Pohlmann. ist den meisten als sympathischer Singer/Songwriter bekannt und seinen Megahit „Wenn jetzt Sommer wär“ können alle mitsingen. Er gehört zu jenen deutschen Sängern, die nicht viel benötigen, um große Geschichten zu erzählen. Eine markante Stimme, eine akustische Gitarre und ein Gespür für die kleinen und großen Momente des Lebens reichen dem Künstler aus Rheda-Wiedenbrück oft aus. Seine Songs bewegen sich irgendwo zwischen Pop, Rock sowie handgemachtem Sound und sind meist getragen von persönlichen Beobachtungen und einer spürbaren Nähe zu seinen Zuhörer*innen. Bekannt wurde Ingo Pohlmann Anfang der 2000er Jahre zunächst als Mitglied der Hamburger Band Goldjunge, bevor er sich auf seine Solokarriere konzentrierte.
„Beweggründe“ heißt das mittlerweile siebte Studioalbum. Der Titel passt erstaunlich gut, denn hier geht es nicht mehr darum, einfach irgendwohin aufzubrechen. Es geht um das, was einen Menschen antreibt, festhält, verändert und manchmal auch zweifeln lässt. Um Liebe, Familie, Vergänglichkeit, gesellschaftliche Widersprüche und die Erkenntnis, dass das Leben mit zunehmendem Alter nicht unbedingt einfacher, dafür aber interessanter wird.
Musikalisch bleibt Pohlmann. seiner Grundidee treu: handgemachte Songs, organische Instrumentierung, warme Gitarren und eine Stimme, die nie versucht, perfekt zu klingen. Gleichzeitig darf es auf „Beweggründe“ deutlich rockiger werden. Das Album kennt Ruhe und Aufbruch, Melancholie und Wut – und genau diese Spannungen machen es interessant.
Lieder wie „So an Dich gewöhnt“ oder „Komm jederzeit“ widmen sich dem Kern der Familie und so bekommen sowohl das eigene Kind als auch die Mutter ihre Hymne. Teils satirisch humorvoll wie in „Endzeittouri“, teils melancholisch wie in „Anstecknadel“ oder kraftvoll fast aggressiv wie in „Fallrückzieher auf Kopfsteinpflaster“, widmet sich Pohlmann. den Widersprüchen unserer Zeit und sucht nach den so wichtigen Brücken zwischen Anspruch und Möglichkeit. Hinzu kommt wohl eines seiner besten Love Songs: „Karre of Love“. Die Beziehung wird hier definiert als gemeinsames Fahrzeug, das auch über Schlaglöcher und schlechte Straßen kommen muss. Ein simples Bild, das gerade deshalb funktioniert.
Durch diesen authentischen und ehrlichen Blick in seine Gedankenwelt, die er repräsentativ für seine Hörer in Songs verwandelt entsteht eine Wahrhaftigkeit, für die ihn seine Fans so respektieren. Das besondere an der Platte „Beweggründe“ ist auch, dass sie dieses Mal in kompletter Eigenregie entstand. Nach Stationen bei allen großen Labels dieses Landes entschieden sich Pohlmann. und sein Umfeld nun für den Weg über die Fans und wurden schier überwältigt von der Menge an Supportern, die neue Musik von Pohlmann. haben wollen und bereit waren, in diese Unternehmung einzusteigen. Binnen weniger Tage erwirtschaftete eine Crowdfunding Kampagne so viele Mittel, dass nicht nur die Produktion der Platte, sondern auch alles, was mit der Vermarktung zu tun hat, locker erreicht wurden.
In den Texten steckt mehr Erfahrung, in den Songs mehr Ambivalenz und in der Stimme mehr Leben. Pohlmann. ist auf „Beweggründe“ gleichzeitig persönlicher und politischer, ruhiger und wütender, nachdenklicher und gelegentlich überraschend humorvoll. Vor allem aber klingt er glaubwürdig.










