Kultsänger spricht in Monheim über den ESC, fehlende Eigenständigkeit und seine Ideen für den Wettbewerb
Der Eurovision Song Contest polarisiert seit Jahrzehnten – und kaum ein deutscher Künstler steht so sehr für die schillernde, unberechenbare Seite des Wettbewerbs wie Guildo Horn. Mit „Guildo hat euch lieb!“ landete der Musiker 1998 nicht nur auf Platz sieben beim ESC in Birmingham, sondern wurde endgültig zur Kultfigur einer Veranstaltung, die zwischen Musik, Pathos und Popkultur bis heute Millionen Menschen fasziniert.
Quelle: Merkur Spielbanken
Bei der Gameshow-Talkreihe „Hab‘ ich nicht gesagt!?“ in der Merkur Spielbank Monheim (NRW) sprach Horn als Star-Gast jetzt ausführlich über seine Sicht auf den heutigen Eurovision Song Contest und fand dabei klare Worte zum aktuellen deutschen Beitrag.
Sängerin Sarah Engels bezeichnete Horn zwar als „wahnsinnig gute Interpretin“, kritisierte jedoch Song und Inszenierung des diesjährigen deutschen ESC-Auftritts deutlich. Ihm fehle vor allem die Eigenständigkeit. „Das sieht aus wie Shakira und ist einfach irgendeine Kopie“, erklärte der Musiker auf der Bühne. Gerade beim Eurovision Song Contest brauche es Künstlerinnen und Künstler mit Wiedererkennungswert und Haltung statt austauschbarer Inszenierungen.
Quelle: Merkur Spielbanken
Damit sprach Horn einen Punkt an, der die ESC-Debatte seit Jahren begleitet. Zwischen internationalen Popstandards, perfekt kalkulierten Choreografien und immer aufwendigeren Bühnenshows stellt sich zunehmend die Frage, wie viel Individualität im Wettbewerb überhaupt noch Platz hat. Der Sänger machte deutlich, dass ihn weniger die geplante Perfektion interessiert als die
Geschichte hinter einem Act.
Guildo Horns Traum vom ESC
Besonders emotional wurde es, als Horn über Inklusion in der Musik sprach. Würde er heute selbst einen deutschen ESC-Beitrag auswählen dürfen, wäre seine Entscheidung eindeutig: „Wenn ich verantwortlich wäre und dürfte für unser Land einen ESC-Act hinschicken – dann wäre es definitiv eine inklusive Band mit Behinderten. So ein ganz bunter Haufen. Wo jeder denken würde: ‚Wow, so etwas gab es noch nicht. Das hier fegt alles weg‘“, sagte Horn im Merkur-Talk.
Quelle: Merkur Spielbanken
Für den Musiker wäre ein solcher Auftritt weit mehr als nur Unterhaltung. Im Gegenteil: „Alles, was beim ESC stattfindet, muss ein Thema in sich tragen“, erklärte Horn. „Wenn eine junge Dame, die gut aussieht, im Lederrock durch die Gegend springt, dann ist das kein Thema.“
Eine inklusive Band dagegen würde Diskussionen auslösen und Menschen emotional erreichen. „Dann hast du ein Thema: Was ist Inklusion? Was sind das für Menschen? Das beschäftigt einen. Darüber wird geredet“, sagte Horn unter dem Applaus des Publikums in der Merkur Spielbank Monheim. „Und jeder unterhält sich, und jeder fiebert mit. Das ist doch eine ganz andere emotionale Bindung zu so einem Act.“
Quelle: Merkur Spielbanken
Ganz neu ist diese Idee für Horn nicht. Bereits vor einigen Jahren engagierte er sich als Pate einer inklusiven Band aus Hamburg, die sich für den deutschen ESC-Vorentscheid bewerben wollte. Laut Horn stieß das Projekt damals allerdings auf wenig Interesse bei den damaligen Verantwortlichen beim NDR.
Wer vor 17 Jahren Guildo Horns Autobiografie „Doppel-Ich“ gelesen hat, konnte einen ganz anderen Menschen kennen lernen als den Schlagerfuzzi, der Ende der 90er Jahre gemeinsam mit Stefan Raab Schwung in die eingefahrenen ESC-Pfade gebracht hatte. Mir ist Guildo schon seit meinem Zivildienst bei der Lebenshilfe ein Begriff. Da kamen nämlich die Betreuten eines Tages zurück ins Wohnheim und meinten „Unser Musiklehrer ist heute Abend im Fernsehen“. Wir versammelten uns also zu vorgerückter Stunde vor „Schreinemakers live“ und wurden Zeuge, wie Guildo als Wiedergeburt von Roy Black die sonst so wortgewandte Moderatorin sprachlos machte. Seitdem bin ich Fan und besuche natürlich jedes Jahr das Weihnachtskonzert in Trier. Ehrensache!
Jetzt also ein Hörbuch zu besagter Biografie, das der Autor selbst einliest. Allein das ist es schon wert, die gut sieben Stunden der Lesung anzuhören. Guildo (bürgerlich Horst Köhler) erzählt davon, wie er zur Musik kam und vor allem, wie er seine besondere Nähe zu Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung entdeckte. Man kann ohne Umschweife nachvollziehen, wie deren Direktheit und Offenheit den Musiker mit diesen so besonderen Menschen verbanden und zu einer großen authentischen Zuneigung führten.
Guildo Horn ist nicht nur derjenige, der die Nussecke zu einem ungeahnten Bekanntheitsgrad brachte und den deutschen Schlager Mitte der 90er-Jahre aus seiner Totenstarre befreite. Er hat sich ebenso der Arbeit mit geistig behinderten Menschen verschrieben und auch auf den Höhepunkten seiner Karriere nie davon abgelassen. „Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust“, möchte man meinen. Diese jedenfalls liefern ausreichend Stoff für eine außergewöhnliche und faszinierende Biographie.
Wer sonst als Guildo Horn selbst könnte davon erzählen, wie ihn die Arbeit mit behinderten Menschen geprägt hat und welche Erfahrungen daraus resultieren? Wer sonst könnte so respektlos über das Erwachsenwerden, das Sich-selbst-Finden und den Starrummel fabulieren wie der „Meister“ selbst? Guildo Horns Blick zurück und hinter die Kulissen des Showbiz bietet dem Leser eine Vielzahl erhellender bis entblößender Einblicke in ein Leben voller Tatendrang – absolut authentisch, herrlich vorwitzig und extrem selbstironisch. Eben typisch Guildo Horn.
„Die Guildomacher“ entstand damals aus einer Auftragsarbeit des Gütersloher Verlagshauses, inspiriert durch Guildo Horns Talkshow „Guildo und seine Gäste“. In der zweifach für den Grimme Preis nominierten TV-Sendung sprach Horn mit geistig und mehrfach behinderten Erwachsenen über alle möglichen und unmöglichen Themen des Lebens. Über Liebe, Kriege, Fußball, Ängste und Stärken. Stets auf Augenhöhe, mit der gebührenden Ernsthaftigkeit und vor allem mit viel, viel Humor! Sein unverwechselbarer Zugang zur Inklusion und Behindertenarbeit machte ihn, der vor seiner Künstler-Karriere mehrere Jahre als Musiklehrer bei der Lebenshilfe e.V. gearbeitet hatte, zu einer prägenden Stimme in der gesellschaftlichen Debatte. Für sein Engagement wurde er mit dem Bobby der Lebenshilfe e.V. ausgezeichnet wurde. Dieses Buch ist die Lebensgeschichte von einem, der auszog sein Herz zu öffnen. Es ist eine höchst persönliche Erzählung über Individualität und die Kraft der Menschlichkeit.
