BROILERS 2026: Düsseldorf liegt am Bostalsee
Die Open Airs am Bostalsee nahe Bosen (Kreis St. Wendel) standen in diesem Jahr ganz im Zeichen der NRW-Metropole Düsseldorf. Popp Concerts als örtliche Veranstalter hatten der großen Festwiese am vorhergehenden Wochenende schon zwei ausverkaufte Konzerte der Toten Hosen beschert – und jetzt waren die BROILERS dran. Gut 10.000 Fans der Punkband hatten sich auf den Weg ins Saarland gemacht, um Sammy Amara und seine Bandkolleg*innen abzufeiern. Und es war eine große Sause mit allen Schikanen.
Den Anfang machten aber Swiss und die Andern aus St. Pauli. Die Band um Frontmann Swiss spielte schnellen Punk mit Crossover-Versatzstücken und einer Prise HipHop. Zur Einstimmung perfekt, auch wenn der Sänger zunächst durch gepflegtes Unwissen auffiel und sich einige Buh-Rufe einfing, als er fragte, ob man sich denn nun „im Rheinland oder im Saarland“ befinde.

Das konnte er aber schnell wieder durch eine rasante Show wettmachen. Mit Circle Pits und Wall of Death war die Menge für einen Supportact erstaunlich energisch zugange. Songs wie „Punk ist tot“ und „Punk zurück“ sorgten für eine gepflegte Standortbestimmung mit antifaschistischer Haltung. Gern nennt die Band ihre Musik „Zeckenrap“ und macht keinen Hehl aus der politischen Haltung von „Nazis raus“ bis „Fick die AfD“.

Doch auch der Spaß kam nicht zu kurz. Zwei Mädels wurden im Schlauchboot auf Händen getragen und das Publikum musste ein Meer spielen, während allerlei Crowdsurfer als Haie dazwischen funkten. So vergingen 40 Minuten Konzertlänge auf kurzweilige Art und spätestens das Ärzte-Cover „Schrei nach Liebe“ brachte die komplette Menge zum Mitsingen. Eine rundum formidable Show!

Die Broilers starteten dann um 20.45 Uhr mit „Preludio Vanitas“ und „Zurück zum Beton“. Man war krass gut drauf und freute sich über den Gig im Saarland. Sammy rekapitulierte den Karriereweg von der Garage in Saarbrücken bis zu diesem großen Open Air. Und er lieferte nicht nur klare Ansagen mit linker Haltung, sondern wies auch versöhnlich auf die Gleichheit aller Menschen hin, egal welche Hautfarbe oder Religion sie haben und egal wen sie lieben.

Zu „Diktatur der Lerchen“ gab es die beliebte Frühaufsteher-Umfrage, bei der wie immer die Nachteulen gewannen. Das Partyvolk feiert abends – und trotzdem muss man früh aufstehen, um den Rechten nicht das Feld zu überlassen. Während „Alice und Sarah“ flackerten Bilder der rechtspopulistischen Politikerin über den Bildschirm – mit dem deutlichen Motto „Lebe so, dass die AfD etwas dagegen hat!“

Der Set war vielseitig von Punk über Balladen und Reggae bis hin zu Snippets aus der früheren Oi-Phase. Zum Springsteen-Cover „Dancing in the Dark“ wurde das Gelände kurzerhand in Boss-talsee umbenannt und dann gab es auch „I’m So Excited“ der Pointer Sisters, bevor das erste Finale eingeläutet wurde.

Die großformatige Show brachte gestochen scharfe LCD-Wände, Strahler in den Himmel, Konfetti und Pyro. Da blieb kein Auge trocken und es gab ganze sieben Zugaben, bevor die Show gegen 23 Uhr mit „Meine Sache“ und „Blume“ endete. Die Broilers haben grandios abgeliefert und mal wieder deutlich gemacht, dass es neben den Hosen noch eine zweite große Punkband aus Düsseldorf gibt. Und da ist von Abschied noch lange nichts zu spüren.
(Alle Fotos:Dietmar Schmitt)


































