Rockmusical „Serpentina“ – Fotos von der Vorpremiere – 20.4.2018
Seht hier unsere Fotogalerie von der Vorpremiere des Rockmusicals Serpentina in Hermeskeil.
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„Ich tapse in die Pfützen ich fühl mich wie Gene Kelly“ – die Zeilen aus Westernhagens „Taximann“ sind legendär. Und sie lassen auf geniale Art das Gefühl nachempfinden, das man mit dem Musicalfilm „Singin‘ In The Rain“ verbinden mag. Der Film, der in Deutschland zunächst „Du sollst mein Glücksstern sein“ hieß, wurde vom American Film Institute zum besten amerikanischen Musicalfilm aller Zeiten gewählt. Das Erscheinungsjahr war 1952, doch die emotionalen Momente funktionieren auch heute noch. Die Tanz- und Musikszenen sind legendär, der Soundtrack einfach zeitlos.
Das 2-CD-Set, das am 20. April erscheint, präsentiert auf CD 1 den kompletten Original-Film-Soundtrack. Hinzu kommt auf CD2 eine Auswahl der besten Lieder aus dem Film in klassischen Aufführungen (sowohl Gesang als auch instrumental) von Stars wie Doris Day, Oscar Peterson, Vaughn Monroe, Sarah Vaughan, Benny Goodman, Judy Garland, The Hi-Lo, Louis Armstrong, Nelson Riddle, Bing Crosby, Ray Anthony und vielen anderen.
Okay. So schön der Soundtrack auch ist – CD 2 bedeutet: ein Dutzend Variationen des Titeltracks. Das hört man sich nicht unbedingt in Endlos-Schleife an, aber man kann sich seine Favoriten raussuchen. Wundervolle Musik – und das Tanzbein wippt ganz automatisch mit: „What a Glorious Feeling – I’m Happy Again“.
Mit „La La Land“ kam am 12. Januar 2017 ein wahres Film-Highlight in die deutschen Kinos. Das bewiesen auch die diesjährigen Golden Globe Awards: Sieben Preise staubte „La La Land“ ab und war somit der erfolgreichste Film des Abends. Unter anderem wurde Damien Chazelle als bester Regisseur ausgezeichnet und der Film gewann zudem den Golden Globe für das beste Drehbuch. „La La Land“ erhielt außerdem den Preis für den besten Film (Komödie/Musical).
Dabei ist „La La Land“ ein recht ungewöhnlicher Film für unsere Zeit. Es handelt sich um ein Musical ganz im Stil der 50er Jahre. Man denke an die MGM-Klassiker „Ein Amerikaner in Paris“ und „Singin‘ In The Rain“. Vielleicht ist ein solches Heile-Welt-Event wichtig in den Vereinigten Staaten der Trump-Ära? Wenn in der Gegenwart nichts mehr stimmt, will man sich zumindest im Kino in die Vergangenheit flüchten.
Neben den beiden Hauptdarstellern Ryan Gosling und Emma Stone wurde außerdem der großartige Soundtrack von „La La Land“ geehrt. Komponist Justin Hurwitz erhielt den Golden Globe für die beste Filmmusik. Kein Wunder, denn die Tracks des Original Scores untermalen die wunderschönen Szenen perfekt. Darüber hinaus gab es einen Award für den Titel „City Of Stars“, der als bester Filmsong gekürt wurde. Der Score erschien am Freitag, 13. Januar, mit fünfzehn Tracks auf CD – zum größten Teil eingesungen von Ryan Gosling, Emma Stone und John Legend. Es heißt sogar, Gosling habe sich extra für die Dreharbeiten innerhalb von drei Monaten das Klavierspielen beigebracht. Das nennt man mal Einsatz.
Der „La La Land OST“ bietet 45 Minuten Retro-Kost. Jazzig-verswingte Pianomelodien. Ein herzzerreißendes 50er-Jahre-Feeling. Das kann man sich sehr gemütlich und nostalgisch verklärt anhören – und auch ohne das Kinobild die Liebesgeschichte der jungen Schauspielerin und des mittelmäßigen Jazzpianisten nachempfinden. Eindrucksvoll empfinde ich das Gesangstalent der Schauspieler. Doch auch der instrumentale Score weiß zu überzeugen – bis hin zu Melancholie der verwendeten musikalischen Themen. Eine schöne Zeitreise in die goldenen Zeiten des Films und des Jazz.
