Christmas Moments 2025 – Fotogalerie vom 23. Dezember, Arena Trier
Der krönende Abschluss der „Christmas Moments“ Tour 2025 fand am 23. Dezember in der SWT Arena statt. Hier unsere Fotos – Credit: Dietmar Schmitt
Der krönende Abschluss der „Christmas Moments“ Tour 2025 fand am 23. Dezember in der SWT Arena statt. Hier unsere Fotos – Credit: Dietmar Schmitt
Wer es bis zum 23. Dezember noch nicht geschafft hat, in Weihnachtsstimmung zu kommen, hat in Trier seit Jahrzehnten Gelegenheit, sich am Vorabend in der Arena Trier für Heiligabend einzustimmen. Dann nämlich, wenn die Truppe um den Komponisten, musikalischen Direktor und Ideengeber Thomas Schwab zum jährlichen Event „Christmas Moments“ einlädt. Das Konzert im heimatlichen Trier ist stets der Abschluss einer Tour durch den Advent, die Jahr um Jahr größer wurde und weitere regionale Bahnen schlug. Und für viele Fans beginnt Weihnachten erst dann, wenn zum krönenden Abschluss das Originalstück „Traum von Bethlehem“ erklungen ist.

Christmas Moments ist eine festliche Show voller Magie, Musik und Emotionen. Sie nimmt das Publikum mit auf eine Reise durch die schönsten Augenblicke der Weihnachtszeit – von leisen, besinnlichen Momenten bis hin zu mitreißenden, funkelnden Highlights. Warmes Licht, berührende Klänge und liebevoll inszenierte Szenen lassen Erinnerungen aufleben und schaffen neue, unvergessliche Weihnachtsmomente für Groß und Klein.
Ein weiteres Merkmal der Show ist in jedem Jahr ein besonderer Gast, der eigene Akzente einbringt. Neben den Stammsänger*innen David Moore, Dominik Steegmüller und Emily Valerius war in 2025 die Soul- und Gospelsängerin Ingrid Arthur mit an Bord, um sich stimmgewaltig einzubringen. Geboren in Gainesville, Georgia, zählt sie zu den kraftvollsten und eindringlichsten Stimmen unserer Zeit. Sie war Teil der Weather Girls, ist schon mit Westernhagen aufgetreten und hat erfolgreich bei „The Voice of Germany“ teilgenommen. In Trier glänzte sie mit Gospelsongs und Weihnachtsklassikern wie dem grandiosen „Mary Did You Know“, „Hark The Herald Angels Sing“ und einem sehr emotionalen „Oh Holy Night“.

Dabei riss sie keineswegs die Aufmerksamkeit allein auf sich, denn alle Interpret*innen des Abends brachten bemerkenswerte Leistungen. Dazu gesellten sich eine formidable Band und Thomas Schwab am Piano. Besonders eindrucksvoll waren die Saxofon-Soli von Andreas Steffens, die mehrfach mit Sonderapplaus bedacht wurden. Die Ansagen erfolgten manchmal durch Thomas und die anderen Mitwirkenden, aber in humorvoller Weise auch durch den Schauspieler Stefan Konrad, der als „Engel Freudinand“ in seiner mitreißenden Art eine Bescherung nachspielte, ein Gedicht in „Denglisch“ vortrug und dem Polarexpress huldigte.
Den gesanglichen Start lieferte Dominik mit „Joy To The World“. Es gab über den ganzen Konzertverlauf stimmungsvolle Bilder auf dem LCD-Schirm auf der Bühnenrückseite. Und die Arena hat zum Tourabschluss immer noch eine Besonderheit: Bei acht Songs wurde die Band um einen 100köpfigen Chor aus Sänger*innen aus der Region ergänzt, die hier schon zu Beginn mit auf der Bühne standen. Gemeinsam mit David intonierten sie die Hymne „That’s My King“ und lieferten Ingrid einen großartigen Start zu „Jesus What A Wonderful Child“.

Egal ob große breitwandige Songs oder stimmungsvolle Balladen – das Publikum ging stets emotional mit und ließ sich auf die berührende Musik ein. Ganz stark und meine persönlichen Highlights im ersten Teil waren „Liebe nur Liebe“ und Coldplays „Fix You“, beides in Pianoversionen interpretiert von Dominik. Soulig erklang David mit „It’s The Most Wonderful Time Of The Year“. Und Emily war großartig mit „Have Youself A Merry Little Christmas“ und „Rockin‘ Around The Christmas Tree“. Nach siebzig Minuten kam zum Schluss der ersten Hälfte wieder der Chor auf die Bühne und man erzeugte mit Jacksons „Earth Song“ (Vocals: Emily Valerius) allumfassende Gänsehaut für die Pause.
In der zweiten Hälfte war es Zeit für viele Klassiker, die als Weihnachtslieder- und Gospel-Medleys dargeboten und mit dem Publikum intoniert wurden. Und die Highlights? Ganz klar die Erich-Kästner-Vertonung „Dezember“, die das zu Ende gehende Jahr mit dem zu Ende gehenden Leben vergleicht. Auf jeden Fall auch „God Rest Ye Merry Gentlemen“, bei dem Emily nicht nur sang, sondern dazu Violine spielte. Dominik interpretierte den rotnasigen „Rudolph“ mit sehr viel Swing. Und vor allem David rührte das Publikum zu Tränen, als er von seinem schwierigen Jahr erzählte und wie ihm der brandaktuelle Song „Desperate“ (im Original von Jamie MacDonald und Lauren Daigle) durch diese Zeit geholfen hat. Ein Moment und eine persönliche Geschichte, die wohl keiner der Anwesenden so schnell vergessen wird.

Zum Schluss trat der Chor wieder in den Bühnenhintergrund. Thomas erklärte seine Lyrics für „Der große Schnee“, das er im Gedenken an seinen verstorbenen Vater geschrieben hat und das die adventliche Idee in alle Herzen brachte. Und dann erfolgte natürlich der emotionale Abschluss mit der Zugabe „Traum von Bethlehem“, dessen erste Töne ich immer mit einem dicken Kloß im Hals mitsingen muss. Und wie sollte man den Abend gemeinsam enden lassen, wenn nicht mit „Stille Nacht“ gesungen aus über 3.000 Kehlen in der Arena Trier?
Die Show endete nach gut drei Stunden um 23 Uhr. Am Vorabend von Heiligabend wurde Christmas Moments mehr als ein Konzert. Es war mal wieder ein leiser Anker inmitten der vorweihnachtlichen Unruhe. Die Musik schuf einen Raum, in dem die Zeit für einen Moment stillzustehen schien, getragen von Wärme, Erinnerung und Hoffnung. Besonders die sensiblen Eigenkompositionen von Thomas Schwab ließen mein Herz und meine Gedanken zur Ruhe kommen. Als die letzten Töne verklungen waren, lag eine spürbare Verbundenheit im Saal: das Gefühl, angekommen zu sein. Mit dieser inneren Ruhe und einem Lächeln im Gesicht trat das Publikum hinaus in die Winternacht – bereit für das Fest, erfüllt von genau jenen Momenten, die Weihnachten ausmachen.

Und auch im Jahr 2026 wird es „Christmas Moments“ am 23. Dezember in der Arena Trier geben. Die ersten Tourdaten für das kommende Jahr finden sich bereits auf der Homepage: https://www.christmas-moments.de/
(Alle Fotos: Dietmar Schmitt)

Setlist „Christmas Moments“, 23.12.2025, SWT Arena Trier
PAUSE
ZUGABEN

Dieses eindrucksvolle Showspektakel auf Eis verzaubert kleine und große Besucher: „EISKÖNIGIN“! Großartige und live gesungene Pop-Songs, ein begeisterndes Ensemble aus Musical-Solisten, Eistänzern und Akrobaten sowie ein eindrucksvolles LED-Bühnenbild! Die Schwestern Elsa und Anna und ihre Gefährten begeben sich auf ihre abenteuerliche Reise – und das mit den Stars der deutschsprachigen Musicalszene, dem großen Schlittschuh-Ensemble sowie internationalen Akrobaten der Extraklasse. Nach dem großartigen Erfolg im Winter 2023/24 mit zahlreichen ausverkauften Gastspielen kommt das Highlight für die ganze Familie auch 2025 wieder nach Deutschland und Österreich.
