Blink-182 – Fotos aus Oberhausen 2017
Hier findet ihr unsere Fotos vom Blink-182 Konzert am 13. Juni 2017 in der König-Pilsener Arena in Oberhausen.
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Hier findet ihr unsere Fotos vom A Day to Remember Konzert am 13. Juni 2017 in der König-Pilsener Arena in Oberhausen.
Hier findet ihr unsere Fotos vom Kiefer Sutherland Konzert am 12. Juni 2017 im Gloria Theater in Köln.
Nach dem Durchhänger im Jahr 2016 bin ich inzwischen wieder mit „Sing meinen Song“ versöhnt. Die neue (vierte) Staffel bietet alles, was mich in der Vergangenheit an diesem Sendeformat begeistert hat. Alec Völkel und Sascha Vollmer von The BossHoss haben Xavier Naidoo als Gastgeber abgelöst. Auch sie erledigen diesen Job relativ unaufgeregt, lassen die Emotionen spielen, verzichten aber auf allzu rührselige Kommentare. Das passt.
Die Gäste sind mal wieder vom Feinsten. Multitalent Mark Forster, Stefanie Kloß von Silbermond, uns aller Lena, Gentleman, Moses P und Michael Patrick Kelly. Eine sehr vielseitige Zusammenstellung. Das Anhören der CD macht großen Spaß und entfaltet seine volle Wirkung, wenn man auch noch die Bilder der entsprechenden Sendungen (Folge 4 läuft just heute) im Hinterkopf hat. Die Ausbeute ist so groß, dass es erstmals eine Doppel-CD mit allen (43) Songs der Staffel zu kaufen gibt. Ein Indiz dafür, dass kaum Lückenfüller am Start sind.
Was mich von der ersten Sendung an – mit Songs von Mark Forster – begeistert hat, ist die enorme Bandbreite der vertretenen Künstler. Und keiner beschränkt sich auf eine Egomanie, sondern jeder versucht, die Songs in sich aufzunehmen und emotional neu zu interpretieren. Von Mark und Stefanie erwartet man ohnehin nichts anderes. Doch Michael Patrick Kelly lässt die Zuschauer staunen, wenn er aus den einfachsten Titeln echte Stadionhymnen macht. „Krieger des Lichts“ und „Führ mich ans Licht“ klingen aus seinem Mund einfach gigantisch.
Auch Lena versucht sich (gezwungenermaßen) an deutschsprachigen Titeln und schlägt damit voll durch. Sie sollte das öfter probieren – und sie wäre ja nicht die erste, die per SMS an das deutschsprachige Liedgut heran geführt wurde. Gentleman liefert weiterhin seinen typischen Reggae-Sound, doch er gibt sich alle Mühe, den Originalen gerecht zu werden und erweitert sie gerne mal um eigens hinzu komponierte Rap-Passagen. The BossHoss verändern sich stilistisch kaum in ihrer Country-Attitüde, wissen aber zumindest mit einigen ruhigen Stücken zu gefallen.
Größte Überraschung für mich ist aber Moses Pelham. Den hielt ich seit seinen Streitereien mit Xavier und den Söhnen ohnehin für einen ungehobelten Flegel. Hier geht es aber nicht ums Geschäft, sondern um gute Musik – und da ist er ein echtes As im Ärmel und per Dauergrinsen absolut sympathisch. Moses kann verändern und neu produzieren. Dieses Talent spielt er voll aus. Als Verstärkung hat er oft Cassandra Steen mit dabei, die Hammerstimme von Glashaus, zaubert ein Feature mit Stefanie Kloß aus dem Hut oder rappt sich kurzerhand selbst durch einen Song. Die Ergebnisse sind durchgehend geil: Silbermonds „Symphonie“ gewinnt an neuen Facetten und „Home“ von Lena wird als „Meine Heimat“ ein komplett eigenständiger Song mit Tiefgang.
Die SMS-Sendungen sind oft tränentriefend. Das mag den ein oder anderen nerven, ist aber berechtigt und geht weiter über einen Soap-Charakter hinaus. Zumindest im CD-Format bekommt man die puren Songs ohne visuelle Rührseligkeiten. Und das ist von vorn bis hinten stimmig. Sehr empfehlenswert!
