gamescom Festival 2015 – 2. Tag
Fotos von OK Kid und Kitty, Daisy und Lewis auf dem gamescom Festival
Fotos von OK Kid und Kitty, Daisy und Lewis auf dem gamescom Festival
Moop Mama, Marcus Wiebusch und LaBrassBanda beim Gamescom Festival in Köln
Mit millionenfachen Alben- und Singleverkäufen weltweit, über 63 Millionen Youtube-Klicks, Gold- und Platinauszeichnungen gehören Seether zu einer der erfolgreichsten Bands im Alternativ-Rock-Zirkus. Der Song „Broken“ mit Evanescence-Sängerin Amy Lee aus ihrem Debütalbum „Disclaimer“ machte die Band um Sänger Shaun Morgan vor zwölf Jahren schlagartig bekannt. Seitdem hat das ursprünglich aus Südafrika stammende Trio sechs weitere Alben veröffentlicht.
Vor ihrem Konzert in Köln traf sich Musicheadquarter-Chefredakteur Thomas Kröll mit Shaun Morgan, Bassist Dale Stewart, Schlagzeuger John Humphrey und dem zweiten Livegitarristen Bryan Wickmann zu einem kurzen Plausch im Backstagebereich des Gloria Theaters.
In den letzten Jahren habt ihr regelmäßig Konzerte hier in Köln gespielt. Habt ihr ein besonderes Verhältnis zu unserer Stadt entwickelt?
Dale Stewart: Wir mögen es einfach in Köln zu spielen. Wir sehen hier viele bekannte Gesichter auf unseren Konzerten. Und die Menge wird jedesmal größer. Das ist ein gutes Gefühl. Es ist schön wieder hier zu sein.
Ende Juni habt ihr ein interaktives Video zu eurer aktuellen Single „Nobody Praying For Me“ veröffentlicht. Darin thematisiert ihr sehr deutlich die unterschiedliche Darstellung von Polizeigewalt in den amerikanischen Medien. Habt ihr den Eindruck, dass sich das öffentliche Bewußtsein für dieses Thema in den USA gerade Schritt für Schritt ändert?
Dale Stewart: Schwer zu sagen. Wenn sich etwas geändert hat, dann dass wir heutzutage mehr davon mitkriegen. Denn heute hat jeder eine Kamera in der Tasche und kann alles direkt filmen oder fotografieren. Das macht es allerdings nicht besser. Ich hoffe, das Ergebnis ist, dass die Leute zweimal überlegen, bevor sie eine Waffe ziehen. Egal ob sie einen Polizisten oder jemand anderen vor sich haben. Es muss ein Umdenken stattfinden.
Bryan Wickmann: Deshalb auch die drei verschiedenen Blickwinkel in unserem Video. Dadurch kann man sich in verschiedene Rollen hineindenken und die Szene von allen Seiten für sich beleuchten. Es geht nicht nur um Polizeigewalt. Es geht um Gewalt überhaupt.
Auf eurer aktuellen Tour spielt ihr sowohl Festivalgigs als auch Solokonzerte. Wo liegt für euch der grösste Unterschied zwischen diesen beiden?
John Humphrey: In den Temperaturen (allgemeines Gelächter). Die Hallenkonzerte sind schon extrem heiß. Aber Festivalgigs sind auch sehr cool.
Dale Stewart: Ja, man ist früher fertig und kann noch ein bißchen die Musik und das Festival genießen.
Schaut ihr euch auch andere Bands an, wenn ihr auf einem Festival seid?
Dale Stewart: Ja, zuletzt haben wir uns Soulfly angeguckt und das war echt aufregend. Wir sind auch große Sepultura Fans. Das ist schon toll die Jungs live zu sehen. Es kommt halt immer drauf an. Manche Bands mag man und andere eben nicht. Es ist auch immer wieder schön neue Bands zu entdecken, von denen man vorher noch nie etwas gehört hat.
Wie sieht so ein typischer Tourtag bei euch aus? Liegt ihr den ganzen Tag im Bus rum und guckt DVDs?
Dale Stewart: Ja, genauso ist das. Echt langweilig. Es ist lange nicht so verrückt wie die Leute sich das immer vorstellen. Nach der Show hängt man noch ein bißchen ab und macht Blödsinn. Aber vorher sitzt man viel rum, liest E-Mails oder hält Kontakt mit der Familie zu Hause.
John Humphrey: Es sind acht Stunden Zeitunterschied zwischen hier und zu Hause. Da muss man dann schon den richtigen Zeitpunkt abpassen. Sonst schlafen da alle.
Seht ihr auch etwas von den Städten, in denen ihr spielt? Geht ihr nach dem Konzert nochmal raus und trinkt ein Bier oder sowas?
Bryan Wickmann: Manchmal. Kommt darauf an, wo wir gerade sind. Wenn wir mitten im Nirgendwo spielen, dann ist das eher schwierig. In Köln zum Beispiel ist es einfacher. An den Konzerttagen verbringen wir aber die meiste Zeit in der Halle. An freien Tagen hat man mehr Energie um herumzulaufen und sich die Stadt anzuschauen. Es gibt genauso Tage, an denen man viel schläft, einfach mal faul ist und Fernsehen guckt.
Euer letztes Album „Isolate And Medicate“ ist vor einem Jahr erschienen. Arbeitet ihr schon wieder an neuen Songs?
Dale Stewart: Nicht wirklich. Wir wollen erstmal die Tour abschließen und vielleicht nächstes Jahr an einem neuen Album arbeiten. Es ist hart neue Songs zu schreiben, wenn man so viel auf Tour ist. Wenn du nicht auf der Bühne stehst ist es schwierig dich zu motivieren und die Gitarre in die Hand zu nehmen. Man ist auch mal froh freie Zeit zu haben. Wir müssen jetzt noch ein Album bei unserer aktuellen Plattenfirma abliefern. Danach können wir frei entscheiden was wir gerne tun möchten.
Vor zwei Jahren habe ich euren Unplugged-Auftritt in der wunderschönen Kulturkirche hier in Köln gesehen. Das war wirklich grossartig. Können wir in Zukunft nochmal etwas ähnliches von euch erwarten?
Dale Stewart: Vielleicht. Das hat richtig Spass gemacht. Und es war mal etwas anderes. In diesen ganzen Kirchen zu spielen war unglaublich. Ja, warum nicht?
