„Verdammt, wir lieben euch!“ – Matze und Bretti in der Arena Trier
Den musikalischen Auftakt bei Reims Jubiläumsshow „35 Jahre Verdammt ich lieb dich“ übernahm um 19.10 Uhr Connie Andreszka, dem allein mit seiner Gitarre, unterstützt von Instrumentalbegleitung vom Band, für eine halbe Stunde die Bühne gehört. Der Songwriter, der auch für Matthias Reim schreibt und zu seiner Liveband gehört, präsentierte eigene Stücke und wagte sich an Klassiker wie Karats „Schwanenkönig“ sowie die Smashhits „The Power of Love“ und „Hallelujah“. Ein solider Einstieg in den Konzertabend, bevor um 20 Uhr der Vorhang fiel und der Hauptact übernahm.

Manchmal lohnt es sich, nicht gleich beim größten Hit des Abends das Schlimmste zu befürchten. Als der Vorhang fiel und Matthias Reim am 17. Oktober in Trier auf die Bühne kam, konnte man nach den ersten Takten durchaus denken, dass „Verdammt, ich lieb’ dich“ schon frühzeitig abgehandelt wurde, um Platz für neue Songs zu machen. Doch weit gefehlt: Die Fans durften sich auf alle zehn Songs des Mega-Albums „REIM“ freuen, das an diesem Abend in voller Länge und in derselben Reihenfolge der Tracklist gespielt wurde.
Zu jedem Stück gab es eine kleine Anekdote, die dem Publikum einen Blick zurück auf die Anfänge von Reims Karriere ermöglichte. Dabei wurde auch die Verbindung zum Sohn Julian deutlich, dessen Mutter in der Geschichte des Albums eine Rolle spielt. Das ist aufgebaut wie ein Konzeptalbum und erzählt die Geschichte vom großen Hit und dem Verliebtsein bis hin zum Was-wäre-wenn-Abschluss „Doch da war mehr“. Man weiß ja, dass die Story gut ausgegangen ist, denn Julian Reim war als Backgroundsänger auf der Bühne der lebende Beweis.

Weiter ging es mit aktuelleren Stücken. Mit dem Titelsong des aktuellen Albums folgte ein musikalischer „Flashback“, der die lange Reise seit dem Durchbruch noch einmal aufleben lässt. Auch „Keine Freunde bleiben“ als Duett und „Du bist mein Glück“, das vor rund 15 Jahren in der Phase von Reims Comebacks eine wichtige Rolle spielte, gehörten zu den Momenten, die den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlugen.
Für besonderen Jubel sorgte Michael Brettner, von den Trierern liebevoll „Bretti“ genannt. Als Lokalmatador wurde er vom Trierer Publikum mit Sonderapplaus bedacht – und er konnte im weiteren Verlauf des Abends noch zeigen, dass er weit mehr als nur ein Begleitmusiker ist.
Matze hatte an diesem Abend deutlich mehr im Gepäck als sein Debütalbum, mit dem vor mittlerweile 36 Jahren alles begann. Und er hatte richtig Lust auf Rock! Nach rund 65 Minuten war aber erst einmal Zeit für eine Pause.

Danach drehte die Band ordentlich auf. Matthias Reim klang an diesem Abend ausgesprochen rockig und Bretti entwickelte sich zunehmend zum heimlichen Showmotor. Mit seiner Spielfreude und seiner Bühnenpräsenz verlieh er dem Konzert eine zusätzliche Portion Energie. Überhaupt war das hier deutlich mehr Rock als Schlager. Die Gitarren durften krachen, die Band spielte druckvoll und Matthias Reim zeigte, dass er sich musikalisch keineswegs auf seine großen Radiohits reduzieren lässt.
Ein akustisch vorgetragenes „Scherben“ führte zurück zu den schwierigeren Kapiteln seiner Biografie. Der Song erinnerte an schwere Zeiten, darunter auch die Insolvenz, die Matthias Reim einst durchleben musste. Solche Momente gaben dem Abend neben aller Partystimmung eine persönliche Note. Besonders emotional wurde es bei „Träumer“, das als gemeinsames Stück mit Sohn Julian die familiäre Verbindung auch musikalisch auf die Bühne brachte. Anschließend gehörte „Aloe Vera“ Julian allein, der damit bewies, dass er durchaus seinen eigenen Platz im Musikgeschäft gefunden hat.

Nach mehr als zwei Stunden reiner Konzertlänge war noch lange nicht Schluss. Für die Zugaben kehrt Matthias Reim mit „Hallo, ich möcht gern wissen wie’s dir geht“ zurück, bevor mit „Idiot“ ein weiterer großer Hit für Stimmung sorgte. Bretti setzte mit einem kurzen Pink-Floyd-Intro noch einmal ein Ausrufezeichen und unterstrich erneut, wie sehr er den Abend mit seiner rockigen Handschrift prägte. Denn am Ende folgte noch einmal der Song, der Matthias Reim zur Legende des deutschen Schlagers gemacht hat: „Verdammt, ich lieb’ dich“ beschloss den Konzertabend ebenso grandios, wie er ihn eröffnet hatte.
Matthias Reim lieferte in Trier keine bloße Hitparade zum Mitsingen, sondern eine Mischung aus Rückblick, persönlichen Geschichten, emotionalen Momenten und einer ordentlichen Portion Rock’n’Roll. Die Klassiker waren natürlich dabei, doch gerade die musikalische Wucht der Band und die spürbare Spielfreude machten den Abend aus. Wer Matthias Reim nur als Schlagersänger auf dem Schirm hatte, dürfte an diesem Abend eine durchaus rockige Überraschung erlebt haben. Ein Abend voller Erinnerungen, voller Emotionen und Musik, die verbindet!

(Alle Fotos auf dieser Seite: Simon Engelbert)
