Am 29. Mai 2026 veröffentlichen Die Toten Hosen ihr lange erwartetes neues Studio-Album „Trink aus, wir müssen gehen!“ mit 16 neuen Liedern plus dem Bonusalbum „Alles muss raus!“ auf dem die Band 25 Songs, die sie lieben, von Freunden, von Vorbildern und von Menschen, deren Werk sie verehren, gecovert haben, jeweils mit den Originalsängern im Duett mit Campino.
„Schlechte Nachbarn“, wer kennt sie nicht? Das neue Lied der Toten Hosen gibt es ab sofort auf allen digitalen Plattformen zu hören und hier bei YouTube zum Ansehen:
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Mit Bayreuth meldet nun auch das letzte Konzert, das dieses Jahr im Rahmen der „TRINK AUS! WIR MÜSSEN GEHEN“-Tour stattfindet „AUSVERKAUFT!“ Die Band freut sich auf 900.000 Gäste diesen Sommer. Nur für das Clubkonzert, mit dem Die Toten Hosen am Vorabend des Erscheinens in Mailand gemeinsam mit den Fans in den Veröffentlichungstag des neuen Albums reinfeiern, gibt es noch Karten online bei der italienischen Vorverkaufsstelle.
Wie bekommt man verschlafene Festivalbesucher*innen am dritten Tag wieder wach? Dazu brauchte es einen ordentlichen Abriss. Und den lieferten Boysetsfire zu früher Stunde auf der Utopia Stage. Die Band hat sich dem Post-Hardcore und Emocore verschrieben und Sänger Nathan Gray glänzte mit seiner unglaublich klaren und starken Stimme. Das bemerkte man direkt beim ersten Song „After The Eulogy“, einem ihrer bekanntesten Stücke. Vor allem die Mischung aus harten und emotionalen Momenten rüttelte das Publikum wach. Symbolhaft prangte eine Regenbogenfahne in der Mitte der Bühne. Mit den Höhepunkten „Empire“ und „Rookie“, die schon lange im Repertoire sind, beendete man den Set. Die 1994 gegründete Band ist auch nach ihrer zeitweiligen Auflösung immer noch eine Wucht.
Boysetsfire – Fotocredit: Rainer Keuenhof
Dann folgten mit Sum 41 und NOFX zwei altgediente Bands, die ihr Karriereende für die nächste Zeit angekündigt haben. Passt doch bestens, hier am Ring nochmal alles zu geben. Es gab Songs wie „Underclass Hero“ und „Walking Disaster“. Sänger Deryck Whibley von Sum 41 dirigierte die Menge wie ein menschliches Orchester und brachte ordentlich Stimmung in die Bude. Neben den eigenen Klassikern animierte man die Fans auch mit Auszügen aus „Smoke on the Water“ und „Seven Nation Army“. Später gab es zudem eine schnelle Punkversion von „We Will Rock“. Sum 41 zeigten wieder einmal, dass ihnen das Alter scheinbar nichts anhaben kann und man sich weiterhin auf Konzerte der Kanadier freuen darf – bis dann 2024 der endgültige Abschied erfolgt.
Sum 41 – Fotocredit: Rainer Keuenhof
NOFX sind jetzt vierzig Jahre nach Bandgründung ein echtes „altes Eisen“. Überaus passend startete man dann auch mit dem berühmten „Time Warp“ vom Band und jeder wusste, dass eine selige Zeitreise folgen wird, die mit AC/DCs „Riff Raff“ begann. Frontman Fat Mike (Mike Burkett) zeigte sich allerdings in Plauderlaune und so gab es eine – grausam lange – Kennenlernrunde mit dem Publikum, bevor es richtig los ging. „We can talk for one hour“, stellte er richtigerweise fest, aber dafür waren die Leute nicht gekommen. „Ihr Deutschen habt für alles ein extra Wort – Schadenfreude“, beendete er seine Kulturanalyse und endlich gab es einen umtriebigen Set mit immerhin zwanzig Stücken, was man gar nicht mehr vermutet hätte. Die Bandgeschichte wurde ausgiebig und vielseitig gewürdigt. Trompeten und Reggae-Sound mischten sich mit Punk und melodischem Hardcore. Es gab sogar eine gelungene Ska-Version von „Les Champs-Élysées“ und nach „Kill All The White Man“ erklang tatsächlich noch der Musicalsong „Schadenfreude“ vom Band.
Fotocredit: Rainer Keuenhof
Anscheinen hatte es sich bis zur Mandora Stage rumgesprochen, dass ausgiebige Ansagen zum guten Ton gehören. Auch Michael Starr von Steel Panther war sehr gesprächig. Die Glam-Metaller hatten die ohnehin schon lila gehaltene Bühne komplett in dieses Farbschema getaucht. Und bunt war auch die Mischung aus Metal, Fun und Glamour. Man darf ohnehin nicht bierernst nehmen, was da geschieht. Starr überlegte, was die Amis an Deutschland lieben. Die Antwort: Audi, Scorpions und Titten. Nun ja. Als Tribute an Def Leppard spielte Drummer Stix Zadinia ein Stück mit unter dem Shirt verstecktem Arm – auch recht makaber. Songs wie „Asian Hooker“, „Death to all but Metal“ und die nostalgische Hymne „1987“ nahmen das Publikum aber gekonnt mit. Zum Ende hin klang man hymnisch wie Bon Jovi in den 80ern und holte allerlei Ladies auf die Bühne. Definitiv hatte die Band ihren Spaß.
Arch Enemy – Fotocredit: Rainer Keuenhof
Dann sorgte die weibliche Frontfrau von Arch Enemy sowohl für optischen Genuss als auch (für diejenigen die Arch Enemy nicht kannten) unerwartete und überraschend harte Töne, denn sie growlte, was das Zeug hielt. Alissa White-Gluz ist eine Powerfrau im blauen Superheldinnenkostüm, mit blauen Haaren und einer starken Performance. Leider ging es zwanzig Minuten verspätet los – das ist wohl das Schicksal der Mandora Stage, bei der man die Pünktlichkeit nicht gerade erfunden hat. Egal. Die formidable Songzusammenstellung von „War Eternal“ über „The Eagle Flies Alone“ bis hin zu „Nemesis“ entschädigte für die Wartezeit.
Arch Enemy – Fotocredit: Rainer Keuenhof
Auf der Hauptbühne war man nun bereit für Machine Gun Kelly alias Colson Baker – in den USA der Mann der Stunde. Seine Mischung aus HipHop, Rock und Punk machte die Performance einzigartig und der Hauptbühne würdig. Auch seine intensiven Rap-Skills waren neben der Rock-Performance absolut überzeugend. Dass Rap und Rock durchaus zusammen passen, bewies das Erscheinen von Oliver Sykes (Bring me the Horizon), der sich für „Maybe“ zu Kelly auf die Bühne gesellte. Zu Beginn gab es extrem viel Qualm auf der Bühne, so dass Machine Gun Kelly ganz nach oben auf die Pyramide aus LCD-Klötzen steigen musste, damit man ihn überhaupt noch sehen konnte. Extravagant war das Outfit mit silbernem Anzug und stachelig gegelten Haaren. Extraterrestrisch und damit passend zum Song „Concert for Aliens“.
Machine Gun Kelly und Oliver Sykes – Fotocredit: Rainer Keuenhof
Die große Band lieferte hymnische Melodien, Metalgitarren und bisweilen auch Screams. MGK bewegte sich entspannt durch Songs wie „I think I’m okay“ und das Gorillaz-Cover „Feel Good Inc.“. Höhepunkt waren zweifellos sein Bad in der Menge und der Weg rauf auf einen Warsteiner-Stand. Hier konnte er posieren und „My Ex’s Best Friend“ ins Publikum schmettern. Seine Nähe zu den Fans wurde heftig bejubelt – der Ring schien definitiv nicht mit dem extravaganten Künstler zu fremdeln.