Wie sieht der Prozess des Songschreibens bei euch aus? Bringt jeder gleichberechtigt seine Ideen ein? Oder ist jemand verantwortlich für die Musik und ein anderer für die Texte?
John Humphrey: Shaun schreibt alle Texte. Manchmal hat er auch schon eine fertige Songidee dazu. Manchmal sind wir aber auch einfach nur im Proberaum oder im Studio und jammen. Daraus entsteht dann ein Song. Das ist nicht festgelegt. Das Hauptkriterium dabei ist immer, dass wir alle den Song mögen müssen.
Letzten Monat hast du, Shaun, mit den Fans auf Facebook gechatted. Wie wichtig sind für euch die sozialen Netzwerke?
Shaun Morgan: Ich persönlich finde das nervig. Ich nutze das nur für die Band, aber nicht für mich. Es interessiert mich nicht, was die Leute da tun und es hat sie auch nicht zu interessieren, was ich privat tue. Es interessiert mich nicht, was wer zum Frühstück gegessen hat. Manche Bands glauben, dass sie gross sind, nur weil sie so und soviele Likes auf Facebook haben. Seit wann ist Facebook der Gradmesser für die Grösse einer Band? Es kommt doch auf den direkten Draht zwischen einer Band und ihren Fans an. Ich spiele da nicht mit. Das brauche ich in meinem Leben echt nicht. Und oft ist es ja so, dass die Leute, die etwas in guter Absicht posten, auch noch einen Shitstorm dafür ernten. Als Band ist es gut, um die Fans mit Informationen zu versorgen. Aber letzten Endes kommt es doch einzig und alleine auf die Musik an. Das wird heute leider oft vergessen. Dieser ganze Scheiß von wegen „Oh, er hat mir zum Geburtstag gratuliert“ kann mir gestohlen bleiben. Das ist so armselig. Komm zu mir und gratuliere mir gefälligst persönlich. Entschuldige, ich rege mich gerade etwas auf.
Kein Problem. Wie sehen die anderen das?
Bryan Wickmann: Als ich angefangen habe in einer Band zu spielen, habe ich mich jedenfalls nicht als Superheld gefühlt. Das waren andere für mich. Mit 14 Jahren habe ich 25 Dollar bezahlt, um irgendwo Mitglied eines Fanclubs zu sein. Alles was man dafür bekommen hat war ein Stück Papier, das der Mitgliedsausweis sein sollte (lacht). Das hat sich verdammt gut angefühlt. Man hat sich irgendwie frei gefühlt.
Shaun Morgan: Ich erinnere mich, dass Pearl Jam lange Zeit gar keine Interviews gegeben haben. Das war etwas Besonderes. Es gab keine Informationen aus erster Hand. Heute kannst du dir im Internet jede beliebige Information innerhalb von kürzester Zeit besorgen. Es hat sich in den letzten zehn Jahren wahnsinnig viel verändert. Und vieles davon ist einfach nur Scheiße.
Heute abend spielt ihr hier im Gloria. Für mich einer der schönsten Clubs in ganz Köln. Was ist für euch der schönste Ort, an dem ihr bisher gespielt habt?
Shaun Morgan: Die ganzen Kirchen. Besonders die Union Chapel in London. Da ist Dale eine Flasche Rotwein runtergefallen. Aber er hatte Glück. Sie war aus Plastik. Ich sehe heute noch diese hüpfende Plastikflasche vor mir. Das nennt man Rock’n’Roll in einer Kirche. Eine tanzende Flasche (alle lachen). Normalerweise sehen wir nicht so viele Kirchen von innen.
Habt ihr schon den Dom besucht? Leider finden dort keine Rockkonzerte statt.
Shaun Morgan: Oh ja, ich war schon einige Male im Dom. Da sollte wirklich mal ein Rockkonzert stattfinden. Vielleicht spielen wir ja irgendwann mal dort.
Wenn ihr das schafft, dann stehe ich in der ersten Reihe. Versprochen! Vorerst danke ich euch für eure Zeit und das sehr nette Interview.
Vielen Dank auch an Alex Bujack von Oktober Promotion für die freundliche Vermittlung des Interviews!
Hier findet ihr unsere Fotos vom Elbriot Festival am 15. August 2015 am Großmarkt in Hamburg.
2014 waren Seether zuletzt in Deutschland unterwegs. Damals stellten sie ihr sechstes und immer noch aktuelles Studioalbum „Isolate And Medicate“ vor (lest hier unser CD-Review). Ich selbst habe sie damals bei Rock am Ring gesehen. Nun muss man wissen, dass Seether-Konzerte höchst unterschiedlich ausfallen können. Am Nürburgring wussten Sänger und Gitarrist Shaun Morgan, Bassist Dale Stewart sowie John Humphrey am Schlagzeug durchaus zu überzeugen. Zwei Jahre zuvor hatten sie einen enttäuschenden Gig im Kölner Bürgerhaus Stollwerck abgeliefert. Ganz anders als 2013. Da gastierte das Trio im Rahmen seiner Unplugged-Tour in der Kulturkirche im schönen Stadtteil Nippes und lieferte eine Show ab, von der viele heute wahrscheinlich noch glücksselig träumen. Nach dem Gesetz der Serie müsste im Gloria Theater also mal wieder ein Reinfall folgen. Ganz so schlimm wird es dann zwar nicht, allerdings nimmt ihr heutiger Besuch auf der „Konzerte-die-ich-nie-vergesse“-Skala leider auch keinen oberen Platz ein.
Die Vorgruppe schenken wir uns zugunsten eines Kaltgetränkes und geniessen stattdessen noch ein wenig den lauwarmen Sommerabend vor dem ehemaligen Kino in der Apostelnstraße. Das Gloria ist unbestritten eine der schönsten, wenn nicht sogar die schönste Konzertlocation in ganz Köln. Überraschenderweise besteht das Publikum auch aus einigen Vertretern älteren Semesters (geschätzte 50 aufwärts), die hier wohl nochmal in ihre Grunge- und Hardrock-Vergangenheit abtauchen wollen. Wir tauchen dann auch irgendwann in die Menge und danken dem Erfinder der Klimaanlage im stillen für seinen Erfindungsreichtum. Das Gefühl hält jedoch nicht lange an. Als Seether nämlich um Punkt 21 Uhr die Bühne betreten, beschliesst die Klimaanlage spontan ihren Dienst einzustellen. Die Folge: Schon beim Opener „Gasoline“ läuft der Schweiß langsam aber stetig vom Kopf über den Rücken in die Schuhe. Selbst die klebrigen Bierreste vom Vorabend lösen sich auf dem Fußboden in ihre Bestandteile auf.
