Ein Popalbum des ehemaligen „Rushers“ Alex Lifeson

Eine neue Band legt ein hörenswertes Album vor, das allerdings ungehört an mir vorübergegangen wäre, wenn nicht die Mitwirkung von Alex Lifeson meine Aufmerksamkeit geweckt hätte. Das Mitglied von Rush, der kanadischen Rockband, die sich nach dem Tod ihres Drummers Neil Peart aufgelöst hat, hat das einzige Instrumental auf der CD, “Western Sunset”, welches das Album abschließt, beigesteuert. Lifeson hat es seinem Kumpel Neil Peart gewidmet, den er zu Hause besucht hatte, als er längst vom Tode gezeichnet war. Vom Balkon aus beobachtete er den Sonnenuntergang, erzählt Lifeson. Dieser hat etwas Endgültiges, dennoch beginnt nach einer kurzen Zeit der Dunkelheit stets ein neuer Tag.

Dieser Song ist quasi ein Ausreißer. Die restlichen Titel sind eher poppig als rockig. Auf seine alten Tage hat sich Lifeson auf ein gänzlich andersartiges Projekt als Rush fokussiert. Wenn man es nicht wüsste, würde man Envoy of None niemals mit ihm in Verbindung bringen. Ob ihn seine Fans darum beneiden? Es ist nicht Lifesons Projekt, er wurde erst Mitglied, nachdem ihn Andy Curran gebeten hat, einzusteigen. Getragen werden die sofort ins Ohr gehenden Songs von der Stimme der Sängerin Maiah Wynne, die am 8. April zudem ihr selbstbetiteltes Debütalbum bei Kscope veröffentlicht hat.

Etwas in die Irre geführt hat mich der Song “Kabul Blues”. Entweder ist der Text sehr kryptisch oder der Text hat wirklich nichts mit der afghanischen Hauptstadt zu tun. Als Single wurde “Liar” ausgekoppelt. Er gefällt mit „industrial beats“ und atmosphärischen Gitarren erzeugen einen verführerischen Strudel wie bei Depeche Mode.

Fazit: Kein Rock-, sondern ein Popalbum des ehemaligen „Rushers“ Alex Lifeson. Aber ein verdammt gutes.