Rock Meets Classic – Trier 2017 – Fotos
Seht hier unsere Fotogalerie von Rock Meets Classic 2017 in der Arena Trier
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Das Konzept der „Rock meets Classic“ Shows ist nun schon mehrere Jahre alt. Seit acht Jahren hat die Idee über 500.000 Besucher in fünf Ländern begeistert und sich ein ordentliches Stammpublikum erobert. In Trier allerdings gab es noch nie ein Gastspiel der Truppe um Mat Sinner mit Band und das Bohemian Symphony Orchestra aus Prag. Das wird sich nun hoffentlich ändern, denn die Arena war voll besetzt und ein begeistertes Publikum feierte die dreistündige Show aus Rocksongs und Klassik-Elementen.
Die Zuschauer waren teilweise durchaus im gereifteren Alter. Die bunte Mischung konnte man anhand der gewählten Konzertkleidung gut ausmachen: von Hardrock-Kutte und Band-Shirt bis hin zum feinen Konzertgeschmeide war alles vorhanden. Aber als das Orchester mit den Klängen von „Rocking All Over The World“ loslegte, wurde daraus eine jubelnde Masse ohne Klassenunterschiede.
Die musikalische Leitung hat seit langem der deutsche Heavy-Metal-Musiker (Sänger und Bassist) Mat Sinner, der in harten Kreisen für seine Bands Sinner und Primal Fear bekannt ist. Im Rahmen der „Rock meets classic“-Reihe formiert er seine Mitstreiter zur Mat-Sinner-Band und bekommt Unterstützung durch das Orchester. Das bedeutet: 40 Orchestermusiker auf der Bühne, fünf Background-Sänger, eine formidable Rockband – und hinzu gesellen sich ausgewählte Gäste, die von Jahr zu Jahr variieren.
Als erste Gast-Interpreten gab es Bob Catley und Tony Clarkin von der Band Magnum. Die britische Progressive Rockband feierte ihre größten Erfolge in den 80er und 90er Jahren. Aus ihren Alben resultierten keine Singlehits, aber sie wurden in Fankreisen in kompletter Länge abgefeiert. So sprang der Funke vielleicht nicht bei einzelnen Hits über, aber es war eine solide Performance der sichtlich gealterten Herren. Da nenne ich gerne das erzählende „On A Storyteller’s Night“. Bei „Vigilante“ kamen die Streicher sehr gut durch und „When The World Comes Down“ sorgte für einen prachtvollen balladesken Abschluss.
Das große Orchester kam nicht auf Anhieb gut durch. Es war die erste Show der Tour und man konnte merken, dass die Tonleute bei den ersten Stücken noch mit argen Problemen zu kämpfen hatten, bis sich die Sänger gegenüber der Band durchsetzten und bis das Orchester auch im weiten Rund der Arena gut zu hören war. Überhaupt spielten die Klassik-Elemente oft eine untergeordnete Rolle und waren mehr schmückendes Beiwerk, was aber aufgrund der formidablen Rockshow auch nicht schlimm war.
An zweiter Stelle der musikalischen Mitstreiter kamen Mick Box und Bernie Shaw von Uriah Heep ins Spiel. Beide bestens aufgelegt und in großer Spielfreude. Ihre Hits wie „Easy Livin‘“ und „July Morning“ kulminierten schließlich in den Oberkracher „Lady In Black“, der vom Publikum stehend mitgesungen wurde. Okay – man musste die Leute zunächst mal zum Aufstehen animieren, doch dann wurde ordentlich abgefeiert. Dazu wurde eine eher verhaltene, aber dennoch wirkungsvolle Pyro-Show geboten.
Endlich war das Orchester einmal in reiner Form zu hören und es bot den James-Bond-Klassiker „Skyfall“ mit Unterstützung aus dem Backgroundchor. Die Symphoniker unter Leitung von Martin Sanda gestalteten einen schönen Klangkörper. Beachtenswert fand ich vor allem die rockige Querflöte, die sich oft in den Vordergrund spielen durfte.
Vor der Pause enterte Rick Springfield die Bühne. Den gibt es noch? Oh ja – der Gitarrist, Sänger und Schauspieler sorgte für die Überraschung des Abends und eroberte die Herzen mit seinen Entertainment-Qualitäten. Dass er seinen Hit „Celebrate Youth“ spielte, wurde da fast zur Nebensache. Er zerflederte Rosensträuße auf der Bühne, rockte von links nach rechts und dann ins Publikum, stieg über die Stühle der faszinierten Damenwelt und ließ kein Auge trocken. Das war eine starke Leistung, die durch „Love Somebody“ und den Smashhit „Jessie’s Girl“ abgerundet wurde. Das Publikum feierte ihn vor und nach der 15minütigen Pause ab, die genau in seinem Set lag. Eine kluge Entscheidung – denn vermutlich mussten sowohl Rick Springfield als auch sein Publikum erst einmal wieder zu Atem kommen.
Das Orchester bot nach der Pause ein Bon-Jovi-Medley, das vor allem der Rockstimme von Backgroundsänger Sascha Krebs sehr gut stand. Doch nicht nur er – die ganze Matt Sinner Band inklusive des Chor-Quintetts legten sich hier ordentlich ins Zeug.
Die Stimmung war also angeheizt für Steve Lukather, Sänger, Arrangeur und Gründungsmitglied der Band Toto und weltweit erfolgreicher Solokünstler. Erstaunlich fand ich zunächst den wilden, basslastigen Orchesterstart. Zur instrumentalen Hymne „Child’s Anthem“ spielte man endlich die Qualitäten des Orchesters voll aus. In „Little Wing“ durfte man das Gitarrenspiel Lukathers abseits der Radiohits bewundern, doch natürlich gab es auch die Toto-Klassiker „Rosanna“, „Africa“ und „Hold The Line“, letzteres durch Sängerin Tiffany stimmgewaltig unterstützt.
Zum Abkühlen bot das Orchester ein Medley bekannter Mozart-Stücke – populäre Klassiker, wie man so schön sagt. Dann war der Headliner des Abends dran: Don Felder, ehemaliger Leadgitarrist bei den Eagles. Das Publikum war ungewöhnlich abwartend, als solide Rocksongs wie „Already Gone“, „Heartache Tonight“ und „Life In The Fastline“ gespielt wurde. Erst zu „Hotel California“ kehrte allgemeine Glückseligkeit ein, die zu Standing Ovations und einem Konfettiregen führte. Ein gelungener Abschluss für ein grandioses Konzerterlebnis.
Zum Finale enterte die komplette Instrumental- und Gesangstruppe erneut die Bühne und man bot gemeinsam den Klassiker „Take It Easy“. Die dreistündige Show war sehr vielseitig und bot eine Menge Highlights. Die Klassik kam gegenüber dem Rock etwas kurz, doch das dürfte niemanden gestört haben. Die überwältigende Stimmung sorgt hoffentlich dafür, dass „Rock meets classic“ auch 2018 in Trier über die Bühne geht.
