Fury In The Slaughterhouse – 25. Juli 2026 im Amphitheater Trier
Fury In The Slaughterhouse begeisterten am 25. Juli 2026 bei ihrer ausverkauften Show im Amphitheater Trier. Fotocredit: Simon Engelbert
Fury In The Slaughterhouse begeisterten am 25. Juli 2026 bei ihrer ausverkauften Show im Amphitheater Trier. Fotocredit: Simon Engelbert
Feine Sahne Fischfilet mit Frontmann Monchi in Trier: Zwischen Punkrock, Politik und purer Ekstase wurde gesungen, geschrien, gelacht und zusammengehalten. Es war laut. Es war ehrlich. Es war ein Abend für alle, die keinen Bock auf Stillstand haben. Fotocredit: Simon Engelbert
The BossHoss lieferten im Amphitheater Trier zwanzig Jahre Bandgeschichte. Mit rauem Charme, ehrlichem Sound und ihrer einzigartigen Mischung aus Rock, Country und Americana brachten Boss Burns, Hoss Power & Co. die antike Stätte zum Beben. Fotocredit: Simon Engelbert
Es war nicht zu übersehen, dass Sängerin Katie Melua einen ganz kleinen Gast mit ins Amphitheater nach Trier gebracht hatte, der erst in einigen Wochen das Licht der Welt erblicken wird. Deutlich schwanger betrat sie um 20.15 Uhr die Bühne und ließ sich vom Publikum bejubeln. Endlich im Amphitheater! Noch vor einigen Jahren wurde ihr Konzert von dort aufgrund einer Unwetterwarnung in die Arena verlegt. Der laue Sommerabend ließ nun endlich den Auftritt in dieser bedeutenden antiken Stätte zu und Katie war sichtlich guter Laune.
Bei den ersten Stücken spielte die aus Georgien stammende Songwriterin, die mit ihrer Familie als 9jährige nach Großbritannien zog, selbst Gitarre und begeisterte mit Stücken wie „Joy“ und „Love Takes Miles“. Ihre Stimme ist immer noch so magisch wie bei dem Hit „Nine Million Bicycles“, der auch sehr früh im Set gespielt wurde. Ihre Stimme zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Ruhe, Wärme und Natürlichkeit aus. Dabei glänzt sie in tiefen und hohen Lagen – einfach magisch.

Wie Giovanni Zarrella am Abend zuvor wurde auch Katie Melua sehr persönlich in den Ansagen und rekapitulierte ihre Karriere. Der Song „Maybe I Dreamt It“ brachte zum Ausdruck, dass sie den Erfolg und dessen Auswirkungen immer noch nicht fassen kann. Das klang authentisch und grundehrlich, zumal sie in ihrer Show auf jedes ausufernde Brimborium verichtet hatte und sich ganz auf ihre Vocals sowie die herausragend gute Begleitband verließ. Deren Klasse zeigte sich beispielsweise in „A Love Like That“, das mit ausufernden Soli angereichert wurde.
Es gab viele poppige Stücke, aber auch Soul und Jazz, so wie im verspielten „Call Off the Search“ aus Katies Anfangstagen. „Love & Money“ wurde als Lied über die Heimat Georgien angekündigt, „Remind Me to Forget“ erzählte von einer Trennung. Aber sie ist offensichtlich mit sich im Reinen, schwärmte von der neuen Liebe und dem kleinen Sandro, der bald ein großer Bruder sein wird.