Das weltbekannte Musical mit der Musik von Frederick Loewe und Texten von Alan Jay Lerner feierte 1956 in New York seine Uraufführung und wurde fast sieben Jahre lang am Broadway gespielt. 1958 wurde die Aufführung zudem ins Londoner West End exportiert. Auch dort lief es fast sechs Jahre – und beide Standorte zusammen kommen auf knapp 5.000 Vorstellungen.
Hauptdarsteller in beiden Produktionen waren Rex Harrison und Julie Andrews. 1964 wurde das Musical verfilmt – mit Harrison in der männlichen Hauptrolle, allerdings wurde Julie Andrews durch die bekanntere Audrey Hepburn ersetzt. Wie dem auch sei: spätestens seit dieser Verfilmung gehört „My Fair Lady“ zu den bekanntesten Musicals der Welt.
Die Geschichte dürfte vielen geläufig sein. Professor Higgins wettet, dass er ein einfaches Blumenmädchen aus den Londoner Slums allein durch Umformung der Sprache zu einer High-Society-Lady machen kann. Objekt der Wette soll Eliza Doolittle, die Tochter eines Müllkutschers, sein. Mit abstrusen Sprachübungen schafft Higgins sich sein menschliches Kunstwerk und gewinnt die Wette. Eliza läuft weg, als sie von den Hintergründen erfährt, aber sie ist nun in keiner ihrer Welten mehr zuhause. Am Ende kehrt sie zu Higgins zurück.
Das Musical wurde so oft gespielt, dass die Lieder in den alltäglichen Liedgebrauch übergegangen sind. „I Could Have Danced All Night (Ich hätt‘ getanzt heut‘ Nacht)“, „Wouldn’t It be Lovely? (Wär‘ das nicht wunderschön)“ und „The Rain in Spain (Es grünt so grün wenn Spaniens Blüten blühen)“ kennt wohl jeder Ü40er. Schön also, dass man hier die Originalaufnahmen im Doppelpack geboten bekommt.
Das vorliegende 2-CD-Set bietet die komplette Aufnahme des Broadway Cast aus dem Jahr 1956 in Mono und die Aufnahme des London Cast 1958 in Stereo. Jeweils finden sich Rex Harrison und Julie Andrews in den Hauptrollen. Die Zeit hat kaum Spuren hinterlassen. Die Aufnahmen kommen glasklar aus den Boxen – wobei die Stereoaufnahme aus London zu bevorzugen ist.
Aufgefüllt wurden beide Silberlinge mit instrumentalen und vokalen Bonustracks aus verschiedenen Aufnahmesessions. Für Musicalliebhaber ein wertvolles Zeitdokument.
Argentinien in den 50er Jahren. An der Macht Juan Perón, der mit seiner Diktatur versucht, das durch Kapitalismus und Kommunismus gespaltene Volk zu vereinen und neu aufzubauen. An seiner Seite Eva Perón, die ihn zu seinem politischen Erfolg verhilft und sich selbst als einer der ersten Frauen öffentlich in der argentinischen Politik inszeniert.
Als uneheliche Tochter, wird die geborene Eva Duarte von ihren bürgerlichen Verwandten abgelehnt und entwickelt schon in jungen Jahren eine Abneigung gegen die wohlhabende Klasse. Durch den Musiker Magali schafft sie es aus ihrem Heimatdorf auszubrechen und in die Großstadt Buenos Aires zu kommen. Trotz hoher Wahrscheinlichkeit dort zu scheitern, erklimmt Eva die Karriereleiter mit Biss und Ehrgeiz. Erst als Model, dann beim Radio und zu guter Letzt als Filmschauspielerin. Der Wille Jemand zu werden, bringt sie soweit dass sie eines Tages den Politiker Juan Perón begegnet und auch ihn in ihren Bann zieht. Kritisch beäugt wird sie von Ché, der Evita als eine egozentrische Selbstdarstellerin wahrnimmt, anstatt einer Heiligen, die das argentinischen Volk rettet.
Erstmals aufgeführt wurde das Musical Evita 1978 in London. Entstanden durch die Zusammenarbeit von Tim Rice, der die Texte schrieb und Andrew Lloyd Webber, der die Musik komponierte. Nun ist es soweit, dass die Geschichte der Eva Perón alias Evita auch ihren Weg ins Bonner Opernhaus findet. Ins Deutsche übersetzt von Michael Kunze. Verkörpert wird Evita von Bettina Mönch, die bereits in Musicals wie Aida, Les Miserablés oder Shrek zu bewundern war. Mit einer starken Stimme und einem Talent für Wandelbarkeit nimmt sie die Zuschauer für sich ein. So wird sie von einem brünetten eher unscheinbaren Mädchen, zu einem blonden Shootingstar in Glanz und Glamour und von da aus zu einer selbstgefälligen Herrscherfigur.
