Deep Purple – Fotos Arena Trier – 20.11.2015
Seht hier unsere Fotos von Deep Purple in der Arena Trier am 20.11.2015
Seht hier unsere Fotos von Deep Purple in der Arena Trier am 20.11.2015
Die verstärkten Sicherheitskontrollen zum Einlass in die Arena Trier führten zu langen Warteschlangen. Doch was vor einer Woche noch großen Unmut unter den Konzertbesuchern verursacht hätte, stieß jetzt auf allgemeines Verständnis. Es sind die Zeichen einer unsicheren Zeit – und Sicherheit geht vor. Die Arena Trier war bei weitem nicht ausverkauft, aber doch sehr gut gefüllt. Deep Purple hatten gerufen – und man muss die alten Haudegen einfach nochmal live erleben. Wer weiß, wie lange das Tourleben noch weiter geht?
Zum Auftakt des Konzertabends gab es Rival Sons, eine Band aus Los Angeles, die in einem Retro-Sound daher kamen, der an Led Zeppelin und The Doors erinnerte. Wohl kaum einer hatte das Quintett auf dem Schirm, doch was sie dann in ihrer 45minütigen Show ablieferten, war ganz großes Kino. Bluesrock vom Feinsten mit kantigem Sound und erdigen Gitarrenriffs. Das gefällt auch dem nostalgisch veranlagten 70er-Fan. Es gab vier Stücke vom aktuellen Werk „Great Western Valkyrie“ und drei ältere Titel.
Der Zeitplan wurde genau eingehalten. 30 Minuten Umbau und auf den Gongschlag um 21.15 Uhr legten Deep Purple mit „Highway Star“ los. Eine Bühne – fünf Legenden. Besser kann man es nicht umschreiben, was da passierte. Man findet sich gerne damit ab, dass dort eine Truppe von Solisten auf der Bühne steht und keiner sich hinter den anderen verstecken muss. Ian Gillan lieferte sich ein gigantisches Stimmduell mit Steve Morse und es war zu „Strange Kind Of Woman“ wirklich fraglich, wer die Töne höher, schärfer und sicherer trifft. Hut ab für diese Leistung von Gillan.
Die Bühne sah drei große LCD-Leinwände vor, damit man das Geschehen bis in den letzten Winkel der Arena verfolgen konnte. Das war auch sinnvoll, denn die Nahaufnahmen von Morse‘ Gitarrenspiel und von Ian Paice, der so lässig mit den Stöcken über sein Schlagwerk wirbelte, waren jeden Blick wert. Auf der mittleren Leinwand gab es bisweilen kleine Filmchen oder seltsame psychedelische Farbenspiele (wie bei „Hard Lovin‘ Man“).
Mir gefiel in der ersten Konzerthälfte vor allem das mystisch-düstere „Vincent Price“ als Hommage an den berühmten Schauspieler. Die Setlist war recht vielseitig – ist schon gut, wenn man nicht zwanghaft ein aktuelles Album promoten muss. „Now What?!“ spielte keine riesige Rolle im Set. Steve Morse bekam seine großen Momente in einem Instrumental allein auf der Bühne. Ian Paice durfte sich zu „The Mule“ auslassen und Meister Don Airey hatte einige große Keyboard-Momente zu „Lazy“ und später mit einem ausschweifenden Solo, das „Perfect Strangers“ einleitete.
Hier war dann auch kein Halten mehr. Gefolgt von „Space Truckin‘“ und „Smoke On The Water“ gab man vor dem Finale alles und ließ sich dann erst einmal abfeiern. Den Zugabenblock eröffnete das uralte Blues-Stück „Hush“. Dann endlich kam auch der fünfte Solist zu ehren und Roger Glover durfte den Bass malträtieren. „Black Night“ beendete schließlich nach fast zwei Stunden den Konzertabend und entließ die gut gelaunten Zuschauer ins nächtliche Trier. Deep Purple – immer noch eine Bank!
Seht hier unsere Unheilig Fotos aus der Arena Trier vom 13.11.2015
Unheilig und ihr Graf haben noch einiges vor, bevor am 10.09.2016 endgültig der Abschied ansteht. Während unter dem Banner „Zeit zu gehen“ die große Abschiedstournee quer durch Deutschland führt, liefert eine neue Produktion völlig unerwartet ungetrübten Grund zur Begeisterung bei den Fans: Es wird nämlich in Kürze ein MTV unplugged nach dem Motto „Unter Dampf – ohne Strom“ geben. Zunächst allerdings verabschiedet man sich von den Fans. Mittels einer Hallentournee, die bis Anfang 2016 andauert, anschließend mit einer Vielzahl von Open Airs, wobei das definitiv letzte Konzert dann am 10. September im RheinEnergieStadion Köln stattfindet.
Der Abschied von Trier sorgte für einen hohen Besucheransturm, der sich aber dadurch entzerrte, dass schon um 17 Uhr Einlass war und zwei Vorbands den Weg bereiteten. Da war zunächst das Songwriter-Duo Be One aus dem Münsterland. David Ray spielte poppige Hymnen auf der Akustik-Gitarre, die von Amiens am DJ-Mischpult mit elektronischen Akzenten versehen wurden.
Es folgten die Deutschrocker Bollmer aus Berlin. Im Mittelpunkt des Quartetts stand Frontmann Peter Bolmer, gesäumt von zwei hübschen Gitarristinnen und einem Schlagwerker im Hintergrund. Man bot rauen, erdigen Rock in deutscher Sprache. So verging die Zeit bis Unheilig wie im Flug und schon um 20 Uhr konnte eine Stimme aus dem Off Unheilig ankündigen.
Spätestens seit Erscheinen des 2008er Albums „Puppenspiel“ sind Unheilig eine feste Größe im Genre elektronischer Musik. Mitstreiter Henning Verlage an Computer und Keyboards sorgt für tanzbare Rhythmen, während Gitarrist Christoph Termühlen zumindest ansatzweise ein Band-Feeling aufkommen lässt. Der Vergleich zu Rammstein wird immer wieder gerne herangezogen. Sicher ist auch was dran, denn die rohe, düstere Stimmung, die die Songs vermitteln, und der bisweilen bedrohliche Synthiesound erinnern tatsächlich an die Neue Deutsche Härte der Berliner – allerdings singt der Graf viel feiner und sonorer als Till Lindemann und muss sich nicht hinter künstlichen Effekten verstecken.
Zum Opener „Der Gipfel“ überließ der Graf die Bühne aber ganz den Mitstreitern und sang aus dem Hintergrund. Erst danach stürmte er mit unbändiger Energie das Geschehen und war bereits nach zwei Songs komplett durchgeschwitzt. Ständig in Bewegung – so kennt man den Frontmann. Zwei Damen aus dem Publikum reichten ihm schon früh ein Handtuch, mit dem er sich ausgiebig den Schweiß abwischte, bevor er es zurück gab und das Einpacken in eine extra mitgebrachte Plastiktüte erstaunt kommentierte.
