Mehr als 35 Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung zählt das dritte Studioalbum „The Seeds Of Love“ von Tears For Fears wegen seiner zeitlosen Musikalität und den ausgezeichneten Songs zu den herausragenden Longplayern der 1980er Jahre. Das Album erschien ursprünglich im September 1989. Es war sowohl kommerziell als auch bei der Kritik ein Triumph, stieg auf Platz 1 der britischen Albumcharts ein und erhielt innerhalb von nur drei Wochen eine Platin-Auszeichnung. Auch in den USA wurde das Album mit Platin geehrt und erreichte Platz 8 der Billboard Top 200.
„The Seeds Of Love“ gilt weithin als eines der prägenden Alben der späten 1980er-Jahre und enthält einige der polulärsten Aufnahmen der Band, darunter die Hitsingles „Sowing The Seeds Of Love“, „Woman In Chains“ und „Advice For The Young At Heart“ sowie das Herzstück des Albums, „Badman’s Song“. Die neuen Deluxe-Editionen von The Seeds Of Love umfassen neue Stereo-Mixe von Steven Wilson, der das Album zu seinen fünf Lieblingsalben aller Zeiten zählt, eine 2LP-Ausgabe auf blauem Special-Effect-Vinyl mit alternativem Artwork, die das Originalalbum mit einer zweiten LP aus B-Seiten und Demos kombiniert – einige davon erstmals auf Vinyl – sowie ein 3CD-Set mit alternativen und seltenen Mixen, Single-Versionen und B-Seiten.
Musikfans und Audiophile auf der ganzen Welt begeistert das Album bis heute mit seiner Tiefe und seiner schieren Kühnheit – weshalb es auch dreieinhalb Jahrzehnte später kaum gealtert wirkt. Roland Orzabal sagt dazu: „Von all unseren Alben würde ich es wahrscheinlich am höchsten einstufen. Ich glaube, es hat viele Leute überrascht, auch viele unserer Kollegen – Menschen, mit denen wir Mitte der Achtziger vielleicht verglichen wurden.“ Curt Smith ergänzt: „Die Songs, die ich damals mochte, mag ich auch heute noch. Woman In Chains, Badman’s Song, Sowing The Seeds Of Love und Advice For The Young At Heart sind alle geblieben. Wir spielen sie immer noch live.“
1981 von Roland Orzabal und Curt Smith gegründet, hatten es Tears For Fears Anfang 1985 endlich geschafft und mit Hits wie „Shout“ und „Everybody Wants To Rule The World“ die Chartspitzen weltweit erobert. Zum 40jährigen erfährt das dazu gehörige Album eine entsprechende Würdigung in Form einer „40th Anniversary Edition“.
Mit diesem Album schuf die Band einen Sound, der sowohl großflächig und atmosphärisch als auch emotional zugänglich war. Die Single „Shout“ wurde zu einem Generationenhit und thematisierte das Herauslassen unterdrückter Emotionen, während „Everybody Wants to Rule the World“ mit seinem treibenden Rhythmus zu einem der wichtigsten Popklassiker der 80er Jahre wurde. Genauso hervorzuheben ist „Head Over Heels“, das in seiner Melancholie trotzdem noch radiotauglich war.
„Songs From The Big Chair“ besticht nicht nur durch seine bekannten Hits, sondern auch durch tiefere, experimentellere Stücke wie „Listen“ oder „The Working Hour“, die den hohen musikalischen Anspruch der Band verdeutlichen. Mit einer Mischung aus Synthesizerflächen, kraftvollen Gitarren, ausgereiften Arrangements und introspektiven Texten gelang der Band ein außergewöhnlich zeitloses Werk, das bis heute relevant ist.
Anlässlich des Jubiläums zur Erstveröffentlichung vor 40 Jahren hat Universal Music eine Reihe von Sonderausgaben veröffentlicht, darunter das mir vorliegende Deluxe-Set mit drei CDs. Wirklich weltbewegend ist es aber nicht, was da bei den „Edited Songs“ und den „Remixed Songs“ geboten wird.