Machine Gun Kelly – Fotocredit: Rainer Keuenhof
Und dann war es endlich soweit. Darauf hatten Zigtausende gewartet: Die Fahnen wurden gehisst zum zweistündigen Konzert der Toten Hosen. Und was war das für eine Sause! Publikum und Band schenkten sich nichts. Er war ein Genuss vom ersten bis zum letzen Stück. Schon der Anfang mit „You’ll Never Walk Alone“ vom Band brachte die Stimmung zum Überkochen. Dann das Westernfilm-Intro „3 Akkorde für ein Halleluja!“ auf den überdemsionierten LCD-Wänden. Und endlich standen die Desperados auf der Utopia Stage bei Rock am Ring. Mal wieder. „Heimspiel“, wie Campino es ausdrückte.
Die Zusammenstellung an Hits für alle Generationen war von Beginn an großartig. Bei „Altes Fieber“, „Bonnie & Clyde“ und „Liebeslied“ war Mitsingen (oder halt Grölen) angesagt. Die „alten Knacker aus Düsseldorf“ lieferten gnadenlos ab – und auch im Publikum gab man alles. Bengalos und Fußballfahnen, Circle Pits und Crowdsurfing. Völlig losgelöst feierten alle sich, die Hosen und den letzten Abend eines wundervollen Festivals. Dabei blieb auch Zeit für Dankesworte („112“ als Song für die Feuerwehr) und vehemente „Nazis raus“-Rufe, als Campino vor „Willkommen in Deutschland“ alle Rechten, Rechtspopulisten und den Umgang mit Flüchtlingen geißelte. So lieben wir unsere Hosen – und beim Ringpublikum konnte er ohnehin mit breiter Zustimmung rechnen.
Fotocredit: Rainer Keuenhof
Damit der Punk nicht zu kurz kommt, gab es „Forever Young“, das die Goldenen Zitronen mal „Forever Punk“ betitelt hatten, in einer schrillen Punkversion. Und auch „Halbstark“ (im Original von den Yankees) passte hier perfekt. Die Bengalos inmitten der Fans waren vielleicht nicht so gern gesehen, doch zu „Pushed Again“ platzierte man ein kontrolliertes Bengalofeuer auf der Bühne und auf allen Wellenbrechern. Das war ein starkes Bild und tauchte den Ring bis zurück zum Riesenrad in rotes Licht. Die Klassiker“Alles aus Liebe“, „Wünsch dir Wasser“ und „Hier kommt Alex“ beendeten den Hauptset.
Im ersten Zugabenblock deutete Campino ironisch an, dass er mit 60 für viele Medien schon zum Establishment gehört. Damit es aber nicht heißt, dass die Hosen jetzt sogar auf Sauflieder verzichten, gab es das kultige „Eisgekühlter Bommerlunder“. Der zwete Block war dann „den drei Würstchen aus Berlin“ gewidmet. Der in den 80ern obligatorische Konkurrenzkampf zwischen Hosen und Ärzten existiert schon lange nicht mehr. So gab es mit „Schrei nach Liebe“ ein kongeniales Cover und auch der Song „Freunde“ wurde den Ärzten gewidmet. Nach zwei Stunden machte Campino noch eindringlich Werbung für Thees Uhlmann und – es war ja schon Montag – entließ die Fans in die Woche.
Fotocredit: Rainer Keuenhof
Eigentlich war es jetzt Zeit für den Heimweg. Was sollte nach diesem Gig noch kommen? Aber natürlich war auch Thees Uhlmann auf der Orbit Stage noch einen kleinen Fußmarsch wert. Der Tomte-Sänger hatte zu Beginn nur ein kleines Publikum, das aber stetig anwuchs. Und tatsächlich waren plötzlich die Toten Hosen mit auf der Bühne und hatten auch noch Sammy Amara von den Broilers mitgebracht, den sie unterwegs wohl irgendwo backstage aufgabeln konnten. Wieder gab es das „Liebeslied“, diesmal mit noch größerer Liebe. Thees hatte schon davon erzählt, wie er vor 20 Jahren zum ersten Mal am Ring spielte und vor Aufregung einen Heulkrampf bekam. Getröstet hätte ihn damals Jacoby Shaddix von Papa Roach. Auch jetzt ist der Gig am Ring noch aufregend – doch Thees ganz souverän. So kommentierte er die Schreie von der Mandora Stage: „Jetzt wird da drüben schon wieder rum geschrien. Muss wohl was Wichtiges sein.“ Es gab geschmeidige Songs wie „Zugvögel“ und eine Hommage an „Avici“, außerdem den Tomte-Song „Ich sang die ganze Zeit von dir“ und das grandiose „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“.
Auf der Mandora Stage lieferten Bring Me The Horizon zwischenzeitlich eine starke visuelle Show auf drei Ebenen. Alle Instrumentalisten waren gut zu sehen, aber dennoch wirkte das sehr überfrachtet. Die Pausen zwischen den Songs waren stimmungskillend lang, doch der sphärische Aufbau war sehr gelungen. Die Briten waren gewohnt experimentierfreudig und bewegten sich zwischen Metalcore und Elektronik-Sounds. Für manche Ohren wohl zu viel des Guten, aber es war auch schon spät.
Fotocredit: Rainer Keuenhof
Was bleibt vom Ring 2023? Natürlich die fantastische Stimmung, die auch dem guten Wetter zu verdanken war. Durchgehend wolkenfreier Himmel – und trotzdem ein gelegentliches Lüftchen, damit die Sonne nicht zu sehr brannte. Nachts wurde es kalt, also hatte man im besten Fall Wechselkleidung für die Stunden ab 22 Uhr mit dabei.
Für mich persönlich gab es einige Überraschungen. Ich nenne mal die famose Show von Apache 207 am Freitag. Damit hätte ich nicht gerechnet. Auch Provinz waren eine enorme Bereicherung und K.I.Z viel besser als erwartet. Bei den Headlinern hatten Foo Fighters und die Hosen die Nasen vorn. Kings of Leon waren okay, aber das hart rockende Publikum hätte sich vermutlich mehr Power gewünscht. Insgesamt fand ich die Mischung jedoch stimmig. Man muss mit der Zeit gehen und ein junges Publikum anlocken, damit das Festival eine Zukunft hat. Früher beschwerte sich auch niemand über Fury in the Slaughterhouse und Alanis Morrisette. Wer auf das ROCK im Namen besteht, wurde zu jeder Zeit an einer der Bühnen fündig. Und so wird es ROCK AM RING trotz des leichten Zuschauerschwunds auch im Jahr 2024 geben. Der Termin wurde noch in der Nacht bekannt gemacht: Es geht weiter vom 7. bis 9. Juni 2024. ROCK ON!
Es war ein würdiger Start nach zwei Jahren Corona-Zwangspause. Was für eine geile Idee, die DONOTS als Opener quasi am frühen Morgen (geplant war ein Start um 13.40 Uhr) auf die Hauptbühne zu lassen. Dann wurde es aber doch 14 Uhr. Ingo und seine Gang sind ja inzwischen so etwas wie die Patrone und Hausherren des Festivals – ein Status, den sie sich redlich verdient haben. Gerade erst haben die DONOTS angekündigt, dass ihr neues Album „Heut ist ein guter Tag“ im Februar 2023 erscheinen wird. Yeah! Und natürlich gab es ein entsprechendes Banner im Bühnenhintergrund: Ein Strauß Blumen für die Fans. Schnell wurde der Albumtitel zum Motto des Tages, denn heute sollte alles passen.