Traditionell beginnt der erste „richtige“ Festivaltag, fernab der Preparties, mit dem Vikorianischem Picknick im Clara-Zetkin Park. Hier konnten bei noch gutem Wetter wunderbare Kostüme aus allen stilistischen Epochen bestaunt werden. Gemütlich mit Picknickkorb und Decke oder auch stilvoll am geschmiedeten Tisch mit Perücken und Fächern waren die Anwesenden zumeist begehrte Fotoobjekte. Spannend war die Präsenz eines 1923er Ford T-Modells, der liebevoll von Besitzer Frank mit Originalteilen im Steampunkstil aufgebaut wurde.
Musikalisch startete der Tag entspannt in der Sixtina beim Auftritt von Düsterpiano.
Schon im vergangenen Jahr erfreute er sich einer großen Publikumsschar – der kleine Laden und Hinterhof der Sixtina war rappelvoll um den lyrischen und melodischen Ergüssen von „Olli“ zu lauschen. Der ein oder andere Absinth und je menge Grillfleisch gingen hier in gemütlicher Atmosphäre über den Tresen.
Etwas lauter und mit wesentlich mehr Show und Licht ging es hingegen in der großen Agra Halle zu. Umbra et Imago eröffneten an diesem Tag die Bühne um 19 Uhr. Das Publikum war guter Laune und sang lauthals mit. Mozart im klassischen Rüschenhemd kontrastierte zu seiner Partnerin im offenherzigen Lackoutfit.
Nach einem kurzen Blick in die Shopping-Halle ging es direkt in der Agra weiter mit den Briten von Devilment. Sänger Dani Filth ist wohl eher unter seiner Band Cradle of Filth bekannt – aber auch hier hat scih der Geheimtipp wohl gut rumgesprochen und die Halle gut gefüllt. Natürlich auch um für das Highlight des Abends keinen Einlass-Stop zu riskieren. Denn Amanda Palmer gab hier das erste Mitternachtsspecial des Festivals zum Besten. Nur sehr selten auf deutschen Bühnen zu Gast konnte das Duo um Amanda (Dresden Dolls aus USA) und Edward Ka-Spel (Legendary Pink Dots aus Niederlanden) auch zu später Stunde wahre Begeisterungsstürme auslösen.
Wenngleich es am Vortag spät wurde lohnte es sich, den Samstag „früh“ auf den Beinen zu sein. Etwas Außerhalb im Non Tox waren Florian Grey und Head-less eine der ersten Aktiven an diesem Festivaltag.
Florian überzeugte mit einer super Bühnenpräsenz – die ca. 60-80 Anwesenden machten soviel Stimmung, dass man hier definitiv in Wallung kommen konnte. Nicht zu Letzt durch den Gastauftritt von Sänger Matteo (HELL BOULEVRD) wurde fleißig getanzt und mitgeklatscht.
Head-less schlugen hier eher elektronische Töne an – Rene Hentzschel gab tänzerisch alles um dem Publikum auch optisch was zu bieten.
Ortswechsel. Im Alten Stadtbad gaben sich KLIMT 1918 die Ehre. Es ist bereits knapp 10 Jahre her, das sich diese Band live auf dem MERA LUNA gesehen ahbe – ein Pflichttermin also! Und sie haben nicht enttäuscht. Das Stadtbad war gut gefüllt, die Hitze stieg auf und die New Wave Rocker um Marco Soellner aus Italien begeisterten mit ihren Indie-Klängen.
Später wurde im Felsenkeller eher Richtung Dark Rock unterhalten. Die Stuttgarter The Pussybats gaben sich redlich Mühe die noch nicht einmal halb gefüllte Halle zu unterhalten. Leider war der Sound nicht so gut und auch der Versuch der Kostümierung mit Gruselclownmaske eher kontraproduktiv.
Ganz anders hingegen bei den Metal Helden von Rotting Christ und Headliner des Abends Amorphis im Kohlrabizirkus. Wahnsinnig laut war hier vor allem das Publikum! Beide Bands wurden ohne Ausnahme vom ersten bis zum letzten Ton gefeiert. Sicherlich waren einige am Folgetag heiser vom Mitgröhlen. Egal ob Athen oder Finnlad – die beiden wissen genau wie man das Metalherz hochschlagen lässt. Einziges Manko war der fehlende obligatorische Mikrofonständer von Sänger Tomi Joutsen und, das dieser nun schlichtes langes Haar an Stelle der Dread trug.