Mit unerschöpflicher Hingabe und Ehrlichkeit hat Guildo Horn jeden Satz und jedes Komma aus den Tiefen seiner Erinnerungen geschöpft. Dabei führt er seine Hörerschaft selbst durch die geheimsten Episoden seiner Vergangenheit – brettehrlich, witzig und manchmal auch erschütternd. Er selbst verspricht: „Seid euch gewiss: Alles Erzählte ist genauso geschehen, wie ich es erzähle. Und nachher wisst ihr definitiv, mit wem ihr es bei mir zu tun habt!“ Das Buch ist eine Hommage an diejenigen, die ihm prägend zur Seite standen. Er nennt sie “Die Guildomacher“ – Menschen mit geistigen Behinderungen, die ihn inspirierten und zu demjenigen werden ließen, der er heute ist. „Ohne meine Zeit in der Werkstätte für Behinderte würde es den Guildo so nicht geben!“
Doch warum ein Comeback als Hörbuch nach so vielen Jahren? Guildo Horn sieht die gesellschaftliche Entwicklung im Umgang mit behinderten Menschen kritisch. „Es scheint mir, dass wir vor sechzehn Jahren beim Thema Integration und Inklusion weitaus offener waren als heute. Behinderte Menschen werden wieder häufiger als Belastung statt als Bereicherung wahrgenommen. Das schmerzt und es ist auch falsch so! Wenn heute selbst ein neugewählter amerikanischer Präsident, der Hüter der westlichen Welt, nach einer schrecklichen Flugzeugkatastrophe, Menschen mit Behinderung und deren Förderung als mögliche Unfallursache nennt, wenn dann auch hierzulande aus einschlägigen Kreisen behinderte Menschen wieder zunehmend als Belastung und nicht auch als gleichberechtigter Teil unsere Gemeinschaft gesehen werden, ist es an der Zeit für mich, wieder in den Ring zu steigen!“
Dem will ich als selbst in der Behindertenarbeit tätiger Sozialpädagoge gar nichts mehr hinzufügen: Lest das Buch, hört das Hörbuch, besucht Guildos Konzerte, lernt Menschen mit Beeinträchtigung in eurer Umgebung kennen, demonstriert eure Unterstützung – wir brauchen Inklusion und Diversität in allen Bereichen des Lebens!
Die Hamburger Darkrocker Lord of the Lost werden uns beim ESC vertreten. Für ein Land, dass sich bisher eher mit stilvollen Singer/Songwriter-Balladen und gelegentlichen Ausflügen in den Comedy-Bereich hervorgetan hat, ist das schon fast sensationell. Zugleich ist der Aufschrei in der Community mal wieder groß und das negative Abschneiden wird quasi in vorauseilendem Gehorsam herbei geredet. Ob den Bedenkenträgern die Teilnahme von Ikke Hüftgold lieber gewesen wäre? Ohne das Zusammenwirken von Jury- und Zuschauervoting hätte das nämlich durchaus blühen können.
Dass man auch mit Hardrock-Klängen den ESC gewinnen kann, haben Lordi und Måneskin in den letzten Jahren anschaulich bewiesen. Und noch mehr: Måneskin sind mit diesem Schachzug zur weltweit gefeierten Nummer 1 unter den Metal-Newcomern geworden. Ausverkaufte Hallen, wo sie ihr Kommen ankündigen. Es wird gerockt, was das Zeug hält, wobei der exzentrische Fronter Damiano David ganz im Mittelpunkt steht und seine Show gekonnt zelebriert. Und auch das Auftreten von Victoria De Angelis am Bass ist nicht zu verachten. Mit den beiden bekommt die Band ordentlich Drive.
Måneskin wurden erstmals bekannt, als sie beim Castingformat X-Factor in Italien dabei waren. Die Bandmitglieder sind allesamt um die Jahrtausendwende geboren. Also eine recht junge Millennial-Truppe. Bassistin Victoria stammt aus Dänemark, daher wählte man den ungewöhnlichen Namen Måneskin, das dänische Wort für Mondschein. Ihre Musik ist ist roh, zeitgemäß und mit einem hart und schnell gespielten Sound. Die Band bietet vor allem schwermütige Rocksongs, die Damiano David mit viel Pathos vorträgt. Da finden sich schöne Rockballaden, melodische Stücke, aber auch Hardrock und treibender Metal
Das hauptsächlich von Fabrizio Ferraguzzo und Max Martin produzierte dritte Album „Rush!“ wurde in L.A., Italien und Tokio aufgenommen und enthält einige bereits veröffentlichten Singles: Dazu gehören der Track „Supermodel“ – mit seinem typisch kalifornischen Sound und ansteckenden modernen Rock-Grooves –, das unglaubliche „Mammamia“ und natürlich auch das Stück „The Loneliest“, eine Ode an klassische Rockballaden der alten Schule, die mit einem röhrenden Gesang und elektrisierenden, in eleganter Zartheit durchdrungenen Gitarrensoli daherkommen.
„Rush!“ bietet eine Reihe großartiger und energischer Songs mit enorm viel Glamour und einer ordentlichen Portion Pop-Attitüde. Das mag nicht jedem Hardrocker gefallen, doch es macht das Besondere an dieser exzentrischen Band aus. Und live sind Måneskin eine Wucht – das beweisen sie momentan auf ihrer weitestgehend ausverkauften Europatournee.