Von den angekündigten Gewittern und Regenschauern war nichts zu bemerken. Es blieb trocken bis zum Schluss und die milden Sommertemperaturen sorgten für das ideale Festivalwetter. Der Ring war mit 90.000 Fans ausverkauft und das Programm sah eine Menge Partykracher für ausgelassene Stimmung vor – so auch bei den DONOTS. Zehn nach vorn treibende Songs zeigten die Feierlaune des Quintetts im Einklang mit seinem Publikum. Die Mischung ging durch die gesamte Karriere, startend mit „Calling“ und „Wake The Dogs“, endend mit „Auf sie mit Gebrüll“ und „So Long“.
Dazwischen gab es eine Überraschung, auf die viele gehofft aber mit der die meisten nicht wirklich gerechnet hatten: Die TOTEN HOSEN waren auch im Jahr 2022 auf dem RING! Was wären auch das (verschobene) Jubiläum und der Neustart ohne diese Dauergäste? Zunächst spielten die DONOTS selbst „Hier kommt Alex“, doch dann waren plötzlich die Freunde, sprich: Campino und Band, mit auf der Bühne und der Jubel im Publikum grenzenlos. Kann man das noch toppen? Ja – mit einem ÄRZTE Song: Der „Schrei nach Liebe“ aus 90.000 Kehlen ließ das Gelände beben.
Es waren, laut Ingo, 888 Tage seit der letzten DONOTS-Show. Die Disziplinen Springen, Rudern und Laufen im Circle Pit funktionierten aber noch. Und wie!
Der Timetable war ein wenig im Eimer. YOU ME AT SIX starteten nochmal eine halbe Stunde zu spät und mussten ihren Gig verkürzen. Sie standen vermutlich im Stau. Der Auftritt war trotz dieser Widrigkeiten sehr stark. Der Sound komplex und von einem starken Beat getragen. Die Tracks pendelten gerne mal zwischen Pop und Rock, am liebsten aber rockte das Quintett seine breitwandigen Hymnen straight nach vorne und baute enorme Klangwände auf, die trotz aller Elektronik nie nervig wurden. Josh Franceschi sang, schrie und hielt die Fäden in der Hand. Seine Ansagen enthielten die corona-typische Wehmut: Der erste Auftritt in Deutschland seit 2019 – und zugleich der „fucking dream to play the main stage“ bei ROCK AM RING. Geschafft!
Die Alternative Rocker WEEZER brachten ihre melodische Seite auf die Main Stage. Gitarrenlastig zwischen Punk und College Rock. Als Intro gab es Van Halens „Jump“, womit die Zeichen auf einträchtiges Springen im Publikum gestellt waren. Die Setlist reichte von „Hash Pipe“ über „My Name Is Jonas“ bis hin zu „Island In The Sun“. Wer bis dahin noch nicht textsicher war, durfte sich über das TOTO-Cover „Africa“ freuen. Sänger Rivers Cuomo interpretierte den Song definitiv besser als weiland Totos Bobby Kimbell. Mit „Buddy Holly“ endete ein respektabler Set.
Es folgte die „Band der Stunde“. Måneskin aus Rom sind seit ihrem Sing beim ESC 2021 zu Recht in aller Munde und konnten den Erfolg schnell über Europa hinaus ausdehnen. Recht früh im Set präsentierten sie „Beggin'“, ein Cover der Four Seasons, ihren viralen Hit, der auch in den USA mit Platin ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus gab es „Zitti e buoni“, den ESC-Siegertitel. Und das schon ganz zu Beginn des Sets. Aber die Band war keineswegs „leise und brav“. Es wurde gerockt, was das Zeug hielt, wobei der exzentrische Fronter Damiano David ganz im Mittelpunkt stand und seine Show gekonnt zelebrierte. Alles in allem ein ordentlicher Abriss für die Hauptbühne.
The Offspring aus Orange County in Kalifornien sind nicht mehr die Jüngsten. Sänger Dexter Holland geht auch schon auf die 60 zu, was für die Punkband aber kein Hindernis war. 2021 gab es nach neun Jahren Funkstille mit „Let The Bad Times Roll“ einen neuen Longplayer. Die Frage darf gestellt werden: Braucht man so ein Album samt Titel überhaupt noch? Hat der Punk ausgedient? Ja und nein heißt hier die Antwort. Dieses Album kam genau zur richtigen Zeit und zeigte, dass Punkrock in den USA noch nicht am Ende war. Live berufen sich Dexter Holland & Co. auf alte Stärken und zelebrieren ihre Klassiker mit großer Lightshow und Leinwandvideos, die sich dann am frühen Abend (es war inzwischen 19.30 Uhr) auch lohnten. Der Tag ging mit Sonnenschein und Kaiserwetter zu Ende – The Offspring brachten den Lichterglanz vom Himmel zur Bühne.
Jan Delay mit Disko Nr. 1 und die Metalcorer Caliban spielten parallel auf Mandora und Orbit Stage. Schwierige Entscheidung, die dann aber doch zu Gunsten von Jan Philipp Eißfeldt ausfiel. Der Meister des genuschelten Wortes ging direkt in die Vollen und ließ es vom ersten Song an nicht zu, dass das Publikum sich zur Ruhe setze. „Klar“, „Spaß“, „Large“ und „Disko“ ließen den Funk hoch leben und das Publikum tanzen. Das aktuelle Album heißt „Earth, Wind & Feiern“, was zur Mottoparty einlädt. Von dem gab es dann auch viel Material zu hören. Mit Blechbläsern und weiblichem Backgroundgesang war Einiges aufgefahren und die formidable Lightshow tat ihr Übriges dazu.
Zwischenzeitlich zelebrierten Caliban Headbanging, Circle Pits und ein aggressiv-freundliches Aufeinanderlosgehen mit klaren Ansagen gegen Nazis und Intoleranz. Während Jan Delay noch den Sonnentag feierte, ging es hier düster zur Sache – auch wenn das Rammstein Cover „Sonne“ ertönte. Das Publikum zog mit und der Refrain „Eins – hier kommt die Sonne“ wurde textsicher gefeiert. Der Titelsong des neuen Albums heißt „Dystopia“ und beschreibt sowohl den Zustand der Welt als auch die Widrigkeiten der Lockdown-Zeit. Das sprach mal wieder vielen aus der Seele. Gut, dass die Zeit von Masken und Impfausweis (vorerst) ad acta gelegt scheint.
Die Broilers zeigten sich auf der Hauptbühne „Utopia Stage“ von ihrer besten Seite und hielten die Feierlaune am Kochen. Sammy Amara war ein extrem sympathischer Frontmann und schaffte es, die Punk-Atmosphäre in den Abend zu retten und das Feld für Green Day zu bereiten. Dabei waren die Broilers selbst ein würdiger Headliner. „Zurück zum Beton“ passte perfekt als Eröffnungssong – standen doch die Zuschauer feste springend auf der Asphaltfläche. Atmosphärisch war es ein hervorragendes Konzert mit wehmütigen und kritischen Texten. Der epische Bläserklang der Band verband gekonnt Funk und Punk. So soll das sein! Sehr engagiert gab es große Circle Pits, auch und gerade als Sammy – auf sein Alter anspielend – die „Jugendlichen von 40 Jahren“ ansprach. Es gab einen Kniefall des Publikums und ausgelassenes Springen. Und natürlich bekamen „Alice Weidel und die ganze Nazischeiße“ zum Song „Alice und Sarah“ ordentlich ihr Fett weg. So gehört sich das!