Schon als zweiten Song gab es den harten Kracher „Hinunter bis auf Eins“. Keiner sollte vergessen, dass Unheilig nicht immer den heutigen Wohlfühl-Pop geschrieben haben. Die aktuellen Konzerte sind eine Zeitreise, bei denen auch Songs aus der Wave- und Gothic-Ära ihren Platz haben. Man musste aber bemerken, dass anwesende Vertreter dieser Szene absoluten Seltenheitswert hatten.
Das Bühnenbild war dem Albumcover von „Gipfelstürmer“ angepasst und kam ohne viel Schnickschnack daher. Das Licht nicht schrill sondern in dezenten, warmen Tönen gehalten. Eine LCD-Leinwand als einziges Effekt-Spielzeug. Dreh- und Angelpunkt des Konzerts blieb der Graf als mystische Gestalt, mit unverkennbarer Stimme – manchmal mehr erzählend als singend. Der Protagonist war mit unbändiger Energie unterwegs und verausgabte sich auf der Bühne. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich dem Herrn mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte diese leidenschaftliche Performance bis zur Erschöpfung nicht zugetraut hätte. Allerdings hatte seine Omnipräsenz zur Folge, dass die Band das komplette Konzert über im Hintergrund blieb.
Einzig zu „An deiner Seite“ gab es eine Performance nur zu Piano-Begleitung. Vielleicht ein Vorgeschmack auf das unplugged-Album? Weitere ruhige Stellen boten die eingespielten Videos zwischen den Songs, die den Grafen mit seinem Erinnerungskoffer inmitten weiträumiger Landschaften zeigten. Zeit für Melancholie boten viele der Stücke.
Zum Schluss wurde es mit „Maschine“ und „Abwärts“ nochmal donnernd laut, bevor die Abschiedssongs im Zugabenblock kamen: „Große Freiheit“, „Geboren um zu leben“, Zeit zu gehen“ – da konnte man schon mal heimlich ein Tränchen weg wischen. Der Graf verabschiedete sich dann auch mit bewegenden Worten von Trier. Das Ende einer musikalischen Ära.
Die Hörspiele der Drei Fragezeichen Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews – wie vielen Kindern und Jugendlichen haben sie wohl die Zeit vor dem Einschlafen versüßt? Das Phänomen entstand ursprünglich (1964) in den USA. Dort wurde die Serie inzwischen eingestellt. Doch der große Erfolg der Jugendbuch-Serie in Deutschland führte dazu, dass hierzulande seit 1993 eigene Romane erscheinen, die ganz der amerikanischen Tradition verpflichtet sind.
Maßgeblich zum Erfolg beigetragen haben eindeutig die Hörspiele. Jedes erschienene Buch erfährt umgehend eine Tonträger-Umsetzung. Auf Schallplatte, auf Kassette und inzwischen auch auf CD. Ein weiteres Phänomen: Die Sprecherriege der Hauptpersonen ist seit Folge 1 gleich geblieben – und das immerhin seit 1975! Kein Wunder, dass Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich Kultstatus genießen. Ihre Liveshow lockte gut 3000 Fans in die Arena Trier, die dort in den Genuss eines live vorgetragenen Hörspiels kommen durften.
Der vorgetragene Fall trug den Titel „Phonophobia – Sinfonie der Angst“. Zum Inhalt will ich gar nicht so viel verraten. Es geht um einen verrückten japanischen Professor, der sich mit Hilfe einer wundersamen Maschine an seinen vermeintlichen Peinigern und damit der ganzen Welt rächen möchte. Wie üblich schlittern die drei ??? eher zufällig in die Story rein und haben plötzlich (nach dem Motto „Wir übernehmen jeden Fall“) alle Hände voll zu tun.
Das Ensemble besteht nicht nur aus den drei Sprechern. Es gibt noch weitere Schauspieler, die die Nebenfiguren darstellen, vier Musiker und den unumgänglichen Geräuschemacher. Dessen Einsatz wurde vom Publikum stellenweise mit tosendem Applaus belohnt. Man sollte sich die Liveshow keineswegs als schnödes Abhören einer Geschichte vorstellen. Es ist ein regelrechtes Event. Allein die Bühnen-Rückseite mit 42 schwenkbaren LCD-Tafeln hatte es in sich. So war es jederzeit möglich, räumliche und visuelle Effekte zur Illustration der Story zu erzeugen.
Eine besondere Stärke der Umsetzung ist die Kommunikation der Bühnenakteure untereinander und mit dem Publikum. Natürlich wurde auf Zwischenrufe eingegangen. Und die drei Sprecher gingen mehrfach den Weg auf die Meta-Ebene, um den Fortlauf des Stücks untereinander und mit den Zuschauern zu diskutieren. Zum Beispiel das ungeschriebene Gesetz: Es darf bei den drei ??? keine Toten geben. Plötzlich stirbt ein Antagonist (und der Geräuschemacher zerquetscht eine Melone). Das darf nicht sein! Es wird zurück gespult, der Bösewicht stirbt nicht, sondern bricht sich nur das Schienbein (in Form einer Salatgurke).
Weitere Gimmicks trugen zur Belustigung bei. Eine Sequenz vor Nahaufnahmen-Kamera, wobei man die drei Helden im Froschaugen-Look begutachten und deren Mimik auf besondere Art bewundern durfte. Oder die Soundeffekte in der Echo-Halle, die einen wummernden Tanzbeat in der Arena erzeugten und das Trio zu einer choreografischen Einlage auf der Bühne verführten. Hinzu kamen Anspielungen in Richtung von Star Wars und dem ersten ???-Fall überhaupt „Das Gespensterschloss“. Die Geschichte des Japaners Yamada wurde stilecht als Schattenspiel auf die Leinwand gebracht. Und der Einsatz der Gespensterschloss-Orgel war einfach nur gespenstisch.
Es gab Rätsel zu lösen, das Publikum wirkte begeistert mit – und zwei Stunden Hörspiellänge (plus Pause) vergingen wie im Flug. Gespickt mit Zitaten wurde man ständig an andere Folgen der Endlos-Reihe erinnert. Das Ensemble wurde mit Standing Ovations gefeiert. Absolut zu Recht. Diese sympathische Truppe könnte man sich noch öfters anschauen. Und ich bin immer noch erstaunt, wie jugendlich das Sprechertrio wirkt, wo man doch schon so viele Hörspiel-Jahre auf dem Buckel hat.
Hier gibt es unsere Peter Maffay Konzertfotos der „Wenn das so ist“ Tour 2015 aus der Arena in Trier am 25.01.2015
Peter Maffay ist auf einer spannenden Mission. Auf seiner laufenden Tour spielt er zunächst sein komplettes aktuelles Album, bevor er die Zuschauer mit alten Hits beglückt. In der Arena Trier waren es 6000 Menschen, die an seinen Lippen hingen und das ausverkaufte Konzert genossen. Und diesmal gab es kein Streichorchester, sondern harte bodenständige Rockmusik.