Die Band, verstärkt von Bryan Wickmann an der zweiten Gitarre, spielt sich derweil scheinbar unbeeindruckt durch ihr Set. Und „unbeeindruckt“ ist hier dummerweise mit „lieblos“ gleichzusetzen. Eine Kommunikation mit den Fans findet dabei wie gewohnt nicht statt. Shaun Morgan steht am linken Bühnenrand und versteckt sich beim Singen grösstenteils hinter seinen Haaren. Dale Stewart übernimmt für ihn gekonnt die Rolle der Rampensau, während John Humphrey im Hintergrund die Felle bearbeitet. Zwischendurch darf er bei einem minutenlangen Solo zeigen, was in ihm steckt. Bryan Wickmann bleibt eher unauffällig. Er hat seinen grössten Auftritt, als er Shaun Morgan während „Fake It“ mehrmals einen Getränkebecher an den Mund hält, damit dieser trinken kann. Das wirkt auf den ersten Blick ziemlich skurril, macht auf der anderen Seite angesicht der mittlerweile subtropischen Temperaturen im Gloria aber durchaus Sinn.
Zwischen den Songs lässt die Band, ob nun gewollt oder ungewollt, eine Menge an ziemlich schrägem Gitarrengeschrammel hören. Ganz so, als müssten sie sich erst auf das nächste Stück einigen. Abgesehen davon, dass dadurch nicht wenig Zeit verschenkt wird, kommt es reichlich konzeptlos rüber. Immerhin entsteht daraus ein spontaner Jam des Los Lobos-Klassikers „La Bamba“. Dabei ist die Setlist eigentlich gut gewählt. Neben der aktuellen Single „Nobody Praying For Me“ finden sich darin solche Perlen wie „Driven Under“, „Rise Above This“, „Fine Again“, „Country Song“ oder zum Abschluss „Remedy“. Und mit „Broken“ liefert Shaun Morgan zwischendurch sogar noch ganz alleine an seiner Gitarre den emotionalen Höhepunkt des Abends. Beim letzten Song scheinen die Gefühle dann auch mit ihm durchzugehen. Bewaffnet mit seinem Instrument springt er von der Bühne, sucht den direkten Kontakt zu den Fans in der ersten Reihe und bedankt sich anschließend fast überschwänglich für deren Besuch im nicht ganz ausverkauften Gloria.
Nach etwas weniger als anderthalb Stunden geht das Licht wieder an. Erfreulicherweise beschließt auch die Klimaanlage ihre Arbeitsniederlegung an dieser Stelle zu beenden. Neben mir fragt jemand, der aussieht als habe man ihm einen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet: „Die kommen doch nochmal raus, oder?“. Kommen sie aber trotz zaghafter Zugaberufe nicht. Einige Pfiffe sind zu hören. In Gedanken zähle ich exakt zwölf gespielte Songs. Bei einer Band wie beispielsweise Motorpsycho mag das für ein Drei-Stunden-Konzert reichen. Bei Seether führt es zu einem schalen Beigeschmack. Musikalisch hat die Band zweifellos eine Menge geiles Zeug auf Lager. An ihrer Live-Performance muss sie allerdings auch weiterhin noch arbeiten. Vielleicht klappt es ja dann beim nächsten Besuch in Köln wieder besser.
[itunesButton][/itunesButton]
[amazonButton][/amazonButton]
Die Band mit dem poetischsten Bandnamen des Metalcore hat wieder zugeschlagen. „Venom“ heißt das fünfte Album der 1998 gegründeten Truppe aus Wales und es bricht wie ein Gewitter über den Hörer hinein. Von Carl Bown und Colin Richardson (Slipknot, Machine Head, Trivium) in den Metropolis Studio in London produziert, entpuppt sich „Venom“ als kompromissloser, erbitterter Schritt für Bullet For My Valentine. Ihr heftigstes Album bislang packt den Hörer sofort an der Kehle, wofür die mächtige Performance von Sänger / Gitarrist Matt Tuck, die bissigen Riffs von Gitarrist Michael „Padge“ Paget und das Drumming-Sperrfeuer von Michael „Moose“ Thomas sorgen.
„Dieses Album ist ganz klar das aggressivste, das wir je eingespielt haben“, sagt Frontmann Matt Tuck. „Textlich wird es sicherlich viele aufhorchen lassen. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie stolz ich darauf bin, und ich kann es kaum erwarten, dass die Leute da draußen es auch hören können. Wir haben uns selbst neu erfunden und sind bereit, die Welt im Sturm zu nehmen.“
Der Start ist mit dem Intro „V“ zunächst noch verhalten, doch dann kommt der temporeiche, aggressive Schub. Mit „No Way Out“ brettert man los und zeigt eindrucksvoll, wohin die Reise geht: nämlich zu druckvollen Songs und komplexen Songstrukturen. Die düstere Herangehensweise dominiert das komplette Album.
„You Want A Battle“ startet als hymnischer Schlachtgesang, enthält aber auch ruhige, melodische Pfaden. Doch keine Sorge, der Pfad harter Gitarren wird an keiner Stelle verlassen. Bestimmende Elemente sind zudem jederzeit die harte Schlagzeugarbeit und die heraus gebrüllten Emotionen. Interessant allerdings, dass gerade der Titeltrack „Venom“ im Ansatz einer Rockballade ähnelt und fast schon massentauglich wirkt.
Fans des Metalcore werden vermutlich rundum begeistert sein. Nach dem etwas sperrigen „Temper Temper“ kehren Bullet For My Valentine zu alter Härte und Schnelligkeit zurück. Das neue Werk ist so voller Energie wie ihr aufsehenerregendes Debüt. Alles richtig gemacht!
[itunesButton][/itunesButton]
[amazonButton][/amazonButton]
Achtzehn Jahre ist es jetzt schon her, dass Natalie Imbruglia mit „Torn“ einen Welthit landete. Wie bei den weltweit bekannten australischen Solokünstlern Jason Donovan und Kylie Minogue begann auch Natalies Erfolgsgeschichte in der Fernsehserie „Neighbours“. Den musikalischen Startpunkt setzte besagte Single, die das Debütalbum „Left Of The Middle“ zum Megaseller machte.
