Endlich gibt es die erste Single „Und wir so“ des gleichnamigen neuen PASCOW Albums, das am 5. März 2027 bei Kidnap/Rookie erscheint. Hier könnt ihr das Video von Kay Özdemir / Visual Attack anschauen:
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Die Open Airs am Bostalsee nahe Bosen (Kreis St. Wendel) standen in diesem Jahr ganz im Zeichen der NRW-Metropole Düsseldorf. Popp Concerts als örtliche Veranstalter hatten der großen Festwiese am vorhergehenden Wochenende schon zwei ausverkaufte Konzerte der Toten Hosen beschert – und jetzt waren die BROILERS dran. Gut 10.000 Fans der Punkband hatten sich auf den Weg ins Saarland gemacht, um Sammy Amara und seine Bandkolleg*innen abzufeiern. Und es war eine große Sause mit allen Schikanen.
Den Anfang machten aber Swiss und die Andern aus St. Pauli. Die Band um Frontmann Swiss spielte schnellen Punk mit Crossover-Versatzstücken und einer Prise HipHop. Zur Einstimmung perfekt, auch wenn der Sänger zunächst durch gepflegtes Unwissen auffiel und sich einige Buh-Rufe einfing, als er fragte, ob man sich denn nun „im Rheinland oder im Saarland“ befinde.
Das konnte er aber schnell wieder durch eine rasante Show wettmachen. Mit Circle Pits und Wall of Death war die Menge für einen Supportact erstaunlich energisch zugange. Songs wie „Punk ist tot“ und „Punk zurück“ sorgten für eine gepflegte Standortbestimmung mit antifaschistischer Haltung. Gern nennt die Band ihre Musik „Zeckenrap“ und macht keinen Hehl aus der politischen Haltung von „Nazis raus“ bis „Fick die AfD“.
Doch auch der Spaß kam nicht zu kurz. Zwei Mädels wurden im Schlauchboot auf Händen getragen und das Publikum musste ein Meer spielen, während allerlei Crowdsurfer als Haie dazwischen funkten. So vergingen 40 Minuten Konzertlänge auf kurzweilige Art und spätestens das Ärzte-Cover „Schrei nach Liebe“ brachte die komplette Menge zum Mitsingen. Eine rundum formidable Show!
Die Broilers starteten dann um 20.45 Uhr mit „Preludio Vanitas“ und „Zurück zum Beton“. Man war krass gut drauf und freute sich über den Gig im Saarland. Sammy rekapitulierte den Karriereweg von der Garage in Saarbrücken bis zu diesem großen Open Air. Und er lieferte nicht nur klare Ansagen mit linker Haltung, sondern wies auch versöhnlich auf die Gleichheit aller Menschen hin, egal welche Hautfarbe oder Religion sie haben und egal wen sie lieben.
Zu „Diktatur der Lerchen“ gab es die beliebte Frühaufsteher-Umfrage, bei der wie immer die Nachteulen gewannen. Das Partyvolk feiert abends – und trotzdem muss man früh aufstehen, um den Rechten nicht das Feld zu überlassen. Während „Alice und Sarah“ flackerten Bilder der rechtspopulistischen Politikerin über den Bildschirm – mit dem deutlichen Motto „Lebe so, dass die AfD etwas dagegen hat!“
Der Set war vielseitig von Punk über Balladen und Reggae bis hin zu Snippets aus der früheren Oi-Phase. Zum Springsteen-Cover „Dancing in the Dark“ wurde das Gelände kurzerhand in Boss-talsee umbenannt und dann gab es auch „I’m So Excited“ der Pointer Sisters, bevor das erste Finale eingeläutet wurde.
Die großformatige Show brachte gestochen scharfe LCD-Wände, Strahler in den Himmel, Konfetti und Pyro. Da blieb kein Auge trocken und es gab ganze sieben Zugaben, bevor die Show gegen 23 Uhr mit „Meine Sache“ und „Blume“ endete. Die Broilers haben grandios abgeliefert und mal wieder deutlich gemacht, dass es neben den Hosen noch eine zweite große Punkband aus Düsseldorf gibt. Und da ist von Abschied noch lange nichts zu spüren.
„Ist das noch Familie oder ist das schon Kult?“, fragt der Promotext zum neuen Album von DEINE COUSINE. Ich will es vorweg nehmen: natürlich Kult! Mit ihrem dritten Studioalbum „Freaks“ erreicht die Karriere von DEINE COUSINE einen neuen Höhepunkt und zelebriert die Kraft der Gemeinschaft in einer Zeit, die immer wieder versucht, uns auseinanderzureißen.
Die zwölf neuen Songs auf Freaks behandeln kollektive Emotionen – mal im big picture, mal anhand von persönlichen Episoden erzählt – und vermitteln ohne Plattitüden ein Gefühl von Zusammengehörigkeit, das auf Geschlecht, Sexualität, Religion oder sonstige verstaubte Rahmen scheißt. Laut Frontfrau Ina Bredehorn versammelt das Album Songs über „mich, meine Leute und meine zehn Persönlichkeiten“, und damit sind alle gemeint, die mit offenem Herzen und Toleranz durch die Welt gehen.
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Der Opener „Allez, allez“ kommt rockig und mitreißend. „Go fuck yourself“ klingt nach einer Mischung aus Punk und NDW. Großartig abgeliefert. Dann der Titelsong „Freaks“ – fast schon eine Ballade, aber mit viel Energie und authentischer Beschreibung einer großen Liebe.
Das Album hat keinerlei musikalische Berührungsängste und wandelt gekonnt zwischen Punk, Rock und soften Momenten. Dabei kann der Wechsel abrupt innerhalb eines Songs folgen. Dynamisch und kraftvoll erklingen „Sayonara“ und „1986 (Oh, là, là)“. Dazwischen wird es mit „Disclaimer“ auch politisch: „Ja, ich weiß, dass die Erde keine Scheibe ist / Und im Bundestag Faschismus nicht mehr leise ist“. Ein Song mit Haltung.
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Ruhiger wird es in Beziehungssongs wie „Zweite Chance“ und vor allem „Keine Liebe verdient“, doch immer wieder kochen die Aggressionen hoch, sei es in „Disneyland“ oder „Jung und dumm“. Diese Songs brettern ordentlich nach vorn und laden zum unharmonischen Mitgrölen ein. Alles in allem ein starkes und vielseitiges Album mit Tiefgang in den Lyrics. So dynamisch wie die unaufhaltsame Frontfrau.
DEINE COUSINE – Live 2025
05.06. Ulm, Ulmer Zelt
07.06. Nürnberg, Rock Im Park
08.06. Nürburgring, Rock Am Ring
13.06. AT – Nickelsdorf, Nova Rock
04.-06.07. Hünxe, Ruhrpottrodeo
30.07.-02.08. Wacken, Wacken Open Air
31.07.-02.08. Elend, Rocken Am Brocken
02.08. Dessau, Dessauer Kultursommer
29.-30.08. Bad Nauheim, Wisselsheim Rockt
20.12. Hamburg, Inselpark Arena
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Ein Gemeinschaftsprojekt aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland, das über 25 Jahre hält – das gibt es nicht oft. Manche Politiker könnten sich ein Beispiel daran nehmen und die Fusion der Bundesländer endlich vollziehen. Die Band PASCOW, benannt nach einer Figur aus Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“, wurde 1998 von Sänger Alex und Schlagzeuger Ollo in der Nähe von Birkenfeld gegründet. Im Lauf der Zeit haben sich die Aktivitäten aber ins saarländische St. Wendel ausgedehnt, wo Sänger Alexander den bandeigenen Webshop „Tante Guerilla“ führt. Ollo hingegen ist Geschäftsführer des größten regionalen Konzertveranstalters „Popp Concerts“ in der Region Trier. Die Rufe „Saarland asozial“ aus dem Publikum waren also durchaus positiv gemeint und sind keineswegs eine Beleidigung sondern vielmehr Schlachtruf sowie Ehrerbietung für das angrenzende Bundesland.