Dafür sorgte schon das jetzt ziemlich genau 1 Jahr alte Album „Wenn das so ist“. Es ist nämlich ein Album vom alten Schlag geworden. Bisweilen rockig, aber auch mit hohem Balladen-Anteil. Peter Maffay hatte die Arena mit einer riesigen Rockbühne versehen. Da gab es ein begehbares Laufband aus LCD-Bildschirmen, das das ganze Hallenrund durchzog. Die Zuschauer umgaben das Bühnengeschehen im 360-Grad-Modus, einige Glückliche konnten hautnah im Innenring stehen. Für die Musiker hieß das: viele verschiedene Standorte. Und den Meister selbst konnte man an vielen Stellen aus nächster Nähe bewundern.
Das neue Album komplett zu spielen war kein leichtes Unterfangen. Die Spannungskurve musste schließlich immer oben bleiben. Maffay spielte die Songs nach der Tracklist der CD und erzählte zwischendurch einiges zur Entstehung. Da geht es um’s Tätowieren („Schwarze Linien“), Motorradfahrer („Gelobtes Land“) und den verstorbenen Konzertmanager Fritz Rau („Bis zum Schluss“). Die Texte gehen unter die Haut, regen zum Nachdenken an, sind Lovesongs, die sich aus dem Einheitsbrei hervor heben.
Den Titelsong „Wenn das so ist“ sang Maffay gegen politischen Fanatismus jeder Art und erntete damit viel Zustimmung im Saal. Der Album-Set endete nach 93 Minuten mit „Halleluja“, dem letzten Song des Albums, der nicht nur einen starken Text und einen Ohrwurm-Refrain bietet, sondern auch durch ein formidables rockiges Songwriting besticht. Ein wundervoller Abschluss für ein komplettes Album, das mit stehenden Ovationen gefeiert wurde.
Zur Auflockerung drehte Maffay eine Runde mit dem Fahrrad über die Laufbühne und verloste eine Gitarre. Dann lud er zu einer Reise in die Vergangenheit ein und verwies auf die musikalische DNA, die uns alle beeinflusst hat. Es gab ein fast 40minütiges Medley aus alten Rock-Evergreens vermischt mit Auszügen bekannter Maffay-Klassiker, die auch gerne mal den Schlagerbereich tangieren durften. Ich bin zwar kein Freund von solchem Oldie-Aufguss, doch im Konzert funktionierte die Idee ganz gut. Die Musiker der Band und die drei Backgroundsänger (darunter Linda Teodosiu, die manche noch aus DSDS kennen) wurden selbst solistisch aktiv. „Love Me Tender“ gab es im harmonischen Satzgesang und „Born To Be Wild“ sowie „Rockin‘ In The Free World“ funktionieren auch bei jeder Coverband. Das Publikum freute sich am meisten über die angespielten Maffay-Hits „Leben so wie ich es mag“, „Weil es dich gibt“ und „Freiheit, die ich meine“. Damit waren alle Generationen froh.
Teil 3 des Konzerts sah noch mehr Klassiker vor. Linda startete „Josie“ in englischer Version, was von Maffay auf Deutsch weiter geführt wurde. Danach gab es ein durch und durch rockiges „Schatten in die Haut tätowiert“. Kein Streichorchester, kein akustisches Zwischenspiel – die Band bearbeitete ihre Instrumente, was das Zeug hielt. So sieht die Rückkehr zum Rock’n’Roll aus. Um das Publikum versöhnlich zu stimmen, durfte man vor dem Konzert per SMS seinen Lieblingssong aus einer Auswahl vorgegebener Stücke mitteilen. Die drei meistgenannten wurden jetzt gespielt: Zur Überraschung Peter Maffays musste er als erstes mit „Es war Sommer“ ran und Trier bewies seine Textsicherheit. Es folgten „Tiefer“ und das Karat-Cover „Über sieben Brücken musst du gehn“.
Inzwischen hielt es niemanden mehr auf den Sitzen und Maffay wurde nach fast drei Stunden Konzerterlebnis ordentlich abgefeiert. Als Zugabe blieb noch „Sonne in der Nacht“. Dann entließ man das Publikum ins winterliche Trier. Schon bald gibt es ein Wiedersehen in der Region: Am 30. Mai stürmt Maffay mit Band die Strandbühne im saarländischen Losheim. Eine immer wieder lohnenswerte Open-Air-Location.
Hier gibt es unsere Peter Maffay Konzertfotos 2015 aus Trier
The Voice of Germany TVOG Fotos 2014 Trier, Arena Trier
The Voice of Germany ist mit die erfolgreichste und meiner Meinung nach die derzeit beste Casting-Show im deutschen Fernsehen. Nachdem ich auch die 4. Staffel mit Spannung verfolgt hatte, war ich froh über die Gelegenheit, die acht Halbfinalisten und zwei weitere von den Zuschauern gewählte Talents nun auf ihrer Tour live in Trier erleben zu können. Meine leise Befürchtung, die Kandidaten würden hauptsächlich ihre eigenen Singles präsentieren und Songs aus den Live-Shows aufwärmen, bestätigte sich zum Glück nicht. Stattdessen wurde von den zehn großartigen Sängern und einer ebenso großartigen Live-Band in immer wieder wechselnden Besetzungen eine vielseitige und mitreißende Show geboten, die für mich nochmal eine Steigerung zu den finalen TV-Sendungen darstellte.
Nachdem der bis zu Showbeginn die Bühne verhüllende Vorhang endlich gefallen war, eröffnete Charley Ann, die Gewinnerin der 4. Staffel, das Konzert mit „Fix You“. Schon nach wenigen Takten fielen nach und nach alle andern Talents in den Song ein und es folgte das gemeinsame „Rather Be“, bevor Charley Ann dann doch mit einem Solo glänzen durfte – einer sehr überzeugenden Version des „Reckoning Song“.
Beinahe ohne Atempause und auf musikalisch hohem Niveau ging es weiter: Philipp und Calvin spielten sich bei Ed Sheerans „Don´t“ die Bälle zu, fast alle Sänger brachten sich beim deutschsprachigen Medley von „99 Luftballons“ bis zu „Auf uns“ ein und Marion sowie Andrei rockten die Arena mit „Whole Lotta Love“. Zwischendurch gab es auf der großen Leinwand hinter der Bühne kurze Einspieler aus den Fernsehshows, die entweder zur Vorstellung der Talents dienten, oder thematisch auf die folgenden Songs einstimmten. So hatten etwa alle Girls gemeinsam einen Auftritt mit „Another Way To Die“ und „Sweet Dreams“, während die Boys im zweiten Teil mit „Geronimo“, „Can´t Hold Us“ und „Eye of the Tiger“ überzeugten.
Beeindruckend und live natürlich deutlich spürbarer als im TV war die positive Energie, die alle zehn Sänger und Sängerinnen auf der Bühne ausstrahlten und die sie auch miteinander verband. Jeder einzelne konnte an diesem Abend mit seiner Leidenschaft für die Musik und seinem jeweils eigenen Talent die Zuschauer überzeugen – ob Lina mit ihrer aufs Wesentliche reduzierten Ballade „I Can´t Make You Love Me“, Ben mit seiner berührenden Version von „Stay With Me“, mit der er sich schon in den Blind Auditions in die Herzen der Coaches gesungen hatte, oder Anna Liza mit dem Powertitel „Best of You“ von den Foo Fighters.