Die letzten Karnevalsveranstaltungen sind noch nicht lange vorbei. Es gibt also genügend Ohrwürmer in den Köpfen, um einen Schlagerabend zu füllen. In Luxemburg wird ohnehin bis zur Hälfte der Fastenzeit weiter gefeiert – und unter den 4.000 Besuchern in der Arena Trier war das Großherzogtum gut vertreten, wie man am Stimmengewirr merken konnte. Florian Silbereisen hatte zum „Großen Schlagerfest“ eingeladen. Ein ganz neues Konzept, dass von seinen bisherigen Volksmusik-Abenden abweicht und mit DJ Ötzi, Voxxclub und Sarah Jane Scott einige illustre Gäste zu bieten hatte.
Von der Idee her geht es zum einen ganz tief in die Schlagerkiste der 70er und 80er Jahre, zum anderen bieten die vertretenen Künstler ihre eigenen Hits. Dies führt auf jeden Fall zu stimmungsvollem Mitklatschen, Mitschunkeln und Mitgrölen. Was man auch von Florian Silbereisen halten mag – er ist auf jeden Fall ein guter Entertainer und hält den Laden gut zusammen.
Die Show begann mit kleiner Verspätung um 19.50 Uhr, dauerte dafür aber mehr als drei Stunden mit einer halbstündigen Pause. Abgesehen von einem VIP-Stehparty-Bereich direkt vor der Bühne bot die Arena Trier nur Sitzplätze, aber es hielt die Anwesenden nicht lange auf ihren vier Buchstaben. Die ultimative Schlagerparty erinnerte von Beginn an an die großen Après Ski- und Karnevalspartys. Nur dass hier zumindest live gesungen wurde.
Die Musik kam vom Band. Die Bühne war aber ganz ordentlich eingerichtet. Mit zwei fahrbaren LCD-Leinwänden und einer fest installierten im Hintergrund, die ordentlich Atmosphäre schufen. Dazu eine zwar verhaltene, aber durchaus wirkungsvolle Pyroshow. Ein Laufsteg schließlich ließ die Sängerin und die Sänger bis zum Sitzpublikum vordringen. Die Reihenfolge der Auftritte war bunt durchmischt.
Es gab Schlagermedleys von Marianne Rosenberg, von Dschingis Khan und sogar von Reinhard Mey („Männer im Baumarkt“, „Über den Wolken“) – auch wenn letzterer vielleicht nicht froh ist, mit jenem Metier verwurstet zu werden. Ein Ausflug führte in die Geschichte des Song Contest, ein weiterer erläuterte dem Publikum mit Augenzwinkern, welche großen Schlager aus Holland zu uns rüber geschwappt sind: nämlich „Die kleine Kneipe“, „Das Lied der Schlümpfe“ und „Una paloma blanca“.
Zwischendrin wurde das Geschehen durch fünf Tänzer der DDC Breakdance Company aufgelockert, die eine waghalsige Tanzakrobatik an den Tag legten, egal ob volkstümliche oder englische Schlagerhits im Hintergrund liefen.
Vor der Pause war die große Stunde von DJ Ötzi und er bot im Rundum-Paket seine Hits wie den „Anton aus Tirol“, „Hey Baby“ und natürlich den unvermeidlichen „Stern, der deinen Namen trägt“. Die Volksrocker von Voxxclub verkauften sich eindeutig unter Wert. Von ihren CDs und YouTube-Videos weiß man, dass sie durchaus in der Lage sind, ein Publikum allein mit ihren Stimmen zu begeistern. Der A-cappella-Gesang blitzte aber beim Schlagerfest nur in Ansätzen durch, wenn zum Beispiel eine Beatbox-Einlage die Pause bis zum nächsten Song überbrückte. Schade. Da wäre mehr drin gewesen. Sarah Jane Scott war als Quotendame vor alle für die Optik gut. Doch auch stimmlich konnte sie Akzente setzen. Das frauenlastige Publikum ließ sich aber lieber von jungen Männern und deren bisweilen nackten Oberkörpern begeistern.
Nach der Pause ging die Show stimmungsvoll mit Silbereisens neuer Band weiter. Klubbb3 heißt die Gruppe, die Florian Silbereisen vor zwei Jahren mit Jan Smit (Holland) und Christoff De Bolle (Belgien) gegründet hat. Ein kluges Konzept, denn so konnte man gleich in fünf Ländern (inklusive Schweiz und Österreich) in den Charts glänzen. Deren Songs sind zwar keine Radiohits, aber modern ausgelegte Schlager mit Discobeat. Und man war sich auch nicht zu schade, mit Perücken und Glitzerkostümen ein parodistisches Flippers-Medley hinzulegen.
Zum Ende der Schlagershow luden die Protagonisten zum Tanz-Crashkurs ein: Sirtaki, Schunkelwalzer und Polonäse. Das funktioniert nicht nur an Karneval. Das Publikum zumindest war begeistert. Florian Silbereisen zeigte sich einmal mehr als bodenständiger Typ, der auch nicht seinen roten Faden verlor, als er sich vom Bühnenrand aus um eine kranke Dame in der Partylounge kümmerte. Es war ein kurzweiliger Abend für viele Generationen Schlagerbegeisterter.
Seht hier unsere Fotogalerie zu „Das große Schlagerfest“ mit Florian Silbereisen in der Arena Trier (17.3.2017)
Wer einmal erlebt, was die jungen Tänzer vom Pilobolus Dance Theater in ihrer Show „Shadowland“ auf die Bühne bringen, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Das ging schon Thomas Gottschalk so, als die Truppe vor einigen Jahren bei „Wetten, dass…?“ zu Gast war. Selten hatte man den Moderator derart sprachlos gesehen. Und auch die Oscar-Verleihung im Jahr 2007 durfte das Ensemble mit seiner Performance versüßen, was einem Ritterschlag in den USA gleich kommt.
Seit diesen spektakulären Auftritten, die das Ensemble weltweit bekannt machten, ist es in wechselnder Besetzung unermüdlich auf Tour und bringt die Idee der Show aus Tanztheater, Schattenspiel und Märchen-Erzählung einer wachsenden Fangemeinde nahe. So war auch die Arena in Trier schon zum wiederholten Male Schauplatz des Spektakels. Am Donnerstag, 9. März 2017, war das Ensemble mit der zweiten Abendshow „Shadowland 2“ zu Gast. Und man brauchte gar nicht viel effektvolles Material, um das Publikum zu begeistern. Einige von hinten bestrahlte Leinwände für das Schatten-Theater, wenige Utensilien zur Darstellung von Landschaften und Gegenständen sowie einige hervorragende, athletische Tänzer.