Der Rostocker Marteria ist auf „Vollkontakt Tour“. Das mit dem Körperkontakt ist nicht so einfach als Künstler bei ROCK AM RING. Auf der „Mandora Stage“ gab es einen lauten Set mit viel Elektronik. Die Produktion von DJ Koze zeigt Wirkung. Daher war es nicht so atmosphärisch wie im Doppelpack mit Casper vor drei Jahren. Immerhin schaffte es der gute Marten, den Anwesenden Frauen mehr Geltung zu verschaffen. Zu „Marteria Girl“ sollten alle Girls auf die Schultern ihrer Begleiter. Das klappte sichtlich gut und Marteria konnte den Song allen Girls widmen. Für „El Presidente“ gab es hingegen eine komplett neue Strophe, die den Krieg in der Ukraine thematisierte. Verdammt passend! Dass Campino auch noch hier auf der Stage auftauchte, um Zungenküsse mit Marteria auszutauschen und ihre Ossi-Wessi-„Feindschaft“ ausgiebig zu zelebrieren, sei nur am Rande erwähnt.
Auf der „Utopia Stage“ begann nun das gespannte Warten auf Green Day. Und als die US-Band, die in den 90ern das Revival des Punkrock eingeläutet hatte, endlich auf der Bühne stand, kamen ihre Headliner-Qualitäten voll zur Geltung. Was für eine geile Show! Einziges Manko: Die Zuschauer im hinteren Bereich der großen Fläche konnten nur einen Bruchteil des Sounds genießen, da die entsprechenden Boxen aus unerfindlichen Gründen entweder ausgeschaltet oder sehr leise eingestellt waren. Alles Hadern nutzte nichts – vorne brachten Billie Joe Armstrong und Green Day die Menge zum Kochen. Der Opener „American Idiot“ schlug direkt ein, aber es gab auch stille Momente. Was für ein Bild, als Billie die Fans zu „Boulevard Of Broken Dreams“ an die Handys bat: Ein Meer aus Lichtern beleuchtete das Festivalgelände und stimmgewaltig wurde der Song mitgegrölt. Der Frontmann war ständig im Kontakt zum Publikum und trieb sein Spiel mit Gesten und Sprechchören. Flammenshow auf der Bühne – dann eine Zuschauerin, die sich am Bass versuchen durfte und das Instrument am Ende gar geschenkt bekam. Tatsächlich in Green Day verliebt haben wir uns, als „Basket Case“, „She“ und „When September Ends“ erklangen. Das brachte perfekte Stadion- und Festivalatmosphäre mit Gänsehaut und Kribbeln im Bauch. Und zum Schluss gab es ein respektables Feuerwerk, das die Main Stage schließen sollte.
Aber es war noch nicht die Zeit, in Auto, Zelt oder Hotel zu entschwinden. Auf der zweiten Hauptbühne gab es ja noch das Late Night Special von SCOOTER. H.P. Baxxter ist es schon lange gewohnt, vor großem Publikum zu spielen, aber dass Techno und der elektronische Dancefloor solche Massen anzogen, war dann doch eine Überraschung. Keiner wollte nach Hause. Klar: Man hatte lange genug auf Livekonzerte verzichtet. Also jetzt Samples, leicht bekleidete Tänzerinnen, eine wirklich ordentliche Pyroshow und Songs von „God Save The Rave“ über „Nessaja“ und „How Much Is The Fish?“ bis hin zum ultimativen „Endless Summer“ mit dem unvermeidlichen „Hyper, Hyper“. Mottosong war definitiv „FCK 2020“ als ein „Fick dich“ an die Corona-Jahre. Und zu „Fire“ war die Hütte ordentlich am brennen. Scooter am Ring? Aber ja doch!
Als Fazit des ersten Tages bleibt zu sagen: Das Line-up war besser als sein Ruf. Viel Partymucke, was dem feier-, tanz- und springwütigen Publikum gerade recht kam. Das im Vorfeld stark kritisierte Cashless-System hat gut funktioniert und sorgte dafür, dass die extrem langen Schlangen vergangener Jahre ausblieben. Auch gut! Und die Wettervorhersagen hatten zum Glück gelogen. Es war den ganzen Tag über trocken mit leichter Sonnenbrand-Gefahr. So ist es auch für Tag 2 angesagt. Mal sehen.
Was für ein Start von ROCK AM RING 2022. Die Leute sind ausgehungert, was Livemusik angeht. Endlich geht es wieder los – am Anfang noch mit sonnigem Kaiserwetter. Eine geile Idee, die DONOTS den Opener machen zu lassen. Um 14 Uhr war das Gelände proppevoll und es gab Party ohne Ende. Ein besonderer Clou: Was wäre ROCK AM RING ohne die TOTEN HOSEN? Also hat Ingo in alter Freundschaft kurzerhand Campino und seine Gang mit zum großen Happening geladen. Zunächst gab es „Hier kommt Alex“ – und dann das Beste: Die DONOTS und DIE TOTEN HOSEN singen DIE ÄRZTE. Gemeinsam mit dem Publikum gab es den ultimativen „Schrei nach Liebe“. Im Anschluss ging es von Ibbenbüren nach Südengland und YOU ME AT SIX gaben sich die punkige Ehre. So darf es weiter gehen. Wir werden berichten!
An diesem Wochenende ist es endlich so weit: Die große Werkschau „Alles aus Liebe: 40 Jahre Die Toten Hosen“, die die Band ihren Fans und sich selber zum Geburtstag schenkt, erscheint! Für Die Toten Hosen der geeignete Anlass, um sich in kleinem Rahmen gegenseitig Glück zu wünschen, die Torte anzuschneiden und endlich auch die Gelegenheit, um die persönlichen Präsente auszutauschen.
40 Jahre Die Toten Hosen: Gegründet Anfang 1982 von fünf Freunden, die sich unter anderem aus den versprengten Resten der damaligen Underground-Deutschpunk-Legende ZK rekrutierten. Die Prognosen aus ihrem Umfeld für die Lebensdauer der Band lauteten: Wenige Monate. Heute, 40 Jahre später, nach unzähligen Irrungen und Wirrungen, Hymen, Hits, Pleiten, Pech und Pannen sind Die Toten Hosen nicht nur eine der langlebigsten und erfolgreichsten deutschsprachigen Bands, sondern gehören auch zum Kulturkanon der Bundesrepublik Deutschland.
„Wir haben uns das nicht ausgesucht, aber irgendjemand musste es ja machen“, so kommentiert Campino, Sänger und Frontmann der Band, die bislang drei Bundeskanzler und eine Bundeskanzlerin überlebte, dieses erstaunliche Jubiläum.
Anlässlich der Feierlichkeiten zum runden Geburtstag gönnen sich Die Toten Hosen nicht nur eine große Tournee, sondern auch eine umfangreiche Werkschau, die in einer liebevoll gestalteten Vierfach-Vinyl-LP-Box, Doppel-CD und digital erscheint. Neben den wichtigsten Nummern aus den vier Jahrzehnten ihres Schaffens, haben es sich Andi, Breiti, Campino, Kuddel und Vom nicht nehmen lassen, zusammen mit ihrem langjährige Produzenten Vincent Sorg auch sieben brandneue Stücke einzuspielen. Darüber hinaus wurden mehrere bereits veröffentlichte Klassiker aus dem Repertoire der Band neu eingespielt und weitere mit einem Remix soundmäßig auf den neuesten Stand gebracht.
Die Toten Hosen: „Ehrensache, dass wir zu unserem runden Geburtstag und zu den dazu angesetzten Konzertterminen, auf die wir uns ganz besonders freuen, den Menschen neue Musik mitgeben wollten. Und wo wir schon einmal im Studio waren, haben wir uns den Luxus gegönnt, ein paar Nummern zu überarbeiten oder auf Stand zu bringen, die uns aus den unterschiedlichsten Gründen am Herzen lagen. In erster Linie als Geschenk an uns, aber wir freuen uns natürlich auch, wenn es auch anderen Spaß macht“.
