Die Open Airs am Bostalsee nahe Bosen (Kreis St. Wendel) standen in diesem Jahr ganz im Zeichen der NRW-Metropole Düsseldorf. Popp Concerts als örtliche Veranstalter hatten der großen Festwiese am vorhergehenden Wochenende schon zwei ausverkaufte Konzerte der Toten Hosen beschert – und jetzt waren die BROILERS dran. Gut 10.000 Fans der Punkband hatten sich auf den Weg ins Saarland gemacht, um Sammy Amara und seine Bandkolleg*innen abzufeiern. Und es war eine große Sause mit allen Schikanen.
Den Anfang machten aber Swiss und die Andern aus St. Pauli. Die Band um Frontmann Swiss spielte schnellen Punk mit Crossover-Versatzstücken und einer Prise HipHop. Zur Einstimmung perfekt, auch wenn der Sänger zunächst durch gepflegtes Unwissen auffiel und sich einige Buh-Rufe einfing, als er fragte, ob man sich denn nun „im Rheinland oder im Saarland“ befinde.
Das konnte er aber schnell wieder durch eine rasante Show wettmachen. Mit Circle Pits und Wall of Death war die Menge für einen Supportact erstaunlich energisch zugange. Songs wie „Punk ist tot“ und „Punk zurück“ sorgten für eine gepflegte Standortbestimmung mit antifaschistischer Haltung. Gern nennt die Band ihre Musik „Zeckenrap“ und macht keinen Hehl aus der politischen Haltung von „Nazis raus“ bis „Fick die AfD“.
Doch auch der Spaß kam nicht zu kurz. Zwei Mädels wurden im Schlauchboot auf Händen getragen und das Publikum musste ein Meer spielen, während allerlei Crowdsurfer als Haie dazwischen funkten. So vergingen 40 Minuten Konzertlänge auf kurzweilige Art und spätestens das Ärzte-Cover „Schrei nach Liebe“ brachte die komplette Menge zum Mitsingen. Eine rundum formidable Show!
Die Broilers starteten dann um 20.45 Uhr mit „Preludio Vanitas“ und „Zurück zum Beton“. Man war krass gut drauf und freute sich über den Gig im Saarland. Sammy rekapitulierte den Karriereweg von der Garage in Saarbrücken bis zu diesem großen Open Air. Und er lieferte nicht nur klare Ansagen mit linker Haltung, sondern wies auch versöhnlich auf die Gleichheit aller Menschen hin, egal welche Hautfarbe oder Religion sie haben und egal wen sie lieben.
Zu „Diktatur der Lerchen“ gab es die beliebte Frühaufsteher-Umfrage, bei der wie immer die Nachteulen gewannen. Das Partyvolk feiert abends – und trotzdem muss man früh aufstehen, um den Rechten nicht das Feld zu überlassen. Während „Alice und Sarah“ flackerten Bilder der rechtspopulistischen Politikerin über den Bildschirm – mit dem deutlichen Motto „Lebe so, dass die AfD etwas dagegen hat!“
Der Set war vielseitig von Punk über Balladen und Reggae bis hin zu Snippets aus der früheren Oi-Phase. Zum Springsteen-Cover „Dancing in the Dark“ wurde das Gelände kurzerhand in Boss-talsee umbenannt und dann gab es auch „I’m So Excited“ der Pointer Sisters, bevor das erste Finale eingeläutet wurde.
Die großformatige Show brachte gestochen scharfe LCD-Wände, Strahler in den Himmel, Konfetti und Pyro. Da blieb kein Auge trocken und es gab ganze sieben Zugaben, bevor die Show gegen 23 Uhr mit „Meine Sache“ und „Blume“ endete. Die Broilers haben grandios abgeliefert und mal wieder deutlich gemacht, dass es neben den Hosen noch eine zweite große Punkband aus Düsseldorf gibt. Und da ist von Abschied noch lange nichts zu spüren.
Drei Tage Festival mit rund 25.000 Besucher – ein letztes Mal Rocco del Schlacko hat 2025 durchaus zu überzeugen gewusst. Dass es das letzte Mal sein würde – daran kam wohl kaum jemand vorbei. Schon einige Wochen vorher hatte Veranstalter und Rocco-Erfinder Thilo Ziegler die traurige Botschaft verkündet. Und auch auf der Bühne ließ es sich kaum eine Band nehmen, daran zu erinnern und ihre Bestürzung darüber auszudrücken. Das Publikum ließ sich davon nur wenig anmerken – oder glich es vielmehr aus, indem gefeiert wurde, als gäbe es kein Morgen mehr. Wer zwischendurch innehielt und seinen Blick über das Gelände schweifen ließ, mochte vielleicht von einer leisen Melancholie gepackt worden sein, aber für Traurigkeit sollte nach dem Festival auch noch genug Zeit bleiben.
Ein kurzer Rückblick: Das Rocco del Schlacko fand erstmals 1999 statt, damals noch auf dem Sportplatz in Püttlingen, 2004 dann für zwei Jahre auf dem Köllner Platz, bis ab 2006 das Festivalgelände Herchenbach, die „Sauwasen“, als idealer Veranstaltungsort auserkoren wurde und bis zum Ende bleiben sollte. Was als eintägiges Event begonnen hat, wurde 2006 schon zweitägig und 2010 dann zum dreitägigen Festival. Im Laufe der Jahre waren einige Größen der regionalen, nationalen und internationalen Musikwelt beim Rocco zu Gast – vor allem aus Rock, Punk, Pop, Indie, aber auch Rap und Electro.
Ein letztes Line-Up also für 2025: Was besonders auffällt, ist die hohe Anzahl an deutschsprachigen Bands. Ziegler hatte in seiner Begründung für das Aus des Festivals vor allen Dingen die Probleme beim Booking angegeben. Die großen Agenturen Eventim und Live Nation (Ticketmaster) nähmen demnach seit einigen Jahren immer mehr eine Monopolstellung ein, die es kleineren und mittelgroßen Festivals schwierig bis unmöglich mache, zu erschwinglichen Preisen namhafte Bands zu buchen – und für die Gäste ein angemessenes Ticketpreisniveau beizubehalten.
