Wenn ich an Kinderbücher denke, die auch schon junge Menschen auf einfache Weise mit philosophischen und ethischen Prinzipien vertraut mache, fallen mir zunächst natürlich Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ aber auch Jostein Gaarders „Sofies Welt“ ein. Der kleine Prinz stellt grundlegende menschliche Fragen über Liebe, Freundschaft, Verantwortung und den Sinn des Lebens. Sofie beschäftigt sich mit der Suche nach Erkenntnis, Wirklichkeit, Freiheit und der Geschichte der Philosophie.
Das erste Kinderbuch des bekannten Schriftstellers und Juristen Ferdinand von Schirach geht in eine ähnliche Richtung. Der kleine Junge Alexander wird auf eine Reise geschickt, um die Grundideen von Demokratie, Gerechtigkeit und Verantwortung zu entdecken. Wie können wir friedlich miteinander leben? So lautet die basale Frage der Geschichte, die heute so aktuell scheint wie lange nicht mehr.
Zur Story: Alexander wird von den Einwohnern seiner Heimatstadt Kaliste der Auftrag erteilt, „gute Gesetze“ zu finden. Nie wieder soll eine Tyrannei möglich sein, und nur einem Kind traut man zu, frei von Vorurteilen gerechte Regeln für das Zusammenleben zu finden. Alexander macht sich also auf den Weg und spricht mit ganz unterschiedlichen Menschen: einem Orakel, einem Modeschöpfer, einem Soldaten und einem echten Philosophen. Nach und nach kommt er so den Prinzipien der Demokratie auf den Grund. Doch die Zeit drängt, denn der König des Nachbarreiches droht, die Stadt zu überfallen – und nur Alexander kann das verhindern, wenn er rechtzeitig gute Gesetze nach Hause bringt.
Von Schirach hat selbst schon viel getan, um Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Er hat neue Grundrechte formuliert und sich in Romanen, Sachtexten sowie Schauspielen mit kniffligen juristischen aber auch ethischen Fragestellungen beschäftigt.
Seine neue Story ist lebendig und spannend erzählt. Wie der kleine Prinz begegnet Alexander unterschiedlichen Figuren, die ihm ihre Weltsicht erklären. So bringt ihm ein Winzer die Freiheit des Menschen näher, ein Modeschöpfer erläutert die Gleichheit vor dem Gesetz, ein Philosoph das Recht auf Entfaltung der Persönlichkeit und Zwillinge legen ihm das Recht der freien Meinungsäußerung nahe.
Alles ist sehr anschaulich und recht amüsant gehalten. Die Dialoge sind für Kinder verständlich, aber auch für Erwachsene relevant. Am Ende kumuliert die Geschichte hin zum wichtigsten Prinzip: der unantastbaren Menschenwürde. So vereinen sich Gedankengänge von Vordenkern wie Aristoteles und John Locke, Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant zu einer unterhaltsamen Geschichte, die deren Ideen einfach und anschaulich erklärt.
Das Buch eignet sich für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Im Vorlesen, Lesen, darüber Reden und Diskutieren entfaltet sich eine Geschichte, in der wir viel über Demokratie und auch unser Grundgesetz lernen können. Es ist eine wichtige Lektüre mit vielen Sinnsprüchen für verschiedene Lebenslagen. Zudem hat der Autor die Seiten selbst mit fantasievollen und witzigen Zeichnungen illustriert. In dieser Kombi hat „Alexander“ das Zeug zum Klassiker.
