An dieser Stelle sind auch die Kostüme zu loben, die die Rolle der Evita ganz nach dem Motto: „Hands! Magic! Rings! Glamour! Face! Diamonds! Excitement! Image!“ in Szene setzen. Da Mode ein wichtiger Bestandteil der Rolle ist, wird hier nicht an Kreativität gespart. Spätestens beim Anblick des glitzernden Märchenkleides, verfällt jeder der Kunst des Designers. Neben den aufwendigen Kostümen ist das Bühnenbild vergleichsweise einfach gehalten. Allerdings genau passend. Besonders schön ist, dass die Band nicht im Orchestergraben versinkt, wie bei anderen Produktionen, sondern auf der Bühne rechts und links zusehen ist.
Die Rolle des Revolutionärs Ché wird von David Jakobs gespielt, der bereits Bühnenerfahrungen im Pina Bausch Theater, in Hair oder Jesus Christ Superstar sammelte. Jakobs wirkt auf der Bühne schauspielerisch und gesanglich grandios. Man möge meinen, sein Gesang übertrumpfe sogar den, der Hauptdarstellerin. Sein dynamisches Spiel und der Sympathiebonus seiner Rolle formen den Darsteller zum Publikumsliebling.
Das Ensemble, stellt den Klassenkampf dar. So verkörpert es zum einen den hochnäsigen Adel und zum anderen die frustrierte Arbeiterschaft, die nach Hilfe sucht. Und auch Kinder schaffen es auf die Bühne, in einem Engelchor singen sie „Santa Evita“. Wirklich kitschig, aber doch passend. Man möge fast sagen, es sei herzerwärmend.
Dieses Musical ist zum Einen darstellerisch sehenswert und zum Anderen regt es dazu an, sich mit dem geschichtlichen Aspekt weiter zu befassen. Es erwartet einen ein glamouröser Abend, der auch für Studenten erschwinglich ist, da dieses Musical im Vergleich zu anderen Produktionen wirklich preiswert ist, was aber keineswegs mit der Qualität des Stückes zutun hat.
Jeder kennt die herzergreifende Liebesgeschichte aus dem Film „Bodyguard“, in dem sich das Popsternchen Rachel Marron (Whitney Houston) in ihren Bodyguard Frank Farmer (Kevin Costner) verliebt. Während der engagierte Bodyguard Frank Farmer versucht, Rachel Marron vor einem unbekannten hochintelligenten Stalker zu beschützen, weigert sich die Pop Diva vorerst gegen die aufdringlichen Sicherheitsvorkehrungen, die ihren Alltag größtenteils einschränken. Doch mit der Zeit erkennt auch sie die Ernsthaftigkeit der bedrohenden Lage und lässt sich auch die verschärften Sicherheitsvorkehrungen ein. Allein in Deutschland begeisterte der Kinohit über 6 Millionen Zuschauer. Nun wird die dramatische Liebesgeschichte mit den bekanntesten Hits von Whitney Houston wieder zum Leben erweckt. Seit November 2015 ist die Londoner Originalproduktion im Kölner Musical Dome in deutscher Sprache zu erleben.
Der Soul- und Popstar Rachel Marron wird von der aus Berlin stammenden Patricia Meeden gespielt, die bereits Bühnenerfahrungen an der staatlichen Ballettschule Berlin, der Deutschen Oper sowie der Staatsoper Unter den Linden sammelte. Mit ihrer überzeugenden Bühnenpräsenz und einer voluminösen Stimme macht die Berlinerin mit kubanischen und dänischen Wurzeln der Musik Legende Whitney Houston alle Ehre. Komplett in Gänsehaut verfällt man wenn P. Meeden „I Will Always Love You“ singt und mit Dampf in die Höhe getragen wird.
Der Bodyguard Frank Farmer wird von dem Berufsschauspieler Jürgen Fischer verkörpert, der Kevin Costner nicht nur optisch ähnelt, sondern auch seine Rolle glaubwürdig darstellt. Gesang wird in dieser Produktion leider nur im geringsten Maße von ihm verlangt, wenn er Rachel ein schiefes Ständchen in einer Karaoke Bar vorsingt. Schade, denn der gute Mann ist dank einer Gesangsausbildung in der Lage die Töne zu treffen.
