Till Brönner lud zur Reise nach Italien ein – passend zum aktuellen Album „Italia“. Mit diesem Album widmet sich Brönner der italienischen Musik der 1960er- bis frühen 1980er-Jahre, einer Epoche voller unvergesslicher Songs und großem Lebensgefühl. Das alles gab es auch in Trier beim zweistündigen Konzert zu hören. Fotocredit: Dietmar Schmitt
Auch im Jahr 2026 hat die Veranstaltungsreihe „Porta hoch drei“ vor dem alten römischen Stadttor wieder für Furore gesorgt und an drei Abenden jeweils fast 2.500 Zuschauer*innen auf dem Vorplatz des Wahrzeichens begeistert. Die Vorzeichen waren diesmal etwas anders, denn die Porta Nigra ist aus Gründen einer Sanierung momentan teilweise verhüllt, doch die Stadt hat das gut gelöst: auf die Hülle ist ein Foto der Porta aufgedruckt, so sieht es fast aus wie immer. Man hat sogar einige römische Figuren in die Fenster eingefügt.
Credit: Simon Engelbert für Popp Concerts
18. Juni 2026 – MEUTE
Am Donnerstag gab es die wohl ungewöhnlichsten Klänge, die man hier jemals hören konnte. MEUTE aus Hamburg waren am Start. Die elfköpfige Techno-Marching-Band hat ihr Alleinstellungsmerkmal allein schon aus der ungewöhnlichen Idee, Technoklänge und elektronische Beats mit Blasinstrumenten zu einem organischen Leben zu erwecken. Es gibt unterschiedliche Bläser – Trompeten, Posaune, Tuba und drei Saxofone -, eine Marimba und sehr viel Schlagwerk.
Credit: Simon Engelbert für Popp Concerts
Das aktuelle Album trägt den Titel „JUBEL“ und der Auftritt vor der Porta war fast komplett instrumental. Nur ein einziger Titel wurde mit souligen Vocals dargeboten. Ansonsten ließen MEUTE den Dancefloor beben. Da konnte kaum jemand im Publikum die Füße still halten. Allerorten wurde ausgiebig getanzt und man gab sich dem Groove hin.
Credit: Simon Engelbert für Popp Concerts
Zu starken Beats waren die Stücke relativ lang und man ließ sich Zeit, diese langsam aufzubauen. Das wirkte oft wie ein ausgedehnter Rave, wenn das Tanzfieber um sich griff. Die Soli der Instrumentalisten wurden jederzeit bejubelt. Dabei waren die Musiker nicht besonders gesprächig: ein knappes „Hallo Trier“ blieb einzige Ansage. Doch gestört hat das niemanden. Mit einer Konfetti-Kanone ging der Gig nach gut zwei Stunden zu Ende und man machte sich im Zugabenblock auf in die Menge (einer „Marching Band“ mehr als würdig), um Publikumsnähe zu zelebrieren.
19. Juni 2026 – Christian Steiffen
Der Freitag gehörte dem Entertainer Christian Steiffen. Eigentlich heißt der illustre Künstler Hardy Schwetter und ist ein Schauspieler aus Osnabrück. Dort hat er gar zweimal als Oberbürgermeister kandidiert. Musikalisch präsentierte der selbsternannte „Gott of Schlager“ teils rockige Popsongs mit sarkastischen Texten und einer Prise Synthiesound.
Steiffen verwandelte seine Show vor der Porta mit markanten Texten, viel Humor und der kraftvollen Unterstützung des Original Haseland Orchesters in eine mitreißende Mega-Party. Die einzigartige Mischung aus Unterhaltung, Witz und musikalischer Raffinesse schaffte so eine Atmosphäre, die seine Konzerte unvergesslich macht – und seine stetig wachsende Fangemeinde begeistert. Den Fans konnte man die Freude auch anmerken, kamen sie doch stilecht zum Teil in Schlaghosen und mit blumigen Kostümen. Das kennt man ja schon von Lokalmatador Guildo Horn.
