Anlässlich ihres 35jährigen Platten-Jubiläums präsentiert die Singer-Songwriterin Pe Werner ein Live-Programm der „Pe-sonderen“ Art in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen. Mit „Vitamin Pe“ bringt die Songpoetin erstmals Musik auf die Bühne, die sie für andere geschrieben hat, und verrät die Hintergründe. Fotocredit: Atelier3Bären
Bereits seit den 80er Jahren ist Pe Werner auf den mittelgroßen Bühnen des Landes unterwegs – und noch immer läuft sie irgendwie dem Erfolg ihres größten Hits „Kribbeln im Bauch“ aus dem Jahr 1991 hinterher. Das will ich aber auf keinen Fall abwertend verstanden wissen. In ihrer stilistischen Mischung aus Konzert, Chansonabend und wortgewandter Comedy hat sie viel Ähnlichkeit mit Showgrößen wie Ina Müller und Barbara Schöneberger, doch Pe Werner ist sich stets treu geblieben und verzichtet lieber auf den ganz großen Kommerz als Kompromisse einzugehen.
Momentan ist sie mit ihrem Programm „Vitamin Pe“ unterwegs und traf im Saarland auf ein enthusiastisches Publikum in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen. Sie hatte dazu keine Band mitgebracht sondern war allein mit dem Pianisten Peter Grabinger auf der Bühne. Anlässlich ihres 35jährigen Plattenjubiläums präsentierte die Singer-Songwriterin ein Live-Programm der besonderen Art. Hierbei bringt die Songpoetin erstmals vor allem Musik auf die Bühne, die sie für andere geschrieben hat. Und sie verrät wie es dazu kam, ihre Lieder quasi zur Adoption freizugeben.
Der Abend startete mit „Liebe geht bekanntlich durch den Magen“, das ursprünglich für Bernd Stelter verfasst wurde. Und schon ging es auch los mit launischen Moderationen und humorvollen Wortspielen. Pe Werner gibt ihren Konzerten den Untertitel „Plauschkonzert“ – und tatsächlich plaudert sie zwischen den Songs unumwunden aus dem Nähkästchen und liefert witzige Dialoge mit ihrem Pianisten. „Leierkastenmann“ war ein Stück für Marshall & Alexander, doch es gab auch eigene Kompositionen wie „Monoton“ vom Debütalbum „Weibsbilder“.
Dazwischen erzählte die 65jährige locker-flockig und äußerst sympathisch Anekdoten aus den 80ern, von Musikkassetten im Auto und drei Fernsehprogrammen. Sie stimmte Songs von Michael Holm & Jürgen Marcus an und zu ihrer Entzückung schmetterte der ganze Saal „Tränen lügen nicht“ sowie „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“. Dann gab es zur Freude der Anwesenden ihren ersten Signature-Song „Weibsbilder“, zu dem ihr Tonmeister auf die Bühne kam und an der Mundharmonika glänzte. So etwas erlebt man auch äußerst selten.
Mit „Prima essen gehen“ lieferte sie einen echten Kabarettsong über den „Sex des Alters“, ebenso glänzend und sarkastisch wie „Was ein Mann tun muss“, das Pe für Barbara Schöneberger geschrieben hat. Mit „Sonnenmacherin“ entließ sie die Zuschauer*innen nach einer Stunde in die Pause.
Teil 2 startete mit „Was bleibt, wenn die Liebe geht (Du bist ein Zauberer)“ und inklusive Tontechniker war man zu Beginn zu dritt auf der Bühne. In der zweiten Hälfte gab es einige sentimentale Stücke wie „Rosen unterm Schnee“ (ursprünglich für Katja Epstein) und „Herbstzeitlos“. Voller Selbstironie über ein wenig Leibesfülle sang sie „Vollmondgesicht“ und mit „Mondscheinleasing“ sowie „Mondscheinsymphonie“ gab es eine ganze Trilogie zum Trabanten.
„Unbemannt“ hatte Pe Werner für Mary Roos geschrieben – und da gab es viel zu erzählen, ist Pe doch die offizielle Biografin für Roos‘ Lebensgeschichte „Aufrecht geh’n“ und hat im Zuge dessen lange bei der Schlagersängerin gelebt. Auch zum Song „Hinterm Ozean“ gibt es eine Geschichte, wäre Werner damit doch fast beim „Eurovision Song Contest“ gelandet, allerdings musste sich die Interpretin Caroline Fortenbacher 2008 ganz knapp den No Angels geschlagen geben.
Mit solchen Geschichten verging der Abend wie im Flug und man erfuhr viel aus Pes Leben und aus dem Boulevard der Musikwelt. Das Publikum feierte jeden Song, doch vor allem bei „Kribbeln im Bauch“ zum Ende des offiziellen Sets ging ein Raunen und Seufzen durch die Menge. Viele sangen jedes Wort mit, was Pe Werner sichtlich glücklich machte. Im Zugabenteil kam sie zu „Segler aus Papier“ allein mit Gitarre auf die Bühne und ganz zum Schluss gab es „Nimm deinen Hut“.