Umso mehr beweist Jessica Mears, was sie musikalisch drauf hat. Die erfolgreiche Musicaldarstellerin, die auch schon in Produktionen wie König der Löwen, Dirty Dancing, Aida und We Will Rock You mitwirkte, übertrumpft selbst die Hauptdarstellerin in ihrem Gesang. Sie verkörpert die Rolle der Nicki Marron, die eifersüchtige Schwester des Popsterns. Überzeugend ist sie vor allem in der Szene, als sie in einer gemütlichen kleinen Bar als Sängerin mit dem Song „Saving All My Love For You“ auftritt und damit auch den Hauptdarsteller Frank Farmer in ihren Bann zieht.
Neben der schauspielerischen Leistung ist besonders das aufwendige Bühnenbild zu loben. So verwandelt sich die Bühne von einer Karaoke Bar in ein Wohnzimmer, von da aus in einen Konzertsaal und zu guter Letzt wird sogar eine zweistöckige Holzhütte auf die Bühne gestellt.
In Kombination mit dem detailgetreuen Bühnenbild ist auch das Spiel realistisch und modern inszeniert. Vor allem sticht dabei die Szene in der Karaoke Bar hervor, in der ein Teil des Ensembles Gäste spielt, die mit ihrem Smartphones Selfies von sich machen und in späteren Szenen betrunkene Fans auf Rachels Konzerten verkörpern. Das Spiel ist unterhaltsam und gleichzeitig beeindruckend, wenn die betrunkenen Fans wieder zu ausgezeichneten Tänzern werden. Vor allem bei Liedern wie „I Wanna Dance With Somebody“, welches zum Schluss nochmal ertönt, scheinen auch die Musical Besucher Lust zu haben sich zu bewegen. An Digitalisierung fehlt es der modernen Produktion außerdem nicht, denn der Attentäter erscheint vorerst auf der Leinwand im Filmformat. Erst später sieht man ihn leibhaftig bei dem Versuch des Attentats auf der Oscar Verleihung.
Für Musicalfans ist Bodyguard ein absolutes Muss. Aber auch für Konzertgänger, die ihren Horizont erweitern wollen, ist das moderne Musical empfehlenswert. Es erwartet einen ein glamouröser Abend mit ausgezeichnetem Gesang, einer atemberaubenden Tanzdarbietung und einem erstaunlich guten Bühnenbild.
Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Shows, die mehr oder weniger erfolgreich durch Deutschland touren und ihrem Publikum die umfangreiche Welt der Musicals in komprimierter Form nahe bringen wollen. So viele, dass man schon gar nicht mehr weiß, welche davon man Interessenten empfehlen soll. Darum bin ich froh, wenn ich über ein Ensemble wie das Musical Project von David Steines berichten kann. Sein größtes Alleinstellungsmerkmal ist es, dass dort sehr junge Leute auf der Bühne stehen, die allesamt noch Amateure sind bzw. ihre ersten zaghaften Schritte in Richtung einer professionellen Laufbahn gehen.
Gegründet wurde das Ensemble als Projektgruppe des Gymnasiums Hermeskeil. Schon damals war der Saarländer David Steines die treibende Kraft. Er hat inzwischen das Musical-Wesen zu seinem Beruf gemacht und unter anderem an der „Stage School Hamburg“ studiert. Die Liebe zur bunten Welt zwischen Schauspiel und Gesang hat ihn und viele seiner Mitstreiter nicht mehr losgelassen – das erkennt man, wenn man die Lebensläufe im Programmheft liest und vor allem, wenn man die Akteure auf der Bühne erlebt. Wie ich es auch aus dem Chorgesang kenne: viele weibliche, wenig männliche Mitglieder. So müssen Steines und sein Kollege Patrik Sänger viel Kraft aufwenden, um sich gegen die geballte Weiblichkeit durchzusetzen.
Das Musical Project hat vor dreieinhalb Jahren in einer kleinen Halle begonnen und nach einer Vielzahl von regionalen Auftritten diesmal den Weg nach Trier gewagt. Die Europahalle mag die nächste Sprosse auf der Erfolgsleiter sein – etwas gewagt, doch es hat funktioniert. Der vordere Teil der Halle war mit einem Vorhang abgetrennt und so füllten über Tausend Zuschauer den Saal. Die Anspannung aufgrund ihres bisher größten Publikums war den Akteuren bei den ersten Songs noch anzumerken, legte sich aber nach kurzer Zeit, als die Begeisterungswelle aus der Zuhörerschaft die Bühne erreichte.