Gänsehaut ist garantiert, wenn Elsa den oscarprämierten Hit „Lass jetzt los!“ singt und dabei mit ihren magischen Kräften die Bühne und die riesige LED-Leinwand in ein Meer aus Eis und tiefblauen Kristallen verzaubert! Es wird lustig, wenn Schneemann Olaf in „Im Sommer“ von Sonne und Strand träumt „mit einem Drink in der Hand und ganz knackig braun“! Spektakuläre Szenen erwarten die Besucher, wenn sich Elsa und Anna mit den Trollen in „Willst du einen Schneemann bauen“ auf eine Schneeballschlacht einlassen oder Kristoff mit seinem geliebten Rentier Sven singt „Rentiere sind besser als Menschen“! In dieser Show auf Eis folgt ein Hit auf den anderen, darunter „Wo noch niemand war“, „Zeige dich“ und „Liebe öffnet Türen“.
Freude pur für alle kleinen und großen Fans der Kinofilme!
Die gefeierten Songs der weltweit erfolgreichsten Animationsfilme „Eiskönigin 1“ und „Eiskönigin 2“ werden hier live gesungen und auf die Bühne gebracht. Zu dieser vielfach ausgezeichneten Musik laden Elsa, Anna, Olaf, Sven und Kristoff ein zu einem unterhaltsamen Eis-Spektakel mit innovativer Bühnentechnik und großem Ensemble. Diese Show verzaubert Jung und Alt mit stimmlicher, tänzerischer akrobatischer und märchenhafter Magie der Extraklasse!
23.1.2026 in der SWT Arena Trier – das perfekte Weihnachtsgeschenk für Groß und Klein!
Mit seinen sieben Klavier-Kabarett-Programmen hat es Bodo Wartke in den letzten drei Jahrzehnten geschafft, vom Geheimtipp zum hallenfüllenden Topact zu werden. Dabei hat das Internet eine entscheidende Rolle gespielt: Seine ausgedehnten Zungenbrecher-Stücke sind inzwischen in aller Munde, seit er mit dem „Dicken Dachdecker“ und „Barbaras Rhabarberbar“ zum YouTube-Phänomen avancierte. Inzwischen gibt es reine Zungenbrecher-CDs aus seinem Munde und ein wundervoll gestaltetes Kinderbuch zu selbigem Thema. Kein Wunder also, dass die Europahalle in Trier ausverkauft war und viele Generationen vertreten waren, von YouTube-gehypten Kindern mit ihren Eltern bis zu den Kabarett-Freunden gediegener Altersklasse. Und ich kann versichern: Niemand hat sich gelangweilt, auch wenn die Gegensätze in der Setlist manchmal frappierend waren.
Los ging es mit dem neuen „Lied vom Denken“, das auch die aktuelle CD „Wunderpunkt“ einleitet. Dann folgte „Mein Drucker“, das Bodo aber kurz unterbrach, weil ihm unser Fotograf bei seiner Arbeit zu nahe kam. Damit muss man bei einem Kabarettprogramm immer rechnen: plötzlich Teil des Geschehens zu sein. Auch das Publikum wurde früh mit einbezogen und sollte beispielsweise bis 15 zählen, während Bodo sein Lied um die Zahlen bastelte. So funktionierte der ganze Abend: mit virtuosem Klavierspiel, witzigen sprachlichen Bildern, Gedichten im Stil eines Heinz Erhard und vielen Zungenbrechern. „Fischers Fritze“, „Blaukraut bleibt Blaukraut“ und „In Ulm, um Ulm und um Ulm herum“ wurden mit Spitzengeschwindigkeit vorgetragen und entsprechend bejubelt.
Doch es gab auch Nachdenkliches und Gesellschaftskritik: „Die Heiligen Schriften 2.0“ zeigten auf bewegende Art, wie sich Wartke den Einfluss von Religionen in der heutigen Zeit vorstellt und wie dies zu einer besseren Welt führen könnte. Nachdenklich wurde „Ein Tag ohne“ besungen, wobei es bei Männern und Frauen ganz unterschiedlich aussehen kann. Männer würden ohne Frauen so weitermachen wie bisher, Frauen könnten ohne Männer endlich mal angstfrei und unbeschwert auf die Straße gehen. Kurz vor der Pause gab es noch das Nina-Chuba-Cover „Wildberry Lillet“ mit Originaltext aber der veränderten Titelzeile „Ich bin bei der FDP“, was der Luxus-Satire die Krone aufsetzte. Dann war nach 70 Minuten in der ersten Konzerthälfte erst einmal Verschnaufen angesagt.
Der zweite Teil begann mit amüsant-belehrenden Infos zu Zwölftonmusik, Blue Notes und dem Tongeschlecht. Es ging um Staatsformen wie Demokratie und Autokratie, aber auch um das leider sehr reale Nonsens-Wort „Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“, das Bodo so lange mit dem Publikum übte, bis es jeder fehlerfrei mitsingen konnte. Zur Freude der Kinder gab es den Klassiker „Eierloch“ und die Geschichte von „Kuckuck und Hai“. Alles so aufbereitet, dass man generationenübergreifend Spaß hatte – selbstredend auch bei weiteren Zungenbrechern.
Im Zugabenblock folgte schließlich „Atemlos“ in einer Gangsterrap-Version, die den bekannten Schlager in ganz neue Sphären führte. Grandios! Es war ein fast dreistündiger Abend voller Sprachakrobatik, Humor und Herzblut. Bodo Wartke beweist erneut, dass man mit Klavier, Reim und Verstand nicht nur lachen, sondern auch fühlen kann. „Wunderpunkt“ ist ein Programm, das seinem Namen alle Ehre macht – und dabei schwer beeindruckt. Er legt seine Finger in die Wunden unserer Zeit, beeindruckt aber auch mit wundervoll herzlichen Momenten.
Wenn zwei Stimmen wie von Natur aus füreinander bestimmt scheinen, dann sind es die von Paul Simon und Art Garfunkel. In ihrer Harmonie lag eine beinahe zeitlose Klarheit – sanft, melancholisch, dabei doch voller Kraft. Ihre Lieder haben Millionen berührt und den Soundtrack einer ganzen Generation geprägt. Als liebevolle Hommage bringt „The Simon & Garfunkel“ Story diesen charakteristischen Sound authentisch auf die Bühne und erzählt die außergewöhnliche Geschichte von zwei begnadeten Musikern nach.
Talentierte Schauspieler und Musiker aus dem Londoner West End versetzen das Publikum in die groovige Zeit der 60er Jahre zurück. In der Show wird die frühe Geschichte erzählt: beginnend bei ihren bescheidenen Anfängen als Rock‘n´Roll-Duo „Tom und Jerry“ bis hin zu ihren großen Erfolgen und der dramatischen Trennung. Die Show endet mit einer atemberaubenden Nachstellung des Reunionkonzerts im Central Park New Yotk 1981.
Als liebevolle Hommage, gekonnt verdichtet auf rund 130 fesselnde Minuten, bringt die gefeierte Tribute-Show den charakteristischen Sound der Folkrockstars originalgetreu und voller Respekt auf die Bühne – natürlich inklusive aller Hits von Paul Simon und Art Garfunkel, darunter „Mrs. Robinson“, „Cecilia“, „Bridge Over Troubled Water“, „Homeward Bound“ und das emotionale „Sound Of Silence“, mit dem die Show startet.
Darüber hinaus transportieren Projektionen von Foto- und Videomaterial die Stimmung der damaligen Zeit und rufen besondere Momente ihrer Erfolgsgeschichte auch visuell in Erinnerung. Die Geschichte begann in den 1950er-Jahren, als sich die beiden Musiker in Queens, New York, kennenlernten. Unter dem Namen Tom & Jerry versuchten sie sich zunächst im Rock’n’Roll, ehe sie in den 60er-Jahren zu Simon & Garfunkel wurden. Mit ihren Songs gaben sie den leisen Zweifeln und Sehnsüchten der Zeit eine Stimme. Ihre Mischung aus poetischen Texten, filigranen Gitarrenarrangements und unvergleichlichem Gesang war einzigartig im Folkrock.