Dennoch war es für dieses Jahr möglich gewesen, noch einige hochkarätige Headliner an Land zu ziehen. KIZ wissen seit Jahren zu überzeugen und sind ein guter Garant für ein amüsantes Konzerterlebnis. Ihr Auftritt gehörte zu den Highlights am Donnerstag, unmittelbar davor gab es Kontrastprogramm auf der Sauwasen-Bühne mit der US-amerikanischen Metalcore/Post-Hardcore-Band I Prevail. Mehr Abwechslung? Besonders das jüngere Publikum feierte die Dresdner Rap-Crew 01099 – das Trio fügt sich nahtlos in den Zeitgeist-Rap ein, verzichtet auf offenen Sexismus und erzählt in erster Linie aus dem Alltag der Jungs. Außerdem auf der großen Bühne: Zartmann (Deutsch-Pop/Rap) und Drei Meter Feldweg (Punkrock). Auf der kleinen Bühne gab es auch gutes Programm; dort eröffnete die saarländische Band Alexis in Texas mit Metalcore das Festival, gefolgt von den ebenfalls aus dem Saarland stammenden Pop-Rock-Quartett MegaMensch. Betontod machen Punkrock und sind bereits seit 1990 aktiv – auf dem Rocco waren sie aber, wie mehrfach betont, in diesem Jahr zum ersten und wohl auch zum letzten Mal. Danach folgte mit Raum27 eine etwas jüngere Band; die beiden Bremer(havener) Tristan und Mathis machen seit 2017 Indie-Pop, sehr tanzbar, woke und modern. Den Donnerstags-Abschluss bildete Querbeat; die vielköpfige Brass-Band aus Bonn war bereits beim Rocco zu Gast und wusste nach KIZ mit ihrer Musik gut zu begeistern.
Das Rocco del Schlacko besticht insbesondere auf dem Festivalgelände durch kurze Wege zwischen den beiden Bühnen, aber vor allen Dingen auch mit wenigen Überschneidungen. Meist sind es nur fünf bis zehn Minuten, in denen parallel gespielt wird – wer den Ansporn hat, alle Bands des Festivals zu sehen, konnte das bei diesem Festival auf jeden Fall schaffen. In vielen anderen Fällen, insbesondere bei den Großen, ist es in aller Regel eine Frage von Entweder – Oder. Auch das hat das Rocco del Schlacko so sympathisch gemacht, auch wenn es auf dem Gelände selbst über die Jahre einige Änderungen gab und auch mal auf drei Bühnen gespielt worden ist, wo es dann zu mehr Überschneidungen kam. Dennoch: Hier konnte man für den Eintritt, den man zahlte, häufig ein Maximum herausziehen.
2025 wirkte der Freitag besonders Hip-Hop/Rap-lastig, obwohl einiges am Start war, das sich definitiv in anderen Gefilden bewegte: Team Scheisse (Punkrock) eröffnete die Sauwasen-Bühne, Screentime aus dem saarländischen Wadgassen mit Grunge und Punk auf der Ponyhof-Bühne, gefolgt von Lynne, ebenfalls aus dem Saarland, aber mit Indie-Rock unterwegs. Für viele ein Highlight am Nachmittag: Mehnersmoos (Hip-Hop) auf der großen Bühne. Madsen sind vielen ein Begriff, einige radiotaugliche Songs und eine gut laufende Karriere seit 2004 haben der Band Bekanntheit verschafft. Mit Indie-Rock/Punkrock legten die Musiker ein gutes Programm auf, bei dem so mancher Mosh- und Circlepit entstand. „Nutzt die Gelegenheit, rockiger wird’s heute nicht mehr“, behauptete jedenfalls Sänger Sebastian Madsen, womit er in großen Teilen Recht hat. Zwischendurch wurde Schlagzeuger Sascha Madsens Geburtstag mit Ständchen und Crowdsurfing gefeiert, Position gegen den Rechtsruck bezogen und insgesamt ein überzeugender Auftritt dargelegt.
Flankiert wurde Madsen, die auf der Sauwasen-Bühne spielten, von Revnoir, einer französischen Metal-Band, und 100 Kilo Herz, Punk aus Leipzig auf der Ponyhof-Bühne. Gerade bei Madsen und 100 Kilo Herz wurden auch einige Rauchfackeln eingesetzt, die durchaus zur Atmosphäre beitrugen. Jetzt aber zum Kontrast am Freitag: Schon über den ganzen Tag hinweg sah man auf dem Festivalgelände etliche Menschen mit Pappmasken herumlaufen. Darauf abgebildet: Das Konterfei von Tream. Der selbsternannte „erste Schlagerrapper Deutschlands“ kam bei Teilen des Publikums gut an. Stark aufgedrehter Bass und eine fast unangenehme Lautstärke, Partyhits, die jeder mitsingen kann, im „modernen“ Gewand, viele Konfettikanonen, Pyrotechnik – es wurde einiges aufgefahren, bei dem viele Menschen mitsingen konnten. Weniger partylastig als altbewährt, aber mit mindestens ebenso viel Pyro und Konfetti kam Kontra K daher, der mit solider Show auch in Püttlingen überzeugte. Den Abschluss des Freitags bildete die Berliner Rapperin Ikkimel auf dem Ponyhof.
Das Saarland ist bekannt für diverse kulinarische Spezialitäten: Beim Rocco gab es nicht nur „Fleischkäs-Weck“ von Globus, hier wurde auch geschwenkt auf besonders großen Schwenkern, die Pommesportionen ließen sicherlich keinen Raum zu meckern. Auch sonst gab es viel Fast-Food, wie auf Festivals übrig. Worüber man sich sicher aufregen kann: Sechs Euro für fünf Mini-Frühlingsrollen, ertränkt in süßsaurer Soße – das hat fast schon was Unanständiges. Allgemein, so der Eindruck, waren die Essenstände direkt zwischen Haupt- und Nebenbühne besonders fair, sowohl was Preise als auch Portionen anging, die Kollegen am Ponyhof waren da etwas teurer, aber auch knausriger. Alles in allem war wie immer das dabei, was man vom Festival erwartet. Von einigen bereits kritisiert: die hohe Präsenz von Zigaretten-Werbern von Partner JPS.