So durfte auch bereits um 19 Uhr die Band Christmas aus St. Wendel das Konzert mit deftigem Punk eröffnen. Man hat sich vor allem im Saarland einen Namen gemacht und schon große Acts supportet. Vier Studioalben sind erschienen – das aktuelle Werk von 2020 heißt passend „Hot Nights in Saint Vandal“. Der 30minütige Gig war schrill und laut. Shouter Max Mötherfucker war kaum zu verstehen, so enthusiastisch brüllte er die englischen Lyrics ins Mikro. Auf jeden Fall ein guter Einheizer für die ausverkaufte Halle.
Mit ihrem 70er Jahre Charme ist die Europahalle ohnehin ein seltsamer Ort für ein Punkkonzert. Aber wo soll man noch hin, seit das ExHaus im unendlichen Winterschlaf liegt? Der Mergener Hof ist für PASCOW definitiv zu klein. Dort sollte später die Aftershow-Party stattfinden. Also Europahalle – das Gebäude, das normalerweise für Comedy und Mainstream vorgehalten wird. Diese war ausverkauft und mit Generationen von Punkfans gefüllt. Auch viele Kids konnte ich sehen, zum Teil noch im Grundschulalter, die von den Eltern in die Gegenkultur eingeführt wurden. Gut so!
Zweiter Support waren Berlin 2.0 aus Stuttgart. Erst vor drei Jahren gegründet glänzt hier Ausnahme-Vokalistin Elena Wolf mit ihrer sonoren Stimme. Die Songs waren schnell, rotzig und trotzdem ziemlich melodisch. Dazu kam eine gehörige Portion Hardcore, mit der vor allem die Stücke des aktuellen Albums „Scherbenhügel“ dargeboten wurden. 40 Minuten lang dauerte der wilde Spaß, der mit viel Applaus bedacht wurde.
Pünktlich um 21 Uhr waren dann PASCOW am Start. Und die Lokalmatadoren hatten für ihren Tourabschluss ordentlich aufgefahren. Der Bühnenaufbau lag zunächst hinter einem Vorhang. Als Opener gab es vom Band „Blueprint“ der Rainbirds, das vom Publikum textsicher mitgesungen wurde. Dann fiel der Vorhang zu den Klängen von „Silberblick & Scherenhände“ und gab den Blick auf ein riesiges Bühnenbild frei, das einen Hinterhof zeigte. Auch die Lightshow war grandios und der Sound sowieso. PASCOW sind ganz oben angekommen, wenn ich ihren Gig mit den Konzerten der Vergangenheit im ExHaus vergleiche. Damals war alles noch rau (aber herzlich). Heute wird es zwar weiterhin wild, doch sie unterscheiden sich allein schon damit von den Vorbands, dass man Alex‘ Texte weitestgehend verstehen kann. Ein großes Plus.
Wegen der baulich bedingten Zuschauerbegrenzung der Halle konnte man trotz des Ausverkauft-Status im hinteren Bereich noch locker stehen. So waren auch die anwesenden Kinder in Feierlaune, während es vorn vor der Bühne eine gewaltige Pogo-Party mit Crowdsurfern und Circle Pits gab. Alex nahm das zum Anlass, immer wieder zur Rücksichtnahme aufzurufen. Viele Ansagen kamen aber auch von Ollo, der in Trier deutlich in Erinnerungen schwelgte.
Gastsängerin Hanna Landwehr hatte ich erst am Dienstag als Support von Alin Coen in Neunkirchen erlebt. Damals noch ganz beschaulich und akustisch. Jetzt zeigte sie ihre andere Seite und stieg zu „Königreiche im Winter“ ein, um später immer wieder das Line-up zu bereichern. Stimmlich sehr stark und im Duett mit Alex eine echte Bereicherung. Ihren Solosong „Wunderkind“ absolvierte sie mit Bravour und bot so den einzigen Ruhepunkt in einem ansonsten durchgehen stürmischen 90minütigen Set.
Highlights gab es en masse. „Wenn Mila schläft“ als Klassiker für die Fans der ersten Stunde. „Himmelhunde“ mit einem Statement gegen Trans- und Queerfeindlichkeit. „Mailand“ gegen rechte Parolen und für Anarchie. Violonistin Laura sorgte bei vielen Songs für ungewöhnliche Klänge, die ein wenig an New Model Army erinnerten.
Zu „Sturm, der durch Erlen zieht“ erzählte Ollo vom Konzert der Ramones, das vor Jahrzehnten just hier in der Europahalle stattgefunden hatte und zu dem die Brüder unbedingt herkommen wollten. Mit ÖPNV war man damals wie heute nicht gesegnet, also lieh man sich das Auto der Eltern und kurvte ohne Führerschein von Gimbweiler nach Trier. Ob sich die Anekdote wirklich so zugetragen hat? Keine Ahnung. Aber auf jeden Fall wäre sie Stoff für ein kultiges Roadmovie.
Im Zugabenblock gab es mit „Nach Hause“ einen Song fürs ExHaus. Ollo fand melancholische Worte: „Für alle, die im ExHaus groß geworden sind und alle, die nicht im ExHaus groß werden konnten“. Es ist eine Schande für Trier, dass dieses so wichtige Jugendkulturzentrum im Dornröschenschlaf liegt und regelrecht verwaist. Dass aber auch die Europahalle den (Konzert-)Geist vom ExHaus atmen kann, zeigten die Zuschauer*innen im wildesten Circle Pit des Abends. Ergänzend gab es „Daniel & Hermes“ als Hommage an alle Kulturschaffenden, die so viele Hindernisse überwinden müssen. „True love will find you“, heißt das Mantra aus dem Song, das vielen nach dem Konzert im Ohr geblieben ist.
Schluss war nach knapp 95 Minuten und 25 Songs. Punkkonzerte sind nicht episch lang, aber prägnant, solide und auf den Punkt. PASCOW haben zum Tourabschluss ein grandioses Statement abgeben, das lange in Erinnerung bleiben wird. Jetzt geht es in ein wohlverdientes Sabbatjahr nach fast zwei Jahren Dauer-Touren. Aber es bleibt zu hoffen, dass die Zeit für ein achtes Album genutzt wird. Deutschland braucht Bands wie PASCOW (und Kettcar und Love A und Turbostaat und die Beatsteaks) zur Zeit mehr denn je!