LOUD KIDS 2023
6. März 2023 – Berlin, Deutschland – Mercedes Benz Arena AUSVERKAUFT
10. März 2023 – Köln, Deutschland – Lanxess Arena AUSVERKAUFT
13. März 2023 – Paris, Frankreich – Accor Arena (vorher: Zenith) AUSVERKAUFT
16. März 2023 – Bologna, Italien – Unipol Arena AUSVERKAUFT
17. März 2023 – Bologna, Italien – Unipol Arena AUSVERKAUFT
20. März 2023 – Florenz, Italien – Nelson Mandela Forum AUSVERKAUFT
21. März 2023 – Florenz, Italien – Nelson Mandela Forum AUSVERKAUFT
24. März 2023 – Rom, Italien – Palazzo dello Sport AUSVERKAUFT
25. März 2023 – Rom, Italien – Palazzo dello Sport AUSVERKAUFT
28. März 2023 – Neapel, Italien – Palapartenope AUSVERKAUFT
29. März 2023 – Neapel, Italien – Palapartenope AUSVERKAUFT
31. März 2023 – Bari, Italien – Palaflorio AUSVERKAUFT
3. April 2023 – Mailand, Italien – Mediolanum Forum AUSVERKAUFT
4. April 2023 – Mailand, Italien – Mediolanum Forum AUSVERKAUFT
6. April 2023 – Mailand, Italien – Mediolanum Forum AUSVERKAUFT
11. April 2023 – Barcelona, Spanien – Palau Saint Jordi AUSVERKAUFT
26. April 2023 – Zürich, Schweiz – Indoor Stadium (vorher: Halle 622) AUSVERKAUFT
28. April 2023 – Wien, Österreich – Wiener Stadthalle AUSVERKAUFT
30. April 2023 – Esch-sur-Alzette, Luxemburg – Rockhal AUSVERKAUFT
2. Mai 2023 – Kopenhagen, Dänemark – The Royal Arena
5. Mai 2023 – Mailand, Italien – Mediolanum Forum AUSVERKAUFT
8. Mai 2023 – London, UK – The O2 Arena (vorher: O2 Academy Brixton) AUSVERKAUFT
12. Mai 2023 – Warschau, Polen – Torwar Hall AUSVERKAUFT
14. Mai 2023 – Prag, Tschechische Republik – O2 Arena (vorher: Malá Sportovní Hala)
16. Mai 2023 – Budapest, Ungarn – Budapest Arena (vorher: Barba Negra)
18. Mai 2023 – Riga, Litauen – Arena Riga
19. Mai 2023 – Tallinn, Estland – Saku Suurhall AUSVERKAUFT
Rosa Linn ist auf dem Weg Armeniens erfolgreichste Künstlerin zu werden. Sie vertrat Armenien beim Eurovision Song Contest 2022 und belegte im großen Finale den 20. Platz. Ihr Song „Snap“ wurde daraufhin schnell zum Fanfavoriten. Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung ging „Snap“ viral und wurde der am meisten gestreamte Song des Contests. Bis Mitte Juli erreichte der Track über 1,2 Millionen Streams pro Tag auf Spotify. In den Spotify Viral 50 Global Charts steht Rosa Linn aktuell auf Platz 6. Inzwischen chartete „Snap“ in über 15 Ländern. In den Offiziellen Deutschen Singlecharts steht sie mit „Snap“ aktuell auf Platz 16.
Fotocredit: Sony Music
Rosa Linn ist eine 21-jährige Musikerin, Songwriterin und Produzentin aus Vanadzor, Armenien, einer kleinen Stadt mit, wie sie sagt, “strengen, konservativen” Ansichten. Rosa begann im Alter von sechs Jahren mit dem Klavierspiel, doch ihre Erfahrungen als Musikerin waren vor ihrem Engagement bei Nvak, ihrem US Label, größtenteils ein einsames Erlebnis: “Man ist immer auf sich allein gestellt, wenn es darum geht, Auftritte zu bekommen, ein Publikum zu finden, ohne regionale oder globale Möglichkeiten. Ich dachte nicht, dass meine Stimme eine Chance hätte, sich durchzusetzen, aber ich machte weiter, arbeitete hart an meinem Handwerk und gab meinen Traum nicht auf.”
Mit dem Ziel, Armeniens erste globale Musikkünstlerin und erste weibliche Musikproduzentin zu werden, sieht Rosa ein großes Potenzial in Armenien und möchte die Vermutung widerlegen, dass die Musik aus der Region nie gehört wird. Unterstützt von druckvollen Drums und ausgefeilten Synthesizern verleiht Rosa dem Indie-Pop der späten 80er und frühen 90er Jahre eine moderne Note. Sie singt sowohl auf Russisch als auch auf Englisch und beweist damit, dass die Kraft einer guten Geschichte universell ist. Mit ihrer einzigartigen Sicht auf Liebe und Sehnsucht bringt Rosa eine neue Perspektive in die Welt der Popmusik.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Vier Herzenmenschenen haben sich zusammengetan, um ihre Herzensmusik zu spielen und damit ein Herzensprojekt zu unterstützen. Das Konzert fand am 5. August 2022 im Innenhof des “Palais am Balduinsbrunnen” statt. Hier seht ihr unsere Fotogalerie.
Manchmal gibt es Konzerte, die so ganz anders verlaufen, als man sich das vorgestellt hat. So hatte ich keine Idee davon, was mich bei einem Konzert von Roman Lob erwartet. Der Sänger aus Düsseldorf hat vor zehn Jahren Deutschland beim Eurovision Song Contest in Baku vertreten. Damals war er gerade 21, hatte die von Stefan Raab konzipierte Show „Unser Star für Baku“ gewonnen und belegte beim ESC immerhin einen respektablen achten Platz (ja – wir waren nicht immer die Letzten im Wettbewerb).
Roman Lob lebt immer noch am Rhein, ist Sänger der Kölschrockband StadtRand und erwartet just sein zweites Kind, wie wir im Lauf des Abends erfahren durften. Außerdem ist er immer mal wieder musikalisch in der Region Trier unterwegs. Und so kam auch dieser ganz besondere Abend zustande: Vier Herzenmenschenen haben sich zusammengetan, um ihre Herzensmusik zu spielen und damit ein Herzensprojekt zu unterstützen.
Das Konzert fand im Innenhof des „Palais am Balduinsbrunnen“ statt. Der Palais e.V. ist ein Träger der Kinder- und Jugendhilfe und mit dem Erlös der Veranstaltung werden Kinder, Jugendliche und deren Familien in besonderen Notlagen und bei unverschuldeten finanziellen Engpässen unterstützt. So hatten sich zu diesem Benefizkonzert gut 150 Zuschauer im beschaulichen Innenhof inmitten von Trier eingefunden und genossen die atmosphärische Umgebung.
Punkt 20 Uhr ging es los und Keyboarder Marco Lehnertz sowie Schlagzeuger Stefan Schoch nahmen ihre Plätze auf der kleinen Bühne ein. Marco ist bekannt als Keyboarder von Jupiter Jones, StadtRand sowie den Coverbands „Dynamite Funk“ und „We Rock Queen“. Bisher habe ich ihn nur spielen gehört, umso überraschter war ich von seiner Stimme und der Performance des Gregor Meyle-Songs „Niemand“. Vocals in deutscher Sprache stehen dem Eifeler sehr gut und es war ein gelungener Start in einen fantastischen Abend. Drummer und Perkussionist Stefan ist vor allem durch seine Mitwirkung in der Thomas Schwab Band und beim Erfolgskonzept JUST SING bekannt.
Beide hätten den Abend vermutlich locker allein gestalten können, doch natürlich wurde Roman Lob als Star des Abends erwartet und stürmte zu den Klängen seines eigenen Songs „After Tonight“ vom Debütalbum „Changes“ die Bühne. Ein stimmlich brillanter Einstieg, der davon künden sollte, was vom Rest des Abends zu erwarten war. Interessant dabei: Marco und Roman wechselten sich an den Vocals ab und beide waren großartig. Wenn Marco sang, blieb Roman meist on stage und sorgte für Stimmung. Auch das machte ihn ungeheuer sympathisch.
Die Konzeptidee war: Wir gehen zusammen auf die Bühne und interpretieren unsere Lieblingslieder. Einfach und genial! Dabei gab es eine Menge Überraschungen. Marco kam mit einem melancholischen „Fields of Gold“ und dem doch recht unbekannten „Pinguine“ – im Original von Schauspieler Tom Beck. Auch Roman wartete mit spannenden Songs auf: Da gab es das soulige „Immer noch“ des Schweizers Seven und zwei akustisch filigran arrangierte Stücke des Norweger DJs Kygo („Higher Love“) sowie des kanadischen Rappers Drake („Hold On, We’re Going Home“).
