Reeperbahn Festival 2021 – Fotos von Katy J Pearson und Bohemian Betyars
Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von Katy J Pearson und Bohemian Betyars
Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von Katy J Pearson und Bohemian Betyars
Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von Tim Freitag, Mia Morgan und Gina Ete
Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von Jupiter Jones und St. Arnaud
Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von JEREMIAS, Glauque, Remme und Dillon
Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von Eugenia Post Meridiem und Lamila
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Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von Sharktank und Lonely Spring
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Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von Haevn, Fortuna Ehrenfeld, C’est Karma
Der Konzertsommer geht weiter – die Waldbühne Hardt wurde von waschechten Freibeutern gekapert. Mr Hurley und die Pulveraffen enterte die Bühne am Donnerstag vor gut gefüllten Reihen.
Wer wollte nicht schon mal ein Pirat werden? Vier Geschwister aus Osnabrück haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt und sind seit 2009 mit deutschsprachigem Folkrock unterwegs. Die Besonderheit daran: Das Piratenthema zieht sich durch das gesamte Programm. Von der Kleidung hin zum Auftreten bis zu den Texten, das Quintett lebt das Piratenleben. Dabei sind sie vor allem auch in der Mittelalterszene beliebt, aber auch bei Musikfestivals gern gesehene Gäste. Entsprechend findet man auch beim Konzert in Wuppertal nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Publikum einige Piraten und Piratinnen. Schwarze Kleidung und Metal-Bandshirts – oder entsprechendem Merchandise der Pulveraffen – dominieren das restliche Bild der Gäste, die kurz vor dem Wochenende gut gelaunt den Untergang feiern.
Die Gute-Laune-Songs, die direkt zum Mittanzen einladen, drehen sich natürlich viel um alle möglichen Piraten-Klischees: Der Genuss von Alkohol in Form von Schnaps, Teeren, Federn, Kielholen und Plankenputzen, Schätze suchen und brandschatzen. Doch auch wenn all dies wie jede Menge Klamauk klingt, der eben einfach dazu gehört und für viele den Charme der Band ausmacht, so lohnt es sich doch, bei einigen Texten genauer hinzuhören. Denn Mr Hurley (Gitarre, Gesang), Buckteeth Bannock (Akkordeon, Klavier, Gesang), der einäugige Morgan (Schlagwerk, Gesang) und Pegleg Peggy (Bass, Gesang) beschäftigen sich auch mit gesellschaftskritischen Themen. In „Der Gouverneur“ etwa lässt Mr Hurley das Piratenleben hinter sich, um stattdessen Karriere in der Politik zu machen, nur um zu dem Schluss zu kommen, dass er als armer, aber glücklicher Pirat wohl doch besser dran ist. Pegleg Peggy hatte auf dem jüngst erschienen Album „Seemannsgrab“ ihr Solo-Gesangsdebüt. Auf „Mann über Bord“ singt die Bassistin über den grassierenden Sexismus, der schließlich nicht nur auf dem Piratenschiff, sondern auch im richtigen Leben um sich greift und dem es sich entgegenzustellen gilt. Ähnlich wird auch gegen Rassismus Position bezogen.
Nichtsdestotrotz überwiegt aber ein derber (Piraten-)Humor, der in Liedern mündet, die man leicht mitsingen kann und der genau das richtige Angebot fürs kleine Wochenende am Donnerstag darstellt. Musikalisch solide, wenn auch ohne größere Überraschungen, liefern Mr Hurley und die Pulveraffen ein pfeffi-getränktes Programm ab.
Wenngleich das gastronomische Angebot den Rum oder den auf der Bühne ausgeschenkten Pfefferminzschnaps vermissen lässt, so hilft doch auch das Bier ganz gut dabei, (soweit es die Vorschriften zulassen) gemeinsam ein piratiges Konzerterlebnis zu schaffen. Mitsingende Menschen, die, in Teilen blau wie das Meer, auch mal eine kleine Duo-Tanzeinlage vor der Bühne einlegen und textsicher zumindest für einen Abend die See nach Wuppertal holen.