Schließlich jedoch war er da, der allerletzte Festivaltag des Rocco del Schlacko. Viel schneller als erwartet und wusste ein letztes Mal zu überzeugen. Los ging es mit Melodic Metal von Roggen aus dem Saarland. Danach Still Talk aus Köln mit Indie-Rock. Und dann startete auch das Programm auf der Sauwasen-Bühne. Mit The Butcher Sisters gab es direkt in der prallen Nachmittagssonne, vor der viele in den Rand und Schatten flüchteten, eine ausgesprochen Bier- und Klamauklastige Show, auf die man sich wohl einfach einlassen musste. Metal-Jesus und ein anderer Gast durften im Bier-Wetttrinken um einen Sack voll Pfand der Band spielen (Jesus gewann nicht nur knapp beim Trinken, sondern auch beim anschließenden Stein-Schere-Papier). Als Trostpreis für den Verlierer gab es noch ein Bier und eine Bananenschale. Mit Bosse (Pop), wurde es dann direkt auch wieder ruhiger auf der Bühne, eine Jagd zwischen Ritter und Drachen wie bei TBS gab es bei dem Braunschweiger jedenfalls nicht. Der Platz vor der Bühne füllte sich jedenfalls immer mehr, die Mitsing-Quote war gut. Der Berliner Rapper UFO361, eingerahmt von Coldrain (Metalcore aus Japan) und den Hippie-Poppigen Maël & Jonas, füllte als einziger Hip-Hop-Künstler das Samstags-Lineup.
Enter Shikari hatten einen der begehrten Slots am Abend auf der großen Bühne und lieferte entsprechend ab. Die britische Post-Hardcore Band hatte nicht nur ein schönes Bühnenbild, sondern auch einen wahren Blickfang – sofern man denn folgen konnte. Sänger Roughton Reynolds erweckte den Eindruck eines menschlichen Flummis, sprang, rannte und tanzte über die Bühne, ließ sich davon aber auch nicht einschränken. Die Band ist bekannt dafür, in ihren Sets immer auch aktuelle (klima-) politische Themen anzusprechen und diese auch in ihrem Bühnenbild zu integrieren. Das mag bei großen Teilen des Publikums nicht ganz angekommen sein, vielleicht auch ein leichter Dämpfer gewesen sein, doch es bleibt beeindruckend und wichtig, dass auch solche Themen weiter angesprochen werden. Den Abschluss auf der Hauptbühne bildete der britische Alternative-Rocker Yungblud. Viel Feuer, viel Konfetti, viel „I love you“ auf deutsch oder englisch (was nach dem zehnten Mal etwas nervig wurde) – insgesamt sicherlich kein schlechtes Konzert. Eine junge Frau aus dem Publikum hatte die Ehre, einen Song lang Gitarre zu spielen. Dennoch leerte sich vor allem zum Ende des Konzerts hin der Platz vor der Bühne merklich. Denn auf der Ponyhof-Bühne wurde noch ein letztes Mal Gas gegeben. Blond, ein Indie-Pop-Trio aus Chemnitz spielte direkt nach Yungblud, mit mehreren Kostümwechseln (vom opulenten Ballkleid bei Nina (Gesang/Gitarre) und Lotta Kummer (Schlagzeug, Gesang) hin zum eher knappen Outfit) und interagierte deutlich kreativer mit der Menge, inklusive diverser feministischer Statements.
Zum wirklich allerletzten Gig kam es dann um 1.45 Uhr: Die Donots spielten eine letzte Runde auf dem Rocco del Schlacko. So ziemlich von Beginn an waren sie bei dem Festival dabei, insgesamt kommen sie nun auf zehn Auftritte – und haben sich nach der Kunde vom Aus des Rocco spontan für diesen letzten Besuch entschieden. So gab es kein Feuerwerk, keinen großen Knall in dem Sinne. Vielmehr wurde das Rocco von den Donots „mit Schmackes zu Grabe getragen“, wie Ingo Donot es treffend formulierte. Eine Setlist mit vielen Klassikern brachte den gesamten Hügel vor der Bühne zum Beben, es gab etliche Circle-Pits, einen Heiratsantrag, einige rührselige Worte vom Veranstalter Thilo Ziegler und den Donots.
Kurzum: Es war das perfekte Ende für ein Festival, das viele Saarländer*innen über lange Jahre begleitet hat, sie für ein paar Tage in die Heimat gelockt hat, das Erlebnisse und Erinnerungen geschaffen hat und dessen Verlust eine Lücke in die saarländische Kulturlandschaft reißen wird.
Seit unglaublichen 74 Jahren erscheint das Micky-Maus-Heft im Berliner Ehapa-Verlag (inzwischen: Egmont Ehapa Media GmbH). Ein Institution in weltweiten Kinderzimmern, die ich noch aus meiner Kindheit kenne und die ich auch an meine Kids weitergegeben habe. Das Magazin war ebenso abonniert wie die dicken „Lustigen Taschenbücher“. Und obwohl das Heft den Titel „Micky Maus“ trägt, waren es doch immer die Geschichten um Donald Duck und seine umtriebige Verwandtschaft, die mir und vielen anderen besonders gut gefallen haben.
In den Sommermonaten ist es schon seit Längerem ein hübscher Brauch, dass die Protagonisten auf Reisen gehen und beliebte Urlaubsorte vorstellen. So waren in diesem Jahr schon unter anderem die Hansestadt Lübeck und der Bodensee Austragungsorte von Geschichten um die Familie Duck. Und in Band 15/2025 ist die Region hier im Südwesten an der Reihe.
Egmont Ehapa Media GmbH
In der aktuellen Ausgabe begleitet Donald Duck seine Neffen nach Saarbrücken. Diese wollen im Saarland ein besonderes Wander-Abzeichen als Pfadfinder des Fähnlein Fieselschweif erlangen. Während die Kinder die saarländische Landschaft erkunden, plant Donald, sich ein paar entspannte Tage zu gönnen. Doch wie immer kommt alles anders: Die drei Neffen scheinen beim Start zu ihrer Mission die Wanderkarte vergessen zu haben. Donald begibt sich ebenfalls auf die Reise, um die Kinder zu suchen, bevor sie sich gänzlich verirren. So nimmt eine abenteuerliche Such- und Verfolgungsgeschichte ihren Lauf, die über die wunderschöne Saar, quer durch die Gassen von Trier und zum Finale ins malerische Luxemburg führt.
