Fury In The Slaughterhouse – 25. Juli 2026 im Amphitheater Trier
Fury In The Slaughterhouse begeisterten am 25. Juli 2026 bei ihrer ausverkauften Show im Amphitheater Trier. Fotocredit: Simon Engelbert
Fury In The Slaughterhouse begeisterten am 25. Juli 2026 bei ihrer ausverkauften Show im Amphitheater Trier. Fotocredit: Simon Engelbert
Am 24. Juli 2026 brachten Versengold gemeinsam mit ihren Gästen Fiddler’s Green das Arenarund zum Kochen. Fotocredit: Simon Engelbert
Feine Sahne Fischfilet mit Frontmann Monchi in Trier: Zwischen Punkrock, Politik und purer Ekstase wurde gesungen, geschrien, gelacht und zusammengehalten. Es war laut. Es war ehrlich. Es war ein Abend für alle, die keinen Bock auf Stillstand haben. Fotocredit: Simon Engelbert
The BossHoss lieferten im Amphitheater Trier zwanzig Jahre Bandgeschichte. Mit rauem Charme, ehrlichem Sound und ihrer einzigartigen Mischung aus Rock, Country und Americana brachten Boss Burns, Hoss Power & Co. die antike Stätte zum Beben. Fotocredit: Simon Engelbert
Es war nicht zu übersehen, dass Sängerin Katie Melua einen ganz kleinen Gast mit ins Amphitheater nach Trier gebracht hatte, der erst in einigen Wochen das Licht der Welt erblicken wird. Deutlich schwanger betrat sie um 20.15 Uhr die Bühne und ließ sich vom Publikum bejubeln. Endlich im Amphitheater! Noch vor einigen Jahren wurde ihr Konzert von dort aufgrund einer Unwetterwarnung in die Arena verlegt. Der laue Sommerabend ließ nun endlich den Auftritt in dieser bedeutenden antiken Stätte zu und Katie war sichtlich guter Laune.
Bei den ersten Stücken spielte die aus Georgien stammende Songwriterin, die mit ihrer Familie als 9jährige nach Großbritannien zog, selbst Gitarre und begeisterte mit Stücken wie „Joy“ und „Love Takes Miles“. Ihre Stimme ist immer noch so magisch wie bei dem Hit „Nine Million Bicycles“, der auch sehr früh im Set gespielt wurde. Ihre Stimme zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Ruhe, Wärme und Natürlichkeit aus. Dabei glänzt sie in tiefen und hohen Lagen – einfach magisch.

Wie Giovanni Zarrella am Abend zuvor wurde auch Katie Melua sehr persönlich in den Ansagen und rekapitulierte ihre Karriere. Der Song „Maybe I Dreamt It“ brachte zum Ausdruck, dass sie den Erfolg und dessen Auswirkungen immer noch nicht fassen kann. Das klang authentisch und grundehrlich, zumal sie in ihrer Show auf jedes ausufernde Brimborium verichtet hatte und sich ganz auf ihre Vocals sowie die herausragend gute Begleitband verließ. Deren Klasse zeigte sich beispielsweise in „A Love Like That“, das mit ausufernden Soli angereichert wurde.
Es gab viele poppige Stücke, aber auch Soul und Jazz, so wie im verspielten „Call Off the Search“ aus Katies Anfangstagen. „Love & Money“ wurde als Lied über die Heimat Georgien angekündigt, „Remind Me to Forget“ erzählte von einer Trennung. Aber sie ist offensichtlich mit sich im Reinen, schwärmte von der neuen Liebe und dem kleinen Sandro, der bald ein großer Bruder sein wird.

Songs wie „Voices in the Night“ und das rhythmisch starke, mit Tribals versehene „The Flood“ bereicherten den Set, der mit dem Hit „The Closest Thing to Crazy“ und dem grandiosen Janis Joplin-Cover „Kozmic Blues“ sein erstes Ende fand. Im Zugabenblock dann eine Überraschung: Tänzerin Coco hatte eine beeindruckende Performance zum selten gespielten „Spider’s Web“ erarbeitet und sich an das Management gewandt. Katie Melua gefiel die Idee und sie lud Coco auf die Bühne ein. Ganz intim interpretierte sie das Lied allein an der Gitarre und genoss sichtlich die parallele, äußerst akrobatische Tanzdarbietung. Das Publikum war absolut begeistert.
Nach dem bekannten „Piece by Piece“ gab es mit „I Cried for You“ nach 90 wundervollen Minuten nochmals eine akustische Solo-Performance von Katie, die die Fans (zum wiederholten Mal) von den Stühlen riss. Katie Melua ist eine Künstlerin, wie man sie nicht oft erlebt. Hinreißend, ehrlich, ohne Allüren. Sie hatte Trier mit einem magischen Bann belegt, der auch nach dem Konzert nicht riss. Wundervoll!
