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Urheber/Fotograf: Pink Martini

Pink Martini 06.10.2026 Neue Gebläsehalle / Neunkirchen

30 Jahre PINK MARTINI – das kleine Orchester aus Portland in Neunkirchen

Neun starke Musiker auf der Bühne, davor eine blonde Frau im roten Glitzerkleid, auffällig tätowiert, ständig in Bewegung und mit einer Stimme, die irgendwo tief unten im Jazzkeller wohnt. Storm Large braucht bei Pink Martini nicht lange, um klarzumachen, wer hier gerade den Laden aufmischt. Was diese Frau an Bühnenpräsenz mitbringt, ist schlicht grandios. Ich war ziemlich schnell sehr geflasht.

Dabei ist Pink Martini eigentlich viel größer als eine Sängerin. Thomas Lauderdale und seine Mitstreiter sind ein kleines, bestens eingespieltes Orchester, das an diesem Abend mühelos zwischen Jazz-Standards, Chansons, Latin, Pop und Weltmusik hin- und herspringt. Piano, Gitarre, Streicher, Percussion und ein ganzer Bläsersatz sorgen für einen Sound, der gleichzeitig elegant, verspielt und ausgesprochen tanzbar daherkommt. Immer wieder haben die Instrumentalisten genügend Raum für kleine Soli. Hier stehen Vollblutmusiker auf der Bühne, die hörbar Spaß an dem haben, was sie tun.

Die erste Hälfte des Konzerts in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen wurde von Storm Large beherrscht. Ihre tiefe, eindringliche Stimme passt hervorragend zu dieser musikalischen Welt. Gleichzeitig brachte sie eine Energie auf die Bühne, die Pink Martini immer wieder aus der gemütlichen Lounge-Ecke herauskatapultiert. Sie sang in mehreren Sprachen, flirtete mit dem Publikum, tanzte, spielte und machte aus jedem Auftritt eine besondere Show. Ein halber Freddy-Quinn-Song auf Deutsch gehörte ebenso dazu wie ein persönlicher Gruß an ihren Cousin aus Neunkirchen. Dass sie dabei niemals den Eindruck erweckte, einfach nur ihr Programm abzuspulen, machte einen wesentlichen Teil des Abends aus.

Für die zweite Farbe sorgte Meow Meow. Schon der Name ist Programm, und auch sie machte aus ihrem Auftritt mehr als nur Gesang. Sie verteilte Blumen, damit man sie wieder zurück auf die Bühne warf, spielte mit dem Publikum und brachte eine gehörige Portion Comedy und Varieté ins Geschehen. Musikalisch ging es unter anderem mit Jacques Brel und französischem Chanson in eine ganz andere Richtung. Später teilten sich Storm Large und Meow Meow bei einem Edith-Piaf-Stück die Bühne. Zwei Frauen, zwei Stimmen, zwei völlig unterschiedliche Bühnenpersönlichkeiten. Gerade dieses Wechselspiel machte den Abend so abwechslungsreich.

Überhaupt entwickelte sich das Konzert immer stärker zu einer großen gemeinsamen Party. Beim Dance Contest zu „¿Dónde estás, Yolanda?“ wurde auch aus dem Publikum plötzlich ein Teil der Show. Besonders die Männer ließen sich nicht lange bitten und legten eine heiße Sohle aufs Parkett, was für einige ziemlich witzige Momente sorgte. Und als Pink Martini schließlich 16 Zuschauer für einen gemeinsamen Chor auf die Bühne beziehungsweise ins Rampenlicht holten, wurde endgültig klar: hier war die klassische Trennung zwischen Bühne und Saal längst obsolet.

Nach rund 80 Minuten verabschiedete sich die Band zunächst, aber natürlich war noch lange nicht Schluss. „Bella Ciao“ und „Brazil“ setzten den Schlusspunkt unter einen Abend, der musikalisch kaum in eine Schublade passte. Jazz, Chanson, Latin, Weltmusik, große Melodien und ein bisschen Kitsch – bei Pink Martini durfte alles nebeneinander existieren, solange es mit Stil, Können und einer gehörigen Portion Spielfreude präsentiert wurde. Und genau das gelang in der Gebläsehalle hervorragend.

Pink Martini waren an diesem Abend nicht einfach eine Band, die ihre Songs spielte. Sie waren kleines Orchester, Jazzclub, Chansonbühne, Varieté und Tanzkapelle in einem. Und mittendrin zwei grandiose Sängerinnen, die mit ihren gewaltigen Stimmen und ihrer unglaublichen Präsenz dafür sorgten, dass man diesen Abend so schnell nicht vergisst.

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