20. Juni 2026 – Till Brönner
Am Samstag wurde nochmal die Trompete ausgepackt, diesmal vom Virtuosen Till Brönner. Der lud zur Reise nach Italien ein – passend zum aktuellen Album „Italia“. Mit diesem Album widmet sich Brönner der italienischen Musik der 1960er- bis frühen 1980er-Jahre, einer Epoche voller unvergesslicher Songs und großem Lebensgefühl. Das alles gab es auch in Trier beim zweistündigen Konzert zu hören. Till sagte zum Schluss, man habe extra zwei Stücke weggelassen, um pünktlich zum Deutschland-WM-Spiel fertig zu sein. Okay, kann man drüber streiten. Die meisten Anwesenden hätten vermutlich lieber mehr Musik gehört…
Auf jeden Fall war es ein rundum gelungener Abend. Der Künstler erzählte von seinen ersten fünf Lebensjahren in Rom, lobte das perfekte italienische Wetter und bezeichnete Trier unter allgemeinem Jubel als „Rom Deutschlands“. Die Kulisse war auch wirklich perfekt. Dass die Porta Nigra verhüllt war, fiel kaum ins Gewicht.
Das Programm stellte eine Mischung aus Filmmusik und Jazz dar. Das Repertoire stammt größtenteils aus Jahrzehnten, die eine goldene Ära des musikalischen Austauschs in Europa markierten. Italienische Songs liefen im französischen Radio und füllten deutsche Plattenläden. Die Songauswahl umfasste Klassiker von Lucio Battisti, Paolo Conte und Ennio Morricone, aber auch viele Raritäten jener Epoche. Hinzu kam die hervorragende Band: natürlich Till Brönner an Trompete und Flügelhorn, Bruno Müller an der Gitarre, Christian von Kaphengst als musikalischer Direktor am Bass, Mark Wyand am Saxofon, David Haynes an den Drums, Olaf Polziehn am Piano, Roberto DiGioia an den Keyboards und die wundervolle Alessia Tavian an den Vocals.
Bekannte Melodien, komplett instrumentale Stücke und Gesang bereicherten den Abend. So gab es für Nostalgiker die Titelmelodie aus „Herr Rossi sucht das Glück“. Alessia verfeinerte Songs wie „Meravigliosa Amore Mio“ mit ihrer wunderschönen Stimme. Bei „L’appuntamento“ sang Till selbst und erzählte von einer Begebenheit mit der fantastischen Hildegard Knef. Es gab Melodien aus „Der Pate“ und Morricones „Cinema Paradiso“ mit hohem Wiedererkennungswert. Ein Klassiker wie „Volare“ musste natürlich sein – der kam jedoch in einer jazzig verspielten Version, wobei das Original nur in Ansätzen zu erkennen war. Später wieder Alessia im Hit „Parole Parole“ und beim Duett „Via Con Me“ gemeinsam mit Till Brönner. Ganz zum Schluss durften die Zuhörer*innen noch einen Ausflug in die Werbe-Welt machen, als Brönner erklärte, wie sich „Du darfst“ bei Ryan Paris‘ „Dolce Vita“ bedient hat. Der Abend war nicht nur musikalisch großartig, sondern in Tills Ausführungen auch durchaus lehrreich.
So endete PORTA HOCH DREI im sommerlich aufgeheizten Trier. Mal wieder grandios in seiner musikalischen Mischung, auch wenn die großen Namen aus Pop und Rock diesmal fehlten. Die wird es dann an anderen Orten der Region geben:
Amphitheater Trier 2026
17.7. Giovanni Zarrella
18.7. Katie Melua
22.7. The BossHoss
23.7. Feine Sahne Fischfilet
24.7. Versengold
25.7. Fury in the Slaughterhouse
Stausee Losheim 2026
13.8. Andrea Berg
14.8. Montez
15.8. Lucky Lake Festival
Open Airs am Bostalsee 2026
21./22.8. Die Toten Hosen
29.8. Broilers
Und der Termin für PORTA HOCH DREI 2027 steht ebenfalls fest: 17. bis 19. Juni 2027
Mit „ITALIA“ widmet sich Brönner der italienischen Musik der 1960er- bis frühen 1980er-Jahre – einer Epoche voller unvergesslicher Songs und großem Lebensgefühl. Aufgenommen in Rom und Bari und produziert gemeinsam mit Nicola Conte, vereint das Album Welthits, Raritäten und einen eigenen Song Brönners.
