Packender Krimi um ein strittiges Erbe
Jahr um Jahr veröffentlicht der US-Bestseller-Autor John Grisham neue Romane und die Ideen scheinen ihm dabei nicht auszugehen. Das neue Werk mit dem Titel „Das Vermächtnis“ startet als Justizthriller im Stil seiner größten Erfolge, wächst sich aber im zweiten Teil zu einem waschechten Whodunit-Krimi aus.
Der Klappentext spoilert die Handlung in Ansätzen: Simon Latch ist ein kleiner Anwalt im ländlichen Virginia. Finanziell kommt er nur mit Müh und Not über die Runden, zudem geht seine Ehe in die Brüche. Dann betritt Eleanor Barnett sein Büro, eine ältere Witwe, die ein neues Testament braucht. Offenbar hat ihr Mann ihr ein gewaltiges Vermögen hinterlassen, von dem niemand etwas weiß. Simon behandelt den Auftrag streng vertraulich, aber die Nachricht von Eleanors Reichtum scheint durchzusickern. Als Eleanor Opfer eines Autounfalls wird, muss Simon erkennen, dass nichts so ist, wie es scheint. Kurz darauf findet er sich auf der Anklagebank wieder, der Vorwurf lautet Mord aus Habgier. Alle Indizien sprechen gegen ihn. Ihm bleibt nur eine Chance, sich zu retten: wenn er den wahren Mörder findet.
Wie immer nimmt die Handlung schnell an Fahrt auf. Grisham führt die wichtigsten Figuren ein und schon geht es Schlag auf Schlag weiter. „Das Vermächtnis“ legt schnell los und wird zum echten Pageturner, auch wenn die eigentliche Krimihandlung sehr lange auf sich warten lässt. Zunächst geht es nämlich um die Erbschaftsgeschichte von Eleanor Barnett und man darf sich in die juristischen Winkelzüge eines Testamens einlesen, was durchaus spannend ist.
Nach dem Tod der alten Dame wird Simon Latch zum Gejagten und die Spannung, ob er heil wieder aus der Sache raus kommt, hält sich bis zur letzten Seite. Oft habe ich bei Grishams Geschichten das Gefühl, dass die Protagonisten zu gradlinig durch die Story wandeln und mit juristischer Klarheit aus allen Widrigkeiten rauskommen. Hier aber ist es ganz anders, denn man muss sich auf die Suche nach einem Mörder begeben – wobei es viele mögliche Spuren gibt.
Der Erzählstil von Grisham ist wie immer sehr flüssig, wenn man sich nicht zu lange mit den rechtlichen Spitzfindigkeiten aufhält. Der inzwischen 71jährige verliert sich zumindest nie in komplizierten Erläuterungen, sondern versucht seine Ausführungen möglichst einfach zu halten. Die Leserschaft wird mehrfach auf eine falsche Fährte geführt und zum Schluss gibt es eine doch recht überraschende Wendung. „Das Vermächtnis“ ist ein spannendes Spätwerk des Autors, das aus den über 40 Romanen positiv heraussticht.
