Christmas Moments 2025 – Fotogalerie vom 23. Dezember, Arena Trier
Der krönende Abschluss der „Christmas Moments“ Tour 2025 fand am 23. Dezember in der SWT Arena statt. Hier unsere Fotos – Credit: Dietmar Schmitt
Der krönende Abschluss der „Christmas Moments“ Tour 2025 fand am 23. Dezember in der SWT Arena statt. Hier unsere Fotos – Credit: Dietmar Schmitt
Seit gut zwanzig Jahren halten ASP aus Frankfurt die Fahne des düsteren Gothic-Rock in Deutschland hoch. Ein Dutzend herausragender Alben ist in dieser Zeit erschienen. Man denke nur an die Vertonung der sorbischen Sage um den Zauberlehrling Krabat oder an das zweiteilige „Verfallen“, die Vertonung einer Horrorgeschichte des bekannten Autors Kai Meyer.
Ganz besonders stechen aber zwei breit angelegte Konzeptwerke aus dem Backkatalog der Band heraus: Der Liederzyklus des „Schwarzen Schmetterlings“ umfasst die ersten fünf Alben der Band und gilt in seiner Gesamtheit als düsteres Meisterwerk. Zu dieser Zeit war die Musik noch sehr elektronisch geprägt – erst im Laufe der Jahrzehnte kamen stärkere Rockelemente hinzu. Zweites tragendes Albumkonzept ist der sogenannte „Fremder“-Zyklus mit den Alben „fremd“ (2011), „Maskenhaft“ (2013), „Zutiefst“ (2019) und jetzt „Kosmonauilus“. Hinzu kommt noch die EP „GeistErfahrer“ (2016), die ebenfalls in diesem Universum spielt.
Der Fremder-Zyklus erzählt die Geschichte des Reisenden, der viele verschiedene Realitäten und Welten besucht, auf dem mittlerweile vierten Album – und es wird noch nicht das Ende der Odyssee sein. Während sich der erste Teil, „fremd“, genau um dieses Gefühl in diversen Facetten drehte – um dieses Gefühl des Fremd-Seins, des Außen-Stehens, des Sich-allein-Fühlens –, verschärfte sich die emotionale Kraft gerade zu Beginn von „Maskenhaft“ enorm. Nun erlebte der Hörer den Verlust der Freiheit, die ultimative Isolation und die Vernichtung alles Individuellen – bevor der Protagonist aufbrechen konnte, auf Wanderschaft ging und raue Pfade betrat. Bis er sich am Rande einer Klippe hängend wiederfand und – hier begann „Zutiefst“ – ins Meer fiel. Nun werden die Abenteuer zwischen U-Booten, Tiefseeungeheuern und falschen Leuchtfeuern weitererzählt.

Seit der rockigen Bandumbesetzung 2011 mit Sören Jordan an der Lead-Gitarre ergänzen Elemente aus Rock und Metal das Geschehen und tragen zu einem phantasievollen Gesamtwerk bei. Frontmann Asp Spreng interpretiert die Stücke gewohnt intensiv und eindrücklich – so wird das Erzählen musikalischer Geschichten zur Kunstform.
Was ich als SF- und Fantasy-Fan besonders spannend finde: Der große Kosmos findet hier nicht im weiten Weltall statt, sondern im inneren Kosmos des Protagonisten, der selbst zum Ort seiner langen Reise wird. Damit schließt sich auch der Kreis zum „Schwarzen Schmetterling“ und seinen inneren Stimmen. Die Reise ins Innere geht weiter und bald dürfen wir uns auf eine Bühnenumsetzung freuen.