Das Ensemble packt viele Musicals in seine Show. So viele, dass man zeitweise Angst vor einer Überfrachtung haben muss: 26 nämlich insgesamt, wenn man die Zugaben mit zählt. Es geht darum, die schönsten und intimsten Momente auszuwählen, die einen hohen Bekanntheitsgrad haben. Das können bei „Les Misérables“ mal zwei Songs sein („Lied des Volkes“ und „Ich hab geträumt“), beim Musical „Elisabeth“ mal ein längerer Auszug – oder es kann sich auf einen einzigen Lieblingssong beschränken. Ich nenne mal „Erinnerung“ aus „Cats“. Aus dem Off gibt es in den meisten Fällen eine kurze Beschreibung des Stücks, die zum folgenden Lied hin führt.
Die Requisiten beschränken sich auf ein Mindestmaß. Highlight ist ein hohes LCD-Fenster, das jeweils ein wichtiges Szenen-Element zeigt, hinzu gesellen sich kleine Gegenstände wie Schachfiguren oder eine Schreibfeder. Das reichte aus, um die richtige Atmosphäre zu schaffen – zusammen mit den Kostümen der Darsteller, auf die ein hohes Augenmerk gerichtet wird. Man spürte, dass da sehr viel Herzblut drin steckt – wie in der gesamten Produktion.
Die Sängerinnen und Sänger sind zwischen 15 und 24 Jahre alt, stammen vor allem aus der Region Hochwald (nahe Trier) und haben sehr frische, klanglich saubere Stimmen. Das merkt man in der Vielzahl von Soli, aber auch in den chorischen Passagen, wenn bis zu 14 Stimmen polyphone Arrangements präsentieren. Einziges Manko: Die instrumentale Musik kommt vom Band. Das hat (logisch) finanzielle Gründe, nimmt aber der Show viel von der Spontanität und Lebendigkeit, die sie über das jetzige Geschehen hinaus noch haben könnte. Zumindest wurde Publikumsnähe zelebriert, wenn sich die Darsteller bei „Les Misérables“ oder „Rocky“ durch die Sitzreihen bewegten.
Meist sind es die Ohrwürmer aus bekannten Musicals wie „Starlight Express“, „Les Misérables“, „Elisabeth“ und „König der Löwen“, die geboten werden. Doch selbst der bewanderte Fan des musikalischen Theaters kann unter Umständen noch ganz neue Perlen entdecken wie die Geistergeschichte „Rebecca“ (nach dem Roman von Daphne du Maurier) oder die tragische Story „Ghost“, die auf dem gleichnamigen Film mit Patrick Swayze basiert. Hier will ich auch mal damit ansetzen, einzelne Solisten hervor zu heben – in der Hoffnung, damit niemanden zu verärgern, denn wirklich schwach war niemand an diesem Abend.
Amelie Michel beeindruckte mit dem Elisabeth-Song „Ich gehör nur mir“ und glänzte auch in höchsten Tonlagen. Diese Klasse will ich ebenso Hannah Weiler zugestehen, die über ein beachtliches Stimmvolumen verfügt und in „Mozart“ und „König der Löwen“ brillierte. Dann aber kamen die Musicals, die nicht über einen so hohen Bekanntheitsgrad verfügen. „Aida“ zum Beispiel, das von Elton John geschrieben wurde und die Geschichte um die nubische Prinzessin erzählt. Die Pharaonin Amneris wurde von Janina Jungbluth mit großem Glamourfaktor dargestellt – und mit einer Powerstimme zwischen Diva und Rockröhre. Sehr emotional präsentierte Lisa Vandrey den Song „With You“ aus „Ghost“, mit welchem die Protagonistin den Verlust ihres Geliebten betrauert, und erzeugte in der Europahalle tausendfache Gänsehaut.