Am interessantesten mag noch „The Way You Are“ sein, das ursprünglich als reine Single-Veröffentlichung die Lücke zwischen dem ersten und zweiten Album füllte. Tears for Fears selbst haben später oft betont, dass sie mit dem Song nie ganz zufrieden waren. Für sie war er eher ein Übergangswerk, das zeigte, welche Elemente sie nicht weiterverfolgen wollten. Zugleich zeigt es aber auch den Wechsel zu einem komplexeren Sound, der dann später das 85er Werk beherrscht.
Ansonsten gibt es viele gekürzte und ausgedehnte Songversionen, US-Mixe, Single Edits, die Videoversion von „Mothers Talk“, Instrumentals und ein Interview mit Curt & Roland. Immerhin ist das Booklet sehr informativ – und was soll’s: „Songs From The Big Chair“ ist und bleibt ein grandioses Album. Am Ende steht das Original ohnehin für sich!
2025 erscheint das zweite mit Multi-Platin ausgezeichnete Album „Songs From The Big Chair“ von Tears For Fears in verschiedenen neuen Editionen. Das ursprünglich am 25. Februar 1985 veröffentlichte Album „Songs From The Big Chair“ wurde zu einem weltweiten Erfolg, führte die US-Charts an und brachte fünf Hit-Singles hervor: „Mothers Talk“, „Shout“, „Everybody Wants To Rule The World“, „Head Over Heels“ und „I Believe“. Der Longplayer war eine perfekte Mischung aus eingängigen Popmelodien, pointierten Texten, kraftvollen Gitarrenriffs und innovativen New-Wave-Elementen.
Anlässlich des Jubiläums zur Erstveröffentlichung vor 40 Jahren wird Universal Music eine Reihe von Sonderausgaben präsentieren, darunter ein Deluxe-Set mit drei CDs. Weiterhin eine limitierte Auflage auf transparentem rotem Vinyl mit zwei LPs, die das bisher unveröffentlichte originale Artwork und bisher auf Vinyl nicht erhältliche Titel enthält, eine limitierte 1LP-Version auf transparentem Vinyl und eine limitierte Picture-LP.
Der Einfluss des Albums ist nicht zu unterschätzen und findet auch bei neuen Zuhörern weiterhin Anklang. „Everybody Wants To Rule The World“ wurde von Lorde für „The Hunger Games: Catching Fire“ gecovert und unter anderem in „Guardians Of The Galaxy“, „Despicable Me 4“ und „The Lego Batman Movie“ verwendet.
Über Tears For Fears:
Tears For Fears – Roland Orzabal (Gesang, Gitarre, Keyboards) und Curt Smith (Gesang, Bass, Keyboards) gründeten die Band 1981 in Bath, England. Mit weltweit 30 Millionen verkauften Alben, unzähligen ausverkauften Konzerten und verschiedenen Auszeichnungen steht die Band für eine einzigartige Mischung aus eingängigen Popmelodien, intelligenten und tiefgründigen Texten, bombastischen Gitarrenriffs und New-Wave-Innovationen. Ihr Debütalbum „The Hurting“ aus dem Jahr 1983 enthielt Hits wie „Mad World“, „Change“ und „Pale Shelter“ und erreichte in den Vereinigten Staaten Goldstatus.
Das Album „Songs from the Big Chair“ aus dem Jahr 1985 wurde zu einem Wendepunkt für die Band und die Musikszene insgesamt. Mit den BRIT-Award-prämierten Titeln „Everybody Wants to Rule the World“, „Shout“, „Head Over Heels“, „Mothers Talk“ und „I Believe (A Soulful Re-Recording)“ erreichte es fünffach Platin und Platz 1 der Billboard Top 200. „Seeds Of Love“ aus dem Jahr 1989 war die letzte Zusammenarbeit von Orzabal und Smith bis zu zum Album „Everybody Loves A Happy Ending“ im Jahr 2004, das die kreative Flamme zwischen ihnen wieder entfachte.
Die Band begab sich 2010 auf eine dreijährige Tournee durch Nordamerika, Japan, Südkorea, Manila und Südamerika. 2013 veröffentlichten sie eine Coverversion von Arcade Fires „Ready To Start“ und 2017 erschien ihr Best-of-Album „Rule The World“, das die Band erneut an die Spitze der britischen Albumcharts führte.