„Es gibt so viele eindrucksvolle Orte entlang der Saar und der Mosel, die sich perfekt für ein Abenteuer mit Donald Duck und seinen Neffen eignen. Am Ende mussten wir eine Auswahl treffen“, erklärt der verantwortliche Redakteur Johannes Kanty. Disney-Zeichner Ferran Rodriguez fügt hinzu: „Es war spannend, all diese Orte zeichnerisch zu entdecken und in witzige Szenerien umzusetzen.“
Egmont Ehapa Media GmbH
Menschen, die in der Region bewandert sind, werden einige Bilder und versteckte Insider-Witze erkennen. Da wird die berühmte Saarschleife beschrieben, es gibt das saarländische Nationalgericht „Dibbelabbes“, man kann den Trierer Domstein entdecken und die Luxemburger mit einem fröhlichen „Moien“ begrüßen. Gerade in Zeiten wiederkehrender Grenzkontrollen ist es dabei sehr wohltuend, dass die Story nicht an der deutschen Grenze halt macht.
Das Micky-Maus-Heft hat nichts an seiner Faszination verloren. Zudem können Kinder und Jugendliche hier ganz nebenbei noch etwas lernen, werden Begriffe und Schauplätze doch gern anhand informativer Fußnoten erklärt. Außerdem findet sich im Mittelteil des Magazins ein Faltblatt, auf welchem die Comic-Orte den realen Orten gegenüber gestellt werden. Wer diese aus verschiedenen Heften sammelt, hat genügend Anregungen für die nächsten Urlaube.
Die Voraussetzungen waren nicht besonders gut für das zweite Open-Air-Wochenende an der schönsten Konzertlocation im Saarland. In der Vorwoche durften Cro, Feine Sahne Fischfilet und AnnenMayKantereit noch bei bestem Sommerwetter die Bühne des Strandbads von Losheim am See stürmen, doch jetzt war es plötzlich nass und fast schon herbstlich.
Pünktlich zum Einlass am Donnerstag begann es zu regnen und das sollte sich auch bis zum Konzertende nicht ändern. Schade, aber nichts zu machen. Man durfte sich also an viele große und kleine Menschen in Regencapes gewöhnen. Und ja: Es war sehr viel Kleinvolk anwesend. Das lag nicht nur an Alvaro Soler, dem es mit seinem Charme stets gelingt, die Herzen vieler Generationen zu gewinnen, sondern auch an Special Guest Leony. Die Künstlerin aus der Oberpfalz ist noch gar nicht so lange aktiv. Sie hat erst ein Album auf dem Markt, aber eine ganze Legion von Hitsingles, die im Radio rauf und runter gespielt werden. Kein Wunder, dass sie für viele anwesende Kids der heimliche Star war und ihre Songs begeistert mitgesungen wurden.
Trotz der stilistischen Ausrichtung im Dancefloor- und Elektropop hatte Leony eine ordentliche Band im Gepäck und lieferte neben Elektronik und Samples auch handgemachte Musik. Das ist ein großer Pluspunkt – ebenso wie ihr sympathisches Auftreten und das Eingehen aufs Publikum. Es gab im 50minütigen Set viele Gassenhauer wie „Somewhere in Between“, „Crazy Love“, „Holding On“, „Raindrops“ und „Remedy“. Auch die Ballade „Lifeline“ wurde gespielt, wobei Leony zu Beginn allein am Piano die Begleitung übernahm. Und für alle, die sich mit den aktuellen Charts nicht so auskannten, gab es ein fulminantes Medley aus Lieblingssongs vergangener Jahrzehnte – von „Teenage Dirtbag“ über „Africa“ und „Umbrella“ bis hin zu „Don’t Stop Believing“, „Viva la Vida“ sowie „Wonderwall“. Da war für jeden was dabei und Alvaro konnte sich auf ein gut eingesungenes Publikum freuen.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene ließen sich die Stimmung regenbedingt keineswegs verderben. Die Konzertlocation ist auch gut ausgestattet mit gepflasterten, geschotterten und geteerten Flächen, so dass jeder sein festes Plätzchen fand und den Ausblick auf die Bühne genießen konnte. Es war nicht so voll wie in der Vorwoche, aber auch Donnerstag und Freitag hatten sich jeweils ca. 5000 Zuschauer*innen eingefunden.
Fotocredit: Tobias Ortmann
Sonnyboy Alvaro Soler startete seine Show pünktlich um 20.30 Uhr und verbreitete umgehend spanisches Flair im Strandbad. Wenn die Sonne schon nicht zu sehen war, brachte er sie doch musikalisch auf die Bühne. Stücke wie „Candela“, „Magia“, „Manila“ und „Loca“ sorgten für beste Laune auf und vor der Bühne. Voller Leichtigkeit und Lebensfreude gab es die eingängigen Songs mit ein wenig Melancholie und viel Optimismus.
Alvaro Soler ist ein Weltstar mit Gold- und Platin-Alben rund um den Globus, seine Musik sprüht vor Lebensfreude. Geboren in Barcelona, aufgewachsen in Japan, lebt der Popmusiker heute in Madrid und Berlin, spricht sieben Sprachen und ist in der Welt zu Hause. Schon früh lernte er, wie Musik Menschen und Kulturen verbindet, Grenzen überwinden lässt. Spätestens seit der Sendung „Sing meinen Song“ ist seine deutsche Fangemeinde riesig, seit 2021 ist er als Coach bei „The Voice Kids“ zu sehen und die Kids himmeln ihn an.
Es gab berührende Momente, als er allein am Piano seinen Eltern einen Song widmete. Auch er war nah am Publikum und unterhielt sich mit einer Zuschauerin, die ihm erzählte, wir sehr seine Musik und seine Persönlichkeit ihr aus der Magersucht heraus geholfen haben. Es war spürbar, dass Alvaro von solchen Momenten emotional berührt war und ihn die Geschichten der Menschen nicht kalt lassen.
Vor den Zugaben brachte Alvaro mit seiner spielfreudigen Band eine Livepremiere auf die Bühne – eine Single, die erst nächsten Freitag erscheint. Und trotzdem wurde beim zweiten Refrain schon kräftig mitgesungen. Der Funke zwischen Künstler und Publikum sprang auch hier schnell über. Das Konzert war mit knapp über 90 Minuten nicht exorbitant lang, aber zusammen mit der Performance von Leony kann man doch von einem gelungenen Abend und einer Menge guter Musik sprechen. Das durchnässte Publikum ging jedenfalls weitestgehend freudig nach Hause und freute sich aufs wärmende Bett.