Roman erzählte von seiner Nervosität, weil er in den nächsten Tagen zum zweiten Mal Vater wird. Er verteilte Schnaps an einen Zuschauer, weil dieser nicht freiwillig im Konzert war, und probierte sich im Trierer Platt: „Quant, datt dir hei seid“. Auch Marco war zu Späßen aufgelegt und spielte auf Wunsch des Publikums „Wir sagen Danke schön“ der Flippers von seinem Handy ein.
Das war aber ein musikalischer Ausreißer, denn mit „Keine ist wie du“ (wieder von Gregor Meyle) und „Zuhause“ (Fynn Kliemann) legte Roman zwei melancholische Glanzlichter hin, was Marco mit „Schönste Zeit“ von Bosse konterte. Inzwischen war der Trierer Carlos Wagner am Saxophon zur Band gestoßen und verfeinerte die Klänge mit grandiosen melodischen Einlagen. Außerdem tauschte Stefan immer häufiger die Percussion gegen ein Akkordeon, was zu der Anekdote führte, wie seine Eltern ihn früher zum Akkordeon-lernen zwangen. Beide waren anwesend und sonnten sich kurz im Applaus.
Dann war es Zeit für Kölschrock, aber auf die ruhige Art. Von StadtRand sang Roman Lob zunächst die Ballade „Wenn do laachs“, die er für seinen Sohn Jakob geschrieben hat, und dann den ungewöhnlichen Karnevalssong „Hin un widder“, der keineswegs auf Partystimmung ausgelegt ist sondern an die fehlenden Menschen erinnern soll, die uns „von oben zuschauen“. Roman nutze die Gelegenheit, um Werbung für die Weihnachtstour von StadtRand zu machen, die beispielsweise am 16.12. in Bitburg spielen werden.
Weiter ging es mit dem Hit „Save Tonight“, den Marco interpretierte, und einer ganz speziellen Version von „You’ve Got The Love“ (Florence + The Machine) von Roman. Außerdem war es wieder an der Zeit, dass Marco die Zuschauer mit deutschen Songs zum Träumen und Feiern brachte. Es gab „Still“ von Jupiter Jones und dann mit „Ein Kompliment“ der Sportfreunde Stiller einen ausgiebigen Mitsingteil. Das Publikum blieb nur noch selten auf den Sitzen – es wurde getanzt und im großen Chor mitgesungen. Inzwischen kam die Lightshow der Kulturkarawane bestens zur Geltung und man hatte allerorten Kerzen entzündet und elektronische Teelichter aufgestellt. Die Atmosphäre war traumhaft.
Nach kräftigen zwei Stunden Konzertlänge kündigte Roman im Anschluss an Johannes Oerdings „Schön“ seinen ESC-Song „Standing Still“ an, den man auch nach zehn Jahren noch erstaunlich gut im Ohr hat. Als letzte Zugabe gab es wieder einen Oerding-Song, diesmal (für die regionalen Musiker sehr passend) „Heimat“, gesungen von Marco.
Die Zuschauer spürten, dass sie Zeuge eines ganz besonderen und so nicht mehr zu wiederholenden Konzertabends geworden waren und verblieben noch lange bei Wein und Bier in der lauschigen Sommeratmosphäre des Palais. Es war ein Abend fürs Herz und für viele vermutlich unvergesslich. Eine Neuauflage im nächsten Jahr? Auf jeden Fall wünschenswert!
Songliste – Benefiz Sommer Open Air, 5.8.2022
Niemand (Gregor Meyle) – Marco
After Tonight (Roman Lob) – Roman
Fields of Gold (Sting) – Marco
Immer noch (Seven) – Roman
Pinguine (Tom Beck) – Marco
Higher Love (Kygo) – Roman
Hold On, We’re Going Home (Drake) – Roman
Für immer ab jetzt (Johannes Oerding) – Marco
Keine ist wie du (Gregor Meyle) – Roman
Zuhause (Fynn Kliemann) – Roman
Schönste Zeit (Bosse) – Marco
Wenn do laachs (StadtRand) – Roman
Hin un widder (StadtRand) – Roman
Save Tonight (Eagle-Eye Cherry) – Marco
You’ve Got The Love (Florence + the Machine) – Roman
Seit dem deutschen Vorentscheid zum Eurovision Songcontest ist Malik Harris als dem bayrischen Landsberg nicht mehr nur Eingeweihten ein Begriff. Inzwischen bedeutet es ja einen großen und schwierigen Schritt, diesen Weg zum ESC zu gehen und sich einem europäischen Publikum zu präsentieren, das konsequent die deutschen Beiträge ignoriert und auf dem letzten Platz versauern lässt. Dabei ist „Rockstars“ eine großartige Hymne, die es verdient hätte, international mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen. Zudem ist Malik ein sehr sympathischer Mensch und Performer.
Okay – die Nervosität bei der Liveshow war ihm anzumerken und es gab auch kleine Hänger, aber das war bestimmt nicht der Grund für sein schlechtes Abschneiden. Die ungeschriebenen Gesetze der Veranstaltung sehen halt seit einigen Jahrzehnten vor, dass Deutschland (im Normalfall) untergeht. Eine Ausnahme wie Wirbelwind Lena bestätigt die Regel.
Sei’s drum. Maliks Album „Anonymous Colonist“ ist ja vielmehr als eine verwässerte Longversion von „Rockstars“. Es erschien bereits im Jahr 2021 und liegt jetzt in einer „Rockstars Edition“ neu vor. Und schon auf seinem Debüt versprüht er den Optimismus, der ihn als Persönlichkeit auszeichnet.
Malik Harris ist ein Künstler, der für Positivität steht. Für ein lautes Ja zum Leben. Live tritt er gern mit einer Loop-Station auf und kann damit seine Ideen ganz allein und nach eigenen Vorstellungen verwirklichen. So gibt es tanzbaren, mitreißenden Pop, Elektro-Einflüsse, Rap und smarte Vocals. Dabei geht Malik auch schwierige Themen an wie bei „Home“, das von einer schmerzlichen Trennung handelt, und bei „Crawling“, das von demselben Mädchen berichtet und der toxischen Beziehung, in der es nun steckt.
Das Album hat vor allem hymnische Tracks zu bieten wie „Say The Name“ und „Faith“. Zwischendurch wird mit „Bangin‘ On My Drum“ und „Dance“ die Tanzbarkeit betont. Eingängig vermittelt „Time For Wonder“ die Radiotauglichkeit im Wechsel mit Autotunes und einem modernen Rappart. Ganz stark kommt Maliks Stimme aber in „Welcome to the Rumble“ durch.
Wenn man bedenkt, dass Malik die ersten Songs des Albums bereits 2018 veröffentlicht hat, ist es doch recht homogen gehalten Malik Harris beschränkt sich vorerst auf seine Stärken als Multiinstrumentalist und smarter Performer. So sind vor allem Mainstream-Hymnen für den gegenwärtigen Musikgeschmack zu finden. Aber was soll’s? Das Debakel beim ESC hat ihn kaum ausgebremst. Zeit für Experimente ist dann beim zweiten Album des jungen Künstlers.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Am 14. Mai haben KALUSH ORCHESTRA das Finale des Eurovision Song Contest live aus Turin für sich entscheiden können. Mit einer überwältigenden Darbietung ihres Songs „Stefania“, in dem es eigentlich um die Liebe zur eigenen Mutter geht, hat die ukrainische Band ganz Europa für sich gewinnen können.