(Alle Fotos von Simon Engelbert, PHOTOGROOVE)
Setlist PASCOW, Europahalle Trier am 26.10.204
Silberblick & Scherenhände
Toulousi
Jade
Königreiche im Winter
Monde
Diene der Party
Die Realität ist schuld, dass ich so bin
Wenn Mila schläft
Himmelhunde
Herz
Tom Blankenship
Merkel-Jugend
Im Raumanzug
Marie
Mailand
Spraypaint the Walls
Kriegerin
Wunderkind
Sturm, der durch Erlen zieht
Gottes Werk und Teufels Beitrag
Mond über Moskau
Too doof too fuck
Begonnen haben Maximilian Kennel und Jonas Frömming ihre Karriere mit Poetry Slam und als Duo auf deutschen Kleinkunstbühnen. Mit einer Mischung aus Singer-Songwriter-Pop, brachialem Humor und feinem Hintersinn gewann das Lumpenpack in den letzten Jahren diverse Contests und Preise. Den kultigen Umgang mit Wortwitz und bedeutungsschwangeren Texten merkt man den beiden bis heute noch in ihren Lyrics und Ansagen an, doch inzwischen haben sie sich mit ihren Mitstreiter*innen zu einer veritablen Punkband gemausert, die am gestrigen Abend die Garage in Saarbrücken dezent zum Kochen brachte. Es war eine grandiose Show zwischen Klamauk und ernsthaften Themen.
Schon früh ging’s um 19 Uhr los und ELL aus dem Odenwald machten den Anfang. Das Duo besteht aus Lisa-Anna und Lennart, sie selbst nennen ihre Musik Krach-Pop. Schon hier wurde im halbstündigen Set schwungvoll der Circle Pit geübt. Nach dem Support ging es zur Einstimmung umgehend mit ausgewählter Musik vom Band weiter, wobei Kollegen wie Die Ärzte, Farin Urlaubs Racing Team, Kraftklub und Billy Talent zu Wort kamen. Den Abschluss machte aber – ganz ohne Punk – die „Bohemian Rhapsody“, vom Publikum grandios mitgeschmettert und pünktlich um 20 Uhr beendet, damit die Band sekundengenau die Bühne betreten konnte.
Mit 800 Zuschauer*innen war die Garage gut gefüllt – und dabei waren viele Generationen vertreten, worauf ich gleich noch zurück kommen werde. „Gibt Schlimmeres“ machte den Anfang und mit „Guacamole“ ging es gleich in die Vollen. Wobei – man war sehr wohl auf das Wohlergehen der Fans bedacht und legte gleich zu Beginn Regeln für die immer wieder entstehenden Circle Pits und Walls of Death fest: Die Ellbogen bleiben unten und die Hände werden nicht wild auf fremde Körper gelegt. Ein schönes Zeichen von Awareness, damit alle sich wohlfühlen können.
„Kann es sein, dass du dumm bist?“ war die erste Mitsing-Hymne des Abends. „Gisela“ wurde ausführlich gewürdigt, aber auch die Gilde der „Heilpraktiker“, wobei man aus dem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen und von Krankheiten in der Kita erzählen konnte. Das Publikum vom Lumpenpack ist immer für eine Überraschung gut, so warf eine Zuschauerin ihre Krankenversicherungskarte (!) auf die Bühne und die Band erfreute sich gemeinschaftlich am kultigen Namen Antonia Trinkaus.
In der ersten Reihe befand sich eine große Schar an – zum Teil noch ziemlich kleinen – Kindern, schätzungsweise im Grundschulalter. „Habt ihr Ferien?“, kam die Frage von der Bühne. „Ja, aber ihr zum Glück nicht“, kam die schlagfertige Antwort von Aaron, der ganz vorne stand. Zugleich meldete sich ein weiterer Aaron zu Wort und ein Mädel verkündete, dass sie eine Klassenkameradin von Aaron sein. Das kleine Publikum hatte die Band zeitweise fest im Griff.
Im Gegenzug gab es dann eine Lehrstunde in Sachen deftiger Wortwahl: 800 Kehlen brüllten „Ich scheiß mich ein“, als der Song „Unverträglichkeiten“ erklang. Und ein Roadie mit riesigem Kochlöffel bat die Menge zum riesigen Circle Pit und rührte kräftig um.
Ganz nach dem Motto „Die Geister, die ich rief“ gingen Dutzende Hände hoch, als die Frage nach anwesenden Pädagog*innen gestellt wurde. Logisch, gehört doch „Pädagogen“ zu den kultigsten Songs aus den Duo-Zeiten. Zu „Ford Fiesta“ begab man sich später in ein viel zu großes Schlauchboot in Form eines Autos und bereiste die Garage auf den Händen der Fans, während die Band die Vocals übernahm.
Neben diesen Klassikern gab es aber vor allem Songs des neuen Albums „Wach“, das erst Ende August erschienen ist und fast komplett gespielt wurde. Dass viele Anwesende trotzdem äußerst textsicher waren, beweist den Kultcharakter, den das Lumpenpack seit langem hat. Nach 100 Konzertminuten begann der Zugabenblock mit drei Songs: Für „Danke, liebe Leber“ musste das Publikum komplett auf die Knie gehen, um diesem wichtigen Organ zu huldigen. „Mein Hass“ wandte sich gegen alle Idioten dieser Welt und der Mottosong „Frieden durch Lärm“ beendete pünktlich nach zwei Stunden das Konzert.
Yes! Das Lumpenpack kann mehr als Kleinkunst, denn ihre Konzerte werden immer größer. Vor der deutschen Punk-Elite muss man sich schon lange nicht mehr verstecken. Und das Gleichgewicht zwischen Comedy und den großen politischen Themen haben sie längst gefunden. Auf die nächsten zwölf Jahre!
Nach abgebrochenem Studium der Philosophie startete Billy Idol seine Karriere in der Londoner Punkszene und gründete 1976 die Band Generation X. Schon kurz nach Ende der Band erschienen hintereinander das selbst betitelte Debüt im Jahr 1982 und der endgültige Durchbruch „Rebel Yell“ (1983). Zum 40jährigen Jubiläum gibt es das erste Album „Billy Idol“ nun in erweiterter Neuauflage.
Auch wenn Billy ganz offensichtlich auf den Markt der Pop- und gefälligen Rockmusik schielte, atmete das Debüt dennoch den Geist starker Punkmusik. Das mag auch an der Zusammenarbeit mit dem Ausnahmegitarristen Steve Stevens gelegen haben. „Hot In The City“ ist bis heute eine perfekte Rockhymne mit derb-frivoler Attitüde und der bekannteste Titel „White Wedding“ hält sich nicht nur konstant im Liveset des Künstlers sondern gehört auch zum Standard-Repertoire jeder 80er-Coverband.
Neben den bekannten Stücken gibt es vor allem puren Rock’n’Roll mit durchaus eingängiger und melodischer Grundlage. Spannend klingen der chorische Hintergrund von „Love Calling“, die beschwingten Verse von „It’s So Cruel“ und der Rhythmus von „Congo Man“. Für die Neuauflage hat man die Tracklist von CD 1 um den 12:38-Mix von „White Wedding“ ergänzt. Eine sehr starke Maxiversion, die typisch für die Tanzflächen der beginnenden 80er steht.
CD 2 enthält einen Livemitschnitt vom 12. August 1982 aus dem Club „The Roxy“ in West Hollywood. Wir hören einen gut aufgelegten Frontmann der langsam aber sicher zum Enfant terrible der Rockmusik avancierte. Ich erinnere nur an seinen denkwürdigen Auftritt 1984 in „Thommy’s Pop Show“, als er sich in Großaufnahme seine Rotze übers Gesicht laufen ließ und genüsslich verteilte. Auf dem Album gibt es eine denkwürdige Setlist, die auch langlebige Livekracher wie „Dancing With Myself“ und „Mony Mony“ enthält. Allein dieses nostalgische Zeitzeugnis ist es wert, die Neuauflage zu hören.