Songs wie „Voices in the Night“ und das rhythmisch starke, mit Tribals versehene „The Flood“ bereicherten den Set, der mit dem Hit „The Closest Thing to Crazy“ und dem grandiosen Janis Joplin-Cover „Kozmic Blues“ sein erstes Ende fand. Im Zugabenblock dann eine Überraschung: Tänzerin Coco hatte eine beeindruckende Performance zum selten gespielten „Spider’s Web“ erarbeitet und sich an das Management gewandt. Katie Melua gefiel die Idee und sie lud Coco auf die Bühne ein. Ganz intim interpretierte sie das Lied allein an der Gitarre und genoss sichtlich die parallele, äußerst akrobatische Tanzdarbietung. Das Publikum war absolut begeistert.
Nach dem bekannten „Piece by Piece“ gab es mit „I Cried for You“ nach 90 wundervollen Minuten nochmals eine akustische Solo-Performance von Katie, die die Fans (zum wiederholten Mal) von den Stühlen riss. Katie Melua ist eine Künstlerin, wie man sie nicht oft erlebt. Hinreißend, ehrlich, ohne Allüren. Sie hatte Trier mit einem magischen Bann belegt, der auch nach dem Konzert nicht riss. Wundervoll!
(Alle Fotos auf dieser Seite: Simon Engelbert)

Die Stimmung war vom ersten Moment an großartig, als Giovanni Zarrella seine Show im Amphitheater Trier startete. Eigentlich gab es Sitzplätze im vorderen Bereich, doch bei fast jedem Song stand die Menge geschlossen auf und feierte eine italienische Party. Der Sänger und Entertainer hatte ordentlich aufgefahren: neben der üblichen Band waren drei Bläserinnen und die Backgroundsängerinnen Celina & Nathalie am Start. Außerdem Giovannis jüngerer Bruder Stefano am Flügel. So schuf man eine schöne Soundkulisse, die durch eine zweistündige Show voller Emotionen trug.