Der Song ist eine Mischung aus Rap Strophen, Folk Refrain und Hip-Hop Beats und steht für so viel mehr als bloß Musik. Er ist zum Sprachrohr für eine ganze Nation geworden: „Wir sind dankbar für die Unterstützung aller Europäer:innen. Dieser Sieg ist nicht für uns, sondern für alle mutigen Menschen in der Ukraine, die gerade für unsere Freiheit kämpfen. Sie alle haben in diesem Moment gemeinsam mit uns auf der Bühne gestanden und uns Kraft gegeben. Wir werden Europa und den Eurovision Song Contest 2023 in einer neuen und glücklichen Ukraine willkommen heißen.“ – Oleh Psiuk
Unter dem Motto „The Sound of Beauty” haben sich in diesem Jahr beim EUROVISION SONG CONTEST Künstler und Künstlerinnen aus 25 verschiedenen Ländern miteinander gemessen. Jede:r mit dem Ziel die Nummer eins zu sein. Am Ende haben sich Oleh Psiuk, Igor Didenchuk, MC CarpetMan, Tymofii Muzychuk und Vitaliy Duzhyk alias KALUSH ORCHESTRA im PalaOlimpico durchsetzen können.
Das bedeutet bereits den dritten Sieg für die Ukraine, die 2003 in Riga überhaupt zum ersten Mal teilnehmen konnte. 2016 hat sich Jamala mit ihrem Titel „1944“ zuletzt an die Spitze Europas gesungen. Schon vor dem Finale haben Millionen Streams und Klicks „Stefania“ zu einem großen Erfolg gemacht, daher spendet Columbia Germany alle Netto-Erlöse an humanitäre Zwecke, die sich die Band selbst ausgesucht hat.
„Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit KALUSH ORCHESTRA, deren besonderer Sound geprägt ist von stilistischen Brüchen. Beim diesjährigen Eurovision Song Contest haben KALUSH ORCHESTRA, als Vertreter der Ukraine, ihren Song Stefania performt, den Columbia Germany weltweit veröffentlichte. Wir gratulieren KALUSH ORCHESTRA herzlich zum Sieg des 66. Eurovision Song Contest.“ – Alexandra Falken, Vice President Columbia Germany
Das neu veröffentliche Musikvideo zu „Stefania“ wurde in Bucha, Irpin, Borodyanka und Hostomel gedreht, Städte in der Umgebung von Kiev, die unter dem Schrecken der russischen Besatzung gelitten haben. KALUSH ORCHESTRA widmen dieses Video den mutigen Ukrainer:innen – allen Müttern, die ihre Kinder beschützen und allen, die ihr Leben für unseren Frieden gegeben haben. Jedem Mann, jeder Frau, jedem unschuldigen Kind.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Die internationale Rock-Sensation Måneskin meldet sich heute mit ihrer neuen Single „Supermodel“ zurück. Der in Los Angeles geschriebene Track wurde vom gefeierten Produzenten Max Martin (The Weeknd, Coldplay, Lady Gaga) und seinem Team produziert und erscheint kurz nach der Erfolgsmeldung, dass die Band letzte Woche die Schallmauer von 1 Milliarde Streams für ihren Chart-Hit „Beggin'“ durchbrochen hat.
Mit dem kalifornischen Sound und den mitreißenden, angesagten Rock-Grooves ist „Supermodel“ der neueste Geniestreich einer aufstrebenden Band, die ihre ganz eigene, einzigartige Art von Rock’n’Roll entwickelt hat. „Supermodel“ entstand inspiriert von den vielen verschiedenen Charakteren, denen Måneskin während ihrer Zeit in L.A. begegneten.
Die Band erklärt: „Wir haben ‚Supermodel‘ geschrieben, nachdem wir ein paar großartige Monate in L.A. verbracht hatten. Manchmal waren wir überrascht, aber auf eine Art auch fasziniert, wie sehr sich die Menschen dort um die Idee von ‚Berühmtheit‘ und Status bemühten – nahezu besessen von ihrem Aussehen und ihren Beziehungen.“
Und sie fügen hinzu: „Wir erschufen den Charakter eines geheimnisvollen Supermodels – auf den ersten Blick total cool, lustig und gesellig. In Wirklichkeit aber hat sie große Probleme, versucht ihre Traurigkeit und Abhängigkeit zu verbergen. In gewisser Weise liebt man sie, weil sie weiß, wie man sich amüsiert, aber gleichzeitig möchte man sie auch meiden, weil sie einen in Schwierigkeiten bringen könnte.“
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Ein Jahr nach ihrem triumphalen Sieg, der die Band auf Platz 1 der weltweiten Charts katapultierte, werden Måneskin die Veröffentlichung der neuen Single beim Finale des diesjährigen Eurovision Song Contest am 14. Mai feiern, wo sie den Song auch zum allerersten Mal live performen.
Am 31. Oktober wird die Band den Auftakt zu ihrer Welttournee „LOUD KIDS TOUR“ mit einem ausverkauften Konzert in Seattle geben und anschließend in weiteren ausverkauften Städten wie New York, San Francisco, Atlanta und Washington sowie neuerdings auch in Los Angeles auftreten, bevor sie 2023 zu ihrer Europatournee aufbrechen, um in legendären Veranstaltungsorten wie der Londoner O2 Arena, der Accor Arena in Paris und der Berliner Mercedes Benz Arena zu spielen. Alle Tourdaten, Tickets und Informationen unter: www.vivoconcerti.com
Mit einem Sound, der zugleich klassisch wie auch modern ist, bringen Måneskin den Rock’n’Roll zurück an die Spitze der internationalen Charts und machen ihn so absolut salonfähig. Victoria (Bassgitarre), Damiano (Gesang), Thomas (Gitarre) und Ethan (Schlagzeug) begannen ihre Karriere 2015 als Straßenmusiker in Rom und eroberten in nur wenigen Jahren die Welt, indem sie zu einem der beliebtesten Rock-Acts ihrer Generation avancierten.
Bis dato hat die Band mehr als fünf Milliarden Streams auf allen digitalen Plattformen gesammelt – mit ihrer brandneuen Single „Supermodel“ behaupten sich Måneskin ein weiteres Mal eindrucksvoll als eine der spannendsten Rockbands unserer Zeit.
„Germany: 12 Points!“ Um in solchen Erinnerungen schwelgen zu können, muss natürlich Lena Meyer-Landrut aufs Buchcover, die als letzte Teilnehmerin den Sieg für Deutschland mit nach Hause bringen konnte. Zwölf Jahre ist das jetzt schon her. Und noch viel weiter in der Vergangenheit liegt der Sieg von Schlagersängerin Nicole, die 1982 „Ein bißchen Frieden“ schmetterte, was bis heute nicht an Aktualität verloren hat.
Den Wettbewerb gibt es schon seit 1956, wobei er bis zum Jahr 2001 noch den Namen „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ trug. Macht Sinn, denn in der Zeit, als alle Teilnehmer noch in einer der Landessprachen singen mussten, war Französisch am häufigsten zu hören. Inzwischen kann jeder eine beliebige Sprache wählen, was zu solchen Blüten wie Stefan Raabs „Wadde hadde dudde da?“ führte. Die meisten Interpreten wählen allerdings inzwischen Englisch als internationale Sprache der Popmusik. So ist die Umbenennung in „Eurovision Song Contest“ absolut verständlich.