Für ihr neues Album „Male“ fand die Sängerin Anregungen bei von ihr besonders geschätzten Songwritern unterschiedlicher Perioden. Es handelt sich um eine fantasievolle Zusammenstellung von Adult-Pop-Titeln, die unter anderem von Cat Stevens („The Wind“), Tom Petty („The Waiting“), Neil Young („Only Love Can Break Your Heart“), Damien Rice („Cannonball“), Pete Townsend („Let My Love Open the Door“) und Iron & Wine („Naked As We Came“) stammen.
Natalie singt mit ausdrucksstarker Stimme und legt ihre ganze Weiblichkeit in Songs, die von Männern geschrieben und interpretiert wurden. Das funktioniert hervorragend! Und ganz bewusst hat sie nicht die Gassenhauer heraus gesucht, sondern feine Perlen, die nicht alltäglich im Radio laufen.
„Ich fühlte mich durch Songs von Männern angesprochen, wollte sie aber aus einer weiblichen Perspektive interpretieren“, erläutert sie ihr Konzept. „Auch sollte die Stimme im Vordergrund stehen, und das Ganze sollte organisch mit richtigen Musikern und geringem Aufwand über die Bühne gehen. Vor allem aber lag mir an einem emotionalen Bezug zu allen anderen Titeln.“
Die Titel sind allesamt akustisch gehalten und leben von einer verspielten Gitarrenbegleitung. Das funktioniert ganz reduziert wie mit „Only Love Can Break Your Heart“ aber auch bei dem vielseitigen „Friday I’m In Love“ von The Cure. Letzteres erhält eine Country-Attiitüde mit zündender Rhythmus-Idee und soll mal mein Anspieltipp für euch sein.
Insgesamt zaubert Natalie eine sehr entspannte Stimmung und zeigt erneut, dass sie zur Speerspitze weiblicher Popmusik gehört – gerade mit den ausgewählten männlichen Titeln. Ihr letztes Studioalbum mit eigenen Titeln hat inzwischen sechs Jahre auf dem Buckel. Schade, dass ihre Schauspieltätigkeit so wenig Zeit fürs Songwriting übrig lässt. Aber so geht’s ja auch. Vielleicht erscheint demnächst ein „Female“-Album?
[itunesButton][/itunesButton]
[amazonButton][/amazonButton]
Von der ehemals so rührigen Band aus Köln haben wir erschreckend lange nichts gehört. Die aktuelle Besetzung besteht nur noch aus Suzie Kerstgens und Sten Servaes. Und leider gibt es auch vier Jahre seit dem Erfolgsalbum „Aus lauter Liebe“ keine neue Musik. Sehr schade, denn mir hat der abwechslungsreiche Elektropop immer sehr zugesagt. Vom ersten hauptsächlich am Rechner entstandenen Album „Unverwundbar“ hat sich die Band musikalisch immer mehr hin zu dicht und abwechslungsreich arrangierten Popsongs entwickelt.
2015 erscheint nun recht unerwartet ein Album im Bossa Nova Stil. Und es sind keine eigenen Titel, sondern eine sehr eigenwillige Mischung aus alten deutschen Schlagern, in die sich aber auch einige starke Chansons beispielsweise von Udo Lindenberg und Reinhard Mey hinein geschummelt haben. Wie um Gottes Willen soll das funktionieren?
Die Antwort: hervorragend! Verbindendes Element sind nämlich die lässig gespielten lateinamerikanischen Rhythmen, die wie ein lauer Sommerhauch durch das Album wehen. Ein Sommerausflug, könnte man sagen, ein Fotoalbum aus zufällig gehörten Titeln, die eine fröhliche Leichtigkeit miteinander vereint.
Man muss sich allerdings auf die 60er und 70er Jahre einlassen – zumindest textlich. Howard Carpendales „Hello again“, das schmissige „Barfuß im Regen“ von Michael Holm, selbst Roy Blacks Muster-Schlager „Du bist nicht allein“ und das geschmachtete „Ohne dich“ der Münchner Freiheit sind mit dabei. Die ursprünglich wenig gehaltvollen Texte gewinnen tatsächlich im Easy-Listening-Format und geben den Songs eine ganz neue Dimension. Roland Kaisers frivoles „Manchmal möchte ich schon mit dir“ schleicht plötzlich sommerlich frisch durch die Gehörgänge.
Als Klee während der Studioarbeit an ihrem kommenden offiziellen Album saßen (dessen Veröffentlichung für 2016 geplant ist), hat die Band für eine Fanta-Werbekampagne eine Coverversion von „Hello Again“ eingespielt. Neben der im Spot verwendeten Version entstand – mehr aus Spielerei – eine Bossa-Nova-Variante, die alle Musiker um Suzie und Sten nicht mehr losgelassen hat. „Wir hatten bei der Aufnahme einen unglaublichen Spaß, uns auszuprobieren, und entwickelten zufällig ein gemeinsames Brennen für diesen Sound. Dann haben wir das noch mit anderen Stücken ausprobiert“, erinnert sich Suzie.
Das blieb auch für die Plattenfirma kein Geheimnis, und schnell entstand die Idee, daraus auf dem Weg zum offiziellen Album ein weiteres Sommeralbum zu planen. „Das lief dann plötzlich wie ein Zahnrad und entwickelte eine verrückte Eigendynamik im Studio,“ berichten Klee. „Eine schöne Herausforderung war es, die ausgewählten Songs zu unseren eigenen zu machen. Vor allem bei den muttersprachlich nicht deutschen Interpreten wie Gilbert Becaud oder Adamo musste ich darauf achten, deren Akzent nicht mitzusingen,“ erzählt Suzie begeistert und ergänzt: „Die Originale sind ja bereits sehr starke Interpretationen. Das alles in einen KLEE-Kosmos zu bringen, obwohl wir musikalisch dabei ganz anders klingen wollten, war spannende Arbeit, mit der wir am Ende aber auch sehr glücklich sind.“
Das sommerliche Mix-Tape macht auf jeden Fall die Zeit des Wartens bis zum nächsten Studiowerk etwas kürzer. Ein spannendes Stück Musik für die Sommerabende, die da noch kommen sollen.
[itunesButton][/itunesButton]
[amazonButton][/amazonButton]
Im vergangenen Jahr feierten Madsen ihr zehnjähriges Jubiläum. Drei der fünf Gründungsmitglieder sind Brüder: Johannes, Sebastian und Sascha. So wurde der Familienname auch gleichzeitig zum Namen der Band. Niko Maurer komplettiert die Madsen-Bande zum Quartett. Seit der Veröffentlichung ihres gleichnamigen Debütalbums stehen Madsen für Punk und Rock, für Laut und Leise, für Drängend und Sehnsuchtsvoll. Das ist auf ihrem neuen und mittlerweile sechsten Studioalbum „Kompass“ nicht viel anders.