(Alle Fotos auf dieser Seite: Simon Engelbert)

Am 18. Juli 2026 bezauberte Katie Melua das Publikum beim Amphitheater Open Air in Trier. Hier findet ihr unsere Fotos. Credit: Simon Engelbert
Die Stimmung war vom ersten Moment an großartig, als Giovanni Zarrella seine Show im Amphitheater Trier startete. Eigentlich gab es Sitzplätze im vorderen Bereich, doch bei fast jedem Song stand die Menge geschlossen auf und feierte eine italienische Party. Der Sänger und Entertainer hatte ordentlich aufgefahren: neben der üblichen Band waren drei Bläserinnen und die Backgroundsängerinnen Celina & Nathalie am Start. Außerdem Giovannis jüngerer Bruder Stefano am Flügel. So schuf man eine schöne Soundkulisse, die durch eine zweistündige Show voller Emotionen trug.
Die aktuelle Tour steht unter dem Zeichen seines 25jährigen Bühnenjubiläums, auch wenn es solo mit seinem Album „La vita è bella“ erst im Jahr 2019 und der darauffolgenden Corona-Zeit so richtig los ging. Das ehemalige Mitglied der Castingband Bro’Sis ist inzwischen als Moderator und Entertainer bekannt und hat sich seit sieben Jahren der Idee gewidmet, bekannte deutsche Stücke in italienischen Versionen neu einzusingen, was enorm erfolgreich ist. So besteht die aktuelle Show aus italienischen Klassikern neben bekannten Melodien von Nena, Wolfgang Petry oder Münchner Freiheit.
Die Band startete mit dem Sound von „L’italiano“, dann kam Giovanni unter großem Jubel auf die Bühne und legte direkt los. „Ci Sarai“ heißt seine Version von Nenas „Irgendwie irgendwo irgendwann“. Damit das Publikum lauthals mitsingen kann, gibt es immer wieder eingestreute Textpassagen in deutscher Sprache. „La discoteca Italiana“ und „Fantastico“ lieferten einen feinen Sound im Stil der Italo Disco, bevor mit „Senza Te“ (Ohne dich) ein nostalgischer Song der Münchner Freiheit erklang.
Zarrella war sehr redselig und erzählte unter anderem vom nächsten Album „My Italian Songbook“, das er zunächst mit dem Jimmy Fontana-Song „Il Mondo“ vorstellte. Zu einer smarten Version von DJ Ötzis „Hey Baby“ gab es ein erstes Tänzchen im Publikum. So ging es munter durch die Musikgeschichte. Mit Enrico Caruso widmete Giovanni sich dem „ersten Popstar der Geschichte“ in der „ältesten Stadt Deutschlands“ und gab auch „‚O sole mio“ zum Besten.
Giovanni zeigte sich einfach grundsympathisch und musikalisch sehr vielseitig. Es gab italienische Evergreens und deutsche Hits in seinem neuen Gewand, eigene Stücke von „Universo“ oder dem kommenden Songbook-Album und tatsächlich auch einige Pop-Klassiker, mit denen Giovanni das Publikum beeindruckte. So lieferte er eine grandiose Version von Michael Jacksons „Billie Jean“, zu der er einen kleinen Jungen (Tommy) auf die Bühne holte, der mit ihm zusammen den Moonwalk aufführte. Eine grandiose Performace.
Zuvor hatte Zarrella über seine lange Karriere gesprochen, über die Zeit mit Bro’Sis und das Glück, das er nach dem Casting hatte. Schließlich wurde auch deren Hit „I Believe“ aufgeführt. Und er verglich sich mit Robbie Williams, den er stets bewundert hat, weil aus seinen Anfängen in einer Boyband eine Solokarriere erwuchs. Nach einer langen Ansprache zum Thema Liebe und der Kraft, an sich selbst zu glauben, folgte dann auch „Angels“ in romantischer Stimmung.
Zum brandneuen Titel „Che Sarà“ verteilte der Sänger Rosen im Publikum. Er erinnerte an die Nächstenliebe und schwärmte von der Gemeinschaft zwischen Gastarbeitern und Einheimischen, die er in jungen Jahren erlebt hat. Heute kaum mehr vorstellbar. Eine weitere Kindheitserinnerung war die Fahrt über den Brenner in die italienische Heimat – und das Publikum durfte Songs erraten, die dort im Radio gespielt wurden. So interpretierte die Band „Felicità“ von Al Bano und Romina Power sowie Umberto Tozzis „Ti amo“, bevor das erlösende „Sempre Sempre“ als letzter Song im regulären Konzert erklang.