In gut 65 Minuten Erzähl-Länge wurde eine poetische Geschichte erzählt: Die neuen Abenteuer im Schattenland spielen in der Zukunft. Menschen in einer Fabrik stapeln mechanisch-stumpf Berge von Kartons. Diese zu öffnen ist streng verboten. Ein Aufseher treibt sie an. Aber einer der Kartons schleicht einem Arbeiter entschlossen hinterher. Der kann nicht widerstehen, öffnet den Karton und entdeckt darin ein zauberhaftes Vogelwesen, eine Art Straußenbaby – flimmernd, flaumig, magisch und schutzsuchend. Gemeinsam mit seiner Freundin rettet er das Baby vor dem Kartonkäfig. Zu dritt flüchten sie, durchstreifen den Himmel, die Erde, das All. Sie besuchen den Heimatplaneten der gefangenen Tiere, werden bedroht, gefangen, befreit. Die Protagonisten geraten immer wieder in Gefahr auf ihrer Reise durch verborgene Landschaften der Phantasie.
Die Darstellung geschieht in realen Tanz- und Theater-Szenen, dann wieder hinter der Schattenwand. Die Grenzen sind fließend und das Ensemble spielt mit der Bewegung und dem Wechsel zwischen den Ebenen. Der Zuschauer wird so mit realen, skurrilen und sehr ästhetischen Bildern konfrontiert. Die größte Faszination übt aber das Schattenspiel aus, da es absolut perfekt gelingt und man immer wieder ins Staunen gerät, wenn die Schatten eine Autofahrt darstellen, einen Spaziergang durch eine sich bewegende Landschaft oder die Geschehnisse in einer Großstadt. Wie hier von allen Darstellern punktgenau gearbeitet wird, das ist einfach ein Genuss.
Alle handelnden Personen sind durchgehend in Bewegung, haben jederzeit neue Aufgaben – ob im Vordergrund oder hinten als Kulissenschieber. Jeder Schritt, jeder Griff, jede Darstellung ist bis ins Detail durchdacht und die Abläufe funktionieren bis ins kleinste Element. Davon muss jeder verzaubert sein – und man hat Verständnis dafür, dass bei einer solch perfektionistischen Darbietung die Tänzer in 65 Minuten an ihre Grenze stoßen und die Länge der Show damit begrenzt ist.
Überhaupt ist die musikalische Begleitung genau durchdacht und passt sich der Story atmosphärisch an. Pop, Balladen, atmosphärische Elemente – was die Erzählung fordert. Die Zuschauer in der Arena Trier waren begeistert und spendeten stehenden Beifall. Diese Märchenwelt war wie ein Traum, den man selbst einmal gerne träumen würde.
Als Zugabe gab es eine 10minütige Reise nach New York zur Musik von George Michael und Alicia Keys. Zur Freude des Publikums begegnet der Straußenvogel hier der tierischen Hauptdarstellerin aus Teil 1 der Show und die beiden erleben gemeinsame Momente. Auch die Stadt Trier wurde im Schattenspiel mit ihren Sehenswürdigkeiten dargestellt. Gut 1100 Zuschauer waren begeistert – das Ensemble darf gerne wieder nach Trier kommen.
Seht hier unsere Fotos vom Konzert der Broilers am 4.3.2017 in Trier
Davon, dass der Punk nicht tot ist, konnte man sich gestern Abend in der Arena Trier mal wieder eindrucksvoll überzeugen. 7000 Fans der Broilers sorgten für ein ausverkauftes Haus – und es war ein bunt gemischtes Publikum. Dabei heißt die aktuelle Tour „Es gibt keine Hymnen heute“. Musikfans, die hofften, dass sich die Broilers auf ihren Mainstream-Erfolgen ausruhen werden, mussten also enttäuscht werden. Zwei Nummer-1-Alben in Folge können zwar in Versuchung führen, doch es besteht keine Gefahr, dass die Broilers den sanften Weg der Toten Hosen gehen. In ihrem neuen Werk „(sic!)“ steckt wieder mehr Power. Und die lassen sie auf der aktuellen Tour ordentlich raus.
2014 war die Arena zum Tourabschluss an Silvester gut gefüllt. Etwas mehr als zwei Jahre später kann man ausverkauft vermelden. Die Broilers versteckten sich zunächst hinter einer großen Zielscheibe als Vorhang, der pünktlich um 21 Uhr fiel. Als Intro wurde der Klassiker „Vanitas“ gespielt. Dann ging es laut zur Sache mit einem Querschnitt durch die Bandgeschichte, dessen Schwerpunkt zunächst auf den aktuellen Alben lag. Der Sound war stellenweise recht dumpf und die Bühne recht spartanisch für eine Band dieser Größenordnung ausgestattet. Es scheint den Broilers egal zu sein, ob sie in einem Kellerclub oder vor 7000 Leuten spielen. Das macht sie sehr sympathisch und verleiht den Konzerten Authentizität.
Etwas Glamour durfte aber trotzdem sein. Eine große LCD-Leinwand im Hintergrund machte das Geschehen auch für die weit entfernten Reihen sichtbar und eine dreiköpfige Bläserfraktion sorgte für einen bisweilen breitwandig angelegten Sound. Auf der Bühne war ordentlich Euphorie spürbar. Frontmann Sammy Amara zeigte sich gesprächig und berichtete von der Band-Beziehung zu Trier: In einer Zeit, da Bassistin Ines noch nicht zur Band gehörte, Schlagzeuger Andi aber sehr verliebt in die Hübsche war, hatte man sie in der Jugendherberge Trier besucht, wo sie auf Klassenfahrt weilte. Nette Anekdote.
„Die Beste aller Zeiten“ und „In 80 Tagen um die Welt“ luden zum Feiern ein. Als Wunschlied aus dem Publikum wurde „Lofi“ spontan in die Setlist aufgenommen. Zu „Wie weit wir gehen“ forderte Amara das Publikum auf, die jeweiligen Lieblingsmenschen auf der Schulter zu tragen und das Konzert wurde ein Lied lang quasi auf zwei Ebenen fortgesetzt. In den Ansagen hielt Amara sich sehr zurück, sprach explizit von „Fremdenangst“ und nicht von „Fremdenhass“. Vielleicht um die neuen Nazis nicht mehr aufzuwerten, als das mancherorts von allein passiert. Deutlich sind aber die Texte der Broilers, auch wenn manche Lyrics bis zur Unverständlichkeit vernuschelt waren. Egal – das Publikum sang textsicher mit.
Die Broilers zeigten sich von ihrer besten Seite und hielten die Feierlaune am Kochen. Trier hat sich als Veranstaltungsort bewährt. Normalerweise finden Konzerte solcher Art im Ex-Haus statt, doch für die Broilers ist das Jugendzentrum schon längst zu klein geworden. Sie schafften es aber, die Punk-Atmosphäre in die Arena zu retten. Sehr engagiert gab es zu „Held in unserer Mitte“ einen großen Circle Pit rund ums Mischpult, das Amara liebevoll als „Affenfelsen“ bezeichnete. Und spätestens zu den Klängen von „Meine Sache“ wusste der Letzte, warum sich der Weg zu den Broilers mal wieder gelohnt hatte. Das gut zweistündige Konzert lief friedlich und ohne besondere Vorkommnisse statt. Keine Bengalos im Publikum. Raucher wurden umgehend ermahnt. Punk wird solide. Aber gefeiert wird trotzdem!