Die großen Geburtstagspartys starten demnächst:
ALLES AUS LIEBE – 40 JAHRE DIE TOTEN HOSEN
07.06.22 Flensburg – Flens – Arena
10.06.22 Köln – RheinEnergieSTADION – Ausverkauft
15.06.22 Rostock – IGA Park
18.06.22 München – Olympiastadion
24.06.22 Düsseldorf – Merkur Spiel-Arena – Ausverkauft
25.06.22 Düsseldorf – Merkur Spiel-Arena – Ausverkauft
30.06.22 Kassel – Auestadion
02.07.22 Wien – Krieau Open Air
09.07.22 Leipzig – Festwiese
14.07.22 Hamburg – Open Air am Volkspark
16.07.22 Stuttgart – Cannstatter Wasen – Ausverkauft
17.07.22 Zürich – Letzigrund Stadion
20.07.22 Locarno – Moon&Stars
23.07.22 Freiburg – Messeplatz
24.07.22 Mannheim – Maimarktgelände
20.08.22 Berlin – Flughafen Tempelhof – Ausverkauft
27.08.22 Bremen – Bürgerweide – Ausverkauft
03.09.22 Konstanz – Bodensee Stadion
10.09.22 Minden – Weserufer Kanzlers Weide – Ausverkauft
Es ist nur ein kleines, 96seitiges und sehr handliches Büchlein, das aber doch recht viel Inhalt liefert. Autor Max Wellinghaus hat sich die Mühe gemacht, aus sorgfältig dargelegten Quellen (Radio, Fernsehen, Presse und Internet) eine Sammlung netter und spannender Anekdoten um die Toten Hosen und ihren illustren Fronter Campino in lesbare Form zu bringen.
Ähnliches hat der Autor schon für Künstler wie Loriot und Udo Jürgens verfasst. Klar kann man auch selbst das Internet durchstöbern und wird einige interessante Interviews und kleine Geschichten finden. Das steht außer Frage. Wellinghaus vollbringt hier also wahrlich keine biografische Leistung. Da die Quellenangaben stimmig sind, erinnert das Ganze eher an eine gute studentische Hausarbeit.
Es ist einfach eine vergnügliche Lektüre – und der Preis von 8 Euro für das im Hosentaschenformat gehaltene Hardcover-Büchlein erscheint durchaus angemessen.
Im Dezember 1981 haben die Toten Hosen angefangen miteinander zu proben, der genaue Tag verlor sich im Nebel der Zeit. Deshalb ist das Datum ihres ersten Konzertes am 10.04.1982 im Bremer „Schlachthof“ der offizieller Bandgeburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums veröffentlicht die Band als Überraschung für Fans und Wegbegleiter ihr „Wort zum Sonntag“ als Neuaufnahme im „70 ist die neue 60, ihr Lutscher!“-Mix und ein bewegendes Video, das 40 Jahre Bandgeschichte Revue passieren lässt.
Die Toten Hosen: „40 Jahre sind eine lange Zeit und wir sind einfach nur dankbar, was wir alles erleben und zum Teil auch überleben durften. An diesem Tag denken wir an alle, die uns auf diesem Weg begleitet haben, vor allem an diejenigen, die heute nicht mehr bei uns sein können und an Euch! Welches Lied könnte dafür passender sein, als ein Song, der wie kein zweiter als das ‚Glaubensbekenntnis‘ der Toten Hosen gilt? Wir wünschen Euch viel Vergnügen! Happy Birthday to all of us!“.
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Willkommen zur deutsch-deutschen Ost-West-Therapie! Marteria und Die Toten Hosen laden ein zur Premiere ihrer Videos der heute erscheinenden Doppel-A-Seiten-Single „SCHEISS WESSIS“ / „SCHEISS OSSIS“. Es geht um ein gesamtdeutsches Problem: Wie kann es sein, dass es über 30 Jahre nach dem Mauerfall immer noch ein Fremdeln und so viele Vorurteile zwischen Ost- und Westdeutschen gibt? Wieso spricht man überhaupt noch von Ost- und Westdeutschen? Wieso kommen viele Wessis und Ossis so lange nach der Wiedervereinigung immer noch nicht miteinander klar?
Fotocredit: Chris Schwarz
Als Marteria und die Hosen die Songs vor drei Monaten eingespielt haben, war die Welt aber noch ein andere: mit dem Beginn von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine ist nichts mehr, wie es vorher war. Die beiden Songs erscheinen jetzt zeitlich in einem völlig anderen Kontext, als sie gedacht waren. Die Musiker haben sich trotzdem entschlossen, die Lieder zu veröffentlichen, weil sie letztendlich als Hymnen auf den Zusammenhalt und die Freundschaft gedacht sind, egal woher man kommt. Das erscheint in der aktuellen Situation wichtiger denn je.
Das Konzept für die dazugehörigen Videos war schnell klar: Es funktioniert nur mit Gästen aus beiden Teilen der Republik, die, jeder auf seine Art und Weise, stilprägende Repräsentanten der sogenannten alten und neuen Bundesländer sind. „Es war ein Riesenspaß, uns zu überlegen, wer dabei mitmachen könnte und wir sind unfassbar glücklich über unsere Gäste. Alle haben sofort den Humor und den Spirit hinter der Idee verstanden und waren mit vollem Körpereinsatz dabei. Ob Roberto Blanco, Finch, der wahre Heino, Cem Özdemir oder Katarina Witt – sie alle haben uns einen unvergesslichen Tag geschenkt (und einen Haufen Autogramme).“
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Vor über zehn Jahren trafen sich der Rostocker Rapper Marteria und der Düsseldorfer Rockmusiker Campino beim Fußballspielen im Backstage-Bereich eines Festivals, es war Liebe auf den ersten Blick. Auch die anderen Toten Hosen lernten den Rapper bald kennen. Daraus resultierte schnell eine Zusammenarbeit: Für das Album „Ballast der Republik“ schrieben Campino und Marteria gemeinsam einige Texte. Das war nur der Anfang einer großen Freundschaft, die im Laufe der Jahre durch viele weitere Projekte, gemeinsame Reisen, Parties und Auswärtsfahrten immer intensiver wurde. Nun kommt es zu einer spektakulären Kollaboration. Mit der Doppel-A-Seiten-Single „SCHEISS OSSIS“ / „SCHEISS WESSIS“ beleuchten Marteria und Die Toten Hosen in jeweils eigenen Songs Befindlichkeiten und Selbstwahrnehmungen im Jahr 32 nach dem Mauerfall.
„SCHEISS WESSIS“ ist die erste Single der am 27.05. erscheinenden, neuen Werkschau „Alles aus Liebe: 40 Jahre Die Toten Hosen“. Die Single wird zusammen mit Marterias „SCHEISS OSSIS“ als Doppel-A-Seiten-Single, limitiert auf 4.000 Stück in bundesgrünem und 4.000 Stück in zonenblauem Vinyl sowie als Download und Stream veröffentlicht.
„SCHEISS WESSIS“ und „SCHEISS OSSIS“ – natürlich ist das eine gemeinsame Aktion von Marteria und den Toten Hosen. Es geht um eine Sache, die uns schon seit langer Zeit beschäftigt: Wie kann es sein, dass es über 30 Jahre nach dem Mauerfall immer noch ein Fremdeln und einen Haufen Vorurteile zwischen Ost- und Westdeutschen gibt? Wieso spricht man überhaupt noch von Ost- und Westdeutschen?