Am nächsten Abend sah es zu den alten Recken von Fury in the Slaughterhouse zunächst besser aus. Zum Einlass blieb es trocken, doch just als Support 3 Miles to Essex seinen Set begann, ging ein durchwachsener Platzregen auf das Strandbad nieder. Sänger Volker Rechin erklärte das folgendermaßen: Er habe sich mit den Furies abgesprochen, dass sich alle Wolken noch während seines Auftritts ausregnen sollen, damit es dann später eine trockene Feiergrundlage für den Topact gibt. Nun denn.
Die Performance von 3 Miles to Essex hat mich dann sehr überrascht. „Er gehört zur Familie“, hatte Christof Stein-Schneider ihn angekündigt. Und wie wir später erfahren sollten, war er schon für Fury als Songwriter tätig. Jetzt aber war er ganz allein mit Gitarre aif einem großen gelben Sessel auf der Bühne zu sehen. Die Band besteht eigentlich aus zwei Leuten, doch Sebastian Demmin ist zur Zeit mit Dieter Thomas Kuhn unterwegs, daher wurden musikalische Elemente des Kompagnons eingesampelt. Die Band hat erst eine EP draußen, doch was es zu hören gab, war sehr erdig und solide. Volker sang schöne akustische Stücke mit rauchiger Stimme und hatte sympathische Ansagen dazu zu bieten. Für den Sohn gab es „Paper Aeroplane“, „Rooftop“ ging durch die Decke und als gelungene Coverversion durfte U2s „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ herhalten. Der 45minütige Set ging kurzweilig vorbei und war eine perfekte Einstimmung auf Fury.
Fotocredit: Ronja Hartmann
Die Band aus Hannover ist nun auch schon lange unterwegs. Das erste selbstbetitelte Album von Fury in the Slaughterhouse erschien 1988 und das grandiose „Mono“ kann schon dreißigsten Geburtstag feiern. Das wurde dann in Losheim auch ausgiebig getan. Kai Wingenfelder verkündete, dass es drei Arten von Songs geben wird. Viele Stücke vom neuen Album „Hope“. Damit war das Publikum nicht unbedingt glücklich, aber immerhin ist es das erste Nummer-1-Album von Fury (auch wenn das in heutigen Zeiten nicht mehr viel zu bedeuten hat). Außerdem sollte „Mono“ ausgiebig gefeiert werden, auch mit Stücken, die lange nicht mehr im Repertoire waren. Zu guter letzt waren natürlich auch genügend Klassiker am Zug – keine Sorge für alle, die in Nostalgie schwelgen wollten.
So startete man mit „Cut Myself Into Pieces“ in den über zweistündigen Set und sofort war das alte Fury-Feeling wieder da. Sie sind einfach eine Band für Festivals und verstehen es, die Stimmung hoch zu kochen und oben zu halten. Viele neuere Stücke wie „Letter To Myself“, „Better Times Will Come“ und „Why Worry?“ fügten sich gut in den Set, doch es brauchte Songs wie „Radio Orchid“ um das Publikum zum Mitsingen zu bewegen. Und damit war man schon mitten in der „Mono“-Ära, die auch vergessene Perlen wie „Friendly Fire“ mit sich brachte. Sehr schön!
Es gab „Words“ in akustischer Form und das beliebte „Dead and Gone“ mit Banjo und Handybeleuchtung. Zu „Haunted Head and Heart“, das wundervoll von Thorsten Wingenfelder interpretiert wurde, konnten die Furies in Erinnerungen an die Region schwelgen, erzählten von Konzerten in Trier, Saarburg, Konz und Zerf – und natürlich in Losheim, wo sie schon häufig zu Gast waren.
Nach dem Power-Zwischenspiel „Dancing in the Sunshine of the Dark“ wurde es nochmal ruhiger. Volker Rechin kam wieder auf die Bühne, da er das neue Stück „So Are You“ für die Band geschrieben hat. Ein Friedenslied im Angesicht des Ukraine-Kriegs, das er nun mit akustischer Gitarre begleiten und im Duett mit Kai vortragen durfte. Ein ganz besonderer Moment.
Angetrieben durch diese Grundidee des Albums „Hope“ hat die Band die NGO-Kampagne „Hoffnung verändert Alles“ ins Leben gerufen. Mit dieser Aktion setzt man das soziale Engagement von ausgewählten Hilfsorganisationen, NGOs und Vereinen in den Fokus, sammelt im Rahmen der Open-Air-Tournee Spenden. In Losheim sollte es um das politische und soziale Kulturzentrum COMMUNE gehen, das momentan in Saarbrücken entsteht und das dringend Unterstützung braucht.
Eine andere Organisation – eher nicht so gemeinnützig – wurde ironisch besungen: Mein Lieblingslied „Trapped Today, Trapped Tomorrow“ hatte man wie so oft der Deutschen Bahn gewidmet. Nach 90 Minuten, in denen es tatsächlich wie versprochen nicht mehr geregnet hatte, endete der Hauptset mit dem genialen Triple „Every Generation Got Its Own Disease“, „Milk and Honey“ sowie „Time to Wonder“. Mit solchen Klassikern hatte die Band alle Zuschauer*innen ganz auf ihrer Seite – es wurde gejubelt, gesprungen, gefeiert.
Im Zugabenblock nochmal nachdenkliche Töne. „More Than A Fried“ war dem Fury-Manager und Wacken-Veranstalter Holger Hübner gewidmet und der Doppeltrack „Far Cry From Home / Who Am I“ schlug den Bogen vom Papst und der katholische Kirche hin zu wichtigen Figuren der Weltgeschichte – im Schwanken zwischen Pessimismus und neuer Hoffnung. Zum Feiern gab es natürlich „Won’t Forget Theses Days“ und Christofs Paradestück „Kick It Out“.
So vergehen unvergessliche Konzertabende in Losheim am See. Und es wird natürlich auch 2024 wieder große Momente geben. Der erste Act steht schon fest: PUR am 24.8.2014 – wir sehen uns!