Den Zugabenblock bildete Giovannis Version von Wolfgang Petrys „Wahnsinn“ namens „Dammi“, wobei das nervige „Hölle Hölle Hölle“ durch ein feines „Bella Bella Bella“ ersetzt wurde. Und ganz zum Schluss die Ballade „Tornero“, die das Publikum in die lauwarme Sommernacht entließ. Ein stimmungsvolles Konzert, bei dem man viel Persönliches über den smarten Künstler erfahren konnte.
(Alle Fotos auf dieser Seite: Simon Engelbert)
Giovanni Zarrella war am 17. Juli 2026 erster Gast beim Amphitheater Open Air in Trier. Hier findet ihr Fotos von diesem Abend voller italienischer Lebensfreude. Credit: Simon Engelbert
Besser konnte der Abschluss der Amphitheater Open Airs bei diesen hochsommerlichen Temperaturen gar nicht sein. Gut 1400 Zuschauer hatten sich eingefunden, um die Gipsy Kings zu feiern und zu ihren Salsa-Rhythmen zu tanzen. Viele der weiblichen Fans kamen in südländisch anmutender Kleidung und es lag ein Hauch von Spanien und Südamerika in der Luft. Im Publikum waren unterschiedlichste Altersgruppen vertreten und auch die Männer ließen es sich nicht nehmen, das Tanzbein zu schwingen. So wurde es ein durch und durch beschwingter Abend mit Weltstars und Welthits.
Um 20 Uhr fand sich aber zunächst eine eher ungewöhnliche Vorgruppe auf der Bühne ein: More Than Words sind Stefanie Hertel mit Ehemann Leopold „Lanny“ Lanner und Tochter Johanna Mross. Die Kombination Hertel-Mross stand längere Zeit für Volksmusik und ein Dauer-Engagement im Dunstkreis von Florian Silbereisen. Doch inzwischen sieht die Welt ganz anders aus! Der neue Mann Lanny hat die beiden jungen Frauen zum Countrypop und Countryrock gebracht. Und das klang hier im Amphitheater wirklich nicht schlecht. Stefanie kann (immer noch) hervorragend singen. Das Talent hat sie zudem an ihre Tochter vererbt und der Österreicher Lanny bringt rockigen Flair in das Trio.
Die drei Musiker agieren absolut gleichberechtigt und kamen mit drei Gitarren auf die Bühne. Ab und zu erklangen Drum-Rhythmen per Computer, doch im Grunde war es ein mitreißendes akustisches und folkiges Erlebnis. Vor allem die Eigenkompositionen, die allesamt von Lanny stammen, klangen frisch und sehr lebendig. Mit den Covers konnte ich mich aber nicht so anfreunden. Während das „Help!“ der Beatles noch ganz angenehm klang, war ein Medley aus „Bohemian Rhapsody“, „Stand By Me“, „Country Roads“, „Jolene“ und „Dancing Queen“ doch ziemlich missglückt. Vor allem Queen und ABBA brachten keinen Mehrwert in dieser Kombi, weil die kurzen Anspielzeilen den Originalen keinen Raum ließen und das alles sehr gewollt klang.
Als Trio mit eigenen Country-Stücken haben mir More Than Words sehr gut gefallen – ganz unabhängig von dem prominenten Hintergrund. Die Anbiederung ans Publikum mit gefälligen Mitsing-Stücken wäre gar nicht nötig gewesen, denn diese Band kann durchaus mit ihren selbst verfassten Songs bestehen.
Nach kurzer Umbaupause eroberten um 20.50 Uhr die Gipsy Kings die Bühne – und es war schon eine Wucht! Bisweilen erklangen sechs Flamenco-Gitarren als Orchester, dazu ein Keyboard und zwei Drums. Da wurde ordentlich aufgefahren. Gründungsmitglied Chico Bouchikhi ist zwar nicht mehr dabei, doch Frontmann Nicolas Reyes konnte den Job locker allein schmeißen. Er ist schon fast im Rentenalter, wurde aber von einer kongenialen und in Teilen recht jungen Band unterstützt.
Es gab Songs zum Tanzen wie „Djobi djoba“ und das zu Beginn noch sitzende Publikum war blitzschnell auf den Beinen. Die Fläche vor der Bühne und in den Seitengängen war schnell mit tanzenden Fans gefüllt. Hits wie „Baila me“ fanden sehr früh den Weg ins Programm, doch es war bei weitem nicht alles auf Party angelegt. Die hervorragenden Instrumentalisten lieferten auch filigrane instrumentale Balladen, verträumt und melancholisch. Da standen Weltmusiker von Weltruhm an den Gitarren und zeigten ihr Können.