Er gilt als der Shooting Star der deutschen Comedyszene – und seine Karriere startete ausgerechnet in Trier. Der Hamburger war nämlich am 5. März 2011 beim Comedy Slam im Jugendzentrum Mergener Hof zu Gast und hatte dort seinen ersten echten Auftritt, wie er selbst sagt. Zwar verloren, aber seitdem geht es unaufhaltsam aufwärts. 2012 hat er den Trierer Comedy Slam übrigens gewonnen. Trotzdem: Wer hätte damals gedacht, dass Chris Tall sechs Jahre später in einer nahezu ausverkauften Arena in Trier spielen würde?
Großen Anteil daran hatte sicherlich Stefan Raab, der vielen jungen Comedians in seiner Sendung TV total eine Bühne gab und ihr Talent förderte. So hatte auf Nachfrage unter den Zuschauern auch fast jeder bei YouTube das Video gesehen, das besagten Auftritt im Jahr 2015 zeigt. Hier konnte sich Chris als Newcomer hervortun, der auch schwierige Eisen anpackt und sich nicht scheut, Minderheiten und Randgruppen mit kabarettistischen Einlagen zu bedenken. Aber das allein brachte ihn nicht in die Arena. Er hat die Ochsentour bestehen müssen, auch mal vor elf Zuschauern aufzutreten und den gleichen Elan zu zeigen wie vor 3000.
Sein aktuelles Programm heißt „Selfie von Mutti! Wenn Eltern cool sein wollen…“ und damit startete das Programm. Die Mutter hat stolz gegoggelt und macht gerne mal ein Selfie von Chris, der Vater hat alle Apps auf dem Handy und grüßt folgerichtig „What’s App“ in die Runde. Allein solche Anekdoten könnten abendfüllend sein, doch die Titel-Thematik machte nur einen Bruchteil des Auftritts aus.
Chris startete eine Publikumsbefragung, um die Anwesenden kennen zu lernen. Der Maschinenbautechniker Florian bekam sein Fett weg, Noah aus Luxemburg und der 12jährige Janice, von dem wir im Verlauf des Abends noch mehr hören sollten. Dabei zog der Comedian nicht nur über die Genannten her, sondern zeigte eine ordentliche Portion Selbstironie. „Ich bin fett und ich weiß das“. Mit solchen Sätzen fordert man Zwischenrufe wie „Dumbo“ geradezu heraus.
Auch in Parodien war Chris Tall stark, egal ob es um das Faultier Flash aus dem Film „Zoomania“ ging oder ob er zehn Minuten lang den Comedy-Kollegen Mario Barth darstellte und im Anschluss völlig außer Atem war. So verging die erste Stunde wie im Flug. Ein sympathischer Typ stand da auf der Bühne, der das Publikum fest im Griff hatte.
Da man Nachwuchstalente fördern muss, auch wenn sie Kevin heißen, sagte Chris nach der Pause seinen Kumpel Kevin Ray an, der als Gast auftreten durfte und zehn Minuten Bühnenzeit bekam. Als gebürtiger Trierer war dieser sichtlich nervös vor dem heimischen Publikum und zog eine Schneise durch ähnlich joviale und familiäre Themen, wie sie auch Chris Tall behandelte. Der Applaus des Publikums war weit mehr als Höflichkeit. Chris hat vorgemacht, wie Karrieren in Trier starten können. Vielleicht erleben wir auch Kevin bald allein auf größeren Bühnen.
Chris hingegen wandte sich dann seinem Spezialgebiet zu: Witze über Randgruppen. Damit konnte er schon zu TV total-Zeiten große Erfolge feiern und der Hashtag #darferdas? ist seit den denkwürdigen Auftritten dort nicht mehr aus dem Netz weg zu denken. „Ja, er darf das!“ möchte man rufen, denn Chris Tall begegnet den Menschen, die er verarscht, auf Augenhöhe. Behinderte, Schwule, Schwarze – Hauptsache ist, dass die Betroffenen mitlachen können. Da darf es auch mal kurz ganz ernst werden, wenn Chris von einer wahren Begebenheit erzählt, als er sich entschuldigen musste, da der Betroffene eben nicht mehr mit ihm lachen konnte. Solche Momente machten in ihrer entwaffnenden Ehrlichkeit viel von diesem Comedy-Abend aus.
Stars des Tages waren aber die anwesenden Rollstuhlfahrer und der ungezwungene Umgang, den Chris mit ihnen an den Tag legte. Dafür konnte man ihn nur bewundern. Er witzelte mit den behinderten Menschen, die es sichtlich genossen, selbst mal im Mittelpunkt zu stehen, und konnte dabei auch kräftig einstecken, wenn es mal Kontra gab und der Spastiker lauthals fragte „Wieviel wiegst du?“. Vermutlich konnten die meisten Anwesenden zustimmen, wenn Chris schließlich resümierte: Den Begriff „Minderheiten“ sollte man aus dem Wortschatz streichen und durch „Menschen“ ersetzen.
Chris Tall ist ein Comedian mit Sendungsbewusstsein und er vermittelte auch in Trier seine deutliche Botschaft: Jeder von uns hat seine Besonderheiten, die ihn über andere hinaus heben. Darüber kann man lachen, muss man aber nicht. Die Passage über Beate aus „Schwiegermutter gesucht“ ließ er bewusst weg und argumentierte auch entsprechend. Deren Mutter sei in der Vorwoche verstorben und „wenn ich mir vorstelle, dass meine Mutter stirbt und jemand reißt eine Woche später Witze darüber, dann fände ich das nicht korrekt“. Solcherlei Aussagen gehören nicht belächelt, sondern gelobt – und nach zwei Stunden Power-Programm gab es Standing Ovations in Trier.
Statt einer Zugabe setzte Chris zu einer Dankesrede für den gelungenen Abend an und begab sich in die Zuschauerreihen zu den Rollifahrern, Schwulen, Schwarzen und Kindern, mit denen er im Lauf des Abends von der Bühne aus im Dialog war. Man nahm dem sympathischen Menschen gerne ab, dass es auch für ihn ein faszinierender Abend war, und die Ovationen wurden gleich nochmal wiederholt. Ich bin sicher, wenn Chris Tall wieder nach Trier kommt, wird die Arena lange vorher ausverkauft sein.