Setlist FURY am 1.9.2023, Strandbad Losheim am See
Cut Myself Into Pieces
Letter to Myself
Better Times Will Come
Why Worry?
Radio Orchid
Pure Love
Friendly Fire
Words
Dead and Gone
Haunted Head and Heart
Dancing in the Sunshine of the Dark
So Are You
Good Day to Remember
Don’t Give Up
Trapped Today, Trapped Tomorrow
Every Generation Got Its Own Disease
Milk and Honey
Time to Wonder
More Than a Friend
Won’t Forget These Days
Far Cry From Home/Who Am I
Kick It Out
Bring Me Home
Ein Gemeinschaftsprojekt aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland, das über 25 Jahre hält – das gibt es nicht oft. Manche Politiker könnten sich ein Beispiel daran nehmen und die Fusion endlich vollziehen. Die Band PASCOW – benannt nach einer Figur aus Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ – wurde 1998 von Sänger Alex und Schlagzeuger Ollo in der Nähe von Birkenfeld gegründet. Die beiden Brüder sind bis heute die feste Konstante der Band und dieser Tage erschien Album Nummer Sieben, das auch ebenso heißt.
Fotocredit: Simon Engelbert
PASCOW beschreiben den Entstehungsprozess und die Motivation für diesen wie auch frühere Longplayer folgendermaßen: „Uns ist es bei jeder Produktion wichtig, dass wir uns nicht zu stark auf die vorherigen Platten im Sinne einer Wiederholung beziehen. Klar, wir haben unseren Stil und erfinden das PASCOW Rad nicht jedes Mal neu, versuchen aber dennoch, uns bei der Arbeit an neuen Stücken jeweils von den früheren Alben zu lösen.“
Das Ergebnis ist eine starke Mischung geradliniger Tracks. Punkrock mit Metalriffs, ganz ohne Experimente. Es geht von Anfang an in die Gerade und man muss an keiner Stelle abbremsen. 12 Songs, ein Instrumental und ein Rausschmeißer in 36 Minuten. Es wird nicht lange gefackelt. Alex haut seine Vocals mit viel Energie und bisweilen hysterischen Aussetzern raus. Unterstützt wird die Band von drei weiblichen Gästen: Apokalypse Vega von Acht Eimer Hühnerherzen, Nadine Nevermore von NTÄ und der Trierer Sängerin Hanna Landwehr. Die Punkrock-Wurzeln beherrschen das komplette Album. Und auch textlich geht es deutlich zur Sache.
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Der Opener „Himmelhunde“ spricht von Aufbruch und Widerstand. Die expliziten Texte wirken von Anfang an: „Ich werd mit dem gehen, den ich liebe. Leckt mich am Arsch mit all dem anderen Mist.“ Zwei Außenseiter spielen in „Königreiche im Winter“ die tragende Rolle. „Mond“ wettert gegen die Gleichmacherei und das grandiose „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ klagt die Rattenfängermenschen von der AFD an, was in breiter Gesellschaftskritik gipfelt. „Die Unsichtbaren“ zeichnet ein apokalyptisches Bild von Kriegsherren und Flüchtlingen, während die darauffolgende Hymne „Mailand“ die Utopie einer Welt ohne Grenzen und ohne Politiker beschreibt.
Auch „Daniel & Hermes“, „Tom Blankenship“ sowie „Von unten nichts Neues“ widmen sich den Außenseitern und zeichnen pessimistische Bilder, bevor „Vierzehn Colakracher“ nochmal energisch alle Wut rausbrüllt, wobei auch Growls zum Tragen kommen. Ich bin überzeugt davon, dass alle Songs des neuen Albums ein Livepublikum zum Eskalieren bringen werden – und man kann sich getrost auf die anstehende Tour freuen.
PASCOW werden von Album zu Album besser – und „Sieben“ toppt für mich sogar das ebenfalls schon großartige „Jade“ – vielleicht gerade deshalb, weil man auf Ausgeglichenheit pfeift und keine Atempause anhand ruhiger Songs ermöglicht. „Sieben“ soll aggressiv klingen und tut das durch und durch.
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Das Vinyl kommt in nur einer schwarzen Version und wird exklusiv als Indiepool-Release vertrieben. Dafür kommt diese eine Version in einer besonders hochwertigen Aufmachung:
mit Klappcover aus schwerem Karton (350 g/qm)
in Inside Out Optik
plus 16-seitigem Booklet in LP-Größe aus schwerem Offsetpapier und Downloadcode
nur in der Erstauflage mit einem zusätzlichen Schuber
Die CD erscheint als sechsseitiges Digipack mit einem plastikfreien Tray aus Korn, das somit komplett recycelbar ist. Sie ist in Gänze plastikfrei und auch sie hat ein 16-seitiges Booklet. Die Erstauflage kommt ebenfalls exklusiv mit einem zusätzlichen Schuber.
Sieben – Tour 2023
01.02.23 Marburg, KFZ – The Bloodstrings
02.02.23 Jena, Kassablanca – The Bloodstrings
03.02.23 Erlangen, E-Werk – The Bloodstrings
04.02.23 Saarbrücken, Garage – N.T.Ä. & Überraschungsgäste *
15.02.23 Reutlingen, Franz K – Wonk Unit *
16.02.23 Leipzig, Conne Island – Wonk Unit *
17.02.23 Hannover, Faust – Wonk Unit *
18.02.23 Hamburg, Markthalle – Wonk Unit *
19.02.23 Hamburg, Markthalle – duesenjaeger selber +
25.02.23 Saarbrücken, Garage – Bubonix +
30.03.23 Bremen, Schlachthof – Mobina Galore
31.03.23 Düsseldorf, Zakk – Mobina Galore *
01.04.23 München, Technikum – Mobina Galore
02.04.23 CH-Zürich, Dynamo – Mobina Galore
04.04.23 Karlsruhe, Substage – Mobina Galore
05.04.23 Köln, Gloria – Mobina Galore *
06.04.23 Dresden, Tante Ju – Maffai *
08.04.23 Berlin, SO 36 – Maffai +
09.04.23 Berlin, SO 36 – WAUMIAU *
* = ausverkauft
+ = Zusatztermin
Tickets bekommt ihr bei Tante Guerilla.