Und solange es sich bei dieser See nicht erneut um eine Flutkatastrophe handelt, heißt man dies auch gern willkommen. Die Veranstalter haben sich jedenfalls dazu entschieden, über die hiesige kostenlose Stadtzeitung 25 Tickets für diesen Abend gratis an Flutopfer und Helfer zu vergeben.
Hier unsere Fotogalerie von Uncle Ho am 13. August 2021 in Wuppertal
Hier unsere Fotogalerie von Mr. Hurley & Die Pulveraffen am 12. August 2021 in Wuppertal
Während der Pandemie mal eben neu erfinden, das Ganze auf Platte pressen und anschließend mit Streicher-Verstärkung endlich wieder auf Bühnen stehen? Marathonmann aus München machen es vor – und funktionieren live vor Ort genauso wunderbar wie im Stream oder aus dem heimischen Lautsprecher.
Unbekannte sind Marathonmann schon lange nicht mehr. Das Münchner Quartett schreit seit 2011 seine Wut und Unzufriedenheit mit treibendem Post-Hardcore in die Welt hinaus und wird dabei durchaus gehört. Als Supportact für etliche namhafte nationale und internationale Bands, aber auch auf eigenen Headline-Touren, sind die Musiker gern gesehene Gäste. Kein Wunder, schließlich überzeugen Marathonmann nicht nur musikalisch, sondern auch mit ihrer sympathisch-amüsanten Art.
Beides haben sie im Lockdown nicht verlernt, sondern stattdessen ihr eigenes Werk aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachtet und neu angepasst. „Alles auf Null“ heißt die neue Platte, die ausschließlich alte Songs der ersten drei Alben beinhaltet – die dafür aber live aufgezeichnet und in einer neu arrangierten Akustik-Version inklusive musikalischer Verstärkung durch Violine und Cello.
Sänger und Bassist Michael Lettner tauscht dafür den Bass durch die Akustikgitarre und greift auf rauen Klargesang zurück. Elisa von Wallis und Saskia Götz unterstützen bei Auftritten nun an den Streichinstrumenten, während Jonathan Göres sich ans Keyboard setzt, Leo Heinz (Gitarre) und Johannes Scheer (Drums) bleiben an ihren gewohnten Instrumenten.
Die musikalische Entwicklung bedeutet allerdings nicht, dass es ab jetzt ruhiger zugeht – es ist lediglich eine angenehme Erweiterung des bisherigen Repertoires und wird auch in Zukunft die schwitzig-heißen Clubshows genauso wenig verdrängen wie den ursprünglichen Post-Hardcore.
Stattdessen ist es für die aktuelle Situation genau passend. Statt Pogo also Sitzkonzert. Das Konzept geht auf und das Düsseldorfer Publikum zeigt sich ausgehungert nach mehr. Textsicherheit sowohl bei Marathonmann-Songs als auch bei Fremdmaterial, jede Menge Lacher und gute Laune inklusive.
Die neu arrangierten Werke von der Platte und einige mehr werden in der Setlist untergebracht und passend zur Location – Open Air hinter der großen Mitsubishi Electric Hall inmitten des Südparks, vor allem aber in Düsseldorf – packen Leo und Jo zwischen den eigenen Stücken in die Evergreen-Kiste.
Mit „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen schaffen sie es, auch die nicht ganz textfesten Gäste mit einzubinden, und diverse Sing-A-Longs sind natürlich auch dabei. Das Ploppen der Bierflaschen beherrscht die Szenerie ebenso wie die gute Laune auf und vor der Bühne. Mit „Wir sind immer noch hier“ zeigt die auf ein Sextett angewachsene Band, das genau das der Fall ist: Trotz Lockdown, trotz Corona-Pandemie lässt man sich nicht unterkriegen, sondern erfindet sich schlicht neu. „Die Bahn“ erzeugt in der Akustik-Version nochmal mehr Gänsehaut.
