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Urheber/Fotograf: Universal Music

Gracie Abrams "Daughter from Hell"

Unsere Wertung: 8 von 9 Punkten.

Zwischen Selbstzweifeln und vorsichtiger Emanzipation

Vor wenigen Jahren ist Gracie Abrams wie aus dem Nichts aufgetaucht und hat mit noch nicht ganz 27 Jahren und mit ihrem inzwischen dritten Studioalbum bereits unheimlich viel erreicht. 2023 wurde sie für einen Grammy nominiert und sie trat im Vorprogramm von Olivia Rodrigo sowie von Taylor Swift auf. Dabei war es sicher nicht der Name ihres berühmten Vaters (J.J. Abrams), der sie auf die Erfolgsspur brachte, sondern eine unermüdliche und produktive Arbeit als Singer-Songwriterin bis hin zum erfolgreichen Singlehit „That’s so true“, der die Langlebigkeit ihrer Karriere besiegelte.

Das dritte Album „Daughter from Hell“ ist nun genau das richtige Werk zur richtigen Zeit. Es wurde von ihr und und Aaren Dessner (The National) parallel zur laufenden Tour geschrieben und erzählt von den Unsicherheiten des Heranwachsens sowie den emotionalen Turbulenzen eines Lebens in den Zwanzigern. Die Lyrics schildern eine prägende Lebensphase, die sich zugleich zutiefst persönlich und doch universell anfühlt. Auf der Grundlage emotionaler Ehrlichkeit und sorgfältiger Erzählkunst zeigt die Songwriterin, wie sie sich der Komplexität des Erwachsenwerdens stellt.

Fotocredit: Universal Music

Da ist der grandiose Einstieg mit „Hit the Wall“, der bereits alle Qualitäten der Sängerin in sich vereinigt. Sie liefert uns eine wundervolle, eindringliche Stimme, die den Hörer auf Anhieb betört. Dabei offenbart sie ihre Fähigkeit, komplizierte Emotionen in Worte zu fassen und in etwas Ehrliches zu verwandeln. Und dann der vielseitige Titelsong: Abrams beschreibt sich als schwierige Tochter, als verletzliche Partnerin und als Mensch, der noch immer mit den Schatten der Vergangenheit kämpft. Dabei wird es im Songwriting erstaunlich rockig.

„The Knife“ gehört zu den großen Momenten des Albums: eine reduzierte Piano-Ballade, in der sie ihren Schmerz nicht herausbrüllt, sondern fast beiläufig seziert. Genau diese Mischung aus Verletzlichkeit und Kontrolle ist eine ihrer größten Stärken. „Look At My Life“ ist ein persönlicher Rückblick, der nichts beschönigt. „Good Reason“ liefert eine schwerelose Melancholie und „Humming“ bietet eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik.

So wird „Daughter from Hell“ fast schon zum Konzeptalbum, das ihren Lebensweg und ihre Karriere ehrlich zusammenfasst und eine Bestandsaufnahme liefert, die dennoch optimistisch in die Zukunft blickt. So zeigt sich Gracie Abrams von ihrer bislang persönlichsten Seite und unterstreicht einmal mehr ihr außergewöhnliches Gespür für emotionales Storytelling. Dabei bleibt sie ihrem traurig anmutenden Indie-Pop zwar weiterhin eng verbunden, lotet aber gleichzeitig dessen Grenzen aus und emanzipiert sich auf diesem Weg.

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