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Fury in the Slaughterhouse – das Leben im HIER und JETZT

Fury in the Slaughterhouse  •  NOW
Veröffentlichungsdatum: 23.04.2021
Unsere Bewertung: 9 von 9 Punkten

1986 wurden Fury in the Slaughterhouse in Hannover gegründet – und nach Alben wie “Jau!”, “Hook-a-Hey” und “Mono” hatte man das Gefühl, sie würden einfach ewig bleiben. So als eine Art U2 aus Deutschland, mit stimmigen und hymnischen Melodien, einer Stadion-Attitüde und guten Erzählungen. Allerdings irgendwann Ende der 90er hatten Fury ihr Gespür für eben diese Hymnen und für die Radiotauglichkeit ihrer Songs verloren. Alles wurde komplexer – man will sich ja weiter entwickeln – aber dadurch auch verkopfter. “The Color Fury” und “Nimby” sind solide Alben mit viel Schwung und gehaltvollen Tracks für Fans, doch der Funke wollte für das 08/15-Publikum nicht mehr überspringen. So kam 2008 das definitive Ende der Band.

Okay – definitiv war es natürlich nicht. Die Brüder Wingenfelder waren solo unterwegs und schlossen sich schließlich mit deutschsprachigen Alben zusammen, die alles boten, was Fury zum Ende hin verloren hatten. Halt nur mit deutschen Texten. Und man fand auch wieder als Band zusammen. Zunächst zu sporadischen Einzelauftritten, dann aber 2017 anlässlich des Bandjubiläums zu drei Reunion-Konzerten in Hannover, die schließlich zur Deutschlandtour ausgeweitet wurden. Der Erfolg zeigte: Fury in the Slaughterhouse werden noch gebraucht!

Und jetzt also ein neues Album. Keine Experimente, aber auch kein Aufguss alter Ideen. Fury besinnen sich auf ihre Tugenden. Sie bieten große Hymnen, erzählen Geschichten, schwelgen in Gitarrenmelodien, warten auch mal mit chorischen Passagen oder Streichern (“Walk On”) auf. Alles, was verloren schien, ist plötzlich wieder da. Und “Not the Time to Live a Lie” als legitimer Nachfolger von “Time to Wonder” rührt mich zu Tränen.

“Sometimes (Stop To Call)”, “All About Us” und “Replay” zeigen uns die epischen Momente, die in jedes Stadion passen werden. “1995” startet mit einer US-Radioansage und gibt einen erzählerischen Einblick in diese wundervolle Zeit, als Fury es auch in den USA zu einem kleinen Stückchen Ruhm geschafft hatten. “This Will Never Replace Rock ‘n’ Roll” feiert auf unnachahmliche Art den Wert der Musik und scheut sich auch nicht “Sympathy For The Devil” zu zitieren.

Und damit alles nicht zu homogen und gleichförmig wird, gibt es auch Stücke wie das ruhige Pianostück “The Beauty”, den experimentell im Reggae-Rhythmus angehauchten Titeltrack “Now”, das vertrackte “Good Luck On Your Way” und die melancholische Ballade “Sorry”, die eine Reihe gesellschaftspolitischer Themen aufgreift.

Fury in the Slaughterhouse haben sich wiedergefunden. Das wird den Nostalgikern und Fans alter Stunde gefallen – und sie werden hoffentlich auch einige junge Musikhörer hinzugewinnen, die den Wert handgemachter Musik zu schätzen wissen. Für viele mag es eher Pop als Rock sein, doch soll man sich daran stören? Das Album ist fantastisch, so wie es ist.

Morgen (22.4.) spielen Fury in der Wuppertaler Stadthalle ab 20:00 Uhr ihr komplettes neues Album erstmals live. Zwischen den Songs stehen die Mitglieder den Fans für ein moderiertes Q&A aus Köln zur Verfügung. Im Rahmen der Reihe „Rockpalast OFFSTAGE“ wird das Konzert aufgezeichnet und dann eingebettet in das Livestream-Event, das auf der Rockpalast-Website und Facebook-Seite sowie auf dem Rockpalast-YouTube-Channel und der Facebook-Seite der Band zu sehen ist. Im WDR-Fernsehen läuft das Konzert in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai um 01:15 Uhr.

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