Mit unzähligen Veröffentlichungen seit seinem Karrierestart um die Jahrtausendwende gehört Joe Bonamassa inzwischen zu den meistgefragten Blues-Gitarristen unserer Zeit. Er galt als Wunderkind, hat nach den Anfängen mit Bloodline eine beeindruckende Solokarriere hingelegt und ist darüber hinaus in Kooperationen mit Beth Hart sowie Black Country Communion unermüdlich im Einsatz. Dabei vergisst er seine Wurzeln nicht: Die hier vorliegende Hommage an Rory Gallagher war ihm ein Herzensprojekt.
Es gibt Musiker, die erfolgreiche Karrieren hinterlassen. Und es gibt Musiker, die eine Haltung vermitteln. Rory Gallagher gehörte ohne Zweifel zur zweiten Kategorie. Er war nie der große Star, der sich dem Zeitgeist anpasste. Stattdessen blieb er sich selbst treu. Er trat mit einer alten, bis auf das Holz abgespielten Stratocaster auf, und mit einer Ehrlichkeit, die man in jeder Note hören konnte.
„The Spirit of Rory“ trägt seinen Titel deshalb völlig zu Recht. Bonamassas Livealbum versucht nicht, Rory Gallagher zu imitieren. Es versucht vielmehr, das einzufangen, was ihn so besonders gemacht hat: Leidenschaft, Authentizität und die tiefe Liebe zum Blues. Das Album wurde live vom 1. bis 3. Juli 2025 während einer ausverkauften dreitägigen Konzertreihe beim Festival „Live at the Marquee in Cork“, der Heimatstadt von Rory Gallagher, aufgenommen.
Mit 14 handverlesenen Songs durchläuft „The Spirit Of Rory Live From Cork“ die vielfältigen Facetten von Gallaghers Werk – vom rasanten Auftakt von „Walk On Hot Coals“ und „Bullfrog Blues“ bis hin zur emotionalen Wucht von „A Million Miles Away“, das bei der Veröffentlichung als Titelsong des Albums diente. Weitere Höhepunkte sind „Tattoo’d Lady“, „Bad Penny“, „I Fall Apart“, „Calling Card“ und „Cradle Rock“, die alle mit Feuer und Überzeugung dargeboten werden und dabei die Form und Seele der Originale bewahren.
Schon nach den ersten Takten wird deutlich, dass hier Musiker am Werk sind, die Gallagher nicht nur bewundern, sondern ihn verstanden haben. Die Gitarren klingen roh und lebendig, die Soli erzählen Geschichten statt bloß technische Fähigkeiten zu demonstrieren. Genau das war Rorys Markenzeichen. Er spielte nie, um zu beeindrucken – er spielte, um Gefühle zu transportieren. Diese Haltung spürt man auf „The Spirit of Rory“ in jedem Stück. Das Album lebt nicht von Nostalgie, sondern von Respekt. Die Interpretationen lassen Raum für eigene Akzente, ohne den Charakter der Originale zu verlieren.
Besonders beeindruckend finde ich die Atmosphäre, die sich auf der DVD erschließt. Die Aufnahme klingt nicht steril oder überproduziert. Sie besitzt Ecken und Kanten, atmet Dynamik und vermittelt das Gefühl, einer Live-Session beizuwohnen. Genau darin liegt die Stärke dieses Albums. Es richtet sich nicht nur an eingefleischte Rory- oder Bonamassa-Fans. Es schlägt eine Brücke zwischen Generationen von Bluesmusikern und zeigt eindrucksvoll, dass Gallaghers Geist auch drei Jahrzehnte nach seinem Tod lebendig geblieben ist.
„The Spirit of Rory“ ist keine nostalgische Rückschau, sondern eine musikalische Liebeserklärung. Wie Joe selbst sagt: „Ich erinnere mich, dass diese Stimme und dieser einzigartige Gitarrensound schon in sehr jungen Jahren die Wände meines Schlafzimmers durchdrangen“, erinnert sich Bonamassa. „Mein Vater, der mich mit so vielen der großen Gitarristen seiner Zeit bekannt gemacht hatte, ermutigte mich schnell, Rory zuzuhören und mir so viel wie möglich davon anzueignen.“ Als Ergebnis der frühen Liebe gibt es jetzt dieses wundervolle Album.