Das Album „Bridge Over Troubled Water“ (1970) wurde ihr größter Triumph – und zugleich ein Schwanengesang: kurz nach Veröffentlichung gingen die beiden getrennte Wege. Paul Simon entfaltete eine gefeierte Solokarriere, während Art Garfunkel neben seiner Musik auch in Film und Theater Erfolg hatte. Trotz vieler Konflikte und Trennungen kehrten die beiden immer wieder für Konzerte zurück. Legendär bleibt ihr Auftritt 1981 im Central Park vor über 500.000 Menschen – ein symbolisches Wiedersehen mit jener Stadt, in der alles begann.
Das Publikum in der Trierer Europahalle war begeistert von der nostalgischen Show und feierte die Darsteller am Ende mit stehenden Ovationen. Absolut verdient!
Ein Satz von DIKKA – und schon sind alle Kinder kleine Nashörner. Das war ein munteres Treiben in der SWT Arena Trier, als Sera Finale (bürgerlich Simon Müller-Lerch) in seiner Inkarnation als Nashorn DIKKA zu kinderfreundlicher Zeit in die Konzertlocation lud. Der Start war für 17 Uhr angesetzt, doch schon zwei Stunden vorher sah man Scharen von Kindern mit ihren Eltern auf den Wegen rund um die Arena. An einem Samstagnachmittag war es nicht ganz einfach, einen Parkplatz zu finden. Auch die Schlangen an den Getränkeständen und am Merchandise wollten nicht enden. Grandios, wie der Rapper im Nashorn-Kostüm bei den Kleinen ankommt!
Das Bühnenbild war so bunt wie bei Sascha Grammel. Alles an ein Großstadt-Flair angelehnt, mit riesigem Skateboard im Mittelpunkt. Als die Show mit der Ansage aus dem Off startete, ein Nashorn sei aus dem Zoo ausgebrochen, kannten Jubel und Geschrei keine Grenzen mehr. Was tausende Kids für einen Lärm machen können, wurde hier schnell deutlich. Und DIKKA als HipHop-Star wollte von Anfang an weg von den Helikopter-Eltern. Der Bereich vor der Bühne wurde zum Nashorn-Gehege und nur Kinder durften ihn betreten. „Hallo Eltern, uns geht’s gut“, sollten sie im Chor schreien. Perfekte Umsetzung!
Es gab noch mehr Menschen in Tierkostümen auf der Bühne. DJ Löwe beispielsweise, der zwischendurch mal in die Zuschauerränge ausbüchste, und ein Chamäleon mit Skateboard. Später zudem zwei kleine Esel und ein weibliches Zebra, die das Nashorn unterstützen. DIKKA singt nun wirklich keine Kinderlieder, wie man sie von Jöcker oder Zuckowski kennt. Er nimmt seine Klientel sehr ernst und erzählt vom korrekten Teilen, vom Friedenszeichen, von Selbstbewusstsein und Zusammenhalt. Die Erwachsenen werden zwischendurch mit viel Ironie in den Senkel gestellt.
Zwischen den Songs gibt es immer wieder lange Entertainment-Passagen. DIKKA bringt den Kids den Vogel-Strauß-Tanz bei, übt mit ihnen markante Sätze („Boah ist das krass“), Bewegungen und Fingerspiele. Ein Song wie „Nein heißt nein“ liefert eine wichtige Botschaft. Und das ist wirklich die erste Version der unsäglichen „Life is live“-Melodie, die mich nicht an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt. Man verstreute Fantasie-Konfetti und traf sich romantisch zum Candlelight-Döner. Das alles oftmals emotional als Plädoyer für alle Kinder der Welt und ihre Träume.
Bei Songs, die als Duette angelegt sind, kamen die Duettpartner*innen vom Band. Mit Lea gab es „Ich bin ich“ und mit Montez „Zusammen“. Der Hauptset endete nach 80 Minuten, doch die Kinder wollten noch mehr. Viel mehr! Der Zugabenblock schloss um 18.45 Uhr mit dem Signature-Song „Bis zum Mond“, den DIKKA im Original mit Lea singt, und der Textzeile: „Weißt du eigentlich, wie doll ich dich lieb hab?“
Viele Kinder sahen hier das erste Konzert ihres Lebens – und das in der großartig gefüllten Arena und in einer Größenordnung, die selbst erwachsene Konzertbesucher selten erleben. Das Gemeinschaftsgefühl über Generationen hinweg war perfekt. Manchen mag er affig erscheinen, dieser Rapper im Nashorn-Kostüm, doch er zeigte sich hier überaus sympathisch und als ein Mensch, der Kinder stärken und für die Zukunft wappnen will. Hat riesigen Spaß gemacht!
Setlist DIKKA, 27.9.2025 in der Arena Trier
Zugaben
OSKA aus Österreich war Support beim Konzert von Philipp Poisel am 14.7.2025 im Trierer Brunnenhof. Hier findet ihr die Fotogalerie ihrer durch und durch sympathischen Show. Fotocredit: Atelier3Bären
Seit unglaublichen 74 Jahren erscheint das Micky-Maus-Heft im Berliner Ehapa-Verlag (inzwischen: Egmont Ehapa Media GmbH). Ein Institution in weltweiten Kinderzimmern, die ich noch aus meiner Kindheit kenne und die ich auch an meine Kids weitergegeben habe. Das Magazin war ebenso abonniert wie die dicken „Lustigen Taschenbücher“. Und obwohl das Heft den Titel „Micky Maus“ trägt, waren es doch immer die Geschichten um Donald Duck und seine umtriebige Verwandtschaft, die mir und vielen anderen besonders gut gefallen haben.
In den Sommermonaten ist es schon seit Längerem ein hübscher Brauch, dass die Protagonisten auf Reisen gehen und beliebte Urlaubsorte vorstellen. So waren in diesem Jahr schon unter anderem die Hansestadt Lübeck und der Bodensee Austragungsorte von Geschichten um die Familie Duck. Und in Band 15/2025 ist die Region hier im Südwesten an der Reihe.

In der aktuellen Ausgabe begleitet Donald Duck seine Neffen nach Saarbrücken. Diese wollen im Saarland ein besonderes Wander-Abzeichen als Pfadfinder des Fähnlein Fieselschweif erlangen. Während die Kinder die saarländische Landschaft erkunden, plant Donald, sich ein paar entspannte Tage zu gönnen. Doch wie immer kommt alles anders: Die drei Neffen scheinen beim Start zu ihrer Mission die Wanderkarte vergessen zu haben. Donald begibt sich ebenfalls auf die Reise, um die Kinder zu suchen, bevor sie sich gänzlich verirren. So nimmt eine abenteuerliche Such- und Verfolgungsgeschichte ihren Lauf, die über die wunderschöne Saar, quer durch die Gassen von Trier und zum Finale ins malerische Luxemburg führt.
„Es gibt so viele eindrucksvolle Orte entlang der Saar und der Mosel, die sich perfekt für ein Abenteuer mit Donald Duck und seinen Neffen eignen. Am Ende mussten wir eine Auswahl treffen“, erklärt der verantwortliche Redakteur Johannes Kanty. Disney-Zeichner Ferran Rodriguez fügt hinzu: „Es war spannend, all diese Orte zeichnerisch zu entdecken und in witzige Szenerien umzusetzen.“

Menschen, die in der Region bewandert sind, werden einige Bilder und versteckte Insider-Witze erkennen. Da wird die berühmte Saarschleife beschrieben, es gibt das saarländische Nationalgericht „Dibbelabbes“, man kann den Trierer Domstein entdecken und die Luxemburger mit einem fröhlichen „Moien“ begrüßen. Gerade in Zeiten wiederkehrender Grenzkontrollen ist es dabei sehr wohltuend, dass die Story nicht an der deutschen Grenze halt macht.
Das Micky-Maus-Heft hat nichts an seiner Faszination verloren. Zudem können Kinder und Jugendliche hier ganz nebenbei noch etwas lernen, werden Begriffe und Schauplätze doch gern anhand informativer Fußnoten erklärt. Außerdem findet sich im Mittelteil des Magazins ein Faltblatt, auf welchem die Comic-Orte den realen Orten gegenüber gestellt werden. Wer diese aus verschiedenen Heften sammelt, hat genügend Anregungen für die nächsten Urlaube.