In fast fünf Jahrzehnten ihres Bestehen haben THE DAMNED Punk- und Rockgeschichte geschrieben. 47 Jahre nach der Veröffentlichung ihres bahnbrechenden Debütalbums „Damned Damned Damned“ kehren die Pioniere der britischen Musikszene mit „Darkadelic““ zurück, ihrem ersten Studioalbum seit dem UK Top-10-Album „Evil Spirits“ aus dem Jahr 2018. Das neue Album setzt den musikalischen Weg fort, den die Band mit ihrer erfolgreichen Live-Veröffentlichung „A Night of a Thousand Vampires“ eingeschlagen hat. Diese Veröffentlichung erlangte im letzten Jahr Platz 1 der UK-Charts und verbreitete eine ähnlich düstere Atmosphäre wie das neue Studioalbum.
Auch 2023 bieten THE DAMNED mit zwei der vier Gründungsmitglieder immer noch einen bahnbrechenden Sound. Neben Dave Vanian, Captain Sensible, Paul Gray und Monty Oxymoron stößt William Granville-Taylor erstmalig als Schlagzeuger zur Band. Zwölf Songs in 48 Minuten zeigen auch, dass es beim Punk nicht immer kurz und heftig zugehen muss.
Fotocredit: Timo Jäger
Das Album startet rockig mit „The Invisible Man“, das ein starkes psychedelisches Zwischenspiel zu bieten hat. Laut und düster geht es mit „Bad Weather Girl“ weiter. Wer ein wenig zur Ruhe kommen will, muss sich bis „Western Promises“ gedulden, um danach von „Wake The Dead“ mit sonoren Vocals wieder wach gerüttelt zu werden.
„Darkadelic“ hat eine Reihe starker Hymnen zu bieten, die mit Vanians Stimme trotz seiner 66 Jahre hervorragend getragen werden. Längst bietet die Band mehr als Punk, obwohl die politische Richtung durchaus stimmig ist. Ein beliebtes Feindbild wie Boris Johnson bekommt mit „Beware Of The Clown“ verdientermaßen einen eigenen Song.
„Leader Of The Gang“ hat eine fast schon poppige Attitüde, doch vor allem gibt es starken Gitarrenrock wie in „Motorcycle Man“ und überhaupt ist „Darkadelic“ ein durch und durch mitreißendes Album voller Energie. Da freut man sich auf eine Live-Umsetzung!
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Was bleibt ihm auch anderes übrig? Inzwischen sind so viele Kultstars der Rockmusik in himmliche Gefilde abgewandert, dass dort vermutlich jeden Tag ein Festival startet. Der Albumtitel „God Bless You All“ für das neue Werk der BABOON SHOW ist also mehr als gerechtfertigt.
Die Punkrocker aus Stockholm legen inzwischen ihr zehntes Studioalbum vor. Seit Bandgründung 2003 erschienen die Studioalben Schlag auf Schlag. Bekannt geworden sind sie aber vor allem durch ihre formidablen Liveshows. Ob sie allein durch die Clubs ziehen oder als Support der Toten Hosen und der Broilers die großen Bühnen entern – eine fantastische Stimmung ist in jedem Fall garantiert.
Fotocredit: Andreas Langfeld
Sängerin Cecilia Boström ist die perfekte Shouterin für energiegeladene Songs. Für das neue Album hat man sich erstmals fünf Jahre Zeit gelassen und es bringt alles mit, um die bisherige Entwicklung von THE BABOON SHOW zu krönen. Punk und Rock’n’Roll mit politischer Attitüde. Die Vocals schwanken zwischen melodischem und aggressivem Gesang, wobei fast immer die Fetzen fliegen. Songs wie „Oddball“ und „Rolling“ würden auch AC/DC gut zu Gesicht stehen. Selbst eine vermeintliche Ballade wie „Sands Of Time“ wird laut und energisch vorgetragen.
In 40 Minuten bietet „God Bless You All“ zwölf Songs, die nach vorn treiben und mit starker Gitarrenarbeit überzeugen. Die Arrangements sind in der Regel metallisch hart, doch es gibt auch mal ruhige Passagen wie in „Gold“. Die Band ist nach wie vor auf Spur und hinterfragt Autoritäten und Ungerechtigkeiten, in welcher Form auch immer diese zu Tage treten. Zum Schluss überrascht das für BABOON-Verhältnisse fast schon als Longtrack ausgereifte „Prisoners“ mit männlichen Leadvocals und dichter Atmosphäre. Der melancholische Text liefert den Hangover zur großen Rock’n’Roll-Party:
You know this state of mode is killing you No need of fairytales no need of god One last brawl and then you gonna get through Yeah to the freedom on the other side
40 intensive Minuten dauert die rockige Studioshow. Und das Gehörte macht mal wieder Lust darauf, die Band live zu erleben. Ein Großteil der Stücke sind während der Coronapandemie entstanden und für die Band stecken jede Menge Blut, Schweiß und Tränen in der Entstehungsgeschichte des Albums. Aber nun ist es endlich fertig und Cecilia, Frida, Håkan and Niclas können es kaum abwarten mit den neuen Songs auf Tour zu gehen und ihr 20jähriges Bestehen zu feiern.
Aktuelle Daten:
27.01.23 SE Borlänge Galaxen SE Borlänge
28.01.23 SE Sundsvall Pipeline SE Sundsvall
03.03.23 EH Bilbao Sala Santana 27 EH Bilbao
04.03.23 CAT Barcelona Sala Apolo ES Barcelona
05.03.23 ES Madrid Sala Paqui ES Madrid
29.03.23 CH Zürich Dynamo CH Zurich
30.03.23 AT Vienna Arena AT Vienna
31.03.23 CZ Prague Futurum CZ Prague
01.04.23 PL Bielsko-Biała Rude Boy PL Bialsko-Biała
18.04.23 DE Hamburg Markthalle DE Hamburg
19.04.23 DE Berlin Astra DE Berlin
20.04.23 DE Cologne Live Music Hall DE Cologne
21.04.23 DE Wiesbaden Schlachthof Wiesbaden DE Wiesbaden
22.04.23 DE Leipzig Felsenkeller DE Leipzig
Am 16. Dezember ist das zweite Album „Primetime Entertainment“ der unzähmbaren Punks aus Essex auf Vinyl erschienen. Grund genug, dem neuen Album der Pet Needs zum Jahresende noch eine Review zu gönnen.
Der Grundstock des Quartetts wurde gelegt, als Gitarrist George auf dem Sofa seines Bruders Johnny in Colchester landete, nachdem er einen Job in einer Tankstelle in den Midlands für die schillernden Lichter von Nord-Essex aufgegeben hatte. Sie hatten keinen Plan, aber sie hatten Gitarren. Und damit und mit ihrem ersten Album “Fractured Party Music” konnten sie vollends überzeugen (HIER unsre Review).
Im April waren sie dann mit Frank Turner auf Tour – und hätten ihm fast (aber nur fast) die Show gestohlen. Selten habe ich einen solchen Leadsänger wie Johnny Marriott gesehen, der nicht für den Bruchteil einer Sekunde stillstehen kann und seine ganzen Emotionen rundum in energetische Vocals und eine unendliche Agilität umsetzt.
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Auch auf dem zweiten Werk innerhalb von gerade mal 18 Monaten preschen sie von Anfang an gehörig nach vorne. „Lost Again“ ist der perfekte Punk-Opener mit Attitüde. Hymnisch und melodisch geht es weiter. Der Gesang charismatisch, die Gitarren schrill. Frank Turner war wieder als Produzent beteiligt, was man dem Album durchaus anmerkt.