Das Taschenbuch „Eurovision Song Contest: Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ aus dem Klartext Verlag führt auf 120 informativen Seiten sehr kurzweilig durch die Geschichte des ESC. Angefangen mit einem Vorwort von Urgestein Peter Urban, der schon seit 1997 die Show in Deutschland kommentiert. Seit 2013 sitzt Lukas Heinser, der Autor dieses Büchleins, neben ihm in der Sprecherkabine und kann viel Wissenswertes zu den Hintergründen aus Vergangenheit und Gegenwart beitragen. Dieses Wissen teilt er nun anschaulich mit den Lesern.
Da gibt es geschichtliche Kapitel über die EBU (Europäischen Rundfunkunion) als Begründerin des Wettbewerbs und Marcel Bezençon, den „Vater des ESC“, der damals als Generaldirektor beim SRF die Programmkommission der EBU anführte. Der Autor nimmt uns mit zur Premiere 1956 in Lugano, erläutert die sich immer mal wieder ändernden Regeln und wirft mit Daten und Fakten nur so um sich.
Was mir dabei etwas fehlt, ist eine Darstellung statistischer Tabellen, beispielsweise eine Auflistung der Sieger, der deutschen Beiträge mit Punktzahl und weiterem Hintergrundwissen. Aber was soll’s: Diese Infos kann man sich aus dem umfangreichen Wikipedia-Artikel ziehen. Bei Heinser geht es um spannende Anekdoten und Skurrilitäten aus der langen ESC-Geschichte. Udo Jürgens, Vicky Leandros, Katja Ebstein und ABBA sind perfekte Beispiele für die Nachhaltigkeit des Ruhms. Auch Dauerkomponist Ralph Siegel bekommt ein eigenes Kapitel und natürlich Guildo Horn, der 1998 ordentlich Pep in die Veranstaltung brachte.
Selbst die unrühmlichen Teilnehmer mit „Zero Points“ werden prominent aufgelistet – und es wird zumindest ansatzweise erklärt, warum es immer wieder zu solchen Total-Niederlagen kommen kann.
Auf jeden Fall ist das Buch aus dem Klartext-Verlag ein informatives und spannendes Taschenbuch mit viel Hintergrundwissen, das bei Fans und solchen, die es werden wollen, gut die Zeit bis zum 14. Mai vertreiben kann, wenn Malik Harris als deutscher Vertreter sein Glück versucht.
Die 28-jährige Hamburgerin wuchs als Tochter einer Fotografin und eines Musikers auf. Eine ungeplante Schauspielkarriere hängt sie ihrem eigentlichen Traum von der Musik zuliebe mit 19 ohne Zögern an den Nagel: „Ich habe dieses Zirkuspferd-Gen, muss aber nicht immer im Rampenlicht stehen. Songs schreiben war für mich immer das wichtigste.“ Emily Roberts macht feinsten organischen Pop, manchmal mit Vintage-Flavour, immer mit Köpfchen und verpackt in souverän internationalen Sound.
2019 landeten Emily Roberts, Gamper & Dadoni mit „Bittersweet Symphony“ einen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vergoldeten Hit, Emily legte im gleichen Jahr den offiziellen Dschungelcamp-Track In This Together nach. Sie spielte gefeierte Supportshows für Tom Grennan, LEA oder James Blunt, mit dem sie vor ihrer eigenen Clubtour im April erneut auf Arenatour geht.
Mitte September 2021 erschien ihr EP-Debüt 4-Chord-Songs From My Garage beim Sony Music-Label RCA.
Fotocredit: Delia Baum
Der neue Song „Soap“ erzählt vom Wunsch, sich vom ständigen Gedanken an diese eine Person „the one that got away“ und dem Gefühl des „Was wäre wenn?“ freizumachen. Vom Wunsch, sich diese Gedanken und Gefühle einfach mit einem großen Stück Seife aus dem Kopf waschen zu können und nicht mehr darüber nachdenken zu müssen, wie das Leben heute wäre, hätte man damals nicht….
„Soap“ ist ein schonungslos ehrlicher und energiegeladener Rock-Pop-Song, der mithilfe von verzerrten Gitarren das ganze Gefühlschaos in drei Minuten tanzbar macht.
Neben Emily Roberts wurden fünf weitere Acts von den sieben Mitgliedern der ESC-Fachjury für den Vorentscheid ausgewählt. Zum ersten Mal waren die Radio-Popwellen der ARD integraler Bestandteil des Auswahlverfahrens und die Musikchef:innen von SWR 3, Antenne Brandenburg, WDR 2, NDR 2, MDR Jump und Bayern 3 neben Alexandra Wolfslast (Head of Delegation) Teil der Jury. Dazu Frank Beckmann, ARD Unterhaltungskoordinator und NDR Programmdirektor: „Radio, Fernsehen und online – die ganze ARD zieht an einem Strang“ und Torsten Engel, Programmchef NDR 2: „So viel Radio war noch nie beim ESC […]“.
Welcher der Acts für Deutschland zum ESC-Finale nach Turin fährt, entscheidet das Publikum ab dem 28. Februar. Feststehen wird das Ergebnis am großen ARD ESC-Tag, dem 4. März. Alle Dritten Programme zeigen den Vorentscheid mit Barbara Schöneberger live. Das Finale des Eurovision Song Contest findet am 14. Mai in Turin statt. 2021 gewannen Emilys italienische Labelkolleg:innen von Måneskin den internationalen Wettbewerb.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
ela. weiß was sie will. Schon als Kind folgt sie zielstrebig ihrem Weg, der ganz aus Musik gemacht ist – und bekommt dabei nichts geschenkt. Als sie acht ist, zieht ihre polnische Familie aus der Ukraine ins Saarland, ohne dass Elżbieta Steinmetz ein Wort Deutsch spricht. Sie wird ausgegrenzt, aber anstatt sich zurückzuziehen, geht das erstaunliche kleine Mädchen in die Offensive: Sie übt Tag und Nacht Vokabeln und kann nach einem halben Jahr Aufsätze verfassen. „Ich wollte unbedingt, dass die Kinder mich verstehen. Songs zu schreiben hat mir schon damals geholfen, Gefühle zu verarbeiten und an mich zu glauben. Ich habe diesen inneren Antrieb, immer wieder aufzustehen und weiterzumachen.“
Eine unbändige Kraft, die ihr nicht nur zur erfolgreichen Teilnahme am ESC verholfen, sondern sie mittlerweile auch zur festen Größe der Songwriter-Szene gemacht hat, die regelmäßig für Kollegen von Helene Fischer bis Adel Tawil schreibt. „Ich bin lange zwischen dem Saarland und Berlin gependelt und habe extrem viel gearbeitet. 2018 war ich so erschöpft, dass es Monate gedauert hat, bis ich wieder singen konnte – keine leichte Zeit, aber eine in der ich viel gelernt habe.“ Diese Krise, die Widerstände und der endgültige Umzug nach Berlin haben die Deutschpop-Singer/Songwriterin zu einer lässigen Künstlerin mit Köpfchen, Haltung und großer Stimme gemacht, die ihre Erfahrungen 2020 auf ihrem vielseitigen und hochgelobten ersten Solo-Album „Liebe & Krieg“ dokumentiert hat und ihr über 30 Mio. Artist Streams bescherten.