2022 kehrten Tears For Fears mit ihrem ersten Studioalbum seit siebzehn Jahren zurück: „The Tipping Point“. Laut Pitchfork, Vulture, Stereogum und vielen anderen war es eines der am meisten erwarteten Alben des Jahres 2022 und wurde von Kritikern hoch gelobt. Auf die Veröffentlichung folgte eine weltweit ausverkaufte Headliner-Tournee. Bereits im Jahr 2021 wurde die Band bei den Ivor Novello Awards mit dem Outstanding Song Collection Award ausgezeichnet. Inzwischen sind klassische Songs von Tears For Fears überall prominent vertreten, von The Lego Batman Movie, The Wire, Despicable Me 4 und Donnie Darko bis hin zu Straight Outta Compton und Mr. Robot.
Wenn ich an die Band Tears for Fears denke, kommen mir natürlich als erstes die Hits „Shout“, „Everybody Wants to Rule the World“ und „Mad World“ aus den 80ern in den Sinn. Mit genau diesen drei Songs ist das Quartett aus Bath in England unsterblich geworden. 1989 gab es ein letztes Aufbäumen mit „Sowing the Seeds of Love“. Danach ist es recht ruhig geworden um die Synthiepop-Band, die aber immer noch existiert und inzwischen vor allem aus den Gründungsmitgliedern Roland Orzabal und Curt Smith besteht. Bassist und Sänger Smith hatte sich zwischenzeitlich von der Band abgewandt, doch 2004 gab es ein kongeniales Comeback mit dem vielsagenden Titel „Everybody Loves a Happy Ending“. Dass es dann nochmal 17 Jahre bis zum zweiten Reunion-Album dauern würde, konnte zwar niemand ahnen – aber besser spät als nie.
Die neue Musik reflektiert viele der persönlichen und beruflichen Wendepunkte, die das Duo in den letzten siebzehn Jahren erlebten. Auf die Frage, warum es (erst) jetzt ein neues Album gibt, sagt Roland Orzabal: “Bevor mit diesem Album alles so gut lief, musste erst alles schief gehen. Es hat Jahre gedauert, aber es passierte etwas, wenn wir unsere Köpfe zusammenstecken. Wir haben diese Balance, dieses Push-me-pull-you-Ding – und es funktioniert wirklich gut.” Curt Smith stimmt dem zu: “Wenn diese Balance auf einem Tears For Fears-Album nicht funktioniert, dann funktioniert die ganze Sache einfach nicht. Um es einfach auszudrücken, ein Tears For Fears-Album und das, was die Leute als den Sound von Tears For Fears wahrnehmen, ist das, worauf wir uns beide einigen können.”
Im Gegensatz zu den energischen und fröhlichen Songs der 80er geht es diesmal sehr schwermütig und melancholisch zu. Das Titelstück „The Tipping Point“ ist Dreh- und Angelpunkt des Albums. Der Song fängt die Trauer ein, wenn man mit ansehen muss, wie jemand, den man liebt, seinen langjährigen Kampf gegen eine schwere Krankheit verliert. Ebenso traurig klingen das aufmunternde „Please Be Happy“ und die fein arrangierte Ballade „Master Plan“ mit floydesken Klängen.
Ganz stark ist der Eröffnungssong „The Small Thing“ als folkige Gitarrenballade mit sonorer Stimme vorgetragen. Nach diesem ungewöhnlichen Start folgen die gewohnten sphärischen Synthiesounds und ein Gesang, der auch mal in hohe Lagen abdriftet. „Break The Man“ schwebt förmlich aus den Boxen, bis die Gitarren einsetzen, und „My Demon“ klingt so genial nach einem 80er-Jahre-Sound, als hätten Depeche Mode ihre Ideenschmiede mal wieder geöffnet.