„Als wir die Songs vor drei Monaten eingespielt haben, war die Welt noch ein andere: mit dem Beginn von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine ist nichts mehr, wie es vorher war. Vielleicht ist auch unser Thema dadurch etwas in den Hintergrund gerückt, aber letztendlich sind diese Lieder auch ein Plädoyer für das Zusammenwachsen, für das Gemeinsame und für die Freundschaft. Wir können es kaum erwarten, die Songs mit Euch zu teilen.“ (Die Toten Hosen & Marteria, 17. März 2022)
Vor ziemlich genau zehn Jahren trafen sich der Rostocker Rapper Marteria und der Düsseldorfer Rockmusiker Campino beim Fußballspielen im Backstage-Bereich eines Festivals, es war Liebe auf den ersten Blick. Auch die anderen Toten Hosen lernten den Rapper bald kennen. Daraus resultierte schnell eine Zusammenarbeit: Für das Album „Ballast der Republik“ schrieben Campino und Marteria gemeinsam einige Texte. Das war nur der Anfang einer großen Freundschaft, die im Laufe der Jahre durch viele weitere Projekte, gemeinsame Reisen, Parties und Auswärtsfahrten immer intensiver wurde.
Nun kommt es zu einer spektakulären Kollaboration. Es geht um ein heißes gesamtdeutsches Eisen: Wieso kommen so viele Wessis und Ossis über 30 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch nicht miteinander klar? Mit der Doppel-A-Seiten-Single „SCHEISS OSSIS“ / „SCHEISS WESSIS“ beleuchten Marteria und Die Toten Hosen in jeweils eigenen Songs Befindlichkeiten und Selbstwahrnehmungen im Jahr 32 nach dem Mauerfall.
Die Veröffentlichung erscheint auf dem Label der Toten Hosen als Doppel-A-Seiten-Single, limitiert auf 4.000 Stück in bundesgrünem und 4.000 Stück in zonenblauem Vinyl sowie als Download und Stream. Auf allen Vorbesteller-Plattformen sind die Vinylsingles leider schon ausverkauft, im ausgewählten Schallplattenfachhandel gibt es zur Veröffentlichung am 25.3. noch einige Exemplare.
ALLES AUS LIEBE – 40 JAHRE DIE TOTEN HOSEN
10.06.22 Köln – RheinEnergieSTADION – Ausverkauft
15.06.22 Rostock – IGA Park
18.06.22 München – Olympiastadion
24.06.22 Düsseldorf – Merkur Spiel-Arena – Ausverkauft
25.06.22 Düsseldorf – Merkur Spiel-Arena – Ausverkauft
30.06.22 Kassel – Auestadion
02.07.22 Wien – Krieau Open Air
09.07.22 Großpösna – Störmthaler See (bei Leipzig)
14.07.22 Hamburg – Open Air am Volkspark
16.07.22 Stuttgart – Cannstatter Wasen – Ausverkauft
17.07.22 Zürich – Letzigrund Stadion
20.07.22 Locarno – Moon&Stars
23.07.22 Freiburg – Messeplatz
24.07.22 Mannheim – Maimarktgelände
20.08.22 Berlin – Flughafen Tempelhof
27.08.22 Bremen – Bürgerweide – Ausverkauft
03.09.22 Konstanz – Bodensee Stadion
10.09.22 Minden – Weserufer Kanzlers Weide – Ausverkauft
Lange haben ihre Fans darauf gewartet: Endlich veröffentlichen Die Toten Hosen wieder neue Musik! „SCHEISS WESSIS“ heißt das frisch eingespielte Lied, das am 25.3.22 als auf 4.000 Stück limitierte 7“ Single in bundesgrünem Vinyl, als Download und Stream erscheint.
Am 10.6. startet die Band ihre große „Alles aus Liebe – 40 Jahre Die Toten Hosen“-Jubiläums-Tournee, bei der sie in 17 Städten zusammen mit über einer halben Million Gästen ihren Geburtstag feiern wird.
ALLES AUS LIEBE – 40 JAHRE DIE TOTEN HOSEN
10.06.22 Köln – RheinEnergieSTADION – Ausverkauft
15.06.22 Rostock – IGA Park
18.06.22 München – Olympiastadion
24.06.22 Düsseldorf – Merkur Spiel-Arena – Ausverkauft
25.06.22 Düsseldorf – Merkur Spiel-Arena – Ausverkauft
30.06.22 Kassel – Auestadion
02.07.22 Wien – Krieau Open Air
09.07.22 Großpösna – Störmthaler See (bei Leipzig)
14.07.22 Hamburg – Open Air am Volkspark
16.07.22 Stuttgart – Cannstatter Wasen – Ausverkauft
17.07.22 Zürich – Letzigrund Stadion
20.07.22 Locarno – Moon&Stars
23.07.22 Freiburg – Messeplatz
24.07.22 Mannheim – Maimarktgelände
20.08.22 Berlin – Flughafen Tempelhof
27.08.22 Bremen – Bürgerweide – Ausverkauft
03.09.22 Konstanz – Bodensee Stadion
10.09.22 Minden – Weserufer Kanzlers Weide – Ausverkauft
Über die vergangenen 15 Jahre sind FEUERSCHWANZ nicht nur zu einer der heißesten Bands im Folk Rock avanciert, sondern haben sich auch einen Namen als eine der unterhaltsamsten Vertreter des Genres gemacht. Ihren Weg an die Spitze hat sich die Band durch Beharrlichkeit, unnachgiebigem Touren und einem grandiosen Album nach dem anderen erarbeitet – nun greifen FEUERSCHWANZ mit „Das elfte Gebot nach den Sternen“. Bekannt für ihre ironischen Texte, eingängigen Songs und eine ordentliche Spur Hedonismus, haben FEUERSCHWANZ auf Album #9 mit einem härteren, direkteren Ansatz noch eine Schippe draufgelegt.
Neben den eigenen fesselnden und intensiven Songs, haben FEUERSCHWANZ einmal tief durchgeatmet, gegrinst, ihre Komfortzone verlassen und ein Coveralbum mit dem Namen „Die sieben Todsünden“ eingespielt – mit Songs von deutschen wie auch international erfolgreichen Künstlern, die man nicht unbedingt in FEUERSCHWANZ‘ Nähe verorten würde. Unter anderem dabei: „I See Fire“ von Ed Sheeran, „Hier kommt Alex“ der Toten Hosen, „Amen & Attack“ von Powerwolf, „Gott mit uns“ von Sabaton oder „Engel“ von Rammstein.
Zunächst zu den Coversongs:
„Ding“ und „Hier kommt Alex“ funktionieren sehr gut mit dem Härtegrad, den FEUERSCHWANZ zum Original hinzufügen. Dabei ändert sich gerade bei dem Hosen-Song gar nicht so viel. Das war schon immer ein starkes Brett. Die Songs von Powerwolf und Sabaton klingen den Originalen sehr ähnlich – aber was hätte man da auch ändern sollen? „Engel“ bekam zumindest einige orientalische Elemente mit. Ganz spannend. Größte Überraschung ist aber „I See Fire“. Aus der sphärischen Hymne wurde eine Powerballade mit mittelalterlichen Instrumenten. Nicht von schlechten Eltern. Fazit: „Die sieben Todsünden“ sind gut und schnörkellos zusammengefasst. Und es war ganz sicher keine Todsünde, dieses Album quasi als Bonus mit draufzulegen.
Die neuen Stücke:
Es dürfte ja allen bewusst sein, dass FEUERSCHWANZ vor allem als Liveband wirken. Aber um sich nicht ständig zu wiederholen, braucht man natürlich bisweilen neues Repertoire. Vor zwei Jahren stand die Band ganz im Zeichen des Met. Daran ändert sich auch jetzt nicht viel. Met und schöne Frauen sind ihr Markenzeichen – so sind Songs wie „Metfest“ und „Schildmaid“ natürlich gesetzt.
„Meister der Minne“, „Kampfzwerg“ und „Mission Eskalation“ bieten harte Metalklänge mit Folkrock und stilvollen Instrumenten. Ganz wie immer und in positiv feierndem Wohlklang. Doch es geht auch ernster: Da sind der nachdenkliche Titelsong, die erzählende Geschichte „Im Bauch des Wals“, ein morbider „Totentanz“ und die abschließende Hymne „Unter dem Dravhenbanner“.