Unplugged heißt gleichzeitig nicht leise – treibende Kraft besitzt die Musik von Marathonmann auch in dieser Form. Erst zu „Die Stadt gehört den Besten“ reißt es das Publikum allerdings von den Sitzen, so richtig scheint der neuen „Normalität“ noch nicht zu trauen. Gleichbleibend ist jedoch die charmant-verpeilte, flachsende Art der Münchner, die den Abend zu einem rundum gelungenen Start ins Wochenende werden lässt.
Support an diesem Abend sind übrigens die Newcomer Raum27 aus Bremen. „Oft gesagt“ ist der aktuell meistgehörte Song des Duos, bestehend aus Mathis Schröder und Tristan Stadtler. Der lockere Pop-Rock, der von der tiefen Stimme Stadtlers getragen wird, lässt diverse Assoziationen zu bereits etablierten Gruppen und Musikern nahe wirken. Im Auge behalten sollte man die Bremer dennoch.
Marathonmann sind in den kommenden Wochen noch auf „Alles auf Null“-Tour und damit akustisch und unplugged unterwegs.
Im März 2022 soll es dann auf der Clubtour laut weitergehen. Goldmucke, die Veranstalter des Abends, organisieren in Düsseldorf übrigens weitere Konzerte:
(August siehe https://goldmucke.de/)
Marathonmann waren am 16.7.2021 live in Düsseldorf – Hier unsere Fotogalerie vom Vier Linden Open Air
Nachdem die Henrik Freischlader Band sich recht überraschend auflöste, musste der Konzertslot neu gefüllt werden. Die Veranstalter setzen auf Stoppok. Der kommt solo und führt das Publikum durch einen kurzweiligen Abend mit scharfsinnigen Liedern.
Die Vorlaufzeit zum Ticketkauf war nur kurz, dennoch sind die Sitzplätze in der Waldbühne gut gefüllt. Schließlich lädt ein Veteran der deutschen Liedermacher-Riege zu einem Konzertabend. Wie gewohnt stilsicher betritt Stoppok pünktlich in einem Packman-Anzug die Bühne und weiß mit seiner ruhigen, trocken-sarkastischen Art das Publikum gleich von Beginn an mitzunehmen.
Und natürlich, wie auch bei allen anderen Musikern derzeit, liegt eine lange Live-Durststrecke hinter Stoppok. Die Konzerte werden seit knapp anderthalb Jahren immer wieder verschoben – auch das ein gewohntes Bild zurzeit. Schaut man auf die Webseite, blickt man vor lauter „verschoben vom“ kaum mehr durch, dafür ist aber die Liste der kommenden Konzerte lang. Bis in den Winter hinein möchte der Künstler auf Tour sein, hungrig nach Auftritten und dabei mit frischem Album im Gepäck. „Jubel“ ist Studioalbum Nummer 18 und dennoch weiß der Mittsechziger noch immer geschickt sozialkritische Themen in klugen, eingängigen Texten zu verpacken. Solo fehlt natürlich der große Klangteppich der kompletten Bandunterstützung, doch auch selbstbegleitend mit der Akustikgitarre schafft es Stoppok spielend, seine Message unter die Leute zu bringen. Wenn es auch nicht zu ausgelassenen Tanzeinlagen kommt, so hören die Gäste doch aufmerksam zu, wippen im Takt und zeigen sich (wenn auch hin und wieder erst nach einigen Wiederholungen) textsicher.
Dabei setzt der Hamburger, der in Essen aufgewachsen ist, auf eine Mischung aus Folk, Blues und Rock – handgemachte Musik, für die ihn seine Fans schätzen und mit der er auch heute noch neue hinzugewinnen kann. Hilfreich bei seinen Live-Auftritten ist dabei vor allem seine sympathische Art. In seinen Ansagen und Liedern spricht er über Flüchtlinge und den unmenschlichen Umgang mit ihnen, den Klimawandel, die Gesellschaft, Mülltrennung, aber auch über Liebe oder Trauer – all das verpackt in einer gewissen bittersüßen Satire, die zum Nachdenken anregt. Dabei wirken seine Texte nicht abgedroschen oder moralisierend.