Leonard Cohens „Alleluia“ wurde auf Spanisch angestimmt, gefolgt von „Un amor“, mit dem Nicolas schmachtend die Liebe besang. Unbedarft hätte man „Bamboléo“ für eine gelungene Coverversion halten können, doch es ist das Original! Mit diesem Hit wurden die Gipsy Kings zu internationalen Superstars, stürmten die Charts und heimsten später gar einen Weltmusik-Grammy ein.
Spätestens mit dem aus tausend Kehlen geschmetterten Klassiker „Volare“ war die Stimmung am Siedepunkt. Und hier sollte dann auch nach 90 Minuten Konzertpower Schluss sein. Zunächst war keine Zugabe angedacht. Ganz sympathisch verblieben Nicolas und weitere Bandmitglieder auf der Bühne, gaben Autogramme in alle Richtungen und standen für Selfies an der Bühnenkante zur Verfügung. Der Jubel nahm allerdings kein Ende und so gab es doch noch einen weiteren Song: Sinatras „My Way“ wurde in spanischer Sprache und a cappella vorgetragen.
Der Auftritt der Gipsy Kings war ein würdiger und sehr atmosphärischer Abschluss für ein vielseitiges Amphitheater Open Air 2022. Bleibt zu hoffen, dass Popp Concerts im nächsten Jahr mit ebenso hochkarätigen Stars aufwarten können. Auf jeden Fall ging das Publikum sehr beschwingt und mit einem starken Urlaubsfeeling raus in die noch schwüle Trierer Nacht.
Wie Wolfgang Niedecken ist auch sein Publikum inzwischen älter geworden. Kein Wunder also, dass die Innenfläche des kultigen Trierer Amphitheaters mit Stühlen ausgestattet war. Nur im hinteren Drittel gab es Stehplätze für die Hartgesottenen. Ja – BAP waren wieder in der Stadt. Oder besser gesagt: Niedeckens BAP. So hat der inzwischen 71jährige die Band nämlich im Jahr 2014 umbenannt, was der Tatsache Rechnung trägt, dass von den Urbesetzungen des letzten Jahrtausends nur noch der Frontmann selbst übrig ist.
Aber es ist eine fantastischen neunköpfige Band, die da in Trier am Start war. Mit Bläsersektion und „Allzweckwaffe“ Anne de Wolff wahlweise an Percussion, Violine oder Cello. Diese Besetzung gibt BAP einen ganz besonderen Drive, der über die Labels Kölschrock und Deutschrock hinausreicht. Das Publikum war zwar bunt durchmischt, doch altersmäßig eher Ü50 mit einigen Ausreißern nach unten. Zumindest konnte man vor allem die älteren Hits textsicher mitsingen.
Als Opener gab es ganz stilsicher „Hück ess sing Band in der Stadt“. Das trug der Tatsache Rechnung, dass hier viele Langzeitfans am Start waren – und auch Wolfgang Niedecken fühlt sich „zwischen Trier und Eifel“ seit Jahren zuhause. Also auch für ihn eine Art Heimspiel, das zum Glück nicht so verregnet war wie 2014er Auftritt an gleicher Stelle, den er noch gut in Erinnerung hatte. Diesmal war Sonnenschein angesagt.
Vom aktuellen Album „Alles fliesst“ gab es vor allem zu Beginn des Programms viele Songs zu hören wie „Jenau jesaat: Op Odyssee“ und „Volle Kraft voraus“, die dem Publikum nicht so geläufig waren, aber sich gut in die Setlist einpassten. Zum ersten Mal erhob sich alles von den Sitzen, als das eingekölschte The Troggs-Cover „Wahnsinn“ angestimmt wurde („do jommer och hin“) und in die Hymne „Waschsalon“ aus dem Jahr 1981 überging. Alle sangen einträchtig „wischwasch wischwasch“ und die Stimmung fand ihren ersten Höhepunkt.
Mit „Musik die nit stührt“ vom Album „Radio Pandora“ beklagte Niedecken das Easy Listening im heutigen Mainstreamradio mit Songs, die vor allem eins wollen: nicht auffallen. Zu dieser Richtung haben BAP nie gehört und werden es hoffentlich auch nie. Lovesongs Marke Niedecken richten sich an markante Frauen wie „Alexandra, nit nur do“.
Doch auch in Trier gab es einen Block von „Liebesliedern im Sitzen“, zu dem sich die filigrane Band im Halbkreis nach vorne setzte und Anne zum Cello griff. Den Anfang machte das melancholische „Jraaduss“, danach folgten Songs für den „Schutzengel“ (seine Frau Tina), nämlich „Paar Daach fröher“ und für seine Tochter Josie („Mittlerweile Josephine“). Auch den Klassiker „Jupp“ gab es zum Mitsingen mit Cello-Begleitung, doch nach einem genialen Gitarrensoli von Ulrich Rode waren die rockigen Klänge zurück.