Und es gibt auch Überraschungen, wartet der fünfminütige Titelsong doch mit einer melancholischen Grundhaltung und Streicherklängen auf. In Tracks wie „Ibiza in Winter“ geht es um Johnnys Versuche, kreativ und positiv zu bleiben und sich um sich selbst zu kümmern. In „Spirals“, dem vielleicht härtesten Song, schreit er sich förmlich die Seele aus dem Leib: “I can’t handle myself, I can’t manage this band”. Und dann sind „Tried and Failed“ und „Fear for the Whole Damn World“ fast selbsterklärend.
Das Schreiben des Albums, das sich mit Gefühlen wie Angst, Müdigkeit, Adrenalin, Versagen und Entschlossenheit auseinandersetzt, erwies sich für den Frontmann ungewollt als eine tiefgreifende psychologische Entdeckungsreise. Wie Johnny sagt: „Es ist ein sehr persönliches Album. Es handelt davon, dass ich ziemlich selbstzerstörerisch bin, und davon, dass ich erkannt habe, dass ich mich selbst verbessern muss. Ich dachte, ich würde eine Platte schreiben, die vom Feiern handelt, aber die wahre Bedeutung wurde mir erst klar, als wir uns hinsetzten und das Album von Anfang bis Ende anhörten.“
Auch das zweite Album trieft vor Leidenschaft für die Musik. Wie Phoenix aus der Asche entstand aus den Selbstzweifeln des Frontmanns ein Album, mit dem sie die Punkwelt im Sturm erobern können. Von diesem Quartett werden wir hoffentlich noch viel hören.
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Im Jahr 2021 konnten die Broilers aus Düsseldorf mit „Puro Amor“ ihr drittes Nummer-1-Album in Folge vorlegen. Wer hätte das gedacht, als Sänger Sammy Amara und Schlagzeuger Andreas Brügge 1992 in der Oi!- und Punkrock-Szene starteten? Die Anfänge waren verhalten, doch spätestens seit „Santa Muerte“ ist man an der Spitze deutschsprachiger Rockmusik angekommen und hat sich zu einem wahren Livehammer entwickelt. Die Broilers versprühen eine wahnsinnige Energie auf der Bühne, was man 2022 bei Festivals wie „Rock am Ring“ ausgiebig bewundern durfte.
Kein Wunder also, dass mit den „Puro Amor Live Tapes“ ein umfangreicher Konzertmitschnitt diese Energie einfängt und uns daran teilhaben lässt. Die Broilers zeigen sich von ihrer besten Seite und halten die Feierlaune am Kochen. Sammy Amara ist ein extrem sympathischer Frontmann und schafft es, die Punk-Atmosphäre in jeden Konzertabend zu retten. „Zurück zum Beton“ passt perfekt als Eröffnungssong – und dann gibt es Highlight um Highlight, ruppig und ausdauernd dargeboten. Atmosphärisch ist es ein hervorragendes Konzert mit zum Teil wehmütigen und kritischen Texten. Ein epischer Bläserklang verbindet gekonnt Funk und Punk. So soll das sein!
Die Doppel-CD kommt elegant im Pappschuber. Es gibt ein umfangreiches Booklet mit emotionalem Vorwort und vielen Livefotos, die auch einen Blick hinter die Bühne werfen. Wer die Broilers bisher noch nicht für sich entdeckt hat, sollte diesem Album ein Ohr gönnen. Die „Puro Amor Live Tapes“ zeigen die reine Liebe zur Musik und werden hoffentlich noch viele Zweifler überzeugen.
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…beißen nicht. Dieser Gedanke kommt mir zumindest, wenn ich den sehr aggressiven Bandnamen GRUNDHASS verinnerliche und dann doch anfangs recht sanfte Melodien und überlegte Worte höre. Steffen Neumeister klingt nämlich zunächst wie der nette Straßenmusiker von nebenan und verliert sich schon im Opener „Tag am See“ gemeinsam mit Sebastian Madsen in beschwingter Sehnsucht nach dem Sommer und guten Freunden.
„Das Leben der anderen“ bringt dann doch stilvollen Punk und eine ordentliche Position Gesellschaftskritik. Melodisch sauber zeichnet Grundhass ein energisches Bild zwischen Generationenkonflikt und Weltveränderungsideen. „Fünf minus vier“ hingegen funktioniert als Lovesong mit lapidaren Worten und fatalistischer Grundstimmung. Die Produktion bei Ole Fries (Pictures) lässt die Songs bandmäßig ballern. Die Kombination aus atemloser Faust-in-die-Luft-Atmosphäre und dem feinsinnigen Storytelling der Texte ist eine große Stärke der Platte.
Mit viel Power starten „Unter dem Dreck“ und „Unter dem Meer“ durch. „Ihr nehmt mir mein Leben nicht weg“ richtet sich gegen Hass und Lügen in den Medien. „Die Ballade vom orangen Lieferdienst“ ist fast schon eine moderne Moritat in der Art eines Bänkelsängers mit der humorvollen Anleitung, wie man Milliardenkonzerne beklaut. Köstlich.
„Dortmund“ liefert eine Liebeserklärung an die Herzensstadt der Westfalen, die man in dieser Form so nicht erwartet hätte. Mit vielen schnellen Worten nimmt sich „Tocotronic hatten immer Recht“ die aktuelle Parteienlandschaft vor und das metallische „Messerkampf im Penny-Markt“ hat in 58 Sekunden und drei Satzfragmenten mehr Aussage als die komplette Schlagerparade. Von heiler Welt mögen andere Platten erzählen, diese hier tut es nicht.
So ist „Ganz OK“ definitiv die Übertreibung des Jahrhunderts. Grundhass prangern an und tun dies in punkiger Dreisamkeit. Steffen alias Grundhass ist Mastermind und treibende Kraft, singt, spielt Gitarre und Orgel. Ole Fries sorgt für die klangvolle Produktion und den Bass, Tonic bearbeitet das Schlagwerk. Am Ende gibt es ein Dutzend starker Songs in 36 Minuten, die nach leicht verhaltenem Start doch noch lässige Power und eine klare Haltung zu bieten haben. Geheimtipp!
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Wenn sich 25.000 Fans zur ultimativen Sprechstunde am Bostalsee einfinden, kann das nur eins bedeuten: Die Ärzte aus Berlin sind da! Und es ist nicht irgendein Konzert. Man feierte den Abschluss der „Buffalo Bill in Rom“ Tour. Benannt war das 2022er Happening nach einem weithin unbekannten Spaghettiwestern, bei dem die Zirkusshow des berühmten Bisonjägers durch Europa tourt. So müssen sich vermutlich auch Die Ärzte fühlen. Genau wie ihre Fans sind sie ordentlich gealtert, aber sie haben auch ganz neue Generationen zu ihren Konzerten gelockt, wovon viele zu den Anfangszeiten der Band vor 40 (!) Jahren noch nicht einmal geplant waren.
Das Eventgelände am Bostalsee ist logistisch gut gelegen. Okay, man muss lange Wege zur Location in Kauf nehmen, wenn man mit dem Auto anreist, aber alles ist gut organisiert. Platzanweiser zu den Parkplätzen, gute Beleuchtung, abgesperrte Fußwege, ein gutes Verkehrskonzept, um den Abfluss der Fahrzeuge nach dem Konzert zu regeln.