ASP –KOSMONAUTILUS TOUR 2020
16.01.2020 – Saarbrücken, Garage
17.01.2020 – Pratteln, Z7 (CH)
18.01.2020 – München, Backstage Werk
23.01.2020 – Würzburg, Posthalle
24.01.2020 – Oberhausen, Turbinenhalle
25.01.2020 – Wiesbaden, Schlachthof
30.01.2020 – Hannover, Pavillon
31.01.2020 – Leipzig, Haus Auensee
01.02.2020 – Stuttgart, Im Wizemann
06.02.2020 – Hamburg, Markthalle
07.02.2020 – Berlin, Huxleys Neue Welt
08.02.2020 – Erfurt, Central
13.02.2020 – Memmingen, Kaminwerk
14.02.2020 – Wien, Simm City (A)
15.02.2020 – Dresden , Alter Schlachthof
Die sorbische Sage um den Zauberlehrling Krabat ist hierzulande hauptsächlich durch den gleichnamigen Roman Ottfried Preußlers und dessen Realverfilmung aus dem Jahr 2008 bekannt. Der Stoff inspirierte allerdings auch zahlreiche andere Künstler – unter anderem die deutsche Rockband ASP zu ihrem ebenfalls 2008 veröffentlichten Doppelalbum „Zaubererbruder – Der Krabat-Liederzyklus“. Zum 10jährigen Jubiläum brachten ASP das Werk letztes Jahr erstmals live in voller Länge auf die Bühne und tourten damit erfolgreich durch Deutschland. Der Mitschnitt dieser ungewöhnlichen Tour ist nun als „Zaubererbruder – Live & Extended“ auf CD erhältlich.
Der ursprüngliche Liederzyklus wurde für die Bühnenfassung um drei neue Stücke sowie eine abschließende Lesung erweitert. Außerdem unterstützen drei Gastmusiker die Band: Nikos Mavridis begeistert mit virtuosem Violinenspiel, Thomas Zöller verleiht mit Dudelsäcken, Tin Whistle und Concertina den Songs den nötigen Folk und Patty Gurdy verzaubert mit ihrem Gesang als Krabats Geliebte Kantorka und sorgt außerdem mit ihrer Drehleier für einen besonderen Sound. So wird der kraftvolle düstere Rock von ASP erweitert zu einem atmosphärischen und abwechslungsreichen Klangerlebnis, und der Zuhörer wird ganz in den Bann der fesselnden Geschichte gezogen.
Die Hauptrolle spielt dabei eindeutig Frontmann Asp Spreng, der nicht nur die Lieder unglaublich intensiv und eindrücklich interpretiert, sondern auch mit den passenden Ansagen und Überleitungen durch den ganzen Konzertabend führt. So erleben wir Krabats Zeit als Betteljunge mit und wie er zur Teufelsmühle kommt, wo der Meister seinen Lehrlingen nicht nur das Müllerhandwerk, sondern auch die Zauberkunst beibringt – eindrucksvoll demonstriert in „Denn ich bin der Meister“. Jedes Jahr in der Osternacht allerdings muss einer der 12 Lehrlinge sterben, um das Leben des Meisters zu verlängern und Platz für einen Neuen zu machen, wie wir im rockigen“ Elf und Einer“ und dem neuen Lied „Geh und heb dein Grab aus, mein Freund“ mit seinem starken Acappella-Intro erfahren.
Bis dahin deckt sich die Geschichte mit Preußlers Roman, doch während dort Krabat durch seine Geliebte Kantorka erlöst wird und mit ihr fliehen kann, dürfen sich hier die Liebenden zwar mit dem stimmungsvollen Duett „Mein Herz erkennt dich immer“ ihre Liebe schwören, doch sie werden entdeckt und Kantorka vom Meister getötet. Krabat verlässt die Mühle und zieht in den Krieg, den ASP übrigens nicht mit eigenen Worten, sondern mit dem traditionell überlieferten Volkslied „Der Schnitter Tod“ beschreiben. Krabat überlebt und kehrt nach langen Wanderjahren schließlich zur Teufelsmühle zurück, wo „Der geheimnisvolle Fremde“ den Meister bezwingt – im erstaunlich beschwingten Dreivierteltakt – und gemeinsam mit den Zauberlehrlingen die Mühle vernichtet. „Am Ende“ blickt Krabat nachdenklich auf sein Leben zurück und fragt sich in der Lesung „Das andere Ende“ sogar, ob er sich überhaupt richtig erinnert und die Teufelsmühle nicht eigentlich noch steht.