Eine weitere Facette ihrer Bandbreite zeigt ela. jetzt mit ihrer brandneuen Single ZUSAMMEN – einer Kollaboration mit Niko Mohr und Katharina Schwarz (revelle), verfeinert von Produzent Steffen Graef (u.a. Max Giesinger, Stefanie Heinzmann, Madeline Juno). Flankiert von der diesjährigen RTL Sommerevent-Kampagne, widmet sich ela. 2021 – zum ersehnten Ende dieser turbulenten Zeiten – unbeschwerten Pop-Tunes. „Wir haben uns im letzten Jahr alle viel mit uns selbst auseinandergesetzt. Alle waren zuhause, alle waren müde – ich habe irgendwann reflektiert, was mir am meisten durch diese Zeit geholfen hat und das war der Gedanke, dass wir zusammengehalten haben. In der Familie, mit meinen Freunden – auf Distanz, aber durch eine wunderschöne, starke Verbindung.“
Mit dem mitreißenden, farbenfrohen Clip, euphorisch vorausrennenden Beats und hymnischem Chorus bringt ZUSAMMEN die Sache auf den Punkt: Zwei Dominosteine – fällst du um, falle ich mit. Zieh dich hoch, wenn nichts mehr geht: zusammen weiter, Schritt für Schritt. „Ich möchte jetzt einfach für gute Laune sorgen und ganz viel positive Energie verbreiten. ZUSAMMEN soll Spaß machen und ich freue mich unglaublich darauf, ihn mit allen zu teilen und hoffentlich auch bald wieder live abfeiern zu können.“
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Da hat eine Band aus Italien die europäische Musikwelt ordentlich aufgemischt, als sie den Eurovision Song Contest hauptsächlich über die Punktvergabe des Publikums gewann. So viele Rockfans, die dieses altertümliche Schlager-, Chanson- und Glamourfestival verfolgen? Auf jeden Fall eine ebenso starke Leistung wie damals bei Lordi.
Måneskin wurden bekannt, als sie beim Castingformat X-Factor in Italien dabei waren. Die Bandmitglieder sind allesamt um die Jahrtausendwende geboren. Also eine recht junge Millennial-Truppe. Bassistin Victoria De Angelis stammt aus Dänemark, daher wählte man den ungewöhnlichen Namen Måneskin, das dänische Wort für Mondschein.
Die Band um Sänger Damiano David gewann mit dem Song schon beim Sanremo-Festival 2021. Früher wäre es nicht regelkonform gewesen, mit dem gleichen Titel auch beim ESC anzutreten. Man wollte dort Exklusivität. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Måneskin präsentierten mit „Zitti e Buoni“ (auf Deutsch: „Halt die Klappe und benimm dich“) den Song, der unter den Beiträgen des ESC 2021 im Zeitraum zwischen März und Mai der auf Spotify meistgehörte Song der Welt war.
Aufgrund der Einschränkungen im Rahmen der Corona-Pandemie war es der erste Live-Auftritt vor Publikum nach einer langen Pause, doch die merkte man der Performance auf der Bühne der Ahoy-Arena nicht an. Die Band versprühte ihre unwiderstehliche Energie und begeisterte sowohl die ca. 3.500 Menschen in der Arena als auch die Zuschauer an den Bildschirmen.
Ihr Album „Teatro d’Ira – Vol. I“, das live im Studio aufgenommen wurde und bereits 100 Millionen Streams erzielt hat, ist roh, zeitgemäß und mit dem für Måneskin typischen hart und schnell gespielten Stil und Sound. Es bietet vor allem schwermütige Rocksongs, die Damiano David mit viel Pathos vorträgt. Schöne Rockballaden, melodische Stücke, aber auch Hardrock und treibenden Metal wie in „Lividi Sui Gomiti“ und „In Nome Del Padro“. Da wird es laut und aggressiv.
Fast alles wird in italienischer Sprache geboten – von einzelnen Textpassagen und den Songs „I Wanna Be Your Slave“ sowie „For Your Love“ abgesehen. Da kommen die Vocals auf Englisch mit sympathischem Akzent. Doch das Lautmalerische in den übrigen Stücken ist sehr entspannt anzuhören. Alles in allem bieten Måneskin ein sehr kurzweiliges und vielseitiges Rockalbum in knapp 30 Minuten Länge.
Im kommenden Dezember werden Måneskin zum ersten Mal ihr zweites Album im Rahmen einer elf Termine umfassenden Tournee live auf den Bühnen der wichtigsten Arenen Italiens spielen. Binnen kürzester Zeit waren viele der anstehenden Konzerte ausverkauft. Und 2022 kann man Måneskin auch in Deutschland erleben – und zwar bei Rock am Ring und Rock im Park. Die Band dazu: „Wir haben immer davon geträumt auf diesen Bühnen zu spielen. Es ist unglaublich für uns Teil dieses fantastischen Line-Ups zu sein.“
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Andreas Kümmert hat in seiner Karriere schon für einige Schlagzeilen gesorgt, ob als Gewinner der Casting-Show „The Voice of Germany“ oder mit seinem Verzicht auf die Teilnahme am ESC. Aber eigentlich will der bärtige und stimmgewaltige Mann aus Gmünden einfach nur Musik machen – Musik, die ihm selbst gefällt und im besten Fall auch noch viele andere begeistert. Mit seinem komplett in Eigenregie produzierten und unter eigenem Label veröffentlichten aktuellen Album „Harlekin Dreams“ erfüllt sich Andreas Kümmert nun diesen Traum.
Schon die Songs für seine anderen Alben hat Kümmert größtenteils selbst geschrieben, aber „Harlekin Dreams“ ist tatsächlich noch ein Stück persönlicher, ehrlicher und vor allem vielseitiger. Unbelastet von jeglichen Vorgaben und Erwartungen spaziert der Sänger hier durch die verschiedensten Genres. Klingt der Opener „Something In My Heart“ noch sehr nach dem vertrauten Blues, geht es beim folgenden „Milk“ schon ordentlich rockig zu und wird bei „Fukk Up“ noch heftiger. „Funky Slith“ macht seinem Titel alle Ehre und auch „Blue Birds“ verbreitet einen funky Vibe. Mit „Secret“ und „Till I Die“ liefert Kümmert schließlich zwei herzzerreißende Piano-Ballade ab, die beide absolut das Zeug zum Chart-Stürmer hätten. Ähnlich berührend ist auch „Gone“ mit ruhiger Gitarrenbegleitung und dezenten Streichern.
Zum Blues und Soul kehrt der Musiker zwar immer wieder zurück, mit „Evan“ etwa oder „Slow Goose“. Aber insgesamt beeindruckt die neue Bandbreite schon sehr, vor allem angesichts der Tatsache, dass Kümmert fast alle Songs auch komplett selbst eingespielt hat. Lediglich für zwei Stücke holte er sich ein paar Bandkollegen ins Studio, und die Sängerin Pauline Schwerdtfeger unterstützte ihn bei einer tollen akustischen Cover-Version von „Use Somebody“.