Franziska Wollscheid zeigte ihre dynamischen vokalen Fähigkeiten unter anderem als „leichtes Mädchen“ in „Jekyll & Hyde“ und später wieder als Teil eines Damen-Trios in „3 Musketiere“. Bei ihr spürte man die gesangliche und schauspielerische Erfahrung, die sie mit 19 Jahren schon hat, und inklusive Gestik und Mimik war ihr gesamtes Auftreten sehr stimmig. David Steines schließlich lief im Musical „Rebecca“ zur Hochform auf, wo er das Duett „Kein Lächeln war je so kalt“ mit Amelie Michel sang. Er interpretierte viele Hauptstimmen an diesem Abend, doch besonders gut stehen ihm die dämonischen Rollen mit aggressiven Zügen, rezitativem Sprechgesang und emotionalen Ausbrüchen. Nach der Vielzahl von Eindrücken des Abends ist zumindest eins sicher: Die Musicals „Rebecca“, „Ghost“ und „Aida“ möchte ich in voller Länge sehen. Da hat Steines das Ziel erreicht, mich auf diese (doch recht unbekannten) Werke neugierig zu machen.
Obwohl ich jetzt viel von tragischen und emotionalen Songs geschrieben habe, kamen auch die Comedy-Elemente nicht zu kurz. David Steines spielte die gewichtige Edna Turnblad („Hairspray“), Patrik Sänger gab den „Sweet Transvestite“ in der „Rocky Horror Show“ und beide Männer bejammerten in „Der Schuh des Manitu“ ihr Schicksal „Wieder mal am Marterpfahl“. Die reine Programmdauer (!) belief sich auf rund drei Stunden. Das Publikum wurde aber nicht müde, noch weitere Zugaben zu fordern.
Der Abend endete mit einem Zugaben-Medley aus „Ich war noch niemals in New York“ und als die Standing Ovations kein Ende nahmen stimmten Darsteller und Publikum gemeinsam „Nessaja“ aus Peter Maffays „Tabaluga“ an. Alles in allem ein sehr gelungener Abend mit einer von den Laiendarstellern getragenen Begeisterung, die das Publikum mitriss. Die jungen Sängerinnen und Sänger, die Leute im Hintergrund, die für Bühnenbild und Kostüme, für Klang und Maske verantwortlich sind, haben ganze Arbeit geleistet. Es war nicht alles perfekt – und doch konnte man durchgehend vergessen, dass hier keine Profis am Werk waren. Der Sprung von den regionalen Kulturhallen auf die große Bühne ist geglückt und ich warte gespannt ab, was das Ensemble als nächstes anzugehen wagt.
Damit meine fünfjährige Tochter mit mir zum Konzert fährt, muss schon etwas ganz Besonderes geboten werden. Bisher waren das die Wise Guys – und kürzlich das Popmusical „Prinzessin Lillifee und die verwunschene Insel“. Also zieht die Kleine ihr Prinzessinnenkostüm an, staffiert sich mit Krone und Zauberstab aus und ab geht’s in die Arena Trier. Glücklicherweise war in letzter Minute ein Verzicht auf die Feenflügel möglich (mit Hinweis auf die beengten Platzverhältnisse in den Stuhlreihen). Zum Ausgleich musste aber noch ein zusätzlicher Zauberstab vom Merchandise her: in Herzform und mit Blinklicht. So ausgestattet konnte die Show beginnen.
Die Geschichte um Prinzessin Lillifee ist ein Familienmusical. Also eine Veranstaltung für Großeltern, Vater, Mutter und Tochter. Nicht für den Sohn – das war deutlich zu spüren. Die Arena füllte sich mit Prinzessinnen und Gefolge. Ich habe mit viel Mühe auch einen bedauernswerten Jungen in der drittletzten Reihe des Innenraums ausmachen können, der vermutlich mangels Babysitter gegen seinen Willen mitgeschleppt wurde.
Die Geschichte, die erzählt wurde, lässt sich folgendermaßen zusammen fassen: Bei einem Ausflug mit dem Heißluftballon stürzen Prinzessin Lillifee und ihre Freunde ab. Mit Glück landen sie auf einer Insel mitten im Ozean – doch dabei verliert Lillifee ihren Zauberstab. Ohne dessen Kräfte müssen sich die fünf Freunde vom mächtigen Zauber, der auf dem verwunschenen Eiland lastet, befreien. Erst dann können sie die Rückreise in ihre Heimat antreten. Auf dem nebligen Gipfel des Vulkanes findet Lillifee den Herrscher der Insel. Jetzt kommt sie dem Geheimnis des Fluches auf die Spur…
Die Figuren wurden zwar von Erwachsenen gespielt, doch die Darstellung war bunt und kindgerecht, so dass diese Tatsache nicht negativ auffiel. Ich sag mal so: Als Erwachsener muss man sich schon daran gewöhnen, zwei Stunden lang Pupsi das Schwein und Henry den Hasen zu ertragen, deren Rollen zudem recht schrill angelegt sind. Prinzessin Lillifee erinnerte zudem entfernt an Cindy aus Marzahn (was sich in der rosa Ausstattung und den aufgebauschten blonden Haaren manifestiert, nicht etwa in überschüssigen Pfunden).