Seht hier unsere Fotogalerie zur TVOG Show in Trier am 6.1.2017
Nach den Jubelchören der letzten Jahre erfährt auch die Castingreihe „The Voice of Germany“ zunehmend Kritik. Das mag daran liegen, dass die gespielten Kabbeleien der Juroren manchen Zuschauern inzwischen schwer auf die Nerven gehen, dass Pro7 und Sat1 zunehmend sensationsheischende Hintergrundgeschichten im Stil von RTL (aber bei weitem nicht so herzzerreißend) entwerfen, dass zu viel des Lobes dann irgendwann auch langweilig wird. Es hat einige Änderungen im Konzept gegeben. Das Singen hinterm Vorhang hat weiterhin stattgefunden, macht aber keinen Sinn, wenn die Juroren ohnehin nichts sehen. Die sogenannte „Herzlos-Regel“ fanden viele blöd, weil der Sangesgast, für den sich niemand umdreht, nun überhaupt kein Feedback mehr bekam. Und die „Sing-offs“ mit der rasanten Reduzierung der Teilnehmerzahl waren auch nicht das Gelbe vom Ei.
Was soll’s. Tay hat gewonnen. Vier Finalisten und zwei per Internet gewählte Wildcard-Inhaber sollten im Anschluss auf Tour gehen. Leider ist Robin Resch zu Beginn der Tour erkrankt und seitdem nicht mehr dabei. Da waren’s nur noch fünf, die in der Arena Trier aufkreuzten, um dem Publikum ihre TVOG-Show zu präsentieren. Auch das ist eine Neuerung, denn in den vergangenen Jahren tummelten sich stets ein Dutzend Sänger auf der Bühne. Jetzt war alles sehr reduziert. Statt der großen Showtreppe und einer an die Fernsehshow angelehnten Kulisse gab es diesmal ein aus Europaletten (!) zusammen gesetztes Bühnenbild. Band rechts und links, Mikros vor – und los. Mir hat dieses Ambiente gut gefallen, denn es passt zu einer Show, in der Stimme und Gesang im Mittelpunkt stehen, und nicht das große Brimborium.
Die Männer waren klar in der Überzahl: Sieger Tay Schmedtmann als softer Deutschpop-Interpret, der tätowierte Boris Alexander Stein, der verrückte Schweizer Marc Amacher und Nachrücker Stas Schurins. Als weibliche Verstärkung kam Lucie Fischer hinzu, die unter ihrem Künstlernamen Lilli Rubin wohl schon am meisten Bühnenerfahrung hat. Zum Glück kam die Musik nicht aus der Konserve, sondern von einer starken, fünfköpfigen Liveband plus Backgroundsängerin, die dann auch noch für weibliche Töne im Gesamtgeschehen sorgte.
Die Show in Trier startete pünktlich um 19.30 Uhr mit „Human“ von Rag’n’Bone Man, dem perfekten Song, um die stimmliche Bandbreite der fünf Sänger zu zeigen, die sich einer nach dem anderen auf die Bühne gesellten. Und schon der zweite Song „Cake By The Ocean“ brachte die Stimmung zum Kochen. Der Jubel in der Arena war für alle gleich stark. Jeder durfte also auf seine Fans hoffen, die ihn abfeierten. Egal ob als Solo-Performer oder im Gruppengeschehen.
Tay hat die softe Stimme mit großer Bandbreite. Er sang Stücke wie „Starke Schulter“ von Julian le Play und die schmachtenden Blicke der weiblichen Fans waren durchgehend spürbar. Auch Boris glänzte mit deutschen Tracks und interpretierte eine Gänsehautversion von Philipp Poisels „Eiserner Steg“. Stas war überraschenderweise der technisch beste Sänger des Abends und konnte vor allem in den hohen Tonlagen der englischen Titel glänzen, beispielsweise bei „Crazy“ von Gnarls Barkley. Die Stimmlage von Cee Lo Green bekam er glänzend hin.
Marc Amacher ist einfach ein verrückter Kerl und spielte dies voll aus. Mit rauchiger Stimme und extrovertierten Bewegungen sang er Depeche Modes „Personal Jesus“ und AC/DCs „T.N.T.“ in seinen urigen Versionen und machte sich die so oft schon gehörten Titel komplett zu Eigen. Ich hatte die Gelegenheit, backstage ein paar Worte mit ihm zu wechseln – und ja: er ist genauso crazy wie auf der Bühne. Ein ganz spezieller und überaus sympathischer Typ. Und dann war da noch Lucie, ebenfalls eine Rockröhre, die sehr kraftvoll Emeli Sandés „Next To Me“ sang und gemeinsam mit Stas „Don’t Let Me Down“ veredelte.
Das Publikum war mitten im Geschehen. Es gab zwar nur Sitzplätze, doch man stand bei den großen Hits stets geschlossen auf. Im ersten Teil gab es ein kleines Acoustic-Set. Danach waren die großen Hymnen wieder dran und Mark Forsters „Chöre“ beendete nach 50 Minuten den ersten Showteil.
Auch die zweite Halbzeit dauerte 50 Minuten. Kein Riesenkonzert also, aber eine sehr vielseitige Show mit großer Bandbreite. Es ging Schlag auf Schlag. Gemeinsam startete man mit Snow Patrols „Chasing Cars“, Tay und Stas interpretierten John Legends „Love Me Now“, dann gab Tay mit Boris und Lucie eine jazzige Variante von Alicia Keys‘ „If I Ain’t Got You“ zum besten. Eine hervorragende Songzusammenstellung, die noch getoppt wurde, als Boris eindringlich und gänsehauterzeugend „Still“ (Jupiter Jones) interpretierte und Marc mit Stas im Anschluss „Come Together“ rockte.
Boris hatte seinen eigen Song „Losgelöst“ schon im ersten Teil gesungen. Zum Ende hin war die Reihe an Tay, der „Lauf, Baby, Lauf“ in den Zuschauerrängen startete und sich dann durch die im Jubel vereinten Sitzreihen bewegte. Ein schöner Moment, der auch dem TVOG-Sieger sichtlich Freude machte. Er wirkt schüchtern, wird aber in solchen Momenten zur Rampensau.
Man kann zu TVOG sicher auch Negatives sagen. Doch eins ist sicher: Es ist ein Casting, bei dem die Stimme im Mittelpunkt steht und nicht verdrehte persönliche Geschichten mit Sensationscharakter. Hier wird auch niemand vorgeführt, weil er an grenzenloser Dummheit oder gnadenloser Selbstüberschätzung leidet. Die Coaches sind fair und geben gute Ratschläge. Die Songauswahl passt zu den Kandidaten. Der ein oder andere muss sich vielleicht etwas verbiegen, weil Heavy Metal halt nicht so massentauglich ist, aber alles in allem passt die Zusammenstellung und bleibt nachhaltig, wie man bei den ausgewählten Titeln zur Liveshow sieht.