Soweit die Geschichte „Zaubererbruder“ – das Konzert wird aber noch abgerundet mit der Zugabe „Die Untiefen“ vom Album „Zutiefst“ und dem bewegenden Abschiedslied „Nehmt Abschied / Auld Lang Syne“.
Die Veröffentlichung „Zaubererbruder – Live & Extended“ hat ein ganz besonderes Live-Erlebnis eingefangen und lässt sich auch völlig unabhängig vom restlichen ASP-Universum genießen, einfach wegen der spannenden Geschichte und der tollen Atmosphäre.
Besonderes Lob verdient darüber hinaus die Gestaltung dieses Live-Albums in Form eines kleinen Buches, in dessen Buchdeckeln sich die zwei CDs verbergen und das im Innenteil neben den umfangreichen Liedtexten auch zahlreiche stimmungsvolle Fotos der Tour enthält, die erahnen lassen, dass die Konzerte auch visuell sehr beeindruckend gewesen sein müssen. Insgesamt also eine lohnende Anschaffung – für ASP-Fans allemal, aber auch für alle, die sich für die Krabat-Sage interessieren und düsterem Folk-Rock nicht ganz abgeneigt sind.
Leider laufen die weihnachtlichen „Pflichttermine“ in Deutschlands ältester Stadt am 23. Dezember allesamt parallel: Guildo Horn zelebriert das rockige Schlagerprogramm in der Europahalle, Thomas Schwab verzaubert mit seinen Mitstreitern von Christmas Moments die Arena Trier und wer es lieber alternativ will, muss das „Tefftival“ in der Trierer Tufa unter Abwesenheit allzu besinnlicher Klänge besuchen. Selbst Klassikfreunde werden vom Friedrich-Spee-Chor beim traditionellen Weihnachtssingen bedient. Wer da nichts für den eigenen Geschmack findet, dem ist wohl nicht zu helfen.
Ich selbst hätte gerne mal wieder Meister Guildo beehrt, doch letztlich ist die Entscheidung erneut auf die Christmas Moments gefallen. Diese große Show vor Tausenden Zuschauern in der Arena ist in jedem Jahr ein ganz besonderes Highlight. Vielseitig und voller Überraschungen. Egal ob Thomas Schwab allein am Piano sitzt oder die vortreffliche Band das Ensemble begleitet. Den ganzen Dezember über war man in NRW, Rheinland-Pfalz und dem Saarland unterwegs. Der Abschluss fand wie immer in Trier statt. Und neben der bekannten Truppe aus regionalen Gesangsgrößen gab es zwei weitere Argumente zum Besuch des Konzerts in Trier: Patricia Kelly und Cassandra Steen waren als Gäste mit dabei.
Das Programm bot eine überaus bunte Mischung. Da gab es deutsche und amerikanische Weihnachtsklassiker, wahlweise traditionell dargeboten oder mit viel Soul und bemerkenswerten Koloraturen, aber auch einige stimmungsvolle Poptitel. Jeder der beteiligten Sänger hatte seine Momente – da musste man zwischen Profis und Amateuren keinen Unterschied machen.
Einige Musical-Künstler waren zu hören. David Moore, der sonst bei „Starlight Express“ singt und mit viel Power die Bühne stürmte. Dann hatte er aber ebenso Worte für die notleidenden Menschen der Welt, vor allem die Flüchtlinge, und sang unter großer Anteilnahme des Publikums „Do You Have Room“. Aloysia Astari aus dem Musical „Yakari“, die zum ersten Mal mit dabei war, interpretierte John Lennons „Imagine“.