Das einzige, was mir bei diesem genauso überraschenden wie überzeugenden Album fehlt, sind die Lyrics im Booklet, die wohl der sparsamen Produktion zum Opfer gefallen sind. Mir persönlich sind die Songtexte immer sehr wichtig – zuverlässig raushören und verstehen konnte ich sie hier leider nicht, weshalb ich mir auch keine Aussagen über die inhaltliche Dimension von „Harlekin Dreams“ erlaubt habe. Ansonsten kann ich Andreas Kümmerts neues Werk allen vielseitig interessierten Musikfans aber nur empfehlen!
Das war schon eine unrühmliche Geschichte, als Sängerin Ann Sophie im Jahr 2015 als Ersatz für Andreas Kümmert beim ESC antrat und null Punkte für Deutschland einfuhr. Dafür musste sie viel Häme einstecken – doch eigentlich hätte man ihr Respekt zollen müssen. Es war wirklich keine einfache Situation. Und dennoch ist sie ihren Weg unbeirrt weiter gegangen und kommt jetzt mit einer EP und fünf neuen Songs um die Ecke.
Die fünf in Leipzig aufgenommenen Popsongs schrieb Ann Sophie in den letzten Jahren und führte diese zum Teil bereits live auf. Musikalisch eröffnen Synthesizerklänge und Piano eine Gefühlswelt, in der die Texte ungestört ihre Wirkung entfalten können. Sympathisch besingt die 29-Jährige persönliche Themen: Fehlschläge, Irrwege, den Verlust ihres geliebten Vaters.
Doch keineswegs ist die Stimmung von „VOID!“ eine negative, auch wenn der Albumtitel eine innere Leere ausdrückt. Ernste Themen haben hier eine positive Energie die, zusammen mit Ann Sophies einzigartigem starken Willen, das Wiederaufstehen, das Kämpfens für die eigenen Träume ganz einfach erscheinen lässt.
Zusammen mit der Produzentin Bibi Vongehr und dem Hamburger Pianisten Florian Jakob erschuf sie eine Klangwelt, die heilsam und energetisch ist, zum Spüren einlädt und sich für die Hamburgerin hundertprozentig richtig anfühlt. Auch Beats und Bass durften für die Musicaldarstellerin, die zur Zeit bei „Paramour“, dem Cirque Du Soleil Musical in Hamburg, die Hauptrolle der Indigo spielt, nicht fehlen. Denn sie liebt bewegungsvolle Musik und das Tanzen – wie ihr neues Video zur ersten Single „Tornado“ zeigt.
Es sind fünf kraftvolle Lieder in englischer Sprache. Nicht so vielfältig, wie ihre ersten Alben, aber getragen von ausdrucksstarkem Gesang und schönen Melodien.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Deutschland neigt ja seit Jahren dazu, seinen ESC-Teilnehmer bereits im Vorfeld in Grund und Boden zu kritisieren. Zu jung, zu abgehoben, zu bekannt, zu politisch, zu spaßig, zu abgekupfert – egal. Neider gibt es an allen Ecken. Dabei sind im Vorfeld des Contest schon viele neue Talente entdeckt worden. Und Levina hat definitiv Zukunftspotential. Die in Bonn geborene und in Chemnitz aufgewachsene Sängerin kam quasi wie Phönix aus der Asche des kaputt geredeten Vorentscheids und nahm mit riesigem Charme die Herzen der Zuschauer ein. Wenn man jetzt auf Facebook ihre Sympathie-Reise durch die europäischen Teilnehmerstaaten verfolgt, kann man nur Staunen, wie frisch und fröhlich sie sich dem Publikum präsentiert und mit wieviel Herzblut sie Deutschland vertritt.
Schön, dass noch vor dem ESC ihr Debütalbum erscheint – mit zwölf starken, energischen Songs, die zeigen, dass Levina das Zeug zum nachhaltigen Star hat und nicht nur wie ein Strohfeuer aufleuchtet. immerhin ist die 25jährige Isabella Lueen (so heißt sie bürgerlich) Vollprofi, gewann bereits in jungen Jahren bei „Jugend musiziert“, hat in London Gesang sowie Komposition studiert und wurde dort am King’s College, wo sie Bandleaderin von Miss Terry Blue war, als „Best Vocal Performer“ ausgezeichnet. Mit Recht!
Levina wirkt sehr nordisch, bisweilen gar britisch, überzeugt aber zudem mit einer rauchigen Stimme. Ihre Vocals bieten viele Facetten und sie zeigt unbestreitbare Songwriter-Qualitäten.
Fangen wir trotzdem mal mit den beiden Auswahlsongs für den ESC an. Mir persönlich hätte das von Marit Larsen mit verfasste „Wildfire“ zwar besser gefallen, doch die Eurodance-Anleihen von „Perfect Life“ machen bei diesem Wettbewerb sicher Sinn und vielleicht war dies tatsächlich die bessere Wahl – wenn der Stil auch an David Guetta erinnert. Klaro. Aber das Team aus den US-amerikanischen Songwritern Lindsey Ray, Dave Bassette und Lindy Robbins hat Guetta nicht kopiert, sondern sich der gleichen stilistischen Elemente bedient. Macht Sinn, wenn man in Europa derzeit erfolgreich sein will.
Interessanter finde ich aber die übrigen zehn Stücke, an denen Levina in vielen Fällen mit geschrieben, komponiert und getextet hat. „Nothing At All“ hat sie komplett allein geschrieben. Der Song, der auf den zweiten Blick auch eine politische Message hat, war schon vor der Produktion des Albums „Unexpected“ fertig. „In dem Lied geht es um Fremdenfeindlichkeit und darum, dass man nachdenken sollte, bevor man sein eigenes Leid auf andere projiziert. Dass man manchmal vielleicht lieber nichts sagen sollte, bevor man etwas Dummes sagt.“ Ähnlich entschlossen und besonders klingen auch Tracks wie „Echo“, „Ordinary People“ oder „Nothing More Beautiful“. Das sind alles Songs, die eine angemessene Visitenkarte für ein brillantes Album abgeben, das von einer jungen Musikerin kommt, die weiß was sie tut, ihre Meinung vertritt, ohne sie als Selbstzweck vor sich herzutragen, und für die Empowerment kein bloßer Hashtag ist.
Am Anfang steht „The Current“ mit einprägsamem Refrain. Und auch „Love Me All The Time“ geht sofort ins Ohr. „Courage To Say Goodbye“ ist eine wundervolle und traurige Ballade, während „One In A Million“ als düsterer Bond-Song durchgehen könnte.
Das ganze Album zeigt, dass Levina gewiss keine Verlegenheitslösung für den diesjährigen ESC darstellt. Stattdessen sehen und hören wir hier eine sympathische und reife Künstlerin, die sich unaufgeregt durch die Medienlandschaft bewegt und selbstbewusst in die großen Fußstapfen dieses Fernsehereignisses tritt. Bleibt zu hoffen, dass Qualität sich durchsetzt. Sie wird den Wettbewerb vermutlich nicht gewinnen – doch selbst wenn sie auf den hinteren Plätzen landet (die Deutschland seit der Vergrößerung des Teilnehmerfeldes weitestgehend gepachtet hat), wäre es schön, wenn sich ihr Talent durchsetzt. Ein „unerwartet“ gutes Album!