Wie zu BAP-Konzerten üblich waren unzählige Fans des 1. FC Köln im Publikum und machten sich lauthals bemerkbar, als Wolfgang eine Lobeshymne an den FC und seinen Trainer Steffen Baumgart startete. Eine untrügliche Eigenschaft des Kölner Fußballs ist ja der stetige Wechsel von Freud und Leid. Da im Moment wieder Freude angesagt ist, konnte Niedecken dem FC und seinen Fans mit stolzer Brust „Nix wie bessher“ widmen.
Viele ältere Songs hatten den Weg in die Setlist gefunden, wie der unverwüstliche „Müsli Män“, der mit einem Blockflöten-Intro eingeleitet wurde. Doch nicht alle Texte waren eitel Sonnenschein. Im zweiten Amtsjahr von Trump hatte Niedecken das Stück „Ruhe vor’m Sturm“ als Warnung vor Populisten, Nazis und der AFD geschrieben. Und natürlich musste dies in das eindringliche „Kristallnaach“ übergehen und die umjubelte Aufforderung „Arsch huh, Zäng ussenander“.
Nach zwei Stunden war das Konzert längst zum Stehkonzert geworden und der Zugabenblock begann zu einem Zeitpunkt, wenn andere Bands die Leute schon längst heimgeschickt haben. „Wenn et bedde sich lohne däät“ hatte ursprünglich das beste BAP-Livealbum „Bess demnähx“ aus dem Jahr 1983 eingeleitet, das den Ruhmeszug der Band durch die Republik begleitete. Jetzt stand es zu Beginn eines gut 45minütigen Zugabenblocks und folgte direkt auf „Jeisterfahrer“. Zum Abschluss des ersten Blocks gab es (endlich) „Verdamp lang her“. Der zweite Block startete ruhig mit „Do kanns zaubere“, wobei die Lightshow im Amphitheater eine wundervolle Atmosphäre schuf.
Wolfgang Niedecken und seine hervorragende Band hatten ein überaus nostalgisches Konzerterlebnis abgeliefert, das aber auch die aktuellen Songs nicht vernachlässigte. Man verabschiedete sich in die dunkle Trierer Nacht und konnte nur hoffen: „Bess demnähx“.
Wolfgang Niedeckens BAP im Amphitheater Trier – unsere Fotogalerie vom 23.7.2022
Nach dem letzten Wochenende mit der Doppelpackung Fury in the Slaughterhouse und den genialen Support Shows von Deine Cousine sollte es am Donnerstag, 21.7. rockiger zugehen in der altehrwürdigen römischen Stätte. Im Gegensatz zu den heißen Tagen davor wirkte es schon echt angenehm an diesem Abend im Amphitheater. 2700 Fans waren gekommen, um The BossHoss zu erleben.
Spätestens seit ihrer Mitwirkung bei „Sing meinen Song“ und „The Voice“ kennt jedes Kind die beiden Cowboys Alec Völkel und Sascha Vollmer aus Berlin. Doch Ihre breite Fanbase haben sich The BossHoss schon viel früher erspielt. Zunächst gab es Interpretationen bekannter Popsongs im Country-Style, doch als das Konzept immer erfolgreicher wurde, folgten viele Alben mit eigenen Stücken Stücken. „Dos Bros.“ und „Black Is Beautiful“ eroberten zuletzt die Chartspitze in Deutschland.
Die Urban Cowboys leben ihre Musik mit authentischen Kostümen und Instrumenten. Countrymusik, die mal poppig rüber kommt, aber gerne auch in Hardrock-Gefilden schwelgt. Immerhin waren sie sogar schon Headliner in Wacken, und das sollte der Ritterschlag für jeden echten Rocker sein.
Bevor es aber mit den Berlinern losgehen sollte, gab es eine passende Vorband: Der Supportact THE LAST BANDOLEROS war wirklich erfrischend und hat gute Stimmung verbreitet. Ein tolles Rock Trio.
Und dann ging es los mit The BossHoss und starken Songs wie „Black Is Beautiful“, „Don’t Gimme That“ und „Stallian Battalian“. The BossHoss waren wirklich solide. Man merkte, dass es eine eingespielte Truppe ist. Das Zusammenspiel, sowohl musikalisch als auch interagierend in den „Showparts“, ist perfekt. Auch wenn die beiden Frontmänner das TV Gesicht sind, ist es eine Band, in der jeder Musiker gleichermaßen wichtig ist. Die Lichtshow inklusive Pyrotechnik war toll abgestimmt und unterstrich die Perfektion der Show.
Das Publikum war gut gemischt durch alle Altersklassen, häufig mit Hut und Stiefel „verkleidet“. Das ist auch kein Wunder, den selten hat man einen so gut bestückten, vielseitigen Merchstand gesehen. Die Fans feierten vom ersten Song an und sangen textsicher alles mit. Dieses Rodeo im Amphitheater war ein Fest für alle Beteiligten.
