das Gelände evakuieren, damit sich die Zuschauer schnell in Sicherheit bringen konnten.
Leider hielt die Negativserie an, denn das dritte Konzert, das heute (Sonntag, 23.7.) mit Helge Schneider stattfinden sollte, musste wegen einer Erkrankung des Künstlers leider kurzfristig abgesagt werden. Schade drum.
Seht hier unsere Fotos von In Extremo auf Burgentour im Amphitheater Trier, 22.7.2017
Seht hier unsere Fotos von den Beginnern im Amphitheater Trier 2017
Der letzte Abend brachte ein ganz besonderes Highlight: Die Reihe der Open Airs im Trierer Amphitheater ging vergangenen Samstag mit dem Auftritt von Adel Tawil zu Ende. Es war mit Abstand das Konzert, das den breitesten Altersschnitt mit sich brachte. Viele Familien waren anwesend und vor Beginn sah man unzählige Kinder ausgelassen durch die Reihen wirbeln.
Als Support war Songwriter Mathia am Start. Er wurde als Mathia-Mathithiahu Gavriel in Tel-Aviv geboren und lebte seither in Los Angeles, London und New York. Seit einiger Zeit lebt er in Berlin und hat damit die perfekte Basis für seine Solokarriere gefunden. Was er in Trier bot, war seichte Gute-Laune-Musik, angerichtet als Gitarrenpop mit einem guten Schuss Indie-Feeling und hymnischen Melodien. Eine feine Vorspeise an einem lauen Sommerabend.

Als Adel Tawil schließlich die Bühne betrat, wurde der letzte Zuschauer wach und die Kids nahmen ihre Plätze auf den Schultern der Väter ein. Bestens gefüllte Konzerte mit nur einem Album – wie schafft man das? Zum Glück weiß jeder Bescheid, denn Adel Tawil hat wie kein anderer zuvor seine musikalische Biographie mit den Fans geteilt. Im Song „Lieder“ sind neben den Einflüssen aller Art auch die Stationen des persönlichen Werdegangs musikalisch verwurstet. Und genau diese spielten im Verlauf des Konzerts eine große Rolle.
Gemeinsam mit Annette Humpe gründete er 2003 das Popduo Ich + Ich, das sich zu einem der erfolgreichsten Bandprojekte des neuen Jahrtausends entwickelte. Das zweite Album „Vom selben Stern“ verkaufte sich über eine Million Mal und hielt sich ganze 154 Wochen in den Top 100 der deutschen Albumcharts. Damit gehörten Humpe und Tawil zu den ersten, die im vergangenen Jahrzehnt bewiesen haben, dass deutschsprachiger Pop und Langlebigkeit sich durchaus mit einander vereinen lassen.

Adel hatte solo schon einen ersten Erfolg mit der Single „Stadt“, die er 2009 im Duett mit Cassandra Stehen einsang. Diesen Titel gab es in Trier auch – zusammen mit Backgroundsängerin Maria Helmin, die hier auch als Solistin glänzte. Überhaupt war die Band großartig und Maria Helmin setzte bisweilen an der Violine noch ein i-Tüpfelchen drauf („Kartenhaus“).
Der sympathische, bärtige Lockenkopf Adel Tawil hatte das Publikum von Beginn an gut im Griff. Er redete mit den Leuten, vor allem den Kindern, machte ab und zu ein Bad in der Menge und ging ganz locker damit um, wenn mal ein Einsatz verpasst wurde. Das Publikum hing an seinen Lippen und man sang lange Passagen des Soloalbums, dessen Titel hauptsächlich gespielt wurden, begeistert mit. Im Hintergrund war eine bühnengroße LCD-Leinwand, die das Geschehen mit Einspielern oder Porträts der Musiker illustrierte.

Highlights gab es eine ganze Menge. Beispielsweise den Titel „Graffiti Love“, der von fünf großen Trommeln begleitet wurde. Oder der rührende Abschluss von „Stark“, als Adel die Textzeile „Ich steh nur hier oben und sing mein Lied“ a cappella ins Publikum schmetterte. Da ging wirklich jedem das Herz auf. An weiteren Ich + Ich-Songs gab es unter anderem „So soll es bleiben“ und natürlich „Vom selben Stern“, das Adel von einigen Kindern mitsingen ließ.
In den 90ern war Adel Tawil noch Mitglied bei The Boyz, was man heute wohl als Jugendsünde verbuchen muss. Immerhin hat ihm diese Boygroup den Weg ins Musikgeschäft geebnet und der Vollständigkeit halber schmetterte der Sänger in einem Medley den einzigen echten Hit „One Minute“, bevor es mit „Der Himmel soll warten“ aus Sidos MTV-unplugged-Album weiter ging. Schon erstaunlich, welche Hits es bereits vor dem Debüt aus Adels Kehle gab.