Beide CDs bilden eine musikalische Einheit. Die Themenkomplexe sind gut gewählt und führen an manchen Stellen von der Met-Spaßgesellschaft weg, was mir besser gefällt als bei manchen Vorgängeralben. Mittelalter-Folk und metallische Klänge halten sich die Waage. Auf ein Neues – beim nächsten Mittelaltertag. Spätestens 2021 sollte die Truppe die Bühnen wieder zum brennen bringen.
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Wir haben schon darüber berichtet, dass der KiWi-Verlag eine Reihe von Musikbüchern veröffentlicht, bei der bekannte Persönlichkeiten über ihre Lieblingsband schreiben. Subjektiv, emotional und voller schöner Anekdoten.
Noch genialer aber, als diese Bücher zu lesen, ist es, sie vorgelesen zu bekommen – und das am besten vom Autor selbst. Dafür wurden Hörbucher erfunden.
Thees Uhlmann, selbst Künstler und Frontmann von Tomte, erzählt von seiner Liebe zu den Toten Hosen. Es ist ein Buch voller Anekdoten, das aus zutiefst subjektiver Sicht eine dreißig Jahre andauernde Liebe beschreibt und eine dicke Freundschaft, die daraus entstanden ist. Mit so viel Herzblut geschrieben, dass man ihm jedes Wort abnimmt.
Bei Grand Hotel van Cleef gibt es nun das dazu passende Hörbuch als ungekürzte Autorenlesung. Und es ist einfach megacool. Thees liest in gut drei Stunden seine Liebeserklärung an die Düsseldorfer (Punk-)Rockband mit unaufgeregter Stimme. Absolut authentisch!
2005 ließen Die Toten Hosen schon einmal ihre Verstärker ruhen und veröffentlichten mit „Nur zu Besuch – Unplugged im Wiener Burgtheater“ ein rein akustisches Konzert. Vierzehn Jahre und einige Aufführungen mit dem Symphonieorchester der Musikhochschule Düsseldorf später reifte dann innerhalb der Band die Idee ihren alten Stücken ein neues Gewand im Big Band Sound zu verpassen. Diesmal sollte es aber nicht nur um reduzierte, unverstärkte Versionen der eigenen Songs gehen, sondern vielmehr um das Einbringen neuer Instrumente und neuer Interpretationen des bekannten Materials. Das Ergebnis feierte schließlich im Sommer 2019 unter dem Motto „Mit Pauken und Trompeten“ bei zwei Auftritten in der Düsseldorfer Tonhalle seine Premiere, die es nun mit dem noch schöneren Titel „Alles ohne Strom“ in Form einer CD und DVD/Blu-ray (erhältlich ab dem 22.11.) auch für das heimische Wohnzimmer gibt.
Laut Campino wollten Die Toten Hosen von Beginn an eigentlich immer eine Big Band sein, was angesichts ihrer wilden Punkvergangenheit getrost als Scherz verstanden werden darf. Trotzdem sind sie dieser Idee vermutlich noch nie so nahe gekommen wie auf „Alles ohne Strom“. 21 Songs haben es auf den Live-Mitschnitt geschafft und bis auf den Uralt-Klassiker „Hier kommt Alex“ sind es allesamt Songs, die es auf der „Unplugged“-Scheibe von 2005 nicht zu hören gab. Klangqualität und –tiefe lassen keine Wünsche offen und ein geschmackvolles Artwork mit einem 28 Seiten starken Booklet im aufklappbaren Digipak runden die Geschichte auch optisch ab.
Musikalisch machen die 79 Minuten fast durchgehend Spass. Der beginnt mit dem A capella-mäßigen Opener „Entschuldigung, es tut uns leid!“ und endet mit einer intensiven Version des schon im Original intensiven „Tage wie diese“. „Hört her und öffnet eure Ohr’n, wir sind zurück wie neu gebor’n“, singt Campino in „Strom“ und die Zeile könnte gut als Überschrift über dem gesamten Album stehen. Neu sind auf jeden Fall die liebevoll-melancholische Hymne „Kamikaze“, „Sorgenbrecher (Auf Euch)“, in dem die Band die Freundschaft und die Liebe feiert, „Feiern im Regen“ und das aus Sicht einer Auschwitz-Überlebenden geschriebene „Schwere(-los)“. Man darf gespannt sein welches Stück davon sich auf dem nächsten regulären Hosen-Album wiederfindet. Bei „Kamikaze“ und „Schwere(-los)“ hätte ich nichts dagegen.
Hinzu kommen ein paar Coverversionen. „Ohne dich“ von Rammstein ist verzichtbar, „Politische Lieder“ von Funny van Dannen akzeptabel und „Everlong“ von den Foo Fighters eine gelungene Gotteslästerung. Musikalisch mit Violine und Bläsern durchaus ungewöhnlich interpretiert, kommt Campino gesanglich natürlich nicht an Dave Grohl heran. Aber wer schafft das schon? Ansonsten bildet sein kehliger Gesang, der nach Straße, Kippen und Bier klingt einen Kontrapunkt zu den oftmals warmen Songarrangements, wodurch „Alles ohne Strom“ durchgängig an Spannung gewinnt. Insgesamt stehen Die Toten Hosen als 17-köpfige Combo auf der Bühne und lassen sich von Jazzanleihen, Polkarhythmen und Ska durch ihre über 35-jährige Bandgeschichte treiben. An der ein oder anderen Stelle schielen sogar die Beatles und Bob Marley um die Ecke. Die Fans honorieren „Alles ohne Strom“ mit Sprechchören und Gesängen und man muss nicht erst die DVD/Blu-ray abwarten, um sich die grossartige Stimmung in der Tonhalle bildlich vorstellen zu können.
Im Grunde ist das, was Die Toten Hosen machen ja schon lange kein Punk mehr. Dennoch darf man an dieser Stelle den Hut vor der Experimentierfreude der Band ziehen. Bevor sie sich endgültig in Belanglosigkeiten und ewiger Wiederholung verliert, schafft sie es auf „Alles ohne Strom“ eine Spielfreude zu entwickeln, von der sich andere Kollegen gerne eine dicke Scheibe abschneiden dürfen.
Das ist doch mal ein schönes Konzept, das gleich zwei Seiten in den Mittelpunkt stellt: In der neuen Musikbibliothek des KiWi Verlags schreiben bekannte Persönlichkeiten über ihre musikalischen Lieblinge.
Thees Uhlmann, selbst Künstler und Frontmann von Tomte, erzählt von seiner Liebe zu den Toten Hosen. Ein Buch voller Anekdoten, das aus zutiefst subjektiver Sicht eine dreißig Jahre andauernde Liebe beschreibt und eine dicke Freundschaft, die daraus entstanden ist. Mit so viel Herzblut geschrieben, dass man ihm jedes Wort abnimmt.
Die bekannte Journalistin Anja Rützel schreibt über Take That – und spricht mir aus der Seele. Es geht um die bitteren Momente, als Robbie die Band verließ, und um die schönen, als es zur Neuformierung und Wiedervereinigung kam. Mit persönlichen Worten und dem ureigenen Herzschmerz.
Schriftsteller Tino Hanekamp liefert einen wunderbaren erzählerischen Trip zu Nick Cave, der Vergangenheit und Gegenwart vereint. Ein Roadtrip als Liebeserklärung an den großen Star.
Die Radiomoderatorin Sophie Passmann widmet sich schließlich dem kalifornischen Songwriter Frank Ocean. Sie erzählt, warum dieser den Soundtrack ihres Lebens geschrieben hat. Ihre Depressionen und den Sturz in die Extreme beschreibt sie mit schonungsloser Offenheit.