Es mag sein, dass die Namen im Herbst 2017 schon vergessen sein werden. Ein Rückzieher beim ESC-Vorentscheid, ein letzter Platz beim ESC… Solche Berühmtheit erlangt man wohl nur ungern. Der Einzige, der es bislang wirklich längerfristig in Chartsphären geschafft hat, ist Max Giesinger. Und der hat TVOG noch nicht einmal gewonnen. Sei’s drum. Die fünf gegenwärtigen Stars genossen ihre Zeit des Ruhms und sangen zum Abschluss gemeinsam „Use Somebody“ (Kings of Leon) und als Zugabe Duffys „Mercy“. Dann war abrupt Schluss und die Zuschauer, die vorher Standing Ovations geleistet hatten, gingen zufrieden nach Hause. Auf ein Neues mit neuen Talenten bei Voice Kids und TVOG in Kürze – the show must go on.
Seht hier unsere Fotos von der Australian Pink Floyd Show am 22.4.2016 in der Arena Trier
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Seht hier unsere Fotos von Helge Schneider am 5. März 2016 in der Arena Trier
Seht hier unsre Fotogalerie der Show „Sinatra & Friends“ am 2.3.2016 in Trier
Am Tag nach Aschermittwoch – immer noch in leicht angesäuselter Schunkelstimmung – kann man sich doch gerne mal wieder André Rieu mit seinem Johann Strauss Orchester geben. Das dachte nicht nur ich, sondern zugleich weit über 3000 Zuschauer in der Arena Trier. Und es war mal wieder ein wundervoll opulentes Mahl, das der niederländische Orchesterleiter, Violinist und Arrangeur da auftischte.
„Walzer machen glücklich“ oder „Musik bringt die Menschen zusammen“, so sollten die Botschaften des Abends lauten. Und um das zu beweisen hatte man ordentlich aufgefahren: ein gut 50köpfiges Orchester in eleganter Kostümierung, ein ewig-lustiger Backgroundchor aus beschwingten Damen, drei platinbehaftete Tenöre und drei namhafte Sopranistinnen, die immer wieder für stimmgewaltige Abwechslung sorgten.
André Rieu versteht das Spiel mit Stimmungen. Die Bühne verbreitete ein Wiener Flair und die riesige LCD-Leinwand passte sich stets den Emotionen an, die vermittelt werden sollten. Dabei lud die Bilderkulisse zu einer Weltreise von Trier über Italien und Ungarn, vorbei an Schloss Neuschwanstein bis an die ewig blaue Donau ein. Der Stargeiger selbst war vielleicht gar nicht der beste Violinist des Abends, doch er ist ohne Zweifel ein hervorragender Entertainer, der sein Publikum fest im Griff hatte.
Der Dreivierteltakt dominierte den Abend, doch es gab auch lange Ausflüge in die Metiers Operette und Musical. Das komplette populärmusikalische Repertoire für die Ü50 also. Und ich stellte mit Schrecken fest, dass ich bei Stücken wie „Da geh ich zu Maxim“ und anderen orchestralen Schlagern die Melodien ohne Weiteres mitsummen konnte. Vom „Weißen Rössl“ und dem „Radetzky Marsch“ ganz zu schweigen. Das halbe Jahrhundert naht mit großen Schritten.
Rieu versucht gar nicht erst, die schwierigeren Stücke der alten Meister an den betagten Mann und die betuchte Frau zu bringen. Sein Programm bietet ein Best Of Klassik in einer Gratwanderung zwischen Kitsch und Anspruch. Sahnehäubchen waren die Gäste. Egal, ob die Platintenöre eine italienische Arie schmetterten oder die Damen etwas für Ohr und Auge boten. Es entsteht eine Magie auf seinen Konzerten, eine Stimmung, die sich durch die Reihen trägt. Plötzlich flirrt die Luft und man hört, wie rechts und links die Menschen die Melodien mitsingen und -summen und sich eine allgemeine Glückseligkeit breit macht.
André Rieu ist ein fantastischer Entertainer. Seine sympathischen Ansagen gaben die gute Laune wieder, die er mit seinem Orchester verbreitete. Anekdoten zu der Musik, „die besser heilt als jede Medizin“ oder zum alten Spruch „wo man singt, da lass dich ruhig nieder“. Er traf damit die Zuschauer mitten ins Herz und ließ bisweilen den ganzen Saal im dreitausendköpfigen Arena-Chor mitsingen.
Im zweiten Teil gab es eine Reihe gesanglich wertvoller Elemente. Iva Schell interpretierte herzzerreißend Lehárs „Liebe du Himmel auf Erden“, Anna Majchrzak bot eine äußerst emotionale Version von Andrew Lloyd-Webbers „Denk an mich“ aus dem Musical Phantom der Oper und Carmen Monarchas Puccini-Arie „Un bel di, vedremo“ riss auch die letzten Skeptiker von den Sitzen.
Kurz vor der Zugabe gab es endlich den ersehnten Johann Strauss. Natürlich: „An der schönen blauen Donau“. Und auf gutes Zureden des Meisters wurde auch unvermittelt getanzt in der Arena. Paare erhoben sich zum Walzertanz, wenn kein Mann in greifbarer Nähe war, tanzte Frau mit Frau, und eine ganz einsame Seele nutzte den Platz vor der ersten Reihe zum Alleintanz. Das war nicht kitschig, sondern sehr bewegend.
Auch für die Erheiterung jenseits aller Melancholie wurde gesorgt: beim „Schneewalzer“ begann es plötzlich von der Decke zu schneien und die mittleren Reihen wurden von einer feinen Pulverschicht überzogen. Zum Ende des Liedes ging gar über dem hinteren Teil des Publikums eine wahre Lawine runter und die Kamera hielt freudig auf die verdutzten Gesichter, die nun in Großaufnahme die Leinwände zierten. Die skeptischen Blicke nach oben, als Rieu dann verkündete, im nächsten Stück gehe es um Wasser, waren Gold wert.
Der letzte Song entführte in ein Land „were children can run free“, wie Rieu ankündigte. Mit allen Solisten sang man „This land is mine“ und erntete stehende Ovationen. Mit einem Regen aus bunten Luftballons endete der Konzertabend. Im langen Zugabenblock gab es den Radetzky-Marsch und Klassiker wie den Gefangenen-Chor von Nabucco sowie Bizets „Auf in den Kampf Torero“. Nur Leonard Cohens „Hallelujah“ hätte ich nicht in diesen Block gesteckt. Da ging dann leider jede Feinheit des Songs im übertriebenen Vibrato unter.
Die Freude der Menschen um mich herum war echt. Da war der kleine Junge auf dem Arm seiner Mutter, die sich schunkelnd nach vorne drängten, um einen Luftballon einzufangen. Oder das von der Bühnenkamera eingefangene Mädchen, das nach den letzten Takten jubelnd an seiner Mama hoch sprang. André Rieu verstand es wieder, sein Publikum zu verzaubern. 66 Jahre ist er alt und hat viele Tiefen unbeschadet überstanden. Mit seinem Orchester bleibt er Superheld der Klassik.