Alle Schauspieler zeigten eine ordentliche Leistung – und vor allem die Fee Bella, die Hexe Alba und den Troll möchte ich da hervor heben. Für Spannung, viele lustige Momente und einige leicht gruselige Szenen war durchgehend gesorgt. Außerdem wurde stilvoll gesungen und getanzt. Das hat den kleinen Zuschauerinnen gut gefallen, die sich bis zum Ende des Stücks zum Teil vor der Bühne versammelten und die Hexe zu der süffisanten Bemerkung „Bei dem Lärm kann ich nicht zaubern“ veranlasste.
Das Musical ist für Mädchen zwischen 4 und 10 Jahren empfehlenswert. Die Umsetzung ist sehr gelungen – angefangen mit der Ballonfahrt über die bunte Südsee-Insel bis zu den dunklen Höhlen des Trolls. Kleinere Kinder sollten auf jeden Fall einen Erwachsenen mit dabei haben. Und was mir sehr sauer aufstieß: Manche Eltern verließen schon gut 10 Minuten vor Schluss die Show, vermutlich aus Angst vor dem adventlichen Samstagabend-Stau. So konnten sich die Darsteller kaum ordentlich vor ihren kleinen Fans verbeugen, da sich der Saal rasend schnell leerte. Papa und Tochter fuhren jedenfalls hoch zufrieden nach Hause. Und die gerade erworbene Musical-CD wurde noch am Abend gehört, am nächsten Tag, dann nochmal und nochmal… Lillifee geht halt immer.
Es war ein gewagter Schritt im Jahr 1983. Gerade erst hatte Maffay den großen Sprung vom Schlagerstar zum ernst zu nehmenden Rocker geschafft, da versuchte er sein Glück mit einem Rockmusical für Kinder. Wer hätte gedacht, dass diese Idee erfolgreich sein könnte und dass er fast drei Jahrzehnte später mit einer Tabaluga-Show Hallen wie die SAP-Arena in Mannheim (ausverkauft, 8.300 Zuschauer) füllt? Seit 29 Jahren begeistert der neugierige Drache bereits kleine und große Leute und ist inzwischen eine mindestens so bekannte und beliebte Kunstfigur wie die Biene Maja oder das Sandmännchen.
Geboren wurde Tabaluga in den Köpfen der Künstler Peter Maffay, Gregor Rottschalk und Rolf Zuckowski, und der Zeichner Helme Heine gab ihm seine Gestalt. Seit seiner ersten „Reise zur Vernunft“ hat Tabaluga schon drei weitere Abenteuer erlebt und viel über das Leben, die Liebe und das Glück gelernt. 2011 erschien mit „Tabaluga und die Zeichen der Zeit“ das fünfte (und wie Maffay mehrfach betonte: letzte) Tabaluga-Konzeptalbum. Viele deutsche Stars geben sich jetzt die Klinke in die Hand, um bei der Showproduktion mitzuwirken. Die Besetzung wechselt allerdings, so dass nicht alle großen Namen bei jedem Auftritt dabei sind. In Mannheim waren Laith Al-Deen und Sissi Perlinger die speziellen Gäste.