Zwischendurch scherzt er über die Absurdität der Corona-Maßnahmen und -Lockerungen im Zuge der Fußball-EM und die gleichzeitig hohen Auflagen für jegliche Kulturveranstaltungen. Bei einem kurzen Schauer werden vom regengewohnten Wuppertaler Publikum stoisch die Schirme und Regencapes ausgepackt, was Stoppok natürlich nicht unkommentiert lässt. Genauso wenig wie sein fortschreitendes Alter: „Früher konnte ich beim Gitarrestimmen noch sinnvolle Zwischenansagen machen.“ Das sei inzwischen nicht mehr ohne weiteres möglich – unangenehme Pausen entstehen dennoch nicht. Dafür ist der Musiker viel zu routiniert und weiß selbst das noch mit jeder Menge Humor zu nehmen. In Corona-Zeiten (und auch sonst) vermutlich die einzige Möglichkeit, nicht verrückt zu werden – und für einen schärferen Blick auf die Welt braucht es Liedermacher wie ihn, die noch lange nicht müde werden, ihre Musik in die Öffentlichkeit zu tragen.
Hier unsere Fotogalerie von Stoppok am 10. Juli 2021 in Wuppertal
Der Wuppertaler Kulturfrühling geht weiter – am Freitagabend spielte die Hamburger Indie-Band Die Sterne auf der Waldbühne Hardt. Mit Songs aus rund 30 Jahren Bandgeschichte brachte die Gruppe um Sänger Frank Spilker das Publikum zum Tanzen.
„Wir sind endlich angekommen“, begrüßt Frank Spilker gut gelaunt seine Fans, schließlich habe man im Stau gestanden – anderthalb Jahre lang. Bis kurz vor Wien sei man gekommen, damals im März 2020. „Und plötzlich waren wir mitten im Zentrum einer Pandemie.“ Seitdem ist die Zahl der Konzerte, die mit dem neuen, selbstbetitelten Album gespielt wurden, an einer Hand abzuzählen. Einige wenige Solo-Auftritte von Spilker und ein Auftritt auf dem Reeperbahnfestival in der beeindruckenden Atmosphäre der St. Michaelis-Kirche. Doch nun scheint der Knoten geplatzt und endlich ist die Straße wieder frei. Nach etlichen Termin-Verschiebungen – von ursprünglich Februar in den Herbst 2021 – hat man für den Sommer noch einige Open-Airs geplant. Der Auftakt führt daher erstmal nach Wuppertal auf die Waldbühne.
Die Fans, sowohl aus der Stadt selber als auch aus der Ferne angereist, wissen das zu schätzen und bringen nach einer kurzen unsicheren Pause während der ersten drei Lieder direkt einen Hauch der Prä-Pandemie-Stimmung wieder. Kaum einen hält es das gesamte Konzert über auf den Stühlen. Tanzende Menschen, die gemeinsam einen guten Abend haben und mit den herrschenden Vorschriften das Beste aus einem lang herbeigesehnten Konzert machen. Dem tun auch ein leichtes Tröpfeln zwischendurch oder Probleme mit der Gitarre Spilkers keinen Abbruch.
Fast zwei Stunden lang feuert die Hamburger Band mit großer Spielfreude Songs aus ihrer langen Geschichte ab. Elf Studioalben bergen jedenfalls genug Material für (mehrere) kurzweilige Abende mit den Musikern. Dabei ist seit einigen Jahren von der Originalgruppe nur noch Sänger und Gitarrist Frank Spilker übrig. Der hat seither neue Musiker um sich versammelt. Am Keyboard unterstützt ihn nun Dyan Valdes, Max Knoth an der Gitarre, Jan Philipp Jansen am Schlagzeug und Phillip Tielsch am Bass vervollständigen die Gruppe live. Und mit ihnen kommt auch ein ganz neuer Groove in die altbekannten Songs aber auch das aktuelle Material.
