John Diva verwandelt das Knust in einen Glam-Rock-Hexenkessel

Drinnen herrscht entspannte Klönschnackstimmung, während aus den Boxen des ausverkauften Knust 80er-Popmusik plätschert. Doch als „Girls Just Want to Have Fun“ angespielt wird, erntet das Band konsensfähige Pfiffe aus dem Saal. Das Publikum – eine bunte Mischung aus tätowierten Altrockern, enthusiastisch verkleideten Klonen ihres Idols und ganz „normalen“ Musikfans – wartet schließlich nur auf eines: den ultimativen Glam-Rock-Abriss von John Diva & The Love Rockets.

Hinter den Kulissen stieg vorab die Anspannung, denn John verriet im Interview: „Nervös macht eher das Warten und nicht das Tun.“ Doch kurz vor dem Vorhang lief das feste Ritual ab: Einer sagt kurz was, alle umarmen sich eng – dann ging es raus auf die Bühne.

Verspäteter Start in die Primetime
Mit leichter Verzögerung ist es um 20:15 Uhr endlich so weit. Zur besten Primetime erlischt das Hallenlicht, blaues Scheinwerferlicht flutet die Bühne und ein dumpfer Bass setzt ein. Die Blicke der Zuschauer hängen gebannt an der Bühne, erste Jubelschreie und Victory-Zeichen schnellen in die Luft. Ein packendes Gitarrensolo und druckvolle Drums treiben den Spannungsaufbau auf die Spitze – der perfekte Teppich für den Einmarsch des Meisters.

Schon nach dem dritten Song brennt das Knust Hamburg lichterloh. Das Parkett bebt unter den springenden Fans. Diva sucht sofort den Kontakt, parliert stilecht auf Englisch und zelebriert die Selbstinszenierung in Perfektion: „Not good waiting“ flachst er und fragt grinsend in die Menge: „How do I look?!“

Auf die Interviewfrage, wie er seine Band in drei Worten beschreiben würde, antwortete John kurz und knapp: „Extravagant, glamourös, over the top!“ Genau das wurde auf der Bühne Realität. Angesprochen darauf, ob Glamrock für ihn nur eine musikalische Richtung oder Freiheit bedeutet, stellte er klar: „Es ist eine Einstellung. 80er Glam, Extravaganz, die große Geste dabeihaben. Und wenn es lächerlich ist, ist es auch befreiend.“

Modischer Glamour und kühne Ansagen
Optisch liefert der Frontmann wie gewohnt ab. Das erste Outfit verbindet Glamour mit Hard-Rock-Attitüde: Ein lilafarbenes Glanzhemd gewährt tiefe Einblicke auf die schimmernde Brust, kombiniert mit schwarzem Stirnband und Bikerhandschuhen. Nach gut 30 Minuten folgt das erste modische Highlight: Cowboyhut mit Glitzerschnalle und eine Federjacke in Schwarz-Pink, die später einem lässigen schwarzen Tanktop weicht.

Spätestens bei der Erfolgssingle „Bigger Than America“ reißt Diva das Publikum unaufhaltsam mit. Er gibt den Rhythmus vor und animiert zum Klatschen. Auf den Song angesprochen, der wie eine gewaltige Ansage klingt, erklärte John die Hintergründe: Er fand die anfängliche „Anmaßung“ einfach gut. „Der Ursprung war politisch gedacht, ist es aber nachher nicht geworden. Alles in allem ist es ein Feel-Good-Song.“

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Um das Publikum erneut voll abzuholen, spielten sie an diesem Abend stolze sechs neue Lieder, die heute ihre offizielle Live-Premiere feierten – darunter Kracher wie „Soundtrack of My Life“ und „Favorite Drug“. Auf die Frage nach dem Wiedererkennungswert für eine echte John-Diva-Hymne nannte der Sänger drei Zutaten: „Slogan, eine Melodie oder ein Rhythmus, der im Kopf bleibt, und die ganze Arena kann mitsingen.“ Das Publikum zum Mitreißen und Mitsingen zu bewegen, ist laut John schlichtweg „das Gefühl, das man immer versucht zu erzeugen – das, was man erreichen will.“ Die Botschaft der Klassiker zündet dabei ebenso: „Everybody needs someone to believe in“.

