Es war nicht zu übersehen, dass Sängerin Katie Melua einen ganz kleinen Gast mit ins Amphitheater nach Trier gebracht hatte, der erst in einigen Wochen das Licht der Welt erblicken wird. Deutlich schwanger betrat sie um 20.15 Uhr die Bühne und ließ sich vom Publikum bejubeln. Endlich im Amphitheater! Noch vor einigen Jahren wurde ihr Konzert von dort aufgrund einer Unwetterwarnung in die Arena verlegt. Der laue Sommerabend ließ nun endlich den Auftritt in dieser bedeutenden antiken Stätte zu und Katie war sichtlich guter Laune.
Bei den ersten Stücken spielte die aus Georgien stammende Songwriterin, die mit ihrer Familie als 9jährige nach Großbritannien zog, selbst Gitarre und begeisterte mit Stücken wie „Joy“ und „Love Takes Miles“. Ihre Stimme ist immer noch so magisch wie bei dem Hit „Nine Million Bicycles“, der auch sehr früh im Set gespielt wurde. Ihre Stimme zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Ruhe, Wärme und Natürlichkeit aus. Dabei glänzt sie in tiefen und hohen Lagen – einfach magisch.

Wie Giovanni Zarrella am Abend zuvor wurde auch Katie Melua sehr persönlich in den Ansagen und rekapitulierte ihre Karriere. Der Song „Maybe I Dreamt It“ brachte zum Ausdruck, dass sie den Erfolg und dessen Auswirkungen immer noch nicht fassen kann. Das klang authentisch und grundehrlich, zumal sie in ihrer Show auf jedes ausufernde Brimborium verichtet hatte und sich ganz auf ihre Vocals sowie die herausragend gute Begleitband verließ. Deren Klasse zeigte sich beispielsweise in „A Love Like That“, das mit ausufernden Soli angereichert wurde.
Es gab viele poppige Stücke, aber auch Soul und Jazz, so wie im verspielten „Call Off the Search“ aus Katies Anfangstagen. „Love & Money“ wurde als Lied über die Heimat Georgien angekündigt, „Remind Me to Forget“ erzählte von einer Trennung. Aber sie ist offensichtlich mit sich im Reinen, schwärmte von der neuen Liebe und dem kleinen Sandro, der bald ein großer Bruder sein wird.

Songs wie „Voices in the Night“ und das rhythmisch starke, mit Tribals versehene „The Flood“ bereicherten den Set, der mit dem Hit „The Closest Thing to Crazy“ und dem grandiosen Janis Joplin-Cover „Kozmic Blues“ sein erstes Ende fand. Im Zugabenblock dann eine Überraschung: Tänzerin Coco hatte eine beeindruckende Performance zum selten gespielten „Spider’s Web“ erarbeitet und sich an das Management gewandt. Katie Melua gefiel die Idee und sie lud Coco auf die Bühne ein. Ganz intim interpretierte sie das Lied allein an der Gitarre und genoss sichtlich die parallele, äußerst akrobatische Tanzdarbietung. Das Publikum war absolut begeistert.
Nach dem bekannten „Piece by Piece“ gab es mit „I Cried for You“ nach 90 wundervollen Minuten nochmals eine akustische Solo-Performance von Katie, die die Fans (zum wiederholten Mal) von den Stühlen riss. Katie Melua ist eine Künstlerin, wie man sie nicht oft erlebt. Hinreißend, ehrlich, ohne Allüren. Sie hatte Trier mit einem magischen Bann belegt, der auch nach dem Konzert nicht riss. Wundervoll!
(Alle Fotos auf dieser Seite: Simon Engelbert)