Mit „Sirenen“ gelingt ihnen gleich ein vollfetter Einstieg, der mehr als nur ein bißchen Lust auf den Rest macht. Ein Stück, das sich gut auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte beziehen lässt. „Leichter“ ist eine Art Beziehungsratgeber zum Mitgröhlen und das von einem schönen Refrain getragene „Kompass“ eine Liebeserklärung an all jene, die unserem Leben eine Richtung geben. Dazwischen liegt mit „Küss mich“ ein wenig Polka. In „Ich bin korrupt“ tanzen sie mit ausgebreiteten Armen über eine bunte Blumenwiese. Bis hierhin hat der Opener nicht zu viel versprochen. Leider halten Madsen dieses Niveau aber nicht über die volle Länge der insgesamt zwölf Songs durch.
„Ich trink nur eben aus“ ist eine punkige Spassnummer, die allerdings durch das folgende und in eine ähnliche Richtung lärmende „Fluten“ zunehmend eintönig wirkt. Auch „Graue Welt“ hat man mit seinen 08/15-Riffs irgendwie schon tausendmal (und noch dazu besser) gehört. Zwischendurch holen Madsen mit „Unerreichbar“ einmal tief Luft, aber selbst dieser musikgewordenen Flucht aus der digitalen Welt fehlt die nötige Tiefe. Damit steht es nach guten und schlechte(re)n Songs kurz vor Schluss Unentschieden. Aber in der Verlängerung darf ja noch dreimal ausgewechselt werden.
Mit „Nochmal“ nehmen Madsen das Tor wieder in den Blick. Ein netter Gute-Laune-Pop-Song. Das hymnische „Über die Berge“ lässt sie dann richtig Fahrt aufnehmen, bevor sie mit „Leuchttürme“ als vollfettem Abschluss den letzten und entscheidenden Elfmeter verwandeln. Das Ding sitzt auch deswegen, weil es neben der rockigen auch die zerbrechliche Seite von Madsen zeigt und damit die zwei Gesichter der Band perfekt wiederspiegelt. Abpfiff und Sieg!
Sicherlich darf man nach zehn Jahren im Geschäft von Madsen nicht mehr die Quadratur des Kreises erwarten. Dennoch tragen sie die Fahne der Spielfreude weiterhin fröhlich flatternd vor sich her. Sie lassen sich weder auf ein Genre, noch auf einen Themenkreis beschränken. Auf „Kompass“ schaffen sie so erneut den Spagat zwischen Intimität und großer Geste.
Seht hier unsere Queensrÿche Fotos vom Festival 2015 in Beaufort (Luxembourg)
Hier findet ihr unsere Fotos vom ersten Tag des gamescom Festival 2015 am 7. August 2015 auf den Ringen in Köln.
Was tut man im Sommerloch, wenn sich die Trägheit in Deutschland ausbreitet? Ausgebüxte Hunde suchen, in Talkshows Flüchtlingskinder streicheln oder mal eine wirklich ordentliche CD kaufen. In der momentanen Hitzeperiode gab es nur eine Band, der es gelang, die Dominanz deutschsprachiger Musik in den Charts zu brechen. Und verdammte Axt – das mit drei Alben, die ursprünglich in den Jahren 1976 bis 1982 erschienen sind.
Jawoll, so ist es. Die Veröffentlichungsserie aller Led Zeppelin-Alben als Remaster mit Companion-Bonus-Disc endet mit einem Paukenschlag, denn größer könnte der Triumph für die letzte Runde der Re-Issues gar nicht sein: Nachdem „Led Zeppelin IV“ und „Physical Graffiti“ in die Top-5 einstiegen und „Led Zeppelin I-III“ sowie „Houses Of The Holy“ in den Top-20 landeten, haben sich nun die frisch veröffentlichten Deluxe-Editionen „Presence“, „In Through The Out Door“ und „Coda“ gemeinschaftlich in die Top 10 der deutschen Albumcharts katapultiert. Sie belegen die Platzierungen Nummer 9 („In Through The Out Door“), Nummer 6 („Presence“) und Nummer 5 („Coda“, mit dem vorher nie veröffentlichten Track „Sugar Mama“ auf einer der beiden dazugehörigen Companion Discs).
In „Presence“ geht es um Verluste und Rückschläge. Grund dafür ist sicher Robert Plants Autounfall, den er kurz vor den Aufnahmesessions hatte. Es ist Led Zeppelins härtestes Album mit deutlichen Ausschlägen in Richtung Heavy Metal. Auf der Bonus-CD gibt es einige alternative Mixe. Nichts Weltbewegendes. Neu ist allerdings das Instrumental „10 Ribs & All / Carrot Pod Pod“. „Presence“ ist als letztes großes Werk von Led Zeppelin in die Geschichte eingegangen.
Es folgte 1979 „In Through The Out Door“, das schon im Titel die Schwierigkeit behandelt, sich gegen den aufkommenden Punk durchzusetzen. Da Jimmy Page und Robert Plant persönliche Probleme hatten, wurde das Album vor allem von John Paul Jones dominiert, was einen ausufernden Keyboard-Sound zur Folge hatte. Die Companion Disc bietet alle Songs im Rough Mix, der allerdings keine spektakulären neuen Facetten hinzufügt, sondern alles in allem recht dumpf klingt.
Nach einer chaotischen Europatournee und dem Tod John Bonhams lösten sich Led Zeppelin 1980 offiziell auf. Das neunte Album „Coda“ ist eben dies: eine Art „Anhang“, der aufgrund vertraglicher Verpflichtungen auf den Markt gebracht wurde. Es enthielt nicht veröffentlichte Studio-Einspielungen und Live-Aufnahmen aus der gesamten Schaffenszeit der Band. Da bleibt auch noch genügend Raum für weitere unveröffentlichte Tracks, die hier auf gleich zwei Companion Discs verteilt wurden.
Die Reihe der neun Led Zeppelin-Wiederveröffentlichungen in Deluxe-Ausgaben ist eine der erfolgreichsten Re-Issues der Musikgeschichte. Alle remasterten Alben stiegen in mehreren Ländern hochplatziert in die Charts ein, und schon vor einigen Monaten wurde der Reihe der „Reissue Of The Year“-Award durch Ultimate Classic Rock verliehen. Sämtliche Alben wurden von Gitarrist Jimmy Page neu gemastert, produziert und um bisher unveröffentlichtes Material ergänzt. Die komplette Reihe macht sich hervorragend im Regal geneigter Musikliebhaber.