Samstags geht es nun weiter mit Wolfgang Niedeckens BAP und am Sonntag gibt es Flamenco-Pop von den Gipsy Kings. So vielseitig war das Amphitheater Open Air selten: Diesmal ist für Fans verschiedenster Richtungen von Kölschrock bis Flamenco, von Punk bis Rock, von Pop bis Country wirklich alles dabei.
Das Amphitheater Open Air in Trier geht an diesem Wochenende in die letzten Runde. Hier unsere Fotos von The BossHoss, 21. Juli 2022
Fury In The Slaughterhouse sind aus der Region Trier einfach nicht wegzudenken. Wie oft durften wir sie hier schon live erleben und dabei den Aufstieg von der kleinen Rockband aus Hannover hin zur Kultband mitfeiern? Den Anfang machten sie vor vielen Jahren mit der Tour zum zweiten Album „Jau!“ (1990) im beschaulichen Dörfchen Zerf. Und danach war kein Halten mehr. Sehr gut erinnere ich mich noch an die Show in der St. Wendeler Disco FLASH, als es nach dem Ende der Setlist noch einen Reigen von Stones-Covers gab, weil die Band einfach nicht mit Spielen aufhören wollte. Oder an den Nachmittags-Auftritt bei Rock am Ring, als die für viele doch noch recht unbekannte Truppe das Publikum schon im hellen Tageslicht zum ausgelassenen Feiern brachte. Die meisten Auftritte waren sensationell – und das sind sie bis heute.
Nach Bandauflösung 2008 war erst einmal Schicht im Schacht und die Brüder Wingenfelder schafften sich ein zweites Standbein mit Soloprojekten und als Duo. Dabei wurde viel auf Deutsch gesungen und das funktionierte besser, als manche Fans gedacht hätten. Doch insgeheim hofften alle auf eine Reunion – und die gab es zum 30jährigen Jubiläum im Jahr 2017. Zunächst beschränkt auf Hannover, dann aber zum Glück mit großer Tour, die FURY vor die Porta Nigra in Trier und (mit akustischem Set) nach Neunkirchen führte. Wenig später sollte als zweite altrömische Kultstätte in Trier das wundervolle Amphitheater bespielt werden, doch aus hinreichend bekannten Gründen dauerte es noch bis ins Jahr 2022, bis die beiden ausverkauften Shows endlich starten konnten.
Ich war am zweiten Abend dort und erlebte ein ausgelassenes Publikum, das schon beim Support Deine Cousine kräftig mitging. Selten nimmt eine Vorband die wartende Menge so mit, wie das Frontfrau Ina Bredehorn gelang. Mit wildem Punkrock war sie durchgehend in Bewegung, nutzte die komplette Bühne und den Laufsteg für einen wilden Tanz, um ihre Botschaft auf den Weg zu bringen: Für Feminismus und Diversität. Gegen alle Arschlöcher, beispielsweise den Betriebsarzt, der sie bei einer Untersuchung in den Po grabschte. Mit viel Attitüde sang, schrie und lamentierte sie sich durch 45 gehaltvolle Minuten. Ihrer Begeisterung über das stilvolle Ambiente und die mitreißende Kulisse ließ sie freien Lauf und trieb die hervorragende Band zu immer neuen Höchstleistungen an. Die Zuschauer*innen waren voll dabei, was die Sängerin zur Aussage verleitete: „Ach, man bekommt ja so viel zurück.“ Aber das war auch nicht übertrieben. Deine Cousine hatte die Menge locker um den Finger gewickelt und versprach, mit der neuen Verwandtschaft am Merch-Stand ausgiebig zu quatschen. Handynummern auszutauschen und Familienfotos zu schießen. Wie viele jetzt wirklich mit ihrer Nummer nach Hause gegangen sind? Keine Ahnung. Aber zum Ende des Fury-Sets war Cousine Ina immer noch am Stand und im regen Austausch. Mission Support: mehr als gelungen!
Überpünktlich waren dann Fury In The Slaughterhouse um 20.40 Uhr auf der Bühne und starteten mit „Good Day To Remember“. Der erst im Mai 2022 als Single veröffentlichte neue Song war der perfekte Opener. Viele der Anwesenden mittleren Alters waren doch vor allem aus nostalgischen Gründen vor Ort und wollten ihre Erinnerungen an die einstige Lieblingsband auffrischen. So gab es bereits als zweiten Song die Mitsingnummer „Milk And Honey“. Falls es überhaupt einen Bann gab, war er jetzt gebrochen. Ja – Fury sind spielfreudig und mitreißend wie eh und je.
