Als Selig 1994 ihre Debütsingle veröffentlichten, war das Staunen groß. Eine Mischung aus Grunge und Rock, aber mit deutschen Texten, das hatte bis dahin niemand gemacht. „Ich weiß noch, wie wir damals immer im Lehmitz saßen und philosophiert haben, dass wir eine Bresche für den Rock’n’Roll schlagen müssen, dass wir auffallen und herausragend sein müssen“, blickt Jan Plewka amüsiert zurück. „Wir sind wirklich mit richtig großem Maul losgestiefelt, nichts konnte uns etwas anhaben. Wir waren die Reiter der Apokalypse.“
Das selbstbetitelte, von Franz Plasa produzierte Debütalbum erschien im März 1994, kletterte auf Platz 35 der deutschen Charts und brachte der Band den Durchbruch: Dauerrotation im Musikfernsehen, ausverkaufte Shows, ein Echo. Mit „Ohne Dich“ stand darauf einer der prägendsten deutschsprachigen Rocksongs der Neunziger. Was folgte, ist klassische Rock’n’Roll-Geschichte. Das deutlich psychedelischere Zweitwerk „Hier“ (1995, Platz 15) feierte das neue Rockstar-Leben noch, dann wurde die Band vom eigenen Erfolg überrollt. Kurz nach Erscheinen des dritten Albums „Blender“ (1997, Platz 15), in New York entstanden und stärker Richtung Pop orientiert, verließ Jan Plewka die Band im Streit. 1999 gaben Selig ihre Trennung bekannt.
Neun Jahre widmeten sich Plewka, Gitarrist Christian Neander, Bassist Leo Schmidthals und Schlagzeuger Stephan „Stoppel“ Eggert anderen Projekten, bevor sie 2008 ihr Comeback ankündigten. Das Reunion-Album „Und endlich unendlich“ (2009) wurde ihr größter Erfolg: Platz 5, über 100.000 verkaufte Exemplare, Gold. Es folgten der Auftritt beim Bundesvision Song Contest, „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (2010, Platz 9) und „Magma“ (2013, Platz 4). Als Keyboarder Malte Neumann 2014 ausstieg, war das für die Band ein Einschnitt: „Zu bemerken, dass es aber auch zu viert und ohne Keyboard geht, zu spüren, wie viel Energie dadurch freigesetzt werden kann, hat uns auch diese Zäsur überstehen lassen“, so Plewka. Im selben Jahr erschien das neu eingespielte Best-of „Die Besten (1994-2014)“, 2017 folgte „Kashmir Karma“ und 2020 die Compilation „Selig macht Selig“, für die befreundete Musiker wie Wolfgang Niedecken, Johannes Oerding und Olli Schulz ihre Songs interpretierten.
Das achte Album „Myriaden“ war ursprünglich für Herbst 2020 geplant, erschien pandemiebedingt erst im März 2021 und stieg auf Platz 8 ein. Nur: Die Tournee dazu fiel aus. Erst verschoben, dann abgesagt. Für eine Band, deren Selbstverständnis so eng am gemeinsamen Unterwegssein hängt, war das die härteste Phase seit der Wiedervereinigung. Was blieb, war die Rückbesinnung auf das, was diese vier verbindet. Der Song „Neuanfang“ entstand dann auch nicht im Studio, sondern während ein paar Sommershows in einem Hotelzimmer, als eine Art Liebesbrief von Jan Plewka an „seine“ Jungs. 2023 erschien er als Vorbote der Jubiläumstour, ein so offener Song über die Band selbst, wie ihn Selig vorher nie aufgenommen haben.
Die Tour zum 30-jährigen Bestehen war der Beweis, dass die Rechnung aufgeht. Selig zählen zu den wenigen Bands ihrer Generation, die noch mit vier von fünf Gründungsmitgliedern und mit unverändertem Druck auf der Bühne stehen. 2026 richten sie den Blick zurück auf den Anfang: Am 6. November erscheint eine Vinyl-Box, die die ersten drei Alben „Selig“, „Hier“ und „Blender“ bündelt, allesamt aus der Zeit beim Sony-Label EPIC, das international für Pearl Jam oder Rage Against The Machine steht. Genau diese Ära ist das Herzstück der „The EPIC Years“-Tour, mit der Selig im November und Dezember 2026 durch Deutschland und Österreich ziehen. Ein Abschied von gestern, wie die Band es nennt, und ein Versprechen an morgen.
Alle drei Alben erscheinen erstmals als Expanded Editions auf farbigem Doppelvinyl, ergänzt um rares zusätzliches Material. Zwei der Titel enthalten darüber hinaus exklusive 7-Inch-Singles. Sämtliche Inhalte werden in einem hochwertigen Schuber zusammengeführt. Die Veröffentlichung erscheint passend zur „The Epic Years“-Tour, auf der SELIG die Geschichte ihrer ersten drei Alben wieder ins Zentrum rücken. Die Konzertreihe steht ganz im Zeichen von „Selig“, „Hier“ und „Blender“ und feiert die Songs, die eine ganze Generation deutscher Rockfans geprägt haben. Dazu eine multimediale Show mit Archivmaterial aus den 90ern, die den Spirit dieser Jahre zurück auf die Bühne holt.
Die hochwertige Box ist auf 999 nummerierte Exemplare limitiert. Die Auflage ist dabei kein Zufall sondern ein Verweis auf das Jahr 1999, in dem die letzte Veröffentlichung der Band über EPIC Records erschien und in dem das legendäre Kapitel der 90er-Jahre seinen Abschluss fand.

Selig – The Epic Years x Live:
- 23.11.26 Frankfurt, Batschkapp
- 24.11.26 Leer, Zollhaus
- 25.11.26 Bremen, Schlachthof
- 27.11.26 Osnabrück, Rosenhof
- 28.11.26 Düsseldorf, Zakk
- 29.11.26 Hannover, Capitol
- 01.12.26 Essen, Weststadthalle
- 02.12.26 Berlin, Astra
- 03.12.26 Rostock, M.A.U. Club
- 05.12.26 Leipzig, Anker
- 06.12.26 Stuttgart, Im Wizemann
- 07.12.26 München, Backstage
- 08.12.26 Wien, Flex
- 10.12.26 Hamburg, Docks (Ausverkauft)
- 11.12.26 Hamburg, Docks (Zusatzshow)













