Der ehemalige Gymnasiallehrer Mattias Edvardsson hat inzwischen das Schreiben zum Beruf gemacht und überzeugt mit seinen psychologischen Kriminalromanen nicht nur die Leserschaft in seiner schwedischen Heimat, sondern auch in Deutschland. Mit „Tatort Trelleborg“ erscheint aktuell der Auftakt seiner neuen Reihe um die Ermittlerin Gunni Hilding in der deutschen Übersetzung von Annika Krummacher.
1989 wird die junge Polizeimeisterin Gunni Hilding in Südschweden zu einer Vermisstensuche gerufen – der achtjährige Robin ist beim Spielen im Wald verschwunden. Wenig später wird die Leiche des Jungen entdeckt, und Gunni, die eigentlich bei der Schutzpolizei arbeitet, wird ins Dezernat für Gewaltverbrechen berufen, um bei der Aufklärung zu helfen. Die junge Beamtin fühlt sich dieser Aufgabe aber kaum gewachsen, zumal ihre eigene Vergangenheit sie belastet: Als Kind bei den Zeugen Jehovas aufgewachsen, hat sie als Jugendliche die Glaubensgemeinschaft verlassen und seither keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern, sondern nur heimlich zu ihrer jüngeren Schwester.
Doch Gunni gibt ihr Bestes, den Erwartungen von Kriminalhauptkommissar Valter Roos gerecht zu werden und die Ermittlungen zu unterstützen, die sich relativ schnell auf Robins Spielkameraden, zwei Brüder aus der Nachbarschaft konzentrieren. Kommt hier wirklich ein Kind als Täter in Frage? Ein Psychologieprofessor wird als Berater engagiert und nach seinen Befragungen der Kinder scheint der Fall bald geklärt. Aber bei Gunni bleiben Zweifel – sowohl an den Methoden des Professors als auch am Tathergang.
Fünf Jahre später wird in der Nähe eines Campingplatzes in der Gegend erneut ein ermordetes Kind gefunden – und wieder ist Gunni als Schutzpolizistin im Einsatz. Erkennt sie als Einzige die Verbindung zum Mordfall Robin? Und wird es gelingen, den wahren Täter zu fassen?
„Tatort Trelleborg“ ist ein sehr unterhaltsamer und spannender Kriminalroman. Dabei sind die Mordfälle selbst und deren Auflösung noch nicht einmal besonders spektakulär. Der Roman lebt aber durch seine authentischen Figuren – allen voran die sehr sympathische Gunni Hilding – und auch durch die kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Ermittlungstechniken.
Zusätzliche Tiefe verleiht Edvardsson seiner Geschichte durch unterschiedliche Erzählperspektiven. Der Fokus liegt bei Gunni, immer wieder wird aber auch aus Sicht von Robins Mutter Lola und von Leif, dem Vater der beschuldigten Nachbarsjungen erzählt. Die Schicksale der verschiedenen Beteiligten lassen den Leser mitfühlen und zeichnen ein sehr vielschichtiges Bild. Besonders Gunni selbst wächst einem schnell ans Herz, und ihr persönlicher Cliffhanger am Ende des Romans lässt hoffen, dass wir bald auch den zweiten Band der Reihe zu lesen bekommen!











