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Urheber/Fotograf: dtv Verlagsgesellschaft

Lilly Bogenberger "Narbenmädchen"

Zwischen Resignation und Heilung

„Narbenmädchen“ ist ein erstaunlicher Debütroman, gelingt es der Autorin doch, sich sehr gut in die Psyche eines psychisch kranken Mädchens hinein zu versetzen. Das kann man vermutlich nur, wenn man selbst einmal in einer ähnlichen Situation war – und das gibt Lilly Bogenberger auch unumwunden zu: „Ich war selbst mit 16 in so einer Kurklinik. Die Sachen, die da passiert sind, waren so absurd, dass ich mir dachte: Das glaubt mir doch niemand … Der Roman ist fiktiv, aber ich hab mich definitiv von der Realität inspirieren lassen.“

Wir bekommen also eine Art Tatsachenbericht in Form einer Ich-Erzählung, die auf folgendem Setting beruht: Lara ist 15 und muss die nächsten vier Wochen in einer Kurklinik für verhaltensauffällige Jugendliche verbringen. Dass sie ziemlich verrückt ist, wie sie findet, sieht man ja schon daran, dass sie Rasierklingen in die Kur geschmuggelt hat, um sich weiter schneiden zu können. Aber die Gruppentherapie nervt einfach maximal und die Psychologin erzählt auch nur so komisches Zeug. Also fängt Lara an, mit Neo und Finn über ihre Probleme zu reden. Und diese beiden Teenager schaffen es irgendwie, Laras Leben zu verändern.

Die Autorin Lilly Bogenberger wurde 1992 in München geboren. Sie studierte in Köln „Serial Storytelling“, arbeitet als Drehbuchautorin und war 2023 mit „So laut du kannst“ und 2025 mit „Wer ohne Schuld ist“ für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Während der Corona-Pandemie schrieb sie das Manuskript zu „Narbenmädchen“, ihrem ersten Roman.

Mit viel Selbstironie wird die Leserschaft in die Welt von Lara gezogen, wobei sich alles innerhalb der vier Wochen abspielt, die das Mädchen in der Kurklinik verbringen soll. Wir spüren ihre Verletzlichkeit und Zerrissenheit. Das passt zu der Distel, die das Cover des Romans ziert.

In der Begegnung der Protagonist*innen gibt es viel Jugendsprache, aber ohne dass es peinlich wird. Überhaupt spürt man, wie die Autorin die Jugendlichen ernst nimmt. Am Ende sind es nämlich nicht die unzähligen Therapieformen, die Lara wirklich weiter helfen, sondern das Zusammensein mit einer Peergroup, in der jede und jeder für sich mit seinen Problemen kämpft.

Der Roman liest sich sehr flüssig und ist durchgehend spannend aufgebaut. Bis zum Schluss hat man keine Idee, wie er enden könnte, obwohl es dann ziemlich offensichtlich ist. Mich hat die Geschichte jedenfalls sehr berührt und ich finde sie sehr gelungen in der Idee, sich mit dem Thema „Mental Health“ bei Jugendlichen auseinander zu setzen.

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