[itunesButton][/itunesButton]
[amazonButton][/amazonButton]
Seht hier unsere Fotos der Guano Apes beim Saar-Spektakel am 7.8.2015 in Saarbrücken
Dero, Flux und Crap beschlossen 1989 auf einem Indie-Festival in Wolfsburg, ihre Band Oomph! zu gründen. Die Band aus Braunschweig existiert also schon seit 25 Jahren, was den Albumtitel erklärt. Anfangs noch sehr elektrolastig sind die härteren Elemente in den letzten Jahren beherrschend geworden. Motto: Warum nicht völlig verschiedene Einflüsse fusionieren? Dieser Idee folgen Oomph! bis heute. Vor allem mit ihrer Single „Augen auf!“ im Jahr 2004 erlangten sie einen deutschlandweiten Bekanntheitsgrad. Platz 1 in den Singlecharts – der bislang größte Erfolg.
Wem die Neue Deutsche Härte zusagte, der kannte die Band aber schon in den frühen 90ern. Oomph! sind Pioniere, Visionäre, Künstler. Seit einem Vierteljahrhundert gehen sie ihren eigenen musikalischen Weg. Dabei war ihnen kein Eisen zu heiß, um es nicht mit ihrer ganz eigenen Form von harter Rockmusik zu verschmelzen. Dieser Mut wurde sowohl mit ihrer eigenen Nische zwischen Metal, Industrial, EBM und Gothic belohnt als auch mit Gold- und Platin-Auszeichnungen.
Das neue Werk bietet orchestrale Klänge zwischen Behäbigkeit und Energie. Die erste Singleauskopplung heißt „Alles aus Liebe“ und wird eröffnet von hämmernden Lauten und einer bedrohlich düsteren Melodie. Mit heftigen Drumschlägen erfolgt der Auftakt zur mächtigen Soundkulisse verzerrter Gitarren und messerscharfer Synthesizer. Frontmann Deros kraftvolle Stimme geht unter die Haut mit einem Text, der Leid und Qualen beschreibt. Die Verse sind hart und überrumpelnd, der Refrain dann hingebungsvoll und sanft. Schön und schmerzhaft wie die Liebe selbst.
Eine Stärke sind in jedem Fall die erzählenden Lyrics, die sich nie hinter Allgemeinplätzen verstecken. Da kann es auch mal etwas Santiano-like werden wie bei der Hymne „Jetzt oder nie“. Viel wichtiger sind aber die anklagenden, gerne auch zweideutigen Texte wie in „Fleisch und Fell“ oder dem grenzwertig brutalen „Spieler“. Für solche Texte müssen Oomph! viel Kritik einstecken – und dem setzen sie selbstbewusst den Track „Zielscheibe“ entgegen.
Die Mischung aus Industrial-Klängen und einer Art Pop-Metal funktioniert durchgängig. Bis hin zur düsteren, morbiden Ballade „Leis ganz leis“ zum Abschluss. Es ist mal wieder ein vielseitiges Album geworden. Nach der Verkündigung des Albumtitels „XXV“ dachten viele an eine Best-Of-Compilation zum Jubiläum. Es ist der Band hoch anzurechnen, dass sie nicht auf diesen billigen Zug aufsprang, sondern ein starkes neues Album vorlegt.
[itunesButton][/itunesButton]
[amazonButton][/amazonButton]
Nach vier Jahren als Sänger, Gitarrist und Songwriter verließ Kai Hansen 1988 die Power-Metaller von Helloween. Man schiebt es auf Probleme mit dem Management – auf jeden Fall ein herber Verlust für die Band aus Hamburg, dass das Gründungsmitglied von Bord ging. Fast im gleichen Atemzug gründete er die Band Gamma Ray, die bis heute Bestand hat und sich größter Beliebtheit erfreut. Klar werden sie oft mit Helloween verglichen – und haben für mich im direkten Wettstreit auch häufig das Rennen gemacht.
25 Jahre ist das offizielle Debüt nun her und man hat sich der monumentalen Aufgabe gestellt, den gesamten Gamma Ray-Katalog als Deluxe-Doppel-CDs neu auf den Markt zu bringen. Die Original-Alben werden von der Band völlig neu präsentiert: CD1 enthält jeweils neu gemasterte Versionen sowie alle B-Sides, während CD2 jeweils rarem Bonusmaterial gewidmet ist. So enthalten die Bonus CDs alte und neue Live-Aufnahmen, brandneue Studio Recordings, exklusive Demo-Versionen und alternative Versionen.
Kai Hansen sagt dazu: „Vor zwei Jahren ist unser Studio in Hamburg abgebrannt und damit auch Unmengen von Erinnerungen und Original Tapes. Aber wir alle haben unsere Privatarchive durchsucht und einige musikalische Raritäten und Highlights für die Fans finden können. Wir sind stolz darauf, unsere Babies nochmal in einem neuen Style mit einem brandneuen Coverartwork von Hervé Monjeaud und neuem Sound, einem fantastischen Remastering von Eike Freese und Alex Dietz, zu veröffentlichen.“
Spannend am Debüt ist allemal, dass zunächst Ralf Scheepers an den Vocals tätig war und Hansen sich auf seine Rolle als Gitarrist und Songwriter beschränkte. Eigentlich eine gute Arbeitsteilung – doch man weiß ja seit 1994, dass Kai auch hier als Frontmann eine gute Figur macht. In den Demo-Versionen kann man die Klassiker „Heaven Can Wait“, „Money“ und „The Silence“ mit seiner Stimme und zum Teil mit anderen Textpassagen hören. Damit soll Ralfs Leistung gar nicht geschmälert werden, doch die alternative Version hat durchaus ihren Reiz.
Einen großen Sprung nach vorne macht das Artwork, das dem Original-Cover angelehnt ist, aber ihm ein fantastisches Fantasy-Flair verleiht. Auch hier: alles richtig gemacht. Der Klassiker erfährt durch Bonus-Tracks und die zweite CD eine deutliche Aufwertung. Man kann in Erinnerungen schwelgen und das Werk neu erleben. So darf es gerne weiter gehen.