Raum für die Band und magische Momente
Dass dieses Konzert ein voller Erfolg ist, liegt auch an der überragenden Interaktion innerhalb der Band. Als John Diva kurzzeitig die Bühne verlässt, reißt Leadgitarrist Snake Rocket mit einem epischen E-Gitarrensolo das Rampenlicht an sich. Erst setzt das Publikum mit kollektiven „Oh-Oooh“-Chören ein, während Rhythmusgitarrist J.J. Love flankiert, bevor der Rest der Band wieder druckvoll einsteigt. Es sind Momente wie diese – oder die Erwähnung ihres gestrigen Bootstrips –, die die enorme Fannähe unterstreichen.

Der emotionale Höhepunkt des Abends kündigt sich mit dem Bon-Jovi-Cover „Livin‘ on a Prayer“ an. Die Band singt vor, das Knust antwortet. Als das Publikum eine komplette Zeile vollkommen alleine und textsicher durch den Saal schmettert, herrscht Gänsehautstimmung. Das anschließende Solo von Snake Rocket klingt so authentisch, als stünde Jon Bon Jovi leibhaftig auf der Bühne. Passend dazu die härteste Frage des Interviews: Wenn es auf der Welt nur noch einen einzigen Rocksong geben dürfte, welcher wäre es? Johns Wahl fiel sofort auf eine Legende: „Jimi Hendrix mit All Along the Watchtower (shore)“.

Credit: Frontiers Music s.r.l.

Drum-Gewitter und das große Finale
Ein weiteres absolutes Highlight folgt im letzten Drittel: Die Band verlässt geschlossen die Bühne – bis auf Marcus Coolman Jr. Der Drummer fegt in einem gigantischen Solo über seine Kessel. Verdammt cool und lässig wirbelt er seine Sticks durch die Luft, komplett abgetaucht in seine Rhythmuswelt, während das Publikum eskaliert. Mit lauten „Hey! Hey! Hey!“-Rufen treibt er die Menge an, um seine Bandkollegen schließlich wieder zurück ins Rampenlicht zu locken.

Für den Endspurt präsentiert sich John Diva im dritten Outfit des Abends – dem passenden Merchandising-Shirt mit dem Aufdruck „Who the fuck is JOHN DIVA?“. Mit der neuen, treibenden Single „Smile“ mobilisieren die Musiker noch einmal alle Kraftreserven. Sie spielen nicht nur ihre Instrumente, sie leben die Show.

Am Ende nimmt sich der Frontmann ausgiebig Zeit, um sich bei den treuen Fans, Supportern und jedem einzelnen Bandmitglied zu bedanken. Jeder Musiker wird mit gebührendem Applaus gewürdigt, wobei Drummer Marcus Coolman Jr. noch einmal eine Extra-Welle der Begeisterung erfährt. Mit dem brandneuen Song „Lonely Times“ entlassen John Diva & The Love Rockets ein glückliches Publikum in die Hamburger Nacht.

Für die Jungs geht es nun erst einmal am 31.10 nach Helmbrechts. Der nächste Stopp folgt am 5.12.2026 in Herford, 20 Uhr, Kulturwerk.Was passiert, wenn man nach so einer Tour plötzlich daheim ist und die große Stille einsetzt? John beschreibt den berüchtigten Tourblues ungeschönt: „Es herrscht ständig Kommunikation, man ist immer mit der Band zusammen. Dann hat man endlich Ruhe, aber man hält die Ruhe einfach nicht aus. Das bedeutet erst mal zwei Tage Kater.“ Nach dieser grandiosen Show im Knust sei ihnen die Erholung aber mehr als gegönnt. Der Glam-Rock lebt!

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