Der Inhalt der Story erzählt sich so: Ein kaputter Wecker ist Anlass für den kleinen Drachen, sich auf die Suche nach dem Geheimnis der Zeit zu machen. Zunächst erfährt er, dass man die Zeit ganz unterschiedlich wahrnehmen kann, abhängig davon, ob man beispielsweise „Alt wie ein Stein“ ist oder eine „Eintagsfliege“. Und die Zeit des Lebens ist endlich, wie ihm der Tod, „Der gutgelaunte Fremde“ mit seinem ausgelassenen Lied klarmacht. Natürlich mischt sich auch Tabalugas alter Wiedersacher Arktos ein, versucht sich als Herr über die Zeit aufzuspielen und zettelt gar eine „Revolution“ zu ihrer Abschaffung an. Dann schmilzt er jedoch fast in der Hitze des Sommers, bevor ausgerechnet Tabaluga ihn rettet, weil er erkennt, dass Arktos wohl immer „Der geliebte Feind“ bleiben wird. Tabaluga begegnet noch den unterschiedlichsten Aspekten der Zeit. Der König der Tiere behauptet „Time Is Money“, und sein Vater erscheint ihm im Traum und gesteht „Ich hatte niemals Zeit für dich“. Auf einem Basar will ihm ein Händler sogar „Die Wunderuhr“ mit 13 Stunden auf dem Zifferblatt andrehen. Schließlich offenbart sich eine Erscheinung in Mädchengestalt als die Zeit, erfüllt Tabaluga seinen Herzenswunsch, noch einmal mit seiner geliebten Lilli tanzen zu können, und verrät ihm mit „Die Zeit hält nur in Träumen an“ und „Alles im Leben hat seine Zeit“ ihre großen Geheimnisse.
Es ist eine bunte Show, die zur Live-Umsetzung geboten wird. Mit Tänzern, Ballerina, Schauspielern, schrillen Kostümen – sehr farbenfroh und über die ganze Fläche der Arena verteilt. Die Rockband steht auf der Bühne, die vor allem für Massenszenen genutzt wird. Dialog und Interaktion finden aber auf einem Podest in der Mitte und zwei seitlichen Podesten im Zuschauerraum statt. Das erzeugt Nähe und bringt die Leute mitten ins Geschehen. Schauspielerisch gibt es mit Heinz Hoenig als Arktos und Rufus Beck als Magier (zugleich der Regisseur des Stücks) absolute Hochkaräter. Auch die übrigen Figuren sind perfekt gespielt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Mandy Capristo als Lilli, auf Sissi Perlinger als Kameliendame und auf Jonathan Beck als 0815, die sichtlich in ihren Rollen aufgehen. Als besonderer Gast mit Heimspiel ist zudem Laith Al-Deen dabei. Seine Auftritte – zum Beispiel als Kuckuck – werden vom Publikum besonders gewürdigt.
Die Show ist ein Spektakel in einer Mischung aus Musical, Revue und Rockkonzert. Da trägt Maffays formidable Band einiges zu bei. Und die ganz magischen Momente entstehen, wenn der Meister selbst auftritt. Dann geht spürbar eine Wandlung durchs Publikum und es wird schlagartig klar, warum die meisten Anwesenden dort sind. Erwachsene sind gegenüber (durchaus anwesenden) Kindern weit in der Überzahl. Ungewöhnlich für eine solche Produktion. In einer Szene richtet Maffay das Wort an Tabaluga: „Als ich so klein war wie du…“ Zunächst lachen einige Zuschauer in den vorderen Reihen, dann breitet sich ein Gelächter in der ganzen Arena aus. Der Künstler ist zuerst sichtlich irritiert, versteht aber schnell die Anspielung auf seine Körpergröße. „Sehr witzig“, sagt er – und ein Zuschauer ruft in voller Lautstärke: „Du bist der Größte, Peter!“ Dem kann man nur zustimmen. Ein ganz besonderer Moment entsteht – und der sympathische Rocker ringt sichtlich um Fassung, bevor die Show weiter gehen kann.
Nach drei Stunden gibt es zum Finale das bewegende Duett „Die Zeit hält nur in Träumen an“ zwischen Maffay und der Ex-Monrose-Sängerin Mandy Capristo. Im roten Blütenreigen fangen sie die Magie des Abends zum Schluss nochmal ein und lassen ein begeistertes Publikum zurück. Als Zugabe ganz zum Ende tritt Maffay allein auf und schmettert gemeinsam mit den Zuschauern Nessajas Hymne „Ich wollte nie erwachsen sein“. Und bevor der Abend endgültig vorbei ist, gibt es einige bewegende Worte zum Abschied. Maffay hat sich entschieden, dass die laufende Tabaluga-Tour die „letzte Show dieser Art“ gewesen sein wird. Vielleicht sind nach fünf Geschichten die philosophischen Themen, mit denen man sich beschäftigen kann, ausgereizt. Viele blicken sicher irgendwann wehmütig auf die Zeit zurück, in der man Geschichten für seine Kinder mit der eigenen Vorliebe für Rockmusik geschickt verknüpfen konnte. Zum Glück gibt es die CDs und DVDs zum Immer-wieder-genießen.