Die aktuelle Tour steht unter dem Zeichen seines 25jährigen Bühnenjubiläums, auch wenn es solo mit seinem Album „La vita è bella“ erst im Jahr 2019 und der darauffolgenden Corona-Zeit so richtig los ging. Das ehemalige Mitglied der Castingband Bro’Sis ist inzwischen als Moderator und Entertainer bekannt und hat sich seit sieben Jahren der Idee gewidmet, bekannte deutsche Stücke in italienischen Versionen neu einzusingen, was enorm erfolgreich ist. So besteht die aktuelle Show aus italienischen Klassikern neben bekannten Melodien von Nena, Wolfgang Petry oder Münchner Freiheit.
Die Band startete mit dem Sound von „L’italiano“, dann kam Giovanni unter großem Jubel auf die Bühne und legte direkt los. „Ci Sarai“ heißt seine Version von Nenas „Irgendwie irgendwo irgendwann“. Damit das Publikum lauthals mitsingen kann, gibt es immer wieder eingestreute Textpassagen in deutscher Sprache. „La discoteca Italiana“ und „Fantastico“ lieferten einen feinen Sound im Stil der Italo Disco, bevor mit „Senza Te“ (Ohne dich) ein nostalgischer Song der Münchner Freiheit erklang.
Zarrella war sehr redselig und erzählte unter anderem vom nächsten Album „My Italian Songbook“, das er zunächst mit dem Jimmy Fontana-Song „Il Mondo“ vorstellte. Zu einer smarten Version von DJ Ötzis „Hey Baby“ gab es ein erstes Tänzchen im Publikum. So ging es munter durch die Musikgeschichte. Mit Enrico Caruso widmete Giovanni sich dem „ersten Popstar der Geschichte“ in der „ältesten Stadt Deutschlands“ und gab auch „‚O sole mio“ zum Besten.
Giovanni zeigte sich einfach grundsympathisch und musikalisch sehr vielseitig. Es gab italienische Evergreens und deutsche Hits in seinem neuen Gewand, eigene Stücke von „Universo“ oder dem kommenden Songbook-Album und tatsächlich auch einige Pop-Klassiker, mit denen Giovanni das Publikum beeindruckte. So lieferte er eine grandiose Version von Michael Jacksons „Billie Jean“, zu der er einen kleinen Jungen (Tommy) auf die Bühne holte, der mit ihm zusammen den Moonwalk aufführte. Eine grandiose Performace.
Zuvor hatte Zarrella über seine lange Karriere gesprochen, über die Zeit mit Bro’Sis und das Glück, das er nach dem Casting hatte. Schließlich wurde auch deren Hit „I Believe“ aufgeführt. Und er verglich sich mit Robbie Williams, den er stets bewundert hat, weil aus seinen Anfängen in einer Boyband eine Solokarriere erwuchs. Nach einer langen Ansprache zum Thema Liebe und der Kraft, an sich selbst zu glauben, folgte dann auch „Angels“ in romantischer Stimmung.
Zum brandneuen Titel „Che Sarà“ verteilte der Sänger Rosen im Publikum. Er erinnerte an die Nächstenliebe und schwärmte von der Gemeinschaft zwischen Gastarbeitern und Einheimischen, die er in jungen Jahren erlebt hat. Heute kaum mehr vorstellbar. Eine weitere Kindheitserinnerung war die Fahrt über den Brenner in die italienische Heimat – und das Publikum durfte Songs erraten, die dort im Radio gespielt wurden. So interpretierte die Band „Felicità“ von Al Bano und Romina Power sowie Umberto Tozzis „Ti amo“, bevor das erlösende „Sempre Sempre“ als letzter Song im regulären Konzert erklang.
Den Zugabenblock bildete Giovannis Version von Wolfgang Petrys „Wahnsinn“ namens „Dammi“, wobei das nervige „Hölle Hölle Hölle“ durch ein feines „Bella Bella Bella“ ersetzt wurde. Und ganz zum Schluss die Ballade „Tornero“, die das Publikum in die lauwarme Sommernacht entließ. Ein stimmungsvolles Konzert, bei dem man viel Persönliches über den smarten Künstler erfahren konnte.
(Alle Fotos auf dieser Seite: Simon Engelbert)
In Extremo sind momentan auf „Kunstraub-Burgentour“. Damit waren sie eigentlich in der falschen Location, denn mit Rittern und Königen hat das römische Denkmal nichts zu tun. Aber trotzdem ist das Amphitheater in Trier wie geschaffen für Auftritte martialischer Rockacts und bildet eine beeindruckende Kulisse, die auch für das Konzert von In Extremo viele Besucher anlockte und gut gefüllt war. In diesem Sommer gab es dort sehr viele verschiedene Acts von Klassik über Pop bis hin zu härteren Klängen. Damit wurden unterschiedlichste Publikumsschichten angesprochen. Und am vergangenen Freitag waren eindeutig die dunkel Gewandeten in der Überzahl, die der Band aus Berlin huldigten.
Zunächst allerdings waren Dritte Wahl am Start, die aus Rostock stammen und bereits seit den 80er Jahren musikalisch aktiv sind. Ihre Mischung aus Deutschpunk und Metal wusste durchaus zu gefallen und fand in Trier zumindest verhaltenen Beifall. Der Supportact zelebriert momentan seine 25-Jahre-Jubiläumstour und bot in 45 Minuten Konzertlänge einen breiten Querschnitt seines Schaffens, der zum Ende hin immer rockiger wurde. Ein gelungener Einstieg.

Dann wurde es Zeit für In Extremo live. Jeder, der dies einmal erleben durfte, wird sicherlich zustimmen wenn ich sage: super Show, tolle Publikumsstimmung und atemberaubende Atmosphäre. Vor Ur-Zeiten waren sie mal eine typische Mittelalterband und spielten vor allem auf entsprechenden Märkten und Stadtfesten. Inzwischen aber haben sie sich zur renommierten deutschsprachigen Rockband gemausert und mit „Sängerkrieg“ (2008) und „Sterneneisen“ (2011) zwei überzeugende Nummer-1-Alben hingelegt. Der letzte Release „Kunstraub“ (2013) schaffte immerhin Platz 2. Es ist ein Album, das noch weiter weg vom urtypischen Mittelalterrock führt.
Stattdessen hören sich In Extremo gegenwärtig an wie eine Mischung aus Unheilig, den Toten Hosen und Santiano. Das mag einigen Fans der Anfangszeit sauer aufstoßen, doch der Erfolg gibt der siebenköpfigen Band Recht. Um sich breite Käuferschichten zu erschließen, braucht es radiotaugliche Hits. Und ein Alleinstellungsmerkmal ist ja weiterhin vorhanden: die Verwendung mittelalterlicher Instrumente. Für die aktuelle Tour gab es eine gesunde Mischung aus den neuen Hits und den Klassikern der Anfangszeit. Die Zusammenstellung des Konzerts zog sich durch die inzwischen 18jährige Geschichte und würdigte alle Phasen der Band.