Irgendwann kam der Moment, wo Tawil fragend in die Menge schaute „Was soll ich denn jetzt noch singen?“ und beinahe umfiel, als ein Chor von Kinderstimmen ihm „Lieder“ entgegen brüllte. Natürlich gab es auch diesen Song und viele Textzeilen wurden vom Publikum lauter gesungen als vom Sänger. Adel Tawil hat Punkte gemacht im Amphitheater. Wer vorher noch kein Fan war, war es danach ganz bestimmt.
Der Sympathiefunken sprang über und die 100 Minuten Konzertlänge vergingen wie im Flug. Mir hat noch „Pflaster“ als allerletzte Zugabe gefehlt (snief). Stattdessen gab es die B-Seite „Kater am Meer“ in einer Langversion, die dann doch irgendwie zu viel des Guten war. Viele Zuschauer verließen während den ausschweifenden Soli schon den Platz und die Ausharrenden ärgerten sich am Ende, dass nicht doch noch ein weiterer Song kam. So sollte man ein Konzert nicht beenden. Sei’s drum. Bis auf diesen seltsamen Abschluss war alles fantastisch!

In Extremo sind momentan auf „Kunstraub-Burgentour“. Damit waren sie eigentlich in der falschen Location, denn mit Rittern und Königen hat das römische Denkmal nichts zu tun. Aber trotzdem ist das Amphitheater in Trier wie geschaffen für Auftritte martialischer Rockacts und bildet eine beeindruckende Kulisse, die auch für das Konzert von In Extremo viele Besucher anlockte und gut gefüllt war. In diesem Sommer gab es dort sehr viele verschiedene Acts von Klassik über Pop bis hin zu härteren Klängen. Damit wurden unterschiedlichste Publikumsschichten angesprochen. Und am vergangenen Freitag waren eindeutig die dunkel Gewandeten in der Überzahl, die der Band aus Berlin huldigten.
Zunächst allerdings waren Dritte Wahl am Start, die aus Rostock stammen und bereits seit den 80er Jahren musikalisch aktiv sind. Ihre Mischung aus Deutschpunk und Metal wusste durchaus zu gefallen und fand in Trier zumindest verhaltenen Beifall. Der Supportact zelebriert momentan seine 25-Jahre-Jubiläumstour und bot in 45 Minuten Konzertlänge einen breiten Querschnitt seines Schaffens, der zum Ende hin immer rockiger wurde. Ein gelungener Einstieg.

Dann wurde es Zeit für In Extremo live. Jeder, der dies einmal erleben durfte, wird sicherlich zustimmen wenn ich sage: super Show, tolle Publikumsstimmung und atemberaubende Atmosphäre. Vor Ur-Zeiten waren sie mal eine typische Mittelalterband und spielten vor allem auf entsprechenden Märkten und Stadtfesten. Inzwischen aber haben sie sich zur renommierten deutschsprachigen Rockband gemausert und mit „Sängerkrieg“ (2008) und „Sterneneisen“ (2011) zwei überzeugende Nummer-1-Alben hingelegt. Der letzte Release „Kunstraub“ (2013) schaffte immerhin Platz 2. Es ist ein Album, das noch weiter weg vom urtypischen Mittelalterrock führt.
Stattdessen hören sich In Extremo gegenwärtig an wie eine Mischung aus Unheilig, den Toten Hosen und Santiano. Das mag einigen Fans der Anfangszeit sauer aufstoßen, doch der Erfolg gibt der siebenköpfigen Band Recht. Um sich breite Käuferschichten zu erschließen, braucht es radiotaugliche Hits. Und ein Alleinstellungsmerkmal ist ja weiterhin vorhanden: die Verwendung mittelalterlicher Instrumente. Für die aktuelle Tour gab es eine gesunde Mischung aus den neuen Hits und den Klassikern der Anfangszeit. Die Zusammenstellung des Konzerts zog sich durch die inzwischen 18jährige Geschichte und würdigte alle Phasen der Band.

