Und schon wieder ist ein neues Album der Hardrock-Heroen aus London am Start. Nach dem großen Erfolg von „=1“ vor zwei Jahren kommt das neue Werk „Splat!“ noch eine Spur härter aus den Boxen. Okay – an den seltsam anmutenden Albumtiteln könnte man arbeiten, doch musikalisch ist auch der neue Longplayer allererste Sahne.
Seit Bob Ezrin als Produzent fungiert, was 2023 mit „Now What?!“ erstmals der Fall war, zeigt sich eine neue Linie im Output der Band. Ezrin übernimmt die Rolle einer Art „musical director“ und führt die Ideen der Bandmitglieder zu einer künstlerischen Einheit. Dieses Vorgehen funktioniert jetzt seit vielen Jahren und hat nach der langen Pause Anfang des Jahrtausends einen neuen Höhenflug eingeleitet (wobei das Coveralbum „Turning the Crime“ vielleicht nicht die beste Idee war“).
Sei’s drum – „Splat!“ lebt die alten Stärken wieder voll aus. Ian Gillans Vocals sind mit seinen 80 Lenzen immer noch grandios. In den Höhen natürlich nicht mehr so glanzvoll, doch weiterhin ausdrucksstark. Er kann Geschichten erzählen wie in „Jessica’s Bra“ und selbst an den etwas hysterisch anmutenden Gesang von „Guilt Trippin'“ gewöhnt man sich nach ersten Hördurchläufen.
Don Aireys Keyboardsound bleibt ein Markenzeichen und sorgt für den entsprechenden Wiedererkennungswert. Die Soli strotzen vor Energie und selbst Simon McBride als jüngster Zugang hat seinen Platz anscheinend gefunden. Er ist ein würdiger Ersatz für Steve Morse, der aufgrund einer schweren Krankheit seiner Frau schon vor vier Jahren bei Deep Purple ausgestiegen ist.
Statt sich auf ihr Vermächtnis zu verlassen, führen Deep Purple es entschlossen weiter, getragen von jenem Spirit, der bereits ihre frühen Alben auszeichnete. Dabei ist den Fans durchaus bewusst, dass die neuen Stücke nicht gegen die Klassiker ankommen werden und vermutlich nur kurz in der Setlist der Livekonzerte verbleiben dürfen, aber vielleicht muss man das nostalgische Konzertgeschehen einfach von der Frische neuer Alben trennen.
Auf jeden Fall freue ich mich über die eingängige Melodie von „The Only Horse in Town“ und über den Ausflug in die schottischen Highlands mit „Sacred Land“ inklusive seiner keltischen Anleihen. Sogar Klänge aus dem Progressive Rock lassen sich ausmachen („Jessica’s Bra“). Und das atmosphärische „Third Call“ hätte vor vierzig Jahren das Zeug zum Klassiker gehabt.
Was mir etwas sauer aufstößt: Viele Tracks enden einfach zu abrupt. Vermutlich will man sich mit Ezrin dabei der verminderten Aufmerksamkeitsspanne der Hörerschaft anpassen, aber mal ehrlich: der typische Fan von Deep Purple ist mindestens 50 aufwärts und liebt ausgedehnte Arrangements. Eine „Extended Version“ mit mehr Frickelei fände ich daher ganz schön.
Um die Veröffentlichung des neuen Albums gebührend zu feiern, sind Deep Purple derzeit auf großer Welttournee. Nach den europäischen Sommerterminen führt die „SPLAT! World Tour“ die Band zunächst nach Nordamerika, bevor Deep Purple im Herbst für große Arena-Shows nach Europa zurückkehren und im Dezember in Südamerika auftreten. Tickets sind über die offizielle Website erhältlich.
„Splat!“ ist ab sofort in verschiedenen Formaten erhältlich, darunter als CD-Digisleeve, 2LP-Gatefold auf schwarzem 180g-Vinyl, limitierte Purple 2LP, limitierte Transparent Yellow 2LP, limitierte Boxset-Edition sowie digital.