In Extremo sind bekannt dafür, dass es bei ihren Shows ordentlich kracht und Instrumente wie Dudelsack, Drehleier, Harfe und Schalmei in eine flammende Rockshow integriert werden, die mit pyrotechnischen Effekten par excellence aufwartet. Bei manchen Flammenwürfen spürte man die Hitze bis zum Mischpult. Es war durchweg stark.
Das Septett zeigte sich in sehr guter Laune. Eine riesige Party bei der es Spaß machte zuzusehen. Frontmann Das letzte Einhorn bezeichnete das Amphitheater zielsicher als „ehemalige Mörderhöhle“ und ließ sich über die blutrünstige Vergangenheit aus. Statt Kämpfen auf Leben und Tod war jetzt aber Feierstimmung angesagt. Wer darum bangte, die Reibeisenstimme des letzten Einhorns könne jederzeit versagen, konnte beruhigt sein – das war alles Absicht. Und es hörte sich live noch besser und verruchter an als aus der Stereoanlage.

Auch instrumental riss die Band von der ersten Minute an vom Hocker. Das letzte Einhorn, Van Lange, Die Lutter, Dr. Pymonte, Flex der Biegsame, Yellow Pfeiffer und Specki T.D. – so nennen sich die Bandmitglieder. Und es war ein wahrer Wirbelwind, den sie auf der Bühne entfachten. Vor allem die rockigen Dudelsack-Klänge passten sich hervorragend in die Musik ein. Die Fanschar von In Extremo spaltet sich in der Regel in Mittelalter-Fans und Metal-Freaks, doch bei den Live-Konzerten wird daraus eine wundersame Einheit. Ob „Zigeunerskat“, „Herr Mannelig“, „Viva La Vida“ oder „Mein rasend Herz“. Wie aus einer Kehle sang der stimmgewaltige Chor alles mit. Nur bei den selten eingestreuten Balladen wurde es etwas ruhiger. Oft waren Gitarren und Dudelsäcke dominant. Zu „Vollmond“ gab es ein schönes Intro mit Mini-Harfe und der Song „Gaukler“ als Hommage an alle Straßenmusiker wurde standesgemäß mit einem Akkordeon begleitet.
In Extremo wird inzwischen vorgeworfen, sich zu sehr beim Mainstream anzubiedern und mehr Rock als traditionellen Folk zu bieten. In Trier war davon jedoch nichts zu spüren. Live zeigt sich immer noch ihre Einzigartigkeit und die mittelalterlichen Instrumente wurden gekonnt in das Bühnengeschehen integriert. Beeindruckend war vor allem die exorbitante Bühnenshow mit Feuerwerk, hochschießenden Flammen auf der Bühne und allerlei Effekten, die man sonst höchstens mal auf einem Rammstein-Konzert in diesem Ausmaß sieht. Im Großen und Ganzen eine einzigartige musikalische Darbietung mit einem mitreißenden Auftritt und einer klasse Bühnenshow.

Setlist In Extremo – Amphitheater Trier, 1.8.2014
Mein rasend Herz
Horizont
Zigeunerskat
Vollmond
Feuertaufe
Herr Mannelig
Viva la vida
Unsichtbar
Gaukler
Liam
Himmel und Hölle
Merseburger Zaubersprüche II
Belladonna
Sängerkrieg
Frei zu sein
Küss mich
Auf’s Leben
—
Siehst du das Licht
Ai vis lo loop
Spielmannsfluch