Wenn sich 25.000 Fans zur ultimativen Sprechstunde am Bostalsee einfinden, kann das nur eins bedeuten: Die Ärzte aus Berlin sind da! Und es ist nicht irgendein Konzert. Man feierte den Abschluss der „Buffalo Bill in Rom“ Tour. Benannt war das 2022er Happening nach einem weithin unbekannten Spaghettiwestern, bei dem die Zirkusshow des berühmten Bisonjägers durch Europa tourt. So müssen sich vermutlich auch Die Ärzte fühlen. Genau wie ihre Fans sind sie ordentlich gealtert, aber sie haben auch ganz neue Generationen zu ihren Konzerten gelockt, wovon viele zu den Anfangszeiten der Band vor 40 (!) Jahren noch nicht einmal geplant waren.
Das Eventgelände am Bostalsee ist logistisch gut gelegen. Okay, man muss lange Wege zur Location in Kauf nehmen, wenn man mit dem Auto anreist, aber alles ist gut organisiert. Platzanweiser zu den Parkplätzen, gute Beleuchtung, abgesperrte Fußwege, ein gutes Verkehrskonzept, um den Abfluss der Fahrzeuge nach dem Konzert zu regeln.
Zum Glück blieb es fast durchgehen trocken, auch wenn die Vorhersage ganz anderes Wetter befürchten ließ. Die positive Energie des Publikums schien alle Regenwolken zu verscheuchen. Einmal gab es eine kurze Schauer von drei Minuten während der Beatsteaks und zum Konzertende war ein leichtes Nieseln zu spüren. Aber zum Glück hatten sich die meisten gut eingemummelt, um 9 Grad Lufttemperatur zu ertragen. Kein wirklich schönes Open-Air-Wetter, aber mit Jubeln, Springen und Tanzen ließ sich das Beste draus machen.
Pünktlich um 18.30 Uhr startete Special Guest Christian Steiffen. Eigentlich heißt der illustre Entertainer Hardy Schwetter und ist ein Schauspieler aus Osnabrück. Dort hat er gar zweimal als Oberbürgermeister kandidiert. Musikalisch bietet er nicht wirklich Punk, sondern eher seichte Popsongs mit sarkastischen Texten und einer Prise Synthiesound. Songs wie „Die dicksten Eier der Welt“ bot er mit sonorer Stimme dar. Die humorvolle Schlagerparty endete nach 35 Minuten
Nach einer halben Stunde Umbau folgten die BEATSTEAKS, die dem Bostalsee mit Gitarrenriffs Marke „Alle meine Entchen“ huldigten. Die Berliner Punkband um Arnim Teutoburg-Weiß feierte die unglaubliche Kulisse und riss das Publikum von Beginn an mit. Es gab eine Mischung aus deutschen und englischen Texten. Natürlich mit viel beschwingtem Punk, aber auch mit gesellschaftskritischen Momenten, die an Ton Steine Scherben erinnerten – beispielsweise bei „Frieda und die Bomben“. Man war sich natürlich bewusst, dass die Ärzte ganz im Mittelpunkt standen und machte sich daher einen Spaß daraus, immer wieder Zitate aus deren Songs in die Ansagen und die eigenen Musikstücke einzubauen. Mit ihren fetzigen Songs wie „Hello Joe“, „Hand in Hand“ und „I Don’t Care As Long As You Sing“ legten sie einen soliden 40minütigen Partyset hin. Eine gute Einstimmung auf das, was da noch kommen sollte.
Für Die Ärzte musste man 45 Minuten Umbauzeit überbrücken, in denen die Kälte langsam aus Richtung See zu den Zuschauer*innen kroch. Als dann aber Punkt 21 Uhr ein optimistisches „Himmelblau“ erklang und zum Ende des Songs endlich der Vorhang fiel, war alles Bibbern vergessen und nur noch Party angesagt.
Die Mischung von Songs zog sich wie gewohnt durch die komplette Bandgeschichte. „Wir sind die Besten“ wurde ebenso begeistert aufgenommen wie der moderne Klassiker „Lasse redn“. Es gab „Fiasko“ und „Angeber“, aber auch die selbstkritische Hymne „Ist das noch Punkrock?“. Die drei Akteure verwandelten die Ansagen der Show häufig zur Comedy-Show. „Sorry. Ja. Ab und zu singen wir auch“, hieß es dann entschuldigende zwischendurch. Aber es macht einfach Spaß, den Kabbeleien auf der Bühne und der Kommunikation mit dem Publikum zuzuhören.
Natürlich bekamen AFD und andere Nazis ihr Fett weg. „Doof“ wurde ganz explizit rechtsradikalen Tendenzen gewidmet. Aber auch das ironische „Hurra“, „Besserwisserboy“ und der lange nicht gespielte Oldie „Quark“ schlugen in die Kerbe der Floskeln mancher Politiker, die diese ohne ein Spur Nachdenkens von sich geben.
Nach „Friedenspanzer“ und „Manchmal haben Frauen…“ durfte Arnim von den Beatsteaks wieder auf die Bühne. Er hatte sich „Buddy Holly’s Brille“ gewünscht und durfte den Klassiker selbst performen. Auch für diesen erfahrenen Frontmann ein sichtlich bewegender Moment.
„Grace Kelly“ wurde als Schauspiel-Ikone besungen, dann aber war wieder jeder dran: „Deine Schuld“ ist der ultimative Politsong, der alle dazu auffordert, selbst tätig zu werden und nicht wegzuschauen. Damit sprachen Die Ärzte hier allen aus der Seele. Das „Lied vom Scheitern“ und „Unrockbar“ beendeten gegen 23 Uhr den Hauptset, doch wer Die Ärzte kennt, weiß, dass es noch locker bis fast Mitternacht weiterging.
Das Thema aus den „Miss Marple“ Filmen läutete die Zugaben ein. Und hier gab es dann auch herbei gesehnte Stücke wie den „Schrei nach Liebe“ (mit enthusiastischen „Arschloch“-Rufen), dem rockigen „Jung“ und natürlich dem All-time-favourite „Zu spät“. Auch Christain Steiffen durfte wieder auf die Bühne und mit den Ärzten seinen eigenen Song „Ja Ja die Punkmusik“ performen, bevor das Happening dann a cappella mit „Gute Nacht“ endgültig zu Ende ging.