Die Stücke vom aktuellen Werk „Now“ (2021, HIER unsre Review) fügen sich übrigens gut in die Setlist. Das beschaulich-melancholische „Letter To Myself“ passt hervorragend zum Hit „Radio Orchid“. Der Song “1995” gibt einen erzählerischen Einblick in die wundervolle Zeit, als Fury es auch in den USA zu einem kleinen Stückchen Ruhm geschafft hatten. Mit “All About Us” und “Replay” zeigen sie epische Momente, die in jedes Stadion passen. Fury haben sich auf ihre Tugenden besonnen. Sie bieten große Hymnen, erzählen Geschichten und schwelgen in Gitarrenmelodien. Alles, was zur Jahrtausendwende verloren schien, ist plötzlich wieder da und fügt sich ins Konzertgeschehen.
Bewegung kam aber vor allem bei den großen Songs in die Menge. „Then She Said“ wurde nicht von Kai sondern von Thorsten Wingenfelder interpretiert und kam mit schönen akustischen Klängen. Meinen All-time-favourite „Trapped Today, Trapped Tomorrow“ widmete Kai zielsicher der Deutschen Bahn und hob die Textzeile „sorry my train won’t stop at your station“ süffisant hervor. Überhaupt kam der Humor nicht zu kurz. Dafür war vor allem Gitarrist Christof Stein-Schneider zuständig, der gerne mal seinen Cannabis-Konsum ins Spiel brachte, das Publikum aufforderte, ihn ans Wechseln des Gitarrenkabels zu erinnern und mehrmals mit einem auffordernden „Stößchen“ dem Biergenuss frönte, Die Kabbeleien zwischen ihm und Frontmann Kai gehörten schon immer zum guten Ton in der Band und gingen auch konsequent weiter, wobei das Publikum munter mitspielte: „Kaaabel!“
Musikalisch war alles erste Sahne. Die Band ist wieder perfekt aufeinander eingespielt, als hätte sie nie pausiert. „Cry It Out“ lieferte einen ordentlichen Kracher. Songs wie “This Will Never Replace Rock ‘n’ Roll” feierten auf unnachahmliche Art den Wert der Musik und scheuten sich auch nicht “Sympathy For The Devil” zu zitieren. Und zum Abschluss des Hauptsets gab es nach gut 90 Minuten ein wunderschön sentimentales „Time To Wonder“, bei dem viele Anwesende Tränen in den Augen hatten.
Das geniale Ambiente des Amphitheaters kam jetzt durch die Beleuchtung immer besser zur Geltung. Wie froh kann Trier, die älteste Stadt Deutschlands, über ihre wundervollen Open-Air-Kulissen sein. Der Zugabenblock begann ungewöhnlich elektronisch. Solche Beat-Stampfereien ist man sonst nicht von Fury gewöhnt. Doch „Riding On A Dead Horse“ entwickelte sich zum Ende hin und schloss als lauter Rock-Kracher. Wem das zu turbulent war, der bekam ein partytaugliches „Kick It Out“ gleich hinterher, das mit rauen Vocals von Christof begonnen wurde.
Schon in der Pause vor der zweiten Zugabe begann die Menge „Don’t Forget These Days“ zu skandieren. Darauf musste man allerdings noch warten. Erst gab es das spielfreudige „Drug Addicted In The Jailhouse“ – doch dann war endlich die ersehnte Hymne dran und Kai brauchte kaum noch selbst zu singen. Das Publikum hörte ohnehin nicht mehr auf und holte mit den Klängen des Refrains“Won’t Forget These Days“ die Band zur dritten Zugabe zurück. Nach über zwei Stunden Konzertlänge gab es ein beschauliches „Down There“ zum Runterkommen – und man konnte sich beseelt durch die antiken Gemäuer zurück zur Stadt machen.
Fury In The Slaughterhouse hatten mal wieder bewiesen, dass sie nicht zum alten Eisen gehören. Sie sind auch keine Coverband der eigenen Klassiker, wie so viele andere 90er Jahre Stars. Stattdessen integrieren sie das aktuelle Album perfekt in den Set und zeigen sich hier in alter Qualität. Die Band hat sich wiedergefunden. Das wird den Nostalgikern und Fans alter Stunde gefallen – und sie werden hoffentlich auch einige junge Musikhörer hinzugewinnen, die den Wert handgemachter Musik zu schätzen wissen.
Fury In The Slaughterhouse – Seht hier unsere Fotos vom Amphitheater Open Air Trier, 16. Juli 2022
Seht hier unsere Fotos von Helge Schneider und Band mit „Let’s Lach!“ am 19.6.2021 im Amphitheater Trier – Festival „Porta hoch drei“
Hier findet ihr unsere Fotos von Herr der Ringe und der Hobbit beim Amphitheater Open Air am 28. Juni 2019 in Trier.