In Extremo sind bekannt dafür, dass es bei ihren Shows ordentlich kracht und Instrumente wie Dudelsack, Drehleier, Harfe und Schalmei in eine flammende Rockshow integriert werden, die mit pyrotechnischen Effekten par excellence aufwartet. Bei manchen Flammenwürfen spürte man die Hitze bis zum Mischpult. Es war durchweg stark.
Das Septett zeigte sich in sehr guter Laune. Eine riesige Party bei der es Spaß machte zuzusehen. Frontmann Das letzte Einhorn bezeichnete das Amphitheater zielsicher als „ehemalige Mörderhöhle“ und ließ sich über die blutrünstige Vergangenheit aus. Statt Kämpfen auf Leben und Tod war jetzt aber Feierstimmung angesagt. Wer darum bangte, die Reibeisenstimme des letzten Einhorns könne jederzeit versagen, konnte beruhigt sein – das war alles Absicht. Und es hörte sich live noch besser und verruchter an als aus der Stereoanlage.

Auch instrumental riss die Band von der ersten Minute an vom Hocker. Das letzte Einhorn, Van Lange, Die Lutter, Dr. Pymonte, Flex der Biegsame, Yellow Pfeiffer und Specki T.D. – so nennen sich die Bandmitglieder. Und es war ein wahrer Wirbelwind, den sie auf der Bühne entfachten. Vor allem die rockigen Dudelsack-Klänge passten sich hervorragend in die Musik ein. Die Fanschar von In Extremo spaltet sich in der Regel in Mittelalter-Fans und Metal-Freaks, doch bei den Live-Konzerten wird daraus eine wundersame Einheit. Ob „Zigeunerskat“, „Herr Mannelig“, „Viva La Vida“ oder „Mein rasend Herz“. Wie aus einer Kehle sang der stimmgewaltige Chor alles mit. Nur bei den selten eingestreuten Balladen wurde es etwas ruhiger. Oft waren Gitarren und Dudelsäcke dominant. Zu „Vollmond“ gab es ein schönes Intro mit Mini-Harfe und der Song „Gaukler“ als Hommage an alle Straßenmusiker wurde standesgemäß mit einem Akkordeon begleitet.
In Extremo wird inzwischen vorgeworfen, sich zu sehr beim Mainstream anzubiedern und mehr Rock als traditionellen Folk zu bieten. In Trier war davon jedoch nichts zu spüren. Live zeigt sich immer noch ihre Einzigartigkeit und die mittelalterlichen Instrumente wurden gekonnt in das Bühnengeschehen integriert. Beeindruckend war vor allem die exorbitante Bühnenshow mit Feuerwerk, hochschießenden Flammen auf der Bühne und allerlei Effekten, die man sonst höchstens mal auf einem Rammstein-Konzert in diesem Ausmaß sieht. Im Großen und Ganzen eine einzigartige musikalische Darbietung mit einem mitreißenden Auftritt und einer klasse Bühnenshow.

Setlist In Extremo – Amphitheater Trier, 1.8.2014
Mein rasend Herz
Horizont
Zigeunerskat
Vollmond
Feuertaufe
Herr Mannelig
Viva la vida
Unsichtbar
Gaukler
Liam
Himmel und Hölle
Merseburger Zaubersprüche II
Belladonna
Sängerkrieg
Frei zu sein
Küss mich
Auf’s Leben
—
Siehst du das Licht
Ai vis lo loop
Spielmannsfluch
Das Trierer Publikum kennt Thomas Schwab und seine Band ja hauptsächlich von den alljährlichen „Christmas Moments“ in der Arena. Mit der besonderen Show „In diesem Moment“ wagte sich der erfolgreiche Musiker und Komponist dieses Jahr mal mitten im Sommer ins Amphitheater. Bei perfektem Open-Air-Wetter wurde dem begeisterten Publikum ein wunderbarer Abend voll Energie und Emotionen mit Musik der unterschiedlichsten Stilrichtungen geboten.