Vier Tage lang zeigte der Platz vor der Porta Nigra, dem kultigen römischen Denkmal in Trier, mal wieder eine großartige musikalische Bandbreite beim „PORTA HOCH DREI“ Open Air. Das steht in jedem Jahr für eine Mischung von Pop über Rock bis Punk. Fast alle musikalisch Interessierten werden hier einen Abend finden, der ihren Bedürfnissen genügt. Und wer mehr auf Klassik steht, hat ja am Sonntag immer noch das Picknickkonzert des Philharmonischen Orchesters (Theater Trier), das traditionell den Abschluss macht.
Die Location ist einfach wundervoll. Im Hintergrund das alte römische Stadttor, für das Trier europaweit bekannt ist. Eine durchsichtige Rückwand an der Bühne, damit man das Bauwerk stets voll im Blick hat. Die Künstler*innen zeigen sich beeindruckt und thematisieren Triers Geschichte – mal mehr, mal weniger ironisch. Der Platz fasst knapp unter 3.000 Zuschauern, doch darüber hinaus ist auch immer die Fußgängerzone mit „Zaungästen“ gefüllt, die das Geschehen zumindest akustisch verfolgen können. In 2025 gab es zudem vier Tage Sonnenschein – fast schon zu warm, doch nach 20 Uhr wehte auch vor der Porta ein kleines Lüftchen und man wurde gut mit Flüssigkeiten versorgt.
Am Donnerstag ging es mit dem Support MYLE los. Ein sympathischer Songwriter, allein an der Gitarre. Mit smarten und überraschend hohen Vocals sang er Stücke wie „Not Ready“ und sorgte von Beginn an für gute Stimmung. In den dreißig Minuten seines Auftritts hat er ganz sicher einige neue Fans gewonnen. Das Kreischen der Mädels war zumindest genau so laut wie beim späteren Topact. MYLE stammt aus Ravensburg („wer puzzelt gerne?“). Das kann man sich merken. 2026 wird er allein auf Tour gehen und in vielen deutschen Clubs spielen. Ist sicher lohnenswert, wenn ihr irgendwo in der Nähe seid.
Um 20.30 Uhr war dann Alvaro Soler mit einer starken Begleitband am Start. Von Beginn an Vollgas und spanisches Feeling. Er freute sich über den Sonnenschein und die unfassbare Kulisse. Am Tag hatte er schon Blumen in Trier verteilt, als Geste an die Fans, und davon waren auch einige im Publikum zu sehen. Bei Alvaro wirkt einfach nichts aufgesetzt. Er ist ein bodenständiger und authentischer Künstler, den fast nichts aus der Ruhe bringen kann.
Als die Technik mehrfach ausfiel, wurde er zum Stand Up-Moderator. Man merkte zwar, dass er improvisieren musste, aber die ausgiebige Bandvorstellung war famos. Multiinstrumentalistin Charlie wurde ausgiebig gewürdigt, und das Publikum durfte für die japanische Keyboarderin einer kleinen Sprachkurs machen. Man wollte zwar lieber Musik hören, aber langweilig wurde es in der Überbrückungszeit nicht.
Alvaro Soler ist ein Weltstar mit Gold- und Platin-Alben rund um den Globus, seine Musik sprüht vor Lebensfreude. Geboren in Barcelona, aufgewachsen in Japan, lebt der Popmusiker heute in Madrid und Berlin, spricht sieben Sprachen und ist in der Welt zu Hause. Schon früh lernte er, wie Musik Menschen und Kulturen verbindet, Grenzen überwinden lässt. Spätestens seit der Sendung „Sing meinen Song“ ist seine deutsche Fangemeinde riesig, seit 2021 ist er als Coach bei „The Voice Kids“ zu sehen und die Kids himmeln ihn an. Auch in Trier war viel Jungvolk unterwegs.
Musikalisch gab es Klassiker wie „El mismo sol“, „Magia“ und „Sofia“, viele neue Stücke, unter anderem das gerade erschienene „Regalo“, den aktuellen Hit „Con Calma“ und viele unveröffentlichte Songs vom neuen Album, das im Herbst erscheinen wird. Als Trio gab es neben den groß angelegten Hymnen auch drei Songs unplugged. Die Fans feierten alles mit und einige nutzten das Pflaster rechts und links des Platzes zum Tanzen.
Es war ein beschwingter erster Abend mit sommerlichem und südländischen Flair. Alvaro hat sich hier in die Herzen der Trierer gesungen und auch sein eigenes großes Herz weit ausgebreitet.
Am Freitagabend gab es ein magisches Duo. Max Herre und Joy Denalane, seit Jahrzehnten ein Paar, sind mit ihrem Album „Alles Liebe“ gemeinsam unterwegs und verbreiten eine liebevolle Stimmung. Dabei könnte die Bandbreite des Repertoires kaum vielseitiger sein. Die Mischung aus Soul und Rap war Garant für einen perfekten Abend.
Es ging los mit den aktuellen Titeln „Alles Liebe“ und „Skyline“. Und dann schon „Esperanto“ von Freundeskreis. Eine Erlösung für alle Fans mit dem Wissen, dass auch die Klassiker der großen Hop-Hop-Band nicht vergessen werden. Hier war ebenfalls eine sehr gute Band mit am Start und es gab schon zu beginn Szenenapplaus für das Background-Duo, das stimmlich in Topform war und die Protagonist*innen unterstützte.
In der Setlist wurde es sehr persönlich, wenn die Beziehung von Max und Joy mit „Day One“ und „1ste Liebe“ ausgiebig thematisiert wurde. Dann kam Joy mit drei ihrer Signature-Songs allein zur Geltung und thematisierte darin unter anderem Südafrika und die Apartheid („Im Ghetto von Soweto“), während Max im Anschluss mit „Nachts“ und „Wolke 7“ glänzte und in „Dunkles Kapitel“ klare Kante gegen rechte Tendenzen zeigte: „Fuck AFD!“.
Je später der Abend, desto stärker die Rap-Parts. „Rap ist“, „Wenn der Vorhang fällt“ und „Tabula Rasa“ zeigten Max in Topform. Und als dann die Klänge von „A-N-N-A“ über den Platz hallten, war kein Halten mehr. Die Party hatte ihren Höhepunkt erreicht und es konnte nur noch romantisch werden. „Bisschen mehr als Freundschaft“, „Alles leuchtet“ und „Mit dir“ beendeten den Set. Das ist der Song, mit dem die Geschichte von Max & Joy begonnen hat – und sie zelebrierten ihn mit dicker Umarmung und Knutscher. Ein Liebesmoment für alle, die diesen Abend voller Liebe erleben durften.
Für die dritte und größte Hitzeschlacht am Samstag war dann ein furioses Doppel angekündigt. H-Blockx mit Henning Wehland an der Front sind seit einem Jahr wieder groß im Kommen. Da werden Erinnerungen an alte Tage wach, als die Crossover-Pioniere aus Deutschland Anfang der 90er zu Wegbereitern für einen neuen Musikstil wurden.
Inzwischen ist das letzte Album der Band schon wieder 13 Jahre alt, doch sie zeigten sich hier in grandioser Form – und das Publikum machte alles mit, was Henning wollte. Als er schließlich zum Megaphon griff und die Hymne „Rising High“ anstimmte, war der 50minütige Set auf dem Höhepunkt und alle fühlten sich jung wie vor dreißig Jahren. Dann noch die Cover „Power“ und „Ring of Fire“ zum Abschluss und man konnte sich selig in den Armen liegen.
Aber nicht für lange, denn die DONOTS hatten sich vorgenommen, die Porta Nigra zerbröckeln zu lassen: „Auf sie mit Gebrüll“, „Keiner kommt hier lebend raus“, „Wake the dogs“. Sänger Ingo war in stetiger Bewegung, oben, unten, mittendrin – mit ständigem Kontakt zu den Fans, wie man ihn kennt.
Die Donots konnten den Hunger der Trierer nach Party und Attitüde stillen und feierten eine Wahnsinnsshow, die Maßstäbe setzen sollte. Neben den deutschsprachigen Gassenhauern gab es auch englische Songs wie „Whatever Forever“ und „Dead Man Walking“. Als Ingo zu „Hunde los“ alle Kids auf die Bühne bat und sich die Reihen unendlich mit strahlenden Gesichtern füllten, wurde er selbst von den Emotionen übermannt und war den Tränen nahe. So etwas erlebt man nicht oft.