Hier findet ihr unsere Fotos von In Extremo beim Amphitheater Open Air am 26. Juni 2019 in Trier.
Hier findet ihr unsere Fotos von Rea Garvey beim Amphitheater Open Air am 25. Juni 2019 in Trier.
Auch 2019 wird das altehrwürdige Amphitheater in Trier wieder zum Schauplatz einer sehr abwechslungsreichen Konzertreihe. Wo früher Gladiatoren auf Leben und Tod kämpften, gibt es heute die moderne Form von Brot und Spiele: Schwenker und gute Musik.
Den Anfang machte Rea Garvey, dessen Medienpräsenz nach wie vor sehr groß ist, was sich auch an der hohen Zuschauerzahl zeigte. Der Ire mit dem sympathischen Akzent war ursprünglich Frontmann der 2010 aufgelösten deutschen Band Reamonn. Inzwischen ist er als Solokünstler noch erfolgreicher als die Rockband mit dem Hit „Supergirl“. Bevor er allerdings den Set um sein aktuelles Album „Neon“ vorstellen konnte, bescherten die Veranstalter dem mit Temperaturen um die 40 Grad aufgeheizten Publikum gleich zwei Supportbands.
Zunächst war Karo Lynn am Start. Die deutsche Songwriterin mit der tiefen Stimme stellte ihr zweites Album „Outgrow“ vor, das im nächsten Jahr erscheinen wird, und lieferte feinen Indiefolk in englischer Sprache. Komplex und tiefgründig sang die Songwriterin aus Leipzig und zog das Publikum trotz der Hitze in ihren Bann. Den Titelsong des kommenden Albums interpretierte sie im Duett mit ihrem Gitarristen. Ein feiner Auftritt von 25 Minuten Länge.
Reas Landsmann Ryan Sheridan ist selbst schon eine große Hausnummer. Seine bisherigen Studioalben waren allesamt hohe Charteinsteiger im Heimatland. Auf Tour mit Rea konnte er auch das deutsche Publikum von seinen Songwriter-Qualitäten überzeugen. Gemeinsam mit einem Schlagzeuger sorgte er für ein durchaus rockiges Spektakel und das energische Zusammenspiel der beiden Musiker war wahrlich bewundernswert. Obwohl er in Jeansjacke und mit rot-weißer Kappe recht unscheinbar aussah, agierte er wie ein Hauptact. Wir werden sicher noch mehr von ihm hören.
Rea Garvey zeigte in seinem Konzert, dass irische Musik mehr ist, als folkige Lagerfeuerromantik. Er hat die Musik seiner Heimat in den letzten Jahren konsequent in eine moderne Richtung geführt und schreckt selbst vor Computersounds nicht zurück. Zunächst aber gab es die Rocknummern „Kiss Me“, „Beautiful Life“ und „Water“. Rea kam schnell in Kontakt mit dem Publikum und zeigte Ehrfurcht vor der Kulisse, in der früher Gladiatorenkämpfe stattfanden und Löwen Menschen fraßen. Überhaupt fragte er sich, ob die Zuschauer in den Rängen damals wohl einen sicheren Stand hatten oder vielleicht auch mal in den Löwenkäfig rutschten. Das nannte er dann „ausgleichende Gerechtigkeit“.
Das Comedy-Element in den Ansagen, bei denen Rea ein besseres Deutsch zeigte als manchmal in TV-Shows, war hoch. Die Zuschauer im Amphitheater erlebten einen abwechslungsreichen Abend, der auch die Zeit mit Reamonn nicht aussparte und Klassiker wie „Through The Eyes Of A Child“ (gewidmet der 14jährigen Tochter, die neuerdings für „Fridays for future“ die Schule schwänzt) und „Tonight“ bot. Letzteres ganz allein von Garvey an der Gitarre vorgetragen – wundervoll. Auf „Supergirl“ allerdings wartete man vergebens.
Garvey präsentierte seine Hits mit der Liebe im Titel verteilt über die gesamte Setlist: „Is It Love?“, das mehrstimmig dargebotene „Oh My Love“, der abschließende Song „Wild Love“ – mit ebensolcher Liebe wurde er vom Publikum überschüttet und gab dies mit vollen Händen zurück. Der Zugabenblock begann um 22.35 Uhr und dauerte fast bis zur Deadline 23 Uhr. Im Auto angekommen durfte man sich ob der immer noch angezeigten Außentemperatur von 28 Grad verwundert die Augen reiben. Rea hat sich in Trier von seiner besten Seite gezeigt – und wer nur aus Neugier gekommen ist, durfte als Fan nach Hause gehen.
Wie geht es weiter im Amphitheater 2019?