[itunesButton][/itunesButton]
[amazonButton][/amazonButton]
Seht hier unsere Dream Theater Fotos vom Festival 2015 in Beaufort (Luxembourg)
Ein lauer Hochsommerabend in der ältesten Stadt Deutschlands – der richtige Zeitpunkt für eine Art „Wohnzimmerkonzert“ im ExHaus Trier? Auf jeden Fall! Denn geladen hatten zwei Bands, die es in sich haben. Frau Wolf als Newcomer aus dem Saarland und die britischen Indie-Folkrocker von Young Rebel Set. Zu Beginn tröpfelte die Zuschauerschar etwas spärlich über den lauschigen Innenhof hoch zum Saal, doch am Ende waren es Richtung 100 Musikbegeisterte, die einen spannenden musikalischen Abend geliefert bekamen.
Die 24jährige Songwriterin Frau Wolf heißt eigentlich Christina und stammt aus Saarlouis. Recht unscheinbar und zierlich stand sie auf der Bühne, bis sie dann mit starker Stimme los legte. Begleitet von zwei Gitarreros gab es Deutschpop allererster Güte mit energischen Texten. Markenzeichen von Frau Wolf ist es, dass sie sich selbst stets mit akustischer Gitarre begleitet, auch wenn ihre männlichen Mitstreiter elektronisch los brettern. Spannend fand ich zudem die zeitweise Cajon-Begleitung, die den Songs einen besonderen Drive verlieh. Knapp 30 Konzertminuten hinterließen jedenfalls einen durchaus positiven Eindruck. Nette T-Shirts mit Wolf-Logo gab es schon am Merchandise. Ich bin gespannt, was der erste Tonträger zu bieten haben wird. Daumen hoch dafür!
Während die Zuschauer beim Support noch gebührenden Abstand von der Bühne hielten, ging es für das junge Quintett aus Stockton-on-Tees dann doch weit nach vorne. Wann kann man eine aufstrebende Indieband sonst noch aus nächster Nähe erleben? Die Bühne im ExHaus lässt keine Weitläufigkeiten zu. Vielmehr musste man immer Angst haben, dass sich Sänger Matty Chipchase den Kopf am mit Neontape umwickelten Balken anschlug, wenn er einen unbedachten Schritt nach hinten machte.
Zum Glück ist nichts passiert und Matty ließ von Beginn an das Publikum staunen. Mit seiner Stimme, die in einem Moment rauchig und verlebt klang, im nächsten Song aber eine Tenorlage erreichte, die den Britpop-Glanzzeiten Konkurrenz machen konnte. Vor allem die Drums verliehen den Stücken einen ordentlichen Härtegrad, der sie weit über das melancholische Folkrock-Einerlei hinaus hob, das man sonst so zu hören bekommt. Wo sind solche Bands eigentlich, wenn man sie wirklich braucht? Die Kings of Leon haben ihr Songwriter-Gen irgendwo unterwegs verloren und Mumford & Sons verirren sich im stilistischen Allerlei. Da lobt man doch die Spielfreude und Eingängigkeit einer Band wie Young Rebel Set.
Fröhlich und tanzbar? Auf jeden Fall. Exotisch? Auch das, wenn der Groove in Richtung von Countryfolk und hemdsärmeligem Optimismus führt. Ruhige Momente kamen, als Chipchase allein an der Gitarre den einsamen Songwriter gab und die Frauenherzen betörte. Herrlich fand ich seine Ansagen in genuscheltem britischen Slang, die auch unter größten Mühen nur schwer zu entschlüsseln waren.
Zum Ende hin gab man auf der Bühne als Quintett wieder alles. Da war ja noch der Hit „If I Was“ zu spielen und tatsächlich konnten einige Fans hier lauthals mitsingen. Auf jeden Fall war es ein gelungener Abend und die sommerlich-rockigen Klänge sollten noch einige Zeit die Gehörgänge schmeicheln.
[itunesButton][/itunesButton]
[amazonButton][/amazonButton]
Joss Stone gelang 2003 mit der Veröffentlichung ihres Debüts „The Soul Sessions“ praktisch über Nacht der weltweite Durchbruch. Seitdem ist viel passiert – sie hat ein eigenes Label (Stone’d Records) gegründet und veröffentlicht in gleichmäßigen Abständen Alben mit Coverversionen und selbst geschriebenen Stücken. Die musikalische Entwicklung ging dabei zunächst ein Stück weg vom Soul und mehr in Richtung Rock und Blues. Aktuell sind wieder die Eigengewächse dran: „Water For Your Soul“ heißt das neue Werk.
Joss Stones Gesang ist gewohnt kraftvoll und sie legt in jeden Song ihre ganze Energie. Und es lässt aufhorchen, dass da auch ein gewisser Damian Marley als Songwriter mit im Boot ist. Der Sohn des berühmten Reggae-Meisters bürgt selbst für eine groovende Atmosphäre und es verwundert nicht, dass das neue Album um Weltmusik und HipHop rotiert und viele neue Impulse bietet. Die künstlerische Freiheit dazu hat Joss Stone mit ihrem eigenen Label allemal und sie geht im Opener „Love Me“ ganz selbstbewusst in die Reggae-Rhythmen. Die Basslinie von „This Ain’t Love“ verursacht ein tiefes inneres Schaudern.
Doch keine Sorge – auch wenn uns das Sommeralbum gedanklich in heiße Gefilde zieht, bleibt es trotz des Genrewechsels doch durch und durch ein Werk von Joss Stone voller Soul und gefühlvoller Melodien, gemischt mit den neuen Rhythmen. Das zentrale Thema lautet „Reisen“ und die 28jährige zog wie ein Hippie monatelang im VW-Bus durch Europa, um sich inspirieren zu lassen.
Eine so ausdrucksstarke Stimme braucht eigentlich nicht viel Begleitung, und so ist es gerade das am sparsamsten und nur mit akustischer Gitarre arrangierte Stück „Stuck On You“ das am meisten unter die Haut geht. Aber auch das melodische „Sensimilla“ oder der HipHop-Sound von „Wake Up“ überzeugen. Das weltmusikalische Experiment ist Joss Stone in weiten Teilen geglückt. Ich denke, man muss in der richtigen Stimmung sein, um ein Reggae-Album aus ihrem Mund zu genießen. Füße in den Pool, ein kühles Getränk per Strohhalm in den Mund und los geht’s.