Neben den großartigen Instrumentalisten seiner Band hatte Thomas die in der Region wohlbekannten Sänger Guido Illigen, Meike Anlauff und Valerie Scott mit dabei; und als besonderen Gast Patricia Kelly, mit der ihn seit einigen Jahren eine musikalische Seelenverwandtschaft verbindet. Diese fügte sich perfekt in das Ensemble ein, wie bereits der Opener „Shape of my heart“ bewies, überzeugte aber auch solistisch, etwa mit dem rockigen „No Lies“ oder dem mitreißenden spanischen „Hecho un limon“. Mit ihren witzigen Ansagen bezauberte sie das Publikum, brachte beim Kelly-Family-Hit „An Angel“ das ganze Amphitheater zum Singen, und holte für das traditionelle „Michael Row“ sogar kurzerhand Volker aus der ersten Reihe zum Mitsingen auf die Bühne.

Solistisch glänzen durften allerdings auch die anderen Sänger, die alle ihre persönlichen Lieblingssongs im Gepäck hatten. Guido bewegte das Publikum mit „Chasing Cars“ von Snow Patrol und Gregor Meyles „Du bist das Licht“, und Meike beeindruckte mit „Dieser Weg“, Alicia Keys „Fallin“ oder „I Hope“ von Rebecca Ferguson. Valerie machte dagegen Klassiker wie Cohens „Hallelujah“ oder „Imagine“ mit ihrer unglaublichen Soulstimme zu absoluten Gänsehautmomenten. Davon gab es an diesem Abend übrigens noch viele weitere – etwa die von den drei Sängerinnen in wunderbarer Harmonie präsentierte Version von Bette Midlers „The Rose“, „Halt mich“ im Duett von Meike und Guido gesungen, oder der Gastauftritt von Simone Clemens mit „Für mich soll´s rote Rosen regnen“. Ordentliche Weltmeisterstimmung verbreitete Guido mit Andreas Bouranis Hymne „Auf uns“, und zwischendurch ging es auch mal ohne Gesang bei einem gefühlvollen „Ave Maria“ von Geigerin Carole Leyers.

Bei aller Begeisterung wurde an diesem Abend aber nicht vergessen, dass im vergangenen Jahr vier wichtige Menschen aus dem Umfeld von Thomas Schwab und seiner Musikerfamilie gestorben sind. Meike widmete ihnen den Titelsong der Show „In diesem Moment“ von Roger Cicero, und sehr passend folgte vom gesamten Ensemble eine hochdeutsche Version von Andreas Gabaliers berührender Ballade „Amoi seg ma uns wieder“. Den optimistischen Abschluss des Konzerts bildete dann das kraftvolle „With a Little Help from My Friends“. Zur Zugabe beeindruckte Patricia Kelly mit einer unglaublich emotionalen Performance von ihrem Song „Put On The Light“, bevor sich die Band endgültig von der Bühne verabschiedete und ein wirklich großartiger Abend zu Ende ging.