Zum Glück blieb es fast durchgehen trocken, auch wenn die Vorhersage ganz anderes Wetter befürchten ließ. Die positive Energie des Publikums schien alle Regenwolken zu verscheuchen. Einmal gab es eine kurze Schauer von drei Minuten während der Beatsteaks und zum Konzertende war ein leichtes Nieseln zu spüren. Aber zum Glück hatten sich die meisten gut eingemummelt, um 9 Grad Lufttemperatur zu ertragen. Kein wirklich schönes Open-Air-Wetter, aber mit Jubeln, Springen und Tanzen ließ sich das Beste draus machen.
Pünktlich um 18.30 Uhr startete Special Guest Christian Steiffen. Eigentlich heißt der illustre Entertainer Hardy Schwetter und ist ein Schauspieler aus Osnabrück. Dort hat er gar zweimal als Oberbürgermeister kandidiert. Musikalisch bietet er nicht wirklich Punk, sondern eher seichte Popsongs mit sarkastischen Texten und einer Prise Synthiesound. Songs wie „Die dicksten Eier der Welt“ bot er mit sonorer Stimme dar. Die humorvolle Schlagerparty endete nach 35 Minuten
Nach einer halben Stunde Umbau folgten die BEATSTEAKS, die dem Bostalsee mit Gitarrenriffs Marke „Alle meine Entchen“ huldigten. Die Berliner Punkband um Arnim Teutoburg-Weiß feierte die unglaubliche Kulisse und riss das Publikum von Beginn an mit. Es gab eine Mischung aus deutschen und englischen Texten. Natürlich mit viel beschwingtem Punk, aber auch mit gesellschaftskritischen Momenten, die an Ton Steine Scherben erinnerten – beispielsweise bei „Frieda und die Bomben“. Man war sich natürlich bewusst, dass die Ärzte ganz im Mittelpunkt standen und machte sich daher einen Spaß daraus, immer wieder Zitate aus deren Songs in die Ansagen und die eigenen Musikstücke einzubauen. Mit ihren fetzigen Songs wie „Hello Joe“, „Hand in Hand“ und „I Don’t Care As Long As You Sing“ legten sie einen soliden 40minütigen Partyset hin. Eine gute Einstimmung auf das, was da noch kommen sollte.
Für Die Ärzte musste man 45 Minuten Umbauzeit überbrücken, in denen die Kälte langsam aus Richtung See zu den Zuschauer*innen kroch. Als dann aber Punkt 21 Uhr ein optimistisches „Himmelblau“ erklang und zum Ende des Songs endlich der Vorhang fiel, war alles Bibbern vergessen und nur noch Party angesagt.
Die Mischung von Songs zog sich wie gewohnt durch die komplette Bandgeschichte. „Wir sind die Besten“ wurde ebenso begeistert aufgenommen wie der moderne Klassiker „Lasse redn“. Es gab „Fiasko“ und „Angeber“, aber auch die selbstkritische Hymne „Ist das noch Punkrock?“. Die drei Akteure verwandelten die Ansagen der Show häufig zur Comedy-Show. „Sorry. Ja. Ab und zu singen wir auch“, hieß es dann entschuldigende zwischendurch. Aber es macht einfach Spaß, den Kabbeleien auf der Bühne und der Kommunikation mit dem Publikum zuzuhören.
Natürlich bekamen AFD und andere Nazis ihr Fett weg. „Doof“ wurde ganz explizit rechtsradikalen Tendenzen gewidmet. Aber auch das ironische „Hurra“, „Besserwisserboy“ und der lange nicht gespielte Oldie „Quark“ schlugen in die Kerbe der Floskeln mancher Politiker, die diese ohne ein Spur Nachdenkens von sich geben.
Nach „Friedenspanzer“ und „Manchmal haben Frauen…“ durfte Arnim von den Beatsteaks wieder auf die Bühne. Er hatte sich „Buddy Holly’s Brille“ gewünscht und durfte den Klassiker selbst performen. Auch für diesen erfahrenen Frontmann ein sichtlich bewegender Moment.
„Grace Kelly“ wurde als Schauspiel-Ikone besungen, dann aber war wieder jeder dran: „Deine Schuld“ ist der ultimative Politsong, der alle dazu auffordert, selbst tätig zu werden und nicht wegzuschauen. Damit sprachen Die Ärzte hier allen aus der Seele. Das „Lied vom Scheitern“ und „Unrockbar“ beendeten gegen 23 Uhr den Hauptset, doch wer Die Ärzte kennt, weiß, dass es noch locker bis fast Mitternacht weiterging.
Das Thema aus den „Miss Marple“ Filmen läutete die Zugaben ein. Und hier gab es dann auch herbei gesehnte Stücke wie den „Schrei nach Liebe“ (mit enthusiastischen „Arschloch“-Rufen), dem rockigen „Jung“ und natürlich dem All-time-favourite „Zu spät“. Auch Christain Steiffen durfte wieder auf die Bühne und mit den Ärzten seinen eigenen Song „Ja Ja die Punkmusik“ performen, bevor das Happening dann a cappella mit „Gute Nacht“ endgültig zu Ende ging.
Ein Ärzte-Konzert ist wie Forrest Gumps berühmte Schachte Pralinen: Man weiß nie, was man bekommt. Die Setlist variiert mit wenigen Konstanten von Konzert zu Konzert und kann auch mal ganz spontan geändert werden. Der Tourabschluss war jedenfalls großartig und lieferte am Ende ganze 37 (!) Stücke aus dem gewaltigen Backkatalog der Band. Jetzt nur noch raus aus der Kälte und ins warme Auto. Das Ende der Open-Air-Saison hatte ein Highlight geliefert. Auf ein Neues 2023!
Im Sommer waren Deine Cousine mit Fury in the Slaughterhouse on Tour. Was für ein Support! Selten nimmt eine Vorband die wartende Menge so mit, wie das Frontfrau Ina Bredehorn gelang. Mit wildem Punkrock war sie durchgehend in Bewegung, nutzte die komplette Bühne und den Laufsteg für einen wilden Tanz, um ihre Botschaft auf den Weg zu bringen: Für Feminismus und Diversität – gegen alle Arschlöcher dieser Welt.
Ebenso dynamisch und kraftvoll erklingt ihr zweites Album „Ich bleib nicht hier“. Das sind 39 rockige Minuten aus einem Guss. Im Jahr 2018 hat Ina noch mit Udo Lindenberg „Du knallst in mein Leben“ fürs „MTV unplugged“ geschmettert. Schon damals in ihrer Energie kaum zu bremsen – und so sprach der Titel des Debüts „Attacke“ vor drei Jahren natürlich Bände.
Und warum sollte sich diese Angriffshaltung ändern? Der Titelsong im Jahr 2022 bietet authentische Aussagen voller Weltschmerz mit melodischer Melancholie. Doch drumherum gibt es wilden Punk und puren Rock’n’Roll.
Der Opener „Irgendwo da draussen“ sendet einen Weckruf in die Welt. „Küsschen links, Küsschen rechts“ nimmt die High-Society-Sippe auf die Schippe und weist falsche Freunde in ihre Schranken. Logisch, dass Ina da kein Blatt vor den Mund nimmt.
Auch Punk kann Lovesongs schreiben. „Bang, Bang (Mein Herz schlägt krass für dich)“ verbindet lauten Sound und große Gefühle. Mit Hau-Drauf-Sound geht es aber in „Träume findet man im Dreck“ auf die Suche nach dem eigenen Weg. Im Gegenzug kommt „Bring mich nach Hause“ fast schon melancholisch rüber.
„369“ ist ein tanzwütiger Feiersong, dem die Ballade „Kaputtgeliebt“ folgt. Dazu passt „Ein bisschen mehr Liebe“ zunächst am Piano mit eindringlichem Text und dann mit starken Gitarren in Richtung Refrain.