„The Tipping Point“ bietet zehn solide Tracks in 42 Minuten – wie in alten Zeiten und doch mit einigen Überraschungen versehen. Wenn dann zum Schluss die wundervolle Ballade „Stay“ geschmachtet wird, die man schon vom Best Of „Rule The World“ kennt, hat man eine Ahnung davon, warum Tears for Fears auch nach vierzig Jahren immer noch relevant sind.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Das legendäre Duo Tears For Fears veröffentlicht am 25. Februar 2022 mit „The Tipping Point“ das erste neue Studioalbum seit fast zwei Jahrzehnten. Der Longplayer erscheint bei Concord Records/ Universal Music und reflektiert viele der persönlichen und beruflichen Wendepunkte, die das Duo in den letzten siebzehn Jahren erlebten.
Auf die Frage, warum es jetzt ein neues Album gibt sagt Roland Orzabal: „Bevor mit diesem Album alles so gut lief, musste erst alles schief gehen. Es hat Jahre gedauert, aber es passierte etwas, wenn wir unsere Köpfe zusammenstecken. Wir haben diese Balance, dieses `Push-me-pull-you´-Ding – und es funktioniert wirklich gut.“ Curt Smith stimmt dem zu: „Wenn diese Balance auf einem Tears For Fears-Album nicht funktioniert, dann funktioniert die ganze Sache einfach nicht. Um es einfach auszudrücken, ein Tears For Fears-Album und das, was die Leute als den Sound von Tears For Fears wahrnehmen, ist das, worauf wir uns beide einigen können.“
Trotz ihrer vielen Hits und 30 Millionen verkaufter Alben begann die Band auf Rat ihres früheren Managements, das neue Album mit einigen der aktuellen Hit-Songwriter zu schreiben. Schon bald scheiterte dieser widerwillige Versuch eines Kompromisses. Orzabal erklärt: „Letztendlich trennten uns dieser Druck und die Spannungen nicht nur von unserem Management, sondern auch voneinander“. Die Band wechselte zu einem neuen Management, das von den fünf Tracks schwärmte, auf die sich die Band einigen konnte. Orzabal erzählt weiter: „Plötzlich hatten wir zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl, dass wir jemanden auf unserer Seite hatten, der verstand, was wir zu tun versuchten. Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass wir beschlossen – wir müssen das tun.“
Neben Orzabal & Smith arbeiten auch ihr langjähriger Weggefährte Charlton Pettus sowie die Produzenten und Songwriter Sacha Skarbek und Florian Reutter an dem Album.
„Wenn man sich so lange kennt und zusammengearbeitet hat wie wir, gibt es ein Band, das familiär wird. Es ist also etwas anderes als eine Freundschaft“, sagt Smith. „Und es ist anders als bei einer Ehe. Es ist buchstäblich so, als ob er dein Bruder wäre. Es ist die Art von Bindung, die man nicht wirklich brechen kann. Es kann manchmal auseinanderfallen. Man trennt sich zeitweise, was meiner Meinung nach auch gesund ist, wirklich. Aber am Ende scheinen wir immer wieder zueinander zu finden.“
Zusammen mit der Ankündigung des neuen Albums veröffentlichten Tears For Fears den Titelsong „The Tipping Point“ als erste Single. Geschrieben von Orzabal und Gitarrist, Autor und Produzent Charlton Pettus und co-produziert von der Band, Sacha Skarbek und Florian Reutter, ist der explosive und doch intime Track randvoll gefüllt mit Emotionen. Inspiriert von einem persönlichen Wendepunkt in Orzabals Leben, fängt der Song die Trauer ein, wenn man mit ansehen muss, wie jemand, den man liebt, seinen langjährigen Kampf gegen die Krankheit verliert. Das begleitende Video, bei dem der berühmte Matt Mahurin (Joni Mitchell, U2, Metallica) Regie führte, zeigt ein subtiles und poetisches Porträt von Ungleichgewicht.
Tears For Fears waren eine der interessantesten Bands der 1980er Jahre, die weltweit über 30 Millionen Alben verkauften und deren Singles „Shout“, „Everybody Wants To Rule The World“, „Mad World“, „Sowing The Seeds Of Love“ oder zum Beispiel „Woman In Chains“ zu Klassikern wurden.