Den spürt man auch im Publikum, das sich deutlich befreit zeigt, während Hits wie „Was hat uns bloß so ruiniert“ und „Du musst gar nichts“ sich mit neueren Songs wie „Die Message“ abwechseln. Nach der langen Pause schafft die Band es damit in der grünen Umgebung der Waldbühne in Wuppertal wieder neu durchzustarten und damit wieder ein Stück Normalität zurückzubringen – auch wenn einige Stühle leer bleiben und auf dem Weg zum Getränkestand weiterhin Maske getragen werden muss. Doch immerhin geht es in Schrittgeschwindigkeit hinaus aus dem viel zu langen Stillstand.
Die nächsten Open Air-Konzerte auf der Waldbühne Wuppertal finden im August statt:
12. August 2021, 20 Uhr: Mr. Hurley & die Pulveraffen
13. August 2021, 20 Uhr: Uncle Ho
14. August 2021, 20 Uhr: Staubkind
15. August 2021, 20 Uhr: Roy Bianco & Die Abbrunziati Boys
Hier unsere Fotos von Die Sterne am 9.7.21 in Wuppertal, Waldbühne Hardt
Jemand meint es gut mit Wuppertal – blauer Himmel, viel Sonnenschein, (ausnahmsweise mal) kein Regen und noch dazu stabile Inzidenzwerte, die endlich das möglich machen, worauf viele seit etlichen Monaten warten: Live-Musik. Und das kam direkt im Multi-Pack. Thees Uhlmann, Maria Basel und Darjeeling sowie Jeremias sorgten auf der Waldbühne Hardt am zweiten Juniwochenende für drei Konzertabende.
Gut besucht waren die Konzerte alle, kaum Stühle blieben frei und die strengen Hygienemaßnahmen lassen einen für einige Stunden den Corona-Alltag vergessen. Zugang gab es nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete. Alle Veranstaltungen waren bestuhlt und jedem wurde sein Sitzplatz zugewiesen – hier galt die Regel „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Idyllisch zwischen Felsen und grünem Wald gelegen versteckt sich in dem Park zwischen den Stadtteilen Elberfeld und Barmen die Waldbühne in erhöhter Position mitten in der Stadt.
Gleich die Eröffnung übernahm eine Größe der deutschsprachigen Rockmusik – Thees Uhlmann, Ex-Tomte-Frontmann, seit einigen Jahren vor allem Solo unterwegs, zeigte sich mit seiner Live-Band voller Spielfreude, Charisma und einer großen Portion (Selbst-)Humor.
Dass Thees Uhlmann musikalisch seit Jahren abliefert, ist kein Geheimnis. Mit seiner Solo-Karriere knüpft er weitestgehend nahtlos an die erfolgreichen Tomte-Zeiten an – es bleibt weiter indierock-poppig mit Texten, die von Kritikern wie Fans gefeiert werden, zum Mitsingen einladen und dabei im Kopf nachhallen. Dabei weiß Uhlmann, wie er das Publikum auch zwischen den Songs – die vor allem vom aktuellen „Von Junkies und Scientologen“- Album und der selbstbetitelten Solodebüt-Platte kommen – bestens unterhalten kann. Wenn Uhlmann in der Anekdotenkiste kramt, hat er die Lacher dank seiner augenzwinkernd-selbstironischen Erzählweise definitiv auf seiner Seite, ohne dabei abgehoben zu wirken. Vielmehr hat man das Gefühl, mit einem sehr guten Kumpel entspannt bei einem Bier zusammenzusitzen und dabei bestens unterhalten zu werden – inklusive eines zwischenzeitlichen Griffs zur Gitarre. Für die Rückkehr zurück zur Livemusik hätte der Veranstalter kaum eine bessere Wahl treffen können.
Dass dies mit lokalen Künstlern ebenfalls gelingen kann, zeigte der zweite Abend. Den abschließenden Bühnencheck für Darjeeling und Maria Basel übernahm – passend zur Waldbühne – ein Eichhörnchen, das schnell über die Stage flitzte. Solcherart gewappnet und mit entspanntem Publikum eröffnet Maria Basel den Abend. Die Solokünstlerin hat Anfang des Jahres ihre Debüt-EP „Layers“ mit fünf dichten, sphärischen Elektro-Pop-Songs veröffentlicht und präsentiert diese nun erstmals vor Live-Publikum. Dabei ist sie kein unbeschriebenes Blatt. Sie singt, komponiert oder spielt bei verschiedenen Formationen mit – das reicht von Elektro hin zu Pop, Hip-Hop oder Jazz etwa mit dem Pina Bausch Ensemble, Samy Deluxe, Golow oder im Basel & Söhngen Duo. Zudem legt sie als RIA mit elektronischen Performances/DJ auf. Ihr Sound aus flirrenden Loops und melancholischen Melodien macht Lust auf mehr – auch bei dem Konzert auf der Waldbühne.
