Ob John Watts solo unterwegs ist oder als Band mit den alten Mitstreitern von Fischer-Z: Er ist auch nach 50 Jahren immer noch für eine Überraschung gut! So gab es ein hervorragend besuchtes Konzert in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen. Da das Publikum genau wie der Frontmann langsam altert, gab es ganz gediegen Sitzplätze. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch.
Fischer-Z sind so eine Band, die eigentlich immer da war, aber die nie den Erfolg ernten konnte, den sie verdient hätte. Warum? Weil vielleicht der eine Hit fehlte, der sie in die Charts brachte. Ich habe Fischer-Z auf einigen Open Airs gesehen – mit BAP und Joe Cocker waren sie früher auf Tour, Jahre nachdem das wichtige Album „Red Skies Over Paradise“ erschienen ist. Und damals gab es doch mit „Marliese“ fast eine Radiosingle. Immerhin Platz 37 in den deutschen Charts und ein Song, den die meisten Musikliebhaber kennen.
Zeitweilig war John Watts solo unterwegs, dann gab es neue Musiker für Fischer-Z. 2002 wurde die Band offiziell aufgelöst, seit 2010 ist man mit drei um einiges jüngeren Musikern wieder aktiv. Die Bandmitglieder neben Watts sind eigentlich vernachlässigbar, da nur Watts als Gründungsmitglied dabei ist. Aber das soll gar nicht despektierlich klingen, denn das Quintett hat in Neunkirchen einen klasse Job gemacht! Da war beispielsweise der Kölner Gitarrist Marian Menge. Grandios und mit viel Spielfreude. Und die Keyboarderin Chloe Leigh, die auf der aktuellen Tour Ives Mergaerts ersetzt.
Chloe haut nicht nur in die Tasten, sondern ist auch eine begnadete Songwriterin, die bewaffnet mit einer Akustikgitarre den Support des Abends gab und 25 kurzweilige Minuten mit ihrer eigenen Musik bestritt. Frisch und sympathisch stimmte sie das Publikum auf die Show ein. Dann ein kurzer Umbau und schon um 20.30 Uhr ging es los mit der ersten Konzerthälfte.
Die Setlist der „50 Anniversary Tour“ ist vor allem eine Verbeugung vor den frühen Glanzzeiten von Fischer-Z. Mit Songs aus „Word Salad“, „Going Deaf for a Living“ und „Red Skies Over Paradise“ führt John Watts zurück in jene Jahre, in denen die Band ihren unverwechselbaren Mix aus New Wave, Post-Punk und politischen Texten entwickelte. „The Worker“ und „So Long“ dürfen dabei natürlich nicht fehlen und bilden die nostalgischen Fixpunkte des Abends. Dass Watts darüber hinaus auch Material aus seinem Soloschaffen einstreute, machte das Konzert zu mehr als einer reinen Hitparade: Es erzählte von fünf Jahrzehnten musikalischer Entwicklung, ohne die Wurzeln aus den Augen zu verlieren.
John Watts ist inzwischen 71 Jahre alt. Seine charismatische Stimme hat nicht an Ausdruckskraft verloren. Er kann energisch nach vorne preschen und sich dezent zurücknehmen. Das zeigte sich vor allem nach der Pause, als er allein an der Gitarre durch die Zuschauerreihen einzog, sich ganz publikumsnah gab, verschmitzt lächelte und schließlich allein auf der Bühne einen der Solosongs zu Gehör brachte, bevor die Band wieder hinzu kam.
Nachdem die ersten 45 Minuten noch recht verhaltene Reaktionen hervorriefen, wurde der zweite Set zu einem echten Happening. Vereinzelt gingen Zuschauer*innen nach vorn Richtung Bühne und tanzten zu Reggae-Sound und Rock-Rhythmen. Höhepunkt war dann der Zugabenblock mit „Berlin“ und „Marliese“ – den zwei Klassikern, die bei keinem Konzert fehlen dürfen. So wurde das Jubiläum gebührend gefeiert und man darf sich hoffentlich noch auf ein paar weitere gute Jahre mit der Band freuen. Das aktuelle Album „X-Ray Serenade“ ist gerade erst erschienen und macht deutlich, dass Watts seinen (schwarzen) Humor nicht verloren hat.