Zu den Höhepunkten der Show gehörte für mich der a cappella gesungene Opener „Pompeii“ nach der Pause, das Trio Phillip, René und Andrei mit „Wolke 7“ und Marion mit „Roxanne“, das sie in den Finalshows im Duett mit ihrem Coach Stephanie gesungen hatte, und bei dem die Silbermond-Frontfrau hier zumindest auf der Leinwand präsent war. Absolut begeistern konnte auch immer wieder Alex mit seinen Rap-Einlagen, die ihn als würdigen Eminem-Nachfolger qualifizieren.
Gegen Ende des Abends stand noch einmal Gewinnerin Charley Ann im Fokus, die ihre Single „Blue Heart“ auf einem kleinen Podest mitten im Publikum performte, bevor sich mit Coldplays „Viva la vida“ noch mal alle auf der Hauptbühne versammelten. Als Zugabe für die begeisterten Fans gab es eine ausgedehnte Version von „Happy“, bevor sich die Sänger und Sängerinnen endgültig von der Bühne verabschiedeten. Ich weiß jetzt schon – wenn The Voice of Germany mit den Finalisten der nächsten Staffel nach Trier kommt, bin ich wieder dabei!
1994 wurde beim Eurovision Song Contest in Dublin als Pausenfüller eine Show aufgeführt, die der irische Tänzer Michael Flatley gemeinsam mit dem Komponisten Bill Whelan ins Leben gerufen hatte. Der Titel war „Riverdance“ und an diesem Tag begann ein Siegeszug um die Welt. Noch heute wird die Mischung aus Stepptanz und keltischer Musik weltweit sehr erfolgreich und in unterschiedlichen Ausprägungen aufgeführt. Am 3. April war das aktuelle Ensemble in der Arena Trier zu Gast und begeisterte über 2.000 Zuschauer.
Ich habe die Show vor vielen Jahren in einer großen Produktion (ich glaube in der Festhalle Frankfurt) gesehen und man muss einige Dinge relativieren, wenn man hier Vergleiche zieht. Die Größenordnung einer Tournee-Produktion, die jeden Abend an einem anderen Ort ist, wurde nach unten angepasst. Keine Frage. Trotzdem war ich von dem Geschehen in Trier überaus angetan.
Was mir an „Riverdance“ im Vergleich zu anderen Tanzspektakeln besonders gefällt: Es wird eine Geschichte erzählt, die nicht nur aus Klischees besteht. Basis sind die keltische Musik und der daraus hervor gegangene Tanz. Es wird aber dargestellt, wie sich dessen Einflüsse mit den irischen Auswanderern in alle Welt verbreitet haben. So gibt es Passagen in der neuen Welt Amerika, wohin die arbeitsuchenden Iren sich in Scharen wandten. „The Harbour Of The New World“ verbindet in einer beeindruckenden Collage den keltischen mit dem amerikanischen Stepptanz und schlägt eine Brücke nach Osteuropa. An anderer Stelle wird der spanische Flamenco mit den keltischen Einflüssen verglichen. Diese Weltreise macht den Zauber von „Riverdance“ aus. Die Suche nach den Wurzeln der Musik ist ein spannendes Element.
In anderen Szenen wird die Kulturverbundenheit der Kelten thematisiert. Es gibt Gesänge und Tänze über die Sonne, das Wasser, das Feuer, den Kreislauf des Lebens und die Jahreszeiten. Der Tanz einer Schar von zwanzig Frauen und Männern steht im Mittelpunkt, wird aber immer wieder aufgelockert durch Sänger und Instrumentalisten. Der Chor mit seiner starken Solistin führt schöne, getragene Gesangsstücke auf, die meist a cappella und schwebend leicht das Rund der Arena ausfüllen. Mir gefallen diese harmonischen und leicht mystisch angehauchten Stücke sehr gut. Auf der amerikanischen Seite übernimmt ein Bariton die Hauptstimme – ebenfalls sehr stark, aber mit mehr Energie.
Die Instrumentalfraktion ist mit vier Musikern schwach besetzt. Aber immer noch besser als bei „Lord Of The Dance“. Diese Produktion war ebenfalls kürzlich in Trier und lieferte alle Musik vom Band. Bei „Riverdance“ bekommt man eine Mischung aus Livemusik und Tonkonserve (vor allem Gitarren). Nicht ideal. Was die anwesenden Musiker aber bieten, ist vom Feinsten! Der Violinist war in seiner Solo-Performance genial. Auch den Flötisten und Dudelsackspieler habe ich sehr bewundert. Was er aus den Instrumenten zauberte, war phänomenal. Der Schlagzeuger hatte einen Solo-Auftritt mit einer handlichen Trommel, aus der er ein rhythmisches Klanggebilde zauberte, das den Steppsound der Tänzer auf einem Trommelfell perfekt wiedergab. Alles in allem grandios.
Die „Riverdance“-Show hat einfach mehr Facetten als die anderen Gut-gegen-Böse-Kampfspektakel, die sich ganz auf atemberaubende Fußgymnastik beschränken. Daher ist und bleibt diese Show für mich die Nummer eins im Genre und auch das Publikum in Trier wusste den spannenden Abend mit stehenden Ovationen zu würdigen.
Auf Konzerten von Ina Müller müssen sich Männer warm anziehen. Zumindest müssen sie damit rechnen, dass die Begleiterin ständig „siehste, siehste“ sagt, an den unmöglichsten Stellen laut lacht und überhaupt mit gestärktem Selbstbewusstsein die Show verlässt. Ja, Ina Müller ist so etwas wie der weibliche Gegenentwurf zu Mario Barth. Die Männer bekommen ihr Fett weg und müssen schon eine Menge Selbstironie an den Tag legen, um den Abend unbeschadet zu überstehen.
Ina singt nicht nur. Wer ihre Sendungen regelmäßig sieht, kennt sie als unermüdliche Schwaflerin und Kabarettistin. So war es auch in Trier. Die voll besetzte Arena sog gierig ihre Worte auf und schon mit ihren ersten Ansagen verwandelte sie das Auditorium in einen Hexenkessel. Der Start mit „Wenn ich weg guck“ war noch einigermaßen glamourös: Glitzerwelt, Schatten hinterm Vorhang, kleine Showtreppe. Doch dann ging’s gleich ans Eingemachte. Trier habe nachgefragt „ob die Sängerin ein Geländer braucht“. Und dann der Nachsatz: „Ob die sowas bei Helene Fischer auch fragen?“
Ina Müller ist 48 Jahre alt – da macht sie kein Geheimnis draus. So wie Adele ihre Alben „19“ und „21“ betitelt, nannte sie ihr neustes Werk halt „48“. Aus dieser Lebenserfahrung schöpft ihr ganzes Programm. Es geht um Frauen in den Wechseljahren, ihre Wehwehchen und ihre Träume. Da durfte die Norddeutsche sich auch mal einen Saarländer aus der ersten Reihe schnappen und ihm erste Lektionen in Sachen Beziehungsberatung erteilen. Es folgte der Knaller-Song „Sie schreit nur noch bei Zalando“, wobei (Achtung: Zielgruppe) die ältere Dame rechts von mir sich erklären lassen musste, was denn eigentlich Zalando sei.