„The Tipping Point“ ist das erste Album der Band seit ihrem Reunion-Album „Everybody Loves A Happy Ending“ im Jahr 2004. Seitdem war die Band ausgiebig auf Tournee, unter anderem bei einer ausverkauften britischen Arena-Tour, und veröffentlichte 2017 „Rule The World“, eine Best-Of-Compilation, die Tears For Fears wieder in die oberen Ränge der Albumcharts führte. Anfang des Monats wurde die Band bei den Ivor Novello Awards 2021 mit dem „Outstanding Song Collection“-Award ausgezeichnet.
Das neue Tears For Fears-Album „The Tipping Point“ bietet einen schönen und kraftvollen Sound einer Band, die wieder zu sich selbst gefunden hat.
THE TIPPING POINT Tracklisting
No Small Thing
The Tipping Point
Long, Long, Long Time
Break The Man
My Demons
Rivers Of Mercy
Please Be Happy
Master Plan
End Of Night
Stay
Zusätzliche Tracks der Deluxe CD Edition
Let It All Evolve
Secret Location
Shame (Cry Heaven)
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Wenn man den Namen Steven Wilson in gängige Suchmaschinen eingibt, wird man regelrecht überflutet von Einträgen der unterschiedlichsten Art. Was dieser Mann (manche nennen ihn Genie) inzwischen gemacht hat, ist eine Legion musikalischer Einflüsse. Mir kam der Name erstmals 1997 unter, als Steven als Co-Songwriter und Produzent von Fishs „Sunsets On Empire“ in Erscheinung trat und ironischerweise zwei Jahre später auch Marillion bei ihrem „.com“ Album unterstützte.
Wilson war schon damals in allen Sparten des Progressive Rock unterwegs. Da waren zum einen natürlich Porcupine Tree – einst im Alleingang am Reißbrett mit gefälschter Bandbiographie entworfen – die sich vom exzentrischen Soloprojekt zur echten und authentischen Rockband der Gegenwart gemausert hatten. Dann gab es das Artpop Duo No-Man gemeinsam mit Sänger Tim Bowness, welches schon lange vor der Gründung von Porcupine Tree Wilsons Liebe zum Ambient Sound begründete. Außerdem trat der Tausendsassa mit dem israelischen Popstar Aviv Geffen unter dem Namen Blackfield auf und war zudem als Produzent für Größen wie Anathema und Opeth tätig.
Er hat den Backkatalog von ELP, Jethro Tull und King Crimson remastert und zeitgleich einige grandiose Soloalben veröffentlicht. So ist man gespannt, was er sich für das sechste Solowerk „The Future Bites“ Neues einfallen ließ. Um es kurz zu sagen: Die Zeichen stehen auf Pop. Das sollte nicht verwundern, denn bereits Blackfield waren ein Projekt, das eher Progressive Pop als Progressive Rock zu bieten hatte und den Artrock verfeinerte. Spannend auch, dass der Brite unlängst das Meisterwerk “The Seeds of Love” von Tears for Fears remixen durfte. Hier hat er sich soundtechnisch definitiv inspirieren lassen.
Steven Wilsons sechstes Album ist eine Erkundungsreise in den menschlichen Verstand in Zeiten des Internets. Während er sich auf „To The Bone“ (2017) mit den Problemen von Post-Wahrheiten und Fake News auseinandersetzte, nimmt Wilson die Hörerinnen und Hörer auf „The Future Bites“ mit in eine Welt der Süchte des 21. Jahrhunderts. Es ist ein Ort, an dem beständig und ganz öffentlich mit den Auswirkungen aufkommender Technologien auf unser Leben experimentiert wird und an dem Klicks und Tiks wichtiger geworden sind als menschliche Interaktion. „The Future Bites“ ist dabei weniger die trostlose Vision einer herannahenden Dystopie als vielmehr die spielerische Lesart einer Welt, die durch die Ereignisse dieses Jahres umso merkwürdiger und separierter erscheint.
Musikalisch gesehen ist „The Future Bites“ gewohnt großartig: Elektronische Sounds, durch menschliches Einwirken verfremdet („King Ghost“), sphärische Akustikklänge („12 Things I Forgot“) oder Bass-getriebene Krautrock-Grooves, die sich in die Untiefen von Clickbaiting und Online-Radikalisierung begeben („Follower“), verbinden sich zu Wilsons vielleicht konsistentestem Werk. Das neu entstandene „Count of Unease“ ist ein schöner und schwermütiger Abschluss des Albums, das mit sphärischen Pianosounds hinaustreibt.