Seht hier unsere Fotos vom Andreas Gabalier Konzert 2016 in der Arena Trier
Dass man Volksmusik nicht auf Musikantenstadel-Niveau machen muss, beweist derzeit kaum einer so überzeugend wie Andreas Gabalier. Der selbsternannte Volks-Rock´n´Roller verbindet Mundart und Heimatliebe mit modernem Sound und einer ordentlichen Portion Selbstironie und begeistert damit nicht nur in seiner österreichischen Heimat, sondern ebenso auf der ausverkauften Deutschlandtour.
Auch das Trierer Publikum zeigte an diesem Abend in der Arena von Anfang an seine Verbundenheit mit dem sympathischen Sänger aus der Steiermark. Viele Zuschauer waren in Tracht gekommen und Dirndl, Lederhosen und rot-weiß karierte Hemden dominierten vor allem im Innenraum, wo sich die Fans um den ebenfalls rot-weiß karierten Laufsteg drängten, um ihrem Idol besonders nah zu sein. Aber auch den Rest der Arena hielt es schon bei den ersten Takten des rockigen Openers „We Salute You“ nicht mehr auf den Stühlen, und spätestens beim folgenden „I sing a Liad für di“ wurde kräftig mitgesungen.
Und auf diesem hohen Niveau blieb die Stimmung in den nächsten zweieinhalb Stunden, in denen Gabalier routiniert, aber immer authentisch und mit vielen sympathischen Ansagen zwischendurch seine Show durchzog. Neben jeder Menge mitreißender und tanzbarer Hits wie „Bergbauernbuam“, „Go for Gold“, „Mountain Man“ oder „Hulapalu“ gab es auch ruhige Momente. Zu „Auf der Alm“ brannten bereits die Handy-Lichter im Saal,und mit dem akustisch arrangierten „A Meinung ham“ bewies der Sänger, dass er in seinen Liedern auch Gesellschaftskritik nicht scheut – und dass er neben der steirischen Harmonika auch das Gitarrenspiel beherrscht
Besonders bewegend wurde es dann, als Gabalier seiner Band eine Pause gönnte und sich ans Klavier setzte, um „Kleiner Schmetterling“, ein Lied für eine krebskranke Freundin zu singen. Doch schnell zauberte er anschließend mit „Zuckerpuppen“ und „Volks-Rock´n´Roller“ wieder Partystimmung in die Arena. Sein größter Hit “ I sing a liad für di“ wurde zum Finale noch einmal angestimmt, und Gabalier zeigte den Trierer Jungs, wie man das in seiner Heimat mit den feschen Madln macht, indem er ein Mädchen aus dem Publikum auf seine Schultern hob und mitsingen ließ.
Danach blieb der Sänger sichtlich erschöpft minutenlang auf dem Steg liegen und genoss die „Oh wie ist das schön“-Chöre in der Arena, bevor er solistisch seine Zugaben begann. Bei seinem wunderbaren Heimatlied „Das Steierland“ mutierte das Publikum zu einem begeistert mitsingenden Steirer Chor, und wie bei jedem Konzert verabschiedete sich Gabalier auch an diesem Abend mit seiner bewegenden Ballade „Amoi seg ma uns wieder“ – ein gelungener Abschluss für ein großartiges Konzert.
Schon seit über 25 Jahren ist der Chinesische Nationalcircus mit wechselnden Programmen in Europa unterwegs und begeistert sein Publikum mit akrobatischen und schauspielerischen Elementen. Am 21. Januar 2016 war das Ensemble in der Arena Trier zu Gast und verzauberte die Menschen mit einer zweistündigen Reise in die chinesische Kultur.
„Chinatown“ heißt das aktuelle Programm, welches an diesem Abend das Setting im Hintergrund vorgab. Viel Kulisse brauchte man dafür nicht. Eine Straßenschlucht auf Leinwand und ein Baugerüst, das als Hilfsmittel für manche Showeinlage genutzt wurde – das war’s eigentlich schon. Den roten Faden bildeten als Handlungselement zwei Chinesen mit Anzug und Koffer, die sich im imaginären Chinatown an den dargebotenen Attraktionen erfreuten.
Und da gab es einiges zu sehen, vor allem traditionelle Jonglier- und Artistik-Einlagen. Eine Akrobatin turnte am herab hängende Tuch hinauf und herunter. Es wurde mit Tellern jongliert, mit schweren Krügen und mit Tischen. Um die Show im Fluss zu halten, genügten kleine choreographische Mittel. Meist waren Mitglieder des Ensembles als schmückendes Beiwerk mit auf der Bühne, um ihre Kollegen tänzerisch zu begleiten, anzustacheln oder ihrer Bewunderung Ausdruck zu verleihen.
Das ist es, was die Show des Chinesischen Nationalcircus ausmacht: Man bekommt keine Abfolge von ausgelutschten Zirkusnummern, sondern ein aufeinander abgestimmtes Gesamtkonzept. Tiernummern gibt es bei dieser Show traditionell nicht, dennoch durfte man eine Dressurnummer chinesischer Fabelgestalten bewundern, die von jeweils zwei Artisten im Kostüm dargestellt wurden.
23 Protagonisten fanden sich in wechselnder Zusammensetzung ein – und neben der allzeit schönen Optik waren auch die tänzerischen Elemente nicht zu verachten. So spielte die Musik eine große Rolle, sei es mit traditionellen fernöstlichen Melodien oder ganz modernem HipHop-Sound. Auch die Poesie kam nicht zu kurz. Der Chinesische Nationalcircus setzt eher auf die feinen, verträumten Elemente als auf den großen Knalleffekt.
Die beiden Touristen im Anzug sorgten immer wieder für ruhige Momente. Keine verrückten Clownerien, sondern dezente Slapstick-Einlagen waren angesagt. Eine Verballhornung des Publikums fand damit überhaupt nicht statt. Vielmehr nahm man sich selbst auf die Schippe. Derweil feuerte eine Magierin eine Invasion von Spielkarten in die Menge oder eine Artistin versuchte auf einem immer höher werdenden Stuhlstapel eine Glühbirne auszuwechseln.
Es gab einige große Gruppen-Choreographien. Eine Schar von Burlesque-Tänzerinnen verausgabte sich in unmöglichen Bewegungen und Verrenkungen. Es wurde mit Fächern getanzt oder mit einer Unmenge von Hüten über die Bühne gewirbelt. Zeiten der Langeweile gab es an keiner Stelle.
Auf jeden Fall macht es Sinn, diese virtuose Show nicht im profanen Zirkuszelt zu zeigen, sondern auf eine echte Showbühne zu verlegen. Leider war die Arena bei weitem nicht so besetzt, wie es hätte sein können. Die Zuschauer aber, die den Weg nach Trier fanden, wurden für ihr Vertrauen in die Chinesischen Artisten mehr als belohnt. Am Ende der Show waren stehende Ovationen der Dank eines Publikums, das für eine kurze Zeit die eigenen Probleme vergessen und sich in eine fremde Kultur hinein träumen durfte.