Pe Werner ist eine Koryphäe auf der Bühne. Wundervoll und einzigartig. Wer sich davon überzeugen will: Am 14.10.2026 singt sie mit der Bigband der Bundeswehr im Lokschuppen Dillingen, am 18.12.2026 mit ihrem Weihnachtsprogramm in Sulzbach und am 3. Dezember 2028 wird sie wieder in Neunkirchen sein.
(Credit für alle Fotos: Atelier3Bären)
Setlist – Pe Werner, Neue Gebläsehalle Neunkirchen, 21.2.2026
Set 1
Liebe geht bekanntlich durch den Magen
Leierkastenmann
Monoton
Weibsbilder
Prima essen gehen
Was ein Mann tun muss
Ne Prise Zimt
Schon so lang lieb ich dir hinterher
Sonnenmacherin
Set 2
Was bleibt, wenn die Liebe geht (Du bist ein Zauberer)
Wenn erfolgreiche Bands sich (mehr oder weniger) zur Ruhe setzen, schießen die Coverbands oft wie Pilze aus dem Boden. Man denke nur an Pink Floyd oder Queen. Und manchmal ist es dann so, dass die jeweilige Hommage international einen Stellenwert bekommt, der fast an die Originalband heranreicht. Die Australian Pink Floyd Show füllt ebenso riesige Hallen wie Frank Martel mit seiner Tribute Show „One Vision of Queen“. Bereits seit 1999 existieren Rumours of Fleetwood Mac, obwohl sich hier das Original erst im Jahr 2022 nach dem Tod von Keyboarderin und Sängerin Christine McVie endgültig aufgelöst hat.
Offiziell wurde die Band 1967 gegründet und schon 1969 verkauften Fleetwood Mac mehr Schallplatten als die Beatles und die Rolling Stones. Es gab prägende Besetzungswechsel. Der geniale Peter Green blieb nur bis 1970 und mit dem Einstieg von Christine und fünf Jahre später von Stevie Nicks wurde aus der Männerband ein grandioses gemischtes Ensemble, das mit zwei Frontfrauen Furore machte. Einzige Konstante über mehr als fünf Jahrzehnte war Schlagzeuger Mick Fleetwood. In einem Video-Einspieler leitet er auch das Konzert von Rumours of Fleetwood Mac ein und betont den Stellenwert der Coverband.
Die Produktion in Neunkirchen war groß: 7 Bandmitglieder, grandiose Instrumentalist*innen und Sänger*innen, ein hervorragender Sound, LCD-Wände auf denen Videos und Fotos zu sehen waren – alles in allem eine ausgefeilte Show, die durch die komplette Bandgeschichte führte. Klar, „Rumours“ steht für das Erfolgsalbum aus dem Jahr 1977, das mit 40 Millionen verkauften Exemplaren zu den weltweit erfolgreichsten steht. Doch es gab nicht nur diese Klassiker, sondern einen Rundumschlag über alle Bandphasen.
Den Anfang machte „Gypsy“ und Vivienne Chi an den Lead Vocals betörte im fliegenden Kleid, mit dem sie tänzerisch über die Bühne wirbelte. Das Publikum war vom ersten Song an gefangen, auch wenn das Mikro zu Keyboarderin Sara Leanne oder Gitarrist James Harrison wechselte. Oft gab es mehrstimmige Passagen, die glanzvoll klangen. Zum Song „Sara“ lieferte die Leinwand ein märchenhaftes Schattenspiel und bei „Songbird“ wurde es mit Leanne am Piano wundervoll balladesk.
Die letzten Songs der ersten Halbzeit zeigten Fleetwood Macs rockige Seite mit „I’m So Afraid“, „Say You Love Me“, „Gold Dust Woman“ und dem grandios dargebotenen „Rhiannon“, das zu ersten stehenden Ovationen im Publikum führte. Dann war nach 55 Minuten zunächst einmal Verschnaufen angesagt.
Der 70minütige zweite Teil begann mit einer Zeitreise in die 60er Jahre zu den Songs, die Peter Green ursprünglich am Mikro sahen, was von Alex Dee stimmgewaltig dargeboten wurde. Selbst das Instrumental „Albatross“ erhielt einen Riesenapplaus. Die Show nahm nochmal an Fahrt auf und Stücke wie „Monday Morning“, „Silver Springs“ und „Hold Me“ begeisterten die Zuschauer*innen aus vielen Generationen.
Eine ungewöhnliche Akustikversion von „Big Love“ feierte das Album „Tango in the Night“ und Lindsey Buckinghams großen Einfluss auf die Musik der 80er Jahre und eine eher poppige Ausrichtung der Band. „Landslide“ und „Little Lies“ führten den Hitreigen fort, bevor es dann mit „Everywhere“, „Go Your Own Way“ und „Don’t Stop“ an die Klassiker ging. Man muss gar nicht erwähnen, dass es niemanden mehr auf den Sitzen hielt. Der ganze Saal feierte bis zum abschließenden „Tusk“, das den großen Moment für Schlagzeuger Allan Cosgrove bildete.
Rumours of Fleetwood Mac lieferten eine Show der Extraklasse, die durchgehend stimmig und authentisch war. Man konnte die Tracks aus fünf Jahrzehnten Musikgeschichte leibhaftig und in großartiger Umsetzung erfahren. Wer die Konzerte dieser Band besucht, kann den Geist von Fleetwood Mac für zweieinhalb Stunden ganz nah spüren!
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