Weiter ging es mit den weiblichen Problemzonen, den Jahresringen am Hals und dem Wanderfett, das nach Inas Theorie im Frauenkörper stetig nach unten wandert. Dann sang sie von „Mark“. Nicht der Währung, die vor dem Euro kam, sondern dem Mann, der vor Jens kam. „Doch ich rechne immer noch in Mark.“ Meistens zwei Songs, dann wieder ein längerer Redeschwall. Wir erfuhren, was Ina so in Zeitschriften liest. Dass Männer alle 20 Sekunden an Sex denken. Da musste auch Ina länger drüber nachdenken und suchte nach bildlichen Beispielen. Mit dieser Energie, so schloss sie, könne man letztlich die unseligen Windkraftanlagen ersetzen.
Aus ihrem vorherigen Programm kannte man schon das Spiel mit dem Flügel. Nein, Ina kann nicht Piano spielen. Aber sie würde gern – oder sich noch ein Schachbrett auf den Flügel stellen, weil das doppelt intelligent aussieht. Stattdessen musste sie ihr Mikro drauf legen und so tun als ob, bevor sie lachend den Ablagezettel in die Höhe hielt, auf dem die Crew einen Penis als Mikro-Umriss drauf gemalt hatte. Die Scherze wanderten zunehmend unter die Gürtellinie. „Früher kam der Mann, und danach gab’s Pizza. Heute kommt nur noch die Pizza.“
Doch es gab auch nachdenkliche, biographische Momente. Ina sang von ihren fünf Schwestern, schmachtete ein plattdeutsches Lied auf die Mama und sang „De Klock is dree“. Das Bühnenbild stellte eine ländliche Idylle nach. Oder mittels Google Earth flog man im Hintergrund auf ihr Heimatdorf zu. Zwischenzeitlich nahm Ina ein Bad in der Menge, erzählte vom Regenwürmer essen und von Kevin, der nicht mitspielen darf, weil er nun mal kein Fußball spielen kann. Scheiß auf das soziale Miteinander.
„Mit Mitte 20“ wurde als Langversion geboten. Und Ina verfiel in einen nicht enden wollenden Sprechgesang, erzählte von jungen Männern und ihrem Elan, dass sie mitten in der Nacht aufstehen, um lästige Stechmücken zu fangen. Fast 150 Minuten dauerte die Show. Und zum Ende hin wurde das Geschehen immer mehr zur großen Party. Es hielt keinen mehr auf seinem Sitz, ein Teil des Publikums stürmte zur Bühne. Ina gab durchgeschwitzt zwei letzte Zugaben, bevor sie sich mit ihrem eigenen Mantra von den Fans verabschiedete: „Rede was wahr ist, trinke was klar ist, esse was gar ist und vögle was da ist“. In zwei Jahren will sie wieder in die älteste Stadt Deutschlands kommen. Trier wird da sein.
Setlist Ina Müller – 9. März 2014
Wenn ich weg guck
Sie schreit nur noch bei Zalando
Déja vu
Mark
Wenn dein Handy nicht klingelt
Teenager
Schuhe
Fremdgehen
Spieglein, Spieglein
Pläne
Fünf Schwestern
Mama
De Klock is dree
Mit Mitte 20
Dumm kickt gut
Wenn du nicht da bist
Drei Männer her
—
Zurück in Muttis Bauch
Nach Hause
Es war schon wieder soweit: André Rieu und sein Johann-Strauss-Orchester machten Station in der Arena Trier und ich war bereits zum dritten Mal mit dabei. Dem Holländer gelang es mal wieder, unzählige Musikrichtungen, die man im orchestralen Gewand präsentieren kann, in ein festliches Konzertereignis zu integrieren. Walzer und Marsch, Operette und Musical, eine Prise Pop, ein Hauch Schlager – selbst ein weltmusikalischer Part war zu finden.
Das Publikum zeigte sich generationenmäßig gut durchmischt und in gespannter Erwartung. Die Bühne voller Instrumente (ca. 50 Mitwirkende waren im Orchester zu finden, wenn man die Backgroundsänger und Stamm-Solisten mit zählt), im Hintergrund nahm eine LCD-Wand die ganze Breite der Bühne ein und vermittelte je nach Song die entsprechend Stimmung. Von der Decke hingen gar einige stilisierte Kronleuchter, die zumindest einen kleinen Hauch von Ballsaal in der sonst bisweilen etwas kalten Arena vermittelten – ein stilvolles Ambiente.
Wie es für André Rieu und seine Mitstreiter schon Tradition ist, zogen die Protagonisten ihre Instrumente schwingend und winkend mitten durch die Zuschauer zur Bühne. Schon hier wurde geflirtet und gelacht. Alle schienen (den ganzen Abend über) zu Späßen aufgelegt. Entweder saß da eine Riesentruppe guter Schauspieler auf der Bühne oder es macht unbändigen Spaß für André Rieu zu arbeiten. Ich tippe mal auf letzteres, denn der Stargeiger ist einfach ein sympathischer Vogel.
Ständig stand André Rieu im Dialog mit dem Publikum. Er bezeichnete Trier kokett als „Zentrum des Universums“, beschwörte die heilende Wirkung seiner Musik und zeigte sich zu Tränen gerührt. Für die bis auf den letzten Platz gefüllte Arena hatte man opulent aufgefahren: das Orchester in eleganter Kostümierung, ein ewig-lustiger Backgroundchor aus beschwingten Damen und drei platinbehaftete Tenöre, die immer wieder für klangliche Abwechslung sorgten. So gab es schon zu Beginn mit einem Walzer, dem spanischen Song „Granada“ und der Opernarie „Ach ich hab in meinem Herzen“ einen musikalischen Rundumschlag. Das Orchester in bombastischer Spiellaune, die Tenöre mit hymnischer Stimmgewalt.
Weiter ging es mit dem berührenden Poptitel „This Land Is Mine“ („A Land Were Children Can Run Free“), nach welchem die Akteure wohl auch den letzter Zweifler auf ihrer Seite hatten. Danach folgte ein Stilbruch zum unvermeidlichen „Schneewalzer“. Der Schunkelvirus hatte nun auch die meisten Anwesenden erfasst. Neben den Tenören waren drei Sopranistinnen unterschiedlichster Klangfarbe mit dabei. Inklusive dieser weiblichen Unterstützung sang man das volkstümliche „Die kleine Kneipe“, das vom ganzen Rund der Arena lautstark angestimmt wurde, und die Hymne „You’ll Never Walk Alone“. So hatte das Publikum schon in der ersten Hälfte eine Reise durch Jahrzehnte und Jahrhunderte hinter sich.