Leider laufen die weihnachtlichen „Pflichttermine“ in Deutschlands ältester Stadt am 23. Dezember allesamt parallel: Guildo Horn zelebriert das rockige Schlagerprogramm in der Europahalle, Thomas Schwab verzaubert mit seinen Mitstreitern von Christmas Moments die Arena Trier und wer es lieber alternativ will, muss das „Tefftival“ in der Trierer Tufa unter Abwesenheit allzu besinnlicher Klänge besuchen. Selbst Klassikfreunde werden vom Friedrich-Spee-Chor beim traditionellen Weihnachtssingen bedient. Wer da nichts für den eigenen Geschmack findet, dem ist wohl nicht zu helfen.
Ich selbst hätte gerne mal wieder Meister Guildo beehrt, doch letztlich ist die Entscheidung erneut auf die Christmas Moments gefallen. Diese große Show vor Tausenden Zuschauern in der Arena ist in jedem Jahr ein ganz besonderes Highlight. Vielseitig und voller Überraschungen. Egal ob Thomas Schwab allein am Piano sitzt oder die vortreffliche Band das Ensemble begleitet. Den ganzen Dezember über war man in NRW, Rheinland-Pfalz und dem Saarland unterwegs. Der Abschluss fand wie immer in Trier statt. Und neben der bekannten Truppe aus regionalen Gesangsgrößen gab es zwei weitere Argumente zum Besuch des Konzerts in Trier: Patricia Kelly und Cassandra Steen waren als Gäste mit dabei.
Das Programm bot eine überaus bunte Mischung. Da gab es deutsche und amerikanische Weihnachtsklassiker, wahlweise traditionell dargeboten oder mit viel Soul und bemerkenswerten Koloraturen, aber auch einige stimmungsvolle Poptitel. Jeder der beteiligten Sänger hatte seine Momente – da musste man zwischen Profis und Amateuren keinen Unterschied machen.
Einige Musical-Künstler waren zu hören. David Moore, der sonst bei „Starlight Express“ singt und mit viel Power die Bühne stürmte. Dann hatte er aber ebenso Worte für die notleidenden Menschen der Welt, vor allem die Flüchtlinge, und sang unter großer Anteilnahme des Publikums „Do You Have Room“. Aloysia Astari aus dem Musical „Yakari“, die zum ersten Mal mit dabei war, interpretierte John Lennons „Imagine“.
Sehr stark fand ich wie immer Meike Anlauff, die mit ihrer ausdrucksstarken Stimme unter anderem Michael Jacksons „Man In The Mirror“ neuen Glanz verlieh. Und Guido Illigen – Ensemblemitglied der ersten Stunde – konnte einmal mehr mit einem spannenden Deutschpop-Titel begeistern, der nicht unbedingt weihnachtlich süß klingt, aber trotzdem perfekt zum Thema passt: Er sang eine hinreißende Version von Alexa Fesers „Gold von morgen“. Ebenso die kräftige Stimme von Horst Friedrich soll nicht unerwähnt bleiben. Er kann volltönend einen riesigen Saal zum Beben bringen.
Auf große Show- und Lichteffekte wartete man in diesem Jahr vergebens. Ein Winterwald unterm Sternenmeer – das war die Kulisse. Für den abschließenden Nostalgie-Block gab es gar nur die Musiker und Sänger vor einem weißen Vorhang. Etwas Glamour war in den vergangenen Jahren ganz schön, doch die zeitlose Musik funktionierte auch in reduziertem Ambiente.
Als Gäste gab es neben genannten Stars außerdem den Christmas Moments Chor, der traditionell nur in Trier aktiv wird. Eine schöne Sache, vor allem, als er zum Abschluss in die Zuschauerreihen ging und die ganze Arena mit Stimmen erfüllte. Doch wie immer blieb der Chor unter seinen Möglichkeiten. Mit diesem Potential an Sängerinnen und Sängern könnte man einiges mehr auf die Beine stellen, um mehrstimmigen Arrangements mehr Raum zu geben und auch mal a cappella vorgetragene Passagen zu erlauben. Doch das sei nur am Rande erwähnt.
Das Ensemble der fünf Gesangssolisten trug die Show ohnehin mit der Musikertruppe ganz alleine. Wenn alle auf der Bühne standen, entwickelte sich ein zauberhafter und stimmungsvoller Wohlklang, mal besinnlich leise, dann wieder kraftvoll schmetternd. Gaststars wären in dieser Besetzung eigentlich nicht nötig, doch sie sind nun mal das berühmte i-Tüpfelchen.
Gefreut hatte ich mich vor allem auf Cassandra Steen. Sie sang dann auch das eigene Stück „Unter die Haut“ und verschönerte einige Weihnachtsklassiker. Stimmlich überragend und wunderbar schlicht drängte sie sich auch im Ensembleklang nie in den Vordergrund. Absolut vom Hocker gerissen hat mich aber Patricia Kelly. Mit akzentuiertem Gesang und einer fantastischen Stimme hatte sie das Publikum umgehend auf ihrer Seite und bekam zwischendrin stehende Ovationen, vor allem als sie die Arena Trier kollektiv zum Schmettern des Paradesongs der Kelly Family „Angel“ motivierte.
Thomas Schwab (Piano), Sören Jordan (Gitarre), Umbo Umschaden (Bass), Tim Wollmann (Gitarre), Marcel Millot (Schlagzeug) und Multitalent Andreas Steffens an Saxophon und Querflöte boten das melodische Sahnehäubchen. Melodien zum Mitsingen – Pop, Rock, Swing und auch mal eine Prise Klassik, wenn es sein musste. Als es dann bisweilen ans Improvisieren ging, war kein Halten mehr und das Publikum folgte ihnen begeistert.
Schauspieler Alexander Grünberg bot lyrische Momente zum Nachdenken. Er philosophierte als Engel über seine Aufgaben im Besonderen und das Dasein im Allgemeinen. Wichtig war vor allem sein weihnachtlicher Schluss: „Das Dunkel ist schwächer als das Licht.“
Natürlich darf kein Moments-Konzert ohne Thomas Schwabs Eigenkomposition und bekanntestes Stück „Der Traum von Bethlehem“ enden. Wie immer ein bewegender Abschluss und der Song, der für mich seit vielen Jahren zu jedem Weihnachtsfest gehört. Das Ensemble um Thomas Schwab bringt einfach am besten in weihnachtliche Stimmung, ohne dabei in Herzschmerz und kitschige Wehmut zu verfallen. Vermutlich können wir uns dort in 2016 wiedersehen: am 23. Dezember in der Arena Trier.