Aber trotz dieser emotionalen Momente war vor allem Party angesagt und es gab immerwährende Circle Pits. Was wohl die alten Römer dazu gesagt hätten? Vermutlich „Fuck, Sparta!“, meinte Ingo. Und den obligatorischen Mittelfinger für alle Nazis vergaß er natürlich auch nicht.
Zum Ende der fulminanten Show wurde gemeinsam mit H-Blockx ein Song von Blur gecovert. Dann – ebenfalls gemeinsam – „Fight for your right“ der Beastie Boys und schließlich kam der Donots-Rausschmeißer „So long“. Am Ende waren alle fix und fertig – die Band und das Publikum. Vermutlich die intensivste Show, die PORTA HOCH DREI je erlebt hat.
Der Abend endet heute mit einer Gala des Philharmonischen Orchesters, hoffentlich ohne Gewitter, die es regional bedingt geben kann. Die Bühne vor der Porta ist immer einen Besuch wert und wird am nächsten Wochenende beim Altstadt fest auch Guildo Horn ein Zuhause geben. Wem es dann zu voll ist, der freut sich auf PORTA HOCH DREI 2026, wie immer im Juni!
Wer vor 17 Jahren Guildo Horns Autobiografie „Doppel-Ich“ gelesen hat, konnte einen ganz anderen Menschen kennen lernen als den Schlagerfuzzi, der Ende der 90er Jahre gemeinsam mit Stefan Raab Schwung in die eingefahrenen ESC-Pfade gebracht hatte. Mir ist Guildo schon seit meinem Zivildienst bei der Lebenshilfe ein Begriff. Da kamen nämlich die Betreuten eines Tages zurück ins Wohnheim und meinten „Unser Musiklehrer ist heute Abend im Fernsehen“. Wir versammelten uns also zu vorgerückter Stunde vor „Schreinemakers live“ und wurden Zeuge, wie Guildo als Wiedergeburt von Roy Black die sonst so wortgewandte Moderatorin sprachlos machte. Seitdem bin ich Fan und besuche natürlich jedes Jahr das Weihnachtskonzert in Trier. Ehrensache!
Jetzt also ein Hörbuch zu besagter Biografie, das der Autor selbst einliest. Allein das ist es schon wert, die gut sieben Stunden der Lesung anzuhören. Guildo (bürgerlich Horst Köhler) erzählt davon, wie er zur Musik kam und vor allem, wie er seine besondere Nähe zu Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung entdeckte. Man kann ohne Umschweife nachvollziehen, wie deren Direktheit und Offenheit den Musiker mit diesen so besonderen Menschen verbanden und zu einer großen authentischen Zuneigung führten.
Guildo Horn ist nicht nur derjenige, der die Nussecke zu einem ungeahnten Bekanntheitsgrad brachte und den deutschen Schlager Mitte der 90er-Jahre aus seiner Totenstarre befreite. Er hat sich ebenso der Arbeit mit geistig behinderten Menschen verschrieben und auch auf den Höhepunkten seiner Karriere nie davon abgelassen. „Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust“, möchte man meinen. Diese jedenfalls liefern ausreichend Stoff für eine außergewöhnliche und faszinierende Biographie.
Wer sonst als Guildo Horn selbst könnte davon erzählen, wie ihn die Arbeit mit behinderten Menschen geprägt hat und welche Erfahrungen daraus resultieren? Wer sonst könnte so respektlos über das Erwachsenwerden, das Sich-selbst-Finden und den Starrummel fabulieren wie der „Meister“ selbst? Guildo Horns Blick zurück und hinter die Kulissen des Showbiz bietet dem Leser eine Vielzahl erhellender bis entblößender Einblicke in ein Leben voller Tatendrang – absolut authentisch, herrlich vorwitzig und extrem selbstironisch. Eben typisch Guildo Horn.
„Die Guildomacher“ entstand damals aus einer Auftragsarbeit des Gütersloher Verlagshauses, inspiriert durch Guildo Horns Talkshow „Guildo und seine Gäste“. In der zweifach für den Grimme Preis nominierten TV-Sendung sprach Horn mit geistig und mehrfach behinderten Erwachsenen über alle möglichen und unmöglichen Themen des Lebens. Über Liebe, Kriege, Fußball, Ängste und Stärken. Stets auf Augenhöhe, mit der gebührenden Ernsthaftigkeit und vor allem mit viel, viel Humor! Sein unverwechselbarer Zugang zur Inklusion und Behindertenarbeit machte ihn, der vor seiner Künstler-Karriere mehrere Jahre als Musiklehrer bei der Lebenshilfe e.V. gearbeitet hatte, zu einer prägenden Stimme in der gesellschaftlichen Debatte. Für sein Engagement wurde er mit dem Bobby der Lebenshilfe e.V. ausgezeichnet wurde. Dieses Buch ist die Lebensgeschichte von einem, der auszog sein Herz zu öffnen. Es ist eine höchst persönliche Erzählung über Individualität und die Kraft der Menschlichkeit.
Mit unerschöpflicher Hingabe und Ehrlichkeit hat Guildo Horn jeden Satz und jedes Komma aus den Tiefen seiner Erinnerungen geschöpft. Dabei führt er seine Hörerschaft selbst durch die geheimsten Episoden seiner Vergangenheit – brettehrlich, witzig und manchmal auch erschütternd. Er selbst verspricht: „Seid euch gewiss: Alles Erzählte ist genauso geschehen, wie ich es erzähle. Und nachher wisst ihr definitiv, mit wem ihr es bei mir zu tun habt!“ Das Buch ist eine Hommage an diejenigen, die ihm prägend zur Seite standen. Er nennt sie “Die Guildomacher“ – Menschen mit geistigen Behinderungen, die ihn inspirierten und zu demjenigen werden ließen, der er heute ist. „Ohne meine Zeit in der Werkstätte für Behinderte würde es den Guildo so nicht geben!“
Doch warum ein Comeback als Hörbuch nach so vielen Jahren? Guildo Horn sieht die gesellschaftliche Entwicklung im Umgang mit behinderten Menschen kritisch. „Es scheint mir, dass wir vor sechzehn Jahren beim Thema Integration und Inklusion weitaus offener waren als heute. Behinderte Menschen werden wieder häufiger als Belastung statt als Bereicherung wahrgenommen. Das schmerzt und es ist auch falsch so! Wenn heute selbst ein neugewählter amerikanischer Präsident, der Hüter der westlichen Welt, nach einer schrecklichen Flugzeugkatastrophe, Menschen mit Behinderung und deren Förderung als mögliche Unfallursache nennt, wenn dann auch hierzulande aus einschlägigen Kreisen behinderte Menschen wieder zunehmend als Belastung und nicht auch als gleichberechtigter Teil unsere Gemeinschaft gesehen werden, ist es an der Zeit für mich, wieder in den Ring zu steigen!“
Dem will ich als selbst in der Behindertenarbeit tätiger Sozialpädagoge gar nichts mehr hinzufügen: Lest das Buch, hört das Hörbuch, besucht Guildos Konzerte, lernt Menschen mit Beeinträchtigung in eurer Umgebung kennen, demonstriert eure Unterstützung – wir brauchen Inklusion und Diversität in allen Bereichen des Lebens!
Wie seit Jahrzehnten feierten Guildo Horn & die Orthopädischen Strümpfe das Abschlusskonzert ihrer Weihnachtstournee in der Europahalle Trier, der Heimat des Meisters. Seht hier unsere Fotogalerie vom 22.12.2024 – Credit: Simon Engelbert, Photogroove.
Matthias Reim gehört nicht zu den Sängern, die sich auf ihren alten Erfolgen ausruhen. Obwohl der Millionenseller „Verdammt ich lieb dich“ seit dem Solo-Karrierestart 1990 unerreicht ist, bringt er seit dieser Zeit unermüdlich und in steter Regelmäßigkeit neue Alben auf den Markt, die zwar immer einen Hauch Schlager in sich tragen, aber durchaus eine rockige Attitüde liefern. Dazu trägt seit langem eine formidable Band bei, die live immer wieder ein besonderes Erlebnis ist – so auch am 7. Dezember in Trier, wo man für die aktuelle „Zeppelin“-Tour groß aufgefahren hatte.