Nach der Pause gab es Franz Lehars „Gold und Silber“ als prächtig angelegten Walzer. Hier zeigte selbst Rieu einmal Starallüren – und das mit Recht. Anscheinend hat er sich in der Vergangenheit oft geärgert, dass die zu spät aus der Pause zurück kehrenden Besucher das erste Stück der zweiten Hälfte massiv störten. Kurzerhand ließ er also ein Absperrband an den Zugängen befestigen und wies seine Ordner an, die Zuspätkommenden erst beim Applaus in den Innenraum zu lassen. Dem Genuss des großartig dargebotenen Paradestücks „Gold und Silber“ tat das sehr gut.
Danach waren wieder die Solisten dran. „Memory“ aus „Cats“ in einer sehr virtuosen Fassung. Dann erschien ein argentinischer Akkordeonspieler mit einer ruhigen und einer schmissigen Melodie. Schließlich eroberte die dunkelhäutige Sopranistin Kimmy Scota die Herzen der Zuschauer, indem sie zunächst ein afrikanisches Wiegenlied und dann das rhythmisch virtuose „My African Dream“ sang, das Kimmy Nelson Mandela widmete. Die ersten stehenden Ovationen des Abends waren der Dank dafür.
Zum Ende des Hauptteils war Walzerkönig Strauss an der Reihe und André Rieu präsentierte (wie immer) den popkulturellen Klassikhit „An der schönen blauen Donau“ – und ja, es wurde getanzt im Publikum. Für den Maestro ein Höhepunkt jedes Konzertabends. Sehr effektvoll waren danach zu einem Auszug aus „Carmina Burana“ fast alle Protagonisten des Abends auf der Bühne und ließen den Hauptteil zu Ende gehen.
Jetzt sollte man meinen: noch 1-2 Zugaben und alle gehen zufrieden nach Hause. Doch da kennt man den sympathischen Geiger schlecht. Rieu begann ein Spiel mit dem Publikum, schickte es mehrfach wef („ihr seid müde!“), kündigte immer wieder das letzte Stück statt. Doch der Abend wollte kein Ende nehmen. In ausgelassener Stimmung und inmitten hundertfach herab geregneter Luftballons gab es Marschmusik und ein Walzermedley, „Amazing Grace“ und das stampfende „Auf in den Kampf, Torero“, den Klassiker „Teure Heimat“ aus „Nabucco“, ein fröhliches „Eviva Espana“ und den Mitsing-Schlager „Adieu mein kleiner Gardeoffizier“. Das Finale wurde zum großen Fest.
André Rieu hat mich (mal wieder) überzeugt. Er fuhr eine gigantische Show auf, ließ das Publikum für fast drei Stunden alle privaten Sorgen vergessen und brachte ein kleines Stück heile Welt in die Arena Trier. Der Holländer hat in seiner Karriere schon viele schwierige Momente gehabt, stand zeitweise kurz vor dem Ruin – und doch hat er sich wie ein Stehaufmännchen wieder aufgerappelt. Sein Publikum ist ihm treu, Zweifler überzeugt er mit Charme und sympathischem Auftreten. Seine Entertainer-Qualitäten sind unbestritten.
Solche Konzerterlebnisse kann man in vielen Variationen auch zu Hause genießen. Zuletzt erschien beispielsweise die DVD „André Rieu & Friends – Live in Maastricht“ (2.11.2013, Universal Music). Hier gibt es die erwähnte Mischung musikalischer Vielfalt und viele Titel aus dem aktuellen Programm fürs heimische Wohnzimmer. Die Konzerte in Rieus Heimatstadt sind immer ein ganz besonderer Genuss und Fans aus aller Welt reisen an, um dort dabei zu sein. In diesem Fall war gar Jermaine Jackson mit dabei und gab „Smile“ sowie „When The Rain Begins To Fall“ zu Besten. Insgesamt über 150 Minuten Hit an Hit. Die Atmosphäre auf dem Maastricher Marktplatz wurde sehr gut eingefangen. Fans und solchen, die es werden wollen, seien ein Besuch der aktuellen Tour oder zumindest dieser Blick ins aktuelle Repertoire mittels DVD-Player empfohlen.
Fotos von André Rieu 2014 Trier
Es war 1994 beim Eurovision Song Contest in Dublin. Dort wurde als Pausenfüller eine Show aufgeführt, die der irische Tänzer Michael Flatley gemeinsam mit Komponist Bill Whelan ins Leben gerufen hatte. Ihr Name war „Riverdance“ und an diesem Tag begann ihr Siegeszug um die Welt. Noch heute wird die Mischung aus Stepptanz und keltischer Musik weltweit sehr erfolgreich und in unterschiedlichen Ausprägungen aufgeführt. Ganz vorne in der Hitliste steht dabei die Original-Show „Riverdance“, dicht gefolgt von Flatleys erfolgreichem Nachfolger „Lord Of The Dance“, bei welcher er als Protagonist noch stärker im Vordergrund stand. Das tänzerische Drama um Gut und Böse wird seit 1996 in den großen Arenen gespielt – so auch am 20. Dezember in der Arena Trier. Flatley steht schon lange nicht mehr als Tänzer auf der Bühne, doch der Geist seiner Idee steckt in jedem neuen Ensemble.
Das Bühnenbild war recht schlicht gehalten. LCD-Leinwände im Hintergrund und aufgebaute Treppen, damit sich das Geschehen auf verschiedenen Ebenen abspielen konnte. Wechselnde Stimmungsbilder wurden durch die häufig gewechselten Kostüme und die Lightshow aufgebaut. Während „Riverdance“ noch vom Siegeszug der keltischen Musik durch die Welt berichtete und den Einfluss dieser Musik auf viele modernere Spielarten zum Inhalt hatte, erzählt „Lord Of The Dance“ eine ziemlich seichte Gut-gegen-Böse-Story, die auf einer irischen Legende beruht. Den roten Faden fand man in den klischeebeladenen Figuren, die entweder in strahlenden Kleidern oder als dunkle Gestalten mit Militär-Masken auftraten. So gab es zwei Protagonisten, die sich als Anführer der Gruppierungen bekämpften, gut aussehende Mädels, die sich mal für die eine, mal für die andere Seite entschieden, und eine bunte Narrengestalt mit Whistle, die bisweilen auf Seiten der Guten eingriff.
Die fade Story war definitiv nur schmückendes Beiwerk. Es kam auf die tänzerischen Fähigkeiten an, die pure Artistik bedeuteten. Die Synchronität der Tänzer war stets aufs Neue faszinierend. Das betraf vor allem die wild und wirbelnd schnell über die Bühne stampfenden Männer, aber auch die Frauengruppe, die meist eher in Ballettfiguren schwebte, bisweilen aber ebenfalls in den Stepprhythmus verfiel. Gebremst wurde das Geschehen durch erzählende Elemente und die Gesangseinlagen einer irischen Sängerin. Als Überraschung gab es eine Reihe von pyrotechnischen Effekten, die sanft entschlafene Zuschauer dann auch prompt aus ihrer Lethargie aufweckten.