Nach einem Set von einer knappen halben Stunde übernimmt ein adäquater Nachfolger: Die Wuppertaler Band Darjeeling ist mit ihrem mittlerweile dritten Album „Maguna“ nicht nur in der Heimatstadt etabliert. Mit ihrem psychedelischen Avantgarde-Pop mit einer Mischung aus synthie-lastigem Indie und Krautrock weiß das Trio, bestehend aus Fabian Till Reinkenhoff (Keyboard), Markus Kresin (Bass) und Jan Szalankiewicz (Gitarre), zu überzeugen. Live gibt es Unterstützung von Schlagzeuger Thorben Doege und Niklas Nadidai am Keyboard.
„Endlich wieder Konzerte – sozusagen zum Anfassen“ dürfte vielen durch den Kopf gegangen sein, die an dem sommerlichen Freitagabend in den Genuss kommen, Darjeeling live zu erleben. Dass die neuen Songs nun auch vor „richtigem“ Publikum und nicht nur in Streams vorgeführt werden ist für alle Seiten eine Freude. In den Rängen schwelgen die Zuschauer zu den Klängen mit nickenden Köpfen in den Soundwolken, die aus den Boxen strömen, während die Spielfreude auf der Bühne förmlich zu greifen ist. Die Zeit ist allerdings begrenzt, wie bei Open-Airs meist der Fall, daher hält sich die Band nur wenig mit Ansagen auf und holt stattdessen alles mit, was geht, inklusive zwei Songs als Zugabe. Dabei bedienen sich die Jungs vor allem an ihren beiden jüngeren Alben „Maguna“ und „Hokus Pokus“, wobei auch „Little Weapon“ vom Debütalbum nicht fehlen darf. Hätte es besagte Zeitbegrenzung nicht gegeben, sowohl Publikum als auch Band hätten wohl am liebsten bis spät in die Nacht weitergespielt – zu Recht.
Und doch – wo ein Ende, da auch ein Anfang, in dem Fall das nächste Konzert am Samstagabend. Dieses Mal sind Jeremias aus Hannover zu Gast – und reißen gleich in den ersten Sekunden alle von den Stühlen. Statt Sitzkonzert gibt es mehr stehende Tanzeinlagen, wenn auch bedacht am eigenen Platz. Das durchschnittlich junge Publikum feiert die Gruppe, zeigt sich in knapp anderthalb Stunden Konzert textsicher. Der Indie-Pop mit Disco-Funk-Elementen und deutschsprachigen Texten trifft den Nerv der Hörer, geht direkt ins Ohr und offensichtlich auch in die Beine. Frontmann Jeremias Heimbach (Gesang und Piano), Oliver Sparkuhle (Gitarre), Ben Hoffmann (Bass) und Jonas Herrmann (Drums) genießen den Tourauftakt sichtlich, schließlich haben sie ihr gerade erst erschienenes Debütalbum „Golden Hour“ mit im Gepäck und bei dieser Reise allen Rückenwind.
Den dürften auch die Veranstalter des Wuppertaler Konzertfrühlings haben: volles Haus bei allen Konzerten, keine Zwischenfälle, ein entspanntes und begeistertes Publikum und viele Menschen auf allen Seiten, die hungrig nach mehr sind.
Im Juli geht es weiter. Am 9. Juli spielen Die Sterne auf der Waldbühne, am 10. Juli folgt die Henrik Freischlader Band. Für beide Events gibt es noch Karten im Vorverkauf.
Hier unsere Fotos von Jeremias beim Wuppertaler Konzertfrühling am 12.6.2021