Langsam etwas fußlahm fand der dritte Festivaltag eher in der Agra-Halle statt. Hier gaben sich die Dark-Waver She Past Away (TR) und Post-Punker Gene Loves Jezebel (UK) die Klinke in die Hand. Ruhige, swingige Musik lud zum Träumen und leichtem Hin- und Herwiegen des Körpers ein. Diese Musik ist eher etwas zum Hören und genießen und weniger zum völligen Ausrasten. Das große Areal der AGRA war halb gefüllt, viele liefen für einige Songs hinein, lauschten, und gingen dann wieder ihrer Wege Richtung Shopping-Bereich.
Gegen halb 9 abends wurden dann aber doch wieder rockigere Melodien angeschlagen. Die Finnen von The 69 Eyes rockten die Bühne wie kaum zuvor. Ich habe schon viele Shows dieser Band gesehen und muss sagen, das die Daarbietung zum WGT von Energie und Spielfreude nur so strotzte! Eins meiner absoluten Highligts des Festivals.
Um im ähnlich mystischen Rockgenre zu bleiben führte anschließend der Weg in den Felsenkeller zu Wednesday 13. Die Amerikaner sind sowohl optisch mit ihren aufwändig geschminkten Gesichtern als auch musikalisch ein absoluter Genuss.
Das Publikum drängte sich im Felsenkeller um bei dieser Rockparty mit abzugehen. Der Hardrock Sound brachte wohl alle zum Schwitzen!
Nun hieß es durchhalten. Denn erst um 1 Uhr nachts wurde zum Mitternachtsspecial jemand ganz besonderes angekündigt: Skinny Puppy! Selten in Deutschland und noch seltener auf dem WGT war dies definitiv ein weiteres Highlight des WGT 2017! Wenngleich die Energiekurve während der Wartezeit in der Agra-Halle etwas gesunken war so hat sich jede Mühe gelohnt. Die Lichtshow/Projektionen und natürlich die Outfits von Sänger Nivek Ogre beeindruckten das Fotografenherz und beglückten die Industrial-Fans, die noch einmal alles aus den müden Knochen heraus holten und entsprechend mittanzten.
Der letzte Festivaltag startete deutsch – im Kohlrabizirkus eröffneten Sündenrausch, gefolgt von Erdling.
Sündenrausch gruppieren sind selbst im Genre des Gothic-Pop-Metal ein. Sängerin Kira deckt mit ihrem Gesang alle diese Genre komplett ab – es ist eine wahre Freude das Spektrum ihres Könnens zu verfolgen und zu genießen.
Also Opener konnten Sie bereits gute Besucherzahlen verbuchen!
Erdling übernahmen anschließend gern das Zepter mit einer etwas rockigeren Gangart – Neue Deutsche Härte war angesagt! Neill und seine Jungs rockten bei gutem Sound das Zirkuszelt. Auch als fast noch Newcomer bewiesen sie, das sie das Potenzial haben mit den ganz Großen mit zuspielen. Spätestens mit „Blitz und Donner“ oder dem Song „Mein Element“ haben sie die Fans (und diejenigen, die es bis dato noch nicht waren) überzeugt.
Etwas krachiger hingegen lieferten Psyclon Nine (USA) in der agra-Halle ab. Soundtechnisch leider mit einigen Problemen und einem etwas genervt wirkenden Nero Bellum konnten sie dennoch den Auftritt meistern und die lechzende Menge begeistern.
Den diesjährigen Abschluss fand das WGT mit den Klängen der Kanadier von The Creepshow im Täubchental. Eine absolut geniale Rockabilly-Darbietung von Sängerin Kendalyn Legaspi! Unterstützt von ihren Männern die traditionell auch u.a. mit Kontrabass begleiteten blieb hier kein Fuß still stehen. Kenda hüpfte wie ein Flummi von links nach rechts über die Bühne und suchte auch abseits davon Kontakt zu ihren Fans. Diese Musik macht einfach nur Spa0ß und zauberte ein zufriedenes Lächeln in die Gesichter der Anwesenden. Somit war dies das dritte Highlight.
Fazit: mit über 25.000 Besuchern war auch das diesjährige WGT ein voller Erfolg. So vielschichtig wie eh und je war für jeden Geschmack etwas dabei. Meistens war der Wettergott gnädig und auch die Aftershow Partys erfreuten sich, ähnlich wie die Warmups mit Lesungen oder Friedhof-Tour, großer Beliebtheit.
Das WGT und ein schwarzes Leipzig zu erleben ist wirklich etwas Besonderes und gehört in das Repertoire eines jeden Gothic Fans einfach dazu.