Passend zu der Lektüre kann man sich übrigens zu jedem Buch eine Spotify-Playlist als Hintergrundmusik abspielen. Der KiWi Verlag hat einfach an alles gedacht und liefert hier zunächst vier sehr schöne Büchlein im handlichen Format, die Leseratten und Musikliebhaber vereinen. Hoffentlich werden dem noch viele Bände folgen.
Auf ihrer kurzen Tour im Sommer 2015 hatten die Toten Hosen Teile des Sinfonieorchesters der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf mit dabei, um auf ihr Projekt „Entartete Musik“ hinzuweisen. In einer Zeit, in der der rechte Rand der Gesellschaft verstärkt an Aufmerksamkeit gewinnt, war es eine bewegende Ansage, die Campino zu den entsprechenden Musikstücken machte.
Im Oktober 2013 veranstalteten Die Toten Hosen und das Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf drei Konzerte in der Tonhalle Düsseldorf. Unter dem Titel „Willkommen in Deutschland“ wollten die Musiker an die Reichsmusiktage und die Ausstellung „Entartete Musik“ im Düsseldorfer Ehrenhof 75 Jahre zuvor erinnern. Mit dem Etikett „entartet“ stigmatisierten die Nationalsozialisten jede unerwünschte Form von Musik, vor allem jüdischer Künstler und Vertretern der Avantgarde und des Jazz. Dieser Hass gipfelte 1938 in der Ausstellung „Entartete Musik“, die nach dem Vorbild der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ den vermeintlichen Einfluss des „Jüdischen“ und des „Undeutschen“ dokumentieren sollte.
Mit „Willkommen in Deutschland“ stellten die Toten Hosen und die Robert Schumann Hochschule die von den Nationalsozialisten verfemte Musik in den Mittelpunkt eines Konzertabends. Das Programm, das von der Band und der Hochschule gemeinsam ausgewählt wurde, zeigt das ganze breite Spektrum, sogenannter „entarteter“ Musik. Es reicht von unterhaltsamer Filmmusik über Kompositionen von den Comedian Harmonists und Kurt Weill bis hin zu Schönbergs dramatischem Werk „Ein Überlebender aus Warschau“. Auch aktuellere Lieder, die damals sicher in Ungnade gefallen wären, wurden aufgeführt und so sind auch mehrere Songs der Toten Hosen dabei, die speziell für diesen Abend neu arrangiert wurden.
Die CD/DVD zum Konzert hält nun diese besonderen Stunden aus dem Jahr 2013 für die Nachwelt fest. Die Aufnahme entstand in der Düsseldorfer Tonhalle und bietet atmosphärische Musik für verschiedene Geschmäcker. Da sind die Orchesterstücke, beispielsweise von Max Bruch, Auszüge aus der „Dreigroschenoper“, Stücke wie „Die Moorsoldaten“ und „Einen großen Nazi hat sie“. Campino und die Hosen zeigen sich hier von einer ganz neuen Seite, die man ihnen aber ohne Weiteres abnimmt. Selbst eigene Stücke („Willkommen in Deutschland“, „Sascha… ein aufrechter Deutscher“, „Europa“, „Das Mädchen aus Rottweil“) wurden behutsam neu arrangiert, um sie dem besonderen Ambiente des Konzerts anzupassen.
Das Ergebnis ist ein atmosphärischer Konzertabend auf zwei CDs und einer erläuternden Begleit-DVD. Alle an den Konzerten künstlerisch beteiligten Mitwirkenden verzichten auf ihre Gage und auch das Label JKP auf sämtliche Gewinne. Der ganze Gewinn aus diesem Projekt wird zur Unterstützung von Stipendiaten und Konzertprojekten der Robert Schumann Hochschule zur Verfügung gestellt.
Nikolausabend 2012 in Trier – der ältesten Stadt Deutschlands. Die alten Gemäuer sind in Eiseskälte erstarrt, die von dem bevorstehenden Wintereinbruch kündet. Doch halt: da gibt es ein Gebäude, aus dem laute Klänge und Hitzewellen ausströmen. Das Exzellenzhaus in Trier. Von Land und Leuten liebevoll als ExHaus abgekürzt.
Royales Flair weht am 6. Dezember durch das ExHaus. Schließlich entern Royal Republic die Bühne und zeigen, was gute Rockmusik aus Schweden ist. Momentan absolviert das Quartett gleich zwei Tourneen. Denn neben seiner eigenen „Save The Nation“ Tour 2012 sind sie auch noch als Support der Toten Hosen in Deutschland unterwegs. Allerorten ausverkaufte Häuser und ein begeistertes Publikum. Nur bis nach Trier hat sich die Klasse dieser Alternative-Rock-Band noch nicht ganz herum gesprochen. Das Konzert sollte ursprünglich in der Europahalle stattfinden, wurde dann aber in die kleinere Location verlegt.
Für die Stimmung kann das nur gut sein. Die Halle hätte vielleicht dem königlichen Ambiente des Bandnamens Rechnung getragen, doch die Atmosphäre im eng gefüllten Gewölbekeller passte eher dazu, was die Vorzeigerocker zu bieten hatten. Eine Wahnsinnsshow, die keinen Besucher kalt ließ. Die Haare mit Pomade nach hinten geklatscht, Lederjacke über dem Feinripp-Unterhemd und die Kippe in den Mundwinkel geklemmt. Nach diesem Klischee sah es am Anfang noch aus. Doch gar nicht lange, dann hat man sich seiner Coolness und seiner Oberbekleidung entledigt und bietet eine der heißesten Rockshows des Planeten.
Die Mischung aus Funk, Britpop, Punk und einer Menge Rock’n’Roll kommt an. „We want to make people happy, ready to party and perhaps a little bit horny“, heißt das Motto. Nicht mehr, nicht weniger. Und es gelingt. „Royal Republic“-Sprechchöre nach jedem Song, ein textsicheres Publikum, das vor allem aus Teens und Twens besteht. Auf dem aktuellen Album „Save The Nation“ sind die meisten Songs ungewohnt tanzbar und die elektronischen Elemente nehmen viel Raum ein. Aber live gibt es zum Glück die gewohnte Powermischung und ausschließlich knallharte Rockversionen der Songs beider Alben. Mit einer Ausnahme: Da man ja weiß, dass die Mainstreamsender stets auf Radiotauglichkeit bedacht sind, erklingt „Addictive“ als reduzierte Schmalzlocken-Gitarren-Version mit Schmacht-Charakter.
Die war dann aber auch nötig, denn bis dahin hatte man mächtig eingeheizt. Beispielsweise mit „Save The Nation“, „You Ain’t Nobody Til Somebody Hates You“, „Molotov“ und „Punch Drunk Love“. 60 Minuten Konzertzeit vergehen wie im Flug, die vorderen Reihen tanzen ausgelassen und Fronter Adam Grahn lässt keinen Trick aus, um auch die hinteren Reihen des schlauchförmigen Kellers mitzureißen. Da schwingen die Hartgesottenen ihre Shirts durch die Luft oder es dreht sich auch mal die komplette vordere Hälfte um und buht, wenn hinten nicht getanzt wird.
Vor der Zugabe zählt Adam nach: 15 Songs gespielt – man könnte eigentlich aufhören. Nach erneute „Royal Republic“-Rufen gibt es zunächst das ersehnte und abgefeierte „Everybody Wants To Be An Astronaut“, dann zwei weitere Songs. 18 Titel und knapp 80 Minuten Konzertlänge sind nicht die Welt für einen Headliner – doch nach dieser energiegeladenen Performance geht vermutlich jeder zufrieden nach Hause. In der Hoffnung, dass sich das Ereignis herum spricht und Royal Republic bei ihrem nächsten Gig in Trier den Publikumszuspruch bekommen, den sie verdienen.