Die hochkarätige Gästeliste reicht von Mario Biondi („Via con me“) über Giovanni Zarrella („Quando, Quando, Quando“) und Chiara Civello („Parole Parole“) bis zu Mandy Capristo („In Alto Mare“) und Sera Kalo („L’Unica Chance“).
Der Grammy-nominierte Künstler ist auf dem neuen Album nicht nur mit Trompete und Flügelhorn zu hören – auf „ITALIA“ singt Till Brönner erstmals auf Italienisch.
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Das Repertoire auf „ITALIA“ stammt größtenteils aus den 1970er- und frühen 1980er-Jahren – Jahrzehnten, die eine goldene Ära des musikalischen Austauschs in Europa markierten. Italienische Songs liefen im französischen Radio und füllten deutsche Plattenläden. „Italien lieferte eine Art Europa-Sound“, so Brönner, „und schuf eine Atmosphäre, die für eine ganze Generation wegweisend war.“
Es war auch eine Zeit, in der Musik die Hoffnung auf eine bessere Zukunft spiegelte – und Pop zugleich leichtfüßig sein durfte, ohne dabei die Komplexität und Tiefe des Lebens auszusparen: „Es gibt aktuell viel Hoffnung, dass sich die Dinge wieder in etwas Menschlicheres und Erdverbundeneres verwandeln – und genau dieses Gefühl konnte man in den Siebzigern und Achtzigern regelrecht spüren“, so Brönner.
Die Songauswahl reicht von Klassikern von Lucio Battisti, Paolo Conte und Ennio Morricone über Raritäten jener Zeit bis hin zu einer eigenen Komposition („Cosa Vuoi“), die sich nahtlos ins Repertoire einfügt.
Ein jazziges und beschwingtes Easy Listening für alle, die im Herbst noch von südlichen Gefilden träumen!
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Wer auf der Suche nach der puren Entspannung ist, dürfte bei diesem Gemeinschaftswerk von Till Brönner und Dieter Ilg schon recht gut liegen. Der Freiburger Bassist und der Berliner Trompeter bilden ein kongeniales Duo, das seine Klänge zu einem ganz eigenen Sound verschmelzen lässt. Klassisches und Modernes, Bekanntes und Neues verbinden sich zu einem extravaganten Soundgemälde.
Die Auswahl der Stücke auf dem Album „Nightfall“ ist ein Beleg dafür, dass die Musiker sich auf keine Zuordnung oder Kategorisierung festlegen wollen. Wenn Jazz jemals ein Ausdruck von individueller Freiheit war, dann manifestiert sich diese Unabhängigkeit hier frei von allen Mythen im Zugriff aufs Material ebenso wie in der spontanen Umsetzung. Alles ist machbar, wenn man es nur will, und Brönner und Ilg wollen es. Songs von Leonard Cohen, den Beatles und Britney Spears, Stücke von Jerome Kern, Johnny Green und Ornette Coleman, Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Melchior Vulpius, aber auch einige Eigenschöpfungen von Ilg und Brönner belegen eine fast beispiellose Bandbreite der Intentionen und Einflüsse.
In jedem dieser Songs finden die beiden Partner neue Einfallswinkel und Perspektiven. Soli im klassischen Sinne des Jazz gibt es nicht. Wie in jedem guten Gespräch, das sich auf natürliche Weise entfaltet, liegt die Argumentation mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Der Fluss der Gedanken ist völlig frei.
So macht es Spaß, dem Dialog der beiden zuzuhören. Und auch wer mit Jazz ansonsten nicht so viel am Hut hat, darf diesem genialen Duo verträumt folgen.