[itunesButton][/itunesButton]
[amazonButton][/amazonButton]
Mai Cocopelli begeistert als Österreichs erfolgreichste Kinderliedermacherin nicht nur mit Weltraumsongs oder Natur- und Tierliedern. Auch die Mantren und Botschaften des Yoga liegen ihr am Herzen, und mit „Mai Cocopelli und der Kleine Yogi“ brachte sie diese vor fünf Jahren erstmals ihren kleinen Zuhörern nahe. Der langerwartete Nachfolger „Sing, kleiner Yogi“ richtet sich nun an die ganze Familie.
Das Album ist wie eine kleine Reise aufgebaut. Mit „Sat Nam“, ihrer ganz eigenen fröhlichen Interpretation des bekannten Mantras, begrüßt uns Mai Cocopelli gemeinsam mit dem kleinen Yogi( wieder verkörpert von ihrer Tocher Ciara) in ihrer Yogawelt. Es folgen kleine Dialoge und Anleitungen zu verschiedenen Yogaübungen, weitere traditionelle Mantren wie „Ra Ma Da Sa“, „Gopala“ oder „Ong Namo“ und zahlreiche eigene Lieder, die Spaß und Freude am Yoga und zentrale Botschaften wie Verbundenheit mit der Natur und mit andern Menschen vermitteln. Außerdem ist eine wunderbare „Meditation“ von Lena Wiesbauer dabei, die sich perfekt als Fantasiereise mit Kindern eignet.
Bei Mai Cocopelli hat Yoga wirklich gar nichts mit abgehobener Esoterik zu tun. Lieder wie „Tieryoga“ oder „Hallo Frau Mond“ knüpfen an kindliche Fantasiewelten an, die Melodien und Arrangements sind eingängig und modern. Und auch die Mantren, die naturgemäß viele Wiederholungen beinhalten, werden nie langweilig, sondern haben einfach eine wohltuend beruhigende Wirkung. Gerade für Kinder ist es dabei schön, dass nicht nur die traditionellen Texte, sondern auch die sinngemäße deutsche Übersetzung gesungen wird.
Das Booklet enthält alle Liedtexte und auch einige praktische Anleitungen, so dass man in der Familie diese Yogareise wunderbar mitmachen kann. Nach viel Input für Geist und Seele gibt es zum Abschluss sogar noch was für den Körper – wenn auch nur in Form eines Rezeptes: „Bei der Smoothie-Leckerei“ ist Mai Cocopellis Variation zu Rolf Zuckowskis Hit „In der Weihnachtsbäckerei“, die genauso viel Spaß wie das Original macht.
[itunesButton][/itunesButton]
[amazonButton][/amazonButton]
Die Geschichte von Roger Waters und Pink Floyd ist in weiten Teilen ein Spiel der Befindlichkeiten und großen Egos. Als Waters sich 1985 aus der Band verabschiedete, war er der Meinung, diese sei ohne sein Mitwirken am Ende. Da hatte er die Rechnung aber ohne David Gilmour und Nick Mason gemacht, die nicht nur den Namen Pink Floyd weiter für sich beanspruchten, sondern diesen auch noch in eine neue Gigantomanie führten. Juristische Auseinandersetzungen beendeten alle Chancen auf eine weitere Zusammenarbeit und kommerziell gesehen war Waters der Verlierer. Das Blatt wendete sich kurzzeitig beim Fall der Berliner Mauer, da Waters sich die Rechte an der Aufführung von „The Wall“ gesichert hatte und ein Spektakel sondergleichen veranstaltete.
Mit diesem Oberwasser erschien 1992 das Album „Amused To Death“. Bei weitem nicht so erfolgreich wie die Pink Floyd-Releases, aber musikalisch ein wahrer Schatz für Fans. Vom Stil her erinnert das Album sehr an die alten Floyd-Werke und vor allem „The Wall“. Gesang mit verteilten Rollen und in mehrstimmigen Passagen, Soundschnippsel und eine beeindruckende Gitarrenarbeit. Dem Produzentenduo Roger Waters und Patrick Leonard gelang es, für „Amused To Death“ wahre Ausnahmekünstler zu engagieren. So drückt Gitarrenlegende Jeff Beck acht Songs seinen Stempel auf und auch die Gäste am Gesangsmikro sind Superstars: Don Henley (Eagles) ist auf „It’s a Miracle“, Rita Coolidge auf „Amused To Death“ und Soulsängerin P.P. Arnold auf „Perfect Sense Part I“ und „Perfect Sense Part II“ zu hören.
Weitere musikalische Gäste sind Andy Fairweather Low, Drummer Graham Broad, Percussionist Luis Conte und Pat Leonard, der bei mehreren Songs Keyboard spielte. Die Albumproduktion brachte Roger Waters wieder mit dem Komponisten und Arrangeur Michael Kamen zusammen, der bei „The Wall“ für die Orchester-Arrangements zuständig gewesen war. Kamen arrangierte und leitete die Passagen, die vom National Philharmonic Orchestra für die Songs „Too Much Rope“ und „What God Wants, Part II“ eingespielt wurden.
Das Konzeptalbum basiert auf Neil Postmans medienwissenschaftlichem Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ aus dem Jahr 1985. Waters spricht Themen an, die in den folgenden Jahren stetig an Brisanz gewannen. Heute ist das Thema der Medienabhängigkeit dringlicher denn je, und so gewinnt „Amused To Death“ 23 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung ungeahnte Aktualität. „Die Kritik, die ich vor 20 Jahren mit meinem Album äußerte, hat heute leider immer noch Gültigkeit. Wahrscheinlich ist es 2015 sogar noch wichtiger, sich die Probleme zu vergegenwärtigen als damals im Jahr 1992“, sagt Roger Waters über die Thematik des Albums. Ein guter Zeitpunkt also, um eine remasterte Edition zu veröffentlichen.
Die mir vorliegende Version ist eine BluRay Audio im 5.1 Surround Mix plus neuem Stereomix auf CD. Das neue Artwork zeigt ein kleines Kind vor riesigem Bildschirm und nähert sich damit der Thematik auf eine Art, die 1992 vermutlich noch gar nicht absehbar war. Das Booklet enthält alle Texte. Mein einziger Kritikpunkt ist das Format, das sich in BluRay-Dimensionen bewegt und damit dem Werk den Einzug ins CD-Regal verwehrt. Musikalisch ist dies Roger Waters‘ bestes Solo-Werk und bietet über 72 feinste sphärische Minuten mit inhaltlichem Tiefgang.
[itunesButton][/itunesButton]
[amazonButton][/amazonButton]