Das Album hat keinerlei musikalische Berührungsängste und wandelt gekonnt zwischen Punk, Rock und soften Momenten. Dabei kann der Wechsel abrupt innerhalb eines Songs folgen. Das Ergebnis ist ein starkes und vielseitiges Album mit Tiefgang in den Lyrics. So dynamisch wie die unaufhaltsame Frontfrau.
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Love A wurden ursprünglich als Love Academy in Trier gegründet. Die Band aus der ältesten Stadt Deutschlands huldigt dem Post-Punk und ist dabei überaus erfolgreich. „Meisenstaat“ ist bereits das fünfte Album und wird zusammen gehalten durch die Dilogie „Will und kann nicht mehr“ / „Kann und will nicht mehr“. Dabei geht es um Überforderung und Selbstaufgabe, den ewigen Trott des Berufslebens und die Kurzlebigkeit der sozialen Medien.
Der Titelsong „Meisenstaat“ verliert sich in verzweifelten Fragen, während der Opener „Frag nicht“ Resignation atmet. Love A haben sich fünf Jahre Zeit gelassen für das neue Werk. An den knallharten und sarkastischen Texten hat sich natürlich nichts geändert. Die sinnschweren Worte werden nicht etwa philosophisch verklärt, sondern sprechen durchaus Klartext.
Musikalisch geht es in die gewohnte Melange aus Indierock und New Wave Klängen. Doch nie überlagern die Gitarrenriffs Jörkk Mechenbiers eindringlichen Gesang. Manchmal gerät er ins Lamentieren, doch die Geschichten und Statements sind stets stimmig. Dazu kommen melodische Hymnen, die live mal wieder perfekt funktionieren werden.
Produziert wurde das Album von Schlagzeuger Karl Brausch. Die Musik wurde hauptsächlich von den drei Instrumentalisten komponiert, während der Sänger für die Texte zuständig ist. Man merkt dem Album an, dass die Band nicht unter Zeitdruck gearbeitet hat. Es ist in sich stimmig und zeigt das Leben als große „Achterbahnfahrt“, wie es im gleichnamigen Song heißt: „Nie nach unten sehen, einfach weiterfahren.“
Love A sind gereift und leben ihren ganz eigenen Sound. Das macht sie zu ganz Großen im deutschsprachigen Indierock und Post-Punk. Man darf sich schon auf die Konzerte der „12 Jahre Love A“ Tour freuen – und natürlich auf das Heimspiel in der Trierer TUFA am ersten Weihnachtstag!
Was für ein Start von ROCK AM RING 2022. Die Leute sind ausgehungert, was Livemusik angeht. Endlich geht es wieder los – am Anfang noch mit sonnigem Kaiserwetter. Eine geile Idee, die DONOTS den Opener machen zu lassen. Um 14 Uhr war das Gelände proppevoll und es gab Party ohne Ende. Ein besonderer Clou: Was wäre ROCK AM RING ohne die TOTEN HOSEN? Also hat Ingo in alter Freundschaft kurzerhand Campino und seine Gang mit zum großen Happening geladen. Zunächst gab es „Hier kommt Alex“ – und dann das Beste: Die DONOTS und DIE TOTEN HOSEN singen DIE ÄRZTE. Gemeinsam mit dem Publikum gab es den ultimativen „Schrei nach Liebe“. Im Anschluss ging es von Ibbenbüren nach Südengland und YOU ME AT SIX gaben sich die punkige Ehre. So darf es weiter gehen. Wir werden berichten!
Halleluja – da geht’s ab, wenn der Punk im Kinderzimmer einzieht. Seit 18 Jahren macht die Band aus Bielefeld nun schon Rockmusik mit deutschen Texten, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen ansprechen soll.
Die CD „Sandkastenrocker“ ist vollgepackt mit 13 frischen Songs für den Nachwuchs, die Eltern und alle anderen Musikerziehungsberechtigten.
Die Mischung ist bewährt: Rock und Punk, Reggae und Ska, Pop und sogar Disco sind dabei. Auf dem mittlerweile zwölften Longplayer beschäftigt sich das Bielefelder Quartett mal mit der Faszination „Bagger“, mal mit Sandkastenrockern oder der guten alten Banane.
„Geister Krank“ ist ein augenzwinkerndes Lied über fehlende Geister in der Geisterbahn. Und mit der „Nachtfalterin“ erscheint erstmals eine Nummer im Wave-Gothic-Stil à la Sisters of Mercy.
Es ist wirklich erstaunlich, welche Vielfalt an Musikstilen hier kindgerecht aufgearbeitet wird. So funktioniert musikalische Früherziehung vom Feinsten!
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Endlich wieder ein Konzert in der Garage, dem angesagten Liveclub in der saarländischen Landeshauptstadt. Die Zeit von Schnelltests und Masken scheint zumindest vorerst vorbei und man freut sich wieder auf echte Musik in dichter Atmosphäre und einer wogenden Zuschauermasse. Was könnte da besser passen als Gig Nummer 2610 auf der „Never Ending Tour“ des britischen Punk-Folk-Künstlers? Tatsächlich kann man auf seiner Homepage das Listing aller Konzerte seit Nummer 1 am 18. September 2004 nachlesen. Ich kenne sonst keinen Künstler, der das so akribisch mitzählt. Selbst in 2020 und 2021 gab es keine Pause sondern eine Reihe von akustischen Livestreams aus seinem Privathaus, die natürlich in der Agenda mitgezählt werden. Chapeau für einen solchen Enthusiasmus – und natürlich war es schön, den charismatischen Frontmann endlich wieder hautnah zu erleben. Das ließen sich die Fans in der voll besetzten Garage jedenfalls nicht entgehen.
Den Anfang machte aber die Band Pet Needs. Der Grundstock des Vierers wurde gelegt, als Gitarrist George auf dem Sofa seines Bruders Johnny in Colchester landete, nachdem er einen Job in einer Tankstelle in den Midlands für die schillernden Lichter von Nord-Essex aufgegeben hatte. Sie hatten keinen Plan, aber sie hatten Gitarren. Und damit und mit ihrem aktuellen Album „Fractured Party Music“ konnten sie hier vollends überzeugen und dem Publikum in einer guten halben Stunde mit acht Songs ordentlich einheizen. Selten habe ich einen solchen Leadsänger gesehen, der nicht für den Bruchteil einer Sekunde stillstehen kann und seine ganzen Emotionen rundum in energetische Vocals und eine unendliche Agilität umsetzt. Das wurde von den Punkfans in der Garage mit soliden Mitsing-Parts und begeistertem Applaus honoriert: „Punk Isn’t Dead; It’s Just Up For Sale“ lautete das ironische Motto. Dass dem nicht wirklich so ist, kann man auf dem Studio-Output von Pet Needs jederzeit nachvollziehen (HIER unsre Review).
Dann aber war es Zeit für Frank Turner und seine Sleeping Souls. Er startete mit „Four Simple Words“ und hatte das Publikum umgehend an seiner Seite, dass die Anweisung „I Want To Dance“ mit viel Energie füllte. Passend zum Titel des aktuellen Albums „FTHC“ (Frank Turner Hardcore) gibt es nach Ausflügen in Folk- und Songwriter-Gefilde wieder die aggressive und rohe Seite des Musikers zu erleben. Für ein solides Punkkonzert war das allemal das Beste und er brachte das Publikum langsam aber sicher zurück in alte Zeiten, wo man in einem großen Circle durch die atmosphärisch beleuchtete Halle tanzen konnte.