Die SWT Arena war sehr gut gefüllt, mit einem extrem großen Front of Stage-Bereich, weiteren Stehplätzen in der Halle und Sitzplätzen auf den Rängen. Besonders gefiel mir die prominent angebrachte „Rolli-Tribüne“, bei der die Gäste mit Beeinträchtigungen wirklich mitten im Geschehen waren und mitfeiern konnten.
Das Konzert startete mit „Zeppelin“, dem Titelsong des aktuellen Albums. Um die Stimmung anzuheizen gab es ein Medley älterer Stücke, wobei „Ich hab‘ geträumt von dir“ den meisten Raum einnahm und ordentlich abgefeiert wurde. Der inzwischen 67jährige Künstler ist stimmlich voll auf der Höhe und musste sich keineswegs hinter seiner Band und den Backgroundsänger*innen verstecken. Die Setlist zog sich durch alle Jahrzehnte seines Musikschaffens – und man muss Matthias zu Gute halten, dass er immer wieder neue Lieder kreiert, während es manchen Kollegen ausreicht, von Schlagernacht zu Ballermann-Party zu tingeln. In seinen Ansagen wurde deutlich, wie viel Spaß es dem Nordhessen macht, mit eigenen Songs für ein komplettes Konzert auf der Bühne zu stehen.
Das Publikum war bunt gemischt aus allen Altersgruppen. Es dankte ihm die fulminante Show mit viel Enthusiasmus und schon ab dem vierten Song „Ich hab‘ mich so auf dich gefreut“ stand man auch in den Rängen. Wenn dann der „Trierer Jung“ Michael Brettner, bekannt als Bretti, ein Gitarrensolo einlegte, war kein Halten mehr und er wurde ebenso lautstark abgefeiert wie Matthias Reim selbst.
Im Backgroundchor fand sich neben zwei Sängerinnen zudem auch Julian Reim, der Sohn des Meisters, der inzwischen selbst im Schlagermetier zuhause ist und vor zwei Jahren das Album „In meinem Kopf“ rausbrachte. Vater und Sohn leben mit ihren Familien am Bodensee und haben genügend Zeit, neue musikalische Taten auszuhecken. In Trier bekam Julian im ersten Teil einen Solopart mit dem Titel „Eine Welt entfernt“. Dann übernahm wieder Matthias, der neben den lauten Titeln auch nachdenkliche Stücke wie „Im Himmel geht es weiter“ und „Einsamer Stern“ interpretierte.
Klar – Matthias Reim ist im Schlager verwurzelt. Spätestens wenn die obligatorischen Dancefloor-Keys und der Beat einsetzen, kommt man nicht umhin, dies zu bemerken (sei es nun anerkennend oder bemängelnd). Es gibt kaum einen Musiker, der das Genre Schlager/Deutschrock in den vergangenen drei Jahrzehnten so entscheidend mitgeprägt hat wie Matze. Seine legendäreren, zeitlosen Song dürfen auf keiner Party fehlen und werden von Generationen textsicher mitgesungen. Und live wirken sie noch stärker.
Nach einer Stunde gab es eine kurze Pause. Danach ging es mit „Dieses Herz“ weiter. Wieder gab es Rockschlagermusik vom Feinsten. Selbst der kleine Akustikpart in „Ich bin nicht verliebt (unverwundbar)“, bei dem Matthias selbst zur Gitarre griff, zeigte die Band in wundervoller Spiellaune und schaffte eine heimelige Bühnenatmosphäre. Die Ballade „Wer nie durch Scherben ging“ erzählte von persönlich schwierigen Zeiten. Und dann war es Zeit für das Vater-Sohn-Gespann, die im Duett sehr passend „Pech und Schwefel“ sangen. Den Solosong „Euphorie“ übernahm Julian dann wieder alleine.
Zum Ende des regulären Sets wurde erneut eine geniale Rockshow aufgefahren. Die Gitarren waren stets im Vordergrund und lieferten gemeinsam mit Drums und Keyboard ein starkes Brett ab. „Sowieso (Für dich das Letzte)“ und „Nächsten Sommer“ ließen auch die letzten Fans mitrocken und tanzen.
Der 20minütige Zugabenblock startete um 22.15 Uhr. Da war man schon über zwei Stunden auf der Bühne. Und bis zum großen Finale gab es mit „Hallo, ich möcht‘ gern wissen wie’s dir geht“ und „Du Idiot“ noch zwei Publikumslieblinge. Aber ein Song fehlte noch, der jedes Konzert der aktuellen Tour (und vieler Touren vorher) beenden muss. Matthias machte es spannend, indem er zunächst seinem Gitarristen die Bühne überließ und ihn als Trierer vorstellte: „Das ist deine Stadt, Hier kommst du her. Also mach sie fertig, Bretti“. Dieser ließ sich auch nicht lumpen und zeigte mit einem floydesken Solo sein Könen.
Dann endlich die Erlösung mit „Verdammt, ich lieb‘ dich“ in einer gitarrenlastigen Rockversion. Es ist immer schön, Matthias Reim mit verrauchter Stimme und den bekannten Textzeilen zu hören, wobei er das Stück jedes Mal zu etwas Besonderem macht. Er ist es ebenso wenig leid wie sein Publikum – und das ist ein gutes Zeichen zum Abschluss eines perfekten Konzertabends.
Setlist – Matthias Reim, SWT Arena Trier, 7.12.2024
Zeppelin
Medley inkl. Ich hab‘ geträumt von dir
Echte Helden
Ich hab‘ mich so auf dich gefreut
Was ist nur los?
Ich liebe dich
Ganz egal
Der doch nicht
Eine Welt entfernt – Julian Reim
Blaulicht
Im Himmel geht es weiter
Tief in mir
Einsamer Stern
Dieses Herz
Lebenslänglich
Bon Voyage
Ich bin nicht verliebt (unverwundbar)
Wer nie durch Scherben ging
Pech und Schwefel – Matthias und Julian Reim
Euphorie – Julian Reim
Küssen oder so
Sowieso (Für dich das Letzte)
Träumer
Nächsten Sommer
Hallo, ich möcht‘ gern wissen wie’s dir geht
Du Idiot
Verdammt, ich lieb‘ dich
Tausendsassa Olli Schulz war in der Europahalle Trier. Was hat der Musiker nicht schon alles gemacht? Indierock mit Olli Schulz und der Hund Marie, Sidekick für Joko & Klaas, seit zwölf Jahren ein Podcast mit Jan Böhmermann – und seit 2009 die Solokarriere, die beim letzten Album „Am Rande der Zeit“ mit einem Spitzenplatz in den deutschen Charts gekrönt wurde. Dabei ist Olli Schulz einfach grundsympathisch. Schließlich kommt es nicht oft vor, dass ein Künstler seinen Support persönlich ansagt und damit enorm aufwertet. In Trier erschien Olli pünktlich um 20 Uhr auf der Bühne, ließ den Applaus abebben und bat um Aufmerksamkeit für die junge Sängerin Morea.
Natürlich wurde es in der nächsten halben Stunde nochmal laut in der Halle und manche Zuschauer*innen übten sich lieber in Smalltalk, als der sanft und schüchtern auftretenden Interpretin zuzuhören. Schade, denn es wurde wirklich ein wunderschöner Set geboten, der Soul und Jazz im Retro-Style lieferte. Morea sang zunächst allein mit akustischer Gitarre und wurde am Schluss von ihrem Vater per Steel Guitar begleitet. Es war ein berührender Moment, als sie ihn als ihren Mentor vorstellte und die beiden sich nach dreißig Minuten unter großem Applaus verabschiedeten.
Nach kurzer Umbaupause startete Olli Schulz mit „Wenn die Music nicht so laut wär’“, einem Klassiker von Olli Schulz und der Hund Marie. Er war in Plauderlaune und machte sich erst einmal über die „Schulaula“ als Veranstaltungsort lustig, bevor er nachhörte, ob alle ihr Popcorn bekommen hatten, das im Foyer kostenlos verteilt wurde. Aber es war nicht alles locker-flockig. In „Falsch erzählt“ geht es um Fakenews und sogenannte Influencer bekommen ebenfalls ihr Fett weg („Da bleib ich lieber depressiver Indierocker“).