„The Future Bites“ bietet alles, was ein großes Popalbum haben muss: Dancefloor-Charme der 80er im Retrosound, aber trotzdem glasklar produziert. Da lässt der Meister sich nicht lumpen. Klangcollagen und Keyboardflächen, elektronische Spoken Word-Passagen mit futuristischem Gehabe. Spielereien zwischen Funk und Akustiksound, die zum Teil durchaus radiotauglich sein mögen. Bisweilen klingen die Stücke wie ABBA meets Gorgio Moroder.
Erstaunlicherweise ist Stevens Stimme noch stärker geworden. Bei Porcupine Tree hat er sich oft hinter dem Wall of Sound versteckt und man hatte das Gefühl, er gehöre nicht an die Front der Bühne. Doch davon keine Spur mehr. Er singt wie ein junger Gott. Allerdings wie ein Pop-Gott. Der Prog-Gott ist vorerst eingemottet.
Der STERN hat sich kürzlich weit aus dem Fenster gelehnt und Prince‘ „Sign o‘ the Times“ zum besten Album der 80er Jahre gekürt. Für mich liegen Marillions „Misplaced Childhood“, U2s „The Joshua Tree“ und Simple Minds‘ „Street Fighting Years“ an vorderster Front. Pop- und Post-Rock-Enthusiasten werden vermutlich „Spirit of Eden“ von Talk Talk nach oben heben – und dann sind da noch die New Wave-Könige Tears for Fears mit „The Seeds Of Love“. Was alle diese Alben gemeinsam haben? Sie sind erst in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts erschienen und haben eine Legion von Künstlern inspiriert.
„Seeds of Love“ feiert seinen dreißigsten Geburtstag mt einem Jahr Verspätung in einer Neuauflage, die kaum Wünsche offen lässt. Roland Orzabal schrieb fünf der acht Titel gemeinsam mit der Pianistin Nicky Holland. Den Ohrwurm-Titeltrack schrieb er zusammen mit Curt Smith. Dass das Album in der vier Jahre andauernden Produktionsphase eine ganze Million britische Pfund an Kosten verschlungen hat, verwundert nicht aufgrund der Unmenge an beteiligten Künstlern (Oleta Adams, Manu Katché, Phil Collins, Simon Phillips und Chris Hughes, um nur einige zu nennen) sowie der äußerst filigranen und komplexen Herangehensweise an Arrangements und instrumentale Umsetzung.
Zu Recht gilt „The Seeds of Love“ als Blaupause für die moderne Popmusik der Neuzeit. „Von all unseren Alben würde ich es wohl auch am Höchsten einstufen“, sagt Roland Orzabal. „Ich glaube, dass es damals viele Menschen überrascht hat, auch viele unserer Kollegen, also jene Leute, mit denen man uns womöglich in der Mitte der Achtziger noch verglichen hatte.“
Bis heute verbreitet das Album einen zeitlosen Glanz. Es war ein genialer Schachzug, Gastsängerin Oleta Adams eine zentrale Rolle einzuräumen. Im Zusammenspiel mit Orzabal setzt sie einen kongenialen Gegenpol. Bombastische Gitarren, der treibende Rhythmus und filigrane New Wave-Experimente tragen ihr Übriges dazu bei. Definiv eines der Alben, die man am Stück genießen muss.
Mir liegt die Neuauflage in der 2CD-Version vor. Ich kann also nicht den Steven Wilson 5.1 Mix bewerten, sondern nur das in den Abbey Road Studios von Andrew Walter remasterte Album. Klanglich allerdings gibt es hier meiner Ansicht nach nichts zu verbessern – „Seeds of Love“ klingt auch 2020 wie ein Jungbrunnen des Pop.
CD 2 enthält Single-Versionen, Radio Edits und B-Sides. Wer wirklich tief in die Materie einsteigen will, muss sich vermutlich das Super Deluxe Box Set mit vier CDs und den Remixen auf Blu-ray zulegen. Dem nostalgischen Liebhaber guter Popmusik genügt aber dieser hübsch aufgemachte 2CD-Digipack