Sehr stark fand ich wie immer Meike Anlauff, die mit ihrer ausdrucksstarken Stimme unter anderem Michael Jacksons „Man In The Mirror“ neuen Glanz verlieh. Und Guido Illigen – Ensemblemitglied der ersten Stunde – konnte einmal mehr mit einem spannenden Deutschpop-Titel begeistern, der nicht unbedingt weihnachtlich süß klingt, aber trotzdem perfekt zum Thema passt: Er sang eine hinreißende Version von Alexa Fesers „Gold von morgen“. Ebenso die kräftige Stimme von Horst Friedrich soll nicht unerwähnt bleiben. Er kann volltönend einen riesigen Saal zum Beben bringen.
Auf große Show- und Lichteffekte wartete man in diesem Jahr vergebens. Ein Winterwald unterm Sternenmeer – das war die Kulisse. Für den abschließenden Nostalgie-Block gab es gar nur die Musiker und Sänger vor einem weißen Vorhang. Etwas Glamour war in den vergangenen Jahren ganz schön, doch die zeitlose Musik funktionierte auch in reduziertem Ambiente.
Als Gäste gab es neben genannten Stars außerdem den Christmas Moments Chor, der traditionell nur in Trier aktiv wird. Eine schöne Sache, vor allem, als er zum Abschluss in die Zuschauerreihen ging und die ganze Arena mit Stimmen erfüllte. Doch wie immer blieb der Chor unter seinen Möglichkeiten. Mit diesem Potential an Sängerinnen und Sängern könnte man einiges mehr auf die Beine stellen, um mehrstimmigen Arrangements mehr Raum zu geben und auch mal a cappella vorgetragene Passagen zu erlauben. Doch das sei nur am Rande erwähnt.
Das Ensemble der fünf Gesangssolisten trug die Show ohnehin mit der Musikertruppe ganz alleine. Wenn alle auf der Bühne standen, entwickelte sich ein zauberhafter und stimmungsvoller Wohlklang, mal besinnlich leise, dann wieder kraftvoll schmetternd. Gaststars wären in dieser Besetzung eigentlich nicht nötig, doch sie sind nun mal das berühmte i-Tüpfelchen.
Gefreut hatte ich mich vor allem auf Cassandra Steen. Sie sang dann auch das eigene Stück „Unter die Haut“ und verschönerte einige Weihnachtsklassiker. Stimmlich überragend und wunderbar schlicht drängte sie sich auch im Ensembleklang nie in den Vordergrund. Absolut vom Hocker gerissen hat mich aber Patricia Kelly. Mit akzentuiertem Gesang und einer fantastischen Stimme hatte sie das Publikum umgehend auf ihrer Seite und bekam zwischendrin stehende Ovationen, vor allem als sie die Arena Trier kollektiv zum Schmettern des Paradesongs der Kelly Family „Angel“ motivierte.
Thomas Schwab (Piano), Sören Jordan (Gitarre), Umbo Umschaden (Bass), Tim Wollmann (Gitarre), Marcel Millot (Schlagzeug) und Multitalent Andreas Steffens an Saxophon und Querflöte boten das melodische Sahnehäubchen. Melodien zum Mitsingen – Pop, Rock, Swing und auch mal eine Prise Klassik, wenn es sein musste. Als es dann bisweilen ans Improvisieren ging, war kein Halten mehr und das Publikum folgte ihnen begeistert.
Schauspieler Alexander Grünberg bot lyrische Momente zum Nachdenken. Er philosophierte als Engel über seine Aufgaben im Besonderen und das Dasein im Allgemeinen. Wichtig war vor allem sein weihnachtlicher Schluss: „Das Dunkel ist schwächer als das Licht.“
Natürlich darf kein Moments-Konzert ohne Thomas Schwabs Eigenkomposition und bekanntestes Stück „Der Traum von Bethlehem“ enden. Wie immer ein bewegender Abschluss und der Song, der für mich seit vielen Jahren zu jedem Weihnachtsfest gehört. Das Ensemble um Thomas Schwab bringt einfach am besten in weihnachtliche Stimmung, ohne dabei in Herzschmerz und kitschige Wehmut zu verfallen. Vermutlich können wir uns dort in 2016 wiedersehen: am 23. Dezember in der Arena Trier.