Mit dem warmherzigen „So schreibt man seinen Song“ hielt Olli ein Plädoyer für die Musik, schwärmte von Musikrichtungen, musikalischen Biographien und der Magie von Plattenläden. Trier war der „kleinste Laden auf der Tour“ und erfreute sich wahnsinnig an den prägnanten Songs mit klarer Botschaft: „Dann schlägt dein Herz“, das wundervolle „Als Musik noch richtig groß war“ und das Leben als Freigeist in „Schrecklich schöne Welt“. Neben diesem Indiepop gab es auch den NDW-geprägten Song „Phase“.
Roadie Lampe, der gerade selbst als Musiker in den Startlöchern steht, ersetzte Ina Müller im Duett bei „Stadtfest in Bonn“. Es gab einige Songs vom aktuellen Album, aber auch weitere Klassiker wie „Rückspiegel“. Im Lauf der Konzerts verwandelte sich die Atmosphäre vom Independent-Songwriting hin zum großen hymnischen Rock, denn auch dieses Metier beherrscht Olli Schulz in großen Songs wie „Einfach so“ und „Wenn es gut ist“.
Humorvoll, melancholisch und tiefgründig war der Set bis zum Zugabenblock, der nach 80 Minuten startete. Hier zog Olli nochmal seine satirischen Register, interpretierte auf Wunsch des Publikums allein an der Gitarre „Koks & Nutten“, feierte den „Phosphormann“ und überließ Lampe die Bühne, der seinen Hit „Immer muss ich alles alleine machen“ zum Besten gab. Am Ende gab es eine grandiose Kissenschlacht zu „So muss es beginnen“ und Olli Schulz war stets darauf bedacht, dass niemand in der Halle zu schaden kam.
Das wundervolle Konzerterlebnis endete um 22.25 Uhr. Der Weihnachtsmarkt in Trier hatte jetzt auch geschlossen, doch alle waren berauscht von der Musik. Der sympathische Außenseiter hatte mal wieder abgeliefert. Fazit: weitermachen!
Setlist – Olli Schulz, Europahalle Trier, 23.11.2024
Wenn die Music nicht so laut wär’
Wachsen (Im Speisesaal des Lebens)
Falsch erzählt
Hamse nich
So schreibt man seinen Song
Passt schon!
Ab jetzt tut’s nur noch weh
Dann schlägt dein Herz
Als Musik noch richtig groß war
Schrecklich schöne Welt
Phase
Stadtfest in Bonn
Bessere Version
Rückspiegel
Einfach so
Wenn es gut ist
Koks & Nutten
Phosphormann
Immer muss ich alles alleine machen (Lampe)
So muss es beginnen
BAP waren auf „Zeitreise“ in Trier. Hier unsere Fotogalerie aus der SWT Arena vom 16.11.2024
Fotocredit: Simon Engelbert, PHOTOGROOVE
Ein Gemeinschaftsprojekt aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland, das über 25 Jahre hält – das gibt es nicht oft. Manche Politiker könnten sich ein Beispiel daran nehmen und die Fusion der Bundesländer endlich vollziehen. Die Band PASCOW, benannt nach einer Figur aus Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“, wurde 1998 von Sänger Alex und Schlagzeuger Ollo in der Nähe von Birkenfeld gegründet. Im Lauf der Zeit haben sich die Aktivitäten aber ins saarländische St. Wendel ausgedehnt, wo Sänger Alexander den bandeigenen Webshop „Tante Guerilla“ führt. Ollo hingegen ist Geschäftsführer des größten regionalen Konzertveranstalters „Popp Concerts“ in der Region Trier. Die Rufe „Saarland asozial“ aus dem Publikum waren also durchaus positiv gemeint und sind keineswegs eine Beleidigung sondern vielmehr Schlachtruf sowie Ehrerbietung für das angrenzende Bundesland.
So durfte auch bereits um 19 Uhr die Band Christmas aus St. Wendel das Konzert mit deftigem Punk eröffnen. Man hat sich vor allem im Saarland einen Namen gemacht und schon große Acts supportet. Vier Studioalben sind erschienen – das aktuelle Werk von 2020 heißt passend „Hot Nights in Saint Vandal“. Der 30minütige Gig war schrill und laut. Shouter Max Mötherfucker war kaum zu verstehen, so enthusiastisch brüllte er die englischen Lyrics ins Mikro. Auf jeden Fall ein guter Einheizer für die ausverkaufte Halle.
Mit ihrem 70er Jahre Charme ist die Europahalle ohnehin ein seltsamer Ort für ein Punkkonzert. Aber wo soll man noch hin, seit das ExHaus im unendlichen Winterschlaf liegt? Der Mergener Hof ist für PASCOW definitiv zu klein. Dort sollte später die Aftershow-Party stattfinden. Also Europahalle – das Gebäude, das normalerweise für Comedy und Mainstream vorgehalten wird. Diese war ausverkauft und mit Generationen von Punkfans gefüllt. Auch viele Kids konnte ich sehen, zum Teil noch im Grundschulalter, die von den Eltern in die Gegenkultur eingeführt wurden. Gut so!
Zweiter Support waren Berlin 2.0 aus Stuttgart. Erst vor drei Jahren gegründet glänzt hier Ausnahme-Vokalistin Elena Wolf mit ihrer sonoren Stimme. Die Songs waren schnell, rotzig und trotzdem ziemlich melodisch. Dazu kam eine gehörige Portion Hardcore, mit der vor allem die Stücke des aktuellen Albums „Scherbenhügel“ dargeboten wurden. 40 Minuten lang dauerte der wilde Spaß, der mit viel Applaus bedacht wurde.
Pünktlich um 21 Uhr waren dann PASCOW am Start. Und die Lokalmatadoren hatten für ihren Tourabschluss ordentlich aufgefahren. Der Bühnenaufbau lag zunächst hinter einem Vorhang. Als Opener gab es vom Band „Blueprint“ der Rainbirds, das vom Publikum textsicher mitgesungen wurde. Dann fiel der Vorhang zu den Klängen von „Silberblick & Scherenhände“ und gab den Blick auf ein riesiges Bühnenbild frei, das einen Hinterhof zeigte. Auch die Lightshow war grandios und der Sound sowieso. PASCOW sind ganz oben angekommen, wenn ich ihren Gig mit den Konzerten der Vergangenheit im ExHaus vergleiche. Damals war alles noch rau (aber herzlich). Heute wird es zwar weiterhin wild, doch sie unterscheiden sich allein schon damit von den Vorbands, dass man Alex‘ Texte weitestgehend verstehen kann. Ein großes Plus.
Wegen der baulich bedingten Zuschauerbegrenzung der Halle konnte man trotz des Ausverkauft-Status im hinteren Bereich noch locker stehen. So waren auch die anwesenden Kinder in Feierlaune, während es vorn vor der Bühne eine gewaltige Pogo-Party mit Crowdsurfern und Circle Pits gab. Alex nahm das zum Anlass, immer wieder zur Rücksichtnahme aufzurufen. Viele Ansagen kamen aber auch von Ollo, der in Trier deutlich in Erinnerungen schwelgte.
Gastsängerin Hanna Landwehr hatte ich erst am Dienstag als Support von Alin Coen in Neunkirchen erlebt. Damals noch ganz beschaulich und akustisch. Jetzt zeigte sie ihre andere Seite und stieg zu „Königreiche im Winter“ ein, um später immer wieder das Line-up zu bereichern. Stimmlich sehr stark und im Duett mit Alex eine echte Bereicherung. Ihren Solosong „Wunderkind“ absolvierte sie mit Bravour und bot so den einzigen Ruhepunkt in einem ansonsten durchgehen stürmischen 90minütigen Set.
Highlights gab es en masse. „Wenn Mila schläft“ als Klassiker für die Fans der ersten Stunde. „Himmelhunde“ mit einem Statement gegen Trans- und Queerfeindlichkeit. „Mailand“ gegen rechte Parolen und für Anarchie. Violonistin Laura sorgte bei vielen Songs für ungewöhnliche Klänge, die ein wenig an New Model Army erinnerten.
Zu „Sturm, der durch Erlen zieht“ erzählte Ollo vom Konzert der Ramones, das vor Jahrzehnten just hier in der Europahalle stattgefunden hatte und zu dem die Brüder unbedingt herkommen wollten. Mit ÖPNV war man damals wie heute nicht gesegnet, also lieh man sich das Auto der Eltern und kurvte ohne Führerschein von Gimbweiler nach Trier. Ob sich die Anekdote wirklich so zugetragen hat? Keine Ahnung. Aber auf jeden Fall wäre sie Stoff für ein kultiges Roadmovie.
