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Urheber/Fotograf: Universal Music

Reinhard Mey "Schatzhauser"

Unsere Wertung: 8 von 9 Punkten.

Der pure Reinhard

Manchmal muss man mit seinen Gewohnheiten brechen. Die letzten zwölf Alben des Berliner Liedermachers Reinhard Mey seit „Immer weiter“ (1994) sind nämlich traditionell im Mai erschienen. Oft gab es dann einen Dreijahresrhythmus: Studioalbum, Tour, Livealbum. So hätte das ewig weitergehen können, doch wir wollen nicht vergessen: Der Barde und Spielmann wird am 21. Dezember 84 Jahre alt! Also kein Wunder, wenn er jetzt etwas kürzer tritt.

Doch halt. Man könnte ein durchproduziertes Album erwarten, viele Gäste, einige neu arrangierte Klassiker. Doch was tut der kongeniale Liedermacher? Er besinnt sich auf seine Anfänge und liefert mal wieder ein rein akustisches Studioalbum, bei dem er sich selbst an der Gitarre begleitet. 13 Titel, die den puren Reinhard bieten. Das hat man auch seit jeher bei seinen Konzerten bekommen: einen Musiker, der zwei Stunden allein auf der Bühne steht und sich selbst an der Gitarre begleitet. Chapeau, dass der Chansonnier immer noch so fit war.

„Schatzhauser“ kann sicher etwas wie ein Abschiedsalbum sein. Auch wenn ich hoffe, dass dem nicht so ist. Mey sagt selbst (sinngemäß in aktuellen Interviews), dass er sich schon mal auf den Abschied vorbereitet und alles raus haut, was er noch zu sagen hat. Vorsichtshalber. Er hat aber keineswegs vor, mit der Musik aufzuhören, wenn die Gesundheit weiter mitspielt. Sein offiziell 30. deutsches Studioalbum muss also nicht das letzte sein!

„Schatzhauser“ lächelt freundlich, ist weisen und guten Herzens, wie die namensgebende literarische Figur von Wilhelm Hauff. Er spart nichts aus, den Tod nicht, aber auch nicht das Leben, das Weinen nicht, das Lachen nicht und vor allem das Lieben nicht. Wir blicken in melancholische Seelenwinkel und werden auf wundersame Weise doch mit Zuversicht beladen zurückgelassen. Das Cover (fotografiert von Victoria-Luise Mey) deutet auf die Schönheit des Sonnenuntergangs, auch wenn er das Ende des Tages markiert. Doch ein Sonnenuntergang im Sommer im Norden, erstreckt sich sehr lange.

Thematisch gibt es wieder den gewohnten Rundumschlag. Keine Songs für die Ewigkeit wie „Über den Wolken“ und „Gute Nacht, Freunde“, keine Schlager wie „Annabelle“ oder die „Diplomatenjagd“. Reinhard muss sich keinem Publikum mehr anbiedern. Stattdessen singt er davon, was ihn beschäftigt:

„Wunderarzenei“ zeigt seine Liebe zur Musik. „D-ELVJ“ handelt mal wieder ausführlich von der Fliegerei, ganz technisch ohne philosophische Auswüchse. „Tristan“ lässt den Enkel zu Wort gekommen und dessen Liebe zu Dinosauriern. „Mimi la moustache“ liefert eine schöne Geschichte über die französische Tante Mimi, Schwester von Reinhards erster Ehefrau. Dann „Mit dir an meiner Seite“, ein Liebeslied an die Frau Hella, von denen es einfach nicht genug geben kann.

In „Zwei Köfferchen“ geht es mit viel Melancholie um die eigenen Kinder, vor allem um den verstorbenen Max, dessen Geschichte stets aufs Neue berührt. „Mein Wald“ und „In meinem Garten“ sind Loblieder auf die Natur. Reinhard Mey hat schon so viel besungen und seine Liebe zu so vielen Menschen wie Dingen ausgedrückt. In „Alter Ego“ geht es endlich mal um ihn selbst. Auch cool. „Wo sind all meine Freunde hin“ handelt natürlich vom Älterwerden, aber mit einem unerschütterlichen Optimismus an die Zeit nach dem Tod. Und das „Kinderlied“ zum Schluss schlägt den Bogen zu All-time-favourites wie „Viertel vor sieben“ und „51er Kapitän“. Das macht sein aktuelles Album absolut rund, denn hier schließen sich viele Kreise.

Die neuen Lieder hat Reinhard auf das Wesentliche reduziert – und man vermisst an keiner Stelle die große Produktion. Er erzählt seine Geschichten, nimmt uns mit in seine Welt, braucht dazu nicht mehr als eine Gitarre und seine unverkennbare Stimme. Einfach wundervoll!

Fotocredit: Jim Rakete

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