Für eine Band, die soziale und politische Missstände stets anprangerte und sich dabei nie den Mund verbieten ließ, gibt es momentan unglaublich viel Stoff. Kein Wunder also, dass nach dem etwas introspektiven Album „The Black Market“, das sich vor allem mit der Sicht des Menschen auf seine eigene Persönlichkeit beschäftigte, nun wieder ein sehr extrovertiertes Album erscheint, das dazu aufruft, Missstände anzuprangern und ein mutiges Selbstbewusstsein aufzubauen.
Musikalisch geht es wieder stärker in Richtung Punk und die alternativen Klänge des Vorgängers treten in den Hintergrund. Die temporeiche erste Hälfte des Albums ist ein knallharter Appell an innere Stärke. Und das nicht nur im Titelsong, der dazu aufruft, vom Opfer zum Jäger zu werden, sondern auch in politischen Statements wie „House On Fire“.
Der Einfluss der Präsidentschaftswahl in den USA auf die Songs der Band aus Chicago ist unverkennbar. „Walls“ spricht von zurückkehrenden Monstern der historischen Vergangenheit, „Welcome To The Breakdown“ prangert Geschichtsverfälschung und die Verdrehung von Tatsachen an. Tracks wie „Politics Of Love“ nehmen jeden Menschen in die Pflicht, da man in heutigen Zeiten nicht unpolitisch sein kann.
Härtere und softere Töne bieten eine ordentliche Mischung, die alle Qualitäten der Band von Punk über Hardcore-Ansätze bis hin zu fast schon melodischen Klängen in „How Many Walls“ und „Miracle“ zu bieten hat.
Der Vergleich mit New Model Armys „Between Dog And Wolf“ mag weit hergeholt sein, doch zumindest thematisch liegen die Bands nah beieinander und verstehen es blendend, ihre Ideen eindrücklich an den Hörer zu bringen. Rise Against vereinen dabei alles, was sie in den letzten Jahrzehnten musikalisch entwickelt haben, und bieten ein starkes, energisches Album.
Ergänzend sei zu bemerken, dass auf der Deluxe Edition zwei starke Bonustracks zu finden sind, die Fans der Ursprungszeit von Rise Against begeistern dürften. „Megaphone“ und „Broadcast Signal Frequency“ sind es durchaus wert, Einsfuffzich mehr auszugeben.
Über Sinn und Unsinn einer solchen Veröffentlichung lässt sich trefflich streiten. Tatsächlich ist es wohl so, dass der gewöhnliche Metal-Haushalt spätestens mit dem Eintreffen des ersten Nachwuchses vor die Frage gestellt wird, ob man Metallica und Anthrax jetzt nicht besser durch Rolf Zuckowski und Detlev Jöcker ersetzen sollte. Das mag dann auch ein paar Tage lang gut gehen, aber irgendwann fehlen die vertrauten Riffs und schwermetallischen Drums.
Die neu geschaffene Band Metalkinder könnte hier Abhilfe schaffen, wenn man sich denn darauf einlassen will. Beim Repertoire handelt es sich im Prinzip um gängige Kinderlieder, welche die Kleinen dann auch im Kindergarten gefahrloser nachträllern können als ihre eigenen Versionen von „Master Of Puppets“ und „Number Of The Beast“. Das Ganze ist eine Idee von Nino Kann, der seit Jahren erfolgreich Musik für Kinder macht und gemeinsam mit Pia Pilz das Projekt entwickelte.
Es gibt bekannte Kinderlieder wie „Fuchs du hast die Gans gestohlen“, „Bruder Jakob“ oder „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“ im kraftvollen Metalgewand mit harten Riffs und treibenden Drums zu hören. Auch die eigenen Songs wie „Metal ist“ oder „Ich will Matsch“ können mit Sprachwitz und Power überzeugen.
Das Konzept ist denkbar einfach: Die Instrumente hauen das altbekannte Metal-Brett in durchaus headbang-tauglicher Geschwindigkeit raus. Dazu singen die Kids in kindlicher Form die bekannten Melodien, manchmal textlich leicht abgewandelt. Das tun sie mit enormer Leidenschaft und viel Energie. Ein starkes Selbstbewusstsein kann man den Sängerinnen und Sängern wirklich nicht absprechen. Ich denke da nur an die Rammstein-ähnliche Version von „Fuchs – du hast“. Das sind sehr geniale parodistische Momente.
Zehn Songs in einer guten halben Stunde Spielzeit sind durchaus tragbar und bringen etwas Leben in die Metal-Familie. Macht Spaß.