Ein Ärzte-Konzert ist wie Forrest Gumps berühmte Schachte Pralinen: Man weiß nie, was man bekommt. Die Setlist variiert mit wenigen Konstanten von Konzert zu Konzert und kann auch mal ganz spontan geändert werden. Der Tourabschluss war jedenfalls großartig und lieferte am Ende ganze 37 (!) Stücke aus dem gewaltigen Backkatalog der Band. Jetzt nur noch raus aus der Kälte und ins warme Auto. Das Ende der Open-Air-Saison hatte ein Highlight geliefert. Auf ein Neues 2023!
Bereits zum neunten Mal trafen sich die Hexen Anfang Mai im Saarland zum „Hexentanz Festival“. Während das Ereignis anfangs noch am Bostalsee stattfand, ist man inzwischen zum Strandbad am Losheimer See umgezogen. Ein perfektes Gelände mit guter Infrastruktur zum Parken, nahe gelegenem Campingplatz und sehr idyllisch mit Blick auf den See gelegen.
Ursprünglich waren der erste Tag („Walpurgisschlacht“) und das darauf folgende Festival („Hexentanz“) getrennte Ereignisse. Inzwischen sieht man das nicht mehr so eng und betrachtet die drei Tage als großes Festival, das sich vor allem den Bereichen Mittelalterrock, Metal und allgemein der schwarzen Szene widmet. Entsprechend waren die Zuschauer auch diesmal vor allem dunkel gewandet und zum Teil mit mittelalterlichen Accessoires ausgestattet. Der Besuch des vor dem Festivalgelände gelegenen Mittelaltermarktes ist sowieso Pflicht.
Ich konnte leider nur am ersten Tag teilnehmen, bekam dabei aber gleich drei Highlights zu sehen. Der 1. Mai war ein wettermäßig durchwachsener Tag und so machte ich mich mit dicken Jacken und Regenschirm bewaffnet auf zum Festivalgelände. Dort hörte aber ausgerechnet zum Start der Band Eisregen das Regenwetter auf und man konnte die Dark Metaller aus Thüringen mit ihren morbiden Texten entspannt genießen. Zwei ihrer Alben sind indiziert und allgemein kritisiert man sie aufgrund ihrer Texte, die in den Horror- und Splatter-Bereich ragen. Bis auf die düstere Growl-Stimme von Sänger Michael „Blutkehle“ Roth konnte ich aber beim Auftritt in Losheim nichts Bedrohliches ausmachen. Eisregen legten einen kraftvollen Auftritt hin und zeigten sich der begeisterten Zuschauermenge würdig.
Dann allerdings wurde das allgegenwärtige Schwarz von rosaroten Einsprengseln durchbrochen. Die knallfarbige Happy-Metal-Macht J.B.O. eroberte die Bühne und man merkte dem biergeschwängerten Publikum an, dass jetzt Party angesagt war. Die Fun-Metaller aus Erlangen strotzen immer wieder vor Ideen, die einerseits ein breites musikalisches Spektrum mit Comedy-Elementen ad absurdum führen, andererseits aber auch gerade den parodierten musikalischen Bereichen Ehrerbietung zollen. Wie das funktioniert, weiß jeder, der schon mal ein Album des skandalumwitterten Orchesters gehört hat. Die Setlist in Losheim spannte den Bogen durch die Bandgeschichte. Da fanden sich Hits wie „I Don’t Like Metal“ und „Dio In Rio“ (auch noch hörbar, wenn man um den tragischen Tod des sympathischen Shouters weiß, da es eindeutig eine Hommage und keine Verblödelung darstellt). Die Backstreet Boys erklangen im Metalgewand und die Band machte sich zum „Verteidiger des Blödsinns“.
Am besten sind J.B.O. mit ihren unsterblichen Coverversionen, die sie sich längst zu Eigen gemacht haben, seien es „Bolle“ oder der Partykracher „Ein Fest“. Stets finden sich harte Gitarrenriffs und verdammt viel Spaß auf der Bühne. Selbst vor Kalauern wie dem im Hinblick auf den Headliner hinaus geblödelten „Bauerwolf sucht Frau“ schreckten die Erlanger nicht zurück. Man konnte vielleicht nicht über jeden Scherz lachen, doch die Mannen aus dem bayrischen Norden brachten ihre Parodien und den musikalischen Slapstick so sympathisch an den Zuhörer, dass man letztlich immer ein Schmunzeln auf den Lippen hatte. Metalfans, die sich selbst nicht so bierernst nehmen, kommen an J.B.O. nicht vorbei. Das ist seit 25 Jahren so und wird vermutlich noch lange so bleiben.
Zum Abschluss des Maifeiertages enterten die Lokalmatadore Powerwolf die Bühne. Gab es seit Nicole 1982 überhaupt noch andere saarländische Künstler, die den Spitzenplatz der deutschen Albumcharts eroberten? Ich glaube nicht. Powerwolf gelang dies 2013 mit ihrem aktuellen Album „Preacher Of The Night“. Die Band wurde in Saarbrücken gegründet und man lief zur Höchstform auf, als man den rumänischen Sänger Attila Dorn als Frontmann verpflichtete. Was seitdem aus den Boxen dröhnt, ist Powermetal vom Feinsten. Markenzeichen ist aber die sakrale Anmutung der Songs, die sich in weiten Teilen an spirituellen Klängen orientieren, auch mal Orgelmelodien nutzen und neben englischen sowie deutschen Texten auch auf Latein erklingen. Etwas Gregorianik, rumänische Sagen-Andeutungen – Wölfe, Vampire und Blut. Mit diesen Elementen spielte die Band auch in Losheim sehr erfolgreich und brachte eine gigantische Show mit viel Pyrotechnik auf die Bühne. Hier wird der Prophet im eigenen Land noch geehrt und die Saarländer feierten ihre Helden bis tief in die Nacht ab. Ein gelungener Abschluss für den ersten Festivaltag.
Der Vorverkauf für das „Hexentanz Festival 2015“, dem Jubiläumsfest, startet direkt nach Ende der diesjährigen Ausgabe. Frühe Vögel können sich ab Montag das Frühbucher Kombi Ticket inklusive „Ich bin dabei“-Shirt (limitiert auf 250 Stück) sichern.