Nachdem ich endlich auch den zweiten Teil von Joe Hills Mammutwerk lesen konnte, kann ich guten Gewissens sagen, dass er mit diesem Epos ein grandioses Werk abgeliefert hat, das den Klassikern seines berühmten Vaters Stephen King in Nichts nachsteht. „King Sorrow“ hätte im Deutschen locker 1300 Seiten gehabt und wurde deshalb vom Heyne Verlag in zwei Teile gesplittet. Manche schreien schon „Geldmacherei“, doch ich muss ehrlich sagen, dass ich damit ganz zufrieden war. Andernfalls hätte man jedes Mal entweder ein extrem schweres Buch zu jonglieren oder die Schrift wäre ermüdend klein. Für mich also okay so, wenn die Wartezeit von über zwei Monaten auch eine echte Folter war.
Zumindest spricht das für die Qualität des Romans und den Spannungsbogen. In der ersten Hälfte wurden Arthur Oakes und seine Freunde als Protagonisten eingeführt. Die hatte ich schnell wieder in Erinnerung. Und man hatte den monströsen Drachen King Sorrow herauf beschworen, um die Erpresserin Jayne Nightswander zu stoppen, die zu Arthurs Nemesis geworden ist. Doch man muss einen Preis zahlen, wenn man eine solche Kreatur um Hilfe bittet – und man wird sie nicht mehr los.
Das war die Ausgangssituation und die Story wird nahtlos fortgesetzt. Zum Klappentext: Jahr für Jahr fordert der mächtige Drache King Sorrow von Arthur Oakes, der inzwischen Professor für Englische Literatur ist, und seinen Freunden ein Menschenopfer. Die Folgen ihrer Wahl werden immer drastischer, immer mehr unschuldige Menschen kommen bei King Sorrows Beutezügen ums Leben. Arthur ist klar, dass sie den Drachen zurück in die Große Dunkelheit verbannen müssen. Doch einer seiner Freunde spielt ein falsches Spiel …
Damit ist die Handlung abgesteckt – und doch bekommen wir quasi vier Bücher in einem: Es ist zunächst ein Thriller im Stil von Stephen Kings „Das Institut“ um eine mysteriöse, unerbittliche Einrichtung. Dann eine fantasyhafte Hommage an die Artus-Sage. Außerdem eine Rachegeschichte um Jayne Nightswanders Mutter und schließlich das falsche Spiel einer handelnden Person nebst Endkampf mit dem Drachen.
Existiert der Drache wirklich oder ist er am Ende nicht doch eher eine gedankliche Manifestation, entstanden aus Traumata und verdrängten Erinnerungen? Zumindest wird die Geschichte grandios zu Ende geführt. Ein fantastisches Buch, das in seiner Gesamtlänge niemals langweilig wird.