Hier findet ihr unsere Fotos von System of a Down am 04. Juni 2017 bei Rock am Ring.
Hier findet ihr unsere Fotos von Prophets of the Rage am 04. Juni 2017 bei Rock am Ring.
Hier findet ihr unsere Fotos vom dritten – und letzten – Tag Rock am Ring 2017.
Hier findet ihr unsere Fotos vom zweiten Tag von Rock am Ring am 03. Juni 2017 am Nürburgring.
Hier findet ihr unsere Fotos vom ersten Tag des Rock am Ring Festival am 02. Juni 2017 auf dem Nürburgring in Nürburg.
Als ich in den 80ern endlich der ersten Fremdsprache mächtig genug war, um mich englischsprachiger Musik zuzuwenden, waren es vor allem drei Bands, die meine musikalische Biographie beherrschten: Marillion, Simple Minds und U2. Und die Alben für die einsame Insel – ungeachtet aller Perlen, die in den Folgejahrzehnten noch kommen sollten – sind und bleiben „Misplaced Childhood“, „Street Fighting Years“ und „The Joshua Tree“. Dass diese nun nach und nach ihre dreißigjährigen Jubiläen feiern, kann auf jeden Fall Grund zur Freude sein. Marillion legen ihre ultimate Edition demnächst etwas verspätet vor. U2 sind da schon näher dran am Jubeltag: Das Album erschien am 9. März 1987 und es gibt dreißig Jahre und drei Monate danach nicht nur eine fulminante Tour, die ganz dem Klassiker gewidmet ist, sondern auch eine Neuauflage in mehr oder weniger gehaltvollen Editionen.
Zur Besprechung liegt mir die 2-CD-Edition vor. Das Originalalbum ist hier in der remasterten Version enthalten, die es bereits 2007 zum 20jährigen zu erwerben gab. Muss man zur Musik noch was sagen? Es war ein Meilenstein. U2 verbanden hier alles, was sie zu bieten hatten, zu einem fantastischen Album – der Essenz ihres musikalischen Schaffens. Die aggressive politische Attitüde der ersten beiden Alben „Boy“ und „War“, Melodik und Atmosphäre von „October“ und „The Unforgettable Fire“. Das alles fand sich in „The Joshua Tree“ wieder und wurde in eine fast schon poppige Richtung weitergeführt. Dabei war der neue Sound absolut innovativ und führte die disco-geprägten 80er schließlich zu einem versöhnlichen Abschluss.
Die politischen Themen („Bullet The Blue Sky“, „Mothers Of The Disappeared“ und „Red Hill Mining Town“) sind bis heute aktuell. Blues, Gospel und Soul hielten Einzug in die Ausrichtung der Band. „Running To Stand Still“ beleuchtet auf gänsehauterzeugende Weise die Gefahren des Drogenkonsums während „One Tree Hill“ den Tod von Bonos Freund Greg Carroll zum Thema hat. Mit den Hitsingles „With Or Without You“, „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ und „Where The Streets Have No Name“ schaffte es das Album in Großbritannien, Irland, den USA und auf der ganzen Welt auf Platz 1 der Charts und verkaufte über 25 Mio. Exemplare. Klangtechnisch hatte Brian Eno ganze Arbeit geleistet – das zeigt sich auch auf dem Remaster.
CD2 enthält ein (gekürztes) Livekonzert aus dem Madison Square Garden in New York. Es zeigt, wie sich auf dieser Tour die alten Songs gemeinsam mit dem neuen Album zu einem homogenen Ganzen verbanden. „MLK“, „Bullet The Blue Sky“ und „Sunday Bloody Sunday“, ein fantastisches „Pride“, zum Ende hin „Party Girl“, „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ und „40“ – das war schon eine starke Setlist. Besser wäre natürlich ein komplettes Konzert, aber als Einblick in die erste „Joshua Tree Tour“ kann die einzelne CD allemal dienen.
Wer ganz vorne mit dabei sein will, wählt natürlich die 7LP-SuperDeluxe oder 4CD-SuperDeluxe Edition. Das 4CD-Teil kostet zwar über 80 Euro, ist aber wunderschön als edler Schuber im LP-Format aufgemacht und enthält neben den erwähnten beiden Scheiben noch eine Remix-CD, eine CD mit B-Seiten und Raritäten, einen dicken Bildband und einige Kunstdrucke der Cover-Session. Das ist ein wertiges Teil und eine Zierde für jedes Fan-Regal.