Zweimal 45 Minuten dauerte das Spektakel. Es gab einige wundervolle Momente. Das musikalische Hauptmotiv von „Lord Of The Dance“ war mitreißend und regte bei jedem Auftauchen zum Mitwippen und Mitklatschen an. Die Fähigkeiten der Tänzer lagen auf höchstem Niveau. Besonders beeindruckend waren immer der synchrone Reihentanz und die rhythmischen Stepp-Elemente. Die Frauen traten sehr anmutig auf, wenn auch die Passage in schwarzer Unterwäsche (nach dem Motto „Sex sells“) durchaus verzichtbar gewesen wäre. Die bunte Disco-Aufmachung hingegen wirkte als willkommene Abwechslung im keltischen Einheitsbrei.
Was etwas nervte war die nicht vorhandene Abwechslung im musikalischen Teil. Keltisch und immer wieder keltisch. Selbst die getragenen Gesangsstücke hörten sich alle gleich an. Bei „Riverdance“ hingegen darf man sich auf eine Abwechslung in Richtung Flamenco oder HipHop freuen. So etwas fehlte bei „Lord Of The Dance“ völlig. Einzig ein kurzer gregorianisch angehauchter Moment war auszumachen.
Am Ende gab es donnernden Applaus und stehende Ovationen der knapp 2000 Zuschauer. Der Funke der Begeisterung war eindeutig übergesprungen und das Ensemble musste einige Zugaben geben, bevor das Publikum ins weihnachtliche Trier entlassen wurde. Das nächste Spektakel steht bereits an, denn am 3. April 2014 wird die originale „Riverdance“-Show in der Arena gastieren. Wer Interesse an irischer und keltischer Musik (und deren Einflüsse in alle Welt) hat, wird daran sicher seine Freude finden. Ich zumindest kann die Show uneingeschränkt empfehlen.
Bauchredner und Puppenspieler – eine Kunst, die sich seit dem Altertum in unserer Kultur etabliert hat. Mancher mag meinen, solche Formen der Unterhaltung hätten sich überholt, seit es Kino und Fernsehen gibt. Doch weit gefehlt! Wer gestern Abend am beschaulichen Sonntag den Weg nach Trier fand, durfte sich wundern, wie viele Fans diese alte Kunst heutzutage hat.
Sascha Grammel ist aber auch ein Phänomen. Jung, gut aussehend, aus Berlin stammen. Der Künstler, der nächsten Februar seinen 40. Geburtstag feiert, hat nach eigenen Angaben bereits mit neun Jahren das Bauchreden angefangen. Zuhause, auf Kindergeburtstagen, später in kleinen Clubs und Kabaretts. Die klassische Ochsentour also. Sascha war Mitglied des Magischen Zirkels Berlin und schaffte es mit der Zeit verstärkt, ein ganz neues Genre in Deutschland zu etablieren: Puppet Comedy.
Grammel vereint Versatzstücke aus Comedy, Puppenspiel, Bauchreden und Zauberei zu einer bunten Show, die in dieser Form einzigartig ist. Seit 1997 tritt er öffentlich auf und hat Preise über Preise gewonnen, war im Fernsehen in vielerlei Hinsicht präsent und schafft jetzt mit seinem zweiten großen Programm „Keine Anhung“ das, wovon alle Künstler träumen: die ganz großen Arenen zu füllen. Da gehört Trier jetzt eher zu den kleineren Veranstaltungsorten, wenn man sich die Tourdaten anschaut.
Die Größe der Halle hat natürlich den entscheidenden Nachteil, dass die Zuschauer in den Rängen einen recht kleinen Sascha und noch kleinere Puppen auf der Bühne sehen und sich ihre Konzentration mit der Zeit wohl eher auf die LCD-Leinwände richtet. Man ist live dabei, schaut sich aber eher den Film an. Nun gut – das ist bei großen Rockkonzerten auch nicht anders.
Sascha machte das durch ein spektakuläres Bühnenbild wett, in dem jede Figur ihr buntes Haus hatte. Als er auf die Bühne kam, ging zunächst einmal tosender Applaus los. Die wenigsten haben ihn schon einmal live gesehen, doch fast jeder kennt ihn aus dem Fernsehen. Und wen der sympathische Künstler und seine genialen Figuren erst einmal in den Klauen haben, den lassen sie so schnell nicht wieder los.
Sascha Grammel stellt sich mit seinen originellen Charakteren dem Klischee entgegen, dass Bauchredner als verhärmte Alleinunterhalter auf der Dorfkirmes enden. Klar, auch Grammel legt ein Dauergrinsen an den Tag, das einem Autoverkäufer zur Ehre gereichen würde, aber er macht seinen Job mit viel Selbstironie.
Manche Figuren kennt man bereits aus dem ersten abendfüllenden Programm. Das trug den Titel „Hetz mich nicht“ und machte uns bekannt mit der Schildkröte Josie, die als schüchterner Geldautomat arbeitet, mit dem mehr als selbstbewussten Adler-Fasan Frederic Freiherr von Furchensumpf und mit dem Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Peter Hacke, einem Hamburger im doppeldeutigen Sinn des Wortes. Diese traten auch im neuen Programm „Keine Anhung“ wieder auf.
Die Show begann mit Frederic, der gewohnt schnoddrig sein Gegenüber vorführte und kein gutes Haar an Grammel ließ. Dann folgte Außer Rüdiger, eine gelbe Socke mit großen treuherzigen Augen. Mein Favorit war aber auch diesmal Josie, die sich auf der Suche nach einem Freund befand und schließlich Sascha ansang „Willst du mein Freund sein?“ – ein herzzerreißender Moment, der alle Zuschauer vergessen ließ, dass Grammel beide Rollen spielte. Da steckt überhaupt Saschas große Stärke. Die Dialoge verpassten den Puppen das perfekte Eigenleben. Er ging oft auf die Metaebene, walzte Versprecher oder Lacher zu handfesten Streitereien aus. Da blieb kein Auge trocken.
Prof. Hacke bekam in der zweiten Programmhälfte seinen besonderen Moment – hat er doch das ultimative Lebensmittel entdeckt, isotonisch, laktosefrei, ohne Zucker und voller natürlicher Aromen: Wasser! Wenn Sascha von seinen Versuchs-Wässerchen trank, verwandelte er sich stimmlich in die verschiedenen Figuren des Programms. Ein netter Gag, der die Stimmvielfalt eindrücklich unter Beweis stellte.