Nach dem mitsingkräftigen „Glory Hallelujah“ gab es einen akustischen Part, in dem Frank seiner Band und den Fans eine Verschnaufpause gönnte, die er selbst anscheinen nicht nötig hatte. In solchen Momenten erkennt man die Vielseitigkeit des Sängers, dessen folklastige Songs mit emotionalen Momenten ebenso zu ihm gehören wie die ausgelassene Feierstimmung.
Die Freude anlässlich der großen Punkparty war dem Sänger genau so anzusehen wie dem Publikum, das jederzeit kräftig mitging. Es war ein Gig ohne Ruhepause mit 21 Songs im regulären Teil und vier Zugaben. „I Still Believe“ beendete das Konzert mit den richtigen Worten: „Now who’d have thought that after all, something as simple as rock ’n‘ roll would save us all“. Dieses Credo entließ die Zuschauer nach einem famosen Abend in die Saarbrücker Nacht.
In den letzten Jahren waren es vor allem ruhige Klänge, die uns Singer/Songwriter Frank Turner bescherte. So stand noch 2019 „No Man’s Land“ im Mittelpunkt – ein Album, das er 13 Frauen widmete, die nur aufgrund ihres Geschlechts zum Teil vollkommen unbekannt sind. Ein Album im Stil der alten amerikanischen Haudegen mit leichten Country-Einflüssen und wenig Folkrock (HIER unsere Review).
Damals war die Welt noch in Ordnung. Und als sie aufhörte, sich in der Maschinerie aus Livekonzerten zu drehen, begann er mit einer wöchentlichen Reihe von akustischen Livestreams von seinem Haus aus, die er „Independent Venue Love“ nannte und mit denen er Geld für von der Pandemie kommerziell bedrohte Veranstaltungsorte sammelte. Ein gänzlich neuer Track in dieser Reihe war „The Gathering“, ein Song über die Sehnsucht nach der Rückkehr von Livemusik.
Mit „FTHC“ erscheint nun ein Album, das sich wieder der aggressiven und rohen Seite des Musikers widmet. Nach dem elektronischen und folklastigen Material der letzten Jahre gibt es – vor allem in der ersten Albumhälfte – eine Rückkehr zum Punk. Der Albumtitel „FTHC“ steht für „Frank Turner Hardcore“ und impliziert gar eine retrograde Hinwendung zum Hardcore-Punk von Million Dead, doch so krass kommt es dann doch nicht.
Während „Non Serviam“ noch heftig reinhaut, „My Bad“ mit dem Hardcore-Genre flirtet und „The Gathering“ durch seinen starken Sprechgesang besticht, gibt es daneben einige solide Punk-Nummern vom Feinsten.
Ruhiger wird es mit dem beeindruckenden Song „Miranda“, der in bewegenden Worten die Geschichte von Turners Vater erzählt, der inzwischen als Transgender-Frau lebt, womit Turner sich erst versöhnen musste. Die Ballade „A Wave Across The Bay“ ist Turners Freund Scott Hutchison gewidmet, dem Sänger der Band Frightened Rabbit, der im Mai 2018 Suizid begangen hatte. Auch „Fatherless““ zählt zu den Kernstücken des Albums, denn hier geht’s um ein Trauma aus seiner Kindheit.
Der abschließende Spoken-Words-Song „Farewell To My City“ verhandelt eindringlich Turners Umzug aus der Metropole London an die Küste von Essex – nach immerhin 7300 Tagen, die er in der Stadt gelebt hat. Wie eine Mini-Autobiografie funktioniert dieser Recap-Song, der letztlich in die Einsicht mündet, dass es an der Zeit ist, die Sachen zu packen und weiterzuziehen.
„FTHC“ ist ein Hardcore-Album, ein Punk-Album, ein sehr persönlicher, reflektierender Einblick in ein bewegtes Leben. Ein Album für den Blick in die Vergangenheit und zugleich ein Neustart. Genau richtig in der heutigen Zeit des Umbruchs.
Auf der Deluxe CD gibt es außerdem noch sechs Bonus-Songs:
Wer in der Weihnachtszeit genug hat von säuselnden Balladen und hymnischer Festtagsstimmung, dem kann geholfen werden: Pünktlich zum besinnlichen Jahresausklang erschien mit „Servant Of The Mind“ das achte Studioalbum der dänischen Metaller Volbeat. Der charakteristische Sound aus Heavy Metal, Psychobilly, Punk und Rock’n’Roll ist geblieben und gibt dem Quartett aus Kopenhagen sein Alleinstellungsmerkmal. Doch das Album bietet im Gegensatz zu den Vorgängern wieder härtere Klänge – und damit machen Volbeat zur Freude der Gemeinde einen Schritt zurück in die Anfangszeit zu Beginn des Jahrtausends.
Frontmann Michael Poulsen sagt dazu: „Ich habe die ganze Platte in drei Monaten geschrieben. Mir ging es gut zu Hause, ich hatte beste Laune, mein Publikum war ich selbst… In den neuen Songs findet sich viel von dem, was Volbeat schon immer ausgemacht hat. Wer das allererste Album mit dem vergleicht, was wir jetzt machen, der hört, wie die Band ihren Stil weiterentwickelt und sich gleichzeitig ihren ‚signature sound‘ erhalten hat.“
Recht hat er! Es gibt zwar wenig innovative Klänge, aber einen soliden metallischen Klang zwischen melodischen Refrains und aggressiver Attitüde. Das Tempo des Openers „Temple Of Ekur“ wird in „Wait A Minute My Girl“ fortgeführt, das der Sänger seiner Verlobten gewidmet hat. Typisch: Er schreibt keine Ballade, sondern eine fetzige Ansprache im Uptempo-Rock.
Volbeat verstehen sich aufs Erzählen düsterer Geschichten. „The Sacred Stones“ handelt von einem irdischen Wesen, das sich der dunklen Seite hingegeben hat. Der fetzige „Shotgun Blues“ berichtet von geisterhaften Erscheinungen, die Poulsen beim Einzug in sein neues Haus erlebt hat, und „The Devil Rages On“ behandelt die Idee, dass der Teufel menschliche Gestalt annimmt.
Es bleibt nicht alles gruselig und mystisch. „Dagen Før“ ist eine stimmige Rockballade mit Stine Bramsen an den Vocals. Doch dieses Duett ist eine der wenigen Ausnahmen in Mainstream-Gefilde. Meist bieten Volbeat starke Songs, die durchaus im Hardrock beheimatet und bisweilen mit einer Prise Thrash und Powermetal versehen sind.
Wer mit dem Retro-Faktor von “Rewind, Replay, Rebound” nicht so ganz einverstanden war, darf sich vom neuen Album versöhnen lassen. Poulsen sagt, dass es inhaltlich seine Sicht auf die Menschheit darstellt. Damit ist es aber keineswegs introvertiert, sondern sehr deutlich in seinen Aussagen – bis hin zum epischen Abschluss mit „Lasse’s Brigitta“, das sich den Hexenverfolgungen im mittelalterlichen Schweden widmet.
Für das Jahr 2022 kündigte die Band bereits eine Co-Headliner-Tour mit Ghost durch US-Arenen an, aber auch Deutschland muss nicht auf die Band verzichten: neben Rock am Ring und Rock im Park werden Volbeat am 2.6.22 in Hannover auf dem Expo Gelände auftreten, sowie am 14.06.22 in der Parkbühne Wuhlheide.
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