Wie steht auf Plakaten und Flyern? „Ian Anderson plays The Best of Jethro Tull“ – aber das ist Jacke wie Hose. Tatsächlich haben Jethro Tull sich offiziell im Jahr 2014 aufgelöst. Wie sich der schottische Sänger und Flötist mit seinem kongenialen Partner Martin Barre in die Haare bekommen hat, ist mir nicht bekannt. Aber wenn Altersstarrsinn mit schottischer Dickköpfigkeit zusammen treffen, gibt es sicher genug Reibungspunkte. Jedenfalls geht Barre seit 2012 mit eigener Band auf Tour und spielt alte Tull-Songs. Im Gegenzug veröffentlichte Anderson sein Werk „Thick As A Brick 2“ unter der Bezeichnung „Jethro Tull’s Ian Anderson“. Aber braucht man solche juristischen Spitzfindigkeiten? Eigentlich ganz egal. Kenner wissen, wer Ian Anderson ist. Und unter dem Publikum in Trier, bei dem ein riesiger Prozentsatz die 50 deutlich überschritten hatte, war wichtig, dass ihr musikalischer Held als Derwisch mit der Querflöte auf der Bühne steht. Mehr nicht.
Das Konzept sah ursprünglich vor, dass Ian Anderson zunächst sein Soloalbum „Homo Erraticus“ komplett zur Aufführung bringt, bevor es dann mit dem Besten von Jethro Tull weiter geht. Doch man konnte sich schon denken, dass er diese Idee im Lauf der Tour fallen lässt. Zu oft habe ich schon erlebt, wie Künstler sich so etwas auf die Fahne schrieben, aber letztlich aufgaben, weil das Publikum bei den neuen Sachen nun mal nicht mit geht und keine Stimmung aufkommt. Ich persönlich find’s schade, denn ich hatte mich sehr auf „Homo Erraticus“ komplett und am Stück gefreut. Aber für die Stimmung im Amphitheater war es wohl besser, die alten und neuen Songs zu durchmischen.
Das altrömische Ambiente war wie geschaffen für einen Rock-Dinosaurier. Ian Anderson ist neben seinen aktuellen Ergüssen sehr auf die Vergangenheit bedacht und bringt mit Unterstützung von Prog-Mastermind Steven Wilson den Backkatalog nach und nach neu zur Geltung. Gerade wurde „A Passion Play“ als Special Edition heraus gebracht. Kein Wunder also, dass die Zuschauer sich an einem extrem schwierigen Song wie „Critique obligue“ erfreuen durften.
Überraschend war dann aber doch, wie die neuen Stücke, beispielsweise „Doggerland“ und „The Engineer“, beim Publikum ankamen. Ian Anderson ist ein fantastischer Songwriter und schreibt lässig im Stil der 70er Jahre. „Homo Erraticus“ ist in Wirklichkeit auch „Thick As A Brick 3“, denn wieder steht Gerald Bostock im Mittelpunkt. Diesmal lautet die Story so, dass Bostock ein Buch namens „Homo Erraticus“ in Songtexte umgewandelt hat. Wiederum also ein astreines Konzeptalbum, das Schlüsselevents der britischen Geschichte mit Bezügen zu Prophezeiungen bis heute und in die Zukunft untersucht. Visionen vergangener Leben hervorgerufen durch Malaria, erschaffen die Charaktere durch deren Augen die Geschichten erzählt werden, wie die eines Steinzeitnomaden, eines Eisenzeit-Schmieds, eines christlichen Mönchs, eines Schankwirtes und sogar Prinz Alberts. Ob ich Konzeptalben liebe? Oh ja, das tue ich.
Man kann Ian Anderson seine Qualitäten im Studio gewiss nicht absprechen. Live blättert der Lack stimmlich ein wenig ab. Kein Problem: Er hat sich einen Musical-Sänger als Unterstützung dazu geholt. Ryan O’Donnell deckte sowohl große gesangliche Bereiche ab, er diente aber auch als dramaturgische Unterstützung und leistete einige schauspielerische Einsprengsel. Das funktionierte so gut, dass er oft Szenenapplaus bekam. Ian Anderson hingegen schonte seine Stimme bisweilen, war dafür aber an der Flöte um so mehr in Action. Schnell, energisch, bisweilen noch in alter Manier auf einem Bein stehend – das war wie in alten Zeiten. Besonders beeindruckend fand ich aber die selbstvergessenen Soloparts, wenn man Andersons Stimme durch die instrumentalen Töne mit hörte und er sich völlig zu verausgaben schien. Was hier an Show geboten wurde, war phänomenal.
Wir hörten „Sweet Dream“ und eine wundervolle Version von Bachs „Bourée“. Es gab „Teacher“ für hartgesottene Altfans und natürlich den Titelsong zu „Thick As A Brick“. Anderson lobte das Amphitheater und fühlte sich anlässlich der historischen Stätte genötigt, „Too Old To Rock’n’Roll: Too Young To Die“ anzustimmen. Außerdem gab es das folkige „Songs From The Wood“, das ich gerne mal als Highlight bezeichnen will. Vertrackte Arrangements, ein erzählerischer Vortrag. Die Mischung aus progressiven und folkigen Elementen mit ein klein wenig Musical war einfach stimmig. Den Siedepunkt erreichte das Amphitheater dann bei „Sitting on the park bench“, der ersten Textzeile des Songs „Aqualung“, und beim anschließenden Rausschmeißer „Locomotive Breath“. Da hielt es keinen mehr auf den Plätzen. Alles in allem war das Konzert ein schönes, rockiges Konzerterlebnis. Wie gesagt hätte ich mir mehr Theatralik und Showeffekte für eine Komplettlösung von „Homo Erraticus“ gewünscht. Aber was soll’s – das ist Jammern auf höchstem Niveau.
Die Konzertreihe im Trierer Amphitheater wird fortgesetzt:
1.8.2014 IN EXTREMO
2.8.2014 Adel Tawil
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