Viel Herzblut steckt auch in der neuen Figur, dem außerirdischen Handelsvertreter Herr Schröder, der im ständigen Clinch mit seinem Symbionten, der Sternschnuppe Ursula lag. Ein Auftritt, der wie ein Ohrwurm lange nachwirkte (wer die Show gesehen hat, weiß was ich meine). So entführte uns Grammel in seine Welt, die am Schluss über einen Brief von Josie nochmal in allen Figuren zusammen geführt wurde. Zudem ließ es sich der (Ver-)Zauberer nicht nehmen, auch noch ein kleines Zauberkunststück in die Geschichte mit einzubauen. Seine Jonglierkünste hatte er zuvor ebenfalls unter Beweis gestellt.
Die Zuschauer verabschiedeten Grammel mit stehenden Ovationen, die dieser gerührt entgegen nahm. Vermutlich tut er das jeden Abend, doch es war schon sehr bewegend, als er in einer letzten Ansprache ans Publikum seiner Freude darüber Ausdruck verlieh, es vom Kindergeburtstag in die große Arena geschafft zu haben. Man gönnt es ihm von ganzem Herzen. Für den Bambi ist er auch nominiert – und: „es gibt ein Zuschauervoting, man kann online dafür abstimmen“. Werden wir tun, Sascha. Ehrensache.
Martin Rütter, der Hundeprofi, kam in die Arena Trier. Das sorgte erst einmal für ein Verkehrschaos rund um den Verteilerkreis. Finde ich sowieso schrecklich, dass anscheinend alle Comedians sich auf die Fahne geschrieben haben, keine festen Sitzplatzkarten zu verkaufen. So will jeder zum Einlass da sein und das Unheil nimmt seinen Lauf.
Trotz der Widrigkeiten war die Arena bis 20 Uhr sehr gut gefüllt und die Show konnte pünktlich beginnen. Das Bühnenbild zeigte einen Jogger hoch oben auf einer Laterne und einen gut gelaunten Hund, freudig auf einem Turnschuh kauend – erstes Sinnbild für den zu erwartenden Abend. Wie Martin Rütter selbst sagt: Er hat es sich zum Ziel gesetzt, die Jogger von den Laternen zu holen. Und wie kann das geschehen? Durch gut erzogene Hunde. So begann er mit den drei meist gebrauchten Lügen von Hundebesitzern, einer Hitliste, die jeder im Saal zu kennen schien. 1. „Der tuuut nix!“, 2. „Der will nur spiiieeeeleeen…!“, 3. „Das hat er ja noch niiie gemacht…!“
Wer solch eine selbstironische Betrachtungsweise an den Tag legt, hat schon gewonnen und die Lacher auf seiner Seite. Somit ist Martin Rütter als Comedian durchaus mit Mario Barth zu vergleichen. Der große Unterschied: Bei Barth geht es um das Zielobjekt Männer, bei Rütter steht der Hund im Mittelpunkt. Und ja, man kann den Geschichten auch folgen, wenn man nicht selbst Hundebesitzer ist. Damit war ich unter den über 3.000 Zuschauern zwar eindeutig in der Minderheit, trotzdem habe ich mich köstlich amüsiert.
Rütter hat drei wichtige Eigenschaften. Er ist zunächst einmal „Hundeversteher“, das heißt, er beschreibt Situationen aus der Sicht des Hundes und vermittelt dessen Sichtweise. Das übrigens ganz detailliert im Hinblick auf verschiedene Rassen. Wissensvermittlung in Bezug auf Jagdhunde, Hütehunde, Schoßhündchen und so illustre Ausnahmetalente wie den Basset geschieht hier ganz nebenbei. Zudem ist Rütter ein recht guter Comedian und Entertainer, redet ohne Punkt und Komma, lacht schon mal im Vorgriff über seine nächste Pointe (vergleiche Mario Barth), bezieht die Zuschauer ins Geschehen mit ein und reagiert spontan auf Störungen aller Art. Was aber das Wichtigste ist: Er ist ein guter Pädagoge, denn der erzieherische Aspekt steht häufig im Mittelpunkt der Ausführungen. Und es geht keineswegs nur um Beispiele gelungener Hundeerziehung, auch die Menschen bekommen ihr Fett weg. Rütter erklärte anhand eines Zuschauerbeispiels, wie der Golden Retriever Benji sein Frauchen erzogen hat (Motto: „Gib mir ein Leckerli, dann bin ich auch bereit, mich beim Spaziergang mal für 20 Meter zügig zu bewegen. „) und gab dann gute Tipps, wie man dies durch konsequentes Verhalten wieder in korrekte Bahnen lenken kann.
Die unterhaltsamen Geschichten und Anekdoten kamen beim Publikum gut an. Rütter versäumte aber auch nicht, darauf hinzuweisen, dass er eine langwierige Arbeit leistet. Bei VOX denke man oft, „der Hundeprofi“ kommt und alles ist sofort wieder gut. Dass Tierpsychologe Martin Rütter und sein Team die Hunde und ihre Herrchen oft über ein halbes Jahr lang begleiten, fällt dabei meist unter den Tisch. Die Arbeit der Tierheime wurde gelobt und Rütter warb auch dafür, sich beim nächsten Hundekauf ruhig mal im Tierheim umzusehen, statt sich an überzüchteten Rassen zu vergreifen. Zudem solle man die Eigenheiten der Hunde beachten: 30 Minuten Gassigehen für den Hütehund? Das wäre quasi ein kurzes Aufwärmen, bevor der dreistündige Spaziergang dann mal losgehen kann.
Die ganze Zeit über blieb Rütter sehr präsent und das Publikum hing an seinen Lippen. Kurze Pause nach einer Stunde, dann ging es mit abgeändertem Bühnenbild weiter. Die Hunde hatten die Macht übernommen in „Dog City“. Nach Wissensvermittlung und lustigen Geschichten ging es nun um das Schindluder, dass unsere Gesellschaft (und die entsprechenden Vertriebsprofis) mit der menschlichen Liebe zum Hund treiben. Vom höhenverstellbaren Fressnapf (ein Klassiker) über den MP3-Player für den Hund bis hin zum Stofftier mit künstlicher Vagina (sic!) hatte der Mann, den nichts aus der Ruhe bringen kann, alles dabei. Und es gab auch nützliche Tipps: Fremde Hundebesitzer kommen mit ihren Begleitern immer zu nahe? Man ruft am besten „Mein Hund hat Flöhe“. Wenn der andere nicht antwortet „Meiner auch!“ wird alles gut. In letzterem Fall hilft dann nur noch das ultimative Abwehrinstrument, dass eine renommierte Firma vor über 40 Jahren entwickelt hat. Ja, wir dürfen auch den Namen der Firma erfahren: KNIRPS.
Der Abend in der Arena war sehr kurzweilig und verging wie im Flug. Selbst Nicht-Hundebesitzern kann man das Comedy-Vergnügen durchaus empfehlen. Vielleicht hält es letztlich von der Anschaffung eines schwanzwedelnden Freundes ab und man entscheidet sich für die altbewährte Katze, die mehr erwünschte Selbständigkeit an den Tag legt. Einen Zusatztermin für Trier gibt es schon: Das Programm „Der tut nix!“ wird erneut gespielt – am 1. April 2014.
Martin Rütter „Der tut nix!“ Fotos aus Trier