Im Zugabenblock gab es mit „Nach Hause“ einen Song fürs ExHaus. Ollo fand melancholische Worte: „Für alle, die im ExHaus groß geworden sind und alle, die nicht im ExHaus groß werden konnten“. Es ist eine Schande für Trier, dass dieses so wichtige Jugendkulturzentrum im Dornröschenschlaf liegt und regelrecht verwaist. Dass aber auch die Europahalle den (Konzert-)Geist vom ExHaus atmen kann, zeigten die Zuschauer*innen im wildesten Circle Pit des Abends. Ergänzend gab es „Daniel & Hermes“ als Hommage an alle Kulturschaffenden, die so viele Hindernisse überwinden müssen. „True love will find you“, heißt das Mantra aus dem Song, das vielen nach dem Konzert im Ohr geblieben ist.
Schluss war nach knapp 95 Minuten und 25 Songs. Punkkonzerte sind nicht episch lang, aber prägnant, solide und auf den Punkt. PASCOW haben zum Tourabschluss ein grandioses Statement abgeben, das lange in Erinnerung bleiben wird. Jetzt geht es in ein wohlverdientes Sabbatjahr nach fast zwei Jahren Dauer-Touren. Aber es bleibt zu hoffen, dass die Zeit für ein achtes Album genutzt wird. Deutschland braucht Bands wie PASCOW (und Kettcar und Love A und Turbostaat und die Beatsteaks) zur Zeit mehr denn je!
(Alle Fotos von Simon Engelbert, PHOTOGROOVE)
Setlist PASCOW, Europahalle Trier am 26.10.204
Silberblick & Scherenhände
Toulousi
Jade
Königreiche im Winter
Monde
Diene der Party
Die Realität ist schuld, dass ich so bin
Wenn Mila schläft
Himmelhunde
Herz
Tom Blankenship
Merkel-Jugend
Im Raumanzug
Marie
Mailand
Spraypaint the Walls
Kriegerin
Wunderkind
Sturm, der durch Erlen zieht
Gottes Werk und Teufels Beitrag
Mond über Moskau
Too doof too fuck
Nach Hause
Daniel & Hermes
Trampen nach Norden
Gestern hatten PASCOW ihr „Heimspiel“ in der Europahalle Trier. Hier seht ihr unsere Fotogalerie.
Fotos: Simon Engelbert, PHOTOGROOVE
Es war ein recht nostalgischer Abend im Trierer Brunnenhof, direkt neben der altehrwürdigen Porta Nigra. KETTCAR waren endlich mal wieder in Trier und schwelgten (wie vermutlich viele Fans) in Erinnerungen ans Exhaus. Das Jugend- und Kulturzentrum wurde 2019 geschlossen und harrt seitdem vergeblich der längst fälligen Sanierung. Ob wirklich was draus wird? Man darf seine Zweifel haben, wenn man sich die marode Finanzsituation der ältesten Stadt Deutschlands anschaut.
Mit Blick aufs Publikum am 28. August waren da viele Menschen anwesend, die in den Jahrzehnten zuvor regelmäßig das Exhaus bevölkert und sicherlich ihre ganz eigene Geschichte mit Bands wie KETTCAR mitgebracht haben. Und es hatte viel Wahres, wenn Marcus Wiebusch rückblickend sagte, dass die Auftritte im Exhaus – beispielsweise ihr drittes Konzert ever als Support von TOMTE – Meilensteine in der Karriere der Band gewesen sind. Das ging den Anwesenden natürlich runter wie Öl und schaffte ein Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Hamburg und Trier.
Marcus und Reimer waren in bester Erzähllaune und kabbelten sich von Beginn an mit ihren Ansagen wie ein altes Ehepaar. Start war bereits um 20 Uhr ohne Vorgruppe, das die Location in der Altstadt ein Ende für 22 Uhr vorschrieb. Diese zwei Stunden wurden aber perfekt genutzt. Für Musik – aber auch, um über den Mut der Stadt zu staunen, im Wohnhaus von Karl Marx einen 1-Euro-Shop zuzulassen. Da der Brunnenhof auch in Rufweite der Karl-Marx-Statue liegt, wird der alte Herr sicher ein wenig über diese Bemerkung geschmunzelt haben.
Wiebusch erzählte gern von seiner Mama und ihrem vermeintlichen Einfluss auf die Band. Ihr wart lange nicht in Trier? Man hat euch nicht gefragt? Dann wart ihr vermutlich nicht gut genug. „Klarheit vor Harmonie“ benannte Marcus das Familienmotto. Und als es um den Song „München“ ging, wurde nochmal die Mutter herangezogen. Sollen wir so politisch werden? Ja, seid der Sand im Getriebe der Welt!
Ich liebe die fantastischen Ansagen. Mal voll skurriler Geschichten, wenn Marcus vom Proberaum unterm Swingerclub erzählt und wie er sich manchmal vorgestellt hat, dort „Balu“ auf der Minibühne zu singen, oder melancholisch, wenn es zu „Landungsbrücken raus“ immer wieder heißt: „In Städten mit Häfen haben die Menschen noch Hoffnung“. Ja, alte Hansestadt – bewahre dir diese Hoffnung.
Was die Setlist angeht, will ich gerne auf meinen Bericht zum Konzert in Saarbrücken hinweisen. Das ist gerade mal vier Monate her und auch damals stand das aktuelle Album „Gute Laune ungerecht verteilt“ im Mittelpunkt. Lest HIER die komplette Review.
Kaum eine Band schafft es, über Jahrzehnte textlich so scharf und tiefgründig zu bleiben wie KETTCAR. Oft kommen mir deren Album wie eine Sammlung von Sinnsprüchen vor, ohne dabei irgendwie platt zu wirken. Darum hier jetzt mal eine etwas andere Setlist zum Konzert am 28.8.2024 im Brunnenhof Trier mit mir ganz subjektiv wichtigen Textzeilen wiedergeben:
Es gibt keine coole Lösung, wenn man selber das Problem ist (Auch für mich 6. Stunde)
Nicht schlafen bevor wir hier heute Nacht das Meer sehen (Benzin und Kartoffelchips)
Guten Morgen, Liebe meines Lebens (Rettung)
Und da sah ich das Heer der leeren Flaschen auf dem Balkon verteilt (Balkon gegenüber)
Nein, Werk und Autor bleiben jetzt mal schön beisammen (Kanye in Bayreuth)
Du gehst tränenreich in eine höhere Liga (48 Stunden)
Mein Herz ist ein totgeschlagenes Robbenbaby (München)
Er nahm seinen alten Ford Granada und ward nie mehr gesehen (Sommer ’89)
Frieden ist wenn alle gleich sind (Balu)
Du weißt nicht wie das ist, wenn man immer eine Maske trägt (Der Tag wird kommen)
Zeig mir einen dem das egal ist und ich zeig euch einen Lügner (Money Left to Burn)
Zu erkennen, dass man glücklich ist, ist Kunst (Anders als gedacht)
Lieber peinlich als authentisch (Kein Außen mehr)
Wie aus romantischen Komödien entsprungen (Ankunftshalle)
In deinem ausgesuchten Leben, vollgestopft mit Privilegien (Ein Brief meines 20-jährigen Ichs)
Es ist auch nur die Angst, die bellt, wenn ein Königreich zerfällt (Im Taxi weinen)
Ein letztes mal winken und raus (Landungsbrücken raus)
Und nicht alle in Hamburg woll’n zu König der Löwen (Einkaufen in Zeiten des Krieges)
So lang die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zu Ende (Ich danke der Academy)
Nur weil man sich so dran gewöhnt hat, ist es nicht normal (Deiche)
Und am besten auf dich reimt sich immer noch mich (Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt)
Jan Delay mit Disko No. 1 am 21./22. Juni 2024 bei „Porta hoch drei“ vor der Porta Nigra in Trier – Fotos: Simon Engelbert, Photogroove
Florian Künstler und Max Giesinger am 20. Juni 2024 bei „Porta hoch drei“ vor der Porta Nigra in Trier – Fotos: Simon Engelbert, Photogroove
Tom Gaebel und Joja Wendt am 19. Juni 2024 bei „Porta hoch drei“ vor der Porta Nigra in Trier – Fotos: Simon Engelbert, Photogroove